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Nr. 3i)3 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstn)

§reitag. 21 Dezember (9(8

Ans Stavt nnv Land.

Gießen, den 27.Dezentber 1.918.

** Amtliche Personalnach richten. ErnanM wurde mn 28. November 1918 der Aktuariatsn, ,'istent bei dem Amts- oeridTt Oirücn Julius Tahmer zum St.Etii'ari-at^AxfTiffctmtcru bei dem Amtsgericht Ober-Jngelheim. ©ntaithxnntrbe am 14. Dezember 1918 der ?lktl!ariats.ffsistent bei dem Amtsgericht Nein heim Her­mann Krebs pt WktuariatSasststicnten bet dem Amtsgericht Honr- berg a. d. Ohm. Am 18. Dezember ds. Js. wurde Jlohaunes North <ruZ Höchst i. O. v^m 20. Dezember ds. Js. an zum Schreib- gehilsen bei dem Finanzamt Höchst ernannt.

**NeueErweiterung derFreilistc. Die Frei­liste hat eine neue Erweiterung erfahren. Es sind folgende Gegenstände: Fertige Frauen- und Mädchenwintermäntel oder -umhänge. Fertige Tisch-, Kemoden-, Flügel- oder ähnliche Decken, Billrothbatist, Aegirin, Schlangenhaut, Re­genhaut und daraus hergestellte Gegenstände neu ausgenom­men/ mithin für bezugsscheinfrei erklärt worden.

** Hundesteuer im Großherzogtum Hessen. Es dürfte Violen Himdebesitzern nicht unwillkommen sein, wenn wir an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, daß die im Laufe des Jahres ab ge schafften Hunde bis spätestens zum 31. De­zember bei der zuständigen Bürgermeisterei abzumelden sind. Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember bewirkt, so ist die Hundesteuer süc das folgende Jahr weiter zu entrichten. Wer ferner am 1. Jammr selbstgezüchtete junge Hunde im Alter von unter drei Monaten besitzt, wird entweder gleich oder nachträglich zur Hundesteuer für das kommende Jahr zugezogen. Nur wenn nachgewiesen wird, daß ein innger Hund vor Erreichung des Alters von 8 Monaten zugrunde gegangen oder nach Orten außer­halb des Großherzogtums veräußert worden ist, tritt Steuer­befreiung ein. Die Befreiung von der Hundesteuer für die durch die Heeresverwaltung übernommenen oder zu chtuugszweckeu verwendeten Hunde wird hinfällig, sobald die befreiten Hunde den früheren Eigentümern wieder zugeführt werden. Die im Felde, in Lazaretteil usw., von Truppeweilen oder einzelnen Heeresange hö­rigen gehaltenen Hunde, die ins Inland gebracht und von in Hessen wohnenden Personen über nommell werden, sind steuer­pflichtig.

** Unbestellbare Pakete. Die Zahl der Pakete, die weder dem Empfänger ausgehändigt noch an den Absender zurück­gegeben werden können, hat bedeutend zugenommen. Damit die Pakete den Empfängern auch dann zugestellt werden können, wenn die Aussti rift unterwegs abgesallen oder unlesbar geworden ist, sollten die Absender stets in die Pakete obenauf ein Doppel der Aufschrift legen. Muh könnten viele Er­schwernisse für den Postbetrieb und Nachteile für die Eiuliefcrer von Paketen vermieden werden, wenn sich die Absender allgemein daran gewöhnen wollten, auf den Paketen ihren Namen, Wohnort und Wohnung anzugeben.

Landkreis Güsten.

** Albach-Steinbach. 26. Dez. Am Samstag, 28. d. M.. finden an beiden Orten öffentliche Versammlungen statt, einberufen von der Demokratischen Partei. -In Albach sprechen Prof. Mrchtt ulld Dr. Betzendärfer aus Gießen abends um 8 Uhr, in Stetnbach Dr. Avemarie-Gießen und Arbeiter Hilberg-Daubringen abends 8Vj Uhr. Siehe jedesmal Anschlag!

Kreis Büdingen.

X O r 1 e n b e r g, 23. Dez. Gestern rückten die letzten Sol- baren unserer Einquartierung, eine Kvmpngiric Pioniere, ad: das Generalkommando A.-K. 58 verließ am Dienstag unser Städtchen, die Fernspreckwbterlimg 658 wurde am Freitag eingeladen, lm benachbarten Stockheim wurde eine große Mckitarrampe gebaut, Mi ber täglich zlvei große Transportzüge verladen werden Die Bescherung unserer Mernkvnderschecle ftlidet am 1. Werhilachts- rrachmittao statt, am 2. Feiertag wird zu Ehren der heimgelehrten Krieger ein Begrüßungsgottesdienst veranstaltet.

Kreis Schotten.

. O Gedern, 24. Dez. Ullteroffizier Hermann Lambmann, Hohn des Veteranen von 1870/71 Johannes Lambmann, erhielt zum Eisernen Kreuz 2. Masse und zur Hessischen Tapstrkeits- medallle das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Wehrmann Arthur Lauer, Inhaber der Hessischen Tapferkcitsmedaille, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Musketier Richard A l t erhielt zum Eisernen Kreuz 2. .Masse das Verwundeteu-M-

e Aus dem Vogels berg, 24. Dez. Während in den letzten Kriegsjahren für Fuchspelze Preise bis zu 100Mark bezahlt wurden, werden jetzt für die Felle nur 1518 Mk. geboten; bet äußerst geringer Nachfrage.

Starrenburg und Meinhesserr.

I Darmstadt. 25. Dez. Während des Krieges hatte sich auch in Darmftadt die weibliche Bedienung in ven Lo Sälen eingebürgert. Viele Lokale wollten bei ihr bleiben. Nun mehr hat der Soldaten- und Arbeiterrat die Abschaffung der weiblichen Bedienung für sämtliche Lokale augeordnet um den aus dem Feld zurückgekehrten Kellnern Arbeit zu verschaffen.

I D a r m st a d t, 25. Dez. Seit einigen Tagen wurde erne junge Aerztin am städtischen Krankenhaus vermißt. Auf ihre Wifftndung wurde von den Angehörigen eine große Belohnung gesetzt. Nun wurde ihre Leiche in der Nähe des Obcrwaldhauses von Holzsuchern im Walde gefunden. Sie hatte sich aus Liebes­kummer an beiden Händen die Pulsadern geöffnet.

** Eberstad 1, 24. Dez. Das 1. bgpr. Inf.-Regt, hat vvr dem ?lbt ran spart in die Heimat der Geineindeverwalttmg den herzlichsten Tank des Regiments zum Ausdruck gebracht für die überaus warme Auftvahme, die das Regiment von allen Seitcl der Bevölkerung in Eberftadt gefunden hat.

Hessen Nassau.

nrr. Frankfurt a. M., 23.Tetz. Der Magistrat beantragt her der Stadtverordnetenversalnmlung einen Kredigt von 1 650 600 Mark zur Einrichtung eines städtiscl-eu Kraftdroschoeubetrüdes. ES

sollen 60 Krastl vagen erbaut werden zu einem Preise von je 20 000 Mark, außerdem iverdcn zum Ban einer Einstellhalle am Va'-Pt- btahnbvs 300 000 Mk. und für sonstige Skttiel>seinrrchtunqen 9o 000 Mark gefordert. Die bisher bestel-enden privaten KcaftdroschLn- betriebe sollen eiwveder in städtischen Betrieb übernommen wer- hln ck>er es wird ihnen rrach Nnbranchbarwerden der lausenden WlagM keine neue Konzession erteilt, da die Stadt eine Mmropol- sbellung zur Mirtschastlichdit des Betriebes für erforderlich hält. Man rechmet mit einem jährlickien Ueberschuß von 540 000 Mk., zuntal Brnzol und Schmieröl auS de?t Gaswerken in geitügendec Menge ansällt. Der Momstvot veranstaltet in den Frankfurter Thaattrn und -den großen Festssälen am 11. Januar eine große Acgrüßungsserer der heimkelnenden Krieger Frcorkiutts, drenebcn eurer Ansprache nur rein Künstlerisches bieten soll. Tie Krtegs- fürstxvge leistete einen Anschuß von 25 000 Mk.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 23. Dezember 1918.

Marie H. von Marjost, eine oft und streng besttafte Gewöhn- heitsdiebin, die aus dem Landeszuchthaus Marienschloß, lvo sie eine IVäährige Zuchthausstrafe verbüßte, entwichen war, hat tu der Nacht vonr 13 .zum 14. Jäcki l. I. der Witwe I. in Echzell,wo sie unter falschem Namen übernachtete, Kleider u n d W ä s che - stücke im Werte von etwa 400 Mk. entwendet. Die geständige Tlngeklagte, die die Sachen alsbald cm unbekannte Liebhaber ver­kauft haben will, gibt zu ihrer Entschuldignnb an, sie könne das Stehlen nicht lassen. Die Strafkammer verurteilte sie zu 2 Jahren stnckühaus, auch wurden ihr die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 I h cn aberkannt und zug eich auf ZuiLisigf.it der

Erbitterung mw zunr Teil mit offenem Hohn, daß die Matrosen einen vollen Sieg ernmgen haben. Das offizielle Organ der llnab- l/ängigen, dieFreil-eit", die anfangs einer Stellungnahme aus dem Wdge gegangen war, stellt sich jetzt an die Seite der Matrosen. Im Gegensatz zur übrigen Presse rechnet sie sogar mit dem Beste.-en einer Kabinettskrise .die infolge von sachlichen Meinungs­verschiedenheiten über die Beschlüsse det Rätekongrckies >n stanoen sei nnd sich tn 5>cnt lebten zwei Tagen so verschärft habe, daß es in wimigen Tagen wahrscheinlich zu einem offenen Bruch kommen iverde.

Vom WaffenstillsLandSausschuß.

Berlin, 25. Dez. (WB.) Die Abgrenzung, der Brückenköpfe Köln, Koblenz und Mainz stößt tn der Durchführung vielfach aus Unzuträglichkeüen, aus welche die deutsche WasfenstillstandsSommissiou versck-icdentlich hi iwies. Die AllccLr- teit tmterbreiteteit daraufhin mel/rfach Vorschläge, um eine zweck­mäßige, den praktisck-en Bedürsiüssen entspreckzende Regelung herbere zusül/rerr. Tarauchiu wurde gestern der interalliierten Kommissum in Spaa folgende Note durch deir deutschen Vertreter übermittelt:

Tie detitsclie Negierung ist mit dem Borschag einversbattdcn, den engen Streifen zwischen deir Brückenköpfen Mainz und Kob­lenz in die Brückenköpfe einzubeziehen. Sie stimmt auch der Lnue Mickvelback^-Mleudorf als Ostgretize im allgemeinen zu, wünscht jedocks, daß Ortschaften wie Eisighofen, Dversdors, Berghausen, die eine gute Verbindung in das neutrale Gebiet haben, ohne das besetzte Gebiet zu berühren, nicht besetzt werden. Diese Forderung entspricht der Begründung der Note 111 g, wonach der Haupt­grund sür die Erweiterung Ler Brückenköpfe die fehlende Ver­bindung sein sollte: für die genannten Ortschaften trifft diese j Begründung nicht zu. Tie Einzelheiten werden örtlich zu regelnl

Der M?t-gcr Jvhann-S M. X. in Gambach ist vom Schöffen- ] fein. Tie deutsche Regierung beantragt als Ausgleul?. iu dresem gcricht Bndbach wegen G eh c i m s chl ä ch I e r e i usw. zu 5> Mo- ^ Entgegenkommen datz dre Vororte ,iranksurt bis cinschlievl^ naten Gefängn^ und zu einer Geldstrafe von 2000 Mk. verurteilt l Pochst aus dem Bruckrnkovf heraussmomnirm wcwen Tres ift worden. Seine gegen dieses Urteil eingelegte Berufung nahm der,! im Interesse des Arbetterverkehrs drtugend erwünscht.

Angeklagte vor Beginn der Verhaudftmg zurück. ^^ t | ^ Berl in, 26. Dez. (WB.) Die Waffenstiillstandskommission

Vorstellung des Vorsiizenden der deutschen Waffen»

Die" Kaufte ule Levi Sch. nnd Michael W. in Vilbel sind vom ] teilt uns mit: dortigen Schöffengericht wegen übermäßiger P r eiSstetge- !Aus eine . ru n g, und zwar Sch. zu 2000 Mk. und,W. zu 5000 Mk. Geld- . stlllsLandskomMission entschied Marschall Fo ch daß der Arbe r,ts« strafe verurteilt worden, auch wurde die Einziehung deS übermäßr-^ ^e r ke hr ^ und nach der Haupt-LoSvmotivenwerkstLtte Nied gen Gewiw's im Betrage von 24 486 Mk. ansgesprochen. Zur \ jxi Frankfurt a. M. wieder fr eizu geben ist uttd daß Herabsetzung der Strafen verfolgten die beiden Angeklagten gegen , ferner alle Maßnahmen ergriffen werden, damit den an der Grenz«;

dieses Ürleil Berufung. Das Rechtsmittel hatte auf Grund der Beweisaufnahme und der Gutachten der Sachverstäirdigen insotvett Erfolg, als die Geldstrafe des Angeklagten Sch. auf 1000 Mk. er- Nläßigt und der einzuziehende übermäßige Gewinn auf 12 000 Mk. lierabgesetzt wurde.

HochschulnachrichLen.

I. Darmstadt, 23. Dez. Die Technische Hochschule plant Massenspeisung ihrer Stndierenden. Sie übernimmt zu diesem Zweck die Kücheneinrichtuug des zur Auftösung ge­langenden Hochschul-Lazaretts. Die Speisung soll einem Wtrte in Regie übertragen werden. Das warme Mittagbrot soll 1,50 Mk., das Abendbrot 1,20 Mk. kosten.

LttrehLrche

Israelitische Neiigionrgemeinde. tziottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag 28. Dez Borabd.: 4.30; invrg. 9.00: Predigt: abds.: 4.45 u. 5.25. Israelitische Religionsgesellschaft. Borabd.: 4.10; vorm. 8.30: Predigt. Begrüßung der Krie- ger nach ihrer Heimkehr, dtachm.: 3.30; Sabbalausgang: 5.25. Wochengottesdienst: Morg. 7.10, abds. 4.00.

vermachtes.

* Heiteres beim Wnhlerlisten--Aufstellen. Der Niddaer Anzeiger erzählt folgende lustige Anekdoten, die, we?m nicht wahr:, so doch mit erfunden sind. Me früher nur der Dolks- zähler, so hat jetzt der Wählcrlislx:n-Aussteller neben recht mühe­voller Arbeit inanchmal recht heitere Vorfälle bei Ausübung seines Amtes zu verzeichnen. Wenn auch nur die Spalten Vor- und Zuname, Berus und .Geburtsdattrm auszufüllen sind, fo ist es bei dem außerordentlich weit ausgedehnten Wahlrecht für Na- tioitalvcrsammlungs- und Landtagswahl-en doch noch für manch« Wähler gar schwierig, diese VoraussetztMg für das Wahlrecht durch Antwort aus die Fragen des Liftenanfftellers zu erfüllen. , Be­sonders den tveiblickien Wählern scheint das bisweilen Sckiwierigkeit zu berciteit. Ein altes Weibchen soll sein Geburtsdatum an­geben.Ach, m-ei Gedächtnis," sagte, sie,das hat nachgelasfe.

ich waaß gvar rret nvehr recht-ich waaß aad)i im Aagebluk

net, wo mei Gedenkblatt is-awwer am 13. März is mein

Gebnrtsdog, das waaß ich gewiß un, ach Herr, Sie kenne besser reckMe als ich das letzte mol sein ich 72 Jahr alt woarn!" Ein alter Mann soll den Bcmiamen seiner besseren Hälfte angeben.Hirmnelgewirrer, wäi hääßt se dann nur!" sagt er und kratzt sich hittter den Ohren. Ta kommt die Frau ge­rade zur Tür herein. Erleichtert ruft er chr zu:Katherine, wäi hääßt de?"

Letzte Nachrichten.

Regierungsti isis in Berlin.

Berlin x27. Dez. (WTB. Drahtn) DieVoss. Ztg." mel­det: Tie Vorgänge am Dienstag führten, verstärkt durch die Ereig­nisse der beiden WeihnackiLs eiercage, zu einer Regierungs- k r i s i s. Während des ganzen gestrigen Tages wurde zwischen den Bolksbeauftragten und außerhalb der Regierung stehenden Unab­hängigen verhandelt. Um 9 Uhr crbenos fand eine entscheidenite Kabinettssitzung statt, deren Ergebnis bis in die späten Nachtstun dm inoch muht vorlag. Der Kommandeur der Garde- truppm, General Leanin, ist zurückgetreten und durch Gmeral- leutncmt von Luettevitz ersetzt worden.

Berlin , 26. Dez. Die Organe der Unabhängigen ver- zeichnm triumphierend, die Blätter aller mrderen Parteien mit

nrch in den Brückenköpfen liegmdm Fabrikm und Werkstätten kcine Hindernisse bei der Fortführung ihrer Arbeit bereitet werden.. Tie Arbeiterzüge verkehren bis Frankfurt und Darmstadt."

Liebknecht und der Bolschewismus.

Berlin, 26. Dez-. (WB.) Ein russisches Blatt bringt am 23. November die Rede Bncharins auf dem allrussischen Kon, greß der Arbeiterinucn in Petersburg, in der Bucl-arm einertz Ueberblick über die deutsche Revolution gab. Interessant ist hierin die Darstellung, die er von der Tätigkeit Liebknecht- gibt:Liebbrecht und senre bolschewistäsche Spartakusgruppe nahm nitseoe bolsck-elvistische Taktik an uttd ging mit uns Hand in Hand. Ich werde den Augenblick nie vergessen, als Liebknecht zu uns in das Gebäude der russischen Botschaft kam. Tie Reg-ierung hatte, unt Liebknecht die Flügel zu beschneiden, und seine unausgesetzte Tätigkeit in den Fabriken usw.lahmzulegen, zu der List gegriffen, ilM vorzuschlagen, in den Vollzugsrat einzutretcn. Lteb° kuecht kam nun ganz furchtbar aufgeregt zu uns und fragte, was er tun solle. Wir besckstossen gemeinsam, daß Liebknecht in die Regierung nur bann eintteten solle, wenn diese folgende von uns aufgestellte Forderungen vertrete: AuseinandertreibunA des Reichstags sowie Terror gegen die Bourgeoisie und die Offt-teve, falls sie gogen uns auftreten würden."

Die Haltung desVorwärts".

Berlin. 25. Dez. (WTB. ) Am heuttgen dlachmittage fan* den mehrere von rcvoluti^närm Obleuten und Vertrauensmännern! der Großbetriebe Berlins veranstaltete Versammlungen in der Siegcsallee statt. Nach den Versammlungen zogen die Demorv» strantm in einem Zuge durch die StM. Ern größerer Trupp tzweigte sich von dem Zuge ab nach der Lirtdmstraße und besetzte idas Gebäude desV o r w ä r t s". Ter Polizeipräsident versuchte persönlich, die Sache beizulegen, was auch insofern gelang, alSs die Druckerei geräumt wurde und unter Bewachung der Sicherhetts- nrannsckasten des Polizeipräsidiums ^gestellt werden konrtte. Der Vorwärts" war, als die Massen eindrangen, von einem Jäger­kommando bewacht. Es waren Maschinengewehre ausgestellt: ein Panzerauto befand sich auf dem Grurtd-stück derVorwärts"- Druckerei. Das Panzerauto wurde von den ein gedrungenen Ma^ trosen weggeführt, die Jäger-SLutzwachc entwaffnet und neue Posten wurden von den miteingedrmrgenen Soldaten, urtter denen sich auch ziemlich viel Mitglieder der republikanischen Soldatenwehr befanden, ausgestellt. Es nürd versichert, daß die Besetzung des Vorwärts" tveder von politischen Parteien oder Gerippen, noch von revolutionären Obleuten veranlaßt worden sei: sie fei viel­mehr die Empörung der Massen gegen die Haltung des ,vorwärts" spontan entsprungen.

Anschluß Bessarabiens an ein denwkratisches Nunräirien.

Jassy, 27. Dez. (WTB. Trahtn.) Havasmeldung. Die bes'arabisckie Nationalversammlung beschloß die Derernigungs Dessarabiens mit Rumänien mit dem Vorbehalte seiner Autonomie in der s)bnnahnre, daß das künftige Groß-Rumänien eine reine Demokratie sein werde. ^

Hochwasser am Oberrhrin.

Freiburg i. Breisgau, £7. Dez. (WTB. Trahtn.) Durchs das Hochwasser des Rheins sind außer den Schiffbrücken von Neuenburg, Breisach auch die von Seckbach (Kreis Breisach) nndt bei Opl^enheim (Laar i. B.) durch die Strömung weggeriffei^ Worden. Bei der letzteren fanden 1520 Franzosen, die mit Bergungsarbeiten beschäftigt waren, den Tod in dett Mitten!. Die genaue Zahl der Verwtglückten ist troch nicht festgestellt. Zrve» weitere Franzosen sind beim Kahnfahren auf dem Rhein in gketcher Gegend dem Strome zum Opfer gefallen.

W wss^ckiae ünto i)cg Harn Kalchd Jsncs.

Roman v-on A. H. Adams.

(Nachdruck verboten.) (39

(Fortsetzung.)

Die Nacht versprach Mondschein. Vorsichtig schlich er nckch der Mauer. Da machte er im Lichbe der Straßenlaterne eine alles vereitelnde Entdeckmrg. Die ganze Mauerkappe entlang mar eine doppelte Reil)«e von Stach:ldraht gezogen. Augenscheinlich hatte Herr Beach Borsichtsmaftveyeln g-egen ferneres Eindringen in seinen Garten getroffen. Aber die Verschwvrerseete Galahads frohlockte bei dem Gedanken an die Mühelosigkeit, mit der er selbst die Finoigkeit von Sibyls Vater übertrumpfen konnte. Er eüte nach dem Rande des Wassers.

Eine Reche von ^gespitzten Pfählen, durckH-ogen von einem Stack-e'.drahtgewirr, 'war an das Ende der Mauer an gefügt wordcnr und ragte gerade über das Wasser hinaus

Der Emgel staud vor dem Tor des Paradieses, um sein abwehrendes Schwert war von Stacheldraht.

Nenntes Kapitel.

(üalahad schaut den Tod.

Eine sorgfältige Untersuchung des 5-indenüsseS zeigte Galahad, daß er nur durch Schlviinmeir Zutritt zu den: Garten erlangen konnte. Verzweiflungsvoll wairüte er sich ab. Drinnen im Garten wartete Sibyl auf ihn, oder viel­

mehr auf Horace, mit brennendeiu Herren, voller Angst und Ungeduld. Er stand unter der Mauer still und versuchte, das Tor zu öfftreu: es war natürlich verschlossen. Daun schaute er an ter Marter empor, in der wahnsinnigen Ab­sicht, h-nmberzuklettern, was auch GTeder und Kleider da- v'ontragen nvockffen. Er lvandte sich ab und tat einen schnellen Blick über seine Schulter. Aller Wahrsch.üulick)-keit nach war die Straße belvacht, und rvenu er den verriickten Versuch machte, würde er sicherlich von ihrem ergrimmten Bater abgefaßt lverden. Daun hatte Sibyl ihren einzigen Freund verloren einen Freurrd dazu, oer das Geheim­nis von Harares Verräterei bewahrte. Auf alle Fälle mußte er sie heute abend spreclien. Aber gab es denn kernen andern Weg? Das hintere Tor vielleicht. E§ mußte noch ein Ein­gang für die Lieferanten da sein. Der war vielleicht mr? verschlossen. Er mußte sich in der aardern Straße befinden.

Er rannte um die Ecke nnd das sckMale Gäßck>en hinab, das mit der .Hauptstraße parallel lief. Allerdings befand sich da ein Eingang, eine große glatte Tür war in der hohen Mauer. Er klinkte behutsam. Sie war nicht ver- schhossien. Vorsichtig stieß er sie auf, und von der andern Seite der Tür ließ sich klar uird deutlich ein leises droHür­de s Kirurren verne hinen. Ein Hund!

Galahad zog die Tür hastig wieder zu. Einem Hunde vermochte er nicht gegerrüberMtreten. Er dachte jedoch nicht so sehr an seine Beine, als an deren Bekleidung. Er konnte kein Paar neue Hofen aufbringen. Auch beruhigte er sich urii der lieberlegnng, daß der Hund ihni doch derr

ganzen Haushalt auf den Hals gehetzt, hätte, und welche Anssicht hätte er dann, Sibyl zu sekwn? Dieser Erngar^ war also auch versperrt.

Aber Galahad lvar nicht der Mann, die Sache aufzu- geben, selbst angesichts dieser Hindernisse. Gab es nicht oemroch irgend einen andern Weg? Und als er mit hängen­dem Kopf oahnrschlich überkam ihn die große Erleuchtung. Von drei Seiten lvar der Girrten sicher genugj benacht, aber die vierte grenzte mrs Wasser. Das nmr der schwache Punkt der Festung. Er lächelte in sich hinein, als er sich überlegte, daß alles, was er brauchte, ein Boot sei.

Ja, eine Bootshalle lvar weiter unten an der Bai. Es lvar spät, aber es mußte möglich fein* selbst jetzt noch für eirre Sttrnde ein Boot zu mieten. Schnett lies er nach der Bootshalle, wo er ohtre wertere Umstände mit einem Boot zu eirrern Schilling die Stunde versehen wurde. Dann ruderte er ziemlich ungeschickt herum nach dem Vorder­garten. Das .Haus lag in voller Dimkelheit, als er dielt, um erst Ausschau zu l)alten, kein Mensch war ün (^rwn zu erblicken, die Terrasse war leer. Er rrrderte näher h n.zu uird ruhte, auf die Rudler gestützt, lviedernm aus.

Ta kam sanft wie eine langsam dahin treibende Schnee­flocke oder wie ein rosig überhauchtes Blumenblatt, das zur Erde herniedertteibt, eine lveiße Gestalt geräuscküo- die Stuserr der Terrasse l>erabgeschritwn, um ihm erttgegen- zugehen. Es war Sibyl. Null lvar alles gut!

(Fonsetzmrg folgt.)