Somsicig, den 15. April
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Die arme Prinzessin.
Roman von F e d 0 r von Z o b e l t i • (Nachdnick verboten.'»
(Fortsetzung.)
Bums!" sagte Otto, „da Hab' ich's. Gretelein, Mutter hat doch recht: die fürstliche Freundschaft ist dir in den Kopf gestiegen. Tn müht wieder in den Mshls-ack zurück."
chrete stampfte voran. „Ich rede jetzt leinen swn mehr mit dir," rief sie. „Immer sprich nur, ich bin still."
Und Otto sprach richtig weiter. „Du bist zwar noch sehr jung, Grete," sagte er. „und ich deine, die Herrnhuter werden dich zu modeln verstehen, und ein bißchen wirst du Wahl selber an dir retouchieren, aber ich fürchte, was so in der Hauptsache in dir liegt, das wird bleiben. Und das pasch mir nicht, Vätern (wird's auch nicht passen und unsrer Mutter erst gar nicht. Aber von der reo' ich nicht 'mal, sie hat ihre eigenen Ideen. Es geht uns beinahe wie denen drüben im alten Hause. Für Jost ist der Fürstenhut nichts und für micr nichts die Müllersacke. Wobei ich bemerken möchte, daß beides mich gleich dünkt und keines mehr als das andre. Aber ich hatte nun doch einmal Neigung zum Studium, ich will bei der Stange aushalten und deshalb kann ich die Mühle nicht übernehmen. Aber in der Familie soll sie wenigstens bleiben: es ist 'wieder wie bei den Gotterneggs, es ist keine Pietätssimpelst, es ist das Gefühl der Anhänglichkeit am altererbten -Eigentum, itiffc es sprechen auch praktische Erwägungen mit. Wenn nun Fein- Gretelei n ihre dummen Ideen beibehätt und das Vogel- hirnchen sich nicht weitet und möchte einmal einen heiraten, der n tch t auf oto Mühle paßt — was soll dann aus unsrem Besitztum werden? Verkaufen? Würde dir da das Herz nicht wehe tun, was?" 1
Er dackte doch, nun würde eine Antwort kommen; aber Grete blieb trotzig, marschierte weiter voran auf dem schmalen Wiesenpsad, daß die wehenden Röcke rechts und links die blanken Sommerfüd-en abstreiften, und blieb stnmm wie zuvor. Doch offen war ihr lauschendes Ohr. Sie horchte scharf aus, und als Otto v-ou neuem auhub, wurden die Augen glänzender, und der Zug von Spannung in ihrem Gesicht verstärkte sich.
„Gretelein, ich sage noch einmal: du bist'noch sehr- jung, bist auch noch unreif in Gedanken und Worten, und manches wird sich noch ändern; aber immerhin, es schadet nichts, wenn du oir merkst, was dein älterer Bruder spricht. Ich kann nur schon denken, wie sich alles entwickeln wird. Du wirst einmal ein hübsches Persönchen werden — na ja, wenigstens mit dem Ävec der allgemeinen Manns- geststlbarreit, nan-entlich wenn du dir abgewohnst, dos Mäulchen zu spitzen unb effektvoll den kleinen Finger gen Himmel zu spreizen: wenn du deine Natur wiedersindest. Und reich wirst du auch einmal; ich weist Äs besser als du.
was unser alter Herr seinerzeit vom Großvater selig geerbt hat und der wieder vom Ahn, und was der Alte selbst im Laufe der Jahre aufgespeichert — Grete, wir sind viel reicher, als du ahnst und als die Leute denken. M i r tut bat? nichts, aber Dir kann es schaden. Tu 'urirft nicht immer in der Mühle kleben bleiben, dafür wird deine Freundin Annemarie schon sorgen; sie wird dich in die elegantere Gesellschaft hineinziehen, bii wirst viel umworben werden, uhd es kann kornmen, daß eines Tages eiir Herr dorr Jxypsilon um dich anhält. Der arme Adel ist ans gute Partieen angewiesen, siehe Fürst Bollo. Ein Fürst wird ja bei dir nicht antreten, aber ein Herr Bon kann es schon sein, vielleicht gar ein Herr Baron. Und wenn du den Hochmutsteufel weiter mit Ueppigkeit in dir närhrst, ist taufend gegen eins zu wetten, daß dich der Gedanke gewaltig kitzelt, eine Baronin zu werden: alle H.ochachtnng, was würdest du freu kleinen Finger fliegen lassen, und hinten raschelt die Schleppe, uns die Erinnerung an die Mühle verursacht dir Vapeurs. Feines Gretelein, ich erhebe warnend meine Stimme und sage: werde vernünftig. Gewöhne dich frühzeitig ,au den Gedanken, daß dein guter Mann -einmal der Burgmüller von Gotternegg werden muß, schlage dir alles Hoch fliegende aus deu Sinnen, beschäftige dich ulehr mit der Kunst, Brot zu backen, als mit der Genealogie und halte am Bürgerlichen fest, wenn and) der Adels toller lebendig tu dir wird. Dixi et seia! ..."
Sie waren jetzt an »der Sägehalse vorübergeschritten mtb hatten das Wohnhaus mit der alten Linde vor sich. Ta wandte sich Grete um, zu dem nachfolgenden Bruder zurück, der nunmehr eine längere und vielleicht heftige Antwort erwartete. Doch Grete knickste nur, tippte mit freut Zeigefinger ihrer Rechten an ihre Stirn und sprang mit vergnüglichem Lächeln in das Haus. Otto schritt ihr nach. „Sie ist noch-ein großer Hammel," sagte er sich.
Die Eltern warteten. Frau Tilde schimpfte, als sie Grete sah. Die Lackschuhe waren naß vorn Tau der Nacht, am Kleibsaum hingen die feuchten Fäden des Altweibersommers, Gräser unb Flocken. „Mach daß du in die Klappe kommst," befahl sie: „hänge den Rock auf, morgen wird ec ausgebürstet, vor der Einsegnung gibt es keinen unten, das sage ich dir: die Stiefel stell in die Küche" .... Der Bnrgmüller wollte wissen, tute altes gewesen fei; ec hätte gern, noch ein halbes Stündchen mit Otto geplaudert. Aber Frau Tilde war müde, ihr gehorchte auch Reschke. Wenn, alles im Bett war, ging sie noch einmal durch das Haus, zu sehen, ob Türen und Fenster auch -ordentlich geschlossen seien und kein Licht mehr brenne.
Gret-st ivar rasch in den Federn, aber es währte lange, ehe der Schl um mer kam. Sie. lag mit offenen Augen da, starrte in das Dunkel und aus das gelbe Herz, das der durch den Ausschnitt des Fensterladens fallende Mondschein auf die gestrichene Wand malle. Sie dachte nicht nach, es hüpften ihre Gedanken, sie sprangen von dem zu dem, sab den Chamvacmer schäumen, wie er Blasen warj


