Ausgabe 
8.3.1915
 
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Versteck etwas bequemer zu machen und 'zur Erwar»lmng mtt Hüte eines kleinen Kochapparates Tee zu bereite»!. Als fie gerade das ersehnte Getränk in ihre Alumininmbecher goss«», drang plötzlich ein seltsanrer dumpfer Laut, gleich dem Röcheln eures Sterben­den, an chr Ohr.Xaver!, was mag dös gwes n !«?

Wvaß nit, Han-, aber b'sunders is mir dös vürkemrna los is -eppS, do möcht i alei »nein Kopf verwett'n!So! dann dann timm schau g,» ma nach!" Dies war nun zwar gut ge­meint, aber leichter gesagt als getan, denn ich strengte »neure Angen und Ohren ohnedies schon längst furchtbar a»r. aber dre ersteren sahen nichts als daS eintönige Schwarz, und die letzter«» gaben ununterbrochen das Sausen und Pfeifen des Wmdes an mein Gehirn »veiter. Es blieb also nichts übrig, als einmal Füh­lung mit unfern Nachbarposten zrr nehmen.Du gehst rechts uird i links, aber sei vorsichtig!" entschied ich deshalb rasch. Zehn Minuten waren seit unserer Trennung »roch nicht verstrichen, als ich auf die mir e»»tgegeneilenden Kameraden des linken Neben- Postens stieß. ,,Hotta, Kanreraden, fehlt bei enk »vas?"Nil grad aber habt- ös nix g'hört? Es im» ja in enkerm Bereich g'wes'n sei!" Schnell ward, »vas ich wußte, gesagt, und alsdann eilten nur brei zu unscrm recksten 'Nachbarposten. Wenige Meter hatten nur zurückgeleigt, da kain uns durch das nächllick-e Dunkel mein Freund Hans entgegen. .^Xaverl, der 'rechte Neb'npost'n is nit -'finden. I Hab alls abg'macht!^Herrgott, »vas soll nur los sein und »vas machen in dieser rabenschwarzen Mcht?" Fragend blickten »vir einander an, da ein leises Rauschen, ein dumpfer Schrei. Ich sah gerade noch '»neinen Neben»nann hinten- übersinken, als jlvei Hände meinen Hals umklainmerten. Meine»»» Körper gab's einen geivaltigen Ruck, aber soviel »neine starken Hände auch nach dein unsichtbaren Gegner griffen, sie erliaschten nur Stroh. Scharf knallten z»vei Schlisse durch die Nacht, eisig kalter Stahl bohrte sich in meine Schultern, aber in diesem Mo»nent ließ auch die feste Umklammerung »»»eines Halses nach. Xaverl, fehlt'S »seit?" drang die Stimme meines Freundes an meine Ohren, und die schon im Entschwinden begriffenen Sinna kehrten »nieder. Ich hatte keine Zeit zum A»»tnwrte>», denn mein Kamerad hatte mich bereits ausgenommen und trug »nich in einen nicht rveit entfernten Graben. Was es »var? Der Feind hatte sich in Getreidegarben gesteckt und »var so an uns herange­schlichenHerrgott, Xaverl. da Mond ki»nmthurra, da Mond fimmt!" jauchzte mein Freund und feirerte Schuß um Schuß aus seinem Gewehr. Wir hörten eilige Schritte und »vußte»», daß die Unsrigen nun kämen, und eben als diese über denr kleinen Hüaelkamm auftauchten, schlüpfte der Mond ans dem Ge»oölke. Rasch sprengte der Hauptmann herbei.Posten, »vas gibt eS?" Ein Ueberfall der Posten durch den Feind!"Aber es ist nicht- zu sehen!"Einen Augenblick, Herr Hauptmann dort die Getreidegarben r schnmnzelte »nein Kamerad, legte sein Gelvehr an, und pfaff wirklich, 'die vorderste der etlva 60 Meter entfernten Garben machte einen deutlich merkbaren Sprung. Nicht nur ich und der Vorgesetzte, sondern auch die etwas rückwärts auseinanderziehende Ma»»nschaft hatten die Situation rasch erfaßt und nahmen die herumstehenden Getreidegarben sofort aufs Korn. Vielleicht drei Minuten mochte das Feuer angedanert haben, da wurde e- in den Feldern vor un- lebendig. Aus den Garben schälte sich Franzmann um Franzmann. und alle warfen schnell ihr Gewehr »veg, zum Zeichen, daß sie sich ergeben wollten. Es war ein ganz nettes Häuflein, das sich dem nicht schlecht erdachten und für unS recht gefährlichen Munrmenschanz hingegeben hatte. 43 Gefangene, 7 Berw»»ndete und ein kleine- Häuflein Toter »var der Erfolg auf unserer Seite." Damit war jedoch der Kamps nicht zu Ende. Bon den Gefangenen erfuhr man, daß der Plan, die Deutschen mit Hilfe einer derartigen Kriegslist zu überfallen, wn dem Führer einer hinter den» nächsten Hügel versteckterr größeren Abteilung ausgeheckt »var. Als die Deutschen dorthin vordrangen, »var der Fe»nd verschwunden. Zu gleicher Zeit setzte aber starkes Ge»vehrfe»»er bei der zurückgebliebenen deutschen Ab­teilung ein. und alö sie im Laufschritt zurückkehrten, sarrden fie die Franzosen im lebhaften Gefecht mit den ihrigen. Durch die Zurückkehrenden nun auch im Rücken bedroht, mußten sich die Rothosen ergeben, und so kam der durch die merkwürdige Kriegs­list einaeleitete französische Nachtangriff zu einem für uns günsti­gen Ende

Punch" über bie Seppelin Zurcht.

Eine unserer Leserinnen übersetzt un» aus den» englischen Witz­blatt »Punck* folgende kleine Satire, in der der englische Verfasser in lustiger Meise seine eigenen Land»le»ite verspottet:

Zeppelin Drill.

Ost habe ich die kleine Dame von Nr. 4 gesehen, aber erst jetzt habe ich entdeckt, daß in ihr die Fähigkeiten eines Generals schlum»nern.

Aul Umwegen erfuhren »vir von ihrer strategischen Begabung, v?* ^Achen erzählte es dem Milchmann und auf diesen» natür­lichen Wege kam die Nachricht zu uns: Jeden Abend legt daS Mädchen einen Pelzmantel, ein Paar hohe Stiefel und einen

Kohlenschütter für sie bereit. Das sind ihre Vorkehrungen für einen Zeppelinangrlff.

Jederman»» bereitet sich darauf vor. Die Mutter von Bulpitt» Frau z. B. Bulpitt ist mein nächster Nachbar ließ sich von ihm ein bombensicheres Loch im Garten graben. Bulpitt »neint^ es würde wohl nicht so einfach sein, sie da hinein zu bringen. I« »nachte ihm klar, daß es wohl schwerer »väre, sie wieder heraus zu bringen das Loch ist sehr tief. Darüber mache er sich keine Gedanken, sagte er

Zwei Nächte darauf Schüsse! alle Lichter längs der Straße verlöschen, jeder sucht sich in Sicherheit zu bringen. Nachher stellte sich heraus, daß Stewart seinen Familien-Zeppelin- Drill hatte ausprobieren wollen und drer Schüsse abgegeben hatte, um die Sache recht realistisch zu machen. Seine Frau steckte das Baby^ in einen Kochtopf (den Deckel schief darauf, daß eilt schmaler Spalt blieb). Sie selbst pfla»»zte sich an einer bestimmt«» Wand auf, die nach Stewart nicht Umstürzen konnte, »vegen der Taue und Ge»vichte, »nit denen er sie befestigt hatte.

Für ihn war das so tveit schön und gut. Nur »var es nicht ganz progranunäßlg, daß in dem Kochtopf noch Wasser war.

Aber der arme Johnson, der alle Matratzen in dem Kohlen­keller ansstapeln mußte? Er war rabe»»schwarz und fuchswild, als er die Ursache erfuhr.

Und Carruther, der einen Löscheimer über den» Kaminfeuer im Wohnzimmer ausleerte und nun seiner Frau, die fast taub ist und daher die Schüsse nicht gehört hatte, eine schwarze Pfütze auf den» Fußboden erklären mußte.

Bulpitt- Schwiegennutter, rm, die saß über eine Stunde in dem Erdloch, ehe »vir sie herauszogen. Als »vir sie das erstemal hoch hatten, sagte sie, etwas schwer atmend, jedoch lächelnd:Nun weiß ich doch, wie es in einem Schützengr" und da glitt si» »vieder herunter, plumps. Das zweitemal sagte sie: ,Lch glaube nicht, daß sie wiederkDas drittemal sagte sie:Mir liegt nichts dran, wenn die Zeppel" Und als wir sie »virklick herausbrachten, sagte sie gar nichts mehr und mir tat Bulpitt leid!

Inmitten all dieses Wirrwarrs stand Fräulein Agathe von Nr. 4 in voller Bereitschaft im Pelzmantel, ui hohen Stiefeln, in die man schnell hinemfahren kann, den Kohlenschütter auf dem Haupt, »vohlgefchützt vor Bomben. Da stand sie, warm, ruhig, sicher, durchaus der Sachlage entsprechend gekleidet und »vartete, bis daS Haus um sie her Zusammenstürzen »vürde, bis sie sich selbst retten müßte.

Ich hasse den Gedanken an Zeppeline, aber »venn sie »virklich. kommen sollt«», dann hoffe ich, hoffe ich sehr, daß ich in der Nähe von Nr. 4 sein kann, um die kleine, unbezwingliche Dame auftauchen zu sehen. * ' v

Die Küche im Kriege.

(Nachdruck dringeich ernn'tnscktZ

Roggen »nehlsuppe: 1 Liter Magermilch, Vr Liter Wasser, 90 Gram»n Roggenmehl, Salz, Zucker. Die Milch »vird aus de»» Herd gestellt, das mit etwas Wasser angerührte Roaqenmebl dazaaegossen und Vs Std. gekocht, dann mit Satz und Zruker abgeschmeckt.

Zwetschengrütze: 200 Gra»nm Zlvetschen, V» Liter Wasser, 75 Gra»nm Zucker, 40 Gramm Sagomehl genügen für 6 Personen. Die getrockneten Zwetschen »verde»» tüchtig gewaschen, am Atzend vorher eingeweicht »rnd am nächsten Morgen dann ii» demseltzen Wasser gekocht, dcnm wird Zinker und Mehl dazn getan, alles gilt verkocht und nachde»n die Grütze fertig ist, »vird sie »nit süßer Milch verzehrt. Es ist ein Gericht, das sehr sättigt, nährt und dadurch nicht teuer ist. Statt der Pflaumen ka,m man auch getrocknete Aepsel nehmen.

Tauschrätsel.

Eid Mund Oder Hosen Fuchs - Enkel fltQev Haube Michel Mag«, Aftern Rampe Radel Bier Gabe Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensovieie neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Rainen einer ehedem gefeierten Künstlerin ergeben.

Auflösung in nächster ykummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert

Demeter Emili« Taurus F(cbecmaus Iwiv« rrucuflrab Hundewitt vhrislopb;

Del fluscht besser

Tchrlstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der BrHhl'fchen Universitäts-Buch- »u»d Stcindruckerei, R. Lange, Gieße»».