238

Vom Januar 1831 einen neuen Hagelschlag über die frischen Blüten und jungen Triebe gebracht. Auch noch zur Burschen- ! eit Bismarcks konnten die Göttinger Korps nur in größter .Zurückgezogenheit existieren: das Hambacher Fest und der ! frankfurter Putsch brachten unaufhörliche GusPensionen. Korps für Korps flog auf, bis in den Märztagen Achtund­vierzig infolge des berüchtigten Polizeiskandals die gesamte Göttinger Studentenschaft auszog und erst wieder heinv- kehrte, als die hannoversche Regierung iljte Beschwerden als gereckt anerkannt hatte. Dann kam die abermalige Auf­lösung aller Korps im Winter 1863 wegen der lärmenden Streitigkeiten des S-. C. mit andern Verbindungen bei Ge­legenheit des fünfzigsten Gedeuksestes der Leipziger Schlacht, und schließlich im Sommer 1867 die großeKnotenschlacht" als Folge der Plünderungsgelüste des Pöbels vor den: Ein­züge der Preußen. Das innige Verwachsensein der Göttinger Korpsgeschichte mit der Geschichte der Georgia Augusta war allein schon für das historische Empfinden Veltens ge­nügend Grund, Anschluß an ein Korps zu suchen. Jost sollte die schäumende Poesie des Studentenlebens in den Grenzen einer festgegliederten kameradschaftlichen Vereini­gung kennen lernen; er sollte das Glück der Jugend an erfahren leitender Hand genießen. Er war rüstiger ge­worden, straffer wölbte sich seine Brust, höher trug er den Kopf im Nacken, breiter rundeten sich die Schultern. Aber noch immer sorgte sich Velten um ihn. Er entwarf einen genauen Plan, nach dem der Tag eingeteilt wurde, er blieb der Mentor und Arzt.Budenbüffeln" war für die erste Zeit Untersagt, die sechs Hörsaalstunden erforderten genügende geistige Anstrengung. Es kam auch auf der ehemaligen Adelsuniversität" nicht alle Tage vor, daß eine Durch­laucht immatrikuliert wurde, und so hatte denn Seine Magnifizenz, als Jost sich mit Handschlag auf die Statuten der Georgia Augusta verpflichtete, besonders schön gewählte Worte für ihn übrig. Stolz war auch das Korps aufseinen" Prinzen. Freilich, man ließ sich den Stolz nicht merken, man tat so, ah bah, als sei man fürstlichen Verkehr von der Kinderstube her gewöhnt und schlendre, rechts eine Hoheit und links eine Durchlaucht, voll aristokratischer Wurstig­keit durch das Leben. Es gab dieser junge Prinz auch keinen Anlaß zu sonderlichem Slolz, oder gab er ihn, so konnte es nur der Stolz darauf sein, einen so prächtigen Jungen zu den Semen rechnen zu dürfen. Jost trat nichts weniger als fürstlich auf; er war die Bescheidenheit vom alten Hause her gewöhnt, wo die Sorge schon in seiner Kinderstube Wacht gehalten, wo die Armut den Glanz der Vergangenheit mit -rauen Schleiern verhängt hatte. Ihm fehlte auch wirklich jedwede Nergung zurRepräsentation", er war in der Tat für die Studrerstube geboren, und war er nicht ganz mehr derblasse Stillsitzer" von einst, so war dies im letzten Grunde nur Veltens Verdienst.

, Velten schätzte die Korpserziehung hoch ein. Cr stand keineswegs im Banne feiidalistischer Weltanschauung, sein ungetriibt und sah klar, sah heller, als es die demokratische Presse durch die Parteibrille in ihrem alteii gegen das Korpsweseu tat. Falscher Schneid und eitles Strebertum waren ihm immer widerwärtig qe- Nusen; das fand man überall, es haftete nur am einzelnen, es wurde nicht typisch für diese uud jene Verbindung. Was Pi r! 1 der Korpserziehung von Wichtigkeit für Jost war neben dem Verkehrston der kräftige nationale ^ duldend war m Bezug auf Konfession und politisches Empfinden, aber streng in dem Pflichtbewußtseiu gegen Vaterland, Kaiser und Landesherr. Nun fühlte sich frer von politischer Einseitigkeit, er schwor auf keine Fraktionsschablone; aber er war ein tapferer Legitimist, er war zudem Romantiker, und die Glorie des Königtums war für ihn em heiliger Gral. In seinem Hang zur Romantik !Kg anch sein Ehrbegriff Wurzel; er konnte Vorurteile belächeln, er war nicht von kleinlicher Empfindsamkeit, aber die Ehre der Person war ihm unantast­bar, da sprang seine Klinge, da wurde er zum Raufer. Er merkwürdiger Mensch; er sah im Adel noch den historischen Stand, das seßhafte Herrentum; ging die Macht falletauch der Adel fallen; so hatteer selbst ihn war eme eigene Natur; im Grunde seiner Seele voll stolzer Freiheitlichkeit, hassend das höfische ^ionzeutum und die neue Aristokratie, doch aber blind königstreu iin Sinne der alten Ritterlichkeit. Zur Wahruna

schien ihm im akademischen Leben das Korps berrlfen, als eine Gemeinschaft Gleichgesinnter,

eine Bundesbrüderschaft, in der einer den andern über­wacht, deren Zugehörigkeit zu einer Quelle sittlicher Emp­findungen wird, in der die Treue reift ittib über der Freuno­schaft der Hauch poetischer Verklärung weht.

Das, was Velten durch den Beitritt zilm Korps für Jost erstrebte und zu erreichen hoffte, war ein Männlicher- werden, das letzte Ab streifen innerer und äußerer Verweich­lichung. Freilich erleichterte sein Einfluß ihm das Fuchsjahr nach Möglichkeit; man nahm mannigfache Rücksichten auf ihn. Der Fuchsmajor waltete milde seines Amtes, der Leib­bursch war ein verständiger Gesell. Die Erziehung zum Trinken wurde nur locker gehandhabt, strenger der Fecht­unterricht. Meister im Fechten war Velten; er hatte nichts vergessen, -seine Hand war fest und doch locker, er war auch ein tüchtiger Theoretiker. Er wurde der Fechtlehrer Josts. Die feinen Nerven des Prinzen zittertet! bei oer ersten Mensur; dennoch hielt er sich wacker; er sah wohl ein, oaß auch dies Kampfspiel ihn stählen würde, und wurde Herr seiner nervösen Schwäche.

So verging die Zeit, und Jost erhielt das Bnrschen- band. Es war ein herrliches Nebeneinanderleben mit Velteu und ein fidel kameradschaftliches im Korps. Die Kollegien wurden nach Möglichkeit eingehalten, zuweilen anderege­nascht". Josts Leibbursch war ein Mediziner, Klans Zielen hieß er; den besuchte der Prinz zuweilen in: Seziersaal, schwenkte auch dann und wann zu Velten ab, unr sich über die Oresteia oder die Sprachwurzeln des Sanskrit belehren zu lassen, schand gelegentlich ein Kolleg im historischen Seminar oder hörte die Vorlesung eines Äteraturprofessors über den Hainbund an. Das waren seine wissenschaftlichen Erbauungsstunden; weniger geistige reihten sich an. An den Kneipabenden wachte seine Laune auf, bei dem Exbummel in ein benachbartes Vierdors tobte er den übrigen vergnügt voran, er fehlte nicht bei den großen Kommersen, er war fröhlich am Stiftungsfest und bet den sommerlichen Spritzen über Land, und ber dem Begräbnis eines Professors half er das Banner tragen. Den gesellschaftlichen Verkehr hatten die Freunde, soweit es angängig war, einzuschränken ver­sucht; aber außer den Professorenkreisen mußten auch einige Spitzen der Stadt aufgesucht werden, und es war natürlich, daß der Prinz mit seinein unvermeidlichen Schatten überall mit offenen Armen ausgenommen wurde. So hatte man denn häufiger den schwarzen Ucberrock oder den Frack her­vorzusuchen, und schließlich fanden sich auch zartere An­knüpfungen, die auf dem Tennisplatz, im Ballsaal und bei den Landpartien mit Damen fortgesetzt wurden.

Velten war ein zu verständiger Mentor, um seinem Schützling eine harmlose Liebelei oder einen hübschen Flirt zu mißgönnen. Immer ist das Weib ein mitsprechendev Faktor in der Erziehung zum Manne; es sollte auch bei Jost nicht fehlen. Mit inniger Freude sah Velten, !vie Jost sich gewandelt hatte, was aus denlblassen Stillsitzer" geworden war. Das, was er gewollt hatte: fein aufgedun­sener Bierstudent, kein Raufbold und renommistischev Schaumschläger, kein eitler Geck und auch kein welker Stuben­hocker, sonderii ein frischer und fröhlicher Bursche, wohl eifrig und mit manchem Interesse hinter den Büchern her, aber voll glücklicher Heiterkeit, frisch auf der Mensur, welt­gewandt im Salon, lachend mit ben Lachenden und auch gelegentlicher Dummheit nicht abgeneigt. Nur den Karten konnte er keineri Geschmack^ ab gewinnen; derBubenskat" langweilte ihn tödlich uiid beimBierramsch" stockte sein Intellekt. Aeußerlich hatte er sich prächtig entwickelt; er? war ein bildhübscher Biirsche geworden und wußte sich mich gut zu kleiden. Daß das Budget iiicht allzusehr überlastet: wurde, dafür sorgte Velten nach Möglichkeit; waren Schul­den zu begleichen, so griff er sorglos sein Erbteil an, ohne? daß Jost eine Ahnuiig von seiner Gutherzigkeit hatte.

(Fortsetzung folgt.) ^

Die Hranzosen im vogekberg.

In eine große Bauerndorf sei baal all die Mannsleut im Kröia- De Weuver sei mick de Felderwet net allau fertig warn Do feiiS drrm mgelomme, daß se gefangene Franzose zur Helf bekoame men zaimestanne worn. Anes Doags kome se merklich on'* Bau aaner Fraa, bät nor noch aan Dienstmäd Hot, Pom auch a'ner Des Dmmchr, des Scho,liche, ißem NM doll o.t bäi rote Ln gL ÄSL erfi o rc ^9 WM he om Äfseedesch foafi. De Fra« ^fsee, Botter, Latnxrge, Käs un Worscht uffgedrahn. Da saav oe Franzos:Oh! madarae, vous avez trop de choses. (Sia