Nr 288
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Erstes Blatt
168. Jahrgang
Samstag. 7. Dezember 1918
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General-Anzeiger sür Oberhessen
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WochenrüSblick.
Die trübselige Gefahr des Bolschewismus für Deutsch- Tartd scheint einstweilen beseitigt zu sein. Die Wahlen für die Nationalversammlung des Reiches sind auf den 16. Februar ausgeschrieben, und vielleicht dringen Bestrebungen erfolgreich durch, die den Termin noch naher legen wollen. Die vorgestrige Meldung, amerikanische Polizeitruppen würden Berlin zeitweilig zu bewachen haben, scheint nur eine Androhung gewesen zu sein, nach der sich Liebknecht und Rosa Luxemburg sowie deren gesinnungsverwaudteuGlemente-richi- ten mögen. Auch der in seinem Radikalismus sehr unternehmungslustige Herr der Republik Bayern, Kurt Eisuer, hat von seinen Landsleuten, besonders Feldsoldaten, einen sehr wirkungsvollen Dämpfer erhalten, so haß er seine Kämpft iansage an die Reichsinstanzen Wohl stillschweigend zurückziehen wird. Er hat unter dem Druck der öffentlichen Meinung die Wahlen für Bayern schon 'für den 12. Januar ausschreiben nrüssen. Eine nach Eisners Vorschlag nach Jena oder einer anderen Stadt einzuberusende nochmalige Kow- fererrz der Bundesstaaten wird in der Antwort der Berliner Negierung rundweg abgelehnt, ganz mit Recht, denn es liegt wirklich kein ausreichender Grund dafür vor. Es ist genug geredet worden, jetzt kann etwas nützliches getan werden. Die Taten dürftn sich aber nicht niehr im Niederreißen gefallen/ zuviel ist darin schon geschehen. Es gilt, die Ordr- nung und die Einigkeit im Reiche aufrecht zu erhalten, auf phantastische Zukunftspolitik in dieser Zwischenzeit, in die der Feind noch das größte Machtwort hineinspricht, zu verzichten. Leider haben rheinische Zentrumskreise in Köln uns wieder mit einem recht törichten Zwifckseufpiel aufgftvartet, indem sie nämlich unter Lostrennung von Preußen eine neue deutsche Bundesrepublik Rheinland-Westfalen etablieren wollen. Das geschieht wenige Stunden vor der Besetzung Kölns durch den Feind! Wir können uns recht gut denken, daß die Erlasse und Kundgebungen der neugebackenen preußischen Minister, besonders des Kultusministeriums, in dem Männer wie Adolf Hofmann ihre geistigen Schwingen erproben, in dem katholischen Rheinland stark verschnupft haben. Der schärfste Widerspruch war nicht nur verständlich, sondern auch berechtigt. Danrit mußte es jedoch sein Bewenden haben, denn: „Gestrenge Herren regieren nicht lange". Es ist, da man vorläufig nicht viel dagegen tun kann, daß sie sich ein bißchen austoben, nicht ganz ohne Humor, zu sehen, wie die ehemalige rote Opposition sichs auf den Machtsitzen der preußischen Junker bequem gemacht hat, wie sie, von hefti- ,gem Regierungsfimmel befallen, ihre gebietenden Hände weiter ausstrecken als die biblischen Propheten. Sie sorgen selbst am besten dafür- daß ein Rückschlag nicht ausbleiben kann. Darum ist es höchst unvernünftig inid grenzt an Vaterlands- Verrat, daß man eine rheinischr-westfälifche Republik gründen will. Nur Feindeswünschen kommt man damit entgegen. Den alten Rheinbundserinnerungen der Franzosen, die jetzt ohnehin wieder erwachen, gibt man damit neue Antriebe zu Plänen für die Friedensllmferenz. Stärkster Unwille regt sich aber im ganzen Reiche gegen solche Mache neuer Kleinstaaterei. Es würde nichts schaden,, wenn einige der kleinsten „Bundesstaaten" Deutschlands eingeschmolzen würden — ,strnd nun will man sie gar noch vermehren! Ein Glück, daß weiteste Kreise in Rheinland und Westfalen sich ablehnend verhalten,! mrd auch der Kardinal v. Hartmann lehnt es, vor der Öffentlichkeit wenigstens, ab, sich mit den „Grüw- dern" unter eine Decke %u stecken.
Wir nehmen in drehen Tagen Abschied von unseren linksrheinischen Volksgenossen, und die tiefste Trcrner darüber brennt in deutschen Herzen. Wir lesen, wie unedel' die Gegner in den von ihnen besetzten deutschen Städten sich schon benommen haben, und wir sürd im ungewissen, wie weit und wie lange der Verkehr Mischen den beiden R heran fern unterbunden bleibt. Alle bisherigen Mitteilungen wcrren darauf angelegt, uns in unserem Nationalgefühl auf das Tiefste zu beugen und ßt kränken. Es wurde dann zwar von einer englischen Stelle „berichtigt", Mar- schall Foch könne aus eigner Machtbefugnis den Waffenstillstand nicht kundigen, er sei an die gemeinsamen Beschlüsse der „Alliierten" gebunden. Diese sind eifrig dabei, zzr b.eraten und sich über die Forderungen zu einigen — bevor Wilson über das große Wasser kommt. Finstere Ankündigungen und Gerüchte lassen die Engländer sowohl wie die Franzosen gegen uns los. Die verletzendste Mitteilung war wohl, daß neben großen finanziellen Entschädigungs- leistungen Deutschlands auch deutsche Arbeiter zwangsweise in Anspruch genommen werden sollten für den Aufbau in lden belgischen und ftanzösischen Gebieten. Das Schlimme ist, daß wir gegen ein solches Vorgehen wohl protestieren können, sonst aber Peinlich machtlos sind. Was haben die Engländer und die Amerikaner für ein Interesse daran, uns gänzlich zu ruinieren und zu versklaven? — Das ist die Frage, die schwacher Tröstung hier und da in der Presse auftaucht. Wilson hat sich in seiner Kongreßbotschaft sehr vorsichtig und zurückhaltend ansgosprochen. Er scheint weder dem Landfrieden, noch dein allgemeinen Völkerfriedon recht zu trauen, denn er trat nackidritcklich für die rrnvernrinderte amerikmüsche Flottenrüstung ein und sprach von einer „noch unbestimmten zukünftigen Welt- politrk". Seine persönliche Teilnahme an den Friedensberatungen begründete er damit, er sei der Well schuldig, darauf zu achten, daß die „Ideale" und Grundlagen für den Friede, die er in Worte gefaßt habe, „rächt fatsch oder irrtümlich Es gelegt werden mrd daß keine Mühe gescheut wird, um sie zu vertvirkkichen". Wir sind also so klug als Äirvor und können nicht darauf bauen, daß Wilson sich gegen die Pläne unserer arideren Gegner, soweit sie sich gegen Deutschland richten, heftig ins Zeug legen wird. Weirn es gut kommt, wird er zur Mäßrgnng raten. Wir können nur wiederum bedauern, daß von der deutschen Regierung vor den: definitiven Abschlrrß des Waffenstillstandes nicht loeiter gefragt worden ist, wie die praktische Anwendung der Wilsonschen „Punkte" in den Haupt sacken gedacht sei. Ter Präjident schien zu weiteren Auskünften derell zu jein.
Es wäre damals für uns vielleicht manches durchzusehen gewesen, was heute schwerer zu vollbringen ist. TeMschland l>at sich widerstarrdslos gemacht, und die Gegner im Westen iud nicht mehr auf dre amerikanische Hilfe angewiesen. Also sürd die Wilsonschen Trümpfe schivächer geworden. Immerhin, die Tatsache bleibt bestehen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten Ef der Friedenskonferenz die tnteressanteste Erscheinnng sein wird und daß sein Wort ein größeres Gewicht hat, als das irgendeines anderen Teilnehmers ...
Sollen unsere deutschen Vertreter bei der Friedenskonferenz nicht mrr als stumme Dulder, sondern als mrerschrockene Wortführer für das in den Abmachungen mit Wilson stehende Friedensrecht erscheinen, so muß der Reichsgedanke sich zuvor kraftvoll durchsetzen und die Ge amtheit des deutschen Volkes muß sich zu einem fest- gegründeten Auf- und Neubau zusammentun. Wir müssen uns regen und rühren für die Nationalversammlung und uns davor hüten, nach außen hin auch nur den Anschein zu erwecken, als sei ein Reichsverfall unsere Zukunft. Das deutsche Bürgertum, Rks die Revolution niehr erduldet als gemacht hat, muß wieder zu politisck)em Leben erwackstn. Die Freiheit in Wort und Schrift ist gewährleistet: wohlan, o mögen die politischen Neubildungen ungesäumt ans Werk gehen! Wir begrüßen die Einigung der Liberalen, denn sie ist ein Zeugnis dafür, daß die Notwendigkeit erkannt wor- den ist, affe Kräfte zusammenzuschließen zu einer soliden, tvagfähigen Erneuerung des Reiches. Den Frieden nach außen zu fördern, mich ein reckfter Friedensgeist im Innern, ein Geist der Ordnung und Sachlichkeit, das Tor der Zukunft Efschließen.
Ein militärischer Aufstand gegen den Berliner „voltzugsral".
Berlin, 6. Dez. Der Voll zngsrats-Ausschuß der Arbeiter- und Soldatenräte teilt mit: Kurz nach der Sitzung um 4 Uhr 30 Minuten nnrb mitgeteill, daß ebte größere Truppenmacht s ä mt li che Ausgänge des Hauses besetzt hat und im Begriffe sei, einzudringen und den V o l l z u g s rat zu verhaften. Kurz darauf drang ein Feldwebel der Garde-Pioniere mit etwa 30 farai, meist sehr jungen Leuten, ein und erklärte der: Vollzugsrat für verhaftet, und zivar im Namen der Nächstem ermrg. Auf das {rmchen des Vorsitzenden, einen schriftlichen Befehl vor zulegen, erklärte er, daß er einen solchen nicht habe und nur den Befehl seinem Vorgesetzten befolge. Ern Offizier-Stellvertreter gab seinen Leuten den Befehl, zurrächst secl>s Nimm des Vollzngsrates und sodann weitere Gruppen von je sechs Mann abzuführen. Inzwischen erschien der Volksbeauftragte Barth und erteilte im Namen des Rats der Volksbeanstrcmte" dem Feldwebel den Befehl, mit den Mnurscha ten sofort dm Saal zu räumen. Nach anfänglichem Sträuben führte dieser den wieoe.- holten Bejehl aus. Kurz daraus erschien auch der Stadtkommandant Wels und ordnete die Verhaftung des Feldwebels, der Garde- Pioniere und des Offiziers-Stellvertreters von den Franzern mrd eine Reihe weiterer Personen rvogen dringmrden Verdachtes gegen- revolutionä/ttr Umtriebe an. ^
Berlin. 6. Dez. Nach 97z Uhr abends zogen Matrosen und Soldaten mit Gewehren in mehreren Koloimen vor die Neiäss- lanzlei. Jlst Fülsrer Spiro sagte in einer Ansprache an die Truppe: .Deutschland st-eht vor einer Katastrophe. Wir verlangen, daß die Nat ionalversammlung für den 2 0. Dezember ein berufen werden soll. Ter Vvllzugsral darf die Re gierung nickt länger mrter Druck setzen. So bringe ich denn das Hoch-auf die deutsche Republik ans und auf ihren PräsidentOr. den Genossen Fritz Ebert.
Darauf nalM Ebert das Wort und sagte u. a.: Eur em- heitlickier Wille muß die Geschicke pes ganzen Reiches leitm. Tie führenden Gefaste müssen fest in den Händen der Reichsleitung, lügen.. Vergesst nickst, daß euere hemckehreirden Kameraderr mitwählen wollen. Geduldet euch bis zur Tagung der dentfchcn Arbeiter- und Soldaien-Rätc bis zum 16. Dezember, oie sich über den frühesten Termin der Natimrawersaurmlung schlüssig werden soll. Ebert schloß mit einem Hock) auf die deutsche Sozialdemokratie.
Alsdmrn sagte ein ?Ratrose. ich habe an Ebert .dre klare Frage zu racksten, obg r Unseren Stuf zum Präsidenten der deutsck>en Republik folgt oder nicht. Mit sesber Stimme antwortete Eberk. ich werde nicht annelstnen, lohne nüt der Regierung gesprochen zu haben.
Tann marschierten die Matrosen und Soldaten in geschlossenem Zuge ab.
Tie Volksbeaustragten Ebert, Scheidemann und Landsberg teilen gleichzeitig mit, die Reichsregierung steht der Verhaftung des Vollzugs rotes vollkommen fern Tie Truppen sind dabei mißbraucht ^vorden. Die Mitglieder des Vollzugsrates sind sofort frei zu lassen. Die Truppen fordern nur aus, in Ruhe die Kasernen ansiusuchen.
Berlin, 6. Dez. (WTB.) Die im Zsrkus Busch versammel ten, zur Bildung einer freiwill igen Regierungstr uppe eingeladenen Ünterof fiziers kapitulanten zogen nach einer Meldung des Abends mit Musik znm Reichskanzlerpalais, imd nach einer Begrüßung bitrd) Ebert zum Dorotheenstädtischn Realgymnasium, wo sie der Feldwebel Suppe in einer Aiyprach zum Eintritt in die Regierungstru.ppe ausfordertc. Außerordentlich viele Utntevofsizieve ließen sich in die Listeir eintragen.
Zusammenstöße in Berlin.
Berlin, 6. Dez. Heute nachstnittag fanden in Berlin drei Versammlungen der Urlauber pnd Deserteure statt. Sie waren vom Spartakusbund einberufen und protestierten in heftiger Weise gegen den Ausschluß des von der Spartakusgruppe gewählten sogenannten Frontsoldatarrat durch den Großberliner Solidatenrat. In allen drei Versammlungen wurde die Einberufung der Nationalversammlling als VerlaeckMr an der Revolution bezeichnet und die Diktatur des Proletariats als letztes Rettungs- mittcl verlangt.
Tie aus den Versammlungen kommenden Züge suchten sich in der Jnvalidenstraße im Norden Berlins zu vereinigen. Sie trafen dann dort mit Regierungs truppen zusammen, die in der Haupt- sackie aus der: sogenamtteN „Maikäsmr" bestanden. Tie Truppen forderten die Menge .zum 96useinandergel)en auf und da dieser Ausforderrmg nickst Folge geleistet wurde, Barn es zu Zusammenstößen. bei denen scharf gesckwssen lmirde und auch ein Maschiuengewehr in Tätigkeü trat. Bei den Zußmrnnncstößen gab cs zahlreiche Tote und Verwundere. In Pie nächste Uttfallstachm wurden 12 Schververlctzte getüncht.
rlmerikanische Verwaltung des besetzten Gebiete»!
Bern, 5. Dez. (WB.) Wie der „Progres de Lyon" aus Paris erfährt, hat die amerikanische Regierung dicVeri waltung des ganzen besetzten deutschen Gebretes übernommen. General Brown ist Militärgouverneur m Trier und hat ausgedehnte Vollmachten erhalten. Eine Zwck-> .regiernng wird im ganzen von den Amerikanern befetzteir Rheins laiid errichtet werden.
WilsonS 14 Punkte.
Washington. 4. Dez. (Reuter.) Im Sencck begrün eine allgemeine Aussprache über die. 14 P u nkt e W i l s o n republikanischer Senator verlange, daß der Präsident feine Prrn- zipien, die verschiedene Auslegungen zuließen, öffentlich mterpretrerrj und sagte, der Präsident sollte keine radikalen Vorschläge machen, che er die Gewißheit habe, daß das Volk ilMen zustimme. Ein anderer Republikaner sagte, der Völkerbund dürfe keine übergeordnete Regieppng sein, die die inneren Angelegenheiten der Völker beherrsch? mrd sich darein eirrmengen toolle. Aber er könne ein Welttribirnal für Entscheidungen über international« Streitfragen sein.
Helgoland.
London >5. Dez. (Reuter.) In einer in Dundee gehallenm Rede sagte Balfonr, es bestehe nicht die Ab sicht, die Rückgabe von Helgoland zu verlangen. Die Admrra- lität halte Idas rächt sür notwendig. Ferner teilte er mit, daß die Regierung die Natiorralisiernng der Eiserrbahnen beschlvsien habe.
Englischer Flottenbau.
London, 5. Dez. (Rerrter.) Nach dem Mcrrrneberichterstatter der „Times" tmrrderr seit Beginn des Kneges 21 britisch« Schlachtschiffe gebaut, wovon fünf einer Klasse angehören, über die das größte Stillschweigen bewahrt wird. Es verlautet, daß sie 800 Fuß lang seien, eine Wasserverdrängnn von 30 000TonnelH besäßen und ci c Gesch.vnrd gkeit vou 30—35 Kuoen erreichen könnten. Sie können auch in seichtem Wasser benutzt werden.
Aus dem Aeiche.
Dir Antivort der Reichsregierung an EiSnrr.
Berlin, 5. Dez. Ter bayerische Miiästerpräsident Ersnep' hat der Reichs regiernng eine enceute Konferenz der deutschen Freistaaten in Jena vorgeschlagen, deren Aufgabe es feilt sollte, eine programmatische Kundgebung der äußeren und inneren Politik zu ^vereinbaren, insbesondere die -Frage der Nationalversammlung, bit Besetzung im Auswärtigen Amt und die Aktenoeröfientlräzung zu regeln. Die Reichsregierung hat davauf folgende )vp r 1 evteitt:
Der Wunsch der bayerischen Regierung auf Einberufung einer Konferenz der Vertreter der deutschen Freistaaten nach Jena oder5 nach emem anderen zentral gelegenen Oft hat die Reick-sregierung in il-rer heutigen Sitzung beschäftigt. Wir sind zu dem einmütigere Beschluß gelangt, von der Einberm'ung einer solchen Konferenz abzusehen, weil nach unserer Ansicht kein genügender Grund für ihren Zusanrmenttitt vorliegt. Tie Reichsregierung hat das» Programm ihrer äußeren und inneren Politik in ihren Kundgebungen festgesetzt. Tie erste Reichs Konferenz in Berlin hat sich mit ihr auf ben gleichen Standpunkt gestellt. Auch wrs beschafägt der Gedanke, daß ein engerer Zusammenhang zwischen der Reichs- regierung und den einzelnen Freistaaten geschäfen loerden inuß. Es liegt uns feit einigen Tagen hierzu ein Vorschlag.Preußens vor, der gründlich geprüft werden wird. Vor einer Neuregelung der Angelegenheiten werden die Einzelstaaten Gelegenheit l^rben/ ihrerseits Stellung zu nehmen. Die politischen Akten des alten Zdegrmes sind von uns in Verwal-rung genommen und es ist alles geschehen, um Publikaävnen aus den Archiven mit gründlick-er Sorgfalt vorzubereiten. Wegen der Neubesetzung des' Auswärtigen Amtes wird im Kabinett beraten.
Der Wahltermin fiir Bayern.
M ü nchen , 4. Dez. Tie Regierung des Volksstaates Bayern hat durch die Korrespondenz Hosfmann abends folgende Proklamation an das bayerische Volk veröffentlicken lassen:
Die Regierung des Vollsstaates Bayern besämmt hierdurch, daß jdie Wahlen zu dem neuen bayerischen Landtag Sonntag den 12. Januar 1919 stattsinden. Wahlbereckstigt sind» alle mämrlichen und weiblichen bayerischen Staatsangebörigm, die am Tag der Wfthl.1. .das 20. Lebensjahr zurückg.stegt Habens 2. die bayerische Staatsangelchrigkeit besitzen. Ausgenommen sind hmr Entmündigte und solche, die die bürgerlichen Ehrenreckste nicht l^sitzen. Wählbar sind alle männlichen und )veiblichen wah.berech- tigten bayerischen Staatsangehörigen, die das 25. Lebensjahr zurückgelegt habein Die näheren Bestimmungen über die Wahlen werden in der Wahlordnruig getroffen.
Die Belgier in den Nbeinlanden.
Köln, 5. De?!. (WB.) Die „Wlnisckie Zeittmg" meldet auS München-Gladbach vom 5. T^ember: Heicte nachmittas wurde hier ein Befehlches belgischen Stadtkv mman-, d a n t e n angeschlagen, der im großen uiü) gairzeil die gleichen Bestimnrungm enthält, tvie die in Jüllch Diese Bestimmungen sind jedoch in einigen Punkt nt gemildert. So z. B. heißt es nichts daß diejenigen, die mit Waffen betroffen tverden, erschossen, fort* dern verhaftet werden. Ferner ist der Zwang fiir Kärger, die Offiziere zu grüßen, )veggefallen.
Düsseldorf, 5. Dc-z. Die Belgier fordern irn besetzten Stadtteil Düsseldorf im Wege der Requisition Wäschestücke inrd Futtermittel für Pferde. Tie lstesige 5>andelskanmler l>at gegen die Sperre der Rlieinschiffahrt durch die Belgier bei der deutschen Wafserrstillslandstiommission Einspni.ck) erlwben. Vom Staatssekretär Erz borg er ist die drahtliche Mitteillmg ein», gegarrgen, daß er Ersilllung der Wmrsche der Milhenmg de>s Vor-, bots des Verkehrs zwischen den beiden Rheinufern in Tüiscldorf I-cute in Spaa beantmgen werde.
Dir Plünderungen in Köln.
Köln, 6. Dez. Nachdem in der voavergangeneir 0?ackst bei der Plürrderinrg eines KPnfettionsgeschäfies und Goldwarenlcrdens durch eine 500köpfige Itäuberbcrnde mehrere Banditen durch die Sicherheitsorgane erschossen oder schwer- verletzt icwrden waren, erfolgte im Laufe des hcrrtignr Tages die Verhaftung von ca. 50an der Plünderung beteiligten Individuen In dev vergcurgenm Nacht ttmtbat itn Seidenl>aus LoUxuistein und Grürr^ borg Waren im Werte von einer Viertelmillion geraubt. Der Versuch tveiterer Plünderrmgen von Lebensmittel- und >p>.cidek- räederlagen wurde durch die ÄLachsamLät der Sich'rhcitsm'gane vereitelt. ^
Nach der „Rhein. Ztg." stürmte heute nachnnttag eine nach Taufenden zähleiche Menschenmenge den bei dem G'bände der ehemaligen Werkbinchausstellung gelegenen Heerespirk, überrannte die Wachtposten inch öffnete gnvaltsam die Demus. Hunderte erschienen mit Pferden usw., heben nach Belieben auf unb fuhren mit lwchhepackten Wagen ab. Da Tein Militär mehr aMvesend war. tvurde den Plündenlngen erst nackpnittags nach der An.sstellung vau MchchptcngQvchauL, deren Knattern die Gemüter erschreckte.


