Die arme Prinzessin.

Sftomart von Fed or von Zobeltitz^

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

Der fürstliche Na »ne und der hübsche Junge öffneten Jost die Mädchenherzen. Seine erste Liebschaft mit einer nied­lichen Kellnerin machte ihn ganz schwermütig. Er begann zu schwärinen und bekam Herzweh, er setzte den Juwelier in Nahrung und kaufte heimlich rotseidene Strumpfbänder. Aber die Leidenschaft verging, und die kleine Kellnerin mußte trauern. Jost begann sich für das blonde Töchterchen des Regierungspräsidenten zu interessieren, spielte eifrig Tennis mit ihr, machte Fensterpromenaden und nannte einen stuck, jur., der ihr beim Ball auf die Schleppe trat, einenerst­klassigen Hammel", worauf eine Kontrahage erfolgte. Auch das ging vorüder, es folgte eine seriöse Mrgung zu der jungen Frau eines Amtsrichters, voll Ehrerbietung, heißen Hand­küssen und feuriger Ritterlichkeit, dann ein bedenklicherer Flirt mit der schwarzäugigen filia hospitalis, der Tochter einer Hofratswitwe, und endlich eine auf richtige Freundschaft mit einer jungen Studentin.

Das war schon iit einem späteren Semester, als die Reise, die Klärung und Läuterung begann, der tollste Ju­gendübermut im Berschäumen war und sich die ersten lieber- gange zu innerer Einkehr fanden. Dazwischen lag ein Weih- uachtsfest im alten Hause Gotternegg, das letzte für eine Reihe von Jahren.

Auf der Ferieureise nach der Heimat hatten Velten und Jost einen Tag in Berlin gerastet, um Bolko und Lilian zu begrüßen. Jost machte sich wenig daraus, aber Velten hielt es für schicklich. Sie wußten: der König hatte seine Zustim­mung zu der Heirat Boltös gegeben und die Umgehung des Ebenbürtigkeilsparagraphen im Gotterneggschen Hausgesetz nach Zustimmung Josts gestattet, hatte aber gewünscht, daß der Fürst in der Armee verbleibe. Das junge Paar Hatto infolgedessen ein villenartiges kleines Palais am Tempel- Hofer Ufer gemietet, und hier ließen sich Velten und Jost ein paar Tage von Weihnachten anmelden. Ein Diener hatte ihnen die Karten abgenommen, ein zweiter Diener stürmte Mit den Karten von dannen, ein dritter entledigte sie ihrer Paletots, ein .Haushofmeister öffnete unter tiefer Verbeugung die Tür zu einem großen Salon und verschwand dann wieder so lautlos, als trage er Gummischuhe.

Mich üherkommt eine höhere Weihe," sagte Velten halblaut,hier verbindet sich Reichtum mit gutem Geschmack, der aafrikanische Goldstrom füllt edle Gefäße. Sieh dich um, Jost: alles vornehm und nichts übertrieben, keine Neigung zum Allermodernsten und Absonderlicheil, aber eine gewisse Gediegenheit. Das freut mich, und ich frage mich: geht diese Geschnlacksrirhlung von ihr aus, der Fürstin?"

Mag sein," erwiderte Jost,vielleicht hat sie Geschmack. Ich sehe sie noch am Hochzeitstage vor mir, da gefiel sie mir nicht. Aber der erste Eindruck kann täuschen, ich war auch voreingenommen . . ." Er schaute sich um . . .Ja, es ist merkwürdig. Ich hätte im Salon Lilians anderes erwartet, mehr Prunk und Gleiß, mehr Aufdringlichkeit, auch mehr Sonne und architektonische Fröhlichkeit. Statt dessen hm wie soll ich sagen: ein stilnmungsvoller Ernst. . ."

Nun trat die Fürstin ein, in einem eleganten weiten Hauskostüm, ein freundliches Lächeln auf dem schönen Ant­litz, gemischt mit einer leichten, aber unverkennbaren Ver­legenheit. Sie reichte beiden die Hand zum Kusse.

Guten Tag, lieber Jost. . . verehrter Herr von Vel­ten . . ." Man nahm Platz. . . .Ich freue inich herzlich, Jost, daß du nicht durch Berlin gereist bist, ohne uns auf- zusuchen. Wie lange bleiben die Herren? Können wir am- Abend zusammen sein? . . ."

Jost bedauerte. Man wollte Annemarie abhoteu und den Nachtzug benutzen.

Ich habe förmliches Heinlweh, Lilian, es drängt mich nach Hause. Madame schrieb, alles sei vorbereitet, schon stehe der Weihnachtsbaum, und die Anschütz rühre den Kuchenteig. Auch Artern freue sich ich glaube, er langweilt sich in Gotternegg und sehnt sich zurück nach der Sonne Afrikas und den schwarzen Landsleuten."

Die Fürstin lächelte.Der arme Graf Bolko hat ihn auf dem Gewissen. Er nahm einen Hofchef, und wir halten nicht Hof. Aber ich höre, die Jagd entschädigt Artern. Er ist übrigens ein verständiger Wirtschafter und hält gute Zucht in Gotternegg. Er erspart uns die Oberaufsicht. Lüeißt du, daß wir daheim eine Töpferei begründen?"

Eitle Töpferei?" fragte Jost erstaunt.

Ja. Eine Fabrik für Steingut und Töpferwaren. Wir sind unweit der Brauilkoh-lenzecheu bei der Himmelsleiter auf ein umfangreiches Tonlager gestoßen, das sich der Hebung lohnt. Schade nur, daß Bolko so wenig Interesse für derlei hat. Mir macht das viel Spaß. Weißt du, alle solche Unter­nehmungen niachen mir Spaß: da rührt sich noch das ameri­kanische Blut. Ich würde für mein Leben gern auf Gottern­egg wirtschaften. Aber es geht ja nicht, vorläufig lvenigstens geht es nicht. Der Kaiser wollte, daß Bolko aktiv bleibe- dagegen ist nichts zu machen."

Lebt ihr triebt sehr gesellig?"

< ,',J!a, es sing lebhaft an. Aber aber es ist jetzt stiller gewordeti; es ist mir lieb," und wieder errötete die junge Frauich bin keine Freundin allzu stürnrischeu Lebens. Ich beneide dich förmlich, daß du nach Gotternegg darfst: ich habe meine Kindheit auf dem Lande verlebt und einen Teil meiner Mädchenjahre. Also du willst Annemarie ab­holen? Höre, das ist ein prächtiges Mädelcheir. Und wie sie heranblüht! Sie ist allsonntäglich bei uns, mtb wir sind gute Freundinnen geworden. Zuerst kanr sie aus der Scheu nicht heraus, aber das lmt sich gegeben. lind nun erzähle von dir. Jost. Herr von.Velten, wenn ich Sie noch als Präzeptor