Ar. 291
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General-Anzeiger für Oberhesfen
ZwIIlinarrM-druck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Such- u. Stein-rnckerei R. Lange. Zchristleitung, Seschäftrstelle u. Druckerei- Schulslr. 7.
Erster Blatt
168. Jahrgang
Mittwoch. 11.
Dezember 1918
Annahme von Anzeige«
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Bekanntmachung
Seit einigen Tagen werden in der Stadt Gerüchte verbreibet, der Arbeiter- und Soldatenrat sei durch das Grenadier-Rgt. 89 abgesetzt, die Bahnhosslvoche, die bisher durch Mannschaften des Ersatz^Batlö. ll»i gesollt wurde, seilgeivaltsam durch das 'Grenadier- Siegt. 89 abgelöst iwrten, das Grenadver-Regt. 89 wolle das aZte Regime in Gießen wieder einfühoen usw. Mle diese Gerüchte sind völlig .haltlos, sie ,verden von gewissenloseir Leuten verbreitet. Dem gegenüber lvird erklärt:
Tie MaWaÄne der Verlegung des Greiurdier-Regts. 59 nach Gießen ijt vom A.-O.-K. 1 ans rein militärischen (Gesichtspunkten erwogen lind ungeordnet. > Sie ist nicht in bezug auf die besonderen Verhältnisse in Gießen besohlen. Tie gleiche Maßnahme ist in allen Orlen, in denen sich 2lusÄrnfts stellen befinden, du rchg: führt, so z. B. in Neuwied, Andernach, Westerburg. Riarburg, Hersfeld nsw. Ter Zweck der Berlvgnmg des Greimdicr-Regts. 89 nach Gießen ist, für lene umfangreichen. sssinrickstunge,: der.AuÄlunftssbelbni Mine Zirm Schub wichtiger militärischer Objekte die benötigte Anzahl von Offizieren und Mannschaften zur Verfügung zu erhalten. T-ie Ablösung der vom Ersatz-Batl. 116 gestellten Bahnhssswache durch das Grenadier-Regt. 89, wie überhaupt alte in Wehem im Auftrag? des A.-O.-K. 1 von der hierzu eingesetzten militärischen Tiensmelle, der Nehenanskunfts-Gruppe Gißnr. geschlossenen Einrichtungen des AuskunftÄyeserls und des militärischen Sicherheitsdienstes sind im Einvernel>men mit dem Arbeiter- und Sol baten rat Gießen durchgeführt tvorten.
Tie Autorität des A.- uird .S.-Rates Gieße,: ist in keiner Ws'ise angetastet, vielmehr ist der A.- und S.-Rat in jeder Beiz te'hung als das von der Reich?regierung bis zur Einberufung der Nalionalversammllmg zur Ausübung der Vollzugsgewalt eingesetzte Organ airerkannt uich berücksichtigt tvvrdcm.
Es wird enoartet, daß die Ruhe und Ordnung in der Stadt weiterhin weht durch Elenrente gestört wird, die die Verbreitung oben angeführter im wahrer irreführender Gerüche aus irgenh welchen mrveinen Motiven betreiben. 95821)
Gegen solche Leute wird rücksichitslos voagegwigen.
Urbeiter- u. Soldatenrat. Nebenausllmftsgr:rppe 1. Armee Gießen, g-z. Schindelmeier. I. A.: gez. Trüber.
Kiel. Haichtmann und Generalslabsofftzier.
vier deutsche Republiken?
Die „KÄn, BolksM." predigt mit entern <m Begeisterung greirzenden Eifer den Gedanken des Wiefreremslxrues Deutsch- vunds durch vier deutsche Repudliken. Aus einem Karten dito, das sie an der Spitze des Blattes bringt, ergibt sich folgende Zusammenstellung: 1. Rheinisch-Westfälische Republik (die Länder tfnt Rhein): Rheinprovinz, Westfalen, Hessen-Nassau, Grvßherzogtum 5)essen, Baden, Rheinpsalz.
2. Donauländer-Rcpublik: Württemberg, Bayern, Deutsch-Oesterreich (Tirol bis Bozen, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Ober- und Niederösterreich, Deutschböhmen).
3. Nordostsee-Republik: Oldenburg, Hannover,
Hansastädte, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Pommern, Westpreußen, Ostpreußen. 4. Mitteldeutsche Republik: Alle übrigen mitteldeutschen Bmchesstaaten, Königreich Sachsen, die Provinzen Sachsen, Brandenburg, .Schlesien, Posen.
Das Zentrumsblatt freut sich, daß es so wohl gelungen isr, das Interessengebiet -in Westen für den Gedanken s'est- Hulsgen und meint, es sei „höchste Zeit, daß nun der Süden, Norden und Mitteldeutschland folgen". Wer gibt aher der „Köln. Volksztg." ein Recht, die Sache so darznstellen, als sei das Zentrum in der Rheinisch-Westfälischen Republik schon endgültig- Trninps? Wir glauben zu wissen, daß Heissen noch nicht gefragt worden ist, und unser Land wird s.>oich tvohl sein Selbstbestimmung srechtt behalten dürfen. Es liegt in dem Eifer dieser Neuordner Deutschlands doch auch ein gutes Stück Gewissenlosigkeit. Sie stellen einen Plan Mts und fordern, das gesamte Deutschiland solle sich danach richten. Solange die Mehrzahl der Einzelftaaten Uoch keine Gelegenheit gehabt hat, zu solchem Vorschlag Stellung zu nehane-n, ist die Kölner Gründung eine Quertreiberei, die freit Reichsgedanken und die Einheit des Reiches schädigt. Die „Köln. VolksM." ist auch in ihrer Avgrüitdung ihres Vorgehens nickst von Skrupeln geplagt. So AB. wem: sie schreibt:
„Mit den: jetzigen revolutionären Deutschland schließt der Verband fernen Frichen. Darüber ist rächt nwhr der mindeste Zweifel möglich. Die Bildung einer einzigen großen teutsck-rn Republik, di' mit Teutsch-Oesrerreich neunzig, Millionen Menschen umfassen würde, wird der Verband nicht Anlassen. Ein Gebilde von solchem Umfang flößt , ihm Sorge ein. Aber mit eiivem neu aufgebauten., aus vier arten sstarken demokratisch-republikanischen Test«: errichteten .Deutschland, unter einem gemeinsamen Buntespräsitentau, wird er leichter zum Friedenssch-luß bereit sein. In diesem Sinne haben sich bereits im Rheinland anweserrde Pressevertreter dös Verbandes ausgesprochen."
Enve energische Zurechtweisung erhalten die Kölner „Gruiwer" auch Durch eine entschiedene Erklärung oer Düsseldorfer Großindustrie, in der es heißt:
.„Die _ heute atenb versammelten Vertreter der Düsseldorfer Großindustrie erklavm einstimmig, daß sie niemals der: Gedanken erwogen haben, noch erwägen werden, die Schaffung eirrer ftlb- standrgcn rheunsch-westfälisch?n Republik zu befürworten. Sie halten mn Deutschen Reich fest und mißbillige,: .alle auf eure Teilung Deutschlands m .einzelne Republiken hinzielenfren Bestrebungen. 9 ach Benehmen mtt eurer großen Anzahl von Industriellen der Großindustrie des Rheinlands und Westfalens sind wir zur ^ststÄlung der Tatsache berechtigt, daß auch diese denselben Standpunkt vcrtreteu inw memals mit einer solchen oder ülmlick-en Anregung hervorgetreten sind, so daß die in der Presse und br Versanlmlungen immer nncderkehrende Behauptung in nichts ßusammenfällt. Ebenso unbegründet und sinnlos ist das Gevede. daß die Großindustrie des Wjcstxns frie Besetzung ihres Gebietes durch feindliche Truppen betreibe Auch diese Behauptung ist glatt erfunden. Tie vorstehend behandelten Versuche zur Zerstückelung Deutschlands zeigen wie dringend Notwendig es ist, die Nationalversammlung in aller- tnachster Zeit einzuberufen, ha jeder Tag der Verzögerung die pouma-e Verwcrrung steigert 'und außerdem den wirtsäiaftsickien Zusammenbruch beschleunigt. Die Industrie des Rheinlands und Westfalens muß daher auch von diesem Gei'ichtspunkl aus schnellste Einberufung der 9üatioualversamnllung dringend forderir."
Lin deutscher Vorschlag an die gegnerischen Regierungen.
Berlin. 9. Dez. fWTB. Amllich.) Die deutsche Regierung sandte den gegnerisck-en Regierungen auf dem diplmnatiischen Wege folgende Note:
Marschall Foch ließ am 6. Dezember der Wossenstillstands- kommission d-ie Cnffcheidung zugehen, wonach der Lebens nittelver- Üehr rrnd der gesanttc Verkehr der geraum len lftiksrhellnsä-en W- biete mit der neutralen Zorre und dadurch mit den übrigen 'Teilen Deutschlands unterbuiwen loird, da die Aufrechlerhaltung der Blockade in dein Wassenstillslo?rdsabkomine,t vorgesehen sei. Tie deutsche Negierung ist verpflichtet, gegen diese Anordimng den scksärfsten Protest zu erheben, weil diese einseitige Entscheidung mit dem klaren Wortlaut des WasfcnstillstandSab'boninwns in unlösbarem Widerspruch steht. Tie angekürrdigte inifr teiltveise schon b,rrchgeführte Maßnah,ue gibt der bssherigeir Blockade eine Ausdehnung auf die Sperr,,,aßnahncen zu Lrnd»e, die mit dem Wesen der Blockade m Widerspruch steht und allen Völkern seit den Zeiteii der eiiglischen Kbntinentulsperve gegen Z-rankreich fremd 'ist. Die-angeführwn Bestimmungen des WaftenstillstandsabkommeM über die Blockade ftnden sich daher auch sinngemäß in dem Abschnitt „clauses navales^ und fordern nur die Ausrechterhaltrmg l^er Blockade im gegeiiwärtigen Umfang. In der getroffenen Entscheidung liegt jedoch eine ganz er!>eblick>e Vc'rschärftrng und Ausdehnung der Blockade, unter welcher die deutsche Frccueti- und Küldermelt der rechtsrheinischen Gebiete besonders hart leidet. Diese ist auf die Zuftrhr von Atilch ünd anderen unentbehrlichen, rasch verderblichen Lebensmitteln aus den geräumten Gebieten um so mehr augewiese,:, als das deutsche Volk die Versorgung von Lebensmitteln durch die Alliierten, wie sie in den crioähnteu Blockafrebcstim- mtetgeit des Waffenstillstandes in Aussicht gestellt ist, überhaupt noch ,ncht erhalten hat. Diese Entscheidung verletzt iveiter die Vorschrift des letzten Absatzes des Artikels 4 des Waffen- stillsta,tdsabkomme,is. ioonach keine allMmeinen staatlichen Maß- ,rühmen ergriffen werden dürfe,:, die eine Entioertnng der industriellen Anlagen oder eine Verringerung ihres Persouals zur Folge hätte,:. Durch die verfügte Unterbindung des Verkehrs wird die absolut uottvendige gegenseitige Zusul-r von Rohstoffe,: und Halb- sabritaten zur Auftechtechaltuug der irvdustriellen Anlagen unmöglich gemacht, ivodurch deren Ciitrvertung eiutreten muß. Die Produkt ionsunnchglickLeit z,vingt wederum zur Verringerung des Personals mvd Arbeitslosigkeit und neues Elend in den willkürlich ge- trermteu urdcutschen Gebieten sbvd die unabwendbaren Folgen.
Tie deutsche Regiermrg sck-lägt deshalb vor, diese Frage bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Verlängerung des Waffenstillstandes frahin zu regeln, daß unbeschadet des Aufsichtsrechtes der Alliierten eine dollkoimnene Verkehrssreiheit ztmscl/m den geräumter: Gebieten imfr den übrigen Teile,: Deutschlands gewährleistet ist.
gr$. Sols.
Staatssekretär des Arrswärtigen Amtes.
-reue Vereinbarungen der Berliner RegierungSinftanzen.
Berlin, 9. Dez. (LLntlich) Bekanntmachung. In einer gemeinsannen Sitzung des lVollzugsrates der Arbeiterund Soldatenräle urtd.des Rates der Volksbeauf- tragten wurde folgende .Vereinbarung getroffen:
Beide, geschaffen durch die Revvbiction. streben demselben politischen Ziel zu, dem deutschen Volk die sozialistisckK? Republik zu sichern. Ter Rat der Volksbecrifftragten hält unbedingt an der durch die Revolutüin gegebenen Verfassung fest, die ohne Zustimmung des Dollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräle nicht abgeändert werden kann, .dhus der Stellrmg des Vollzngsrates ergibt sich das Recht der Kontrolle. Dem Rat der Volksbeaust' tragten liegt die ihut übertragene Exekutive ob. Beide sind überzeugt, daß ihre Tätigkeit nrrr durch vertrauensvolles Zusammenarbeiten erspießlich ausgeübt loerden kann. Wir gebe,: der Zuversicht Ausdruck, daß unser Volk in Anerkennung der schwierigen unteren und äußeren Lage uns dabei tatkräftig unterstützen ivird.
^Ter Rat der Volksbeauftragten.
Der Vollzugsrat der Arbeiter und Soldaten.
Die Anordnungen der Engländer in Köln.
i. Köln, 11. Dez. Heute vornnttag gelange»,: lt. der „Köln. Ztg. die vom Oberbefehlshaber der britischen Armeebefohlenen Anordnungen zmn Aushang. Sw lehnen sich :m großen ganzen an die vor einige,: Tagen in Düren erlassenen Besttmmunge,l an. Sie fordern n. a. von jedem über 12 Jahre alten Einwohner den Besitz eines Personalausweises mit Advesw, Bild Und Uttterschrift, sowie Unterschrift u,rd Stempel der stand, gen Zivillohörde. Was frcn Verehr abclangt, so heißt cs,' Laß kein Einioohiua >keine Stadt oder Gemeinde verlassen darf. Zwischen 7 Uhr abends und 6 Uhr früh nvsteuropäischer Zeit dürfen Personen sich rächt aus der Straße aufhallen. Auch für die Presse ftnb Einschränkungen vorgesehen. Keine Rnaschrift und kern Y-lugblatt frrrf gcdriickt, keine Zeitung ohne schriftliche Erlaubnis der britisck>en MUitärbchörde herausgegeben oder verbrei- tet werde::. Kein Vergnügirngsldkal darf ohne schriftlick)e Erlaub- ins geöffnet werden: die Benutz,mg des Fernsprechers ist unterlagt: s,c kann m ganz besonderen Fälle,: nachgesucht inertest Telegramme sind zu bestimmten Tageszeiten zugelasse,: und unterlegen der Zeirsur: Briefe dürfen nur mit der gewöhnlick)en Zivil- pöt verscholl werden und unterliegen ebenfalls der Zensur. Jede männliche Person bat britische,: Offizieren gegenüber und dein, Sprelen der britischen Natimralhymne eine Ehrenbezeugung zu erwnsen. Die Zivilisten habe,: den Hut abzunehmen. Die Nicht- besolgung dieser Anordnungen lwird bestraft.
Die Schlüssel von Metz.
Basel, 9. Te^. Die Havasagentur meldet unterm 9 Dezember: Präsident Poincarö wird heute morgen ftierlich in Straß, bürg einziehen.
Während der Feier im Rathause zu M c tz ergriff nach den M- ftwachen tes Bürgermeilters und PoincorSs C l e m e n c e a u das Wort und führte aus: „.Herr Bürgermeister! Als die Deutschen kmrch Verrat in die Stadt einzogen und diese vergeivaltigten ge- ^ng & General Mapasset glücklicheriveise, die Schlüssel in Sicherheit zu bringen. Diese wrrden von semer Familie sorg- falllg verwahrt und mir jetzt zugeftellt. Ich vertraue sie Jhucu heute an. Hüten ;Sie sie g:tt." „Wir werden es verliehen sie PF uwmer zu bewahren," rief der Bürgernreister aus, indem er me Schlüssel aus der Hand Clemenccaus empfing.
Staatssekretär Schiffer
über Deutschland» Finanzlage und Stenerpolitik
Berlin. 9. Deh. Vor geladen«: Vertretern des Wirtsck«f ^bms und der Presse enttvickelte heute abend im Festlsa.,1 l Dcrnoelsbairtmer der Staatssekretär jdes R-eiäZsschai'Mntes Schiff
MUL & $mkn über DeusschlaM FnmnMge und Steuerpoll:
Er führte u. a. aus, daß es heute kaum möglich sei, für den Augew, blick eine geregelte Finanzwirtschaft zu treiben, geschweige denn Pläne für die Zukunft aufzustellen. Sicher sei heute nur das eine, daß.wem: die jetzigen Zustände auch mir noch kirrze Zeit ant^nern, Teutschlaiü) unentrinnbar dem völligen Ruin, den: wirtsa-aftlul-eni und finanziellen Zusammenbruch zusdea^re. Das neue System arbeite weit teurer als das alte. Vor eiuigen Tagen sei eine Notiz durch die Pxesse gegcntgen. daß die Araber te.ri und Soldaten rate in der kurze,: Zeit von 14 Tagen 600 Millionen Mark verbraucht hatten. Das sei nühit so zu verstehen^ als ob diese Summe in die Taschen der gegenwärtigen Machthaber geflossen sei: aber die Tatsache siehe fest, daß ditrch Bezüge der gegenwärtigen Exekutivvrgane Z-urck- ErM-nng der Löhne und Gehälter, durch Teuerungszulage,: und Mehrauffvendungen aller Art loeit mehr als 1 Milliarde verbraucht worden sei. Schlimmer noch| Jd die ungeher:re Vergeudung von Nationalvermögen dr:rch geivissenlose Verfchlenterung von Vorräten und .Heeresgut. Die Produktion stete fast völlig still. „Unser Kredit int Aus-' lande ist aufs schoerste gefährdet. Bei der künftigen 'Gestaltung der Steuerpolitik, die gnnrdsätzlich, von taemgen Ausnahinen al>gesehe,:, der Befckstußfaffung der Natioiuckversmuntlung vorbei halte,: srerden solß werden viel mdhr noch, als es bisher der Fall war, die Bedürfnisse des Wirtschaftslebens rickstung- und ausscl>lag- -gtend sein müssen. Angelldtdigt ist bereits die Wiederhol,mg ter Kriegsabgabe der Gesellschaften für das Jahr 1918/19. Wie aus frcm bereits erlassenen Sicherungsgesetz ersichtlich.ist, ist ihre Erhöhung von 60 auf 80 Prozent ins Auge gefaßt. Die Kriegs^ steuer der Privatpersonen wird einen ,volleren Ausbau und ei„4 gründliche Umgestaltung erfochten. Sie wird, wie es ursprünglich g/plant war, auch das MehreinÜommen erfassen nrüssen, mrd rück- ioiröeiü) den Starrd vom 31. Dezember 1913 zum Aus^iartgspuukL nehme,:. Tie hohen Kriegs gewinne, soweit sre auf der Ausnützung der Kviegskoirjunllnr beruhen, werden so bestcuert werten, daß man von einer fast restlosen Erfassung wird sprechen können.
Bei der Erhebmrg der einmaligen Vernwgensabgabe soll tmt* gehnrdste Rücksicht genommen werden auf Alter, Familienstand, Ern-erl'ssähigkeit u. a. m. Erwogen .wird zur Zeit noch die Frage, ob die Vermögensabgabe nicht zu einem Teil wenigstens' in Form einer (unverzinslichen? Ter Berichterstatter) Zwrngsnnleche zu kl eiten sein wird, so daß den Besitzern eine spätere Rückgabe in Aussicht gestellt ,verden kann. Die neu^eschifsenen einmaligen Bcsitzsteuern, insbesondere die .Steuer auf den Vermögenszuwachs, wenden iveiter ausgesdaltet und zu regelmäßig hneberiHjrattenlj Abgaben gemacht werten müssen. Auch die EinkomTnen- und Er^ gänzungssteucr wird ausgebaut werten müssen. Urller allen Um>< istänfren sollen die ganz hohen Einkommen in irgend einer Weise zu den Lasten tes Reiches herangezogen werden. Geplant ist täte weise auch der Uebergang zu dem englischen System ter Erfassung tes Einkommens an ter Quelle. Die Erbschaftssteuer wird nicht nur erhöht auf die nächsten Benvandten ausgetehs" werben, son^ der,: cs soll künftig auch eine Berücksichtiaung ter Verntogensiaga tes Erben stattsinte,:. Bei ^ dem AuÄZan der indirekten Steuern wird in erster Linie der Tabak und ter Zucker heran- gezogen,verden. Die Erhöhung ter Zigarettensteuer soll schon in den nächsten Tagen erfolgen. Auch eine Vevcintell!üh,mg und Neugestaltung ter Stempelsteuer ist geplant. An Stelle von Produktions- und Rohstoffsteuern, die man endgültig fallen gelassen hat, soll die Umsatzsteuer iveiter erhöht werten. Die Luxns- steuer wird aus eine Reihe, neuer Gebiete auszutehnen sein. Die Hauptsache ist aber, baß die neuen Steuern nicht irur gefcfafterif stxnten, stmtern daß 'sie and? eingehen. Eine völlige Reform des Veranlagungswcsens ist.dazu Vorbedingung. Gegen die Steuerflucht jeder Art sollen die schärfsten Maßnahme,: getroffe,: werten.
Mit Steuern allein aber werten wir die Lasten mcftt auf-, zubringen vermögen. Jv weitgehendem Maße wird ter Staat aw Wir t i cha ft slebcn beteiligt ^werten müssen. Das Nt keineslvegs gleichbedeutend mit Sozialisierung im Sinne einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Sorgfältige Prüfung der individuellen'Eignung ist Vorbedingung jeder solche,: Vörßuohmest Von vornherein werbm ausscheiten Müssen das komplizierte weit- lderzweigte Kreditgewerbe und alte diejenigen indirstricllen Be- triebc, die 1-eute< schon im Besitz des Staates silw. Teile tes Versid-erungsgewerbes. ter Elektrizitätsindustrie, die Wasserstraßen nnd die Ms Nutzung .der Wasserkräfte. Auck noch auf anders Weise ijt eine Betelligung des Staates möglich. Die d-rrch Konzentration ter Industrie zu Kartellen und Syndikate,: erzielten Essternisse an Produktionskosten toerfren in irgend einer Weise tem Staate nutzbar zu machen sein. Tos kann am besten geschehe,: in der For,n wirrsd>astlicher Unternebmunge,:.
_,. Mit einem Ausblick aus die Gestaltung tes kommenden Friedens, schloß ter Staatssekretär seine mit stxrrkem Beiflll ausgenommenen^ Ausführungen.
Der deutsch-böhmische Gedächtnistagc
^ Reichen borg, 9. Dez. (WTB? In 40 größeren StädttM " Dentscki-Böhmens fanden am Somitag massenhaft besuchte Volkstage statt, in weld>en gegen die Vergenxsstigung tes tentschenj Teiles von Böhmen, durch tsctedx>-sLowakild>e Truppen scierlich Protest eing.legt wurde. Aus 40 teutsd^-bölgnischeu Städten wirten an Wilson unb die Ententeffihrer Telegramme abgesandt- in N^lchen das dentsss>-bülm:ssche V-ssk in seiner Not im ter Gerechtigikcit. Kulll:r und Menschlichkeit die Well zum Ridfter auruft.
Lloyd George über die Zriedensdedingungen.
London, 9. Dez. (WB.) Reuter. In einer Fra u e n ve r> sammlung in London sagte Lloyd George zur Frage de, F r i e d e n s b e d i n gu n g e n: Es muß einen Frieden geben de, zünftige Kriege :m,nöglich macht oder dock, mintesbms erichl'ocnt Es muß ein A'reckst er Friede sein: die Bedi,vg,:ngen dürsci: teiiu leidäcn sein, sonst wären sie nickst gerecht; beim leichte Bedingungen würden zu eurem neuen Kriege anreize,:. Illcht um Rache sonterr um Gerechtigkeit hmrtelt es sich. Ein Friede ter Rache würde Nicht Gereckstigllnt sein. Wir dürfe,: keine neue etsaß-toliwil,gisch Frage habe,: m:s tem einfachen Grunde. ,vcil wir nur den Fe'ste, Deittschlanfrs wrÄxwholtcn. Der Friede muß streng gerecht uni billig fern. Die ff:r tee Schrecken dieses Krieges Verantwort- l i ri> e n müssen zur Verantwortung, .wzogcn wcaten Di-s ist um so notwendrger, je hi her sie stehen. Olme sie wäre nickst Min llrwge gekommen. Unser Urtcll muß derart ausfallen das Könige. Kaiser und Kroi,r»rii^e,: für alle Ewigkeit wissen ' daß wenn sre Verruckstbeiden dieser Art iüx'x die Erde brin.vn die Straft imcmsbleiblich auf ihr Hncht fallen ,mrd. Lloyd (teor« ftrhr svrt: Ahn das deutsche Volk, das im Krft^ sich gw g'bacten l>at. das mit voller Begeisterung in den Kam n vg. tes letzt über ten Sieg jubeln würde, wenn er ihm zuteck mmvrten wave. muß auch zur Verantwortung gezogen werden. T:e Volker lstüssen wissen, daß sie nickst ungestraft cm«,


