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Nr. 305

Der toicfcuier Anzrigek erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: GtehenerZamlliendlätter; NreirUalt

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Erster Vlatt W8- Jahrgang Montag. 3l.

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ODülmgzrund-ruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Buch- u. 5teindruckerei K. Lange. Zchristleiturig, GesüzästzfteUe n. Druckerei: Zchulftr. 7.

Dezember lG3

Annahme von Anzeigen

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der RegierMg.

Die Krisis in Berlin hat einen Ausgang genommen, wie das deutsche Volk ihn erwartet hatte so heißt es in einem Aufruf der in ihrem Amte neu bestätigten Berliner Führer. Nun, erwarten und vermuten hat eigentlich niemand recht gekonnt, höchstens wünschen und fordern. In weitesten Kreisen war die Besorgnis eingekehrt, die alte Regierung könne fallen und neue Minister würden sie von der radikalen Ecke her ersetzen. Daß es nicht so gekommen ist, daß wir eine Regierung ausschließlich aus Mitgliedern der Mehr­heitssozialisten erhalten/loll uns fürs nächste befriedigen, aber uns keineswegs in großen Illusionen wiegen. Diese neue Regierung muß zunächst zeigen, was sie kann, ob sie den Milieu hat, gegenrevolutionären Bestrebungen, die jetzt Nur noch von links her drohen, beizeiten mit aller Kraft cntgegcnzutreten. Die Unabhängigen haben bei ihrem Aus­tritt erklärt, sie würden auch ferner die vorwärts treibende Kraft der Revolution sein! Was das heißt, wns unter biesein Ansspruch sür Absichten sich verbergen, müssen wir ablvarben aber die Regierung darf nicht nur abwarten., sie muß auch Vorbeugen. Große Massenkundgebungen, wie sie gestern in Berlin stattfanden, genügen nicht. Bor allem rückt die Frage näher, ob die neue Regierung in Berlin bleiben will, oder ob sie nicht eine andere geeignete Stadt sich zum Sitze erwählt, wozu sie von allen Seiten an.fgefordert wicd. Auch den Ort der Nationalversammlung möchte man bald bekannt gegeben haben; nach einer neuen Meldung wird mit zunehmender Bestimmtheit Nürnberg genannt. Der lange Aufruf der Regierung an Arbeiter, Bürger, lSoldaren^ ist recht schön und gut, aber den Willen, den sie vom Volke fordert, muß s ie zu allererst haben. Nach wie vor steht die übergroße Mehrheit des Volkes bis zu weiteren Entscheidungen der Nationalversammlung hinter ihr.

Die veratrmg des Zenttalrales der A.- und S.-Räte.

Berlin, 2S. Dez. (WTB.) Wie derVorwärts" berickstet. begann die Sitzung des Zentralrates der Arbeiter- und L-Urntenräte härte mittag. ^änttticfo Regierungsmitglieder wa­ren anwesend. Vom Vvllzugsrat fehlten aper noch einige Mit­glieder. Der Btsginn gestaltete sich äußerlich ruhig nach einem Bericht Gberts, den Haase ergänzte. Laase gab bisher in feiltest Ergänzungsbericht keinerlei Rücktrittsabsichten zu erkennen.

Berlin^ 29. Dez. Unter der Führung des früheren Ltbgwrdneten Cohen (Neuß) herrschte im Zentralrat bis in die späten Nachtstunden hinein das Bemühen, einen Aus­gleich zwischen den Mehrheitssozialdemokraten und den Unabhängigen zustandezubringen. Den Kernpunkt der ganzen Verhandlungen bildeten die Vorgänge am 23. Dezember; alles Uebrige trat demgegenüber in den Hintergrund. Zwi­schen 10 nüd 11 Uhr faßte der Zentralrat seinen ersten Be­schluß, indem er das Vorgehen von Ebert, Scheidemann und Landsberg am 23. Dezember billigte, aber gewisse Aus­stellungen an der Form des ergangenen Auftrages machte. Der Beschluß des Zentralrates war aber so vieldeutig und so wenig klar, daß Ebert und Scheidemann ihn ohne weiteres a b l e h u t e n, weil >es für sie schon seit Wochen feststand, daß nur eine klare Entscheidung die Arbeitsfähigkeit der Regie­rung sichern könne. Dem trug auch der Zentralrat Rechnung, ha auch er sich überzeugen mußte, daß bei dem jetzigen Gegen­einander innerhalb der Regierung von Regierungsfähigkeit und Regierungsautvrität nicht die Rede sein könne. Die Folge idavvn war, daß Haase, Dittmann und Barth, die nur geblieben wären^ wenn der Zentralrat sich wider Er­warten völlig auf ihre Seite gestellt hätte ^ ausdemKabi- nett austraten.

ßn den Verhandlungen des Zentralrates haben die un­abhängigen Mitglieder der Reichsregierung folgende Fra­gen an den Zentralrat gerichtet:

1. Billigt es der Zenttalrat, daß die Kabinettsmitglieder Ebett imb Scheiden: am: gemeinsam in der Nacht vom 23. mm 24. De­zember dem Kriegsminister den in keiner Weise begrenzten Auftrag erteilten, mit militärischer Gewalt gegen die Volksmarine- divifion. im Schloß ümd im Marstakl vorzugehen? 2. Billigt der Zenttalrat das am Mjorgen des 24. Dezember von den Truppen des Gen-erarkommaiidos Lepnis erfolgte mit nirr zehn Minuten befristete Ultimatum sonne die Artilleriebeschießung ixm Schloß urid Mar st all - 3. Erklärt sich der Zenttalrat für die sofortige^ strikte Durchführung der vom Kongreß der A - und S.- Räte gefaßten Beschlüsse über die Abschaffung der Rangabzeichen und des Untersagen des Wafsentrag«:s außerhalb des Dienstes für die Offiziere im Heimatheer? 4. Billigt es der Zenttalrat, daß die Oberste 5)eeresleituug in einem vertraulicher;. Telegramm au die Heeresgruppe Ober-Ost erklärte, sie erkerrne diese Beschlüsse der A- m:d S.-Räte rächt an? 5. Billigt der Zenttalrat die von den Kabinettsmttgliedern Ebert, Scheioemamr und Landsberg befür­wortete Verlegung der Reichs reg ierung von Berlin nach Weimar oder einem mrderen Orte Mitteldeutschlanös? 6. Billigt der Zenttalrat, daß statt der völligen Demobilisierung des stellenden Heeres nur eine Reduzierung desselben ans den Friedensstand mtter Zurückhaltnng und eveftueller Auffüllung der beiden Jahres­klassen 1807 uird.1898 stattfindet? 7. Steht der Zentralrat mit uns auf dem Standpunkt, daß die Negierung der sozialistischen' Republik sich militärisch nicht stütze:: kann und darf ans die (^ne-- ralttät und die Reste des ans den Sklaven gehorsam aufgebauteiv alten stehenden Heeres, sondern nur aus eine nach demokratischen Grund tz«: aus Freüvilligen zu bildende Volkswehr? 8. Jft der Zeirtralrat dafür, daß die Sozialisierung der dafür reifenJndustrien' durch gesetzgeberischen Akt sofort iu Angriff genommen wird?

Die Antwort des Zentralrates auf diese Fragen lau­tet nach derFreiheit" folgendermaßen:

1. Tie Volksbeausttagden haben lediglich den Ltuftrag erteilt, das Nötige zur Befreiung des Oienosseu Wels zu vwanla-ßm. Das frft aber auch ea.st gesck-el>«:, nachden: i:en drei Volksbeauftragten von dem Führer der Volks Marinedivision telephonisch mrtgeteilt

wtorden ivcrr, daß er süjr das Leben des G/enossen Wels nicht mehr garantieren könne. Das billigt der Zenttalrat. 2. Die ziveite Frage beantwortet der Zenttalrat mit Nein. 3. Ter Zentralrat stetst aus dem Standpunkt, daß die aus dem Kongreß gefaßten Beschlüsse durchzusühven sind. Der Rat der Volkslrpusttagten wird ausgevr- dert, dre Ansiührungsbestinunungen alsbald vorzuleg«:. 4. Tie vierte Frage wird mit Nttn bechttworlw. Zu 5, 6 und 7: Der Zenttalrat kann diese Frag'en ohne vorherige eingehende Erörterung mit dem Rat der Volksöeamtvagken nicht beanüoortmr. 8. Der Zeir- ttalrat ivünscht in allernächster Zeit vor. der für die Vorbereittmg der Sozialisierimg eingesetzten Kommission einen Vortrags über bcd Stand ihrer Llfrbeiten zn hören. Er ist der Meinung, daß die^So- zialisürungskomntisfron in Ausführung der Beschlüsse des Kon­gresses der A.- und S.-Räte fo schnell wie möglich Vorschläge über tue Sozialisierung der dafür reisen Betriebe, insbesondere des Berg­baues, .macht.

Lrn Ausruf der Regirrung an das deutsche Volk!

Tie Reichsregiermrg veröffentlicht soloendm Ausruf:

An das deutsche Volk! Arbeiter, Bürger, Soldaten!

Die Regierungskrise hat die Lösung gefunden, die das.deulsck-e Volk erwartet hat: Tie Unabhängigen find ausgeschiedeu. Die Reichsregierung wird aus den Reihen der Mehrheitssozia- l i st e n ergänzt !Verden und, von inneren Hemmungen ftei. an die Lösimg ihrer großen Aufgalxm gehen: die Wahlen zur Ratio- na l ver san:m inug und dm: Frieden porzubereilen und bis dahin die Aufrcchterhattung einer frei h e i t l: ch e n O r d:: u n g sicherzustellm. Die Vertrvker der Unabhängigen sind Misgetreten,

der Zmrtralrat der deutscher: soüalistischen Republik gegen sie entschiede:: hat. Der Zentralrat hat erklärt: ^Die Volksbea::;treghm Elxrt, Landsl>erg und Scheidemaun lraber: i-em Krie^minister ledig­lich tcn Auftrag erteilt, das 3lötige zur Befreiung des Gerwssen Wels zu v-rm:lassen. Das ist aber auch erst gescheit, nachdem den drei Volksbeauchvagter: von dem Fübcec der Volksmarinedcvuwn telephorrisch mitgeteilt ivorden ist. daß er für das Lebe?: des Genoß«: .Wels nicht :nebr <iarantieren kann. D-a-' bi l l: a.t der Zenttalrat." YLach diesem Schiedsspruch von der höchsten Instanz, von d«: Ver- ttau«:sleuten sämtlicher Arbeiter- mrd Soldatenräte Deutschlands, sind die Unabhängig«: aus der Regierurig geschieden. Sie haben sie ir: einem Augerrblick verlassen, uw alles in Frage gestlkck ift: Wa ren- still stand. Friedensverhandlungen. Bestand des Reiches, wo zum ersten Male vom französischen Bevollmächtigten Genial, Fock/d:e unzweideiltige fAeußermrg vorliegt:Vii' einer bolschLwrstisckwn Re- grerung verlmndeln :o-ir nicht", wo keiner' sich der Pslichi ent rehen darf, den völligen Untergang abzwvehven. Obwohl viele Stunden lang 'die Bsrochtigrmg der Nottvehr bewiesen wrrrde, in der Ebert, Landsberg und Scheidemann gehandelt haben, und dies voin Zen- tralrat anerkannt rmirde, Haber: die Unabhängiger: ihrer: Llustritt rvieder mit der angeblichenSchuld" der so;ialdemokratisck-en Bolks- beaustragten begründet.

Aus die Frag^ des Zentralvates, ob die Volksboau st ragten bereit seien, die öffentliche Ruhe und .Sicherheit, insbesondere! auch das Privat- r:nd öfsentlichje Eigentum gegen gewaltsame Eingriffe zu schützen :rnd n:it den ihnen zu .Gebote stellenden! Mitteln ihre eigene Arbeitsn:öglichkeit. wie bie ihrer Organe gegen Gewalttätigkeit, gart# gleich von welcher Seite, zu gewähr­leisten, aut diese Frage haben die Unabhängigen geschviegen! Vor der Beanttvorturig dieser Lebensfrage des ^dmcksckien Volkes Hab«: sie sich gedrückt : damit liaben sie bewiesen, daß sie die erste Pflicht jeder Regierung nicht erMlen wollen: die Sicherheit innerl'alb des Staates zn gewährleisten!

Die Revolution ist nicht Anarchie, sondern er­höhte Sicherheit, gestützt m:f der: fteien Willen, gleich­berechtigter Staatsbürger! ^

Indem die Unablmngigen die Mittel Kur staatlichen ^Sicberrmg ablehNten, haben sic sich als regi erungsu nfä hi g erwiesen. Für uns ist die Revolution keim Parteipawle, soirderr: das kost­barste Gut des ganzen sck-asfendcn iVolkes.

Wir übernehmen ihre Mifgaben als Bearrstragte des Volkes mit dem Schwur: Mies sür die Revolution, alles durch die Rero- lution! aber auch mit der festesten, Absicht, jedem umrbittlich entgegenzntrelcn, der aus der Revolntior: des Volkes den Terror einer Minderheit mäck/err will. HrMdcrttausende denwn- stmeven heute sür die neue Regiermvg. rm: den skruppelk.>sen, Mißbranchern der Straße zu beweisen, rvo die Mel/rheit sielst. Auf ihrer Solidarität beruht unser Auftrag und unser Amt. die Massen sind unsere Rechtfertigung. Ihr Wille gibt uns die Kraft zu bei Riesenaufgabe'

Arbeiter, Bürger. Soldat«-:! Vttt eurer Demonstiration allein ist es mcht getan! Habt einen Willen wck) zeigt einen Willen! Dann ist der Abzug der ttnabhiingigen weiter nichts als die langerselgite Harchlungsfteiheit einer «nheitlick?en Regierung.

Keine rmfruchtbar«: Parteizankerei«: inelu. .sondern einheit-, liche Arbeit in Euren: Sinne, im .vepublrkLnisck^-sozicckistisck-en Sinn! Hoch die Deutsche Volksrepublik. Die Reichsregierung.

Die neuen NegierungSmrLflUeder.

Berlin, 29. Dez. (WTB. Amtlich.) Ter Zenttalrat bat in gemeinsamen Sitzungen mit der Regierung die Herren N o s k e, Löbe (Breslau) und Wissel arr Stelle der mrsscheidendetz Unabhängigen bestimmt.

Noske war seit Ausbruch der Revolution Gouvcrmeur von Kiel, Lobe Redakteur des Bresl-mrer Volksrvacht. Er g«:ießt in Schlesien allgemeines Vertrauen. Wissel ist ein hervorragen­der Sozialpolitiker, der zuletzt den Wahlkreis Nieder-Varnim den Unabhängigen in überwältigender Mehrl)cit entriß.

Der Austritt der Unabhärrgigen vollzog sich am Sonntag morgen um 1 Uhr mit der Verlesung einer Erklarimg durch Dittmann. Nach ihm ergriff L»aase rwchmals das Wort und führte aus, er möchte dem aufrichtigen Wrmsch Ausdruck geben, daß nach dem iAusscheiden twr Unabhängigen die Regicrrmg in der Lage sein werde, die Regierungsgesckstiste wirksmn zu führen:mb eine kraft­volle, nach außen und innen völlig geachtete u?:d gesicherte Regier «rüg darzustellen. Daraushir: verließ«: die drei Unabhängig«: die Sitzung.

Die Berliner Mafienknndgebnngen.

Berlin. 29. Dez. Dem Ausruf der Mehrheitscko zia- listen und dt'r D e m o k r a t i s ch e n P a r i e i an das Volk von Berlin zum Probest gegen den Terror und die :merhörten Mis- schreilungen des Spartakusburches war am gestrigen Sonntag ftait; Berlin gefolgt. Hunderttausende bevölkctten alle Stadt­teile Geschlossene .Regimenter und Fo «Nationen, «nzelne Sol- jdat«: und ^Nattoscn. F-aüriken, Bureaus und Behürd«: waren

in absehrbarer Menge vertreten. Es war eine Demonstration, w« sie im politisck-en Leben Berlins bisher nicht gesehen ivurde. Die Gegendemonstration, die d:erevolutionären Ob- leube" aus Anlaß der Beisetzung der am 24. Dezember grsallenen Mattosen angeordnet hatte. Hai nicht den zehnten Te:l der Menschen auf die Beine gebracht, die sich an der Veranstaltung der Mehckheitssoziolifteii und Demokraten beteiligten. 0 'l:egrr, Musikkapell«:, Lastkraftwagen und Wessen aller Arten .vett- eiserten in ihrem Eintreten sür die Nationalversammlung, sur die Regierung Ebert-Scheideinann, sür Freiheit und Brot und gegen den Terror der Spartakusleute, gegen jedes Willkürregrmrnt und geg«: die Diktatur von links.

Eme RepublikGroh-heffen".

Die Anregungen des Herrn Geheimrcts Sommer in Nr. 299 unseres Blattes und die v-on uns veröfftntlichten ZuftimmungserNärungen haben, soweit wir jetzt sckZon aus der Presse es ersehen konnten, im Lande die weiteste Be- «chturrg gesurrden. In einer Wählerversammlung in5peuchel- heim hat, wie wir berichteten, der demottatische Kandidat sür die Nationalversammlung des Reiches, Justi^rat Grü ne w a l d , die Durchschliagsttaft des Gedankens gleich­falls hervorgehoben, und heute finden wir auch in einem Organ der nächster: preußischen Nack-barschast, imWetzlarer Anzeigettß eine nachdrücklich zustimmende Würdigung oes Vorschlages. Das Blatt schreibt u. a.:

Sehen rvir ab von lokalen Sonderwünschen, die das B: des großen Ganzen nur beeinttächtigen, so ist der Gedanke der Bildung einer Republik Groß-Hessen doch nur eine natürliche Folge der Berliner Vorgänge, wie sie sich namentlich in der allerletzten Zeit abgespielt haben und au anderen öteüeit ähnliches angeregt haben. Hat sich Berlin schon während des Krieges vernröge der Anhäufung ungezählter Organisationen zu dem Wasserkopf des Deutschen Reiches ausgewack?sen. so ist ^ gegenwärtig der Hexenkessel, in dem (beschicke Deutsch­lands von einer Schar rvildgewordener Köche zusammengebrnut werden. Dem deutschen Volke aber wird zugemutet, geduldig zu rvarten bis es mit dem verkochte» Gebräu übergossen wird, mtfcr inzwischen alles mitGesetzeskraft" ohne gesetzgebende Körper­schaft Beschlossene als höhere Weisheit lftnzunehmen. Dre Spritzer, die wtt bislang bekommen haben, lassen das Schlimmste in oezug aus das fertige Produkt befürchten-. Wir brauck-cn auf die Vorgänge nicht l^sonders Istnzutveisen, sie sind bekaimt genug. Ter Endefsett ist stmmer der, daß eine schwache Regierung den Gewalttaten einer Minderheit -nicht zu widerstehen vermag und mit dieser zu paktieren gezwungen ist, bis zu dem bald einttetenden Augenblick, wo diese wieder zu neu«: Gewalttat«: schreitet. Das wiederholt sich scheinbar ohne Ende bzw. bis zum Ende mtt Schrecken. Ist es da dem som't mit Lammesgeduld ausgerüsteten deutschen Volke außerhalb »Berlins zu verdenken, wenn es den schüchternen Versuch macht, feine Geschicke in die «genen Hände zu nehmen und den Berliner ,Gewalthabern einBis hierher und nicht weiter" zuzurusen?

Nachdem der Gedanke .einer Bildung von SonderrevublikeU innerhalb dcS Deutschen Reiches, die sich alle unter einer Zentral- gervalt zusamm«:zufind<'n hätten, mehr und mehr Fuß gefaßt, ist es auch gerechtfertigt und das einzig Richtige, diese Sonder« republikeu nicht mehr nach den rein zufälligen geographischeul Begriffen der bisherigen Soirderstaaten zu gliedern, sondern naÄ ethnographischen .Begriffen, d. h. nach deutschen Stämmen.,wie sie in ziemlich fest umgrenzten, bzw. in un­schwer zu rekonstruierenden Gebieten ansässig geworden sind. Haben sich die Stämme erst zu fest in sich geschlossenen^ StaatsP:bilden geftlnden, so werden .sie eine gesunde Grundmasse für die n«:o großdeutsche Republik abgebeu und in der Lage sein, _in freier Wahl eine Zentralgewalt einzusetzen, der die gesetzgeberisch«: und aussührenden Befugnisse, soweit sie für das ganze Reich gelten, übertrag«: werden. Aus diese Weise 'werden dem einzelnen Stamm alle kulturellen und bis zu einem gewissen Grade auch wirt-^ schaftlichen Eigenheiten gewahrt und lausen nicht Gefahr, vop Berlin aus mit einer scheußlich grauen Eiiche:tsfarl>e überpinselt zu werden. Damit würde auch der Verärgerung der Einzel Maten untereinander zum groß«: Teil der Boden «ttzogen seü:.

diese Zenttalgeüvalt mcht in Berlin säße, so l>ätte .das noch den ungeheuren,Vorteil, daß der dottige Terror sich unge-^ hindert austoben könnte, ohne jeden Augenblick das ganze Räder­werk der Regierung zu stören. Er würde sehr bald in eine Sack­gasse geraten und sich totlaufen.

Wem: vorstehende (hrmrdsätze als richttg anerkannt wgrden., so ist auch der Botxm sür eine Republik Groß-Hesse n) bestehend aus den: Großherzogttm: Hessen imb der Provinz Hessen- Nassau gegebenenfalls noch einer entsprechenden Grenzberick>- ttgi«ng einschließlich .des Kreises Wetzlar, geschaffen. .Bei dieser EntNnckelung der Tinge würde der neuen RepublikGroß- Hessen" auch noch eine besondere Aufgabe zufallen, nämlich die der Annäherung von Nord- und Süddeutschland . Völkische Art muß Uebergäuge haben, sollen Reibungen möglichst vermieden werden. Tie Kvmstimktiou per Mainlirrie mit dem Angelpunkte Frau sin tt als Grenze zwischen Nord- :n:d Süddeutschland ist ein Unding, der scharfe Gegensatz zwischen beiden rührt lediglich daher, daß uns ein ausgeprägtes Mitteldeutschland, fehlte. Die großhessische Republik wird in Zukunft die Rolle eines solck>en zu übernehmen haben."

Mikson in London.

London, 28. Dez. (WTBö Das Reuterschi' Bureau ist er­mächtigt, zu erklären, daß die Konferenzen m it Präsident!' Wilson im Buckingl-aiu-Palast und in Downingstreet iür beide Teile sehr befriedigend waren. Die Koklseren: war aus Wilson, d«: Premierminister und Balfour lvscknäukt und dauerte fünf Stunden. Sie schloß um 5.30 Uhr nachmittags. An: ?lb«:d wurde dem Reuterschen Bureau mitgrsteilt, daß nicht die Absickit bestehe, ein Konnnnnigue an die Presse auszugeöm, es umrde aber erklärt, daß sich die Besprechungen über ein sehr Westes Geistey erstreckt«: mto daß auch die 14 Punkte W i l s o u s erörtert ivurden. Der Meinungsaustausch >oar gau; int formell und hatte den ClM'aktcr einer ofstm«: .persönlichen Aussprache. Diese denk nürdige Uttterreduug werde von w e i t r c: ch c n d e t: F o f o c n sein. Alle Staatsmänner, die daran teilnabmen. standen ui.ter dem Eindruck der dlufrichttgkeit und der ausrichtigen Stimmung