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meine- Schwagers betrachten darf, mtiß ich Ihnen ein Kom- plinwnt sagen. Jost sieht vortresslich ans. . .

Mit Interesse hörte die Fürstin der Schilderung Josts zu. Sie fragte viel mit ihrer angenehm klingenden Stimme und nur einem leichten fremdländischen Akzent in ihrem Deutsch. Daß es eine Bibliothekswissenschaft gebe, war ihr etwas Neues, und daß Jost sich gerade diese als Studium erwählt, erweckte ihre Neugierde. Sie wollte wissen, wie er darauf gekommen sei und warum er nicht die diplomatische Karriere eingeschlaaen habe, die seinem Stande doch näher liege. Aber ehe Jost antworten konnte, klirrte draußen ein. Sporenschritt, und man hörte Bolkos Stimme im Vor­zimmer:Was Deuxel, Prinz Jost? Hättet ihr doch in die Kaserne geschickt und mich holen lassen! . . ." Bolko trat ein. umarmte Jost mit großer Lebhaftigkeit und drückte Velten die Hand. Dann küßte er Lilian die Stirn.Wohlauf, Maus? Ja, kein Schatten im Auge warst du im Bade? Hast du deine Medizin geschluckt? Bist du lieb Kind gewesen? Der Rittmeister hat mich wieder einmal gerüffelt, er häkelt an mir herum, ich möchte den ganzen Krempel. . . ria! Also, Jost, Junge, guck mich einmal an! Fein hast bit dich 'rausgemacht, du bist weiß Gott noch gewachsen und . . . ha, was sehe ich, einen regulären Schmiß, eine reguläre Tiefguart, eine Backenzeichnung, wie man sie sich nicht besser wünschen kann! Velten, was haben Sie aus unseren: piep­sigen Säugling gemacht! Das ist gar nicht Jost, Sie haben ihn vertauscht, das ist ein großer, strammer Bengel, das ist nicht mehr unser zartes Jüngelchen! Lilian, die beiden bleiben zum Essen, schieb einen Feiertagsgang ein, ich lasse eine Pommerp kalt stellen. . . ."

. Bolko war immer sehr lebhaft gewesen, aber etwas Fah­riges und Zerstreutes hatte sich seinem Wesen zugesellt. Es schien dabei, als sei er behäbiger geworden, das Gesicht war voll und rund, nicht mehr so fein in den Zügen, das Auge verschwommen. Seine laute Art stand in schroffem Gegcn- sah zu der ruhigen Gelassenheit Lilians. Er schrie und wet­terte, als er hörte, daß die beiden schon am Abend weiter^ fahren wollten. Dam: warf er sich in einen Sessel und schlug mit Hellem Sporenktaiig die Beine übereinander, sprang wieder auf, gab Lilian einen Kuß, packle Jost an den Schul- rm 1 ! ^§te:.Du, sei froh, daß bu nicht Soldat geworden bist! Eine ewige Schinderei und kein Ende. Mein Ritt- meister ist der dicke Grelling. Er zwiebelt mich, er trietzt mich, Schindlnder spielt der Kerl mit mir: ich bin sein Prügelpriuz; ich habe die Quälerei bis zum Halse heran, ich mach' doch, emmal kurzeil Prozeß. Grüße Artern, grüße die Madame, grüße alles. Guck dir unsere neue Fabrik mal an. Ich bui Töppermeister geworden, Lilian hat niich avan- cleren lasseii, sw zeichnet selbst die Ornamente für Töppe und Tiegel, o sie ist eine gebildete Hausfrau. Sie ist nicht nur Ichon, sondern auch weise, sie regiert, sie hat die Zügel M l ^ Hand: was von mir übrig geblieben, ist nichts als ein Stückchen Wachs. ..." .

Es wurde noch ein weniges hin und her gesprochen. Velten beobachtete dabei scharf. Bolko war sichtlich nervös und verärgert; vielleicht war nur der Rittmeister v. Grelling daran schuld, vielleicht lag die Ursache tiefer. Irgend etwas schwer zu beurteilen, wie die junge ch- "ch'>.^"lko küßte seine Frau viel, er zog ihre Hand an seine Lippen, er zwinkerte ihr zärtlich zu. Sie war imnier gleich liebenswürdig und herzlich, aber sie,var sichtlich es klang zuweilen etwas Erzieherisches ansthlug "erliches aus dem Don, den sie Bolko gegenüber

w Lullt begleitete die beiden auf den Korridor. An der Entrcetur stand schm: wieder der schattenhafte Haushost Nieifter und hatte die Klinke in der Hand. Jetzt erkannt«,

tialt nmr Mister Lennox, aber der Backen­

bart sthlte, dav Gencht war grauer genwrden, der brutale Zug um den Mund war ersterbender Demut gewichen. Mister

^rechtem WUike^ ^ unb verneigte sich vor Jost

,-Dvppla," meinte Velten, sich in das Polster der Droschke Äf was sagst du, Jost? Hast du bemerkt: die Fucstiii swht guten Hoffnungen entgegen, der Fink hat wieder der alte Staimn will neue Blüten treiben. Die Aus- Nchtcn, daß du doch noch einmal Regierender werden könntest siiid trilbe geivorden. Soll ich mir Vorwürfe machen?

lommtn, Fritz, sie sind auch nicht nötig. Ich pu sprichst nur im Sche^. Ich habe frei­willig verzichtet und gern. Es schinerzt nicht, Paetus. Es

schmerzt um so weniger, als ich auch Lilian mit andern Augen zu betrachten beginne. Ich finde, sie macht einen recht ver- stäiidigen Eindruck."

Das ist lvundervoll philologisch ausgedrückt. Aber es stimmt. Stimmt auch zu der Aeußerung Bolkos: sie regiert, sie hat die Zügel. Jost, ich glaube, ich täilsche nlich nicht: die Dame aus Amenka führt ein strenges Pantöfselchen. llnd ich glaube auch, es schadet dem fürstlichen Bruder nichts."

Jost lachte.Nee - im Gegenteil, das ist ihiii außer- ordentlich zuträglich. Er mag es sich e..tze.gedacht haben; vielleicht hat er sich in ihr getäuscht wie du und ich. Aber das steht fest: für Bolko ist eine straff führende eheliche Hand nur gesund. Bin neugierig, wie die Mie über die Frau Schwägerin urteilen wird. . . ."

In dem großen und schönen Gebäude des Elisabethstifts herrschte bereits weihnachtliche Aufregung. Der Unterricht war gestern mit einer Feier im Beisein der Prinzessin Irene geschlossen worden; heute wurde gepackt und zur Ferienreise gerüstet, die Backfische schwirrten wie ein aufgestörter Tauben­flug uniher, besänftigend schritten die Erzieherinnen von Znnmer zu Zimmer, verabschiedeten sich und gaben gute Lehren. Vorsorgliche Eltern hatten Kuriere abgeschickt, ihre Töchterchen zu holen, in der Vorhalle warteten ein paar galo- nierte Diener, ein baumlanger Jäger ging mit einen: Damen­pelz über den: Arm auf uu-d nieder.

Der Portier wollte die beiden Herren anfänglich gar nicht in das vestalische Heiligtum lassen. Aber Jost erklärte, er habe Auftrag, die Prinzessin Gotternegg abzuholen, er sei ihr Bruder, mrd Velten ließ einen Taler in die Hand des Mannes gleiten. Da wurde er sehr zuvorkommend, führte die beiden durch lange Gänge und blieb vor einer Tür stehen, auf der ein Pappschild befestigt war mit der gedruckten Aufschrift:

Zim mer N r. 16.

Annemarie Prinzessin von Gotternegg.

Ernestine Prinzessin von Berleberg.

Hede Gräfin Berknhn.

Mathilde Freiien von Tempel.

Dev Portier wies auf diese Türe und entfernte sich so­dann schleunig!. Der Lärnr hirrter der Tür mochte ihn: genier­lich sein; es war ein gewaltiges Toben.Ich sage," meinte Velten lächelnd',ist das ein Damenpensionnt? Es ist eine Volksversammlung. .

Still," entgegnete Jost,es ist keine Volksversamm- lung, es scheint ein Kommers zu sein. Hör nur . . ." Man horchte. Drinnen ries eine helle Mädchenstimme:Silen­tium! Ich kommandiere: ad exercitium salamandris, eins zwei drei. . ."

Die beiden Freunde vor der Tür schauten sich erstaunt au.I je," sagte Velten,da trau' ich mich gar nicht hinein. D:e brummen uns einen Bierjnngen ans. . ."

Merkwürdige Mädchenerziehung," meinte Jost. Dann krümmte er den Finger und klopfte herzhaft an. Nun er­tönte drninen ein gedämpfter vielstimmiger Aufschrei, daun Gläserklirreu, dam: wurde es still; eii: Schlüssel drehte sich, und tue Tür wurde geöffnet. Sechs junge Mädchei: neigten sich zu einem ehrfurchtsvollen Knicks, und daun schrie wieder dle Stimme Annemaries:Hurra, es ist mein Bruder, es :st Velten! Kommilitoniunen, es ist kein Tyrannenknecht, es :st Verwandtschaft und Frem:dschast, begrüßen wir die An- kommenden, wie es sich gebührt. . Zwölf kleine Stiefel- Z sohlen begannen den Boden zn scharren, dann stürzte Aunemane ait den Hals des Bruders und umarn:te auch Velten. 7

..Jost, verzech. es war nämlich. . . wir dachten, es wäre d:e Hüningen, die hätte wieder tückisch kehrt gemacht­ste war ichon hier und hat sich verabschiedet, aber es tra:^ ihr kenrer."

Pelten ' ie - lt ben Damen nicht recht," sagte

Annemarie, stelle uns vor," ermahnte die Prinzessin Berleberg. Dies geschah; außer den Zimmerbewohnern waren noch d:e Komteß Tini Erdinann und ein Fräulein von Wa Ar öden aiuvesend.Frei:e mich außerordentlich, Ihre Bekanntschaft machen zu dürfen, meine Damen," sagte Jost und bedaure, Ihnen meine kleine Schwester gerade :n ^^bM Augenblick entführen zu müssen, der hervorraae:ck Östlich gewesen.zu sein scheint . . ." Mgemeines Erröten, leises Kichern, schämige Bewegungen: hierauf trat Fräulein vou Tempel mannhost vor.

(Fortsetzung folgt.)