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Diener mit allerhand Geräten, Tinkturen, Pflastern, Spritzen, Salbentöpfcn, BLessern und Sägen voran geschickt, damit sie in den Straßen ein Wesen von ihm machen sollten, denn ec wußte wohl, daß sich Ruhm und G-eld nicht heimlich winken, sondern! nur mit lautem Geschrei herzubringeu lassen.

Tie beiden Gesellen, die eines Metzger-s Handwerk erlernt hatten, trieben am frühen Morgen durch die Gassen, bliesen das Kuhhorn und riefen ihr Sprüchlein an jeder Ecke:Erastus kommt! der große Meister? vor dessen Weisheit kein Mensch besteht. Der Herr über Grind, Zipperlein, Blindheit, Teusels- anwurf, Gistblut und die bösen Franzosen. Der große Arznei- mann, Besieger des höllischen Pacazelsus, Entdecker des goldenen Elixiers! aller Meister Meister! der Weisen König! Erastus kommt!"

Als der Türmer vom heiligen Michel den Mittag ausblies, ritt der Weise durch die Sternschanze aus eimini Esel, denn er­kannte sein Volk. Hinter ihm rotteten sich die Gassenläufer. Er tat großmächtig und wild gleich einem Marktschreier, hatte dem Eseleiu eine Hornbrille aufgesetzt und einen Klingelbeutel an die Schwanz­quaste gebunden. Und als ihn der Pöbel mit schlechten Witzen! und manchem Gelächter bedrängte, bfffefce er sich aus seinem bock­beinigen Rößlein herum und schrie, daß ihm der Hals rot wurde: Müßt ihr immer der Spur von euresgleichen folgen?"

Folgen wir nicht der Spur des weisen Erastus?" ries ein Kuäblein dagegen, Sohn des Pritschenmeisters Botzgeiker, der in der Papagoycnstraße wohnte und bei den Gildesesten den Harlekin machte.

Habt ihr noch keinen Esel gesehen?" brüllte der weise Erastus und lachte im Herzen, wie das Volk auf seinen Köder biß.

Noch keinen reitenden," rief das Kuäblein, und die Gefolg­schaft sprang vor Gelächter.

Sei gepriesen, mein Sohn, ob deiner schlagfertigen Zunge," lobte Erastus,du bist eines weisen Mannes Kind und sollst ein Advokat werden."

rMein Väterchen ist der Hanswurst Botzgeikcr," grinste das Kuäblein. Erastus hielt das Reittier au, stand hoch in den Bügeln, als wollte er einen Feind duvchhauen oder einen guten Trinkspruch tun und sagte zum Volk:Menschen und Leute, es ist besser­reiten können und dabei ein Esel zu sein, als zu Fuß lausen! und für ein Verberroß gelten."

Tamir trabte er fürder. Und die Lctteiu schicker hänselten weiter:Wie kommt Erastus mit seiner Weisheit auf den Esel?"

Erastus schnob:Ihr sollt euch fragen: wie kommlen die Esel auf den Berg der Weisheit?"

Mit solchen Stachelballwürfen gelaugte er zur Herberge, schied sich von seinem Gefolge und ließ sich eine Aalsuppe bringen.

Nach der Vesper, als die Sonne hinunter war, machte sich Botzgeiker der Narr auf, der von seinem Söhnlein die Kunde über den weisesten Mann der Welt gehört hatte, trat hin vor das grüne Tor der Herberge und begann zu rufen:Herfür, her für, Meister aller Meister, König der Weisen, Licht Himmels und der Erde! Geh auf und laß deinen Schein über uns leuchten!"

Tem Weisen gefiel das wohl, und er trat heraus. Da sah er den Narren, der sich mit einer pumpernden Schweinsblase deck Bauch schlug und vor Heiterkeit kreischte und sein Gesicht färbte sich wie ein Puterkopf.

_ ^ Tie umwohnenden Menschen rannten herzu oder warfen die Scheiben aus und legten sich grinsend in die Fenster. Botzgeiker rollte die Mütze vor Erastus, machte drei Kratzfüße und begann: Ich bin Botzgeiker, Freudenmeister aller Freudenmeister, König aller Lacher, Knacker der Tranköpse, Iuauisitor der Bücherwürmer, Feldhaupimann und Generalissimus der Schälke, Schelme, Flicgen­klatscher, Narrenschneider und Windbeutel, in summa der Kaiser aller Weisen, und bin gekommen, mich, mit dir zu messen in Worten, Gründen, Sätzen, Schlüssen, Gedichten und Werken!"

Willst du disputieren, du großes Maul," rief Erastus,so geh in den Stall zu meinem Esel." u

Wahrhaftig! das will ich tun," ries Botzgeikcr und pumperte sich den blanken Schädel mit der Schweinsblase,denn der weise Erastus, der seine Bekanntschaften wählt und siebt, wird keinen: Esel besteigen, der dümmer ist, als er selbst!"

Ta lief der Weise in die Herberge zurück und warf die Tür hinter sich. Botzgeiker aber ging in den Stall zu dem Esel. Und die Nacht siel jäh ein und schlug die Gassen mit dunklen Tüchern aus.

Als Erastus am neuen Morgen das Grautier besteigen wollte, um auf den Burstah zu reiten, woselbst er in eines NeepfchlägerÄ Stube seinen Apothekerladen aufgeschlagen hatte, konnte er sein Fürnehmen nicht ausführen, weil das Eseleiu verschwunden war, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der Wirt der Herberge lief eilends zum Richter und beschwor seine Unschuld. Der Weise sttzte ihm auf der Ferse nach und beschuldigte den schlimmen Narren Botzgeiker deS gemeinen Diebstahls. Und das Gericht sandte zur Erkundung zwei Büttelknechte in die Papagopenstrastch die traten die Tür am Haus des Pritsckwnmeistcrs ein,'nachdem sie lange und vergebens geklopft hatten, und fanden Botzgeiker mit seinem Knäblein am Tisch bei einer guten Brühe, in der eines Esels fettes Bein schwamm. Sie hoben ihn aus und nahmen ihn zwischen sich. Und als er durch die Stadt mußte, tat er gleich einem kleinen Waisenkind, weinte schnapplange Tränen und heulte dazu herzbrechend, daß die Leute gelaufen kamen und lachten.

Vor dem Richter erzählten die Knechte, wie sie den Telin- guenten bei der Eselsbrühe getroffen hätten,.und Erastus, als er es hörte, barst beinahe vor Zorn über den Verlust, hob aber sein Gesicht frcimütiglich. denn es schmeichelte ihn, daß sein Verdacht den Rechten ausgespürt hatte. Da fragte der Richter den Süw?. r, wes­halb er den Esel des Erastus gestohlen habe? Botzgst e aber zog ein erstauntes Gesicht und rief vernehmlich:Lieder Herr Richter, ich will ein schlechter Schalk sein, wenn ich das getan hätte. Ich habe vielmehr auf Geheiß des weisen Erastus mit dem Esel ein großes geistiges Kampf- und Streitspiel geübt, wobei sich mein Disputant über die Maßen tapfer gehalten hat. Ws es aber gen Mitternacht ging und mir mein Strohsact immerfort vor feint inneren Gesichte lag, sprach ich zu ihm:Ich will nun heimach'n, willst du mich begleiten?" Da verlor er allen Widerspruch/sagte vielmehrJ-- a!" und trottete mit. Daheim erhob sich zwischen uns ein neuer Streit, bei dem sich mein zorniges Gemüt ernsthaft erhitzte. Und im Zorn herrschte ich ihn an, ich würde ihm den Kopf vom Halse schneiden. Ta schrie er wiederum und sreudiglich: Ia!" Worauf ich ihm flugs nach seinem Wunsch tat und damit unfern Tisput für alle Zeit beendete." Tie Richter und Beisitzer verkniffen sich mühsam das innere Lachen, blickten aber strengen Auges aus das Gesetzbuch, das vor ihnen aufgeschlagen lag.

Botzgeiker," sagte der Richter,nachdem du solcherweise dein Gewissen entlastet und den Diebstahl bekannt hast, verurteilen wir dich hiermit in Anbetracht deiner sonstigen Qualitäten zu der geringsten Strafe, die einen Dieb unb Mörder ja Mörder! schweig, du hast den Esel gemordet hierzuland trifft: man soll dir sofort ein Auge ausstechen."

Gestrenger Herr Richter," zeterte der Schelm,du begehst bei 'Gott im Himmel ein Unrecht an meinen Mitmenschen. Konnte ich. doch schon mit zwei Augen nicht recht sehen, was mein öden dein war! Wie wird es mir erst ergehen, wenn ich, als halber! Blinder herumlaufe!"

Erastus stand daneben, und die Schadenfreude saß iynr im Gesicht.Herren und Richter," sagte er,hört nicht auf die niederträchtige Zunge, die mich gestern schon gestochen hat. Gebt ihm nach Verdienst und mehr, denn jedes Werk ist seines Lohnes wert."

O du unbarmherziges, unersättliches, rachcfressendes Herz!" schrie Botzgeiker und schrie gar kläglich.O Schöppen und er­habene Jünger der armen Mutter Justitia, um deren völlige Blindheit ich. euch beschwöre! Was lwbe ich Schlimmes getan, als einen befohlenen Tisput mit dem Vertreter des weisen Erastus geführt? Soll ich so hart büßen, weil ich obsiegte und Erastus in der Gestalt des Esels unterlag?!"

Darüber ergrimmte der Weise unbändig. Aber weil der An­geklagte so wehmütig jammerte und zwischendurch einen gesegneten Witz um den andern machte, fühlten die Richter Mitleid mit seinem Auge, das zu gleicher Zeit weinte und lachte rurd versprachen ihm einen Aufschub oder eine andere Vergünstigung, doch sollte an dem Urteil nichts gedreht und geschnitten werden.

^ Darauf verzog der Narr das runde Gesicht und sprach: Weil denn der Himmel über mich gelost und mir mein Schicksal aus dem Mund der hohen Richter und Herren verkündet bat, so will ich es erleiden. Ta ich aber den Famulus des weisen Erastus im Disput besiegte und mir'der Meister bis zur Stuud den Ehren­preis vorenlhalten hat, so soll er selbst als Entschädigung mir das Auge ausschueiden. Doch will ich mit meiner Forderung billig sein und ihm das^ Hühnerauge überlassen." Mit diesen Worten schlenkerte der Schalk den Schuh vom Fuß und hielt dem Weisen die große Zehe unter die Nase.

Erastus wur-dc bleich und sing an zu rasen. Aber der Richter sprach ihm die Verpflichtung billig zu und drohte ihm mit empn üb­licher Strafe, worauf der Arzt ein Messer zog und sich wütend aus Jßkrf machte und am Enoe vor Zorn uebenbeischnitt. daß ein Tröpfleiu Blut heraussprang.

Darauf lachte Botzgeiker und sagte zum wutzitterndeu Erastus, er wolle ihm, eine Lehre besorgen beim Bader Hornschneider in der alten Weibergasse und machte sich darauf von dannen, leicht­füßiger als er gekommen war.

Erastus aber verließ neck am gleichen Tage auf einem guten Pferd die Stadt Hamburg, denn seine Weisheit wollte es nickt ertragen, daß man von ihm als von einem schlechten Bader uiib» Schröpfer sprach._

vilchertisch.

Das literarische Echo, (albmonatsschrlft kür Literaturkreunde. Verlag: Egon Fleische! & Eo.. Berlin W. 9. Aus dem 2. Avrilhest: > Charlotte Lady Blennerhassett: Deutsche Kultur; p. Wollgaug Seidel: Neues über Bismarck; Rudolf Krauß : Eäsar Flaischleus Stimmen zum Krieg: Gustav Jakob: Freiheitsberaubung und Dichtung: Ludwig Geiger: Gelehrten- briese: Julius Bad: Die Kriegslyrck von heute IV.

Das Aprißhest der Münchener Monatsschrift »Die Kunst* (Verlag Bruekmanu, München), bringt einen vorzüglichen orientie­renden und den Kern der Saedc treffenden Aussatz von Dr. W. E.' Behreu'dt über die Frage der Kleinsiedlungen. Es ist eine außer« ordentlich verdienstvolle Veröffentlichung, die die Münchener Kunst zcitschrist damit bietet. Im übrigen ist das Hest reich und