Die Dragoner warfen sich aus ihn. Den Wachtmeister machte der Schmerz wach. Er glotzte um sich und das Blut lief ihm über den Spitzenkragen.

Jan," lallte er,willst du Handgeld nehmend

Sag ja," raunte der Abb 6 ,sonst kommst dn vor den Prosoß!"

Ja," sagte Jan, zum erstenmal an diesen! Abend, und die Dragoner schleppten ihn davon, indessen der Wachtmeister tveiter schnarchte. Das Blut lief ihm in den Geöffneten Mund.

Leb wohl, Meisje," sagte der Abb 6 .Ich muh ihm nach, sonst richtet er noch mehr Unheil an. Er hat einen ver­zweifelten Hang znm Galgen. Ich tue ein Gotteswerk, wenn ich für immer mit ihm ziehe und ihn bewahre."

Ach. Herr Abbs," weinte MeiSje,Ihr konntet so gut kochen."

Nicht wahr, ich hätte einen prächtigen Küchenmeifte jür den Papst abgegeben. Und nun Feldkaplan!"

Die Muttergottes sei mit Euch," flüsterte Meisje, und kühte seine Hände und benetzte sie mit Tränen.

*

Früh vier bliesen die TrompeterAufsitzen". Ueber Nacht tvar Befehl gekommen nach Bergen zn reiten, in das der groote Moritz sich geworfen hatte, und eine Stunde später ritten die Dragonermusketiere, Regiment Sturmius, als erste ab; übern Lambertsplatz und vorbei an demDragoner von Breda". Voran vier lange Kerle. Hinter ihnen zwanzig Trompeter, die das Lied vom Winterkönig schmetterten. Acht Mann schlugen mit spielend tainenden Schlägeln die kleinen Kesselpauken: der krieaerisckn' Marsch drohte die Gasse zn sprengen. Und fünfzig Schritt hinterher ritt auf seinem hoch­beinigen Brandfuchs der Oberst Sturmius mit grauem Kne delbart und hinter ihm polterten an die 5,00 Dragoner in zehn Kornetts, im dritten Jan, den flachen Eisenhelm auf dem Kopf und die Muskete unter der rechten Schulter Hinter Jans Kornett ritt Jos 6 Maria, die violette Binde der Feld kaplane über der Brust und winkte zu Meisje herauf, die am Fenster lehnte. So zogen sie mit selbstbewuhtem Lärm bahm, nach Meclu'ln zu, über die Schelde, vor Bergen, und Me,s,e sah ihnen nach, solange sie einen Eisenhelm blinken sah.

Er konnte so gut kochen," sagte sie weinend, als der letzte verschwunden war.

. , 5. Kapitel.

Turnhont, Bergen op Zoom, Fleurus.

^Hels uns Gott, junger Morgen, zu einem guten Tag."

Das betete Jan in jeder Früh, wenn er sich aus seine grobknochige Isabelle schwang.

Hels uns Gott zu eine,n guten Nachtquartier," be­teten dre anoern Dragoner, denn sie meinten, ans einem Pferdsrücken in den frühen Morgen zu reiten sei ein lang­weilig und nüchtern Ding. Und wenn es aussitzen und rangieren hieß, fluchten sie jämmerlich, während Jan mit heißem Eifer die einundzwanzig Griffe lernte, die zu einem rechten und schulmäßigen Ansnehmen, Chargieren und Feuern enter spanischen Muskete gehörten. Oberst Stur- nnus war nicht der Mann, der sich Liederlichkeiten in solchen ernsthaften Dingen gefallen ließ. Besonders nicht im Eier- ö'Eren zu Pferde.Aus der Kolonn' in Doppelreih' trab In Glieder gesetzt!"Eingeschlvenkt!"Zur Attack' for­miert. Und Jan hatte seine liebe Not milzukommen, be­sonders wenn er am äußeren Flügel ritt, denn feine Jsa- xlle gab»,cht viel her. so sehr sic auch mit erhvbenqin »tummrlschlvan- in der blauen Lust l^erumpinselte.

. Freilich im Fechten tat es ihm keiner nach. Und da er hell und frisch a»S den Augen sah, ritt er bald 51 , yueit obet dritt ans Kundschaft, denn als sie an die Wester,'cknlde kamen zeigte sich hier und da der Feind, ein wohldiszi-

LlÄ^r. "Ä couragierter Feind, der den Spaniern manches zu schaffen machte.

Der Wachttneister Schulte hatte ihn, längst das Loch ""..^czipsel verziehen, als er merkte, welchen Goldhalnr er sich an Jan gefangen hatte.

Der groote Mori§ soll mich hängen, tvenn du nicht ein guter Dragoner wirst," sagte er

- nur darauf, endlich an den Feind zu-

aSnrMnfhpff! ^lgte sich, daß sie von Süden her nicht an ^nnten. Sie mußten nach TurnhoM zurück,

s^r drr Spanier sta.Lm ^ "enmdzwauzig Feld-

Dragonern gefiel das Hin- und Herreiten im Lande kvenig ^:e zogen schiefe Minler, denn sie hatten !

geschworen, beim ersten Sturm Bergen allein zu nehmen. Jni dritten Kornett, in denr Jan diente, gab eS indessen viel rheinische Jungen, die sich guten Mit bewahrten rmd wenn es wieder einmal Meil. auf Meil, Trab, trab, ans und ab" ging, so sang ihr Chor von Hohen und kieseir Stimme!: gar schön übers Feld, so daß die Pferde die Ohren spitzten und noch eins so munter trabten. Jan

S "\c jeden verwundert angesehen, der ihm in Köln ge- t hätte, daß er noch einmal in seinein Leben Netter­er in zierliche Reime setze:: würde. Mer die giiten Gesänge flogen nur so in der Lust mit und es geschah dann nicht selten, daß Jans Helle Stimme plötzlich über das Kornett hinschmetterte und die Kameraden mit Lachen ein- sicleir. Etwa so:

Schön sein die Mädchen, man muß sie küssen,

Schön sein die. Mädchen in Dors und Feld.

Ich Hab es probiert, ich muß es wissen Wie man die Banerndirn

Wie man die Bauerndirn

Die Kameraden: In, ja im Arme,

Im Arme hält.

Schön sein die Mädchen, n:an muß sie küssen,

Schön sein die Mädchen in S'adt und Haus.

Zwar tun sie ehrbar, ich muß es wissen,

Doch keine jagt mich Doch keine jagt mich

Die Kameraden: In. ju, zur Kammer Zur Kammer 'naus.

Schön sein die Mädchen, man muß sie küssen,

S *lön sein die Mädchen in Schlog und Saal,

Ich muß das wissen, ich Hab sie gerissen In meinen: starken Arm

In nleinem starken Arm

Die Kameraden: In, ja. so mannichmaf,

So mannichmal.

Schöll sein die Mädchen, man muß sie küssen,

Schön seii: sie alle in Stroh und Bett, ,

Wenn ich frühmorgens Hab scheiden müssen,

War ich noch immer,

War ich noch immer

Die Kameraden: Ju, ja, so aairz labety.

So ganz labeth.

Zwar meinte Joss Maria des Abends im Quartier zu Jan, daß dies unziemliche Lieder seien und es sei wenig freundschaftlich von ihm (um von der Moral gar nicht zu reden), daß er sittenlose Menschen mit seinen sittenlosen Liedern noch sittenloser mache und seinem Feldkaplan also die Arbeit erschwere. Mer Jan meinte, daß der Feldkaplan Ehrwurden ihm nur dankbar sein solle, denn je schwerer er ihm die Arbeit fürs» Seelenheil mache, desto mehr Ber- dienst habe Jos 6 Maria doch im Himmel und inr übrigen müsse ihm, Jan, der König von Spanien dankbar sein, indem er seinen Soldaten ein wenig Erdenschwere anhänae sonst würden ihnen noch Flügel wachsen und sie als Engel davonsliegeii. Denn der König ivolle sicher lieber ein Tausend herzstarker Soldaten, als ein Tausend seelstarker Engel haben. '

Jan liebte ein schnelles und klingenblitzeudes Wort Aber wer sem Herz kannte, und das war Jose Maria, wußte daß es weich und treu w<n. In ihm wohnte noch imniar Grict und ein wenig, oder viel (genau wußte er es nicht) Ma- rie-Anne. und manchen langen Ritt dachte er an die wehr­losen Mädchen und wie sie vielleicht litten.

Zackerbombennndflöh," knurrte er dann vor sich bin ich vergesse euch nicht, und ivenn ich Oberst bin."

In Turnhont empfing die Reginrenter lauter Jubel Zwei Dage lagerten sie dort zusammen und der Lärm des scholl stundenweit übers Land. Am dritten Tage brach ^ lC Kornetts Dragoner schwärmend und stechend wie Bienen voraus, sechs Kornetts in Kolonne hin- ttrher, flankiert von Falkonetts. Dahinter die Wessenbera- K«ras,,ere uiib bie Fußsoldaten mit dem schweren Geschütz, Troß: ein zweites Regiment Kürassiere machte den Schluß Und die ganzen, in eiserner Ordnung marschie- renden Tausende wurden rechts und links begleitet von emer Nanern^bebch^'s^^^ gleichsam von zwei rollenden ehernen

.. Sie zogen einen halben Tag nach Norden, um dann ä>ars nach Westen umzubiegen und Bergen im Rücken zu

(Fortsetzung folgt)