Kr. 295
Der ftiegfKcr Anzeiger erscheint tätlich, außer ConntagS. - Beilagen: GiebencrZanrilftnblLtter; Nrrisdtatt
für de« Kreis Gießen. Bezugspreis:
monatl. Rck.1.35, vierteljährlich Mk. 4.05 durch Abhole- u. Zweigstellen rv.onatl. Mk. 1.25: durch die Post Mk. 4.05 viertel- "jährl. auäschl. Bestelle,. Fernsprech - Anschlüsse: iürdleSchristleitunq112 Verlag, Geschästsstelle51 Anschriit für Drahtnachrichten: Lttzeiger Gießen.
Erstes vlatt W. Jahrgang
Montag, jh. Dezember M8
Postscheckkonto: Frankfurt a.M. 11686
Hetzer
vankverkrhr: Sewerbebank Gießen
Zwillingsrunddruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchulstr. 7.
Annahme von Anzeige»
f. die TageSnuminer dis zum Nachmittag vorher ohnejedeBerbiiidlichkeit Leilenprelse: für örtliche 'Anzeigen 25 Pf., sür auswärtig« 30 Pf., für Reklamen M.I.- nebst 20°/oTeue- rungszus dlag.Platzvor- schrist 20 % Anischlag. Hauptschri'tleiter: Aug. Goetz. Berantivortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übriqenTeil: Df Reinhold Zenz; für den Anzeigenteü: H. Beck; säintllch in Gießen.
Die Aussichten des Friedens.
Wilson ist in Paris angenommen, und er hat die lebhaften Ergüsse Poinearos, womit dieser ihn bei einem festlichen Frühstück begrüßte, wortreich, aber in vorsichtiger Weise i§:d nicht leicht erkennbarer Absicht beantwortet. Die Franzosen mögen denken, daß der Präsident in den ihn: zum Trinkspruch Vorgesetzten Wein einen reichlichen Guß Wassers hinzugesetzt habe. Wir Deutsche können Wilsons Worte so deuten, daß er noch jetzt die Absicht hat. keinen Frieden der Rache, sondern der Gerechtigkeit zu schließen. Wir hoffen darum, daß er die in englischen und französischen Blättern geforderten Kriegsziele, die ganz offen eine Rachepolitik verfolgen, ebenfalls stark verdünnen werde. Im übrigen müssen wir abwarten und dürfen uns keinen hocWspannten.Hoffnungen auf Wilsons Gerechtigkeit hingeben. Denn er hat bisher nicht den Willen, oder vielleicht auch nicht die Macht besessen, die Eigenmächtigkeiten der Westmächte bei der Erfüllung und Verlängerung des Waffenstillstandes einzuschränken. Was insbesondere die Besetzung eines weiteren Teiles der neutralen Zone nördlich von Köln bedeuten soll, die,, wenn sie ausgeführt wird, vom Oberkommando der Alliierten sechs Tage vorher angezeigt werden soll,', bleibt schleierhaft. Der Staatssekretär Erzbcrger hat (siche Letzte Nachrichten) dem Marschall Foch denn auch mit vollem Rechte erklärt, daß seine Organe in den klaren Wortlauts der Waffenstillstandsbeding ungen Verschärfungen hineingebracht haben/ die über das Ziel, Deutschland wehr- ü)s zu machen/ weit hinausgegangen sind. Er führte dabei auch die skandalöse Fortführung von Einwohnern zu Zwangsarbeiten an. Präsident Wilson mag sich von den Herren Franzosen nicht nur künstlich zurechtgemachte Zer- störungsbitder zeigen lassen, sondern er möge auch einmal Einblick nehmen in die „Attentate", die besonders von Frankreich heute noch gegen olles, was deutsch ist, beliebt werden. Wenn anders er wirklich wünscht,Idaß die Rache künftig aus dem Verkehr der Völker untereinander verschwinden soll.
Vllson in Europa.
London. 13. Tez. (W. B.) Ter Danwfer „George Washington" ist heute mittag um 12 Uhr 7 Minuten in Brest eingetroffen.
Genf. 14. T^. (WB.) Wie Havas meldet, fand der Einzug des Präsidenten Wilsvnin Paris irnter der grüßtenDegciste- rrniQ der Bevölkerung statt. Tie Stadt war beflaggt. Die meisten Gesämite und Werkstätten hatten geschlossen. Am Bahnhof wurde Wilson von Poincare und Clemencean begrüßt und unter Hochrufen der die Straßen fülleitbcn Menschenmenge in den Palast des Prirrzen M n r a t geleitet. \m Wilson Wohnung nimmt. Vor denr Palast wiederholten sich die Huldigungen für Wilson. Mich Pvincare und Clenienceau wurden bei der Mfahrt lebhaft begrüßt.
Trinkfprüche in Paris.
Genf, 15. Tez. Präsident Wilson ist gestern vormittag Um 10 Uhr in Paris eirrgetroffen. Während des ganzer: Tages bereitete ihm die Pariser BevölSerung in Massen die lebhaftesten Kundgebungen. Arn Mtttag gab Präsidntt P v i n c a r 6 ein Frühstück zu El/ran Wilsons, wobei die ersten TrinLsprüchc ausgetauscht wurden. P o i n c a r e dankte dem Präsidenten in seiner Ansprache für die Hilfe Amerikas und gab der Freicke des französischen Volkes Ausdruck, ihn als Gast begrüßen zu können. Er ^erwähnte sodann. mit welcher Hingabe die amerikanischen Tvuppen nach Frankreich gekommen sind, Ufte die Kreuzfak/rer, die nach Jerusalem zogen. Er fügte dann hinzu, daß die ameri- Haniscl-en Soldaten in diesem Augenblick aber noch nicht wüßten, welchem gewaltiger: Attentat Franikreichj von seiten der Feiicke ausgesetzt gewesen sei. Sie hätten sich erst im Laufe des Krieges selbst davon überzeugt. Tie französische Regierurrg, so fälfrt Poin- oare fort, wird auch Ihnen, Herr Präsident, echte, unzweifelhafte Dokumente vorlegen, worin der deutsche Generalstab mit einein unglaublichen Zynismus sein Programm der Plünderung und Zerstörung cmsrffmndevgefetzt hat. Ihr edles Gewissen wird sich ülrer diese Grävaltakten ausspreck-en. Wenn sie ungestraft bleiben imb sich erneriern könnten, so würde:: die schönsten Siege umsonst gewesen sein. Tie Trauer um das, was gestern geschehen ist, verladt, daß der Friede eine.Vergeltung bringt. Um die Gefahr für die Zükmfft unmöglich zu machen, ist es notwendig, daß der Friede eine Gewähr dafür bringt, daß es möglich ist, die künftigen Geschlechter gegen der: Wiederbeginn eines derartigen Kol- le'ktivwahnsinns zu schützen. Wir müssen in den 'Friede::, den wir schließen, alle Bedingungen der Gerechtigkeit und alle Sicherungen der Dauer hineinbri'.pgen, die:nöglich sind.
Präsident Mi Hon ifcxmfte in seiner Antwort für den Empfang, den er in Frankreich gefunden habe, lehnt jedoch alle persönlichen! lKomplimente für sich, ab. Ec habe nur getan, was er konnte, um die Gedanken des amerikanischen Volkes auszuführen. Vom ersten Augenblick an chabe das Volk der Vereinigte:: Staaten verstanden, daß es nicht ,genüge, den Krieg zu gewinnen, smckern daß er derartig genwnnen werden Müsse, daß die durch den Krieg aufgeworfenen Fragen endgültig gelöst werde::, so daß der Friede der Welt gesickert und die Grundlage gelegt lverde für die Freiheit und das .Glück zahlreicher Völker auf der Erde. Ich bin, so fuhr Wilson fort, überzeugt von der Notivendigkeit, in die endgül- ttge Regelung der Friedensprobleme Bestimmungen einzureihen, die nicht nur ähnliche Akte des Schreckens :md tes Mubes verurtellen, sondern Allen und an alle:: Orte:: begreiflich inachen, das; nickt ohne die Gelvißheit einer gerechten Strafe derartige Unternehmungen wagen .darf. >Dcr Präsident erklärte zum Schluß seine große Freude, in Frankreich zn fein, dessen Scksicksal für das Volk der Vereinigten Staaten stets ein Gegenstand der Fürsorge gclveser: sei. Er freue sich auch, Mit den Staatsmännern Frankreich und de:: übri^: Bundesgenosse:: ^nfammenzu arbeiten und Maßregeln vvrznbeveiten, aus denen eine auf freurckschaftliches gemeinsames >Zufammenarbeitcn der Völker gegründete dauernde Freiheit hervorgehe:: werde.
Im LaM deS Nachmittags empfing Wilson eine Abordnung der sozialistischen Partei und des allgemeine:: Ge:verkschfftsaus- schnsses. bestehend aivs 25 namhaften Sozialisten, unter Führung des Abgeordneten Renaudel, der dem Präsideirte:: die bereits angekünbigte Adresse überreichte. Präsideitt Wilson erNärte in seiner Antwort: Der Krieg, de:: wir Überstunden haben, hat das Unlieil gezeigt, das eine willkürliche lrnb unvermttioortliche Rc-
K ng vollbringen kann. Es ist nicht möglich, das Glück irnd ergeh«: der Böller zu sichern oder eöreu dauerhaften Frieden
anfzustellen, wenn die Wiederholung eines derarttgen Unheils nicht unmöglich gemacht werden kann. Der Krieg ist in:ttrm>mmen worden von Völler:: .die vom Militarismus durchtränkt >varen, und es ist notwendig, daß alle Feinde der Freiheit in die Unmöglich- keit versetzt werden, in Zukunft ihren grausamer: Wüten der Menschheit criffzuzwingen. 2lber ein Prinzip genügt nickt. Es ist uotlvendig, daß es durch die Zusammenarbeit der Völker unterstützt witt>, deren wirksame Tachffeil drrrch das Mittel des Bundes der Nationen unterstützt wird. I»h Ibin überzeugt, das; auch diejenigen, die Ihr großes Volk regiere::, diese Auffassung teilen, u:ü) ich '5m glücklich, betonen zu können, daß ich mit Ihne:: znsammen- crrbeiten darf, um die notwendige: Garantien für eine:: dauernden, gerechten und billigen Frieden aufzustellen, der die Opfer des Krieges rechtfertigen lmrd, damit die Menschheit in Zukunft ihr Opster als das letzte tragische Mittel ihrer Emanzipation an- sehen wird.
Zur Wgssenslittsiandsverlirngerung.
Berlin. 13. Tez. Tie heutige Besprechung mit der interalliierten SckiffahrtsImmission hatte .unter mrderem folgendes Ergebnis: Grundsätzlich zugelassen ist der Verkehr von rechtsrheinischen nach rcchtsrhettrischen, u:ü> linksrheinisch«: Stationen und von linksrheinischen ümch linksrhe::::- schen Stationen, desgleichen der Verkehr vom Ausland nach sämtlichen 9U>einplätzen, der durch Konttvllposten in Enmerich und Basel beaufsichtigt wird. Untersagt ist der Güterverkehr von links- rhcinische:: nach rechtsrheinischen Stationen. Sofortige Freigabe aller fcstgehaltenen Kohlenschliffe .ist veranlaßt worden.
Foch und die A.- und S.-Näte.
Berlin, 14. Tez. (WB.) Wie die „Politisch-Parlamentarische'.: Nachrichte::" mitteilen, ftagte der A.- inrd S.-Rat 5ßreuznach in Trier an, ob für die besetzte:: Gebiete ungehi'iderte Ausreise- und Verkehrsmöglichkeiten der Delegierten zur Berliner Tagung der A.- und S.-Näte am 16. Tezenrber getvährleishef wird. Auf diese Anfrage erteilte Fock'durch die deutsch« Waffeustillstands- lommission die lakonische Anttvort: Die Alliiertenerkennen die A.- und S.-Räte nicht an.
Tre Polizei in der ueutraken Zone.
Berlin. 13. Tez. (WB.) Die deutsche WaffenstillstaudS- Kommission teüt mit: Marschall Foch hat fdlgande Aiwrdnungcn über die Pol izeiorganisa t: o n in der neutralen Zone Tei:tschla:ids getroffen: Zur Auftcckfterhütung der Ord- :rung dürfen ^deutsche Trippen, die grurcksatzlick), Potizeitruppan sind, in der neirttalen Zone unttwhalten werden. Tas alliierte Oberkommando behält sich das Recht vor, die Gesamtzahl dieser Truppe:: zu begrenzen und zu Kontrollieren. Tenmxch muß die Ordnung :Wrmalcn::«ise durch die Ortsgendarmerie, ausimhms- weise durch Sick^erheitsgarrrisone:: in besonders wichtigen Orten ausreckstett-alten werden. Tie P^lfteitruppen u::dersbel«n den Zivilbehönden, die für ihre Verlvendnng verantniortlich sind. Im Falle von Unruhen dürfen die deutschen Behörden Vorschläge zur Derstärftmg dieser Garnisonen dem Oberkonnnando der Alliierten einreichen. Als Verstärkungei: darf Kavallene. im stivtsalle Jnfantene dienen.
Die 2rrmce Mackensen.
Budapest, 14. Tez. (WTB.) „Az Est" meldet aus Groß- Wardein: Das hier befftckliche Oberkommando der Arniee Mackm- sen erhielt die Meldung, daß am 7. Dezember mehrere Tausend marschunfähige Main: der deutsckien Ar:nee von rumänischen Truppen enttoaffnet und interniert wurden. Hcn:ptn:ann Michaelis, ein Neffe des gewesene:: Reichskanzlers, ecUärte dem Berichterstatter des Blattes, daß Mackensen Heim rumänischen Ober- kommcnrdo in Bukarest protestierte. Tas deutsche Konsulat in Kronstatst richtete cn: Mackensen folgeickes Telegramm über den Dorf ll: Dcr Abmarsch der ans 2200 Mcrnn u:id 120 Oßizieren bestehenden dtachhut der Armee Mackensen wirrde von den hier eingetroffenen rmnänischei: Truppen verhirü-ert. Tie deutschen Truppen wurden interniert imb werden zum Teil sehr schlecht be- handelt. Tas Kmrsulat ve:'bleibt einstweilen hier.
Berlin, 14. Tez. (WTB.) Wie die „B. Z." meldet, sind von der Armeegruppe Mackensen bis jetzt bereits große Teile in der Heimat eingetrosfen. Es si::d angelangt: die gesamte 11. Arnree, Telle der 2:8. und 226. Jnfanterie-Tivision. sowie seinerzeit ansd der Ukraine nach Rumänien entsandte Teile der 7. Landwehrdivision und Delle der 16. Infanteriedivision.
Lima» von Sanders Truppen in Konftanttnopel.
Berlin, 14. Tez. Die stnter dem Kommando des Generals Lim an von Sande rs stehende:: deutschen Triipi'en in Syrien und Armenien, in Stärke von rund 10 000 Manu, sind in Konst a n 1: n o p e l eingetroffen.
Die Vorgeschichte der Abdankung des Kaisers.
Berlin, 15. Tez. (WB.) Ein Bericht des 6Rlvährsmani:cs des „streuen politische:: Tagesdienstes", der bis zum 9. NEncker in persönlick-er Beziehung zum Kaiser stund, schildert die Vorgänge bei der Abdankung des Kaisers im Großen Hauptquartier. Tie Lluffassmrg des Kaisers über den Thronverzickst kam am 6. November folgendermaßei: zum Msdruck: „Ich denke nicht daran, abzickanke::. Von jedem Offizier verlange ich, das; er treu auf seinem Posten aushält. Als oberster Kriegsherr nruß ich treu aushalt«:, weil ich dadurch :rur meinem Volke dienen kann ; denn ich sehe den krassesten BolsckMvismus über Teittschland Hereinbrechen, wenn ich gehe, und da muß eine starke 5>n:d sein, um Deutschland vor einen: Chaos zn retten. Darum bleibe ich. Auch arbeite ich gerne mit dcr neuen Negierung. Melirere Herren, mit denen ich gesprochen habe, sind mir in chrer Mitarbeit sehr- sympathisch."
Tas Urteil dcr Stabsoffizier-e der Arinee, das Hindenbnrg am 9. Noveinber- dem Kaffer überbrachte, lautet einstimmig: „Ge^n den Feind sind die Truppen sicher. Gegen die Kameraden wird Uwhl niemand kämpfen." stüff telephonisches Drängen wurde als Antwort nach Berlin gegeben, der Kaiser danke ab, als Kaiser von Deutschland, nicht aber als König von P r e u ß e n. Tavauf Kam die telephonische Nachricht zurück: Es ist zu spät. Wir lmbn: die Abdankung bereits veröffentlicht, stlüends legten die Herren der näheren Umgebimg dem Kaiser :mhe, nach Holland zri gehe::, aber der Kaffer Lvvllte nicht. Erst abends 10 Uhr entschloß er fidji auf das Trängm Hintzes zu dem folgenschlveren Schritt.
Ms ausschlaggebend für die Enffck^eidimg des Kaisers Verden folgende Ettvägnngen mitgeteilt: „Die Entente betont iinnrer Ivieder, mit dem Kaiser keinen Frieden schließen zu wollen. Um also dem Volke da: Frieda: zu erteichteri:, gehe ich nach .Holland. Würde ich nach Deutschland gehen, so läge die Annahme nahe, ich suche eine neue Partei, um mit deren Hilfe einen Prctsch zu mtter- nelyne,:." Ter Kaiser hatte die Enipsffchinrg. daß die Armee ihn verlassen habe, und fühlte sick) frei von der Verpflichtung, für sein Reick) polüische Mtschadungcn zu treffen, da die Regierung aus
eigener Machtvollkonimenheit die Abdankimg veröffentlicht Hab«. Un: 5 Uhr morgens fa:id die Abfal)r1 nach Holland statt.
Ter deutsche Kronprinz.
B e r l i n, 15. Dez. Der „Deutsche:: Zeitung" wird von unterrichteter Seite mitgeteitt, daß der deutsche Kronprinz nach Aus- br::ch der Revolution beim S o l d a t e:: r a t nacheinanbr versucht habe, als Heerführer bei der Armee blnben zu dürfen, ihm die seinen: Alter entsprechende Stellua:g in der Armee zu belassen und schließlich als gemeiner Soldat bei der Truppe zu bleiben. Als alle diese Forderungen abgelehnt:vurden, habe^er gebeten, sich dmin als Zivilist zn seiner Fanrilie begeben zu dürfen. Ev!t^als- auch 'das abgelehnt wurde, habe er sich zur Flucht entschloisen.
*
Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Polen.
Warschau, 15. Dez. (WTB.)„Drahttmchr. Tie polnische Negierung hat die diplomatischen Beziehungen m: i Deutschland abgebrochen und den deuffchen Geiandlen aufgefordert, das Lmch zu verlassen.
Abdanknna des Hetmans der Ukraine.
Kiew, 15. Tez. (WTB.) Trahtmeld. Kiew ist am SamStag nachmittag von Truppe:: des Direktoriums besetzt worden. Der Heim an n dankte ab. Sein Kabinett ist zurückgetreten.
Der Präsident von Portugal ermordet.
Lissabon, 15. Tez. (WTB. Drahtn.) Reutermeldung. Der Pr äsident der Republik ist ermordet morde::.
Die Vergrößerung der arncrikanischen Flotte.
Washington, 14. D?z. (WTB0 Drahtlos. Kontreadmiral Badger verlangt in der Wehrkommission des Repcäseniante::- l)anses eine solche A::sbreitung der amerikanischen Flotte, daß sie im Jahre 1925 der größten Flotte der Weld gleichkomme.
Aus dem »eiche.
Freiwillige sozialdemolratische VoltSwchr.
Berlin, 14. Dez. Vom Rat der Volksbeauftragten :st sol- lgender Gesetzentwurf zur .Bildung ev:er freiwilligen) Volkswehr beschlossen lvorden:
1. Zur stLufrechterhaltung ,der öffenllichen Ordnung und Sicherheit ist eine freiwillige Volkswehr zu bilden. 2. Die Bollnvachten zur Aufstellung der Abteilungen dieser Bolkswehr ei'teilt ausschließlich der Rat der Volksbeauftragten, der auch Zahl und Stärke der stlbteilungen fesffetzt. 3. Die Bolkswehr untersteht ausschließlich dem Ra: der VolksbelUlftragten. Sie verpflichtet sick der sozialdemokratischen Republik durch Handsckstgg 4. In >der lVolkswehv Iverden nur Freiwlllige auf- genomn^en. Sie wird außerh-alb des Rahmens des Heeres stehen. Gcrichtlick)e ruck Tiszip!inarve:'l)atti:isse werde:: noch geregelt. 5. Tie FreiNTÜligen wählen ihre Führer selbst und zwar etwa 100 Fveiwlllige (Hundertschaft), einen Führer und drei Zugführer. Mehrere Hundertschaften bilden eine Ahtellrmg und wählen den Abteilungsführer und einen Stab. Jhm^ steht ein Vertrauensrat von fünf Freiwillige:: .beratend zur Seite. 6. Jeder Freiwillige ist im Dienst zun: Gehorsam gegenüber seinem selbst gewählten Führer verpflichtet. 7. Für die Ämmhme der Freiwilligen ist Vorbedingung: n) In der Regel Zurücklegung des 24. Lebensjahres, b) körperliche Rüstigkeit, e) längerer einwandfreier Frontdienst. 8. Tie Freiwilligen haben zunächst eine Probezeit von 21 -vagen zu leisten: wird ihre Eignung festgestellt, so sind sie zrrnächst aus 6 Monate zn verpflichten. Tic Verpflichtung kann nach Ablauf ^dieser Zeit von drei zu drei Monaten verlängert werden. Frühere Lösung des TienstverMtnisses ist bei sckyverer Verletzung der durch dasselbe begründeten Pflichte:: zulässig. Sie erfolgt durch den Abteilungsführer «ntcr ?0Nitwirkm:g des Vertraumsratcs. 9. Tie Freiwilligen sind wie' Ncannfckaften des Soldatenstcnckcs zu bekleiden, auszurüsten, zu bewaffnen und unterzubringen. Wegen besonderer Bekleidung und Mzeichtzn bleibt Bestimmung Vorbehalten. Gebiitrnisse nv.d Versorguugsgnsprüche bleiben bestehen. 10. Tas preußische Kriegsministerimn hat nnt Zusttmnmng des Rates der Volksbeauftragten die erforderlichen Ausführungs- besftmmungen zu erlassen.
Die Frage der Einberufung des Reichstags.
Berlin, 14. Tez. (VZTBO Der Präsident des Reichstages Tr. Fehrenbach richtete an die Reichsleitung folgcudtsSchreiben: „Gegenüber der dortigen Erklärung auf meine Berufung des Reichstags und im Zusammmhang nnt PresseänßenmgQv habe ich nur das Bedürfnis, folgnckes festzustellen: 1. Es ist falsch, von der Msicht «mtcr Gegenrevolution zu sprechen, die ich der Rftgi^erung machen wolle. Es ha:chelt sich für mich nur um die Schafftmg von Voraussetzungen für den baldigsten Abschluß des Vorfriedens. .Herr Ebert ist über meine Msichten und die Ueber-einsttminung der Parteiführer mit diesen vm: mir loyal unterrichtet worden. 2. Tne Voraussetzung meiner tatsächliche: Berufung des Reichstags durch die 3R'stimmung von Ort und Zeit fft die zweifelsfreie Feststellung der Tatsach, das; die jetzigen Gemalte:: in Deutschland von unseren Feiicken nicht anerkannt! Herbert. Diesen Zeitpunkt, der nach Zeitnngsnachrichten vom Tage zuvor unmittelbar bevorstchcn sollte, wollte ich aus der einleuchtenden EriväMmg heraus nicht abwarten, ich durfte es auch nicht angesiclfts der ungezähtte:: Zuschriften und Telegramme, welch die Berufung des Reichstags ;orderten nick nauientlich mdgeftchts des Noffchreis von Köln mck Koblenz. Die Auimhme, daß die Eitente erst durch mich auf deu Gedanke:: Kommen kü:ntte, es fehle an einer verhmcklirngsfähigen Regi-'nmg. ist durch die vora:isgega:u;:mei: Erör erungea in der flindlichn Presse widerlegt. 3. Die Folgen meiner Pflichterfüllung veran'ueorte ich nnt ruhigen: Gnvissen. Ich warte das pflichtinäsjige Handeln dcr Mgwnmg ab, wen,: sich die Voraussetzung meiner Kundgebung erfüllt."
Die Reichsvrrsaimnlu'.tg der Arbeiter- und Soldlltcnräte.
Berlin, 14. Tez. (WTB.) Tic R e i ch s v e r s a m m l u n g der Arbeiter-undSaldalenräte wird am 16. Dezember 1918 um 10 Uhr früh im ehnnaligen Preußischen ?lpgcordnrtc:i- Haus eröffnet.
Eine 'Feststcllurng der preußischen Regiernng.
. , , 15. Dez. (WTB. AintliÄ) Zeilmtgsnackrichtru u-
folge soll das M:tgl:ed des Kalünttts, H? r AoolpI' H o s > me n « m einer öffentlich:: Versammlung am Somnag graaßert \xi\ku: Wenn die Wahlen zn der Natimm!Versammlung niän eine 'r;iatt- sttsch Melwheit ergebe::, würde die kcnfftttuiereicke Natwna!Versammlung ebenso vne in sttußlaick mit Waffengewalt aickeinander- getnehcn werden. Tie preußische Regierung :st üffol«


