Ausgabe 
9.8.1915
 
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Lurück zur Schotte.

Roman von Ewald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Die Bauern grinsten. Und der Kreisschulinspektor, der sofort erkannte, daß er sich im Ton vergriffen hatte, lenkte ein.

Aber Sie müssen doch Linsehen, daß Sie sich damit geschadet haben. Sie hätten ein neues Schulhaus be- wmmen."

Ein neues Schulhaus ist trotzdem nötig!" meinte Morin ^Krssel mit Gleichmut.Sie brauchen die Kommission nur z-urückzurufen. Ich will ihr gerne alle angefaulteu Bal­ken zeigen!"

Doch das luar leider nicht mehr möglich. Denn »ein Negieruugsbaumeister ist bekanntlich unfehlbar. Der Kreis­schulinspektor aber ließ seiner schlechten Laune wieder freien Lauf.

Sie haben die Königliche Regierung schon dreimal mit einem Gesuch belästigt!" sprach er ärgerlich.

,,Zweimal ist die Entscheidung aufgehoben worden!" erwiderte Moritz Gassel.Also Hab ich's noch einmal versucht!"

Hier ist die Antwort!" sprach der Aufsichtsbeamte und zog einen Brief heraus.Ihr Gesuch ist endgültig abgewiesen worden!"

Moritz Gassel las, riß den Bogen auseinander, ließ die Fetzen zur Erde flattern und stieß sie mit dem Fuße verächtlich von sich.

Ich danke Ihnen für die Nachricht!" antwortete er und atmete hoch aus.Teilen Sie Ihrer Vorgesetzten .Behörde mit, daß ich ihr nichts mehr mitzuteilen habe."

Was soll das heißen?"

Daß ich mit dem heutigen Tage mein Amt niederlege. Ich stelle Ihnen anheim, nwrgen einen Vertreter hierher­zuschicken."

Ja!" rief der Kreisschulinspektor verblüfft.Was bilden Sie .sich denn ein? Das ist einfach ungehörig. Das ist Kontraktbruch. Das verstößt gegen die Verord­nungen. Man hat Mittel, Sie zum Bleiben zu zwingen!"

Indem man mein monatliches Gehalt von sechsund- sechzig Mark und sechsundsechzig Pfennigen einbehält. Ueber meine Freiheit hat die Königliche Regierung nichts mehr zu verfügen."

Sie begehen damit eine Pflichtverletzung gröbster Art."

Meine Pflicht gebietet mir, ein Amt, für das ich mich nicht eigne, mederzulegen, in demselben Augenblicke, wo ich das klar erkannt habe. Und dieser Augenblick ist da!"

Der Kreisschulinspektor zuckte die Achseln und wandte sich zum Gehen. Er machte aber auf seinem Wege einen großen Bogen, um nicht auf die zerrissene Verfügung der

Königlichen Regierung treten zu müssen, die der Wind auf den .Hof entführt hatte.

Moritz Gassel war so leicht zumute, wie noch niemals in seinem Leben. Er lieh sich einen Leiterwagen aus dem Dorfe, packte seine Siebensachen darauf, nahin Abschied von den Kindern uiid fuhr immer ans Britzkawe zu.

In Sulitsch übernachtete er. Zeitig am Morgen brach er auf. Als er beim Schulhans vorbeikam, hörte er Ge­schrei. Herr Littich verprügelte grade einen Jungen und hatte dabei die Fenster osfen stehen. Moritz Gassel wandte sich ab, ließ den Wagen vor dem Kretscham halten und ging aufs Dominium.

August Knvrreck bewillkomninete ihn mit kräftigen

Handschlag.

Sind Sie endlich so weit!" lachte er freudig.Hat lange gedauert, bis Ihnen die Augen aufgegangen sind."

Köilnen Sie mich denn brauchen?" sagte Moritz Gassel unsicher.

Kommen Sie nur erst rein!" erwiderte der Inspektor. Das übrige findet sich. Ich vigitier schon lange ailf Sie!"

Der einzige, der sich über den neuen Hausgenossen nicht freute, war Thomas Hauschild. Die alte Eifersucht tu ihm erwachte stärker als jemals, und er erinnerte den Inspektor an sein Versprechen.

Versprochen habe ich nichts!" sagte Ailgufl Knorreck. Und ich misch mich nicht drein, nicht im guten und nicht im bösen. Aber lassen Sie dem Mädel Zeit, das rat ich Ihnen!"

Doch Thomas Hauschild gehorchte nicht, suchte Hedwig auf, als sie allein mit den Kindern war und erzählte ihr, daß er nun schon fünf Jahre um sie diene, und daß er nun endlich klar sehen müßte, woran er sei, denn sein Vater wolle sich bald zur Ruhe setzen.

Uiid .Hedwig dankte für seine Liebe und wies ihn auf

die Kinder.

Das nahm sich der Gehilfe so zu Herzen, daß er »vütend wurde und zum erstenmal mit dem Inspektor zusammen­geriet.

Sie haben mich fünf Jahre att der Nase herum­geführt!" rief er erbost und schlug ans den Tisch.Jetzt kann ich natürlich gehen, wo Sie den anderen haben, den Schulmeister!"

Was kann ich denn dafür!" erwiderte August Knorreck gelassen,daß Sie keine Geduld haben? Fragen Sie tu drei Jahren wieder an oder in fünf. Wenn Sie den Mut haben. Und wenn ich zehn Mädel hätte, ich würde keine einzige zum Heiraten kommandieren. Bleiben Sie hier, ich kann zwei Assistenten ganz gut gebrauchen!"

Doch Thomas Hauschild lvar nicht mehr zu halten. Er schämte sich selbst über seine Ungeschicklichkeit uub ging ins Posensche hinüber. Der Inspektor gab ihm ein vor­zügliches Zeugnis.

Moritz Gassel rückte in die leere Stellung ein und unterrichtete nebenbei die beiden Baronskinder. Für die