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Schilderung unseres Zeppelin erschienen, den der Kaffer den größten Tentschere des 20. Jahrhrurderts" genannt hat ß,Zeppelur, der Mensch, der Kämpfer, der Sieger", von Dr. Ä. Saager, rn der Anekdotenbibliothek von Robert Lutz in Stuttgart, geh. 2 m, yeb. 3 Mk ). In bunten Bildern, zusammengetragen aus Archiven, aus vergilbten Blättern, aus Briefen, Büchern, Zeitungen, und von des Herausgebers kundiger Hand sorgsam geordnet, führt dieses Volksbuch im besten Sinne, das für den einfache!: Mann wie für dm Gebildeten geschaffen ist, uns denjungen Zeppelin", ben ^Reiteroffizier in drei Feldzügen", denGeneral z. D. als Er­finder", denHelden nach drei Fronten" (gegen die Mitwelt, me Geldnot und den Luftgeist), denLuftgroßadmiral", wie ihn Wol- zogen genannt hat, denWiedercrwecker nationaler Begeisterung' , 7 ,unseren Zeppelin" und die Leistungen und Erlebnisse unserer Zep- lpeline im Weltkrieg vor, das Lebensbild eines deutschen Mannes, wie es kein Dichter wahrer gestalten könnte. ,

Gewiß, die Zeppeline haben in diesem Kriege Wunder gewirkt: .Wunder im Felde über Feindesland, und vielleicht noch wert er­staunlichere und mächtigere Wunder im Herzen der Feldgrauen, m der Seele des ganzen Volkes", wie der Verfasser sagt.. Mer wir wurden dem Grafen Unrecht tun, wenn wir in seiner Erfindung sein größtes Verdienst sehen würden. Das wird uns klar, wenn wir in diesem Buche atemlos und Uopfenden Herzens die unendlich vielgestaltigen Lebensschicksale des Grafen an uns vorüberziehett lassen, aus denen sich seine Persönlichkeit herausformt als die echteste Verkörperung deutschen Wesens, die unsere Zeit dem deut­schen Volke geschenkt hat. In seinen einleitenden Worten betontz dies der Verfasser. Wir entnehmen dieser Würdigung Zeppelins

das Folgende:.Es war zu einer Zeit, wo man es kaum

mehr laut sagen durfte, wenn man Dingen nachging, die nicht Uiit gefüllten Geldbeuteln winkten wo man ausgelacht wurde, ivenn man für Ideale, die über den Bereich einer engen Gemein- schaft hinauszielten, mehr als schöne Worte ausgab. Da geschah etwas Seltsames, Unerhörtes: ein Ereignis schien zu beweisen, daß die Pläne des Grafen endgültig gescheitert seien, und im Augen-' blick dieses Ereignisses verschrieben sich Hunderte, Tausende, ein ganzes Volk diesen Plänen mit der ganzen Leidenschaft und Be­geisterung, deren es fähig war.

Jeder wußte es: dieser .Held war von seiner Tat nicht zu trennen. Aber jeder wollte, als er sein Scherflein für den Bau eines neuen Luftschiffs liergab, damit doch nur dem Grafen Zep­pelin sagen, daß sie beide für alle Zukunft in Freud und Leid zu­sammengehören. Der Arbeiter, der Handwerker, der Kauftnann, der Künstler, der Gelehrte, jeder einzelne hatte es erlebt, daß diese Persönlichkeit sein Ideal geworden lvar, daß eine solche Persönlich­keit eigentlich von jeher ein Ideal gewesen. Das Gefühl hatte geschlummert, der Wehschrei nach der Echterdinger Katastrophe hatte es geweckt. Die Treue, die Beharrlichkeit, das Vertrauen, die Unbcugsamkeit, die in diesem Mann ihren höchsten Ausbruch gefunden wenigstens ein Körnchen davon hatte jeder in den Stunden ernsten Strebens in sich selbst entdeckt. Jetzt ivar es ins Bewußtsein getreten, daß dieser Mann die wertvollsten Kräfte in sich vereinigt und in seinen! Werk vcrlvertct batte, die das deutsche Volk sein eigen nennt. So wie der Graf Zoppelin sein, ja, das hieß deutsch sein! Und diesen! Mann als dem Symbol der Kräfte, die man hatte es fast sckwu vergessen alle zu einer höheres Einheit verbanden, opferte man, jubelte man in Dankbarkeit zu. So ward er unser Zeppelin.

Das ist seine größte Tat, größer noch als seine Erfindung, daß er ein Vorbild war, ohne es sein zu wollen. Er war ruhiA und treu seine Straße gezogen, uneingeschüchtert von den Drohun­gen, ungerührt von den Lockungen, die rechts und links an seinem Wege lauerten. Im innersten Busen eines jeden Deutschen schlum­merte ein Geist, der sckMchtern zwar und vielleicht nur hin und nneder zum Gleichen riet. Mit einen! Schlage aber hatten ihn jetzt alle erblickt auf seinem mühseligen Wege, und min erhob jener Geist seine Stinrme. Jetzt sträubte sich keiner mehr, fehlte es keinem mehr an Mut. Hinter ihm, dem Fahnenträger, ström­ten Hunderte, Tausende, alle schlossen sich zu Reihen zusammen, marschierten in gleichen: Schritt und Drttt dahin. Das wirre Murmeln gestaltete sich zu Tönen. Alle lauschten dem Liede, das sie unbewußt angestimint hatten: und es sang von: Vaterlande. Und als sie den endlosen Zug betrachteten, dem sie sich angeschlosscn 'hatten, da erkannten sie, daß das ganze deutsche Volk milzog.

Unser Zeppelin! Jetzt lvar auch des Mannes Werk des gan­zen Volkes Werk geworden. Das ganze Volk hat mit ihm fortan getrauert und fortan gejubelt, lvie des Schicksals Lose fielen. Wenn eines der stolzen Schiffe über uns dahinzog, überkam auch den Nüchternsten ein himmlischer Traum: das loar ja die Verwirk lichung einer Sehnsucht, lvie jeder eine im Büsen nährt nicht der alten Sehnsucht, zu^fliegen, sondern der Sehnsucht, die jeden in den gehobenen Stunden besucht, in denen er Abrechnung hält mit seiner Stellung in der lncnschlichen Gesellschaft. Ja, der Luftriese dort oben verkündete es. der Geist, der den Grafen ge­leitet und der uns alle leiten soll, bringt es auch zu Taten! So war der Anblick der schönen Schiffe jedem die Verkörperung mensch­licher Werte, des deutschen Arbeitsgeisters . . .

Mich im Ausland fühlte man. lvie sehr sich gerade in dem Werke dieses Mannes das Wertvollste des de»tselben Geistes ver­körperte. Tort fühlte man vielleicht auch die Ueberlegenheit dieses Geistes. Darum lvurden, trotzdein man ihre praktische Bedeutung

wegteugnete, die Zeppeline auch dort populär. Heute versteht mau den Simr der Gespcnsterluftsclüffangst in England, die Aufregung bn der Landung in Lunßville. Wch das Ausland erfaßte und erlebte instinktiv den Grafen Zeppelin und die Zeppeline als Symbole!

Dann kam der Weltkrieg. Urrd nun tat Zeppelin sein drittes Wunder. Nickst: durch seiue Erfindung, sondern durch seine Per­sönlichkeit. Wäre der beispiellose Opfersinn, die unerschütterliche ^regeszuvcrsicht, der unbeirrbare Wille znM Turchhalten im Kampfe gegen eine solche Uebernracht denkbar gewesen bei einem Volke, das nicht wieder gelernt hatte, sich als Volk zu fühlen? Ter unwäg­bare Gerst war es bei dieser Riesenübermacht wird es niemand vezweffeln können, der auf der Wage den Ausschlag gab. Und diesen Geist hat Graf Zeppelin, in dem er seine höchste Vollendung gesunden, zur Entfaltung gebracht. Tie späteren Geschichtsschreiber werden wohl in die Geschichte des Weltkrieges ein Kapitel ans früheren Jahren hereinziehen müssen, dasEchterdingen" heißt. Und sie werden^betoncn, daßunser" Zeppelin" gerade die Eigen­schaft in aller Stille bei seinem Schassen vorgezeichnet hat, durch

die im Weltkrise das deutsche Volk sich bewährt hat.'1

Saagersche Zeppelin-Buch ist ein Denkmal für den neuen deutschen Volkshelden, unseren Zeppelin, und zugleich ein Tenkmvl für unser Tentschsein.

vom alten und vom jungen vauernjeld.

Zum 25. Todestage Eduards v. Bauernfeld, 9. August.

Mehr als zwei Menschenalter zählte Eduard v. Bauernfeld, Wiens Lustspiel-Klassiker, zu den Gestalten ohne die sich das Wiener Leben und die Wiener Gesellschaft gar nicht denken ließ. Als er im Jahre 1890 verschied, war er bereits ganz und gar z-ur geschicht­lichen Person geworden: er lvar deralte.Bauernfeld", der ein ganzes, ungeheueres Jahrhundert Wiener, österreichischer und dertt- scher Geschichte und Kultur als Zeitgenosse sich hatte entfalten sehen. Als Zeitgenosse und als Kritiker. Denn wie Bauern-, fclds Lustspiele eine starke Wurzel in der Satire haben, so gehörte der Dichter auch als Persönlichkeit zu den Scharfen. Immer war er kritisch gestimmt, immer zum Angriff parat:er hatte stets

so hat Ludwig Speidel von ihm gesagt seinen kleinen Zorn, seinen großen Aerger, den er beim n!indesten Anlasse verpuffen, ließ. Es hat immer nach Pulver um ihn gerochen." So war. denn der alte Bauernfeld im Umgänge auch gar nicht der Be­quemste. Er verkehrte gern gesellschaftlich, aber er war ein an­spruchsvoller Gesellschafter. Wurde er geladen, dann pflegte er vorher sich nicht allein die Speisen, sondern auch die Gäste auH- zusuchen und man nahm ans seine Wünsche allemalen Rücksicht. Wer nicht mit mir einer Meinung ist, mit dein rede ich gar nicht gern," murrte er, und selbst wer mit ihm einer Meinung war, konnte durch seine Launen und Ausfälle zuweilen arg überrascht werden. Bernhard Stern hat eine lusttge Geschichte davon über­liefert. Bauernscld kommt und beginnt zu plaudern will sagen: zu schimpfen. Man spricht vom Theater: Bauernfeld schimpft: Diese Hund' spielen wie die Schwein'." Man setzt ihm ein präch­tiges Essen vor er räsonniert über dessen Erbärmlichkeit: man reicht iljm eine vorzügliche Zigarrei er verflucht sie als miserable. Man erzählt von dem neuen Romane eines beftenndeten Ticlfters

Bauern seid hat altes mögliche daran ausznsctzen. Schließlich kommt man auf Goethes Tasso zu sprechen.Auch a Sehrmd!" schreit Bancrnfeld, da er einmal gut im Zuge ist. Gelächter der Freunde, verdutztes Gesicht des Dichters Tableau!... Ber-, söhnend war au Bauernfelds satirischer Laune, daß er auch sich selbst nicht verschonte. Noch seine letzten Worte waren satirisch und ironisch gefärbt. Am Morgen seines Todestages erwachte er mit schwerer AtemUvt und ries nach der Wärterin. Sie eilte herbei und rief erschrocken:Wie geht es Ihnen, Herr v. Bauernfeld? Sie jammern ja so sehr!"Es ttlt mir leid, daß ich Sic immer, störe," fticife der Dichter hervor,aber ich werde mir das Weh-' klagen bald ganz abgewöhnen." Damals lebte er längst mit seiner treuen Rcsi zusammen, die als verläßlichste Pflegerin seines leib­lichen Menschen wartete. Er lvar iinmer ein großer Frauenver-i ehrer gewesen, hatte aber- schließlich den 'Anschluß verpaßt viel­leicht auch nicht so ungern verpaßt. Im Kurmachen aber ist cr unermüdlich gewesen, und lvie er so lange lebte und in manchem Häusern generationenlang verkehrte, da vererbte cr zuweilen seine zärtlichen Gefühle von der Großmutter auf die Mutter imd schließ­lich noch auf die Enkelin. Der Alte besaß so viel LlUmUt Geistes, daß es ihn: selbst die Jüngsten keineswegs verübelten, wenn er ihnen den Hof machte.

Aber der alte Bauernscld war ja Mich eimnal ein iuirgetzs Bauernscld gewesen und eine köstliche Sonnenzeit hat er danmls erlebt, als er mit seinem Schulfreunde S ch \v i n b und mit Schubert gemeinsam Wien und dessen liebliche Umgebung un­sicher «nachte. Geld hatten sie in der Regel keins, und doch schien ihnen das ganze Leben zu gehören. Nicht nur Hüte und Stiefel, sondern selbst Röcke und Hosen benutzten sie als Gemeingut. Hatten sic die Nacht hindurch toll genug geschwärmt und fanden noch immer kein Ende, nur sich zu trennen, so gingen sie alle drei in d.- Wohnung des einen, um dort zu übernachten. Dann legten sich zweie gemnnsam in ein Bett, und Schlvind umrf sich .umvGUlch in eine lebernc Decke gehüllt aus den nackten Fußboden bin. 'Äl$