„Ich danke Ihnen fiir Ihr Vertrauen und beghück--' wünsche Sie Ihrem Siege."
Er hielt ihre Rechte einen Augenblick zurück.
„Dieser Glückwunsch freut mich aufrichtig. Ich weiß, er ist ehrlich gemeint."
Es leuchtete aus seinem Blick, wie sie es iwch nie an ihm gesehen hatte. Da forschte sie weiter.
„Und nun —**
„Jetzt wird es erst recht beginnen. Ich fahre noch heute nach Köln zu den nötigen Konferenzen mit der Bank. Ziemen Tag mehr will ich nun verlieren."
Sie sah vor sich hin.
^ „Es muß schön sein, so getragen zu werden von seinem Erfolge. Wer das doch auch einmal empfinden könnte!"
Ein verwunderter Blick traf ihn. Da besann sie sich wieder und sah ihn an.
„Ich möchte wohl Ihr Werk sehen, wenn alles so weit ist. Es würde mich wirklich interessieren —i gerade so ein moderner, großer Betrieb!"
„Kommen Sie doch einmal zu uns. Ich zeige Ihnen jjmt alles."
„Wirklich? Würden Sie mich auch einfahren lassen?"
„Warum denn nicht?"
„Oh, das wäre herrlich!"
Er wunderte sich über ihre Helle Freude.
„Liegt Ihnen denn so viel daran?"
Sie nickte lebhaft.
„Es ist ein Wunsch, schon seit meinen Kinderjahren."
„Warum sind Sie da aber nicht schon längst einmal eingefahren, wo doch Ihr Onkel Grnbenvorstand war?"
„Gerade er wollte es nicht. Frauenzimmer haben in der Grube nichts zu suchen — war seine Ansicht."
Er mußte lächeln. Und sie tat ein Gleiches. So trafen sich ihre Blicke in einem geheimen Einverständnis.
„Ja freilich — das kann ich mir wohl denken," meinte er dann. „Nun, da diese höckiste Instanz aber fortab für den Erbstollen nicht mehr existiert, so steht ja nichts mehr "" Wege. Also, Sie machen ^hr Wort wahr?"
, „Ich komme einmal, wenn's so weit ist — ganz bestimmt!"
„Wieder sah er sie an mit jenem warmen Blick. Und gern hätte er noch weiter mit ihr geplaudert. Doch er besann sich, daß seine Anwesenheit in diesem Hause ja nicht erwünscht war. Da schickte er sich zum Gehen an. Schon an der Tür, blieb er aber noch einmal stehen.
„Uebrigens — ich habe das kleine Abenteuer broben an der alten Pinge gehabt, vor dem Sie niich neulich warnten."
„Also doch!"
Es klang erschrocken.
Er nickte.
„,Aber es ist gut abgelausen, wie Sie sehen."
„Gott sei Dank!"
In befreitem Aufatmen hob sich ihre Brust.
Es entging ihm nicht, und er sah sie an, als ob er ihr noch etwas Besonderes sagen wollte. Aber er begnügte sich dann mit beit üblichen Abschiedsworten.
Eke von Grund blieb stehen, wo sie war, in Gedanken verloren, bis sie draußen den schweren Torflügel am Portal zuschlagen hörte.
Da erst besann sie sich wieder aus sich. Und schwere Tritte, die jetzt vom Nebenziniiner heraiinahten, mahnten Ne daran, daß man einen Bericht über diese Begegnung erwartete. ^
*
Der Herbst und nach chm der Winter 3 ofl ins Land; aber seine Herrschaft war ausnehmend mild. Das kam dem großen Werden zustatten, das aus der alten Erde des Rauen Grunds wuchs. Am Berghang droben über dem Oberdorf.
Wie eine sagenhafte Königsburg ans bcm Morgenlandc lUeg es dort empor am dunkeln Waldsanm, hellschimmernd weithin ms Tal als ein Wahrzeichen. Massiges Mauerwerk, hochgezimlt, trntzrge Rilndtürine und himmelänstnrmende schlanke Minaretts — die Hallen, Hochöfen und Kamine der neuen Werksanlagen voii Christiansglück.
Oftmals, namentlich des Feiertags nach dem Kirchgang, kamen die Leute des Rauhen Grunds herauf, selbst solche aus den entlegensten Weilerii und Einzelhöfen, um zu sehen, was \u „i* begnb. Schweigend standen da die Alten, mit offensichtlicher Mißbilligung und doch widerwilligem Staunen. Es war also wirklich, wie ihnen Pfarrer .Burgmann von
der Kanzel herab kündete, mit eiferndem Zorn: Eine neue Zeit kam da herangezogen, unaufhaltsam und bedrohlich. i Wer es noch hätte bezweifeln wollen, den belehrte eines Besseren das Wühlen und Graben, das eine lange, schnurgerade Spur zog droben von dem Werk an hinab bis ins Tal und nun immer weiter neben dem Fluß her, bis ganz hinaus aus dem Bannkreis der Berge, wo fern in der Ebene die Schienenstraße der Bahn vorüberzog. An das eiserne Verkehrsnetz, das die Welt druußen umklammerte und fest verband, würde nun auch der Rauhe Gruno augeschmiedet werden. Das bedeuteten die H-ammerschläge, die unermüdlich Dag und Nacht durch die Talsttlle klirrten, nur die stählerneu Fesseln dem trotzigen Sttick Erde auftzuzwingen, das seit Anbeginn aller Erdentage seine freie Ei»genart gewahrt hatte — int kleinen eine Welt für sich.
Am allermeisten war es gerade dieser Bia hu bau, der die Köpfe erhitzte. Wie kam der Amerikaner dazu, ihnen ihre Felder und Wiesen zu zerschneiden mit fernem Schienenstrang? Zäher Banerneigensinn stemmte such so dem Werk entgegen, immer wieder anges-acht von dem zornglühenden, weißhaarigen Eiferer ans der Kanzel. Aber stärker war der stahlharte Wille des andern.
Für das neue Werk war der Bahnanschluß einfach eine Lebensfrage. Es war nun nicht mehr möglich, wie bei beut bisherigen Kleinbetrieb, das im Hochofen erblasene Eisen ans dem Wagen viele Stunden weit zur Bahn draußen! zu fahren. Dem verschloß man sich auch auf der Regierung» nicht, wo man überh-mtpt jedem wirtschaftlichen Aus streben wohlwollend ge geni'lberstand. So entschied denn eilt beschleunigtes Enteigungsverfahren zugunsten des Werkes. Gerhard Bertsch blieb Sieger, auch hier ; aber neue erbitterte Feinde gesellten sich damit zu den alten. Er war der meist- gehaßte Mann im ganzen Rauhen Grund — er, der doch der Heimat sein Bestes geben wollte. Mer es flimmerte ihn nicht. Ausrecht ging er seinen Weg Wetter, um die Lippen ein überlegenes Lächeln.
Und- wie über der Erde, so zog auch drunten untieu Tag die neue Zeit ein. Elektrizität warf ihr Licht in die, Finsternis der Tiefe, bewegte die Förderkörbe im Schacht und die langen Züge der Grubenbahn in den Strecken^ ebenso wie die riesigen Kolben der Pumpen, die das Wasser aus dem Sumpf des Schachtes ansogen und droben über Tag in mannsdickem Strahl auswarsen. Preßluft wurdo in endlosen Rohrleitungen hinuntergejagt zu jedem einzelnen Betriebspunkte, um die Bohrhammer anzutreiben, die nun das langsame, mühselige Werk der Menschenhmtd! ablösten.
(Fortsetzung folgt.)
Bilder aus der Türkei.
Von Otto Lotthammer (Konstantinopel).
Ein Keris-Stü ndch e n im türkischen Kaffe-ehau se.
Ich kenne kaum einen andern Ott, wo man die türkische Volksseele besser und gemächlicher studieren kann als im Kaffeehanse. Dabei habe ich natürlich nicht die „eleganten" Cafös im Auge, die sich im europäischen Pera befinden. Ich stelle meine Betracht taugen vielmehr in StaMbul an, oder in Skutari und in den Vororten, wo das bodenständige Leben und Treiben noch nicht dem' europäischen „Kulturschema" zum Opfer gefallen ist. Da dem Muslim Wein und berauschende Getränke verboten sind, ein Kulturgesetz, das ihn in mannigfacher Beziehung über die christlichen Europäer erhebt, habeit Kaffee und Tee eine viel größer« Bedeutung mid die Stätten, wo sie dem leckeren Gaumen geboten werden, einen andern Charakter als bei uns. Mer lassen wir den frischen Eindruck sprechen, das unmittelbare Erlebnis!
Wir treten in eine der größeren Kaffeewirtschaften von Jedi- kule, einem Stadtteil auf der Stambnler Seite, und nehmen auf der langen, gepolsterten Bank Platz, die sich an der Wand hinzieht. Sie ist reichlich breit und für europäische SißgewohnHecken fast unbequem. Mer sie ist ja auch für den Türken gebaut- der seine Beine unterschlägt, was er vermöge seiner Elefanten^ Hosen leicht bewerkstelligen kann. Der Raum ist mamngfach ge- schmückt. Von der Decke herunter hängen, über dm ganzen Raum verteilt, sußballgroße, buntfarbige Glaskugeln. Sie sind von der Art, nnc man fte vor Jahren in wohlgepflegten Gärten auf Staben stecken sah. Wtr nahmen sie, als wir noch Knaben waren, mm Ziele unserer Katapultgeschosse und ahnten nicht, daß wir dem guten Geschmack zu feinem Rechte verhalfen, lueini sie zu wnf«« teuflischen Lust klirrend zersplitterten. Buntpapierwsetten und Glanzpapierketten durchziehen deu Raum von Glaskugel zu Glaskugel und verbergen auch die Drähte, die sic an der Decke


