Nr. 3 2_Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 24. Dejember \9\S
Arss Stadt und Land.
Gießen, den 24. Dezember 1918.
** Das Festder silbernen Hochzeit feiern am 2. Feiertage der Schuhmachermeister Lwbwig Wagner und Frau Anna gcb. Heim., ^
** D i e W ä h l e r l i ft e n liegen bis zum 28. Dezember im Stadthaus, Zimmer Nr. 8, aus. Wir weisen auch an dieser Stelle nochmals darauf hin, wie wichtig es ist, daß jeder Wahlberechtigte in hie Liften Einsicht nimmt. Wer nickst aufgesührt ist, muß an der Wahlurne zurückgewiesen werden.
** Oberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung rm am 2. Feiertag von 11 bis 3 Uhr, am Freitag von 11 brs 1 Uhr geöffnet. An diesem Tage findet auch die Verlosung von Anrochtscheinen im Ausstellungssaale statt. Im übrigen verweisen wir auf die heutige Besprechung in dieser Zeitung.
** Krieg sr oh st v ffe. Zu der vom Kriegsamt nach dem Stande vom 1. Januar 1918 neubearbeiteten Zusammenstellung von Gesehen,, Bekanntmachungen und Verfügungen betr. Kriegs- rohstosse nebst deren Nachträgen, Ansführungs'bestimmungeu und Erläuterungen tft das 5. Ergänzungsblatt nach dem Stand c ti’ /November 1918 erschienen. Dieses Ergänzungsblatt lvird den Bezrel-ern der Zusammenstellung ohne Anfordern kostenfrei nachgelrefert. Sollte die Nachlieferung nicht erfolgen, so ist dasselbe ber der Stelle anzufordern, dicrch welche die Zusammenstellung besagest toorden r,t. Neue Bezieher können di" Zusamnrenstellung zum Preist vml 1 Mk. (eirffchl. der Ergänzimgs'blätter) von der zustärr- drgen Krnegsamtsstelle, mit Ausnahme von Metz, Düsseldorf und den Kriegsamtsnebeustellen, erhalten.
Glotdesdienst am Dienstag den 24. Dezember (Heiligsabend).
Evangelische Gemeinde.
Mainzlar. Aids. ^7 Uhr. — L ollar Abds. 7 Uhr.
Actthottsche Gemeinde.
Nachm. 5 u. abds. 8: Beichlgelegenheit.
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Gottesdienst am Mittwoch ben 25. Dezember (1 Weihnachtstag)
Evangelische Gemeinde.
- Lu der St adt kirche. 9Vs: Pfr. Mahr. Hl. Abendm.: 6: P r.-Ass. Sckzäser. — In der I 0 hannes kirche 91 / 2 : Pfr. Bechtolsheim er: 5: Pfr. Aus feld . — Kirchberg. Vorm. 10. 11: Dl. Abcndm. f. Staufenberg. Nack-m. 4.
UathoUsche Gemeinde.
5: BvichtgÄ.; 5: Christmette; 6: .Hl. Messe; 7: Dl. Messe; 8 : "l>ust. d. hl. Kkomm^. 9: Hochamt m. Pred.: 11: Dl. Meise m. Pwd.; 5V->i: V'l'per m. Segen: nachm 5 u. abds. 8: Beichtgel. — Diaspora-Eottesdienft am 25. Dez.: Hungen 91 / 2 .
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Gottesdienst aut Donnerstag den 23. De'.ember (2. Weihnachtstagi)
Evangelische Gemeinde.
In der Stadt kirche. 9Vs: Prof. D. Schi an: 5: Pfr. Mabr. —« In der Johan n es kirche. 9 Vs: Pfr. Ausfeld. Dl' Abendm.: 5: Pfr. Bechtolsheimer. — Kirchberg. Vorm. 10. Nachm. 4: Kindcrgottesdienst.
Nathslrsche Gemeinde.
6Vs: Beichtgel.; 7: Dl. Messe: 8: Aust, d hl. Komm.; 9: Hochmut m. Preid.: 11: Dl. Msise m. Pr^,.: 5Vs: Arch. m. Segen. Samstlrg 28. Dez., nackM. 5 n. abds. 8: Beichtgel. — Diaspora- Gotdesdienst am 26. Dez.: Lich 9Vs.
Handel und Industrie.
** Der „Deutsche Gruben -und Fabrikbeamten- Verband E. V. Bochum" zahlte in diesem Jahre an Wftwen- nnd Waisen-Weihuachtsunterstützung über 140 000 Mk. aus. In 800 Fällen »varen die Unter stützmigen höher wie 100 Mk. Die Höchstunterstützung betrug 170 Mk.
Letzte AcrcL rictitcn.
Ein nener pngch in verlin.
Berlin, 23. Dez. Durch einen Putsch der sich in Berlin iaufhaltenden Abteilung 3 der Matrosendivision ^sind am Montag abend der Stadtkommandant Wels, sein Adjutant Leutnant Fischer sonne ein Tr. B 0 n g a r d v e r h a f t c t und durch Mfauuscha ten der Marftre alsGeiselnin den Mar st angebracht worden, wo die Marine sich verscknuzt hat. Wie seinerzeit
r meldet, sollten Mitglieder der republikanischen Soldatennehr die Berlin sich aushaltnrden Väcvtvosen, die bisher die Be.vachung
Stille ttocht, heilige Nach!
Eine Weihnackftslieder-Betrachtung zur Hnndertjahrserer unseres schönsten Weihirachtsliedes.
Von D r. I. S t a n j e k.
An dem Schulhause des Dorfes Oberndorf im Salzburgischen lieft man folgende Inschrift:
Stille Nacht, heilige Nacht!
Wer hat dich, 0 Lied, gemacht?
M 0 h r hat mich so scksin erdacht,
©ruber zu Gehör gebracht:
Priester mrd Lehrer vereint!
Die in Meran lebenden Nachkommen des Komponisten des Weihnochtsliedes „Stille Nacht, .heilige Nackst", Franz Grnbcr, !ben?akwen eine von diesem herrührende Niederschrift über die Entstehung des Liedes, die folgendermaßen lautet:
„Es war am 24. Dezember 1818, als der damalige Hilfspriester, Herr Jos. Mohr, bei der neu er richte ten Pfarre St. Nicola in Obcrn.dorf dem den Organistendienst vertretenden Franz Grnber ein Gedicht überbvachte, mit dem Ansuchen, eine hierauf paffende Melodie für ztvei Solostimmen samt Chor und für eine Gitarrehegleitung schreiben zu wollen. Letztgenannter überbrachte am nämlichen Abend noch diesem musikalischen Geistlichen gemäß Verlangen sinne einfache Komposition, welche sogleich in der heiligen Nacht mit allem Beifall produziert wurde. Herr Jost Mohr, als Verfasser dieses G'diststes und mehrerer geistlicher Lieder, starb am 5. Dezember 1848 als würdiger Vikar zu Wagrain im Pongau.
Franz Gruber, Stadtpfarrchorregent." Mit dem Namen „Heilige Nacht" bezeichnet man in vielen Gegenden des katholischen SüLdeutschlcmds und Deutsch-Oesterreichs die in der Wcihnachtsnacht zur Mitternachtszeit gefeierte Weih- Uachtsmesse: die Bezeichnung „.heilige Nacht" in dem Liede hat also, wie man siebt, noch eine besondere Bedeutung. Tas Lred, das zu rmseren erhabensten und ergreifendsten Weihnachtsgesängen gehört und das man mit Recht als unser schönstes Weihnachtslied bczeickmeu kann, darf also am Weihnachtsabend dieses Jahres die Feier seines hundertsten Geburtstages begehen. Es wird heute in evangelischen Kreisen, in der Kirche, bei Weihnachtsfeierui dußerhalb der Kirche und bei Bescherungen mit derselben Andacht und Hingabe gesungen, wie in katholischen Kreisen. In verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes mit gemischt-kousessiorusiler Bevölkerung erfreut es -sich merkwürdigerweise, bei den Protestanten einer größeren Beliebtheit und Popularität als bei den Katholiken, so daß man es sogar schon als ein besonderes evan- gclisclstS Weihnaclstslied bezeichiret hat., Ersreulickierweise verschafft tnan ihnr aber in der Weihnachtsfeier der katholischen Kirche in Deutschland und namentlich auch in der häuslichen Weihnachtsfeier immer mehr Eingang, besonders naäHem es immer mehr bekannt geworden ist. daß das Lied einen katholischen Geistlichen zum Dichter .und einen katholischen Lehrer zum Komponisten hat.
des Königlichen SÄc»sses hatten, als Sicherheitstruppen aufgelöst iund in ihre Heimatsgarnison zurückbeördect ivecden. Die Matrosen hielten sich durch diese Maßnahme zurückgesetzt. Sie nahmen an, daß die Regierung ihnen nicht das notwendige Vertrauen entgegenbringe und entsandten am Samstag bereits Vertretungen zu den Volks beauftragten. Tort wurde ihnen der Bescheid, daß ihre^For- derungen rrochnals geprüft und zu den Beratungen der Stadtkommandant Wels als Oberbefehlshaber der Sicher heitstruppeu zugezogen werden sollte. Ten Mfttro-sen, die bisher nicht diecibo Löhnung erhielten wie die Mannschaften der republikanisä>eu Soldatenwehr, sollten die ihnen wxh zustehendeu Beträge in Höhe von etwa 80 000 Mark ausgezahlt werden, sobald sie das Schloß geräumt und sich zu ihrem Ersatztruppenteil in Wilhelmshaven zurückbegeben haben würden. Am Montag vormittag wurde min in den Kreisen der Matrosen bekannt, daß Dtadrkommandant Wels sich angeblich der Einreihung von Ädatrosen in die Soldatenwehr wider- setze.
lTjw Straße unter den Linden zeigte gegen 6 Uhr abends das gewöhnliche Bild. Es herrschte, wie stets in den Abendstunden ein reger Verkehr. Pimkt 6 Ul/r kamen aus der Waldshvasst, der Charlottenstraße über bu ^Sck)loßbrücke, Truppen von Matrosen, den Karabiner laus der Schalter und eilten der aus der Schloßbrücke gegenüber dem Zeughaus gelegenen Stadt ko mmar rdin ur zu. So- Drt bildeten sich Ketten von Matrosen., die die Liirden von der Charlotten strafst bis zur Schloßbrücke, den Lutgarten, den Dom 'und die Mnigstriaßc absperrten. Ten Passanten, die völlig überrascht waren erklärten die Mannschaften mit ru.lsi.gem Tone, sie nröchstn möglichst schrell die abgelperrten Bezirke räumnr. da es nicksi unwahrscheinlich sei, daßsichein Gefechtentspinnen würde. Diese Mahnungen genügten und ängstlich slüchtetm Männer, Frauen und Kinder in die nächsten Sraßen. Dann zogen die Matrosen in Stärke von etn>a 600—700 Mann vor die Kom- mandcnrttlr und nahmen dort Ausstellung.
Eines der Mitglieder des Soldatenrates der Abteilung 3 hielt erne Ansprach, in .der es betonte, daß man kein Blut vergießen wolle und daß jeder nur dann schießen dürfe, ivenu er angegriffen würde. Inzwischen Tratte man ln der Komman- bantui* Maßnachnen ergriffen, um die demonstrierenden Matrosen zu zersttruen. Aus Veranlnßung des Stadtkommandanten wurde der Soldabenrat der ,im kronpriuzlichen Palais sich auft-alten-< kben republisirnisclstn Soldatenivehr pon den Vorfällen benachrichtigt und die im Zeughaus, in d-er Konrmandantur, in.der Bibliothek und im Palais Friedrich Wilhelm befindlichen Sicherheits- truppen alarnricrt. 'Die Führer dieser Abteilungen rückten mit hen Mannschaften auf die Straßnr mib brachten die Gewehre iir Stellung. Gleichzeitig .wurden die Soldatenräte der Berliner Öbanffsonen telephonisch verständigt, die auf L a st w a g e n je eine .Kompagnie nach der Kommandantur in Marsch setzten. Bevor alle diese Truppen jedoch eintrasen, hatten die Matrosen schon ihr Vorhaben erreicht. Von der Kommandantur ans wurden zwei Panzenvagen mit Maschinengewehren, sowie mehi'ere Personenwagen, auf denen Maschinengewehre gefechtsmäßig ausgebaut waren, hinausgcsandt und nahmen zunächst in der Wallstraßc, ganz in der Nähe der Kommandantur Ausstellung.
Plötzlich kam van der Charlottenstvaße her ein Lastwagen, der nicht zur Kommandantur geirrte mtb der auf der rechten Seite der Linden langsam ans die Kommandantur zu fuhr. Tie Postenkette der Matrosen riefen dem Führer zu, er möge halten irnd versperrten ihrn mit vor gehaltenen Gewehren den Weg. Der Fülwer des Ltntos ließ sich jedoch nicht stören und fuhr ruhig weiter. Die Matrosen nahmen an, daß es sich um einen „Gegner" handele rmd eröfsneten mit den Karabinern Sckmicllscuer auf das Auto. Ettva hundert Schuß sielen Tann wurde aus dein Last- wagnr ein Maschnengewehr sichtbar, das nun seinerseits das Fmer auf die Matrosen richete, ohne jedoch jemand zu treffen, Wäl/rend die ersteir Schüsse vor der Kommandantur fielen, bog aus der Charlottenstwße ein Panzerwagen in die Linden ein und eröffnete von der Höhe des Derckmals Friedrich des Großen Schnellfeuer auf die Matvoien. Von den vor der Kdminandantun stehenden Posten wurde ein Matrose getötet und drei »chwer verletzt. Man brachte die Verwundeten in die Kommandantnr, wo sie Notverbände erlffelten. Inzwischen bemächigte sich der Matrosen eine große Ausiegnng. Die Matrosen drangen in die Räumeder Kommandanturein, eilten in das Zimmer des Kommandanten Wels und nahnen denselben, sinnen Msntanten Leittnaut Fischer und Dr. Bvngord gefangen. Ans der Straße dvurden die Verliafteten von den Matrosen in die Mitte gonommm und der ganze Trupp zog nach dem Marstzill, den die Matrosen besetzten. Dort wurden die Verhafteten in sickstveir Gcirahrsam gebrach. BeinerkenÄvert ist, daß ein Teil der republikanischen Soldatenwehr die Binden ab- nahm und sich den aufständischen Matrosen nn- scblvß. ,Von den Mannschafteir der Sicherheitswehr ist bei der Schießerei niemand vorletzt tvorden. Nacktem die Kunde von dev Festnache des Kominaudanten und seiner beiden Begleiter sest-
Bei denr ersten Vorträge^ unseres Liedes vor der andächtigen Salzburger Bauerngemeinde in der Torfkirche zu Oberndorf sang der geistliche Dichter, der damalige Dilfspriester Joseph Mohr, die Tcmorstimme und der Komponist die BaßstimM'e. Die Gitarre- begleitnng war des.vcgen vorgesehen, weil die Orgel der Kirch sckiadhaft geworden war. Ter mit der Wiederherstellung der Orgel betraute Orgelbauer, der »aus dem Zillertal stammte und zur Vollendung seiner Arbeit über Weihnachten in Oberndorf geblieben war, hörte das Lied in der Kirch: er erbat sich von dem Komponisten eine Alffchrift des Textes und der Weist, und er brachte das Weilnrachtslied nach seiner Heimat. Durch ihn lernte es eine herumveisende Gesellschaft Zillertaler Sänger, die der Geschwister Straffer, kennen und rnahnr es in ihr Repertoire airf. Die Säugergcsellschast erntete für den Vortrag des Liedes in ganz Deutschland stürmischn Beifall, einen stürmischeren sogar als für das Lied: „Zillertal, du bist mei' Freud'", das ebenfalls durch sie in Deutschland bekannt rmd populär geworderr ist. Der 4Ä?ih- nachsgesang: „Stille Nacht, heilige Nach" hat also auf dem Wege über den Konzcrtsaal Eingang in die istutschn Familien und schließlich auch in die Kirchen gefunden. Aehnlich ist es ja dem bekannten niederländischen Tankgebet „Wir treten znm Beten" ergangen. Ter von dem Wiener Schriftsteller Joseph Weyl ganz frei nach dem niederländischen Original hergestellte deutsche Text ist mit der altniederländischen Vertonung durch das bekannte Wiener Kremser-Quartett erst in den deutschen Konzertsälen zum Bortrag gebracht wordcnr und gelangt jetzt sogar auch bei Gottesdiensten in evangelischn Kirchen.zu Gehör. Vor eimgen Jahren fand ein Reisender in einem amerikanischen Blockhause ein englisches Gesangbuch vor, in dem er beim Herumblättern das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht etc." in englischer Uebcrsetznng mit der Neber- schrift „Choral olf Salzburg" entdeckte. Unser schönstes Weihnachtslied hat also bereits seinen Weg bis in die fernsten amerikanischen Urwälder gefunden.
Ebenfalls ein katholischer ^Geistlicher ist der Dichter eines hinderen scl/r bekannten mit» beliebten Weihnachtsliedes: „Ihr Kinderlein kommet, 0 kommet doch all'!" Dieses ist von dein tresflickien Jugendschriftsteller Eltristoffh v.'Schmid gedichtet worden. der im Hauptberuf katholischer Pfarrer gewesen ist. In evangelischen Kreisen kommt sofort nach dem Liede „Stille Nacht, heilige Nacht!" als das beliebteste und beim Gottesdienst bei Weil/nachtsfeiern bevorzugteste Weihnachtslied Luthers herrlicher Gesang in Betracht:
„Vom Himmel hoch, da konttn' ich her,
Ich bring euch gute neue Mär."
Dieses Lied, das für joden einen echt weihtrachtlichen Klang offenbart, ist. wie längst feststeht, die UmdiÄung eines lvelt- lichen Volksliedes des Mittelalters, das folgendermaßen beginnt: „Ich komm' aus fernem Lande her Und bring' euch viel der neuen Mär."
Ludwig Uhland hatte in seiner vortrefflichen „Abhandlung über die deutftl^n Volkslieder" den Ben>eis erbracht, daß cs LiÄ hier um ein frattuuiiUed handelt, das junge
gsitellt war, traten die Beauftragten des Rates der „5" der repu^ blikmrischen Soldatewwehr zusammen, um über weitere Maßnahnum zu btwateir. Tie anrückenden Jnfanteri'^en der Garnison wuri'en vorläufig in ihre 5t'afernen entlassen. Eine Abordnung der repu^ blikanisck>en Saldatemvchr begab sici' gegen 8 Ul/r zu oem VolksH beauftragten Ebert, um tvei:ere Acaßnalftnen zu erfragen. Tie Erregung unter deu Mannschaften der Berliner Garnison ist sehr groß, urvd es wurde von vielen Seiten der Wunsch geäußert, Wels zu befreien und den M ar sta l l zu st ü rme n.
Eine Alwrdrnrng der republikanischeil Soldatenivchw begab sich zu dem Volks beauftragten Ebert und ersuchte ihn, für die Freilassung ihres Führers Wels die nötigen Schritte einzuleiten.. Sie betonte mit großer Enffchiedenheit, daß der weitaus größte Teil der Truppen der Berliner Garnison das Vorgehen ber Matrosen mißbillige und nicht gesonnen sei, die Veranstalter des! Putsckj^s straflos ausgehen zu lassen. Tie republikmlisck-e Soldaten^ wehr würde ohne Zweifel Wels und seine Mitarbeiter noch in der Nacht mit Geivalt besieien.
Ebert mahnte zur Rarhe. Er nahm sofort die Verhandlungen! mit bat Matrosen auf, die zu dem Ziele führten, daß so.vohr Wels wie Leutnant Fischer und Tr. Bongard aus der Gefangen^ schaft entlassen wurden.
Streit im Berliner Arbeitcrrat.
Berlin, 23. Dez .Bei einer Versammlung des Berlinev Llrbeiterrales kam es heute zu Tätlichkeiten. Ri^rd Müller sclLoß seine Rede mit der Dcohiurg, wenn die döationalpcrsamm^ lung den Arbeiterräten .alles aus der Hand nähme, würde Pas Proletariat geeignete Mittel sinden um die Macht wieder an sich zu nelpnen^ Er stellte fest, daß aus dein Reichskongreß auch nickst die geringste revolutionäre Lust geherrscht habe. Hierauf hielt der demokratische Postsekretär Höhn eine kurze Ansprache, die einen gewaltigen Entrüstuirgssturm entfesselte inrd schließlich zur gewaltsamen Entfernung des Redners ai:s dem Saale führte. Infolge der wenig sanften Behandlung mußte sich Höhn zur Unfallstation begeben. Inzwischen herrschte im Saale wüster Lärm. Erst nach 10 Minuten gelang es, die Ruhe loiedcr herzustellen. Hierauf ergriff cher Vorsitzende der dcmokratisck-en Fraktion, Lehrer Flügel, das Wort, und sagte, es widerspreche allen parlamentarischen Gepflogenheiten, ein andersgesinntes Mitglied gewaltsam aus dem Saale zu entfernen. Im iveitern Verlauf der Tinge kam es zu einem förmlichen Sturm auf die Bühne. Als sich die erhitzten Gemüter wieder etwas abgekühlt hatten, faßte man>in<m Beschluß, daß künftighür Mitglieder nur auf allgemeinen Verfammlungsbeschluß aus dem Saale entfernt werden können. Eine Rede des Präsidenten der tschecho-slowakisckjen Republik.
Prag 22. Dez. (WTB.) Tschecho-slowakisck>es Presse nreau. Beim Enrpsang der Nationalversammlung hiel: Präsident M a s a - r p k eine Anfp»rache, irr der er n. a. sagte: Das vo.r Deutschen bewahrte G.l>iet ist unser Gebiet und bleibt mrser. Sie bauie.r rm- feren Staat aus und wir erreitteu ihn. Wir können uuo wollen auch nicht unseren beträchtlichen tschechischen Minoritäten di? sogenannten deutschen Gebiete opfern. Wir sind über.engt, daß die wirtschaftlichen Vorteile die Deutschen nvtwendigerrv i e zu uns ver- wtsiscn. Es hängt von ihnen ab, sich aus den richtigen San Punkt zu uns zu fbälm. Sie mögen sich Nur erinnern, drß sie 1351 mit uns gemeinsam den tbaiser baten, er solle sich zu Böhmens König krönen lassen!. Ich! wünsche auwi^chsigi, daß sie sich so bald wiÄ möglich nvit uns einigen. Ich versichere, daß die Minoritäten in unserem Staate der vollen ruttionalen Rechte und d r bürgerlichen Eintrackst teilhaftig werden. Durch den Au:bau der wahren d-enro- krattscherr Selbstverwaltung sckxrsfen wir uns ein pass.ndes Mittel siür die Lösung der Nattoualitäteufrage. Eirrer Teilurrg mit Rücksicht auf die große irnd son-derbare Mischung der beiden Nationeir ist Nicht möglich Das Problem ist nicht mehr nationales, sondern! ein ziemlich stark soziales. (Lebhafter Beifall.) Unser Verhätr- n i s zu Deutschland werden wir nach jener Politik regsin, die Deutschlcrnd uns gegenüber anbahrren wird. Wir werden uns lo rekt verl-alten und wir wünschen, daß die Niederlage des preirßisck«r M-tlitarisnrl'ns der Sieg des derrtschen Volkes werbe. Ue er die Magyaren sagte Masaryk: Es ivar widersinnig, daß ein solches Volk wie die Magt-aren vier andere Nationen — Slowaken, Russen, Rumänen und Südslawen — so lange ausbcuten durste. .Heute sind sich die Verbündeten klar, daß die Magyaren nur Recht au ihren eigenen Nationalstaat l)aben. Unser Verhältnis zu den Verbündeten ivird nicht nur ein politisches sein. Ich habe schon wirtschaftliche und finanzielle Beziehrmgen mit ein luFrei 'm Faktoren in Amerika, Cn.gland und Fraukrsich angeknüp t. Wir bcfamert sinanzielle Hilfe in den Vereinigten Staaten zn-gesichert. (Stürmischer Beifall.) Präsident Wilson versprach uns Unterst tz n- für die nöttge B^erpslegung in der Uebergangszeit. (Stürrnische Ovationen für Wilsmr.^) Tie Negierung hat bereits ein Verzsichris vorgelegt über die Artikel, der sie bedarf. Wir haben rrur das nötigste verlangt, derrn auch andere brairchm Hilfe. Die amerikanische Regiening und die dortigere Finanzlreise verschassten uns frernrdlicheriveise eine Anleihe.
Burschen vor der Tür der Erwählten ihres Herzens zu singen pflegten, wofür ihueu als Belohnung ein Kranz gespendet iimibe. Diese Feststellung Uhlands h-it der Beliebtheft und der Bedeutung des herrlichen Lutherschen WeihnachÄiedcs, dessen Melodie also einem sehr weltlichen Liede entstammt, mit Recht nicht den geringsten Eintrag getan. Es ist besonders Brauch geworden^ dies Lied von Kirchtürrnen blasen zu lassen. Ludwig Richter zngt in einem seiner schönsten und stimmungsvollsten Biider einen KNaben- chor der in Begleitung von Fanfarenbläsern das Lied ..Vom Himmel hoch" vom Turm einer alten Stadt hwabsingt. So hat das Luthersche Weihnachtslied auch einen bildlichen dlusdrnck ge- sirnden. Cilv awch merknmrdigere VersftmbiMichimg erhielt in siühe-, rerr Zeiten dieses Weihnachtslied in Crimnricschau in Sachsen. Dort.wurde bei der kirchlichen Weihnachtsfeier vom Gewölbe lder Kirche an einem Strick ein Knabe heruntergelaffat <dcr als Engel gekleidet war, ein Kreuz trug und dazu das Lieb sang: „Vom Himmel hoch, da komm' ich her." Erst als der Strick einmal riß und der "Knabe zerschmettert herabfiel, wurde der Brauch eingestellt.
Tas Luthersche Weihuachtslied „Vom Himmel hoch" hat übrigens auch in katholischen Gegciiden bei Bränchm d?r Weihnachtsfeier Eingang gefunden. So bildete es den Abschluß einer alter- Weihrrachtsausführrmg, die in einigen Gegenden des katholischen Tirols noch einige Jahre vor dern Ausbruch des Weltkrieges regelmäßig irr der Weihnackftszeit zur Darstellung gelaugte. Auch in anderen alten Weihuachtssvielen wurde es am Schluß im Cbor entweder von allen Tarstellerrr oder auch von sämtlichen Zu- hörenr gesungen. Man sieht, nicht nur das ChristuSkiich ist interkonfessionell, sondern auch die Weihnachtslieder sind es in gleichem Maße.
Zu den bevorzugten Weihnach-tslieden: gehört auch das Lied vom Tannenbäunr itnb seinen grünen Blätterm. Alt und jung singen es. wem: der geschmückte Weihuachtsbaum am Weihnachtsabend l>ell im Glanz seiner Lickfter erstmhlt. Eine studentische Weilmachtskneipe wäre ohne dieses Lied ganz undenklnir. ttnd dabei ist der darrch dirs Lied gepriesene Baum gewöhnlich kein Tannenbaum, sondern eine Fickftc: er hat auch keine Blätter. sondern Nadeln, und.überhaupt ist ftt dem Liede nicht der gD^ ringste Bezug auf das Weihnackftsfest enthrlteu. Tenn was hat das Mägdeleftr mit dem falschen Gemüte, haben die Nachtigall und der Bach im Tal damit zu schaffen? Aber man soll nicht an einem Liede, das sich daS Herz des Volkes gewonnen hat, kritteln oder deuteln. bDie Hauptsackrc ist. daß es uns in die richtige Weih- nachtsstimmung za versetzen weiß. Der reiche Schatz unserer Weih- nackftslieder ist nut dem genannten noch lange ni bt erschepst. „O du sröhlick.-e, 0 du selige, gnadenbringende Weihnachtözeic . „Es ist ein Ros entsprungen". „Alle Jahre wieder kommt das Cl-ristuS- kind". „Morgen. Kirrdc'r, wird's was geben", „Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben" und viele andere noch leben in unserem dentickien Gemüte. Eines haben sft alle gemeinsam: Frische und UrspLÄtt-glichkeft, urrd dieö 0 -< r cdm
sie uns erhalten über allen Mechisel, der jetzt eine ganze Wett uv neue Formen gveßt.


