Hauptmari,l Lerbas.
Skizze aus dem polnischen Ausstand 1863 von Marga-Jehanne Gräfin Wielopolska. (Nachdnick verboten.)
In den SümpsM von Malüwwka wütete das Granu: des lüngsten Gerichts. In der Ferne stöhnte der Wald das Abschieds- led der Sterbend:'::.
Heiliger Gott, heiliger, starker Gott. . .
Kartätschen zerrissen heUlend die Lust. Kanonenkugeln fegten wie ein toll gewordener Besen die letzten rostfarbenen Blätterreste von den Bäumen. Bon Zeit zu Zeit schob eine feurige Rakete durch die Luft, kreischendes Wiehern der Pferde und das unmenschliche Getöse gebrochener Reihen war die Antwort.
In dem wilden Schlachtengebrüll starben still, ohne Stöhnen, ohne Jammern, die Meuschen lautlos, nur die Erde wimmerte, — galt es den Seelen der Hinsterbend«:? Oder ihrer ungestillten Sehnsucht? Oder war es nur das donnernde Spiel der Geschütze, das sie so tvimmcrn machte?
Au den Sümpfen stand schweigend der Trost, eine znsammengeballte, verzweifelte Masse.
Sie wnstten nicht, was sie tun sollten. Die Pferde rissen und Irrten an den Zügeln, bäumten sich! und versanken mit den Hinterhufen in dem schlüpfrigen Moorgrund. Tie Soldaten hielten die Pferde kranrpshaft an der Kandare und starrten stnmin aus den schwarze:: Wald: der Wald aber dröhnte und donnerte. Jeden Augenblick konnte aus diesen: Wald das bleiche Gespenst zu ilsnen kommen: der Tod. Wie die großen, altersgeschwärzten Blätter eines alten Folianten hatte sich der W!ald nach beiden Seiten gelegt, sie aber lasen mit tödlicher Anstrengung, gierig, was in dicsein schwarzen Schicksalsbnche dort vor ihn«: für sie geschrieben: stand.
Ter Kampf neigte sich osfenl>ac seinem Ende zu. Das Schntzen- seuer streute die Perlen seines tragischen Lachens imMier seltener, nur das Echo gab dem kläglichen, vereiuzelten Knallen noch eine gewisse Bedeutung.
Bei den FoUragewagen. stand Hauptmann Lerbas. Sein Gesicht war dunkel, wie jener Wald, der dort unter den Schlägen der Geschütze starb, nur die weist«: Haare legten sich wie ein polierter Rahmen um ein byzantinisches Heiligenantlitz.
„Still gestanden!" — wiederholte er hart von Zeit zu Zeit iuud bohrte sich mit den Beinen und den: Karabiner immer fester iu den Moorgrutü>. Ter unheimliche Llbgrnnd dieses Sumpfes lrg hinter ihm, vor ihn: war«: tausende -von Feinden und zwölf Verderb«:speiendc Geschützschlünd c.
Seine Kameraden starben. Jeder Kanonenschust hallte von den w'vostedeckten Rinden der Buchen und Birken wider und traf das Herz des jüdischen Offiziers !vie ein Kenlenhieb. Jeder Schuf; fräst Und fräst an seinen: treuen Soldalenherzen, doch er hatte de:: Befehl, hier stehen zu bleiben, er durfte sich nicht vom Flecke rühr«:, >also stand er.
Plötzlich sah er Groineykos Ulanen auf sich zusammen. Sie brachten den Befehl des Obersten, Lerbas sollte sich mit dein Trost ans jenseitige Ufer des Sumpfes zu rückzieh«:, sonst wären Munition, Kriegskasse und Proviant verloren.
Und Angst packte die Herzen manch,er Soldaten: noch niemaich hatte diesen Sumpf durchquert. Tort vor ihnen, im Schlunde des heulenden Waldes, war der Tod, doch hinter ih::«r, in dem schlüpfrig«: Sun:Pf, lauerte mehr als der Tod — dort lauerte das Grauen.
Hauptmann Lerbas machte ans der Stelle Kehrt und ries mit dumpfer Stimme sein Kommando:
„Kehrt, marsch durch den Snurpf!"
Tie Pferde wurden ausgespannt, dafür spai:nte er sich selbst Und seine Mannschaft vor die Wagen; sie fing«: an zu ziehen.
. „Ta soll das Donnerwetter dreinschlagen! Herr Hauptmann, wir können nicht weiter!"
„Lieber dort im Walde verrecken, als in diesem Treck ersaufen."
Und der Schlamm gurgelte und spritzte, leckte gierig mit seinem igrünlnhen Schaum Füße und Räder: die Mannschaft aber sing an zu murren über das wahnsinnige Unterfangen. Tie Wagen gerieten in Unordnung, kracht«:, neigten sich bald links, bald ^chts, in ihrem Rücken aber spielten die Geschütze ihr schauriges Orgelkonzert in allen Tonarten.
„Wer den Wagen l:>slästt, den schieße ich nieder!" — brüllte Pierb'Ct3 heiser. — „Los, Jungen!" Bon Euch hängt die Entscheidung dev Kampfes ab, wir haben: die Munition, die Kasse, d«: Proviant. . ."
Kaum hatte er eg gesagt, als einige der Leute die Deichsel lvsliesten und ftcE), M dem heulenden Walde zuwandtei:
- „Stehen bleiben, Ihr Feiglinge!" — schrie Lerbas. Die Soldaten aber rannten keuchend weiter, mit den sie un:klamu:eri:- mi Mallen des Moores ring«:d.
Ter jüdische Offizier erbleichte, und gleichzeitig huschte eine Wamme ilber seine roten Win:^«:. Er hob die dürre Hand, der Sckmst dröhnte, und der erste Ausreißer wälzte sich in feinem 1
■«* andern kamen entsetzt zurück, spannten sich wieder an die agen, und lvieder ging es keruhend und röchelnd, immer näher.
immer näher den: gegen übe rlieg«chen Jtfer, dem festen Grund, der Rettin:g entgegen.
Als sie den grünen RasenstreiseN schon beinahe erreicht hatten, versperrte ihn«: ein Reiter den Weg.
„Mit lvelchem Recht hast Du Meine Soldaten uiederqc- schossen?" — rief dumpf eine Stimme in die Dämmerung hinein, — er war Rittmeister Gromeyko.
Lerl>as liest den Wagen los und sprach erregt, mit scineml Karabnier he rum suchet nd:
„Mit dem Nicht, daß ich Befehl hatte, vorwärts zu gehen, urchr-davonzulaufen, jed«:, der es tut, muß ich niederschiesten." fy c a S* lmir ^ e ks für einen Llugenblick still, nur das Lied
Nost dahm, klagend und gewaltig, und in dieses Lied hinein lvie m «neu Blumenkelch, fiel ein Schuß, und der hallte lauter, als alle die andere::, die seit zwölf Stund«: die Luft zerrissen
Tw Pistole in Gromehkvä Hand rauchte, Lerbas aber wankte, als zöge ihn das Moor in seine schoarze Tiefen hinab. Mit furchtbar trauriger Frage sah er Gromeyko in die Augen, — dann sank er zusammen.
,,Sie haben mich nicht verstanden, Herr Rittmeister! Schade es :st vorbei! . . Und langsam glitt er auf das schlammige Lager hinunter.
uimiurcreu :i: oer tperne otc ^veuyiltze, doch
mehr wie ein Signal.
Ter GZang war verstummt. Jetzt lvar nicht die Zeit, zu smgen oder zu beten. Ter Wald ächzte und bebte und krümmte s:ch unter den Schlägen: die verscheuchten Vögel schwebt«: hock: über der Erde dahrn — ungezügelter Siegesjubel brauste zum Himmel empor.
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r. "i " ^l>e oen Lerbas nwoergeschossen —" sagte eine Stunde spater Gromeyko salutierend zi: seinen: Obersten.
„Sind sie denn wahnsinnig? Warum?"
Gromeyko faßte sich an den Kopf.
„Ich habe ihn nicht verstanden! Nichts habe ich verstand«, Ich dachte an den Verräter Abraham und sah in ihm, )veil ev atlch Jude war, im Augenblick der Erregung gleichfalls einen Verräter. Ich meinte, Lerbas drohe mit seinem Karabiner, er aber schwor doch nUr bei seiner Büchse, dies«:: seinem einzig«: Lottatentalisman, er würde jeden niederschiesten, der Polens Sache verließe. . . In meiner Erregung betäubt, rvie ich lvar, hatte ich :hn nicht verstanden. — Lassen Sic mich erschießen, Herr Oberst."
^er Oberst mußte sich ans seinen Säbel stützen, denn kampfes- ninde, w:e er war, konnte er kaum noch auf seinen Bcilien steh«:, und er sprach dniwpf, als spreche er zu sich selbst, zu den zer-, stampften Feldern und zu dem Walde, der nach den: Siege lvie tu Leichen starre dalag.
„Sollte ich alle jene erschießen lass«:, die in Polen die helfende Bruderhand zurückgewieseu l>ab«:, — sollte ich alle die nieder- M.ßen la„en, deren Herzen voll Mißtrau«: ivaren, die böser Absicht i«:e geziehen, die fremden Stanunes zwar, doch uiiserer Sache treu ergeben gewesen, — lieber Rittmeister, dann lvürden tneme Kugeln wohl kaum reichen."
verruisehtes.
* D i e G e s a in t l e i st u n g der B e v ö l k e r u n g d e r Erde, bzw. der hauptsächlichen Kulti:rländer in mechanischen Arbeitseinheit«: vUszudrncken — diesen interessanten Versuch mackst Professor Dr. H. Boruttau ir: seinem soeben erschienen Buche: Tie Arbeltsleistnngen des Menschen. Einführung in die Arbeitsphysiologie. (Verlag B. G. Teubner, Leipzig und Berlin). „Natürlich ist dies nur schätzungsweise möglich, da es nicht nur, lvie mir schon Am«:, an der Möglichkeit genauer Berechluing der mechanischen Leistung in den einzelnen Bernsen, sondern auch an den nötigen statistischen Grundlagen in weitgehendem Maße fehlt. Zieheli wir Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß es dem weiblichen Ge schlechte, sei es in der Hai:sarbeit oder ans dem Felde, sei es in Berufen, vielfach nicht an beträchtlicher Teilnahme an körperlicher Arbeitsleistung gebricht, ja daß auch Kinder und Greise nach Masterer Kiäftc nicht untätig sind, von der Gesamtbevölkernng des Deutschen Reiches die Hälfte in Betracht und rechne,: für jed«: einzeln«: (etwas Jfcacfc gegriffen) den Arbeitstag gleich einer Leistung von 100000 mkg-, so ergibt das bei einer Einwohnerzahl von 6o Millionen chic tägliche Arbeitsleistung von 3 Billionen 250 000 Millionen mkg. Etwa 300mal so hoch wäre in Anbetracht jer Feiertage die Arbeitsleistung in: Jahre einzuschätzen. Ent sprechende Werte würden aus den Einwohnerzahlen der anderen in Betracht kommenden Länder erhallen. Nehmen wir für die 1700 WckUonen betrag«:de Gesamtbevülkerung wieder Beteiligung der Hälfte an der Arbeit und aiigesichts der abweichenden Kulturzu- stände großer Teile Asiens, Afrikas und Südamerikas den 'Arbeitstag nur zu 50 000 mkg, so erhielt«: wir 42,5 Billion«: mkg als menschliche Tagesleistung für die gai:ze Erde.
Um damit die Leistungen der Zugtiere und Kraftmaschinen zu vergleichen, wollen wir davon ansgehen, dast im Jahre 1887 die Anzahl der Pferde auf der ganzen Erde zu «um 62 Million«: geschätzt wurde und wollen angesichts der Zunnayme der Kraft- inaschrnen und Kraftfahrzeuge aller Art annehm«!/ daß sich dies«


