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Kr. 3J5 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag. ZL. Dezember lyj8

Au» Stadt und Land.

Gießen, den 30. Dezember 1918.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt lvurdc am 19. Dezember der Oberlehrer an der Realschule in Langen Professor Georg Wibnrann zum Oberlehrer an dem Realgym- i^sium in T.amstadt mit Wirkung vom 1. Januar 1919 ab; der Lehmmtsafiesjor Hermann Stöhr aus Offtnbach zmn Ober- lehver an der höheren Mädchenschule in Offenbach. Ernannt wurden am 20. Dezember die Privatdozenten vr. Alfred Brügge­mann und vr. Adolf Jeß in Gießen zu außerordentlichen Professoren bei der medizinischen Fakultät der Landesnniversität Gieß^'n. In den Ruhestand versetzt wtrrden am 16. Dezember mit Eöirkung vom 1. Januar 1919 ab : 1. der Oberlehrer Pro­fessor vr. Karl Baltz Malgymnasium Tarmstadt aus sein Nachsuch n unter Anerkemrung der dem Staate während 41 Jahren geleiteten Dienste, 2. der Oberlehrer Professor vr. .Her- nrann B r i c g l c b Gymnasium Worms auf sein Nach snchen unter Anerkenmmg der dem Staate während 32 Jahren geleisteten Dienste, 3. der Oberlehrer Professor vr. Karl Weins- b c i m c r - Liebigs lOberrealschule Darm stad t auf sein Nach­suchen unter Anerkennung der dem Staate während 37 Jahren geleisteten Dienste.

** Hessische Bolkspartei. Um ans vielfache Anfragen ^nd Zweifel ?ljusknnft zlu geben, sei mitgeteilt, daß die Landes- !7ruhpe der Deutsch-natiormlen Volkspartei den Namen

Hessische Volks Partei führt, entsprechend den Vorbildern in Baden, Bayern und Württemberg..

** Schafft Arbeit! Die Deinobilnmchung hat begonnen, unsere Feldgrauen kehren in die Heimat zurück. Alles kommt jetzt darauf an, das lvirtschaftliche Leben lvieder in Gang zu bringen, in Staor und Land Gelegenheit zu redlicher Arbeit zu schaffen, denn Arbers osig cft bringt die Gefahr vor Hun^ersaot und Aus- schreitungcm Deswegen ergeht außer an die öffentlichen Körper­schaften mich an jeden Privatbetrieb mrd Privathaushalt der Ruf: Denkt an die Handwerker lntb Arbeiter, die ans dem Felde oder aus dem Hilfsdienst heimkehren und jetzt wieder Brot und Arbeit baben wollen und muffen. In jedem Betriebe mrd Haushalts werden Arbeiten oder Anschaffungen vorzunehmeir sein, die während des Krieges zurückgestellt waren, wird es Aenderungen und Aus- l esserungen geben. Jetzt ist die rechte Zeit, sie in Auftrag zu geben. Berlaffe sich niemand darauf, daß vielleicht in wenigen Wochen die Preise niedriger sein werden. Bleiben unsere Handwerker und Geschäftsleute jetzt ohne Verdienst, so können daraus Zustände ent­stehen, die der Gesamtheit und jedem einzelnen unendlich viel teurer zu stehen kommen.

Kreis Büdingen.

^Ortend erg, 28. Dez. Am 2. Weihnachtstaq fanden hier »rnd ui Bergiheim für die heimgekehrten Soldaten kirchliche Be­grüßungsfeiern statt, die in beiden Genreinden überaus zahlreich besucht waren und bei denen auch die Kinder mit Gesängen und Gedichten die .Krieger begrüßten. Das in E ck a r t s b o r n am heiligen Abend liegende Pionierbataillon ivurd? auf Bitte des Ad­jutanten vom hiesigen Franenverein mit Liebesgaben bedacht. Lluch an Selters veranstaltete die Gemeinde am 2. Weihnachtstaq den ernguartrerten Soldaten eine Bffcherung, wofür die Geld­mittel durch eine Hausse mm lmrg aufgebracht -raren.

4 Aus dem Niddertal. 27. Dez. Pünktlich mit dem <Levhnachtss>Lit .zog der Winter ein. lieber nacht hatte es nun doch roerße Weihnachten gegeben. Nach vorübergehendem Tauwettcr am 1. Feiertag herrscht seit gestern starker Frost. Die Schneedecke kommt bei? Äaaten sehr zu statten.

verrnischteA.

* Plünderung en in Goethes Gartenhaus. Wie aus Weimar berichtet lmrd, haben Diebe das von der ganzer^ Kulturwelt als Heiligtum betrachteteGoethehauS" im Park erorochen urw beraubt. Die Einbrecher hatten, nachdem die sck)werr Srä^icholztur ihren Angriffen widerstand, Eingang durch die oenster des unteren Stockwerkes gffnnden und konnten von da in die oben. Lrnst von Karl August bewohnten Räume gelangen Hier hat man tüchtig aufgeräumt und neben zahlreichen Gebrauchs- gegenstanden das alte wertvolle Porzellan aus den Tagen des Herzogs und seines Freundes Goethe gestohlen. Offenbar in der Auffaftnng. day man es mit einem modernen Stück zu tun habe baben^ die Spitzbuben auch die charakteristische HornürMe Karl Augusts gestohlen.

Eingesandt.

D)ür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel uoerminrm d-e Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zum bargeldlosen Zahlungsverkehr.

In dringmder Weise wird feit langer Beit die Norwendrßkeit Aum barg-ldloscn Zahlungsverkehr überzugehen, betont Die Staatsb-Hördc! eben>o ;vie die großen Zeitimgen, z. B. die Frank- wrter Zeitung, werden nicht müde, diese Reform unseres Geld- verkehrs zu empfehlen. Was nützt es alier dem Verbraucher, der sich etwa an d»as Poftsck-'ckkonto angeschlossen hat, ivenn die große Masse der Geschäftsinhaber dieser Nliiernng fernbleibt? Zugegeben aber, daß ein großer Teil der Geschäftsleute sich im letzten Jahr ern PoslichnJonio zug'legt hat, woher soll es der Empfänger einer Rechrmng^wissen, wrn.r es mdjit auf der Rechnung vcannerkt ist? In der ^at vermißt inan selbst bei großen Gießener Geschäften von denen man annelMen muß. daß sie ein Postscheck- oder Bank­konto besitzen, cmen solchen Himveis auf der Rechnung. Es seien

deshalb die Geschäftsleute dringend ersucht, beiin bevorstehenden Ausschreiben der Rechnungen diesen Hrnweis nicht zu vergessen. Sre können überzeugt sein, daß sie dadurch nicht allein ihrem Kun­den Arbeit sparen, sondern daß sie auch direkten Vorteil davon hoben werden. Term eine Rechrmng, die man von seinem Schreib­tisch aus bezahlen kann, wird man immer früher berichtigen, als eine andere, die man erst durch das Dienstmädchen dem Geschäfts­inhaber ins Haus tragen lassen muß. Fr.

*

Das Jahr geht zu Ende, und die Geschäftsinhaber schreiben iMe Rechnungen. Da ergeht von neuem die Mahnung, sich eint Postscheckkonto zuzulegen und den Vermerk auf die Rechnung zu letzen. Es gibt nichts Besseres, um raschen Eingang der Zahlung zu iict>ern, als ein solches Klonto. Wer auch die Rechnungsemp- wuger sollen gemahnt werden. Immer wieder hört man aus ihren Kreisen den Eiwoand, man habe ein Bankkonto, das mache das Postscheckkonto überflüssig. 'Dabei wird immer wieder ver- gJNM, daß man die Banken mit der Begleichung kleiner Beträge nicht belästigen soll, vor altem aber, daß Vas PostsckMckkonto die Bezahlimg aller Rechnungen, Ver eins beitrage und dexgl. nach auswärts uugemein erleichtert. Allein die Erwägung,'daß der Inhaber eines Posffcheckkontos niemals den Postschalter aufsuck-en muß und dadurch Zeit und Kräfte spart, ist durchischlagend. Seit mit der Benutzung des Kolchos keinerlei Kosten mehr verbunden Mrd, ist jeder Einlvand hinftitlig geivorÄen. Uebrigens sind nach Mitteilung des Postscheckamtes Frankfurt im abgetanfenen Viertel- lahr wieder 31 Personen bOv. Firmen dem Postscheckverkehr bei- gptreten, imb > c Gesamtziffer erhöht sich dadurch auf 472. Das ist im Vergleich zu anderen Städten kein schlechtes Verhältnis. Aber den vollen Nutzen, den sie haben kann, wird die Einrichtung erst bringen, wenn möglichst alle, die im geschäftlichen Verkehr stepen, sich ihr angeschlossen haben. Für solchen Anschluß ist der 1. Januar der geeignetste Termin.

Letzte Aacr?ricLsterr.

Das Programm der neuen Regierung.

Berlin 30. Dez. (WTB. Tvahtm.) Die Reichsregierung erläßt folgenden Ausruf an das deutsche Volk.

Arbeiter, Soldaten, Bürger, Bürgerinnen!

T ie Unabhängigen sind aus der Regierung ausgeschieden. Tie verbleibenden Mitglieder ldes Kabinetts stellten dem Zentralrat ihre ?Nandate zur Verfügung, um ihm vollkommen freie Hand zu lassen. Einstimmig wurden sie von ihm aufs neue bestätigt. Die bis­herige Schwierigkeit ist überwunden. Die Reichsregierung ist jteu und einheitlich gebildey. .Sie kennt nur ein Gesetz, zu handeln: Ueber jede Partei den vollen Bestand und die Unteilbarkeit der Republik!

Zwei Mitglieder sind auf einstimmigen Beschluß des Zentral- rates an Stelle der ausgeschiedenen 3 Unabhängigen ein ge treten; Noske und W'iffel . Vorsitzeirder ist Ebert und Scheidemann. Und nun an tzie Arbeit. Im Innern gilt es die Nationalper^ sammlung vorzübereiten und ähre ungestörte Tagung sicher­zustellen, für die Ernährung ernstlich Sorge zu tragen, die So­zialisierung im Sinne des Räte-Kongresses in die Hand zu nehmen die Kriegsgewinne in der schärfsten Form zu ierfassen, Arbeit zu schaffen, die Arbeitslosen zu rmterstützen, die Hinterbliebenensürsorge jicherzustellen, die I o l k s w e h r mit allen Mitteln zu fördern und die Entwaffnung Unbefugter durch zusetzen: nach Außen den Frieden so schnell und so günstig wie nwglich herbeizuführen, die. Vertretung der deut­schen Republik im Auslande mit neuen von neuem Geiste beseelten Männern zu besetzen. Das ist in großen Zügen unser Pro- granrm bis zur Nationalversammlung. In enger Fühlung mit den deutschen ' Freistaaten sott es verwirtticht wer­den. Die Ausführung im Einzelnen wird nicht in Kund­gebungen, sondern in Taten zum Ausdruck kommen. Jetzt haben wir Ärbeitsmögilichkeit. Es wäre unsere Schuld allein, wemr wir sie nicht zur Arbeit benutzten! Uns die Arbeit. Euch allen aber die Mitarbeit. Der neue Freistaat ist unser aller Besitz! Helft ihr sichern. Auch an euch ist die Frage des Zentralrates gerichtet: Seid rhr bereit, die öffentliche Ruhe und Sicherheit gegen gewalt­same Angriffe zu schützen und mit allen zu Gebote stehendem; Mitteln die Arbeitsmöglichkeit der Regierung gegen Gewaltsam- ffiten ganz gleick> von welcher Seite zu gewährleisten? Ihr müßt diese Frage mit Ja beantworten. Die Reichsregierung bekenuk ffch aufs entschiedenste zu diesem Ja. Ohne dieses Ja bleibr jedes Programm Papier und Worte. Wir aber wollen über den Aufruf zum Aufbau kommen! Wir gehen ans Werk! Wir glauben an euch! Wir kommen durch!

Berlin, 30. Dez. (WTB. Drahtn.) Tie neue Reichsregie­rung fielt am Sonntag nachmittag ihre erste Sitzung ab, in der vor allem das Programm und die nächsten notwendigen Maß­nahmen festgeslettt und durchgesprvchen wurden. Tie neuen Mit­glieder des Kabinetts nahmen an den Beratungen teil, in denen bestimmt wurde, daß S ch e i d e m a n u die A u s w ä rt i g e n Angelegenheiten, Noske die Militärischen, und Difsel die Sozialpolitischen Aufgaben übernehmen oll. Es wird bei dieser Gelegenheit aufs neue darauf hrngewiesen, day es sich hierbei lediglich um eine Arbeitsteilung innerhalb des Kabinetts handelt, durch welche die Zuständigkeit der Reichs­ämter in keiner Weise berührt wird.

Die Lage im Rnhrrevier.

Duisburg, 29. Dez. Nach langandÄnerTrden Verhandkun- gen rm Rathaus zu Mül'haim an der Ruhr, an denen anch> der

Miinster Ströbel, Unterstaatssekoetär Giesberts und Ar­beiterführer Huv teilnahmen, wurde eine Einigung mit den Streikenden erhielt und in folgendem Dokument zusammenM gefaßt:

.Wir, die Gewerkschaften Deutscher Kaiser, Lohberg und Rhnn I., müssen entsprechend allen unseren bisherigen Erklärungen Abmackyrngen zwischen den Organisationen sesthaltew Mit Rückircht aus die durch den langanhalt enden Streik entstandene Not­lage in den Bergarbeiterfamalien sind loir aber bereit, die ent-, standenen Streikausfälle zu bezahlen und zwar in der Form, daß leder Verheiratete 200 Mk., jeder Unverheiratete 100 Mk. und . 14 Jahren 25 Mk., im ganzen aber nicht mehr

wre 2o Mk. Kindergeld erhalten. Die Zählung erfolgt in zwei Raten, dre erste am 30. ds. Mts., die zweite vierzehn Tage später. Voraussetzung ist, daß die Arbeit anr Montag voll aufgenomnvM wird, vom 1. Februar nächsten Jahres die Achtstnndenschicht voll verlahren wird, wie von den Organisationen vereinbart, und daß aUe übrigen Organisationsabmachungen sofort voll eingehalten werden."

Diese Vereinbarung wurde von beiden Parteien und den obrn- genannten Vermittlern unterschrieben.

""'Hin ^tuuny .

^ Berlin, 28. Dez. (WTB.) Die heute abend erschienene ^nnta^nnmmer derFreisinnigen -Leitung" enthält eme Rei^ Abschiedsartikel, so von dem Abg. Dr. Wremer, ^ Leitung im politischen Leben gerecht wird, wahrend Abgeordneter Gehermvat ^Eassel mit persönlichen Elin- Gerungen an .Eugen Richter des Begründers der Zeitung gedenkt. Eheftedakteur Dr. Jßbenrer gedenkt Eugen Richters als Iour- 'nalisten. Carl Kunde! plaudert über den Normalarbeitstag Eugen Richters als dessen Mitarbeiter. Die beiden Redakteure Georg Harte rrnd Jakob Scherek entbieten den Lesern einen tiefbewegten Abschieds grüß. Unter Mschiedsworten gnS Freundeskreisen ftn- den sich solche von Professor Eickhof, Dr. MUgdan, Müller- Mermgen, Syndikus -Oskar Meyer u a

Wilson in London.

London, 28. Dez. (WTB. Renter-Mekdung.) Der König besuchte heute morgen W i l s v n in den Gemächern des Buckrnghmn- Palast, um rhn zu seinem Geburtstag zu beglückwünschen

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Bel r.: Familienunterstützungen.

Das Reichsamt ftrr wirtschaftliche Demobilmachung hat unterm 9. Dezember d. I. angeordnet, daß Familien von Kriegsteil­nehmern, die nach dem 31. Dezember 1918 noch Familienunter- stütznngen beziehen wollen, eine Bescheinigung darüber beibringen müssen, daß der Kriegsteilnehmer sich noch im Heeresdienst befindet, andernfalls darf die Unterstützung nicht weitergewährt werben.

In dieser Bescheinigung muß zuni Ausdruck kommen, daß der A^ffEgsteilnehmer nicht in Erfüllung seiner gesetzlichen aktiven Dienstpfticht bei der Truppe verblieben ist.

Die Familien, die die Unterstützung über den 31. Dezember 1918 hinaus beanspruchen, werden hiermit aufgefordert, die vor^ erwähnten Bescheinigungen der zuständigen Stellen, d h des Truppenteils, des Ersatztruppenteils oder des Bezirkskommandvs, dem Gemeinderechner vorzulegen.

Weitere Zahlungen von ft Übungen dürfen ohne diese nicht geleistet werden.

Gie ßen, den 27. Dezember 1918.

Kreisamt Gießen.

I. V.: Langermann.

ami lienunter­es chernigungen

An die Bnrgermeistereren der Landgemeinden des Kreises.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie ortsüblich veröffent- lichen.

Gießen, den 27. Dezember 1918.

Kreisamt Gießen.

_ I. V.: Lan germa itn.

Betr.: Weihnachtsgnben 1918 für die Truppen im Felde.

An die Ortsausschüsse für Rotes Krmz und Kriegshilft.

Da unter den veränderten Verhältnissen die Weihnachtsbescke- rung für unsere Truptxm nicht in der beabsichtigten Weise statt- finden konnte, hat der Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt die auf Rechnuirg des Kreiskomitees erworbenen Geschenke hier zur Verfügung gestellt, um sie nach Maßgabe der eingesandten Beträge an die einzelnen Gemeinden zu verteilen.

Den Bürgermeistereien ist mit dem Ersuchen, die hier bereit­stehenden Kisten bis spätestens 4. Jamrar 1919 abholen zu lassen, zugleich auch Weisung zugegangen, wie in solchen Fällen, in denen aus mehrere Gemeinden eine Kiste entfallt, die darin enthaltenen Gaben unter die in Bettacht kommenden Gemeinden zu verteile nrd. Es ist ihnen ferner auch nahegclegt worden, sich ivegen einer- zweckmäßigen Verwendung der Gaben mit Ihnen ins Benehmen zu etzen. Jrrdem wir Ihnen hiervon Kenntnis geben, bitten wir zugleich, Ihre Mitwirkung bei der Verteilung der Geschenke nicht zu versagen.

Gießen, den 27. Dezember 1918.

Das Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe.

J.A.: Dr. Alles.

M niM&crhuiif MkiitkUtt -eS Kenn Kslshstz Asm

Ronvan von A. H. Adams.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sre zog ihre Hand zurück und schaute in neugierig Aufmerksamkeit auf ihren geritzten Finger.

Es kann nichts von Bedeutung sein, es fließt ke Blut," sagte er beruhigeird.

Kein ©Tut?" raunte sie mit zuriickgehaltenem Ate: Aber sehen Sie, es ist ein ziemlich großer- Riß und ti dazu. Und er blutet nicht!"

Galahad sah deutlich.- daß die kleine Wunde in ihre Finger wirklich tief war. Seltsam schien es, daß sie nic blutete L>eine Vorstellung von ihr ajls von einem zarte ätherischen Wesen gewann eine neue Bestätigung. War mvglrch, daß irgend jemand so gemtzt wurde, ohrie bluten? Er drückte die Wunde sanft. Kern roter Se ^raus obgleich die zerrissenen Seiten auseiuanderktafste Boiler Bestürzung jchante er sie a-i. Es kam ihm beina vor, als sei sie schon tot.

..Es kann nicht tief genug sein, um *u Bluten, oder t> cHut<ö>eru sind c-richt getroffen," sagte er ängstkich

..Es blutet nicht," flüsterte sie.So ist es also waki es ijt wahr!"

Galahad stieß das Boot sanft vom Ufer ab und ruv-er IK/ 3 ^ Zn Ha-sen. Der abnehmende Mond hüllte d stille Nacht m ein milchiges Licht. Es war fast so als r dünnem, weißem Nebel über einen geheimnisvoll! ^ ee ^> cr ^ und sie waren allein in einer sttrmmen We!

Endlich ließ Galahad die Wider auf dem Wasser rubc und wartete, bis seine Darne den Zauber der Nacht th ©ee und des ^chlw-eigens brechen würde. Sie schien ik ganz, vergessen zu haben, wie sie auch alles aiidre veraessc Lu haben schien außer ihrer unsinnigen Besorgnis Wege des winzigen Stecknadelstiches. Es war wirklich törich lich darüber Gedanken Kr machen; aber Sibtzl faßte d

Dlnge immer mit einer Ernsthaftigkeit ans, die an Leiden­schaft grenzte. Armes Kirrd denn sie war nur ein Kind eine viel schwerere Sorge erwartete sie! Und nun sehnte sich Galahad danach, sie zu trösten. Aber es war nichts Unreiries in seinem Verlangen, er war ganz Mitleiden; denn nur Mitleiden war es, was das hilflose, sich här- rneiide Wesen von ihm verlangte, und er mußte sich nun ein gestehen, daß er sie lieve. Er war die tiefe, nnver- nnnftige Liebe des Vaters für ein verzogenes Kind. Denn dieses Mädchen war sch.rrach, leidenschaftlich, herrschsüchtig und grenzenlos selbstsüchttg. Er konnte das alles zngeben und dennoch liebte er sie. gerade ihrer Unvollkommenheit wegen.

Er sehnte sich danach, ihr ein Wort des Trostes sagen. Attein dieses Wort lvar rveder in der Nacht, m in der ^ee, noch in der Stille zu finden, mrd ihre düft-c Unbeweglichkeit schien sie vo;i seiner unbeholfenen lichkeit ab zu schließen. Er saß da und schante sie an. ^ Da erweckte ihn ein Erinnern. Der Gedanke an 6 kräuselte die ruhige Oberfläche des stillen Sttinens. 5Jaft griff er in seine Lasche und zog seine Angelschnur herai Gr steckte einen Küder aU den 5)aken und warf die b schwerte Leine über Bord.

Diese Verrichtung erweckte Sibhl aus ihrem Brüte Was tun Sie da?" fragte sie.

Angeln," sagte Galahad.

^ "Sie sind hierhergekommen, um zu angeln?" frag das MädckMr in zortrigem Erstaulven.

Ich bin hierhergekommen, um zu angeln," er wider er. Dann, als er ihr Erstaunen sah, erklärte er ihr alle Er erzählte ihr von Em, seiner Frau.

Sie sind verhrfforrtet?" rief sie votter Berwunderm aus.Ich ich habe Sie niemals für einen verheiratet Marrn behalten."

Sie haben mich, nie gefiagt," sagte er ernsthaft. Ich habe überhaupt niemals darüber naclM'dacht bekamrte sie grMisam.&k frabcn eine Frau"

Und Ms Kinder."

O!" rief sie beinahe bestürzt.

Tie Aelveste, ein Mädchen, ist gerade in Ihrem Mer

älter, glaube ich." Er war entschlosseii, die Sache jetzt zu Ende zu bringen.

Dann" L>ibyl erlebte einen Augenblick peinlicher Ueberlegnng.Dann habe ich vielleicht von Ihnen mehr verlangt, als ich irgend ein Recht hatte. Ich habe nie daran gedacht, daß noch jemand da sein könnte. Ich iiahm Sie eben nur so hin. Es ist mir in meiner Selbstsucht nie in den Sinn gekominen, daß noch eine Frau und Kinder

sieben Kinder da sein könnten."

Fünf," verbesserte Galahad rasch

Nun, dann fünf," räumte sie ziemlich gleichgülttg ein.

Äch kann mit nieiner Frau ferttg werden," sagte er streng, mit der Rciene eines Haustyrannen.Em"

Ihr Name ist Em?"

Em."

Und sie weiß alles?"

Sie weiß noch nichts, aber ich beabfichtiqe. es ibr zu sagen."

Was fällt Jhiien ein!"

Nun nicht alles." lenkte er ein.Da ist zum Beispiel diese Angelschnur," er zog sie herein und begann sie auf- znwraeln.Ich kMe ihr gesagt, daß ich die Absickft habe zu angeln, und vielleicht wird sie nackffehen, ob die Schnur naß rst. Man darf keine Vorsicht außer acht lassen," fügte er mit dem überlegeneii Lächeln des langverheirateten Mannes hinzu.

Das MüdckMi lächelte schwach.Wo befinden wir uns?" fragte sre.

die gerade vor ihnen lag.Sotten wir zurückfahren ' r "Wollen wir uns nickft ein Weilchen einfach treiben lassen?" fragte sre.

Natürlich können wir das," sagte er strahlend.Aber wrr iwerdchi nrrgelrds hinkommen, tvenn wir uns rrur treiben lchsen, nicht wahr?' Er läckielte, um sie aufzuheitern.

(Fortsetzung folgt)