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Her dagegen kroch bald an den Rand des ^Es^^der^auten Kuh". Mit beiden Händen rupfte er wahllos aus der guten
Mutter Erde heraus, was ihm Zwilchen i bieJ rt f ^ V” b frhirfte fidi an die grüne Beule m den Mund zu^liopsc . ^ier aber griff Hedwig, die die beiden Kinder keinen Moment aus den Augen ließ, mit List^und ZorfreA ein und t>e^ schwatzte ihn zu einem besseren spiel. Denn wenn de Mann merkte, daß man ihm nicht seinen willen lchsen wollte dann konnte >r cinen wahren Fcucrlarm anschlagen Und wenn Cäcilie vom Serumtollen müde war, mu«te Hedwig Märchen erzählen. Das verstand ne, so gut, daß sogar der kleine Günther zuweilen die Ohren spitzte, dazwischen kugelte sich aus dem Teppich hin und her. , . .
Fritz von Winkelberg sah diesem Treiben von seinem lenster aus zu, bis sein Blut unruhig wurde und er zuin Hute griff. Dann durchschritt er den Hof und die Stallungen, den Garten und die Scheunen, und besprach sich mit-.lugust Knorreck. der die Gcrätschasten für d,e Ernte '"stand setzen ließ: aber in den Park wagte er sich nicht. Erst am Mittag traf er wieder mit Hedwig und den Kindern zusammen. ->ach dem Essen brachte sie die Kleine» ans ein paar -tmiden zu Belt. Doch auch daun ließ sie die Hände nicht riihen. Cacilie hatte eine besondere Geschicklichkeit, Löcher in bte . ©trumpf« zu reiße», und dem kleinen Günther wurden Kleidchen und Jacken schnell zu kurz und zu enge. - . .
Um diese Zeit entsloh Fritz von WrnkeHerg auf die Felder hinaus, als flüchte er vor sich selbst. Moritz Gasfel wartete setzt sehr oft vergeblich auf ihn, wenn er zum Schachspielen kam. Und zu Hedwig, die mit denAmbern auf der schattigen Terrasse saß, wagte er sich auch nicht -Leit seinem Prüfunasunglück hatte er ferne Unbefaugercheit ganz und gar verloren. Das Gespräch, das früher so lustig zwischen ihnen hin- und hergesprungen lvar, stockte bald, verlor sich im Gewirr der heimlichen Gedankeii und versiegte. Manchmal saßen sie stundenlang nebeneinander, olme ein Wort zu wechseln. Wenn Hedwig am Mend die Kinder zur Ruhe brachte uiid der Baron nicht gekommen war, ging Moritz Gassel heim. Hedwig reichte ihm die Hand aber sie dachte an andere Dinge. Und auch am letzten ..icu kehrte Fritz von 'Winkelberg erst nach Sonnenuntergang Yeun. Sein Herz l-atte sich beruhigt. Er schritt, berit £ut rn der Hand, langsam durch den schweigenden Park, dessen Gange vom schwachen Licht der Mondsichel erfüllt waren.
Plötzlich hörte er rasche Schritte. Hedwig kam daher, eilenden Fußes, um durch den Gemüsegarten nach Hause zu gehen. Fritz von Winkelberg trat zur Seite, tn den Schatten eines Lindenstammes. Sssin Herz begann wieder zu klopfen. Er preßte die Hand darauf und rührte sich nicht. Hedwig huschte in der Dunkelheit dicht an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken. Dann verklangen ihre raschen, leichten .Schritte. Fritz von Winkelberg fiel schwer auf eine Bank und saß. bis ihn die kühle Nachtluft schaudern ließ
Am nächsten Morgen begannen die Linden ihre Bluten zu öffnen. Erst scheu und zaghaft, als trauten sie der Sonne nicht recht. Am Mittag aber war chr Mißtrauen besiegt. Berauscht taumelten die Bienen durch das Dufttneer, und das Glockenläiiten kam näher und näher.
Wieder stand Fritz von Winkelberg an diesem Abend hinter der Linde. Er schämte sich seines Lausckens, aber er handelte wie unter einem Bann. Diesmal ram Hedwig langsamer daher. Ihre Schritte waren zögernd, sie stockten. Endlich sank sie auf die Bank und seufzte tief auf. Sie dehnte ihre Arme auf der Lehne und strich sich mit dem Handrücken über die Stirn. Dann aber sprang sie auf und entfloh. Der Luftzug, den ihre flatternden Kleider erweckten, strich Fritz von Wittkelberg kühl über die fiebernden Hände.
In dieser Nackt siel ein feiner, warmer Regen und brachte die letzten Knospen zum Springen.
Und als der dritte Mend kam, stand Fritz von Winkelberg wieder auf seinen! Lauscherposten. Diesmal mußte er länger warten, denn die Ungeduld hatte ihn viel zu zeitig von seinem Spaziergang heimgetrieben.
Wieder schritt Hedwig mit stockenden Schritten über den knirschenden Kies der Parkwege. Hier und da blieb sie stehen und reckte sich in die Höhe, um einen Lindenzweig zu erreichen und die Blüten abzupflücken. Die sammelte sie rn ihre Schürze. Als sie bei der Bank war, auf der sie gestern gesessen hatte, zog sie einen besonders starken Ast hernieder und beraubte ihn seiner duftenden Last, bis sie die Schürze gefüllt hatte. Dann setzte sie sich aus die Bank, drückte ihr Gesicht in die süße Bürde hinein, hob es nicht wieder
und bcguu» leise zu schluchzen. Da trat Fritz von Wiu'ci- berq leise auf sie zu. Sie fuhr empor, und> der lähmte sie. Silbern tropfte das Moudltcht Purch die
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„Hedwig!" rief er leise und setzte sich neben sie. Langsam entglitten die Blüten ihrer schürze. Sn rührte sich nicht. Ihre Lider waren geschlossen, und ihre Hände hingen schlaff herab.
Noch einmal rief er sie beim Namen, ^.ann berührte er sanft ihre linke Hand. Da löste ein schmerzhafter Seufzer den Baun, der aus ihr lastete, und s^.i^nk haltlos gegen seine Schulter. Er legte die Arme um sie und hielt sie sesN Das brachte sie zur Besinnung. sn sträubte sich und wollte -entschlüpfen, doch er gab sie nickst, frei f
„Kind!" flüsterte er und zog )\c an sich ,.Wav fürchtest du dich! Ich bin es ja. Sei ruhig, es geschieht drr nichts Ta gab sie das Wehren auf, aber ihr Kops blieb
9C1CH , f ,$)u hast geweint?" fragte er sanft und richtete ihren
Kopf in die Höhe. 0 .. „
Wieder quollen tue Tranen aus ihren Lidern.
„Weshalb hast.du geweint?" fragte er drängender.
Da schlug sie die Blicke auf, schaute ihm seit langer Zeit zum ersten Male wieder in die Augen, schlang ihre Arme um seinen Hals unb barg ihr Gesicht an seiner Brust. Leise rannen ihre Tränen, aber sie schluchzte nicht niehr. Regung',— los und schweigend saßen sie beide wohl eine stunde. Dann riß sie sich los. .
„Ich muß fort!" rief sie bestürzt . A . .
C nein!" erwiderte er und tu fernen Augen lachte es froh" „Dich soll mir keiner entführen. Du bist mein liebes Hausmütterchen und sollst es immer bleiben!"
„Herr Baron!" stöhnte sie verwirrt und wollte ihre Hand befreien. „Bitte, bitte, lieber Herr Baron, lassen
Sie mich fort!" .... k
„So leicht entkommst du mir nicht!" flüsterte er und zog sie auf seine Knie. „Morgen abend bin ich wieder hier. Ind drüben erzählst du nichts!" .. t ...
„Aber wenn Vater es erfährt!" erwiderte sie furchtsam. „Das laß nur meine Sorge sein!" tröstete er sie. „Diesmal muß er sich ergeben. Tenn wenn er mir spane macht, setz ich ihn auf die Straße!"
Hedwig stieß einen leichten schrei des schrecken^ aus. „Närrchen!" begüttgte er sie. „Ich werd's nt«t tun. Aber ich drohe ihm damit, wenn er nicht klein beigibt, ^ch weiß genau, was ich an meinem August Knorreck habe. Bis dahin sei fein schweigsam, damit uns niemand stört!"
Sie nickte nur, und es lag Trotz in dieser kurzen Bewegung Da preßte er sie an sich und küßte sie dreimal ans den blühenden Mund. , .
Auf Wiedersehen, Hausmüttercl-en!" sprach er lächelnd und 'gab sie frei. Durch die silberne Dunkelheit taumelte sie davon. Mit zitternden Knien erreichte sie die Tür ihres Vaterhauses und lehnte sich bebend an den Pfosten. Endlich raffte sie sich auf und trat ins Zimmer.
„Du kommst heute spät!" sagte der Vater und schaute
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von seinem Kreisblatte aus. Die Kreuzzeitung war vor einigen Wochen plötzlich ausgeblieben, und am Tage hatte er jetzt keine Zeit zum Lesen.
Hedwig erfand eine Notlüge, aß ein paar Bissen und ging bald zu Bett. Aber den Schlaf fand sie erst in den Morgenstunden. . . .
Diesmal erschien der Baron un Schlafzimmer ferner Kinder, als er Hedwig eintreten hörte. Er wich den ganzen Tag über nicht von ihrer Seite, plauderte mit ihr und weidete sich an ihrer Befangenheit. Am Nachmittag erst ließ er sie mit den Kindern allein.
„Kommst du?" fragte er leise, daß es der kleine Günther nicht hören konnte.
Sie sah ihn hilflos an und nickte.
(Fortsetzung folgt.)
Der Urieg.
Seeskizze von Hans Fr. Blunck.
Sävn Hans Appens Vater und der alte Detlef Brand hatten einen unversöhnlichen Haß gegeneinander getragen. Niemand wußte, woher der kam und wie er entstanden ivar, und tue beiden, selbst erinnerten es wohl kaum. Aber die Leute wußten. wenn, einer von ihnen in der Schänke ivar, durfte der andere nicht dazu- kommen, durften auch seine Freunde nicht hinein. Denn nn Trunr


