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Jetzt war der Feind zwanzig Meter vor dem Bug . . . aber daS Boot ging tiefer, nur entsetzlich, grauenhaft langsam.
Jansen hielt das Eisengeländer »nie in einem Krampf umklammert. Er dachte: Sie sollen mir hineinfahren, mitten ins Gehirn. Es war ihm, als ob er für alle dastünde, für alle, die unten mit kochendem! Blut rangen ... Es gab keine Hoffnung mehr. Er gab alles auf. Wie etwas Entsetzliches kam das schwarze Ungetüm daher ... ein Atemzug ... zwei. .. ein Krachen, das Boot schwankte, drohte zu kippen.. . von oben schoß ein scharfer Wasserstrahl mit tosender Gewalt herein.. Jansen fühlte den Gischt im Gesicht, und er schrie: „Periskop gebrochen . . ." .Hände, Schultern kamen herauf . . . der Reserveschieber war nicht zuzubringen; sie standen schon knietief im Wasser . . . „Alle Schotten schließen!" gellte es durch den Raum . . ., hallte es von Mund zu Mund . . . Und dann war es plötzlich still. Alle horchten auf das strömende Wasser: „An die Pumpen . . ."
„Herr Kapitänseutnant," sagte der erste Maat, „die Pression von außen ist sehr ^groß."
Jansen dachte nur eines: „Man muß vorwärts kommen, mit jeder Geschwindigkeit' vorwärts kommen. Mochte es Stunden dauern, mußte man schließlich krepieren . . . mau hielt aus. Man ergab sich nicht. Dos Wasser rann immer lveiter. Der Strahl wurde dünner. Streben, Gebälk. . . alles wurde dagegen gestemmt, aber es wühlte sick). mit einer entsetzlichen, bohrenden, drängenden, verzweifelten Kraft ein.
Die Mannschaft begann schlapp zu toerden. Die Anstrengung war martervoll. Di« offenen Sauerstoff-Flaschen, und die Kalipatronen, die sie vor den Mund hielten, gaben ihnen ein wenig Frische, aber bald stellte sich Uebelkeit ein.
Jansen selbst hörte ein seltsames Singen in den Ohren. Ihm war, als ob ganz allmählich alle Kraft aus seinem Gehirn davonginge. Der Zeiger der Truckmesserscheibe zeigte jetzt zwanzig Meter Tiefe. Wenn es noch sehr viel tiefer ging, lvar das Was)er uicht mehr aus den Tanks zu pressen, war nicht mehr hoch zu kommen. Und über ihnen suchten sie nun die See ab, kreuzten nach allen Richtungen, um ihnen beim Auftauchen ein paar sickere Schüsse in die Flanken zu jagen. Es war nicht daran zu denken) in die Höhe zu wollen, es war nicht daran zu denken . . . ^ Er sah wieder den Kreuzer, die Stichflammen, die um ihn züngelten. Er lag sicher jetzt schon viel tiefer als sic selbst. '
Jansen stand am Kompaß, wo mit leisem Surren der Kreisel rn einem lustverdünnten Raum in rasender Geschwindigkeit sich drehte und die Linie der Erdachse inn-chielt. Sie hatten jetzt scharfen Kurs nach Südost. Das Wasser stieg noch immer. Aber man arbeitete nun an den Pumpen. Er überlegte, daß inan noch dreiviertel Stunden unter Wasser sein könnte. Es waren jetzt schon acht Mann vollständig schlapp. Bis dantl wären inehr als die Hälfte ohnmächtig. Aber zuletzt mußte nian hochgehen. Was dann geschah . . . wußte kein Gott.
Eine dumpfe, stickige Atmosphäre begann sich immer mehr auszubreiten. Man hatte jetzt wirklich Mühe, Luft zu schöpfen. Die elektrischen Ventilatoren sausten, aber die Gesichter wurden zusehends blasser, die Augen größer, aufgerissener, und lvenn schließlich die Pumpen versagten, die Preßluftbehälter nicht genügend Kraft gaben, ga dann mußten sie eben auf den Grund sinken.
Jansen hatte jetzt nicht Angst, aber eine brennende Wehmut erfüllte ihn. Er sah Leute um sich, die mit hervorquellenden, großen Augen den Wänden entlang standen. Die so schwach geworden waren, daß ein Ruck sie umgeworfen Hätte. So ging es entsetzliche Minuten . . . Viertelstunden lang, und dann fühlte er selbst, wie es an ihn kann Es ivar ihm, als ob ihm d'ejü Atem hinunterginge, aber als ob er ihn nicht mehr heraufbringenj könnte. Schließlich waren sie bald in einem toten . . . geisterhaften Raum. Er empfand deutlich, wie das Letzte kam. Es ging nicht weiter.
Er schrie einen Befehl, aber er hörte seine eigene Stimme mcht und nur immer das dumpfe Summen in* dem Ohren., Aber das ganze Boot schien jetzt zu beben, ein Würgen ging durch fernen Leib, dre Preßluft fuhr in die großen Tanks, die Pumpen keuchten, rüdes die Mannschaft mit glasigem Blick über den Maschrnen lag. Aber es ging höher . . . höher. Als ob alle nur ein Herz hätten, das wußte, daß sich jetzt das Letzte entschied horchten sie mit gespannten Nerven, mit ivqhnwitzigen Visionen diesem Kampf. Aber es ging hoch. Vielleicht bekamen sie beim Austauchen den ersten Schuß, doch es gab ja keine Wahl. Das Wasser rauschte schon Heller, grüner über die Fenster des Oberlichtes.
Als sie die Luken öffneten, war ein grauer Tag. Die See ging hoch, und es begann eben wiejdvr zu regnen. Der Horizont lvar leer. Sie standen alle da. Der Antenivenmast wurde aufgestellt, unten gab der Telefnnkenapparat Zeichen. Aber es dachte niemand, daß das, was sie vollbracht hatten, wie *eut blitzender Strahl um die ganze Erde fuhr und sich in alle Blätter bcra Welt hineinfraß . . . nein, sie hoben ihre Brüste. Wie Pflanzen, die nach langer Winternacht ans Licht kommen, reckten sie sich auf^ und keiner von ihnen hatte ein anderes Gefühl, als daß die tiefste der Seligkeiten war: zu atmen...
vllchertisch.
— Lucie Viörna: tönte und böse Geister. Kleine Erzählungen von Gastspiel- und Erholungsreisen. Unter diesem Titel hat die bekannte vielseitige Künstlerin Lueie Vtörna vom Berliner Theater ein in liebenswürdigem Vlauderton geschriebenes Bnch tin Verlage des Schweizer Druck- imb Verlagshauses in Zürich erscheinen (offen. Die Künstlerin, welche oucl) durch ihre Humanitären Bestrebungen zur Hebung mrd Besserung der sozialen Lage befand, rs der Bühnenkünstlerin bekannt geworden ist, hat bett vollen Ertrag der ersten Allstage des WerkchenS für Zwecke be- stimlilt, die den tapsereil dellt sehen u n b österreichischen Helden zugute kommen.
— Bayern-Kalender 1916. Die Richtigkeit des in diesen schweren Kriegszeiteil geprägten Wortes „Reist in der Heimat* führt kein der dentscheil Landeskunde geividmetes Werk besser nnb eindringlicher vor Augen als der Bayern-Kalender, dessen Jahrgang 1916 soeben im Verlag vor, Carl Gerber, Buchdrlickerei unb Verlagsanstalt München, erschienen ist. Es ist erstaunlich, welche s^ülle neuer, künstlerisch eindrucksvoller Bilder ans den, schönen Bayerulande hier wiedeium zusammengetragen ,vorden ist zun, Lob und Preise der Hein,at der ruhmgekrönten Erstürmer des Zwinin. (Preis Alk. 1.50.)
— Unsere Seehelden. Die Rainen Graf Spee, Weddigen, v. Müller, v. Mücke werden aus dein Gedächtills des Deutschen Volkes sicherlich nien,als verschivinden. Sie habeil Heldentaten vollbracht, die unmittelbar den Gang des Krieges becin- stl'ßteil und deren Kunde durch die ganze Welt flog. Es soll aber auch all den nainenlosei, Helden ihr Recht lverden. die auf Vor- po'lenschissen, Torpedobooten M°d llnscheinbaren Fischdampsern, ans Hilfskreuzern, Luftschiffen unb Flugzeugen täglich stille Heldentateil verrichten, von denen niemaub etwas hört. Diese Ehrenpstickl ivill der »M!q r i n e b a i, f' in der von ihm herausaegebenen Marine- dank-Bücherei unter den, Titel „Unsere Seefelden" erfüllen. Zlinächst allerdings föimcn in der Hauptsache nur diejenigei, vor, unseren Seehelden geivürdigt werden, die mir schon fei,neu. »Ferdinand Gras v. Spee, der Sieger von Coronet das Lebensbild eines deutschen Seeinanns — nach seinen Eriilneruilgen bearbeitet von Vizeadmiral Kirchhofs", ivird der Titel des ersteil Bandes sein, der rechtzeitig vor Weihnachlei, erscheinen lvird, ein geschichtliches Dokninent ersten Ranges und zugleich e n "Bollsbuch im schönsten Siiu,e des Wort s. Gleichzeitig ivird das Weddigeubuch des „Mariuedank" erfcljcincn: „Otto Weddigen unb seine Masse". Beide Blicher werden im Anstrag und in enger Zusaminenarbe t mit den Familien vom »Marinedank" heransgegebeu. »Das Blich der Emden*, die Erinnernngen des Fregattenkapitäns v. Müller, ivird allerdings aiis naheliegenden Gründen erst später erscheinen können. Dagegei, sind die Erlebnisse des Kapitälilentnants v. Mücke, die dem Emdenbuch als Anhailg beigegeben melden, soeben als besonderes kleines Blich zllm Preise voll Mk. I,— erschienell ,mter dem Titel: Ayesha, Zährten im b Abenteuer der Emde n m anns ch a f t v o l, den K o k o s i n s e l n bis K o n st a n t i n o p e I. Ein namhafter Novellist hat diese Erlebilisse meisterhast in erzählende Form gebracht. (Mariuedank-Verlag, Berliil 8. 42.)
— D a s K ö n i g r e i ch P o l e n. Die bekannte Sammlling von Velhagen & Klaüngs Volksbüchern (Bieleseld und Leipzig, Verlag von Velhagen & Klasing. Jeder Band 60 Psg.) steht äugen- blicklich gai,z im Zeichen deS Weltkrieges. Dei, illtercssauteil uild lehrreichen kleinen Schri'ten über die Taten der delltschen Flotte im jetzigen Kriege, über den Feldmarschall Hindenbllvg, über die Dardanellen ufin. schließt sich als neuester Band eine Abhandlung über das Königreich P o l e it an. Der Verfasser, Erich M i s s a l e k, ist ein gründlicher Kenner der Geschickte Polens, und versteht es vorzüglich, den Leser in volkstümlicher Darstellung mit den manig- fachen Geschicken dieses schivergeprüsten Landes vertrant zu machen. Da die Znkunsl Polens zu den brennendsten Fragen der Gegenwart gehört, ivird diese kleine Abhandlung, die von vielen interessanten Abbildungen begleitet ist, allgemeinem Interesse begegnen.
Rätsel.
Ohne uns gibt's keinen Frieden,
Ohne uns gibt's keinen Krieg.
Ohne uns gibt es hienieden Höchstens Kampf, doch keinen Sieg.
Ohne uns kann nie ein Kaiser,
Nie ein Königreich bestehiy Uns entbehren kann kein Weiser,
Ohn' uns gibt's kein Wiedersehil.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslosung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: &LUOK LAHN UHU C N K
Kchristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität§-Buch- und Steiudruckerei, 9t. Lange, Gießet


