Nr. 288 Zweites Blatt_Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 7. Dezember 1918
Ans S?tabt und Land
Gießen, den 7. Dezember 1918.
** Verband hessischer P o l^zeibeam ten. Am 3. Dezember har sich in Tarmstadt ein VUband hessischer Polrzer- beomten gegründet, dem sämtliche Schutzmcmnschaften der Städte Hessens angehören, darunter auch die hiesige Schutzmannschaft. Diese bittet uns, folgende Erklärung zu veröffentlichen:
Der Vorstand der kameradschaftlichen Vereinigung der Schntz- mcrnnschast Tarmstadt und der Vorstand des Verbandes der gesamten Schutzimmuschast Hessens geben folgende Erklärung ab: Im Interesse der öffentlichen Ordnung, stiul)e und Sicherheit stellen wir uns aus den Boden der ramm Verhältnisse. Wjir bt* künden dal)er, daß die Mitglieder der Schutzm-aü.nsvere:mgnng Darmstadt und die des ganzen jHessenlandes geschlossen! hinter der neuen Regierung sivhen und alles tun werden, um sie in der Wiederherstellung und Aufrechterhaltungj der öffentlich«: Riche. Ordnung, und Sicherheit zu unterstützen. Unser Bestreben wird stets dahin gehen, im Verkehr mit unseren> Mitbürgern kleinliche Härten zw vermeiden, Höflichkeit und Nachsicht walten zu lassen und,sich stets eines zugemcssenen Verkehrs mit dem Publikum zu befleißigen. Eine/ neue Richtung muß und soll dem alten System Platz machen, welches uns leider mit unseren Volksgenossen anseinandergc führt hatte. Zwischen Sicherheitsbeamten und Bürger muß ein besseres von gegenseitigem Vertrauen und Hoäxrchtung getragenes Ver-- bältnis herbeigeführt werden, im Geistfl de^ Freiheit und Gerechtigkeit.
Wir richten daher an alle Bürger Hessens die herzliche Bitte, zu vergessen, was uns früher getrennt hatte, und uns in der Ausübung unseres schweren Amtes zu unterstützen, damit in Zukunft zum Wohl für beide Teile alle unliebsamen Vorkommnisse zwisck-en Bürger und Sicherheitsbeamten vernneden werden. Dies erscheint im Interesse unseres neuen Staatslebens doppelt iwtwendig. i Für die Vereinigung der Schutzmannschaft Darmstadt und Hessen:
Der 1. Vorsitzende: Ter 1. Schriftführer:
Schäfer. Polizeiwachtmeifter. Wirrweiß, Schutzmann.
Starkenburg und Nhernhessen.
** T a r m fta dt, 6. Dez. Oberbügrrermeifter Tr. Glässing erhielt folgende Depesche: „Nach soeben eingetroffener Mitteilung der WaffenftiilsüLndsöommifsion Spa fällt Darm stabt nicht in das besetzte Gebiet, sondern in neutrale Zone. Staatsscrkretär Erzberger."
Letzte Nachrichten.
Der Feind auf dem linken Nhiinufer.
Düren, 6. Dez. Die am tliche Kundgebung der britischen Besatzungsbehörde in Düren enthält u.a. folgende Prunkte:
An der Innenseite der Häustür«: sämtlicher Häuser muß eine Lifte der Hausbewohner angebracht werden. Ohne Auswüs eines Führers der' Besetzungstruppen darf niemand das von den Truppen besetzte Gebiet verlassen, ^eder kann sich srei be.vegen, jedoch ist Radfahren und Reiten verboten außer für Aerzte, Hebammen und Priester in Ausübung ihres Berufs. Nach 6 Uhr abends bis 7 Uhr jlruorgens deutscher Zeit darf niemand seine Wohnung verlassen. Nacks Uhr abends darf in Privathäusern kein Licht mehic brennen, außer in den behördlichen Bureaus und in den Räumen der Einquartierung. Mle Wirtschaften müssen um 7:/ 2 Uhr abends geschlossen werden: bestimmte Wirtschaften, sind zum Besuch für Militärpersonen bis 9Vs Uhr geöffnet. Auf Verlangen der Militärbehörde muß Papier nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Fernsprecher und Telegraph werden von den Besatzungstruppen übernommen: die Benutzung durch die Bevölkerung ist untersagt. JÄvr Verkauf von Spirituosen ist verboten. Deutsche Milltärpcrsonen ohne vorgesck-riebenen Entlassungsscliein werden interniert. Beamte liaben in Ausübung ihres Dienstes Uniform zu tragen. Waffen und Mtzmttion sind abzugeben. Für feindselige Handlungen gegen die Besatzungstritppen wird der Bürgermeister»
Schwarz - Weiß - Lichtspiele,
Tätlich üünstlerkonzertc.
p, Seiters- v/eg 81 .
1. Pilm unrir Hünchoner Kustülm-Serle 1918—19.
Ach wie ist’gs möglich dann....
Die Geschichte des deutschen Volksliedes in 4 ergreifenden Akten nach dem Leben.
verantwortlich gemacht. Schriften volittschen Inhalts dürfen nicht verbreitet werden. Zeitungen dürfen ohne schriftliche ErtanbmH der Militärbehörden nicht gedruckt uüd ausgegeben werden. Tre Benutzung von drahtloser Telegraphie sowie der Verkehr nut Brieftauben ist untersagt. Die Achtung vor den britischen Offr- zier«: haben .alle deutschen Männer durch Ziehen der Kopfbedeckung zu bezeigen, desgleichen beim Absingen der Nationalhymne. Befehle des Feldmarschalls Haig an ine Bevölkerung der von britischen Truppen besetzten Städte und Ortschaften ordnen an, daß jedes Vergehen, das das Leben oder dre Sicherheit der brittsckM: Truppen gefälwdet, als feindselige Handlung anzusehen ift. Men Einwohnern wird persönliche Sicherheit garantiert, wenn sie sich friedlich verhalten. Bei jeder Beschädigung oder Unbrauchbarmachuirg von Gebäuden, Sttaßen, Eisenbahnen, Kanülen, Brücken, Telegraphen, Fernsprechern usw. wird die betreffende Person por ein Kriegsgericht gestellt und bei Schuldigerklärung mit dem Tode bestraft.
Ludwigshafen, 6. Dez. Heute nachmittag 5 Uhr rückten französische Truppen des 7. afrikanischen Schützenregiments hie mit der Dahn angenommen waren, unter Voran litt einer Min i.ckap lle in die Stadt rin. Die Trupp«: trageii Khattnnisorm mll Stahll)elm. Sie marschierten mit anf- gepflanztem Bajonett vor das GesellschaftShans, wo sre zum größten Teil einquartiert wurden. Heute abeird 9 Uhr treffen 3 Eskadrons Kavallerie ein. Durch Anschlag wird beka>:ntgegeben, daß heute nacht 13 Uhr die Uhren auf 11 Uhr zurückgestellt werden.
B e r l i n , 6. Dez. (WTB.) Wie ein aus Trier zurückgekelirter Vertreter des Auswärtigen Amtes mittellt, vollzieht sich der Einmarsch der amerikanischen Truppen ohne rede störende Begleiterscheinung für die deutsche Bevölkerung. Das Urteil aller deutschen Kreise, wie der Ladenbesitzer, der Gastwirte und des Mannes auf der Straße geht dahin, daß das Beuehrnen der Amerikaner tadellos ift. Mles gelft seinen gewohitten Gang. Die amerikanischen Kolonnen nehmen die größte Rücksicht auf den zivilen Straßenverkehr. Das vorgeschobene «meriLmische Hauptquartier richtet sich seit Sonntag im neuen Regierungsgebäude ein. Es sind keinerlei Erlasse ergang«r, die irgendwelche Beunruhigrmg in die Bevölkerung hinein tragen könnten. Ein hoher Offizier vom amerikanischen Hauptcuarlier versicherte ausdrücklich, daß es der Wunsch der amerikanischen. Führung sei, die Bevölkerung in keiner Weise zu stören. Am 9. Dezember weichen die amerikanisch«: Linien bis Koblenz vorgeschoben sein.
Köln, 6. Dez. Die Spitze der englischen Truppen, bestehend aus dem 4. Garde-Dragoner-Regiment, ist heute mittag hier e i n g e t r o f f e n. Das Regiment machte kurze Rast auf der Aachener Straße. Tie Bevölkerung zeigte eine ruhige, würdevolle Haltung. Heute nachmittag wird das Gros der engliichen Truppen folgen.
Radikalismus in München.
München, 6. Dez. Eine große Versammlung des demokratischen Bürgertums fiel gestern abend dein Toben radikaler Äemente zum Opfer. Professor Alfred Weber (Heidelberg) vermochte in den: ständigen Schrei«: und Lärmen der Gegner seine Rede nicht durchzuführen. Ein großer Zug von Soldaten l>egab sich dann vor das Gebäude des Löwenbräukellers, um dort eine scliwarz-weiß^vote Fahne zu erctfemei:. Auf dem Wege dorthin wurden mehrere kleinere Fahn«: in den deutschen Farben unter großem Jubel verbrannt. Der Münchener Polrzeipräsüreitt Staimer trat der Menge entgegen und versicl-erte, daß von heute Mr keine deutsche Fahne mehr in München zu sehen sein iverde. Die Erregung der Massen über die Kriegsflagge, die so viel Unglück über Deutschland und Bayern gebracht habe, sei zu begreifen Auch versprach er, dem Drängen der Demonstranten nachgebeird, dafür sorgen zu wollen, daß die Presse, vor allem die Zeittrums- organe, ihre Airgriffe auf die revolutionäre Bewegung einstellten, widrigenfalls die Zeitungen gesperrt würden und sich alle sonstigen Folgen selber znzuschreibeu hätten.
München, 6. Dez. Professor Brentano ist zum Volkskommissar für Handel und Industrie ernannt worden. Ter Gelehrte wird eine beratende :md vcrmittelrwe Stellung zwischen Handel und Industrie und der Regierung einnehmen, vor allem auch, soweit die bevorsteheichen Ausgaben der Sozialisierung in Frage kommen.__ _
Neue Richtlinien des Bundes der Landwirte. Berlin, 5. Dez. Der Vorstand des Bundes der Landwirte veröffentlicht Richtlinien für eine neue Politik. Darin heißt es :
Wir stellen uns bis zur Schaffung einer aus gesetzlicher Grundlage beruhenden Staatsform hinter jede Regierung, die gewillt und fähig :st, Ruhe, Ordnung und Sicherheit für Person und Eigentum aufrechtzuerhalten, die Volksernährung sicherzuftellen, die Reichseinheit zu wahren und einen sofortig«: Frieden herbeizuführen.
Wir halten für geboten: schleunigste Einberufung der National- Versammlung, bis dahin Unterlassung jealicher Eingriffe in das wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Leben. Förderung eines starken deutschen Volkstums auf christlicher Grundlage und Bekämpfung undeutscher Einflüsse in .Arltur unb Wirtschaftsleben, keine Trennung von Staat und Kirche, Sicherstellung der Tätigkeit der Bauern- und Landarbeiterräte. Wiederaufbau des Wirtschaftslebens, gestützt auf eine starke, lebensfähige und unabhängige Landivirtschast. die baldmöglichst von den Fesseln der Zwangswirtschaft zu befreien ift, gesunder Wiederaufbau des Mittelstandes und der Industrie, weitgehendste Förderung der Ansiedlung von Bauen: und Arbeitern in Deutschland, insbesondere der Kriegsteilnehmer, Schaffung von Mietwohnungen und Gartenland für freie läiüüiche Arbeiter in Laiwgemeinden, freiheitliche, aber den verschiedenen Berufsgruppen gerecht werdende Gestaltung der Kvm- munalgesctze, grundsätzliche Erhaltung von Eigentum und Erbrecht. unbeschadet einer ftaffelweisen Heranziehung der Privatvermögen zur Deckung der Kriegslasten, wirtschaftliche Hebung des Landarbeiterstandes und Ausbau seiner politisch«: Rechte. Zur Durchführung unserer Bestrebungen wünschen wir eine starke poli - ttsche Betätigung der Frauen, insbe,'andere auf dem Lande._
Amtlicher Teil.
Betr.: Die zurnckgeheirden Heeresteile; hier: unterwegs gefallene Pfettre.
An die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Krrifts.
Es wird uns mitgeteilt, daß hie und da an den Landstraßen m:f dem Durchmarsch ver«ck>ete Militärpferde liegen. Derartige Kadaver müssen schn-ellftens -entfernt werden. Wir beauftragen Sie daher, sich wegen solcher vernrdeter Tiere sofort telephonisch mit der Kreisabdock-erei ins Benehmei: zu setzen. Sollte diese erklären, daß sie die Tiere wegen Mangels an Transportmittel!: oder aus sonstigen Gründen nicht abholen kann, so muß Ihrerseits sofort dafür Sorge getragen werden, daß die verendeten Pferde auf Dem früheren Wasenplatz der Gemeinde ordnungsmäßig verscharrt werde::. Das gleiche Verfahren gilt für mrdere Tierlerchen. die bei militärischen Durchmärschen Zurückbleiben sollten.
Gießen, den 6. Dezember 1918.
Kreisamt Gießen.
__ Dr. Usinger.
Bekanntmachung
Tie im Jahre 1918 ausgestellten AuÄveiskcrrten und Nebenkarten verlieren mit Ablaw dieses Jahres ihre Gültigkeit. Für 1919 werden von: Verband Karten von anderer Farbe neu ausgestellt.
Zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen in der Zustellung .der neuen Karte werden unsere Mitglieder ersucht, ihre lalte Karte, sowie die zugehörigen Nebenkarten ii: der Zeit von: 15. Dezember 1918 bis 15. Jairuar 1919 an uns einzusenden. Außerdem ist für jede Karte eine unaufgezogene Photographie zur Derwendrrng für die neue .Karte beizulegen. Karten ohne Beilage einer Photographie iverden mcht erneuert. Tie Gebühr für die nenen Karten beträgt: für die Haupttzarte 2 Mark, für jede Nebenkarte 1 Mark, die den zur Erneuerung gesandten Karten bei- zufügen oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 10 470 ernzuzahlen sind.
Gießen, den 6. Dezember 1918. 9467«
Gberhessischer Viehhandelsverband.
Der Vorsitzende:
_Prof. Ro senber g._
Lu^tspielschlager in 4 Akten.
Ab Dienstag folgt der 2. Münchener Knust-Film
„Oer Frieda vom Hochfand“
Kolossalfilm werk aus den Tiroler Bergen in 4 Akten.
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Liebägshöhe
Am Sonntag den 8. Dezember 1918
Militär-Konzert
ausgeführt vom Musikkorps des Mecklb. Gren.-Regts. Nr 89 unter persönlicher Leitung des Musikmeisters Herrn Bruckhaus.
Anfang 4 l 2 Uhr. °'°«° Anfang 4'/, Uhr.
Gietzener Hochschulgesellschaft
Einladung
zur Vortragsreihe über Auslandskunde
10- Vortrag:
Die Unabhanyigkettsbeftrebunaen der Irländer im Spiegel ihrer Literatur
(Dr. M. Freund, Lektor an der Universität)
Montag den 9- Dezember 1918 abends 8 V 2 Uhr im großen Hörsaal des Dor- lesungsgebäudes der Universität. Gäste find willkommen!
Der Vorstand
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Aufklärung u. Besprechung über das Thema:
warum sollen die Zrauen wählen?
Mädchen u. Frauen aller Stände sind herzlich willkommen.
DerJuxplatz an der Lahn
ist Sonntag von 3 Uhr ab geöffnet.
WaNdorf.
Bekanntmachung
Von heule ab ist, wie aus der Nebenbahnstrecke Grünberg« Londors, auch aus der Strecke 9^ndors-^oUar der Eisenbahnbetrieb bis aus weiteres cinqestellt.
Die Beförderung von Vebeil^lniltel, wie Milch usw., wird soweit tunlich durch Krastlvagen auf der Landstraße vermittelt.
Gießen, den 5. Dezember 1918.
Eisenbabn'Bctriebsamt 1. W a i l o t h.
9448D
Allgemeine Drtskrlillkellkiisse Gikßell.
Gemäß Verordnung der Ncichsregierung sind ab 2. Dezember 1918 die versicherungspflichtigen Berdienstgrenzen zur Krankenversicherung für den nachstehend verzeichneten Personenkreis von 2500Mk. aus 5000 Mk. erhöht worden:
1. Werkmeister und andere Angestellte in ähnlich
gehobener Stellung.
2. Handlungsgehilfen und Gehilsen in Apotheken.
3. Bühnen- und Orchestcrnlitglieder.
4. Lehrer und Erzieher.
Wir ersuchen deshalb die Arbeitgeber, die bei ihnett beschäftigten Personen umgehend bei uns zur Krankenversicherung anzumelden.
Hierunter fallen auä)die Mitgliedcrder Ersatzkaffen.
Gießen, den 5. Dezember 1918.
Der KovUanb*


