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Sie erzählen von den Männern, die draußen in den Feldlazaretten verwundet und »krank in Eure Hände kommen, und tapfer mtb wortlos ihre Pein $u tragen wissen. In scAoeren Taben und Nächten /habt Ihr manches Leid mit den armen, tapferen Feldgrauen getragen und — so bescheiden schreiben Sie —- ein klein bißchen Liebe ihu.cn 'geben dürfen, habt das Vorrecht gel-abt, Vertreterinnen ihrer Frauen daheim $u sein, habt sie trösten dürfen, wenn die Schmerzen zu groß wurden, und ihnen die müden Augen zum letzten Schlaf schließen dürfen.
Tas erzählen Sie, die sich durch solchen Dienst begnadet fühlt, uub erzählen weiter, wie Ihr still vor der Heiligkeit des Todes der Helden gestanden seid und Euch Tränen in die Augen, gekommen sind. Ihr habt in Euren Friedhof Einen um den Andern gebettet, so daß jetzt über achthundert dort ruhen, und habt die Gräber geschmückt, daß diese nicht öd und leer, nicht der Liebe bar waren an Allerheiligen, an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und wieder an Allerlxiligen. Ihr wäret Euch des Vorzugs bewußt, mit hinausziehen zu dürfen, um die Pflichten der Mütter, Frauen und Bräute zu übernehmen. Wenn die Hilflosen nicht haben schreiben können, habt Ihr Briefe für ^ie Lieben daheim geschrieben, habt die letzten Grüße geschickt, die zitternden Hände geführt zur Unterschrift, und als der Tod eingetreten, die sorgsam aufbewahrten Briefe der Frauen und Bräute in den Brustbeuteln oder Brieftaschen wieder sorgsam gepackt und nach Hans gesandt.
Aber auch viele, viele habt Ihr gesund und besser pflegen dürfen, habt die Feste des Jahres, ernste und schöne Feste, mit ihnen gefeiert, habt ihnen die Weihnachtslichter entzündet und die Blumen des Frühlings Md Sommers gebracht, habt Scherz mit Euren „Kameraden" getrieben und seid auch Teilnehmerinnen ihres sonst verschlossenen Vertrauens geworden, ja, sogar heimliche Poeten gab's Unter den Landstürmern zu beraten ...
Hören Sie die eigenen Worte hoimgegeben, gefüllt mit ergriffenen Gefühlen? Wer, der das liest, steht nicht in diesem Augenblick neben Ihnen? Tausende Hände wollen nach Ihren Händen langen, tausende Stirnen sich vor Ihrer Stirne beugen.
Ein Vierteljahrhundert bald ist es, über das hinlveg plötzlich der Gruß der heimatlichen Erinnerung aus Frankreich her zu mir kam. Ick) bin erschrocken daran, wie jene töricht schöne Zeit wieder aufbrach. Die noch, adeligen Geruch gebende Herrenmühle draußen hinterm Schloßgarten am geheimnisreichen Mühlkanal, mit den Pfauen und Putern . . . Gern ging ich dort hin. Und wissen Sie auch noch, toie Sie im „Kasino" mit dem seiner Herkunft nach nicht recht in den Rahmen passenden Studenten tanzten? Der hatte einen Frack seines Vaters aus alten Wiener Handtverkssesellentagen an, mit Mottengüugen in den Aermeln, darunter eine geblümte, viel zu weite Seidenweste. und eine weiße, steife Teckkrawatte unterm Umlegt agen eingespannt. Und nach dein ersten Walzer setzte er sich, vom Schwindel gedreht, vor der ganzen juchenden Gesellschaft, neben Ihren: Stuhl aufs Parkett . . . Oh, Sie waren damals schon Samariterin und schirmten beit Ungeschickten.
Jetzt sind wir beide durch den goldenen Rauch der Jugend tief ins Ernste und Weitere geschritten. Doch das Andenken wird noch einmal von einem hellen Segen umlegt, ich darf das Nichtige, bedeutungsvoll geworden, hervorholen, wenn ich mir Sie fetzt als eine der Frauen vorstelle, die ich im edel geweihten Sinn ihres Tuns „Schwest-ec" nennen darf.
Schwester Emilie, alle, denen in diesen Monaten des Grauens Ihre Hand und Ihr Mund fürsorglich war, sprechen diesem Namen «aus als einen immer teuren, und nehmen ihn gleich! einem inneren Stern mit fort, in die Erde oder über die Heimat! hin. Sie haben einer Schar von Männern Ihre Liebe gegeben, und eine Schar von Frauen muß Ihnen in Liebe danken.
Ter Krieg hat wohl auch in das Spiel der Geschlechter einen neuen, schweren Sinn gebracht. Mädchen, die ihre Wünsche verschlossen und abgetan haben, stehen als Helferinnen vor den Betten der Soldaten. Manches Auge, das vordem anders nach ihnen geschaut, mag sich jetzt aus deni Schalten des Todes und dev Last des Schmerzes, betroffen und erstaunt zu Euch aufheben. Verwandelt wird es fortan sein- und greift sein Blick wieder nach einem Frauenwesen, wird diesem ein Strahl Eures Wesens zum Schutz mitgegeben sein. Auch die Geliebte wird ihm Schwester werden.
Wie zwei reiner geordnete Schichte sehen wir die Geschlechter nebeneinanderstehen und in einanderwirken. Tas danken wir Euch, die das schönste und zarteste der Opfer dent Vaterland hingeben.
Grüßen Sie auch Schwester Alwine wieder, die bei Ihnen als eine Freundin der Heimat ist. Ich sehe deren Bild merkwürdig: ein schmächtiges, feingliedriges Fräulein, dem-die blauen Adern durch die Schläfen und die Stirn schienen, ist eine Heldin geworden unterm Kugelregen.
Seien Sie nicht bös über die offene Art dieses Gegenbescheids. Aber das Herrliche gehört an den Tag!
Ihr
Hans Heinrich E h r l e r.
Büchertisch.
— Ueberdie so iv i ch t i g e lLr n ä h r u n g S f r a g e bestehen in den weitesten Kreisen nur ganz unklare Vorstellungen. Von dem Reformator un'ercc Ernährung Dr. med. M. Htndhede ist soeben ein neues Buch erschienen unter dem Titel .Moderne Ernährung." (Theoretischer Teil: Breis gebunden 1,80 Nit. Verlag von W Vobach & Eo., Leipzig.) Tie allgememverftändlichen Ausführungen fegen jedermann in die Lage, sich mit dieser Lebensfrage zu beschäftigen. Dr. nicd. HindhedeS bahnbrechende Untersuchungen erregen seit Jahren Aussehen in wistenschaftlichen, sowie Laienlreisen. Ein unter dem Titel „Prattlsches Kochbuch zum System Dr. Jpinb.fbe* erscheinender 2. Teil gibt jeder Hanssrau Einleitung, die bahnbrechenden Lehren Dr. Hkudhedes auch in die Praxis umzuseheu. Beuellungen auf Dr. med. Hindhedes Buch „Moderne Ernährung* nehmen alle Buchhandlungen entgegen, wo eine solche nicht bekannt ist, bestelle man beim Vorlage W. Vobach & Co, Leipzig. _
Gictzcner Hansfrauen-Berein.
Die neue Bundesratsverordnung betr. „Einschränkung des Fleisch- und Fettverbrauches" ist anr 1. November in Kraft getreten. Sie legt uns Hausfrauen neue Pflichten auf. Wenn auch die privaten Haushaltungen noch nicht von den Vorschriften betroffen werden, so wollen wir Hausfrauen es doch für unsere Pflicht ansehen, die neuen Bestimmungen streng zu befolgen.
Also: Dienstag und Freitag kein Fleisch.
Montag und Donnerstag keinerlei Gebratenes.
Samstag kein Schweinefleisch.
Dieser Gesichtspunkt soll denn auch in Zukunft bei Aufstellung unserer Küchenzet^l maßgebend sein.
Sonntag: Hafermehlslippe, Rostbraten mit Blumenkohl und Kartoffeln.
Montag: Braten (Rest vom Sonntag), kalt ausgeschnitten, Spinat und Kartoffeln.
Dienstag: Tomatensuppe, Wirsingkotetetts*) mit Kartoffeln und grünem Salat.
Mittwoch: Weißkraut mit Hammelfleisch (Eintopfgericht).
Donnerstag: Suppe mit Gersteneinlage, Suppenfleisch und rote Rüben, Salzkartoffeln.
r e i t a g: Klippfisch mit Sauerkraut und Kartoffelbrei, amstag: Kartoffelklöße von gekochten Kartoffeln mit
Dörrobst.
Kochanweisungen.
Wirsingkoteleits: Wirsing wird abgekocht, sein gemahlen, dazu kommt 1 Ei, Pfeffer, Salz, etivas geröstete Zwiebel, soviel vom Tage vorher gekochte, geriebene Kartoffeln, daß sich die Koteletts formen lassen, dann werden dieselben paniert und g-ebackeru.
*) Siehe Kochanweisung.
In dem Küchenzettel vom 30. Oktober ist ein sinnentstellender Druckfehler unterlaufen. In der Kochanweisung zur „Brotsuppe" muß es heißen: für 5 Pfennig Brot, anstatt 5 Pfund Brot.
Schach-Ausgabe.
Schwarz.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: 'Most, Vost, Rost, Frost, Trost, Ost.
Schrisrleituna: Aug. Goetz. - RotatiouSdruck und Verlag der Brübl'schen UniversttärS-Buch- und Stemdruckerei, R. Lenge, Gießen


