Hi. 295 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) _Montag, 1b. Dezember 1918
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 16. Dezember 1918.
Aus der Wählerversammlung der demokratischen Partei
bk am Freitag abend in Gießen stattfand, tragen mir, soweit der dms zugemessene knappe Raum es zuläßt, noch einiges aus den be-- Nierkenstverlen Llusführungen des Hauptredners, d^s Land tagsab- geordneten Justizrat Grünewald, nach. Der Redner erblickt die hauptsächlichste Ursache für den Zusammenbruch der Disziplin im deutschen Heere darin, daß in einein so gewaltigen Volkshoere die aristokratische Gliederung zwisclien Mannschaften und Unteroffizieren einerseits und dem Offizierskorps andererseits aufrecht erhalten und die so entstandene Kluft nicht überürückl nxrr. Man hätte an Stelle der Ernennung ganz junger Offiziere, alle gediente Feldwebel in die Offizier stellen einrücken lassen sollen. Die Ansprüche an die Hingebung, die Ausdauer, die Genügsamkeit der Mannschaften waren überspannt, die Disziplin mußte nachteilig beeinflußt werden durch den Unters ckssed in der Verpflegung zwischen Offizieren und Mannschasten, durch das schvelgerische Leben in den Etappen, das Burschen- und Urlauber wesen, die Reklamationen und vieles andere, was die Mannschaften sahen und erfuhren und was ihre Opferwillig feit auf eine zu große Probe stellt'. Der Re ncr sjand warme Worte für die Tapferkeit des Heeres. Wohl habe der Kaiser nichts Schlechtes gewollt, aber seine dilettantische und selbstherrliche Regierungsweise mit Ludendorffs waghalsiger Kriegs'üh- rung stellten die größte Schuld dar. Beide hätten Heer und Fahne verlassen und jeden Anspruch aus Sympathie verloren. Unter keinen Umständen hätte der Kaiser außer Landes flüchten dürfen und damit die Möglichkeit heraufzubeschwören, daß er zur Schande Deutschlands ausgeliefert und vielleicht von eitlen Feinden herumgezeigt werde.
Jetzt liege jede weitere Entscheidung beim Volke. Die alte Fortschrittspartei — der Redner erinnerte an ihre hervorragendsten Vertreter: Lasker, Twesten, Foecknbeck, Sauffenberg, Virchow, Ricffter.— kämpfte schon seit den 60er Jahren für das Volk und gctzen die Auswüchse des Militarismus. Sie seMerusen, jM, nachi^m der demokratische Gedanke zur Herrschaft gelangt sei, die Führung der nicht sozialdemokratischen Wählermassen zu übernehmen. Ihre Stellung nach rechts sei durch das Prinzip begrenzt: welche von den rechtsstehenden Parteien einlrele für die republikanische^ Staatsform, genullt sei, sich jeder Reaktrm zu ividersetzen und sich ehrlich zur Demokratie bekenne, die müsse als Mimrbeiterin willkommen sein. Die Stellung der Demokratischen Partei zur Sozialdemokratie sei um so leichter zu präzisieren, als sie stets die Sozialdemokraten als gleichberechtigte Bürger anerkannt habe und leder Zurück,'etzimg derselben entschieden entgegen getreten sei. Die Sozialdemokratie habe sich nunmehr an die Stelle der gestürzten Gewalten gesetzt, sie bilde die gegenwärtige Regierung. Es gibt keinen Weg, der ans dem gegenwärtigen Wirrwarr zur Ordnung führt als den, die Regierung der gemäßigten Sozialdemokratie zu stützen und ihr zu helfen an dem Werke der Herbeiführung verfassungsmäßiger Zustände. Die Demokratische Partei gehe noch ein weiteres Stück Weges mit der Sl^ialdemokratie: Frieden, Freiheit und Brot dem «quälten Volke zu verschaffen, Befestigung und Ausbau der neuen Errungenschaften zu fördern: dem alten und neuen Mittelstand, den Arbeitern, den Staats- und Privatbeamten, den Kriegsbeschädigten, den Witwen und Waisen werden beide große Parteien Beschützer sein. Pv^uktionSmittel und -betriebe, die in der Hand eines einzelnen zu einer Ausbeutung der Gesamtheit für private Interessen turnen, seien in den Besitz des Staates oder der Gemeinden, am besten in der Form der gemischten Wirtschaft überzuleiten. Äffer es gäbe ein Gebiet, an dem sich die Wege scheiden. Tie Sozialdemo- krcüie verlange in ihren Entfielen die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die notwendig auch die Aufhebung des Privateigentums mrt sich bringen müsse. Tie Denrvkratische Partei sei überzeugt, daß dieFreiheit des wirtschaftlichen Lebens aufrechterhalten werden müsse. Aller Fortschritt, aller Schaffensdrang und alle Schaffenskrast beruhen auf dem Wettbewerb, wie im Leben des einzelnen, so in dem der Völker. Ter autonome Unternehmer handle mit Eigenverantwortung, der andere wirtschafte auf Staatskosten Ohne die Kraft des Eigeninteresses gedeihe keine Wirtschaft. Hunderttausende von Kaufmannsgehirnen, von Industriellen- und Jngenieurköpfen können nicht durch das Schema staatlicher Organisation ersetzt werden. Tie Hoffnung, vorwärts zu kommen für sich und für die Familie, die Scheu vor Unfreiheit und Verarmung lnll> die Triebkräfte, die den einzelnen nicht rasten und mcht ruhen lassen, die die Körperkrast anspannen, den Geist schärfen und die Unternehmungslust wachrufen. Ter gewerbliche Mittelstand müsse verschwinden, wenn das Prioatunternebmettum vernichtet werde, dir Entwicklung des Handwerks, des kleinen Unternehmers zum Mittelbetrieb, der Uebergang der Reisenden oder Angestellten zum Eintritt in die Firma und damit zur Selbständigkeit werde unterbunden. Tie Probe, die irrem mit dem Staatssozialismus, mit der Einrichtung der Kriegsgesellschaften unternommen habe, habe dessen Untauglichkeit erwiesen. Tausende von Verordnungen, ein Heer von Beamten, riesige Gehälter und Kosten hättQi allgemeine Kritik und Mißbilligung l>ervorgerufen Mare es aber anders, wäre der Gedanke der Staatswrrtschaff richtig, so ,er er letzt nicht anwendbar. Ter Wiederaufbau unserer Wittschaft, dre Bewältigung unserer Verbindlichkeiten bedingen unabweisbar, daß für jedes Wirtschaftsgebiet geprüft werden nruß, dre Erwerbschancen der Arbeitermassen verbessert und die Bedarfs Versorgung der Gesamtes ^..^rung erhöht werden können. Ties müsse der Leitstern für dve Pattei sem, und er sei überzeugt, daß die Sozialdemokratie sich gleicher Ernncht mcht verschließe, nicht entfernten Zielen nach- ttrebe, sondern die Blicke auf die Forderungen der Zeit richte.
Eine sozialdemokratische Mehrheit der Nationalversammlung werde verhängnisvoll auch für die Sozialdemokratte werden, denn eswerde mcht lange dauern, und die gemäßigten Elemente würden verbrannt von den radikalen. In einer so armen Zeit, wie sie uns bevorstehe, werde Unzufriedenheit genu g entstehen und diese,
Das mckrsme Mnlrukr ilcs Herrn Wchd Jsncs.
Roman von A. H. Adams.
(Nachdruck verboten.) (32
(Fortsetzung.)
Er ging nach seinem kleinen, dumpfigen Zimmer, und Äs er dre Tür aufgeschlossen hatte, kam der Dust des Gummi cwabicums und des Kampfers feiner gequälten Seele Wie Balsam vor. In seinen Träumen und in jenen langen wachen Stunden hatte er geglaubt, er würde nie- rnals wieder diesen Raum betreten. Und nun saß er wieder bei der Arbeit, als ob die Ereignisse jener verhängnisvollen Nacht nrchts weiter als ein Alpdrücken gewesen wären Und nt dem großen Bureau saß der Bankdirektor, den er frer^lhafterwerse M Boden geschlagen hatte, und sein Opfer gäv kernerler Lebenszeichen von sich. Den ganzen YRorgen wartete der Bankbeamte und zitterte, wenn jemattd an die Tur klopfte Mer kein Dontwrkeil durchsauste die Atmosphäre von Kampfer und Tabak, kein Zeichen gab der verborgene Feind von seinem Dasein.
Durch vorsichtige Nachfrage brachte Galahad heraus, daß der Direktor am Taae nach dem Ueberfall nicht ins Buwcm gekommen war und daß er am folgenden Dag einen Verband über dem linken Auge getragen hatte. Es war den Beamten halbanttlich bekanntgegeben worden, daß Herr Boach auf einer Stufe im Garten ausgeglitten sei.
adressiere sich stets an die radikalsten Elemente and wende sich «gen die herrschende Richtung. Eine nicht sozialdemokratische Mehrheit werde selbstverständlich eine Regierung gemeinsam nnt der Scyurl. bentofratie bilden, was auch umgekehrt ermattet werden müsse Ter Redner meint, wir dürften mutig in die neue Zukunft schauen, die schon jetzt einige Lichtpunkte aufweise. Tah Wilson au dem Kongreß erscheine, könne den Friedensschluß mrr rm günstigen Sinne für Deutschland beeinflussen. Die baldige Einberufung der deutschen Nationalversammlung erscheine gesichert, sie dürfe keinesfalls m Berlin tagen. Tie Vorbereitung der Wahlen und die Be teiligung an ihnen sei für die nächste Zukunft die wichtigste Aus gäbe für jeden deutschen Mann und für jede deuffche Frau. Jahr- zehMelang habe sich das deutsche Bürgertum zu vornehm gedünkt Und sei zu faul gewesen, sich Mit der Politik zu befassen, infolgedessen müsse es ffch jetzt seine Bedeutung erst wieder erringen.
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** Schärfste Er sassung der Lebensmittel. Vom Kommimalverband Gießen wird mitgeteill: Tie außerordentlich ernste Lage, die sich für dre Versorgung Deutschlands aus dem Fott- sall der besetzten Gebiete und der Verzögerung der von der Entente bzw. den Bereinigten Staaten in Aussicht gestellten Hilfeleistung erg.'ben hat, zwingt zur schärfsten Erfassung der einheimischen Produktion; nur eine restlose und rückl-altsbose Erfüllung der Ab- lieferimgsffist von seiten aller Erzeuger wird die zurzeit höchst ungünstige Ernährungslage so weit zu bessern vermögen, daß die schlimmsten Gefahren für die Bolksgssundheit und die öffentliche Ordnung abgewendet werden können. In beiden Beziehungen hängt alles an dem guter: Willen und an der kriegswirtschaftlichen Pflichttreue der Erzeuger; wenn sie in ihren Leistungen in dieser allerschwersten Zeit der nächsten Wochen versagen, droht weiten Kreisen in den Haupüvohnbezirken der Hungertyphus und die Oedemkrankheit und der Gesamtheit der Bevölkerung jene verhängnisvolle Störung des bürgerlichen Friedens, die unvermeidlich wird, wenn die vom Hunger getriebenen Stadtbewohner auf das Land dräng»m, um ihr Leben zu ffisten. Diese schweren Gefahren müssen unserem ohnehin aus tausend Wunden blutenden Volke erspart bleiben: deshalb müssen alle Erzeuger in den nächsten Wochen zum äußersten Höchlmak nnttschafflicher Leistungen hin sichtlich Erzeugmvg und Ablieferung angespannt und zur pnn lichsten und gewissensaftesen Pstichlerfüllnng angehalten werden.
** Nach welchem Wahlrecht wählen wir? Zur Aufklärung über dieses Thema veranstaltet der Verein für Frauenstimmrecht heute abend eine Frauenversammlung, m welcher das für die bevorstehenden Wahlen geltende neue Wahlgesetz besprochen und jede Frage eingehend beantwortet wird. Zugleich wird eine Uebersicht über die letzten politischen Vorgänge Anknüpfung geben zu einer gewiß regen Aüssprache. Frauen und Mädchen aller Stände sind herzlich tvillkvmmen. Tie Versammlung ffndet heute abend 8 Uhr im Großen Hörsaal der Universität statt. Alle Frauen, ohne Unterschied auf Pattei und Stand, sind zu dieser Versammlung willkommen.
** Eine öffentliche Frauenversammlung wird am Donnerstag den 19. Dezember 1918, abends 8 Uhr, im Stadttheater statt finden. Herr Tr. Hvrneffer wird auf Veranlassung der vereinigten Gießener Frauen-Bereine sprechen über „Tie Revolution und die deutsche Frau".
** Gedankenleser Bary «rffjiert ab Montag den 16. Te- zember^ffu Solmser Hof. Infolge der augenblicklichen mißlichen ^aalverhältnisse ist der Saal für die Vorstellungen eigens hergerichtet. Es ist ratsam, sich fttllizeitig mit Kutten zu versehen. Wir verwer,en auf die Anzeige irr dieser Nummer.
Starkenburg ltno Meinhessen.
I. Darmstadt, 12. Dez. Wie wir hören, wird der Truppen- übimgsplatz Griesheim von den Franzosen mit zwei Batall- lonen Infanterie und einer Schwadron belegt. Tie neutrale Zone beginnt am Tarmstädter Waldfriedhof. Den Offizieren ist das Betreten der Stadt in Zivil erlaubt.
Desscn-Nassau.
-- Frankfurt a. M., 14. Dez. Im Gebäude des General- anzergers am Roßmattt brach heute mittag ein Brand aus. uer einen Teil des Dachstuhls zerstötte. Die Feuerwehr hatte längere Zeit mit der Bekämpfung des Brandherdes zu tun
-- Frankfurt a M., 14. Dez. Für ein Volksbil- dungshaus wurde dem Magistrat von nichtgenannter Sette ern Legat über 235 000 Mark zugeeignet mtt dem Bemerken, daß dre Stiftung später eine Steigerung erfahren wird. Ferner steht nach Mitteilungen des Oberbürgenneisters Voigt für die Zukunft eine große Stiftmrg ch der Art der Jeiraer Zeißstiffung in Aus- sicht. Es besteht besttmmte Aussicht, daß das bishenge Kaufmännische Verernshaus am EscheNst-rrner Tor zu einem Volks- bildungshaus umgawaridelt wird.
Hochschulnachrichten.
a. M., 13. Dez. Die rochtswissenschastliche Fakultät der Universität Frankfurt veranstaltet für nehmer m der Zeit von Anfang Februar bis Ende April F e r i e n- ' u 1 1 e — In der ^medizinischen Fakultät hat sich der Assistent mr der Dr. Senckertbergischcm Amtomie, Dr. Günther Hert wia für dve normale Anatomie habilitiett. Seine Antrittsvorlesurm behandelt „Dre morphologischen Grundlagen der Geschlechtsb^ sttmmung". ^
über
Letzte Nachrichten.
Die neuen Waffenstillstandsoerhandlungen.
Berlin, 14. Tez. (WTB. Amtlich.) Zu den Verhandlimga, ^ ^ Verlängerung des Waffenstillstandes \vax
Marschau Fach rm Sonderzuge aus seinem Hanptguartier nach Trier gekommen, und zwar in Begleitung seines Generalstvbs- cheis Weygand und des Ersten englischen Seelords Wemyß. Tie Besprechungert fanden in demselben Eisenbahmvag en statt, jn
So war es also doch wahr! Urrd gleichzeitig mtt dem Umschwung der Gefühle, der durch seine Sicherheit er-eugt wurde, verspürte Galahad ein Erbeben, das einem Driumph- gefühle verdächtig ähnlich sah. Er, ein Bankbeamter, der entwertete Banknoten zählte, hatte es gewagt, nach dem Tyrannen auf seinem Throne einen Streich zu führen, und war unbeschädigt dewongekomtnen. Demnach waren Bankdirektoren auch nur sterbliche Wesen. Galahad hatte gewagt und gewonnen. Zwischen seinen Banknoten Haufen weidete er sich an dieser Tatsache.
Und ms er am selben Nachmittag in des Direktors Pnvatkontor gerufen wnrde, duckte er sich nicht, wie er ftch sonst immer grundlos geduckt hatte. Er füllte, daß er ein Mann sei, der mit einem andern Manne, den er besiegt hatte zu tun habe. Und wenn das Schlimmste qeschch und Herr Baach ihm mit seiner Fahrmarke gegenübertrat wurde er der Sachlage mnttg die Stirn bieten.
Aber die ersten Worte des Bankdtrektors beruhigten chm „Es tat mir leid, zu hören, Sie seiet: an Fnsluenza erkrankt, Herr Jones. Ich hoffe, es war nichts Scl-limmes^ küssen werde.
uicht, Herr Direktor," erwiderte Galahad in glückselrgkr GesckMmtzigkeit im Gefühl !>er Erleichterwm „Erna scheußliche Erkältung, die —" ö *
„Gut, lassen Sie das bttte nicht itneder Vorkommen — werden sich hoffen sich, in Znkmrsi besser vorsehen. Dre GesclMfte der Bank leiden, wie Sie wis en tatfj die Wwesenheit eines jeden Beamten, llnfer
welchem der Waffenstillstand im Wald? von. Eompiögne abgeschlossen war. Von deutscher Sette nahmen an den Besprechungen Staatssekretär Erzberger, Gesandter Graf Oberndorff, Generalmajor von Winterseldt und Kapttält Vanseww teil.
Marschall Fach eröfsnete die Verhandlungen nrtt der Bemerkung, der einzige Gegenstand der Tagesordnung sei die .Verlängerung des Waffenstillstandes. Tann ließ er durch seiner: General- stabschej eine Note übergeben, woriir Verstöße, die bei Ausführung des Waffenstillstandes von deutscher Sei.e vorgekommen sein sollen, aufgestellt waren. Staatssekretär Erzberger erklärte, er werde diese stdode, wenn möglich, noch heute schriftlich beantwottM.
Staatssekretär Erzberger gab hierauf vmn deutschen Standpunkt eine Uebersicht über die Durchführung der Waifen- sttllstandsbedittgungen. Marschall Fach erioid-rte, er sei bereit, unter gewissen Bedingungen den Waffenstiss,'la:id um einen Monat zu verlängern. Er bitte um Antwort innerhalb 24 Stunden.
Tie Darlegungen des Staatssekretärs Erzberger über die deutsche Auffassung von der Durchführung des Waffenstillstandes lauteten u. a.:
Um seine feste Absicht, zum Frieden zu kommen, noch deutlicher zu dokumentteren, hat Teirtschland beretts mit der Demobilmachung seiner Stteitkräfte begonnen. Unsere Armee ist trotz außewrdentlrcher Schwierigkeiten in dem angesetzten kurzen Zeitraum hinter den Rhein zurückgenommen wordei: und be.rndet sich aus dem Weitermarsch ostivärts. Schon im Wald von Compiögue habe ich Ihnen jedoch erklären müsssr, daß Sie etwas Unmögliches verlangen, wenn Die gleichzeitig mit der Rückführung der Armee, der Heimführung der Kriegsgefangenen und der Räumung der Gebiete bis zum Rhein die Auslieferung von 5000 Lokomiotiven und 150 000 Eisenbahnwagen beanspruche. Selbstverständlich hat sich die Regierung auf das äußerste angestrengt, um auch dieser Forderung gerecht zu werden: Während ich in der Lage bin, darzulogen, daß Deutschland alles ^tan hat. was in seinen Kräften stand, um Ihren Ferderungenj gerecht zu werden und dadurch dem Frieden schnell nahe zu kommen, muß ich zu meinem Bedauern sagen, daß Ihre Organe in den klaren Wortlaut der Waffenstill standst bedingungen Verschärfungen hineingebracht haben, Pie über das Ziel, Deutschland wehrlos zu mackxen, wett hin ausgegangen sind. Trotz des Artikels 6 des Waffenstillstands- verttages, in dem Sie uns ausdrücklich die Zusage gaben, daß in den geräumten Gebieten die Fortführung von Einwohnern untersagt sei und dem Eigentum der Einwohner kem Schaden oder Nachteil zugefügt fverde, haben in Elsaß-Lothringen Fortsührunget: und Ausweisungen stattgefunden, und es wird dem Eigeittum der Einwohner Nachteil zugefügt. Trotzdem im Attikel 26 gesagt war, die Blockade bleibt im gegen- wattigen Umfang .bestehen, ist die Msperrung Deutschland da- durch verschärft wordeit, daß der. Verkehr mit den neutralen Nachbarstaaten noch Wetter ettmeeirgt wurde, als dieses im Kriege der Fall tvar. Eine weitere Entscheümng geht dahin, das besetzte deutsclM Gebiet durch Einbeziehung in die Absperrung von dem rnchtbesetzten Deutschland zu trennen. Dieses widerspricht nicht nur dem Artikel 6, letzter Absatz, und Attikel 26 des Waffenstill^ standsabkommens. londern auch den Besprechungen im Walde von Eompißgcte. Ich gebe aber auch der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzigen Verhandlungen dazu führen werden, daß ungeschadet der Kontrolle der alliietten und asfoziietten Mächte volle Set« rehrsfreiheit zwischen dem besetzten deuffchen Gebiet und den übrigen Tellen Deutschlands gewährleistet wrd. Mtt tiefem Bedauern muß ich ferner feststellen, daß die wertvolle Zusage, die :m Walde von Comptägne durch emen Zusatz zum Attikel 26 die außerordentliche Hätte der Waffenstlllslandsbiä>rngmtgen milderte bisher nicht erngettelen ist .Dieser Zusatz.lautet: Die Müettrm und dre Vereinigten Staaten nehmen in Aussicht, während der Tauer des Waffenstillstandes Deutschland in dem als notwendig erkannten Mast mit Lebensmitteln zu versorgen. Deutschland steht in kürzester Zell vor der Erschöpfung der für dte^ Verteilung cm die Bevölkerung verfügbaren Lebensmittel. Seren 'Lre sich selbst Aar. welche Verantwortung Sie durch eine weitere Verzögerung der Lebensmtttelzuftihr auf sich laden. Ich verzichte darauf, im einzelnen auszusührcn, daß die Bedingimgen des Waffenstillstandsab^kommeus von Ihrer Seite auch durch eine für Tcuffchland ungünstige Auslegung und dtzrrch willkürliche Zusätze verschärft worden such. Es seien nur ervMtt. die schon, gestreiften Verschärfungen auf das Eisenbahrtmatertal, die For«, derung rechtskräftig veruttellte Prisen auszilliestrn. die Eingriffe in das Verkehrswesen der besetzten Gebiete und die Gefangemuchms der auf ihren Vorschlag Mrückgelassene- Kranken und Verwundeten. Deutschland hat auch das auf sich gnwmmen, well es zum Frieden kommen will.
Meine Herren! Wtt stehen vor der Verlängerung des Waffenstillstandes, der hvffenllich recht bald zu einem dauernden Rechtsffieden führt, um den hatt geprüften Völkern die Ruhe und damit die Möglichkeit der Gesundung zu bringen. Bis zum Frieden bleibt aber noch eine Uebergangszett. Ich sprech: heute den Wunsch aus, daß in dieser Uebergangszett der Tatsache Rechnung getragen wird, daß das deutsche Volk mit seinen 64 Mll^ lwnen Köpfen sich durch die AusMhrung der Wafstwstlllstmtds^ bedingungen vollkommen in Ihre Hände gegeben hat. Lassen Sie dre Frauen und Kinder nicht lange hungern. Wtt wissen daß Sie in der Lage sind zu helfen, wenn Säe wollen. Erklären Sie :ch nunmehr muh bereit, daß die in Ihrer Hand beffMichen Krregsgesangenen im Interesse der Menschlichkett baldigst chren Famllien zurückgegeben werden.
Herren! Wir nähern uns dem Weihnachtsfeste, dem Feste des Frtedens. Die jetzige nach der tiefgreifenden Umwälzung geblldete Ätsche Regierung hat wiederholt sett der Unterzeichn nung des Waffenstillstandes um sofortige Aufnahme der Verhandlungen über einen Präliminarfrieden ersucht, ohne eine Anttvvtt von den Miietten zu erhalten. Ich stelle heute im Aufträge dreier Regierung erneut dies Verlangen Md bitte um . Ort= imb Zeitbestimmintg. Möge der versölMende Geist
des Wethnluhtsfestes unsere Arbeiten letten, so daß wtt schnell zum Zrele kommen: Fttede auf Erden!
Mntenstckb ist nicht überreichlich. M-er ich gebe z-u, daß Krcntkheiten nicht verhindert werde,: köntte::. Ich habe da! znm Beispiel selber eine dumme Geschichte gehabt; Ich glitt auf einer Stufe in meinem Garten aus und mußte den gartzen Tag im Bett lieget:. ^Nein Mge — sehen Sie^
Galahad schaute vorsichtig hin. Das Auge war noch von einem leichten gelblichen Schimmer umrandet. Seim- Seele jauchzte.
„Es wird schon wieder gehe::," sagte Herr Beach trocken, ent wenig ärgerlich darüber, daß er sein zitronenfarbetteSI Auge tns Gespräch gebracht hatte.
So war denn alles in Ordnung. Galahad war glück- lrch davongekommen. In seinen: dunrpfigen kleinen Zimmer angelangt, sturzche er sich wie wahnsinnig auf die Rück- stände semerArbert. Er war davongekommen. Er wollte sich in acht nchmen ;e wieder zu sündigen! Feierlich tat er etn stumm^ Gelübde daß Sibyl und Horace und gl^inie^ umrankte Lattten :hn nie wieder sehen sollten.
Als er an diesem Mend nach Hmrse kam, war feint erstes Mtrt zu Em, daß alles in Ordnung sei. Das nächst was er dann bat, war, daß er sie küßte. Und wett sie möa- llcherwerse dachtt, daß die Neuigkeit den Kuß entsclmldiaä. schren chn Em :m großen und ganzen nicht übelzunehmem ^ber.^b ^lchbe rn der nächsten Mrnute den Kt:ß zerstreut mrt rhrer Schurze und kehrte zu ihrer Kocharbeit zurück.
m . xl - Nemesis schlummerte nur, und am nächsten NachmUta^ erwachte sre — noch dazu in schleckster Laune (Fortsetzung folgt.)


