Die vorn Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der junge Lenz, der so mit Hellem Leuchten ins Land gekommen war, hatte ün Vor üb er gehen auch ins Yldlige Haus gelugt, zwischen den alten Kastanien, die gerade die. -ersten, saflschwellenden Knospen trieben. Und unter seinen! Lachen waren die weißen Anemonen aufgeblüht zu ihrer! Füßen. Aber sein Sonnenblick tras drinnen in dem dumpfen Gemäuer -ein Frauenantlitz, das trotz seiner Jugend in herbem Ernst erstarrt war. Da winkte der Lenz der Amsel Zu, die hoch droben aus der Wetterfahne des Turmdaches saß, und schrnelzend sang sie ihr erstes Frühlingslied. Süß schmeichelte sich der Ton unten ins düstere Gemach. Aber nur noch starrer ward das stille Frauenantlitz. Was sollte das Singen und Locken da draußen? Ihr galt es nicht mehr, das Lied vom neuen, seligen Hoffen.
Vergebens suchten auch die Angen des Mannes dort drinnen in dein dämmernden Gemach nach einem loeicheren Regen in ihren Zügen. Gute Augen waren es, aber sie blickten in Trauer und stillem Sehnen zu dem jnngeu Weibe, das so selbstvergessen dort saß, als wäre er gar nicht bei ihr. , -
Doch wie nun der hereinlugende Sonnenblick das .Blondhaar um ihre Stirn durchleuchtete, wie flimmerndes Gold, und einen warmen Sägern über die schonen Züge hauchte, da flog es wie ein Abglanz- davon auch über die Mienen des Mannes.
Schnell stand er auf und kam zu ihr.
„Sieh, wie die Sonne draußen lacht. Der Frühling ist da! Komm, Eke — laß uns hinaus. Wir wollen hinauf in den Wald und daim einmal sehen, wie es mit dom Bau droben steht."
Sie schrak zusammen unter seiner berührenden Hand. Nun erhob sie sich langsam.
„Gewiß — wenn du willst."
Aber es klang müde und gleichgültig.
Wie sie dann droben in dem nahezu fertigen Neubau standen, belebten sich Eberhard von Selbachs Mienen. Schnelleren Schritts ging er seiner jungen Frau voraus durch die Räume.
„Ganz reizend wird es werden, unser Haus! Alles hell und traulich, ein rechtes Heim."
Doch Ekes Blick behielt seine Leere. Ja, ihr Haus würde es werden — aber ihr Heim?
Weiter führte _er sie von Zimmer zu Zimmer und inachte dann halt in einem anheimelnden Eckgemach.
„So — und hier, das wird Frauchens Reich. Ein Blumenerker ist auch vorgesehen, als Arbeitsplätzchen. .Hier wirst du dich wohlsüblen — nickt. Liebes?"
Zu ihr tretend, schlang er den Arm um sie. Zärtlich wollte er sie an sich ziehen. Doch sie entwand sich ihm und, um sich blickend, sagte sie ernst und schwer:
„Ich weiß nicht es ist mir alles so fremd hier.
Traurig sah er vor sich nieder. Doch dann hob er wieder den Kopf. Wenn er sie nur erst heraus hatte aus dem dumpfen Mauerloch da unten, das ja keine Froheit aufkommen ließ, dann würde es auch anders werden zwischen ihr und ihm. Da lächelte er ihr gut zu: t
j.,Laß uns nur erst einmal hier oben scheu, alles so behaglich eingerichtet —, dann wird es dir auch schon gefallen, kleines Frauchen!" ^ §ir .
Sie nickte wohl, aber der herbe Zug um ihren Mund grub sich nur nock tiefer.
*
Im Dteinbruch. wo sie die Quadern brachen drunten für den Bau der Sperrmauer, war Frühstückspause. .Heiß prallte die Sonne hernieder und schoß zurück von der Go- sleinswand. Die Luft stand still in diesem riesigen Felsenkerker. Unerträglich schwer. Dick tropfte den Männern der Schweiß von der Stirn, trotzdem sie jetzt müßig herumlagen: in dem Fußbreit Schatten, den hier und da ein größerer Felsblock warf. Brot und Speck waren verzehrt, nun noch ent Viertelstündchen der Ruhe. Lässig und faul streckten sich die Glieder, die bald wieder hart wie Stahl den Kamps mit der Felswand da aufnehmen würden. Manche schlossen die Augen und sanken mit dem nächsten Atemzuge in Schlaf. Trotz der harten Steinkante, 'aus der der Kops lagerte. Ein kurzer Schlummer. Gleich wieder würde sie der gellende Pfiff i€c Lokomobile drunten am Maschinenschuppen emporscheuchen und an die Arbeit treiben.
Ueber den Ruhenden stand der Berg. Düster und drohend hob er seinen gigantischen Leib über den Menschenzwergen, die ihn mit Stahl und Feuer bezn äugen. Ohnmächtig lag er da. Aber in seiner Ruhe war etwas Unheimliches. Lauerndes. Wie heimtückische Rachgier. Noch war die Kraft nicht ganz geflohen aus diesem zersetzten Felsenleibe. Wehe, wenn er sich
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wühlende Gezwerge warf in zermalmendem Sturz! Aber die, die vort Ornnwn rügen a.t. — ***** c
ahnten nichts von der Gefahr, die dräuend über ihnen hing. Dunkel wie das Verhängnis.
Meist Ausländer waren es, die hier die schwere Arbeit am Steinbruch taten. Nur einige wenige Einheimische waren darunter. Sie hielten sich für sich. Die „wilden Völker" von drunten, aus .Kroatien und Slawonien her, waren nicht gerade die besten Gesellen.
So lagerten sie auch jetzt etwas abseits von den andern. Ihrer fünf. Alles Söhne des Rauhen Grunds. Harte, aber gutherzige Burschen. Bisher hatten sie in der Grube gearbeitet, nun aber lockte es sic, einmal hier ihr Glück zu versuchen über Tag, mit der Bohr- und Schießarbeit. Sie wurde nicht schlecht bezahlt. Außerdem hatte einer von ihnen einen Aerger gehabt mit dem Steiger, da waren die andern aus Kamerad-


