Der b!aue flnker.
Roman von E l f r i e d e S ch u l z>.
'Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Erich sprach mit Waldemar. Der junge Mann wurde ver mühte "no ^'nnte das nicht verbergen, so sehr er sich £ve
, „Warum sind Sie nicht offen Zu mir, Waldemar?"
gibt Dinge, die sich schwer sagen lassen, für di, man keine richtigen Worte hat/'
„Wenn unser -alter Tschammer, der Haudegen, daZ mochte ich's dabin gehen lassen. Aber Sie? — Eil gfliongcift Uojt Rasse, der den Homer auswendig kann? — Aber wozu sage ich das? Es wird wohl schon ein anderer (Mrimb vorliegen, und echte Gründe soll man achten, wenn maii sie ailch nicht kennt. Also Schwamm drüber!"
„Nein.'^erwiderte Waldemar, vori Erichs Vorhaltungen gekrankt, ,,^o ist es, wie ich es sagte. Aber — nun, jetzt Jollen (Sie doch sehen, daß es wirklich Dinge gibt, über die man neber nicht spricht. Das da mit Saar — tja, mein bester Herr Wölfliu, das merkt doch ein Pferd, daß der Mann Sie, ausaerechnet Sie, mit einem ganz gesunden Haß verfolgt hat."
Erich inachte ein sehr erstauntes Gesicht.
„Ansgerechnet mich?"
„Sie sind noch erstaunt?"
„Nun ja — ich stand mit Saar sogar recht nett. Er n-ar ein charmanter Umgangsmensch. Ich kann nur sagen, immer up to äate imb gefällig."
„Mer Sie müssen tiefer sehen. Rund heraus — der Menjch hat Sie genau so umschlichen und behorcht wie meine Schwester. Ich will ganz deutlich werden, Herr Wötslin. Saar hatte eine fixe Idee und hat sie seit Jahren — das kann ich beweisen — verfolgt. Mit einer enormen Zähigkeit, wie ein weidgerechter Jäger. Er machte sich Hoffnungen auf Susanne. Und Sie — ja, da kamen Sie, Herr Wölflin. Saar hin, Saar her — gestatteil Sie, daß ich das ansspreche: Er sah in Ihnen den Rivalen. So — und nun werden Sie mich wohl verstanden -haben und mich nicht weiter fragen."
Erich fand kein passendes Wort der Erwiderung. Er blies den Rauch seiner Zigarette vor sich hin und träumte in die Luft.
Dann begriff er endlich. Was halte Waldemar da gesagt? — Das war ihm furchtbar peinlich.
Da stand auch schon Waldemar vor ihm, in den Augen Schmerz und Zorn.
„Herr Wölstin —. das bleibt unter uns. Machen Sie
Die Worte sielen ihm unsagbar schwer. Aber er ließ sich tn seinem Entschluß nun nicht mehr beirren. Es mustte heraus. 1
„Machen Sie meine Schtvester nicht unglücklich, wie es J-hre Schwester geworden ist!"
Jetzt tvar das Wort heraus. Es gab kein Zurück mehr.
Erich war erbleicht. ,
„Herr v. Rothkirch!"
„Werden Sie nicht so fremd und förmlich zu mir, Herr Wötslin. Lassen Sie mich Ihnen sein, der ich gewesen bin."
„Sie haben da zwei ganz ungeheuerliche Gedailken ausgesprochen, Waldemar, jeder stark genug, eine Seele zu martern. Ich verstehe das nicht, Sie müssen mehr sagen, ich bitte Sie."
„Ich weiß, Herr Wölflin," erwiderte Waldemar ruhig uild rückte seinen Stuhl näher heran, lueif ein Husten seine Stimme dämpfte. „Ich habe zwei Worte zuviel gesagt. Das muß jetzt ausgetragen iverden. Jcki konnte nicht anders. Hören Sie mich gelassen an. Das zweite — Ihre Fräulein Schwester betressend — ick kann ja nichts aus eigenen« Wissen sagen. Ick muß sogar bekennen, daß ich mich gerade hier leider aus den Mann stütze, für den ich nur Mitleid, nicht einmal Verachtung übrig habe, auf Saar. Er hat ein Gefühl in mir erweckt, das mich nickt mehr verläßt. Das mir sagt, Ihrer Fräulein Schwester ist ein Unrecht angetan worden, vielleickt mehr als ein bloßes Unrecht — von einem aus meiner Familie, Herr Wölflin!"
Waldemar brachte die letzten Worte nur mit erstickter Stimme hervor mtb wischte sich einen Angstschweiß von der Stirn.
_ Da fuhr Erich auf. Seine Augen vergrößerten sich. Fast heiser schrie er den jungen Manu an:
„Dietrich?"
Waldemar zuckte die Achseln und sah auf den Fußboden.
„Ick weiß nichts, nichts. Ich lebe nur unter einer Furcht, die mich erdrückt."
Erich atmete schwer und schloß die brennenden Augen.
„Und weiter, Waldemar?"
„Nichts weiter. Das übrige ist doch klar."
Er stand aus und gab Erich die Hand.
„Wissen Sie denn nicht, was meine Schwester gelitten hat? — Um Sie, Herr Wölflin!"
Erich zog den'Kopf des Jünglings an sich und küßte ihm die heiße Stirn.
„Armer Junge! Wie quälen Sie' sich mit den Leiden anderer! Ich verstehe, ich verstehe. Mir wird es hier zu eng, Waldemar. Ich fühle das Dach über mich Zusammenstürzen. Kommen Sie ins Freie, durch den Pack!"
Er hakte seinen gesunden Arm in den Waldemars ein und zog ihn fort. Sie sprachen fick offen ans. Erich schüttelte einmal über das andere den Kopf.
„Sie sehen Schatten, wo keine Körper sind, Waldemar."
„Ich fühle zwischen den Dingen. Ich lebe transzendent. Immer im Hintergrund, sehe ich, was andere nicht sehen. Wollte Gott, es wäre so manches anders!"


