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ltnb die Perlen durcheinander wirbelten; da stand die Mus­torte, da saß der Fürst und lächelte und trank ihr zu und sagte: Prost, Müllermädel... Müllermädel o je! Was hatte Otto nur alles zusammengeredet! An einzelnes mutzte sie immer wieder denken. Lllso so reich waren sie. Viel reicher, als die Leute wußten. Und mit diesem vielen Gelde sollte sie einen Müller heiraten oho! Die Millionen der amerikanischen Miß hatten einen Fürsten gefangen. Auch sie würde viel umworben werden; sie wollte wählen. Aber- keinen, der mit Mehl und Sägespänen zu tun hatte.... Gnädige Frau," sagte sie zu sich selbst und kopierte ihren zukünftigen Diener,werden die Frau Baronin heute abend in die Oper fahren?"Nein, Jean, wir sind bei meiner Freundin, der Frau Gräfin, zum Souper gebeten; sagen Sie der Kammerzofe, sie soll meine weißseidene Pariser Toilette mit den echten Spitzen herauslegen und der: großen Brillantschmuck, der so funkelt..." Dabei machte Grete auf dem gestreiften Kopfkissen ein hochmütiges Gesicht und krauste das Naschen. Dann drehte das kleine Schaf sich aus die Seite und schlief ein.

Es war still geworden in: Hause. Alles schlief. Regungs­los hingen die Blätter der Linde. Die Nebel auf den Wiesen verdickten sich, der Mond schwamm in einem weißen Wolken­meere. Auf einem der Baumstämme im Seewinkel saß ein einsamer Frosch und quakte gelangweilt. Schnauzer! lag in seiner Hütte auf dem Rücken, streckte die Beine von sich und jaulte ganz leise im Schlafe.

8. Kapitel.

Beyfuß gewinnt feine alte Würde zurück und der neue Hofchef trifft ein. Von Hochigezeiten und dem Mann mit der Hippe.

Am folgenden Morgen fuhr Bolko nach der Residenz zurück. Am folgenden Abend fuhr Velten nach dem Dom­bach-Schlosse, um mit dem alten Herzoge einen Rehbock zu schießen. Aber mau schoß keinen. Man blieb im Schlosse und verplauderte sich. Dem einsamen Wittmann schien die Unter­haltung des Kandidaten zu gefallen. Er hatte ihm zuerst einen dünnen Mosel vorgesetzt; dann befahl er einen Bern- kastler Doktor; zuletzt kam Win zungenlösender Agritius­berg an die Reihe. In dieser Steigerung lag auch, ein sicht­bar zunehmendes Wohlwollen. Mit lebhaftem Frohgefühl im Herzen fuhr Velten nach Gotternegg zurück: er hatte den Geizhals besiegt. Weder Jost noch Annemarie erfuhren etwas davon: aber mit der Madame hatte der Kandidat eine längere heimliche Aussprache. Und in der Folge kräuselten sich die Hängelöckchen der Madame vergnüglich und nahmen eine heitere Keckheit an. Und in weiterer Folge wurde manches anders int alten Hause, und man brauchte nicht mehr so angestrengt zu rechnen: zur Freude von Annemarie kam eine gewisse Abwechslung in die Mahlzeiten, und das Alle Tage Wild" wurde auf ein weniger üppiges Maß beschränkt; die Toilettesorgen schwanden, die Hosen des Kandidaten kamen nicht mehr in Frage, die beriesterten Stiefelchen Annemaries wurden durch nagelneue ersetzt; BeYfuß erschrak fast, als er sein rückständiges Gehalt aus­bezahlt erhielt, und wieder überschlich ihn die Ahnung einer großen Zukunft. Es war, als wachse der Wohlstand. Alles bekam ein anderes Gesicht. Die Löckchen von Madame be­hielten ihre heitere jTendenz bei, Velten hatte keine .schwarzen Stunden mehr, in denen er sorgenvoll an die nächste Zu­kunft seines geliebten Prinzen dachte, die Anschütz war selig, daß sre sich über Hirschrücken und Rehragout hinaus dann und wann auf ein weiteres Kochgebiet begeben durste, und auch der grüne Max schlotterte weniger: er begann seine Falten auszufüllen. Es kamen auch neue Leute in das Hans. Für Annemarie ttmr.be eine junge Engländerin engagiert, Miß Ringens, die sich mit der Madame in den Unterricht teilte, dem nunmehr auch Grete beiwohnte; für Jost ein Repetitor, Herr Triesand, ein Mann mit phänoi- menalem Gedächtnis und begabt mit hervorragendem Appetit. Alle diese Veränderungen mußten schließlich auch Jost auffallen.Velten," sagte er eines Tages,es ent­wickelt sich hier ungeahnt fürstlich. Ich hoffe nicht, daß das Gold aus den amerikanischen Stahlquellen kommt. Das will ich nicht...." Velten schwor, das sei nicht der Fäll; aber Herzog Herrfurth habe zugunsten der Geschwister aus irgend­welchen alten Erbschaften Ressourcen herangezogen, und da war der Prinz beruhigt.

Die Milde des Herbstes nützte Velten dazu aus, mit Joteineneue Kur zu beginnen. Er sah, daß jedwede medi­zinische Behandlung auf ihn wirkungslos blieb und daß die

Eisenpräparate, die ihm verschrieben wurden, nur seilten Magen ruinierten. Belten war ein leidenschaftlicher An­hänger der Homöopathie und der sich in vernünftigen Gren­zen bewegenden Naturheilkunde. Er war ein schwächliches Kind gewesen, und daß er ein Riese geworden war, schrieb er allein der auf ziemlich einfachen Grundsätzen beruhenden Behandlung zu, die ihm ein Freund seines verstorbenen Vaters zuteil werden ließ-, unter dessen Obhut er erzogen wurde. Es war dies eilt alter Arzt, der ehemals ein eifriger Gegner der Naturheilkunde gewesen war, um sich später so lebhaft dafür zu interessieren, daß er sie auf wissenschaftliche Basis zu heben versuchte; feine Schriften hetzten ihm aus der einen Seite die gesamten Kurpfuscher aus den Hals, die das neue Heilsystem als Ausbeutungsvcrsahreir betrachteten, auf der andern Seite die Aerzte, die ihm wiederum eine Be­günstigung des Laientunts zum Vorwurf machten. Jeden­falls hatte er durch eine geschickte diätetische Behandlung und methodische Anwendung des kalten Wassers unter strenger individueller Rücksichtnahme bei Velten glänzende Erfolge erzielt. Da Jost nun nicht eigentlich krank, sondern nur zart und etwas blutarm war, so glaubte Vellen es vor seinem Gewissen verantworten zu können, wenn er auch den Prinzen in ähnlicher Weise behandelte. Daß dabei die größte Vorsicht obwalten mußte, war selbstverständlich, eine absolut regel­mäßige Einteilung des Tages war die Hauptsache. Die Ar­beit wechselte mit Spaziergängen, Gymnastik U'.td der Wasser­behandlung nach Art der Kneippschen Methode. Madame Balsour sah scheel drein und ihr Herz war voll Angst: Annemarie fand das alles ganz famos und beteiligte sich am Barfußgehen durch die taufeuchten Wiesen, bis eilt fürchter­licher Schnupfen ihrem Etlthusiasmns einen Riegel vor- jchob und für sie wieder das alte Hausmittel der Madame: der Fliedertee, in Wirkung trat. Begeisterung erregte Vel­tens Kur bei dem spartanischen Fürbringer; das warRück­kehr zur Natur", da war er immer dabei. Er jagte seine Rotte Korah. allmorgendlich nacktsüßig über die Wiesen und ließ seine Jungen Wasser trinken, bis sie stöhnten; wenn sie in der Schlachtordnung standen, mußtet! sie die Hosen weit über die Knie aufkrempen, um sich die Beine abzuhärten; wer Zahnschmerzen hatte, mußte Wasser treten, wer über Kopfweh klagte, bekam einen Oberguß. wem es int Halse juckte, erhielt einen Wickel; strömender Regen wurde mit Jubel begrüßt, in jeder Pfütze wohnte die Heil- kraft, unter jeder Regentraufe feierte die Gesundheit Triumphe, in jeder Wassertonne steckte siegende Kraft. Pastor Fresenius erhob beschwörend die HändeFürbringer,'" rief er,denken Sie an das Speiiige Konsistorium und an den Schulrat! Es kommt alles an den Tag. Das Wasser allein tut es nicht, die Genehmigung von oben muß dabei sein. Das Oben ist in diesem Falle nicht der liebe Himmel, mit dem finden wir uns in Gottvertrauen ab; das Oben ist die Vor­gesetzte Behörde, sie kommt wie der Blitz, sie kommt wie ein Ungewitter, sie wird uns zerschmettern"..." Fürbringer er­klärte wie der alte schwäbische Ritter, er sorcht sich nit. Aber das Ungewitter kam doch und schlug ein.

Es zog auch über das alte Haus. Veltetl hatte schwere Tage. Jost erkrankte plötzlich; es war eine grimme Erkäl­tung. Sie ging vorüber, aber Velten machte sich Vorwürfe. Er mußte noch schonender, milder, allmählicher Vorgehen. Er verlor den Mut tücht, ob auch die Madame händeringend in ihn hineinsprach, von der entsetzlichenPferdekur"'Ab­stand nehmen zu wollen. Schon bei Beginn des Winters zeigte sich ein erfreuliches Resultat. Witterungswechsel pflegte Jost sonst immer ein großes Unbehagen zu bringen: nervöse Einflüsse mochtet: mitsprechen. Jetzt spürte er es in seinem Befinden gar nicht, ob heute die Sonne schien und über Nacht der Schnee zu tanzen begann und am Morgen der Reif kristallisiert auf den Feldern lag. Seine Wangen waren gebräunter geworden, die Muskeln tvuchsen, und straffer spannten sich die Sehnen. Velten frohlockte wieder.

(Fortsetzung folgt.)

votzgeiker und der weise Lraftus.

Eine Schelmengeschichte von Robert Walter (Hamburg).. (Nachdruck verboten.)

Zu Beginn der Fasten das ist eine gesegnete Zeit für die Aerzte und Quacksalber trug es sich zu, daß der tveise Erastus auf einem Esel in Hamburg einritt. Ta er vom Stachel desj Ehrgeizes und der Geldgier Übel gepiekst wurde, hatte er seine