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Erste; Blatt l68. Jahrgang

Mittwoch, %

Postscheckkonto: Frankfurt o.Ul. U686

Zwillingsrunddruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchulstr. 7.

Dezember 1918

Annahme von Anzeige«

f. die Tagesnummer diS zuin Nachmiltag vorher oh//ejedeVerbiudl/chke/t SeUenpreise: für örtliche 'Anzeigen 25 31.für auswärtig« 30 Pi., für Reklamen Mk.1.-nebst 20"/,Teue- r/mgs-uschüag; Platzvor-

schr/sl 20 % Abschlag.

Hauptschri'tleiter: Aug. Goeq. Verantivorttich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Te/l: Dr. Neinhold Zenz; für den Anze/genteü: y. Beck; sämtlich in Gießen.

Die innere Lage de; Reiche;.

In der Sonntagmumner desVorwärts" hat der Volksbocrirftvcrabe Schdemcrm/ dieBilanz einer S&odje" «gezogen und daraebcrn, wcrrmn er nach seinem bekannten Aussprüche nun Doch im Amte geblieben sei. Gr nannte eine Reihe von Tatsachen, die ihn befriedigt hätten und die dem Dnrclieinander entgegenwirkten, nämlich die Ver­ordnung des Rats der Volksbeauftvcygten über die Abliefe­rung aller in Privatbefitz befindlichen Waffen und Heeres- gerate, so daß ein ruhiger Geisteskarnpf wieder einsetzen körme, ferner eine Einigung über das künftige Steuer- uird Wrrtschaftsprograrmn Deutschlands und endlich das Gesetz iiJfrer die Schaffung einer Volkswehr.

Sie wird neben dem bestehenden Heer, dessen Umgestaltung noch nicht in Angriff genommen fit, ausgestellt werden /md die Haupterrunge/ffchafte// der Revolution aufweisen: Befehlende, die auf Beschluß ihrer Ui/tergebenen ihr Amt ausüben, und Unter­gebene, die freiwillig gehorchen. Sie wird keineweiße Garde" werden, sondern ein Instrument des Bolkswillens, ebenso wie der Rat der VollSbeauftragten eines ist, im Verein mit welchem sic die Revolution für die Demokratie und den Sozialismus sicherstellcn soll."

Wenn Scheidemann mit diesen Feststellungendie Kon­solidierung der neuen Gewalten buchen" zu können glaubte, so wird er vielleühkt heute wieder weniger optimistisch den­ke/:. Auf der Reichskonferenz der Arbeiter- und Soloaten- räte sind die Geister wieder arg au fein an berge fahren und die gestrige Sitzung war s-o stürmisch bewegt, daß sie bei­nahe aufgelöst worden wäre Die Volksbeairftragten Barth und Ebert gerieten stark aneinaiwer, und Männer toie Lede- bour drohten wieder alles umzustürzen, diene Soldaten- Kundgebnngen und Forderungen, die während der Kon­ferenz in den Saal getragen wurden und n. a. die Ent­waffnung der Offiziere beantragten, gaben das Zeichen zu größter Erregung. Mitten in diesem Wirrwar, als die Mehrhütssozialisven den Saal verlassen wollten, trat eine Vervagnng der Verhandlungen <mf Mittwoch ein.

Die Reichskonsereuz der Arbeiter- und Soldateuräte.

B e r l i n, den 17. Dezember 1918. (WTB.)

Vorsitzender L e i u e r 1 eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 20 Mi­nuten und teilt mit, daß sich in der Versammlung eine demo­kratische Fraktion gebildet habe.

Die Aussprache über den Bericht des Bollzugsvats und der Volksbeau-tragten wird fortgesetzt.

Es ist ein Antrag -ingegangen, die Entwaffnung der Gegenrevolutionäre zu besMennigen. Ein weiterer An­trag, für die Antragsbogründung 20 Minuten Redezeit zu ge­währen, wird abgelel)nt. (Großer Lärm.)

Volksbeauftragter Dr. Landsberg: An der Behauptung, Oteneral Sftt von Arnim habe zur Gegenrevoluriou aufgefordert, ist kern wahres Wort. General Eberbardt ist sofort entfernt worden. Wir grfife// rücksichtslos ein, wo Mißstände bestehen. Im übrigen kann ich n/ittfilen, daß der Kriegsmünster gestern seine Entlassung eingereicht hat. Die Volksbeaustragten haben die sofortige Ein­berufung der Rfichfonserenz verlangt. Ter Verbäckst, Dortnmnder Großindustrielle hätten sich des Landesverrats schuldig gemacht, hat sich als nngereckstsertigt heraus gestellt.

Staatssekretär Schiffer: Es war durchaus berechtigt zu sagen, daß eine ungenresseire Erhöhung der Löhne und Gebühr- Nisse unmöglich sei. Tie Arbeiter- und Soldatenräte haben durch­aus sparsam gewirtschaftet. Rechnnngsablegung ist aber notwendig. Daß wir dem Vvllzngrat kein Geld gegeben haben, liegt daran, daß es üns nicht nchglich war, den Etat des Vollzugsvats anzuer- kem/en, der viel zu hohe Gehälter und Pauschalausgaben enthielt. Wir allein müssen die Exekutive behüten, der Votlzngsrat Itot das Kontrollrecht. Im Reichsmarinaamt haben sich neben dtoske und Vlogtherr noch 53 Matrosen etabliert als Kontrolle, und irnachen jede Arbeit unmöglich Sie haben sogar einen Landes­verräter fi eigelassen.

Ebert beansprucht keine.Sonderbehanül'/mg in der Peschäfts-- vrdnum/. Auch de./ Vertreten: des Vollzugsvates soll die gleiche Redeneihfit bewilligt 'werden.

Die Versammlung trüt -dem Von Äug Eberts bei.

Ledebonr (Bollzngsrat): Die chh>e// Ausgaben sind nicht auf uns zurückznfüh'rcn Waltz //nd andere Huben sie verschuldet. Ohne Ebert wäre düs Blutbad in der Chausseestraße nicht pas­siert. Wichtige Notizen sind unterschlagen worden. Ern Mann wie Ebert, der aus diese Weise die Qmte indirekt zu lvfiteren, Putschen ermutigt, ist ein Schandmal der Regierung. sPfuinife, ungeheurer Lärm, Schlnßrufe. > Andererseits Händeklatschen. An- baueriües Glockenläuten. Rufe: Offiziere raus! Alles erhebt sich und geht durclieinander. Gewaltiger Sturm auch ans den Tri- fiünjen . Größte Unruhe. > Ter Vorsitzende rügt die Ai/s- führungcn Led-ebours. Erneuter Lärm.) Die Vorgänge bei der Division Locruis sind ein Beweis für die Gegenrevolution.

Ein Schlußantrag wird einyebracht.

Tie Abstimnuorg bleibt zwfifellfast. Es ist Hammelsprung nötig .Es stimmen für den Schluß 273, dagegen 191.

Trotzdem erhält noch Volksbeauftragter Barth das Wart: Wenn ich gegen die Streiks gewirkt habe, so habe ich es getan, well sie nicht einen Kampf gegen die Unternehner bedeutest wüvde//. sondern einen solchen ,g.gen die Republik. Heute muß die Entschd/mg falle//. Unseren Kameraden in: Osten droht ein Zusammenbruch lote Napoleon vor hmtdert Jahren.

Die Waffenstissstandsverhandlungen.

Berlin, 16. Tez. (WTB.) In der Sitzung der inter­na 1 i o n a l e n W a f f e n ft i l l st a n d s k o m m i s s i o n vom 16. Dezenrber teilte General N u d a n t mit, daß seit fünf Tagen keine IKokszüge aus Westfalen in Lothriirgen eintreffeir und ersuchte um Aufklärung. Ferner bat er um eine beglauchigte Liste aller ver- Irctciltcn und auf Grmrd des Waffenstillstandes freigelassenen Kriegsgesairgencn und um ein Verzeichnis sämtlicher in der Ge- ßcauPearschaft ohw Internierung gestorberwn französischen Militär- nnd Zrvilpersoneir. Zugleich wurde sranzösisäicrseits an die Ver- Ifflichtiorg der deuffä-erl.Negierung erimiert, die stündlichen Kriegs­gefangenen während der Tarler il/rer Heimbeförderung zu ver-

r cm. Der hntsck-e Vorsitznrde füllte twt Nack>weis, daß

in der Nähe der Käthedvale von Laon gesun-

deiren Minen nicht von deutsck>er Seite gelegt sein

Wnn^r Er bet-nrte fcrilcr: Tie Behandlung der Ueber-

Yalx'-Mmmmrdos läßt nach wie vor sehr viel zu wünsckien.übrig.

tm Organisation der Uebernahuie von seiten der Entente ist w maugellia'1, daß schon jetzt jede Nachsorschinrg zunr Nacküeil Deutsch tarrdo abgelel/irt werden muß. Zum Schluß nmrde eine d?ote »berveicht, in tvelcher gegen das Verbot der Verbreitung vychts-

rheinischer Zeitungen in dem besetzten linksrheinischen Gebiet Ein­spruch erhoben wird.

Span, 16. Dez. (WTB.) Ter Vorsitzende der General­kommission der ,Gewerksck>aften Deutschlands, Legten, der an den Verhandlungen der.Wirtschaftskommission in Spaa teüuimmt, berichtet: Die Franzosen treffen Maßnahmen und stellen Forderungen, die für ^das Wirtschaftsleben in den besetzten und den rechtsrheinischen Industrie­gebieten verhängnisvoll werden änüssen. Ter Verkehr mit ihnen ist insoweit gesperrt, daß diohwffe und Waren ivvhl von der rechten ua-ck) der linken Rheinseite, wcht aber umgekehrt befördert werden dürfen. Die rechtsrheüüsche Industrie muß, /venu sie arbeiten wlll, .Erze und StaU aus Lothrirrgen. und von der «Saar Braunkohlen 'und ..BraunkoUenbriketts aus den links- rheinffchen Gebieten haben. Dafür liefert sie neben anderen wich­tigen Materialien Koks und Mangaoierze. Gesperrt ist auch die Ausfuhr von Saarü>HLe nach Süddentschland. Infolgedessen werden in wenigen Tagen die Gasfabriken ihren Betrieb einstelloir muffen. Die süddeutschen Städte l>aben daor.i weder Licht noch Gaskocki­gele genheit. Trotzdem forderte der Telegierte des Morschalls Fach Differung von Koks, -K>ohle und Mrn.ganerzen in Mengen, die eilte Förderung voraussetzen, wie sie bei größter Leistung üblich war. Angenonlincn, diese.Forderungen'.mten und ivürden er­füllt. so wäre die Folge eine Ueberpcvduktüon mi Roheisen und Stahl. Weder die besetzten Gebiete nack) FrarEreich vermögen^diese Produktionsmengen mifzunchinen. Eine.Einschränkung oder Still­legung der Betriebe müßte eiutreten. Zehntmisende von Arbeitern! kämen hier zur.Entlassung. Das Gleiche droht dem rechtsrheini­schen Industriegebiet, 'nemt die Zufuhr von Erzen, Stahl, Braun- >kohle und Braunkohlenbriketts feruerhin unterbunden wird. Da weder aus militärischen noch <u/s politischen Gründen diese Maßnahmen und Forderimgen gerechtfertigt imd im Waffeirstill- standsvertrage nickst begründet sind, so ivlcd ohne sachlichen Grund die Industrie, besonders die Arbeiterschaft sowohl im reclstsrheini­schen Gebiet, als auch an der Saar, in Elsaß-Lothringen und auch ff: Frankreüh auss sckm>erste geschädigt. Tie Folge// einer derarti- »ien Arbeitslosigkeit in der gegen,värtigen, poli isch bewegten Zeit /// dem wirtschaftlich zusam/nrubawienden Gebiet sind nicht abzu­sehen. Tie Arbeitersck>afi Denffchlands wie aa/ch Frm/kreichs l>at das dringerrde Interesse daran, zn verhindern, dos; solche Zustäi/de eintreteir. Es 'n/uß versucht iverden. die besetzte// Gebiete !vie bisl-er mit den nötigen Materialien zu beliefern. Das gleiche muß von dort aus für die reckstsrhcirnscl-e Industrie erfolg en. Nur dann ?arat die Industrie Weiterarbeiten mrd drohende, jedes bis hefige Maß übersckwfite/che Arbfitslosigkfit verbindefi tverden. Tie ein- sfitige, nur schfinbar dem Interesse der Jüdustfie in den besetzten G^iebteten dienende Forderung der Franzosen formte deswegen von der deutschen Telegateon nickst erfüllt ./oerden. Die Vereinbarun­gen Nrüsse// a/ff viel breiterer Basis, unter Ersass/mg aller in Be- trackst kommenden wrrtsck.xr?tl/chen Fv/gen getvofsen werden. Die Franzosen liaben ivohl die ddLacht des Siegers und können vielleicht erzlvingen, daß ilire Forder/mge// der Form noch erfüllt werden, errfickst tvürde aber dm/fit nichts. Tie erwälmten wirtschafilickienj Folgen treten trotzdem r/rvvfigerlich ein. Nach meiner festen lieber^ zengnNg werden sie firr die besetzte// Gebiete imd Frankreich schneller fintreten und verlstn/gnisvoller sein, als für das rechtsrheinische Industriegebiet. Testvegen hoffe ich, daß es bald zu erneutet Ver­handlungen kommt und daß eine Verfi//barung getroffen wird, die beiden Teilen dienlich ist.

Kundgebungen in Paris.

Bern, 16. Tez. (WTB.) Paris ist in Feststimmung. Wie aus den fianzösischen Müttern hervorgeht, herrschte gestern /nrd vorgestern außergewöh/zliches iLebe/r ui/d Treiben auf den Straßen, besonders auf den Boulevards. Vielfach wurde bis in die Nrackst hrnein getanzt. Ten gleichen. .Zeitungen zufolge ist es vor­gestern doch zu fi//em Zusa/nmenstotz gefominen. Ei//e Grtrppe von Kriegsverstümmelten .hatte (sich am Nachnnttag auf den äi/ßeven Boulevards in der Nähe des Montmartre angesammelt und zu einem Umzug geordnet, der sich unter den RufenEs lebe die deutsche Republik!" in Bewegung setzte, sfi/ß-- gänger versuchten die ,Mianifestanten niederz/ffchretet imd ih//en die mitgesührten Schilder z// entrfißen. von dene// einige die Anfschfift trttgen:Es lebe Wilson,"Es lebe der Frieden." De Manifestanten versuchten zu wiederholten Malen, auf Umtvegen auch über die inneren Boulevards zn der Wohnung Wilsons M gelangen. I/r der Rue du Rhone gela//g es ihnen, die Polizfisperre zu durchbrechen, aber die republikanisck^e Garde ver- mockste vor der Wohnung Wilsons die Manifestanten znr/ickz/l- treiben: immer wieder formten sic den Zug, der schließlich gegen! Albend zum Place de la RrpMigue zog, wo die Teilnehmer Unter beit MusenEs lebe der Frieden",Nieder mit dem Krieg" und mit dem Singeit der Internationale bemon- strierten. Sie stießen hier a/ff Truppen der Polizei inti> der republikanischen Garde, die äußerst energisch nnd br//tal vor­gingen und eine große Anzahl von Verhaftungen Vornahmen, wobfi mehrere Personen verletzt wurden. Ein auSfühirlicher Be­richt imPivotzres de Lyon" wurde von der Zensur gestrickter. TieHumanite" lvschwert sich über das scharfe Vorgehen der Polizei und diedlctivn Francaise" erklärt, der Umzug sei nicht von Kfiegsverstümmelten orgm/isiert worden, sonder// von /m- sauber/t Elementen, die sich lediglich einiger Verst/m/melter bedie//t hätten, um ihr einen sozialistische/^ Charakter zu geben.

Wilsons Absichten.

Amsterdam, 15. Dez. TemAllgemoen Handelsblad" zu­folge erfährt der Londoner Korrespondei/t desManchester Guar­dian" aus sicherer Quelle, daß Wilson mit seiner Reise nach E/irvpa errfickien will, daß -ein mit seine// 14 Punkten ülxnfi/r- stimme/tder Friede geschlvsse/t wird. Mit Rücksicht auf diese Punkte hat Deutschland die Waffenstillßandsbedil/gungcn angeno/z/men. W i l s o n h ä l t R e ch n u n g m i t A m e r / k a s E h r e u n d s e i - ner eigenen Pflicht, nnd er ist gefontmen, um sein Pro­gramm, Ivemt nötig, mit ä//ßerftcm Druck auf die Alliierten durch- zusetzen.

Marschatt Haig in Lröln.

Köln , 17.Dz. Marsck-aill Haig ist hier eingetrvsfen.

Die Rückkehr -er vecreSgrnppe Mackensen.

Berlin 17.Dez. De 11. Armee hat zi/m größten Teil Deutschland erreicht, nur Reste befinden sich nock) in der O'^gend Swal/wk, östlick) Budapest.

Budapest, 16. D"z. Mvntag nachmittag ist Oteteralseld- IMrsthall v. Mackense/t in Foth im Schüffse des Grate/ üü- rolyt. dicht bei Budap/R. interniert tvorde//. Er nnzrt*' aus der Durchreise in Budapest M/gehalte,/, und es sa/td bfim Mii/ister- präsidentet ei//e Kvnfevenz statt, (ruf der dem Feldmarfchall eröffftet viurde, däß ^tigairn auf W/tufch der FvMtzv/tet ihot m/d sfiue Truppen ü/teruieven nrüsse. AtacVensen wurde dcr/a/rs zwar/gsw/üse /tacb Foth übergejührt. De /roch in Ungarn befindlickien Truppen werde// ui eütent Jnter/üerungslager westlich u»t Budapest ver­sammelt.

Aus dem UMe.

Der alte Reichstag.

Berlin, 16. Tez. (WTB.) Der Präsident des Reichs­tages Tr. Fahrenbach hat den Rfichstagsabgeordnete// //Nt- getfilt, daß nach der Berlä/rgerung des Waffenstillstands /md der Hina/cssch.ebnnq dr Boririedcnsverhondlnngen zunächst ein Bedürf­nis für den Znsamme//tfitt des Reichstags nicht besteht.

Die Wahl'en in Alccklenburg-Strelitz.

Berlin, 17. Dez. Bfi den Wählen zur La/rdes-Nationab4 versamml/tng iu Mecklenburg-Strelitz wurden an Sttm/uen abge­geben : für die Sozialdemokraten 23 591, für die Verfinigten Libe> ralen 19 002, für den Bauernbund 2540 und für die Handwerker 2223. Das Wahlergebnis bfingt also den Sozialdemokraten die, wenn auch knappe, doch absolute Mehrheit.

Mülheim a. Ruhr, 16. Tez. (WB.) De am 7. d. M. verhafteten Mülheimer Großindustriellen Thyssen, St/nnes usw. stellte// bei der Staatsanwalfichafi Duisburg Strafantrag wegen vors ätzlicher und rechtswidfiger Freiheitsberaubung. Ferner wird die Vestraf/mg des Redakte/rs C. Münster von der dort erschfinenden nnabhängige/r Zeitung,De Freihertt^, wogen schwerer Verle/tmdung und Bestrafung des zwfiten Vor­sitzenden dos A.- und S.-Rates in Mülheim wegen verleum­derischer Beleidigung verlangt.

Aus Hessen.

Hessische Volkspartei.

Friedberg, 14. Dez. Heute tagte imRatskeller" eine au§ den verschiedensten Teilen Oberhessens und Starkcnburgö zahl­reich besuck.te Versammlrrng zur Gründung einer ganz Hessen um­fasse//den Bürgerpartei. Stadtverord/teter Seminarlelirer Leucht- gens führte im Namen der Ernbernfer den Vorsitz und legte in finer Ansprache die Notwendigikfit dar, eine Parteiorganffteiv/t für Hessen ins Lebe// zn rufen, die der Sammlung aller doutsch- denlende//, auf dem Boden des Privateigontums stehonde// 5)ossen darstelle. In der Ausspoache sprachen Pros. Weber-Bad-Nanhefin, Tiretlor Mendorf-Friedberg, die Lar/dtagsabgeord/uten Dorsch- Wölfe rshfim, Brauer-Ober-Oflfiden, Dr. v. Helmvlt-Niedenvöll- stadt, Tr. Weber-Kvnrabsdorf, Rfichstagsabg/ordnet»r Dr.'Werner- Butzbach, Prof. .Gebl-ard-Friedberg, Direfoor Spieß-Ffiedbevg, Oberamtsfick/iter Fuhr-Bad-Naubte/n, Fabfikant K. Klingspvr- Offenbach, Kandidfi Schmal-FrieLcherg, die Rechs<r/walte D. Mfisel-Tarmstadt und Brücher-Bad-Nchheim. Man gründete die geplante Hessische Volkspartei, die als Landesverbcack der dentschnationalen Volkspartei beitritt. Es wurde ein vortänftger geschästssührender Ausschuß gewählt, dem die Herrn Prof. D. Werner-Butzbach, D. v. .Hetmvl t -dürdev- Wöllstadt, Seminarlehrer Leuckügens-Ffiodbery Nr Oberhesfen, Rechtsanwalt Dr. Pöfisel- Darmswdt für Starten bürg angehoren. Ter A//sschuß wird durch weitere Vertreter für Staröenburg und Rheinhessen verstärkt werden Der hessischen Volkspart fi fm±» bfigotrfien: Der hessisch Bauer/tbni/d, die deutschivolk/sch und die chfistlichfioz/ale Partei, sowie eine Rfihe ehemaliger uarwnal- liberaler und fortschrittlich^ Partfimitgiljeder.

Forderungen der Beamten^

I Darm ft ad t, 17. Dez. Die verschiedenen Verbände der Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten, die Lehrervereine und die Privatbeamtenvereine hielten gestern abe/rd fine Sitzung der Vorstände im Fürstensaale ab, unter dem Vor/'itz von Ha/rptlehrcr Lösch. Ter Anstoß znm Zusammenschluß war von Offenbach ansgega'gen. Ter Zweck des Zusammenschlusses ist die Unterstützi///g der Regierung in ihren Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Ordmmg und die Erlan­gung en/cr Vertretung der Festbesoldeten in den gesetzgebenden Körperschaften des Landes und des Reiches. Ueber bte Frage, ob eigene Bean/tenpolitik oder die Gtem/mung von Einfluß auf die politffckien Partfien das Zweckmäßigste sfi, enffpann sich eine leb­hafte Aussprach, an der sich Landgertchbsrat Müller, Abteilungs- Vorstand Schnellbäch/^ Min/sterialrcvisor Krug, Vet.-Rat Dr. Garth, Oberbahnassistent Hoftnm/n, Rechm/ngsrat Hubert, Lehr­amtsassessor Dr. Streuber, Kaufmann Toelke und Präsidei/t der OberreckMungsKammer T-r. Süffert beteiligten. Cs wurde die Auf­stellung einer figenen Bcamtenliste abgclehnt, dagege/t ein Aus­schuß gebildet, der a/t die Parteien mit der Forderung, Beamte unter ihre/t Ka/tdidaten aufznstellen, herant ?ten soll.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, den 18. Dezember 1918.

Frauenversammlung der Deutschen Bolkspartei

Am Montag abom) fand imGroßlicrzog von Hessen" fine sehr gut besuchte F r a u e // v e r s a m nt I u it g derTcutschen Volkspartei in Hessen statt, die von Herrn Kv/nmerzivnrat K l i n g s p o r gelfitet wurde. U/civeisitütsprvsessvr Tr. G m e l i n sprach iit einen/ Vortrag über die Stellung der Frau im öffentlichen Recht bis zur 0te/>ährung des Franen/oablrechts ur/d über die Notwend/gkfit, die bisher vernach­lässigte polittsch Erziclwng der Frau zu pflegen. Tann zfigte er. daß die Einsührm/g der Frm/ in das xvlitisch Leben geger/wärtrg erschwert werde durch die vielen Neugfib/dn/ige// und Umgestaltun­gen der bürgerlichn Parteien. Uebergehe//d auf die Fordern imei/i der Sozialde/nokratie, erklärte der Redner, daß die Bürgerlich/ zvmr die rcpublikM/ische Staatsform annehmen könnten, auch viele soziale Progrommtmnl'te venvirklickien wollte//, daß sie aber den sozialistisch/ Staat ableh/zten. Daher müsse die soz/aldc/nokraficke MelnÜ)fit verhindert werden. Dazu sfi Zusam/nenfassm/g aller Zßräfte des Bürgertums nötig, wenn auch //ich */// d-vn Sinn, dass die bürgerlick>cn Partei«/ ineft/ander m/fgelien sollten. Dr Rrdner gimi hieraus auf die taktisch/ und ipfii/zftnellen Gründe fin, chie Hie deutsch Partei veranlaßten, tveder h/it .den Demo­kraten //och mit der Rechten sich zu kverschmelze//. Mit der demo­kratisch/ Partei stimmt die ch/ttsch P.rrtfi i/icht nherein in der Frage der Tremr/mg von Kirch //nd Staat, prnd Mn/ ixn Rechten ffihlt sich die Partei getrennt d//rch die ausgesvrochn n/,gendfti//d- lich Richtung des Bauernbu/rdcs. Nich auf fine große Mandats- zal/l komn/t es der Deutsch/ Volkspartei an, foi/dern darauf, sich nicht selbst zn verlieren und durch inaßwlle Politik sich die Möglichkfit des Zrffan//nci/arbeite//s mit ar/deren Parteien offen z// halten. Nach Professor Gmelin sprach? Herr G^echimerat P/vi Tr. Wimmen an er ebenfalls gegen die Trennung von Kirck/e m/d Staat /rnd erläuterte die geringe ft//m/zielle T/uglmüte einer solch/ Trr//7rmrg.

Lebensmittel.

** Reis-Verteilung. Von Frfitag den 20. bis Dens- tag den 24. Dezenrl>c'r einschließlich /vird in de// Klfi//l«ndels- geschaften, bfi dene// die Vorbestett/n/g erstckgt ist, .wseu Vorloge Lebensmittelkarte und Mie/erung des Bez/vtsabsch/ilt^ '\'r 11 Reis verausgabt. A/ff jeden BezugsabschnittQttsaUe/i Zs Gramm» Vers iwn Prfifc wit 7 Pf.