ltr. 28? Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 6. Dezember W8
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 6. Dezember 1918 Jriftizrat Prof. Tr. Leist f.
.Aus Göttingen kommt die Nachricht, daß Geh. Iustizrat Drvf. Dr. Paul Gerhard Alexander Leist aus Verzwcislung über die traurige Lage des Vaterlandes seinem Leben selbst ein Ende gemacht habe. Auch die Gießener Einwohner werden davon schmerzlich betroffen sein, denn Herr Leist laxrr über 20 Jahre lang ein angesehener Lehrer an unserer Universität, der. wenn er es auch nicht liebte, öffentlich hervorzutreten, doch in der Bürgerschaft (rekannt und beliebt war. Am 1. März 1913 war er MitAied der Ersten Kämmer der Stände geworden, wird 1917 folgte er einem Rufe an die Universität Göttingen. — Aus dem Lebensgang des Verstorbenen sind folgende Taten festzustellen.' Geboren am 17. Oktober 1862 zu Jena. Studierte von 1882 lns 1885 Jurisprudenz zu Leipzig, Berlin, Jena, Tübingen. Promovierte 1885 bei der juristischen Fakultät zu Tübingen. Von April 1886 bis Herbst 1889 war er Gcrichtsreferendar im Bezirk des Oberlandesgerichts zu Celle Im Herbst 1889 habilitierte er sich für römisches Recht an der Universität Halle-Wittenberg. Uebernommen als Privatdozent mit der venia dvcendi für römisches Recht an die Universität Marburg Herbst 1891. Berufen als außerordentlicher Professor nach Göttingen Herbst 1892 (28. Oktober); in gleicher Eigenschaft nach Mar- lurg versetzt am 1. Ap.il 1893. Am 10. Jnli 1895 Ernennung zum ordentlichen Professor für römisches Recht und Handelsrecht an der- Landes-Universität mit Wirkung vom 1. Oktober 1895. Am 35. November 1906 erhielt er das Ritterkreuz 1. Klasse des Philipps-O'rdens. Vom 1. Oktober 1907 bis dahin 1908 war er 'üektor der Landes-Universität. Am 25. November 1909 wurde er (Theimer Justizrat.
Die Auslösung des stellvertretenden Generalkommandos.
Der Kommandierende General des aktiven 18. Armeekorps, o. Etzel, gibt folgendes vckannt: Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps wird mit dem 9. Dezember 1918 aufgelöst. An seine Stelle tritt mit diesem Tage wieder das aktive Generalkommaardo des 18. Armeekorps in Nauheim. Von da ab sind sämtliche Eingaben betresferrd militärische Angelegenheiten nicht mehr an das stellvertretende Generalkommando Frankfurt am Main, sondern an das GenevalLommando des 18. Lllmeekorps in Nauheim zu richten.
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** ^Personalnach richten der O be r - P o st di r e k- tcon Tarmstadt. Verliehen: Das Eiserne Kreuz 1. Kl. dem Leutnant d. R., Postassisheitt Linker aus Langen (Bez. Tarmstadt); das Eiserne Kreuz 2. Kl. dem Feldpvstsekretär T r a - be rt in.Gießen und dem Bcamtenstellverttcter, Poslassislent Z in- f e r aus Gwß-Felda (Oberhessen); die Hessische Tapferkeitsmedaille dem Feldwebelleutnant, Ober-Postas sistent Die hl aus Erbach (Odenwald). — Aus Aula ß des Uebertritts in den Ruhestand: Das Hessische Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" dem Landbriefträger Krug in Hamnielbach (Odenwald). — Angenvm men als Post- agent: Landwirt Jvhrnn Frohnweiler in Marienborn (Kr. Mainz). — Freiwillig ausgeschieden: Pvstagent Karl Frohnweiler in Mariendorn (Kreis Mainz). — Anf dem
t elde der Ehre gefallen: Leutnant d. R. Postassistent Weber aus Groß-Gerau. — Gestorben: Telegraphensekretär Spahn und Telegraphengehilfin Lorev in Darmstadt Telegraphens^retär a. D. Lenninger in Gießen imd Ober Dostassistent a. D. Schüßler in BüÄngen (Ober Hessen).
^Auszeichnung. Der Ge'reite ErwinBüttnervon hier, in der Sanitäts-KrMttvagen-Mteilung, wurde mit dem Eisernen Kreuz und der Hessischen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert.
** Ge müs r verkauf. Bei der städtischen Gemüseverkauss stelle in den Marrllauben gelangen morgen Samstag zum Verkauf: Mrsing, Weißkraut, Gelberüben, Roterüben, Kohl rechen, Lauch und Sellerie. Ferner wird gegen Mgabe der Obstmarken 6 74—65 Dörrmischobst verabfolgt
** S t ad t thea ter. Nochmals sei auf den Tanzabend von Fräulein Nellr'Knappe am kommenden Samstag hingewiesen. Im Feuilleton dieses Mattes ist während des Sommers bereits auf Fräulein NMi Knappe als eine vielversprechende Erscheinung hingewiesen worden, anläßlich des Auftretens der Künstlerin in einem hiesigen Prrvatzirkel. — Zur Begrüßung unserer 116er wird am Tage nach, deren Heimkehr im Stadttheater eine Sondervvrstellutrg stattfinden, die ausschließlich für die Mannschaften des Regiments bei gänzlich freiem Eintritt bestimmt jü. Tie Vorstellung wird eingeleitet durch einen poe- tis chen Willkommengruß, den Direktor Steingoetter sprechen wird.
** Militärkonzer 1. Die Kapelle des Mecklenburgischen Gvenadierregiments spielt -heute 'von 3 1 / 2 bis 47 2 Uhr nachmittags m der Frankfurter Straße. Ecke Wilhelnrstraße.
. ** Bringt das Geld zu.r Sparkasse. Leider sind
mrner wxh viele Leute der Ansicht, daß ihr Geld am sichersten zu Hause aufgehoben sei. Dies ist falsch. Zu Hanse kann es gestohlen oder durch Feuer. vernichtet werden, bei der Sparkasse irichl; hier trägt txi3 Geld Zinsen, zu Hause bringt es keinen Pfennig Nutzen^ verringert aber den so nötigen Umlauf an Barmitteln.
Landkreis Gießen.
** Großen-Linden, 4. Dez. Der Gefreite Heinrich Fr scher am rMilter-Regiment 80, 6. Konrpagnie. der seit 3 Ok- wbn als vermaßt gemeldet wurde, hat jetzt aus englischer Gefangenschaft geschrieben.
-m. Haangen. 6. Dez. Unser Städtcheaa gleicht seit einigen Ta^en rnsolge der Ernquartteriang einem Kriegslager. Eine iü« unieve Einwohnerzahl ansehnliche Menge Truppen verschiedener Waffengattungen war schon in Bürgerquartieren imd Gasthäusern untergebracht. um nach karrzer Rast weiterzuziehen und anderen rmchzaehenden Truppen Platz zu machen. Am oberen und unteren Ende der Stadt sind Feldbäckereien errichtet, Bagagen, Feldküchen, Zelte sind aus fteien Plätzten arnd längs der Straßen auf-, gesollt, bea denen Wachen aus- und abpatrouilliereu. Die ab-, zu- und durchziehenden Truppen mit ihren Pferdebeständen bieten ein. Bald von dein bewegten, an Strapazeai und Entbehrungen reichen Leben des Soldaten. Wema es auch nicht immer möglich ist, die
Leute so unter zubringen, wie man es gerne möchte, so gesteht doch alles, um unseren heim kehren deai Kriegern ein warmes, angenehmes Obdach zu bieten. Sind doch alle Einwohner von dem Wunsch beseelt, dazu beizutragen, daß die Znruckkommenden heil und gesund zu ihren Angehörigen in die Heimat gelangen.
. -f Leihgestern, 4. T^. Der Gefteite Heinrich Volt, im Reserve-Jnfanterie-Regiment 88, 10. Kompagnie, der seit 3. Oktober als vermißt gemeldet wurde, Kat jetzt aus englischer Gefangenschaft geschrieben.
Kreis Büdingen.
# Bübingen, 3. Dez. Während seines Hierseins verschied ganz plötzlich der Hauptmann d. R. a. D. Karl Gubba. —Wolf Nach 50 monatiger treuer Pflichterfüllung statt auf dem Ber- lbandsplatz den Heldentod -der Obergefreite Otto H e u l h e ck, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeit smcdaalle. Fürs Vaterland starb der Unteroffizier Heinrich! Malfeld. — Rohrbach. Nach 32 monatiger treuer Pflichterfüllung starb der Musketier August Jakobi.
Hessen-Nassau.
mr. Frankfurt a. M., 5. Dez. Die Siedlungsgesell schaft Frankfurt macht gute Fortschritte. Trotz der ungünstigen Lage wurde von den Beteiligten schon eine Million Stammanteile gezeichnet, während das Gesamtkapital 3 Millionen betragen soll. ^<te Stabt selbst wird sich vorerst mit 200 000 Mk. beteiligen, während sie außerdem die Bürgschaft für sämtliche Anteile über^ nimmt.
urr. Frankfurts M., 5. Dez. Die Kriegsamtsstelle ist auf- gelöft worden. — Tie Bezüge der 1000 Mann starken Frank- Arbeiterwehr wurden von 14 Mk. pro Tag auf 18 Mk. erhöht.
= Gelnhausen, 5. Dez. Der A.-u.S.-Rat setzte 500Mk Belohnung für die Ermittelung des Täters aus, der die rot« Fahne von: Rathaus hernirterholte und zerriß.
— Langen schwalbach, 5. Dez. Einem hiesigen Kaufmann wurden 70000 Zigarren und 30000 Zigaretten beschlag- nahmt > die er wahrend des Krieges zu hahen Preisen aus Gewann sucht eingekcraaft hatte und nun zu iwch höheren Preisen veräußern wollte. Jetzt muß der profitgierige Mann die Ware weit unter dem Einkaufspreise absetzen. -
Christen.
irrr. Frankfurt a. M., 5. Dez. An der Frankfurter Unaversität hatten sich Bestrebungen geltend gemacht, im Interesse der Kriegsteilnehmer cm neues Semester anfangs Januar begannen zu lassen. Das Pvofessorenkollegium al^er war nicht einver- staaaden. Man will vielmehr die eittlassenen Krieger ins laufende Wintersemester übernehmen und dasselbe für voll rechnen.
Halle a.S., 4. Dez. (WTB.) Ter Romanist und Strafrechtslehrer an der Universität Halle, Professor Hermann Fit- tang, der Senior der staatsrechtswissenschastlichen Fakultät, ist am Alter vom 87 Jahren gestorben.
Hun-eL.
— Die Zigarrenpreise. Ueber dieses letzt so vielbesprochene Thema bringt die „Südd. Tabakzeitung" einen aussührlichen Bericht, dem wir folgnüies entnehinen: Bisher ü>aren 75 Prozent der gesäurten Produktion für Heereslieferungen beschlagnahmt, und zwar mußten ueim Zehntel in Sorten znm ^abriupoeise bis zu 120 Mk. pro 1000 Stück geliefert werden. Dre Beschlagnahme ist für den Monat November aufgehoben worden, aber für die folgnrden Monate wurde die Eiuforderung der lreferungspslichtigen Meaigen auAdrücllich noch Vorbehalten. Die für November erfolgte Freigabe gestattete den Fabriken, die für das Heer bereitgestellten Zigarrear, also Sorten zum Ladenpreise von 15—20 Pfemrig, ihren Häirdlerkunden zu überlassen; hierdurch fandet das laeuerliche Angebot dieser PreiÄageal im Kleinhandel sniae Erklärung, ivobei aber zu bemerken ist, daß diese Sorteir fast ausjchließlich ans inländischem Tabak angefertigt sind. Tie ver- äirderte Lage hat aber das Gute, daß die AuÄvüchse des mach in Zigarren n cht maszuwtteraden K ttenhawels beseitigt averden. Trotzdem muß zum Bedauern des Tabakgewerres noch aus längere Zeit mit hohen Zigarrenpreisen gerechnet werden, da es noch mehrere Monate t*iuent wird, bis auch nur geringe Mengen Tabak ans den überseeischeaa Prvdnktionsländern nach Deutschland kommen. Dieser geringen Einftrhr steht eine enorme Nachftage in ganz Europa gegenüber, so daß für uns namentlich auch bei dem schleck> ttn Stmw der deutschen Währung nc»ch aus längere Zeit hohe Tabakpreise erwartet werden müssen; dazu kommt die gewaltige Steigerung der Löhne und Unkosten bei infolge der Konttngentie- rung sehr eingeschränktem Umsätze Awdeverseits hat schon vor einiger Zeit der „Deutsche Tabakveoein" in der Tagespcesse erklärt, daß Zigarren in normaler Grvß^' im Preise von mehr als 600 Mk. pro 1000 Stück, also 80 Pfennig Ladenpreis, in das^ dleid) der Phantasie gehören, und er hat den Rmachern den viel zu wenig befolgten Rat gegeben, unberechtigte Preisforderungen sofort den Behörden zur Anzeige zu bringen.
orteten in Tätlichkeiten aujs. so daß die Polizei einschreiten wxb dae Vorstellung abgebrochen werden mußte.
Das yiiigöttslime Abeialkskr üfä Kem 8algha!> Jiilti.
Romcm von A. H. Adams.
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(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ich bin es mix," echote er würdevoll. „Es ist Zeit xu gehen."
„So halb?" sagte das Mädchen mit einem Seufzer.
„Es ist ziemlich spät," '.viederhotte er unerbittlrch. „Sie könnten vermißt werden."
„Ja, es ist Zeit, daß wir gehen," sagte Horace. Galahad benrerkte, daß der junge Mann nicht einmal nach der Zeit gefragt hatte. Die beiden hatten Seite an Seite aus ihrem Platze gesessen. „Ich werde morgen abend lviederkommen."
Galahads gespannter Anftnerksarnkert schien es, als ob in Horaoes Stimme etwas wie Erlösung lv-ahrzunehmen sei, aber er schrieb diese Vorstellung strenge der Eifersuckft zu. Er hatte seine Lektion gelernt.
Er wandte den beiden den Rücken und ging nach der Tür. Er wollte die Heiligkeit ihres Abschiedes nickt entweihen. Aber als er den Gang hinausblickte, entdeckte er einen langsam sich bewegenden Schattmt.
Galahads Entschluß war sofort gefaßt. Blitzschnell übersah er, was er zu tun hatte. Seine Dame hatte ihn ver^ stoßen, ckber einshmals hatte sie ihn Kam Ritter geschlagen.
vermikchtes.
* Ballins Selbstmord. Das „Berner Tageblattt' meldet aus London: „Daily Expreß" berichtet: Ball in, der Direkter der Hambürg»-Amerika-Lini-e in Hamburg, hat seinerzeit Selbst nwrd verübt. Ueb-n die Ursache will das Blatt folgendes in Er- fah-rimg gebracht haben: Im Oktober hatte Ball in im Hauptquartier eine heftige Auseinandersetzung mit Ludendo rfs. Ter Kaiser stellte sich auf den Standpiankt des Generals. Er wider- etzte sich allen Vorschlägen Ballins die auf die Wiederau smahme vcm guten Beziehungen zu England zielten. Ballin nrachte auf die Gefahr der Revolution aufmerksam, die alles verschilingen könne. Der Kaiser zuckte die Achseln und sprach von jüdischen Intrigen, woraus Ballin das .Hauptquartier verließ als ein gebrochener Maten, tvie Augenzeugen schilderten. Als die Revolution au sprach wib in Hamburg ihren Sitz im Palais der Hamburg- Amerika-Li nie nahm, ers dino H sich Ball in.
* Wien, 4. D^. (Priv.-Delegr.) Wie die Blätter berichten, kam es gestern im Wiener Stadtthaater beider25. Aufführung der Operette „Ter Kongreß tanzt", deren Musik aus Beet Hovens chen und Mozattschen Motiven zu sanrm cmgesetzt ist. zu Kundgebungen, die sich gegen die Verwendung klassischer Musik zu modernen Operetten richteten. Die Dem onstrationen
Seine Dienste blieben ihr dennoch geweiht. Vielleicht war ihm die ruhmvolle Tat Geschieden, sie zu retten — wenn auch für einen andern.
„Es kommt jemand," flüsterte er. „Schnell, Lothian! Laufen Sie noch der Mauer und machen Sie, daß Sie fort- kommen. Sie bleiben hier, Sibhl, ich werde Ihnen Zeit verschossen, zuvückzugelangen."
Daun lief er rücksichtslos über ein Gartenbeet, in der Absich,t, die iAufmerksamkeit des Schattens auf sich z-u ziehen. Er lies blindlings von der Laube fort noch dem vorderen Dor, immer im Gesichtskreise des sich bewegenden Schattens. Die Gestalt sah ihn und stürzte geschwind zu- rück, um fein Entweichen zu verhindern. Galahod sprang plötzlich hinter einen Strauch und wartete. Sein Hauptzweck war, Zeit zu gewinnen und die Aufmerksam kett des Fremden teuf sich zu ziehen, bis Horaoe seine Wucht gelungen war.
Der Fremde, der nicht wußte, wohin sich wenden, kam vorsichttg näher, indem er noch dem Erndrinaiing ausspähte. Galahad stürzte auf den Wog hinaus, und als sein Verfolger ihm nachkam, sprang er plötzlich zurück und lief dem Hause zu. Alles war ihm einerlei, solange er nur den Fremden von der Nachbarschaft der Laube mib von dem Wasserrande fernhielt. Aber fein Atem wurde kurz; Gala- had war nicht an heftige Anstrenaungen gewähnt, und sein Körperbau war nicht der eines. Läuters,. Dennoch ftchr er
Letzte AcrcLiriehten.
Verzögerung der Vorverhandlungen?
Genf, 5. Dez. Die Agenoe Havas hat den französischen Zei- rungen «am Tienstaq abend folgende Mitteilung des Kmegsmini- sterrums zugestellt: Infolge der Langsamkeit, womit von den Deutschen die Ansliefernng des Eisenb ahnmate-. raals bewert,telligt wird, erschein es ausgeschlossen, daß sie vor dem 17. Dezember die in den Klauseln des Warfsensrillßanosver-» ttaages vorgesehene Zahl von 150 000 Waggons und 5000 Loko- mottven den Alliiertea übergehen haben weroen. Uuler diejen Umständen ist es möglich, daß die EnteMe eine Verlängerung der in Frage stehenden Frist gewährt. Jnplgedessen werden die Friedensverhclndlungen um ebenso lmage verzögett. Die Deutschen können in der Tat nicht zu einer Verhandlung mit den Bevoll- machtigten der Entente zugelass-en werden, bevor alle Bedingungen des Wasfenstillstandsvertrag es voll und ganz ausgeührt sind. Ittrterdessen werden die Besprocknurgen zwischen den Alliterten wahr- schernlach am 20. Dezember beginnen unter persönlicher Anteilnahme des Präsidenten Wilson.
Ein weitgth.'Mler Straftrlaß.
Berlin, 5. Dez. Der Rat der Vvlksbecmftragten hat am o- Dezember eine Verordnung beschlossen, die entsprechend der Verkündung vom 19. November eine weitgehende Amnestie vorsuhtt Diese Verordnung schlägt alle Verfahren vor bürger- ttchen Behörden wogen solcher Sttafttten nieder, die nur mit Frei- hertsstrafe bis zu einem Jahre oder mit Geldstraten belegt werdm. Darüber hinaus werden solche Personeia besonders berücksichtigt, me ans Not, aus^ Unerfahrenheit oder infolge von Verführung gehandelt haben. Dies kommt vor allem Frauen und anderen Änge- hörigen von Kriegsteilnehmern zugute die diese im Haus oder Berus vertteten und hierbei Straftaten begangen haben. Bereits erkmmte Sttafen werden allgemein erlassen, soweit sie ein Jahr Gefängms oder ein Jabr Fei'tungshaft oder 3000 Mk. Geldstrof» nacht übersteigen. Bei schweren Strafen wird Straferl aß unter der Bedrngung gewähtt, daß der Verurteilte sich drei Jahre sttas- fm fühtt. Dieser bedingte, Straferlaß greift ohne weiteres Platz, wenn nur noch eine Strafe von höchstens einem Jahre zu veö- büßen ist. Ist noch mehr zu verbüßen, so tritt der bedingte Straferlaß nur dann ein, wenn die Erwattung gerechtsettigt ist, daß der Verutteilte die Freiheit nicht zu einer neuen Sttaftat mißbrauchen wird.
lrie gs wu che rer werden von der Straffreiheit ausgeschlossen. Verfehlungen leichterer Att gegen die alte oder die neue Preissteigeruugsordnung und gegen die Höchstpreisbestim- mung sind unter gewistei Einschränkungen in den Straferlaß einbegriffen.
. Ae Verordnung gill für das R e i ch. Günstigere Bestimmungen' ernzelstaatlicher Amnestien bleiben jedoch in Kraft. Eine umfassende ttmnestte in militärischen Angelegenheiten steht unmittelbar bevor.
Eine Richtigstellung der Waffenstillstandskommission.
Derlin. 4. Detz. Eine Reitze ernsll-after Blätter hatte, gv. Atzt auf crne MeLurrg der Teut,chen polLswirtschaftlichen Korre- Ipon^nz die Nachricht gcbxadyt, daß .entgegen dem Arttkel 19 der Wa ffenstallitaiidsbedingluorgen, ivvnach das von Rußland, oder Rumänien an Deutschland gezahlte Gold zu* ^ ^ öwar zu Händen der Eittente, die Nei-cx-soank auf Verlangen der gegemrwrtigen Regierung 240 Mil- lwiren Mark zurückgezahll habe, aber nicht an die Entente, sondern an die bvl,chcwr>ttsche Regierung in Mosöau. Demgegenüber wird sesbge,teilt: Die Reichsbmrk hat auch nicht für einen Pfennig Gold mr 'dre bolsckjewi,tische Regierung gelangen lassen. Tie Reichsbank hat vielmehr m getteuer Ausführung des Attikels 19 des Waffen- stlllstarndsr^rttages 93.636 Kilogramm Feingold im Betrage van rund 346 Mrllaonen Mark nach Frankreich geschickt. Die Sendung ist unterwegs nach Paris.
^Deutsche Waftenstillstaiwskammiffian. Staatssekretär Erzberger. Vorsitzender.
Entsendung eiirer deutschen Lebensmittelkomnrission?
^ Be r lin, 5. Dez. (WTB.) Zur Frage der Entsendung einer deutschen Lebensmittelkommision wird mitgeteilt^ daß der Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Waffenstllls'ands- kommission in Spaa, Gesandter von Haniel, in der gestrigen Sitzung eine Note verlesen habe, in der ans die Bereitwilligkeit der Entente gegenüber der deutschen Regierimg hingewiesen wird, zur Wieder- anfnahine der lothringischen Hüttenindustrie eine Sachverständigenkommission aus beiden Parteien zusammentteten zu lassen. Es nur ^ angeregt, auch Sachverständige zur Beratung anderer witt- ichaftticher Fragen zusammen zu berufen.
Die Armee Mackensen.
Budapest, 3. Dez. Generalstabschef der Armee Mackensen Oberst v. Schiwarzteppen hat heute hier die Verhandlungen über die technische Durchführung der Internierung der Mackensen-Armee mit der ungarischen Regieriing ausgenommen. Tie Nachricht, daß der in Siebenbürgen befindliche Teil der Armee vor GeneraL Berthelot die Waffen gestreckt habe, entspricht mcht den Tatsachen. General Berthelot hat im Verlaufe der mit ihm gepflogenen Verhandlungen erflärt, daß er zwar auf der Turchsführmrg des Wafsen- stillltandsvertragcs bestehe, daß er sich aber an der Turchfnbrung der Waffenstveckung desiitteressiere und sie im Sinne des Bettrages der ungarischen Regierung überlasse.
Die Ermordung der Romanows.
Haag, 5. Dez. Reuter meldet aus Eharbin: Der Bericht, daß die Bolschewiki in Mapajesk die Großfürsten Sergius, Nicolai Nioolajewitsch, die Großsürstm Elisabeth Federowna, sowie die Prinzen Johannes, Konstantin, Nicol und Paallermordet l^abcn, wird bestätigt. Tie einzelnen Personen wurden gezwungen^ iftn, einen Bergwerks scha cht zu svri ngen.wo ihre Leichen jetzt gefunden wurdeir. Ae russischen Blätter melden weiter, daß die Zarin und ihre fünf Kinder, deren Leichen noch nicht gestanden worden sind, von der gleichen Bande ermordet worden sind. Tie Namen der Mörder, die nach Perm abgereist sind, sind bekannt.
fort, fernem Verfolger durch eine Reihe zielloser Vorstös quer durch den Garten hindurck M entkommen, wobei , Blumen zertrat und Beete ruinierte. Und als er zuglei mit dem andern, der ihm dicht auf den hacken war, d< Baumgaug wieder erreichte, sah er ein entschrvindende weißes Flimmern mit Ende des tzkmges. Das Mädchen wc wohlbehalten davon gekommen. Sie ivar gerettet.
Es war nicht nötig, die Sache luxf) länger weiterzi fithven, au^h war er fast erschöpft. Plötzllck stürzte er de Baumweg hinab auf das Wasser zu, aber sein Gegner wr seiirer List ztworgekommeu und erwartete ihn im Mondliä auf der Terrasse. Galahad nahm seinen dicken kleinen Köi per zusammen und rarmte auf den Mann zu. Wenn er ih narr überrennen konnte, so würde er doch vielleicht rax entkommen.
Da sah er im Mondlicht, ckts er auf seinen Gegm zustürzte, dessen Gesickft.
Der Mann, der ihn schweigend und unerbittlich gejac hatte, der Mann, in dessen Garten er sich als vechtswidr aer Eindrirrgling zu später Abendstunde befand, der Mani der so sehr darauf bedacht war, ihn zu sangen — war Her Beach — Galahads Bankdirektor!
Aber es blreib ihm keine Zeit, sich zu besinnen. Ir stinkttv das Gesicht mit dem Vorderarm bedeckend, — e war ein Glück, daß der Mond hinter ihm staird! — stürzt er sich aus Jetraen eigenen BauDirektor. (Fortsetzung folgt.


