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** Freibank. Donnerstag den 19. Dezember werden vvn 24 Uhr nachmittags die Nummern 501600 beliefert.

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** Von der Landesuniversität. Die Uebcrsicht der Studierenden ergibt, daß im vorigen Halbjahr aufgeführt waren, 939 Hesse,:, 664 Nichthessen, im ganzen 1503 Studierende. Nach­träglich wurden noch immatrikuliert 11 Hessen, 5 Nichthessen. Hiervon gingen ab 41 Hessen, 69 Nichthessen. Im gegenwärtigen Halbjahr sind hinzugekommen 106 Hessen, 100 Nichthessen, so daß die &apl der immatrikulierten Studierenden beträgt 1015 Hessen 600 Nichthessen, im ganzen 1615 Studierende, danrnter 99 Stu­dentinnen. Nach dem Stand vom 26. Nov. bis zum 3. Dez. sind noch weitere 130 Studierende hinzugekommen, so daß die Gesamt­zahl 1946 beträgt. Von diesen Studierenden widmeten sich der Theologie 135 (119 Hessen), Rechtswissenschaft 198 (128), Medizin 400 (230), Tierheilkunde 145 (41), Philosophie 69 (29), Pädagogik

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Philologie 154 (100). Das Reifezeugnis der Gymnasialbildung hatten 861, des Realgymnasiums 342, der Oberrealschule 326 Studierende. Der Nationalität nach waren 1015 Studierende (dar­unter 58 Studentffmen) Hessen, 467 (29) Preußen, 18 (1) Bayern, 13 (4) Sachsen, 13 (1) Württemberg, 19 (1) Baden, 1 (1) Meck lenburg-Schwerin, 2 fl) Sachsen-Weimar, 8 Oldenburg, 4 Braun- schweia, 2 Sachsen-Meiningen, 3 Sachsen-Koburg-Gotha, 2 An halt, je 1 Reuß ä. L., Reuß j. L, Lippe-Detmoll), 2 Lübeck, 10 (2) Hamburg, 1 (1) Bremen, 12 Elsaß-Lothringen. An Ausländern! roaren vertreten 1 Holländer, 2 Schweizer, 1 Bulgare, 1 Finn länder, 6 Livländer, 1 Kurländer, 1 Ukrainer, 7 Türken.

** Diebstahl. In der Nacht znm 15. d. Mts. wtrrde aus einem Hvfe in der Neuen Bäue ein sechssitziges felbgranes Mi litär-Autv. ^FabrikatStöberi^ 12/35 PS, mit dem 5^eirn- -eichenSt. O. 300" gestohlen; ferner in der Nacht znm 12. d. Mts. mrs dem Hofe des Hauses Afterweg 34 zwei M: l i t ä r p fe rde, in der Nacht zum 16. d. Mts. aus dem Hofe des Hauses Mar- Iburger Straße 7 ebenfalls zwei Militärpferde und :n der Nacht zum 17. d. Mts. aus einem verschlossenen Stall der Liebigshühe mittelst Einbruchs 9 Hühner 1 Hahn und 4 Enten ( zwei graue und zwei Weiße. Sachdienliche Mit tellungcn nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** Fünfziger-Vereinigung. Die 1 869 ge horenen in Gießen wohnenden Altersgenossen versammeln sich am 'kommenden Sonntag, nachmittags 2'/» Uhr, zur Bildung einer Fünfziger-Vereinigung im Eiseirbahnhotel (Hopselb). (S. Atrzeigenteil^

Landkreis Gießen.

** Bir klar, 18. Dez. Für den Abstimmimgsbezirk in der Gemeinde Birklar jitr verfassunggebenden Volkskammer wurden als Wahlvorsteher Bürgermeister M ü l l e r und als SteLlvertreter Bei-» geordneter Müller ernannt.

** Lang-Göns, 16. Dez. Pionier Willy Brückel, Pionier-Ball. 21 2. Rts.-Kontp., Sohn des Spenglermeisters Drücke! war seit 5. Oktober 1918 vcrinißt. Jetzt traf die Nachricht ein, daß er verwundet in englischer Gefangensckxrsl ist Starkenburg und Rheinhessen.

Darm stadt, 15. Dez. Tie Besetzung des Mainzer Brücken­kopfes durch bce feindüche Besatzung vollzieht sich nach und nach ur werterem Umfange und hat jetzt auch dir Wesbrrenze Tarmstadts erreicht, da der Ort Griesheim, wie der Truvpenübimgsplatz Arch srcmzösische Truppen belegt wurde. Auch Weiterstadt und dve kleiner«: Riedorte sind jetzt einbegriffen, während bis jetzt

liche Besatzuiig eintrifft, Hort zunächst der Teleyhonoeckehr auf, die Post wird noch befördert. Seit Samstag abend 6 Uhr ist auch der Bahnverkehr von Tarmstadt nach Goddelau unterbrochen.

Vessen-Nassau.

ss Marburg, 16. eTez. Dem Präsidenten des hiesigen Landgerichts, Geh. Oberjuftizrat Muhl, der gestern sein 5 0 jähriges T i e n ft j u b i l ä u m fcrern dninte, wurden aus diesem Anlasse zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen zuteil. Die juristische Fakultät der hiesigen Universität verlieh ihn: den Titel einest Ehrendoktors per Rechte. Drei Schwindler in Soldaten»niform. die am Freitag unter Bedvohung mit der Waste bei Niedcrweimar zwei dort aus dem Felde beschäftigten Land­arbeitern, denen sie sich als Soldatenräte vorstcllten, drei Pferde obgenommen und weggeführt hatten, wurden von dem ihnen mit einigen Soldaten nacheilenden Besitzer zwischen hier und Gissel- berg festgenommen. Man nahm ihnen ihre Beute wieder ab imd brachte die Burschen in das hiesige Laridgerichtsgefängnis. Im Anschluß an eine hier abgehrltene öffentliche Volksversammlung hat sich hier ein Arbeitsausschuß der deutsch-nationalen Volkspartei gegründet. Ter hiesige Bürgerrat hat eine Ein­gabe zum Unterschreiben offen gelegt, rn der der Vertrctertag der deutschen Räte um beschleunigte Einberufung der deutschen Natwnalversammlung gebeten wird. (

Gietzeirer Stadttheater.

Die Schwestern und der Fremde.

Schauspiel von Bruno Frank.

Gießen, 16. Dez. 1918.

Mn Dichter hat hier das Wort. Sern Vorwurf reicht bis in die verborgensten Abgründe des Vdenschliä-en hinab. Aber was die Ge-« ftalttmg letzten ErDes heraustivlt, ist das blutleer geivordene-emen eines Konstruktion gewordenen Trägers der grauenvollen Erkennt­nis, wie einsam der Mensch in sein eigenes Ich eingebunden ist Alfred Kerr hat diese Erkenntnis in einer Besprechung v.m Ibsens Epilog 'ime folgt formuliert :Und hätte man fünfzig Jahre neben ihr gesckstasen, wird man nicht auf die geschossenen An gen immer noch blickerl, immer rwch auf den geliebten Hals imd immer noch spreckxm:Du bist du, und ich bin ich in Ewigkeit". Die Brück«: von Mensch zu Mensch siiid nur eine trügerische Fata morgana des Verdurstwiden in der Wüste des eigenen Selbst:

Mein Ich ist mein Kerker, wo find ich die Tür?"

Also der innerlichste Wesönszug des Fremden, in dieser Tra­gödie Her Gefühllosigkeit. Ihm ist alles gegeben, was Frauen beieligt: Güte. Zartheit und Wohltunwollen. Seme Gegenwart beglückt und beruhigt onf '" ? afi ~ M f*' 1

dem T 'tarken

dem süßen Schmmer einhüllender Liebe in einen Glücksr-rusch hnieriiMzanbcrn, dec d:e vesstose Erfüllung eines Frauetischicksols zu sein scheint. Alles was er mtternimmt. ist vom Gelingen geseg­net. Er ist ein Begnadeter des Schicksals scheinbar, wie alles Erwärmeirde. Lebenspendende an ihm scheinbar ist Sein Mitleid ist Lüge, seine Liebe grausiger Betrug. Seine Gefühlswelt ist tot, er ist ein Verwvrfetier. einlebender Leichnam", der Mann ohne .Herz.

Die Gestalt lebt in den beiden ersten Men. Sie täuscht be- wicht und glaubhaft alle Gefühlsvegunget: vor, die ihr fehlen. Sie kleidet sich in den Mantel des sieghaften abentcuevumrankten. liebeerfüllenden Don Juan des Mitleids für die vom Tode Gc- zeickMeten. Sie spcmdet Liebe und Güte, aber sie bleibt unberührt von Liebe, Rausch, von Kuß, Schrei und Dod. Wo ist die Grenze, da diese Gestalt der allgemein mcnschlchen Tragik, der imüber- brückbaven Emsamkeit sich übersteigert und fidji ins blutleer Scheinen^ hafte verliert? Ta, wo sie dem überwältigend«: Leidensä-aftsaus^ bruch der Schwester der Verstorbenen den Ettiblick in die eigaie GefMsleere ^genüberstellt. Zirgegeben, daß jegliches Kavalier- "'"ckavgheit zur Boraussetzamg hat (die Arcs- &XC den Bräutigam der Schwester, beit

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Korrekten Pflichtmeusch.'u, der sich schtvec, aber ix\u.i voll tuib {aoita hingibt, lasser: dies im Gvgeusntz deutlich iverdei:. > Zugegeben, dag der J-renide ai: einem pathologischen Grade von Gefühlsleere leider. Aber doun ist es ein Widerspruch, daß ihn sein Schicksal zu Güte, Zartheit mrd Wohltumvollen zwingt. Wem der Gruttdw,^ der Gefühlsorgcl völlig fehlt der verfügt auch nickü über die Obertöne. Ter wird die Tragrk seiner Einpfiiidungsarniut überR Haupt nicht fühlen. Ebensowenig wie der Unmusikalisck-e sich musika!isck>es Entpfinden zu erzwi'.tgen suchen nnrd. Die Tatsack-e des- gewaltsameii Suchens nach starken Gcfüylserlcbnrssen. die Fähigkeit, die Trägheit des Herzens durch Güte und Zartheit zu verdecket:, sind der Betveis dafür, daß bei diesem Fremden die eis­kalte Gefühlsleere rnehr eitre Kvnstrullion des Dichters, als die seelisck-e A)Möglichkeit eines lelxnrdei: Vtensäieti ist. Seine Selbst- cn:klage erscheint auch uirs nach dem natürlichen Gefühl der lebens­kräftigeren Schwester als Selbstbetrug.

Bruno Frank mag die iinrere Unwahrscheinlicb-keit des Fremden, der nur aus Furcht vor dem inneren Frieren vergeblich Mitleid linrd Güte übt, selbst gefüW haben, denn er gibt ihrn außer dom Gegenspieler des korrekt bürgerlich fühlenden Verlobten einen alsten Herrn zur Seite, der sich einnral als der ältere Bruder des Frem­det: bezeichnet. .Er hat den Wog des Fremden bereits zmückgelegt^ ist weißl>acirig geworden ohne Falten, einsam ohne Sucht, mehr Ms dem eigcmen Ich in ein fremdes zu verströmen, getiügiwrl am Liebesfeuer junger Leute sich gegen das Frösteln der Scde wärmen. Der alte Heir wäck?st sich wie manch2s atü>ere in diesem Drama, das neue Woge sticht, zum Symbol aus, vhtre die Gestalt des Fremden^ erklärlick-er zu machen. Es ist bcdarterttStocrt, daß unter dem ewigen Platzmatigel den neuen Werten und neuen Weg^in des Schauspiels, die, irnmer bewußt :md nicht ohne befientdend zu wirbn: (wie in dcnn für viele überraschenden Adschlutz), an jede« herkömmlick>en Trivialität hart vorbeisührat nicht weiter mnhge- gangen tverdei: kann. ,

An Spielleitung und Darstellung stellte das Schauspiel große und ungewohnte Atcforderungen. Adolf T e l e k y gab mit Jrckzenie- rung imb Spielführnng eine ncitc starke Probe seines reichen Könnens. Ton uaid Haltung der Bübnenvocgänge waren sorgsam aligewogen utrd atrSgeglichen. In der Darstellung verkörperte er den alten Herrn, das symbolisch rrs Alter vorgerückte Spiegelbkld des Fremden. Er gab ihn mit leicht senilem Anhauch, aber noch mit dem Abglanz seines unwiderstehlichen Abenteurertums, das gualvolle Ringen zu philosophischer Abgellärthert verkühlt. ES war eine lluge :md bcsonne::e Leistung, die es sogar vermochte, den rein begriff­lichen Cl^arakter der Gestalt mit einer lauen Bluttvelle zu erwännei:. Walter Hauser, eine Neuerscheinung unsere: Bühne, führte sich als der Fremde vielversprechend ein. Vmn Dichter mehr auf die Magie seiner Erschcitrung urid Halttm<) als seines Wcntes ange- iviesen, vernrochte er in vielfach immobilem Spiel zu erstaunlicheit küiisllcrisckier Höhe zu wachsen. In jeden: Augenblicke wußte er zu bannen. Grausig erschütternd war feine SelbstenIhüllirng vor dev liebe heischenden Schoester. Seine unausdrniglich? Sprechtechnik wurde hier besonders wirkiMgsvvll. Sei te hyp iotische Wirkung auf die Frauen machte er fast restlos erklärlich. Die ihm zuerst ver- Mllene, vom Reife frühen Todes gestreifte Corimla zeichrete Friedet D ö r r mit inbrünstiger Hingebung, jtrbellrdem Sichhittscheickea und l>ellseherrsck)em Dorausahnetr des Tcches, vor besten Nahen sie sich den letzten Gehalt des Lebens zu erpressen sucht. Else Al ln er gab mit erstaunlichem Gelingen gegenüber fiüheren Rollen, die ttach rotnatttisckier Liebeserfüllmrg hungertrde lebenspran.gende Schwester, dre sich von der Nüchlertrheit ihres Bräutigams abwerrd-et. um vor der enthüllten Gefühllosigkeit des Frernden entsetzt die Flucht zu er­greifen. Oskar Fei gel versah ihren kottrekten Bräittigatn mit klarerem und ruhigerem Austreten, als bisher gewohrtt. Auguste M a r ck s gab der Mittler schlichte Wärme und Herzeiksgüte. Die eigenartige Persönlichkeit der Scheuerfrau, ein schwer löslickx^ Symbol, das mit dem alten Herrn in stärrdiger Verbindung auftritt. war Luise D e l o s 6 a zugesirllen. Sie wich späterhin von breitspurigen Sicherheit des Vorspiels ab mrd verbürgerlichte. Nebenrollen fügtet: sich hartnonisch er^

Dja der Mfangetl an passetrden Kräften behoben scheint, er- Hussein wvr weiterhin Tarbietungen der gleichen literarischen :md schauspielerischen Höhe. ez

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