Die vom Rauhen Grund.

Noman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Als Bertsch in das Steigerzimmer eintrat, war Hann- schiindt dabei, die paar Habseligkeiten zusammenzutragen, die fein Eigentum waren. Er beantwortete BertschsGlück­auf" nur mit einem düsteren Seitenblick. Kam der, um sich an seinem Triuniph zu weiden so sollte er sich verrechnet haben. Und er packte weiter an seinen Sachen, als ob niemand da wäre.

Sie habeil wohl schon davon gehört, daß heute Ihre Gewerken Versammlung die Bereinigung Ihrer Grube mit der unsrigen unter niemer Betriebsleitung beschlossen hat?"

Wiederuin keine Entgegnung. Ihm dell Rücken kehrend, schnürte der Rotbart vielmehr an seinem Bündel. Da hörte er deir neuen Herrn weiter sagen, ganz ruhig, als wäre nie das mindeste zwischen ihnen vorgefallen:

Ich möchte Hie übernehmen in nleine Dienste."

Was nrich?"

Und Hannschmidt fuhr herum.

Jawohl warum nicht?"

Run ich dacht'" iu dem Gesicht des Rotbarts zuckte es grimmig,wie ich Ihnen mitgespielt Hab'!"

Freilich, Sie haben es reichlich toll getrieben."

Nun also." Hannschmidts Miene verzog sich wieder in starrer Feindseligkeit.Da werden Sie wohl doch nicht erwarten von mrr, daß ich mich Ihnen ausliesere -- bloß zur Rache." Und er wollte sich schroff abwenden. Doch da legte sich ihm Bertschs Hand auf die Schulter.

Sie verkennen meine Msichten. Wir waren allerdings Feinde bis jetzt. Ehrliche Feinde. Aber warmn sollen aus denen nicht ebenso ehrliche Freunde werden? Das war' doch nicht das'erstemal im Rauhen Grund. Und ich denke: Halten Sie erst eininal zu meiner Seite, dann gehen Sie auch mit mir durch Dick und Dünn genau wie Sie's drüben getan haben. Ich l)-abe allen Mspekt vor solcher Treue; heut' kann ich's Ihnen ja sagen. Also wie ift's? Schlagen Sie ein?"

Ein langstrmer Wandel ging vor in den Mienen des Steigers. Höchstes Starmen, Mißtrauten, aber dann, nach einem Blick in Bertschs Angen, plötzlich eilt Aufleuchten in dem rauhen, rotbärtigen Antlitz.

Ja, wenn's so ist, Herr Bertsch, dann bin ich Ihr Mann! Und daß auch ich's rnal sage: Bei aller Wut, die ich auf Sie gehabt Hab' ich halt' doch auch eiireu ganz gewaltigen Respekt für Ihnen. llud nun soll'S mir Lärme macherr, für Sie zrt arbeiten hier meine Hand drauf!"

Schallend schlug er bei Bertsch ein. Der schüttelte die harte Rechte mrt einem vollwertigen Gegeudnlck und lachte.

Na, da hätten wir also mm Freundschaft geschlossen.

Also: Glückauf bei uns arts Ehristiansglücki Herr Ober­steiger Hannschmidt!"

Der Rotbart wollte in freudiger Bestürzung über die Beförderung einen unbeholfenen Dmrk Vorbringen; aber Bertsch hob die Hand.

Etwas anderes jetzt, Hannschnridt, wichtigeres. Ihre Leute haben lange genug gefeiert. Das tnuß mm ein Ende haben. Sorgen Sie dafür, daß es noch heut' jeder erfährt: morgen früh wird hier die Arbeit wieder anfgenommerr. In vollem Umfanget"

Und noch einen ludentuugsvollen Gang galt es für Bertsch: Zum Adligen Hause drunten, um die Gruben- urkunden und vertraulichen Briefschaften, die der bisherige Repräsentant bewahrt, nun in sein Verwahrsam zu nehmen. Die Begegnung mit Henner von Grund würde nach allem, was geschehen, gerade kein Vergnügen werden; aber auch das mußte sein.

So stand denn Gerhard Bertsch nun vor dein Portal des alten Herrensitzes. Es daurte eine geraume Weile, bis das Aiädchen, das mit seiner Karte ins Haus gegängelt war, wieder erschien und ihn hineinführte. In dasselbe Gemach, wo ihn damals Eke von Grimd empfangen hatte, ltnd auch heute fand er sie wieder vor beim Eintreten. Sie erwartete ihn dort offenbar, denn in der Hand hielt sie ein versiegeltes kleines Paket, das sie ihm gleich hiirreichte.

Sie kommen wobl wegen der Grubenpapiere. Hier sind sie."

Vielen Dank! Das war allerdings der Zweck meines Kommens." Dann lächelte er:Ihr Herr Onkel hat also offenbar kein Bedürfnis, mir noch emmal persönlich zu begegnen, nach diesem Ausgang der Sache."

Allerdings nicht

Aber es scheint. Sie lmben mir noch einen ftemreu Auftrag anszurichten von ihm?"

Oh wieso?"

Ich sehe es Ihnen an, Fräulein von Grund. Und ich ahne auch was. Sagen Sie es ntir nur ohne Scheu; Mein nochmaliges Erscheinen hier wird nicht gewünscht!"

So ungefähr freilich. Aber Sie wissen ja, Herr Bertsch: Mein Onkel ist eine sehr reizbare Natur. Und diese Entscheidung heute"

Ist ihm aus die Nerven gefallen, das glaub' ich gern."

Bertsch lachte unwillkürlich auf. Doch dann sab er sie an, die mit ernster Miene da stand.

Verzeihung es ist nicht niedere Schrdenfrcude. Und mein Lachen hier ist nickst sehr am Platze. Aber es ging eben mit mir durch. Der Mnrpf tvar nicht leicht, und nun ich ihn gewomren, darf ich's ja offen sagen, zu Ihnen wenigstens, Fräulein von Grund: Er stand aus des Messers Schneide! Ein paar Tage noch und ich blieb auf der Strecke!"

Sie sah ihn mit einem langen Btük an. Dann reichte sie ihnr die Hand.