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168. Jahrgang

Freitag. 6.

Dezember 1918

Aniiahme von Anzeige i

f. die Tagesnuunner dis zu»u Rachlnitrag vorher ohuejedeVerbindlichkrit Zeilenpreise: für örtliche 'Anzeigen 25Pf.,für auswärtige 30 Bi., für Reklamen Aik.l. - nebft 20°/ o < leue« rlmqszufchlag: Platzvor­schrift 20 % 'Aufschlag. Hauptschri'tleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: ?lug. 6)oetz; für den übrigen Teil: Dr. Neinhold Zenz; für den Auzeigeuteä: H. Beck; särutlich tn Gießen.

Bekanntmachung.

In der lebten Zeit sind mtkniicr? Gerüchte über den A.- und S.-Rat Gießen verbreitet worden. Wir machen darauf aufmerksam, daß wir gegen alle Berleuinder rücksichtslos Vorgehen.

Gießen, den 6. Dezember 1918. 9450a

Arbeiter- und Zoldatenrat Giehen.

Schindlmeier. Kiel. Simon.

Trotz der näederholten Warnuugeu des Soldatenrates an die Bevölkerung, die Kinder möglichst nicht auf die Straßen zu schicken., werden den aniÄmmenden. rmd abgehendeu K'cie gsge;angenen nach Nie vor von einer größeren Anzalil von Kindern gegen Bezahlung oder Geschenke (Biskuits. Schokolade usw.) Külidieuste geleistet, nxthrend sich, nur sehr selten jemand bereit erklärt, un- seven heimkehrenden, ernrüdeten Soldaten für sclyveres Ge­päck in ihre Wohnung zu befördertt. Wie in den letzten Tagen, so sanrmelten sich auch am Mittwoch nachmittag Dutzende von Kcndenr am Bahnhof und am Eingänge dc's Lagws an, mn von den «.befangenen Biskuits usto. zu betteln. Von einem vom Bahnhof nach den: Lager fahrenden Wagen, der mit italienischen Paketen cheladen war, tzmrden von. den. Italienern einige total defekte Pakete unter die Kiirrder geworfen., mn sich dieser zu entledigen, während aridere Kinder mrd Erwachsene in einem unbewachten Augenblick sich mehrere Pakete von dem Wagen aneigneten. Derselbe Vorgang wiederholte sich später vor der Kommandantur, die ge- tiütigt war, mit aller Energie gegen dieses schamlose Treiben einzu- schrciten. Mehrere Franzosen, > die diesen Vorgäirgen zugesehen hatten, beklagten sich nachdem lauf der Kommandantur, und ist es als sicher anzunehmen, daß die heimkehrerrden Gefangenen, welcher Nationalität sie auch angehören mögen .in ihrer Heimat erzählen norden, daß in Gießen selbst von Kindern am hellichten Tage Pakete gestohlen würden, sie Eöratteu sich deshalb nicht wrmdern, daß sie sov'ele Paöete früher nicht erhalten hätten.

Die Eltern nrcilxit hiermit gum letzte,unal gewarnt.

Die Namen der Eltern, o rat Kinder am BalMhof und am Ein­gang des Lagers Hern'nlungern, werden nach Feststellung veröffent­licht, und gegen sie selbst wird vorgegangen.

Gießen, den 5. Tezernber 1918. 9449s

Arbeiter- und Soldatenrat Gießen.

Sir.u» n.

Zur Einigung der Liberalen.

Solange über bat Zusammenschluß der Deutschen Vvlks- vartei und der Demokratischen Partei itod); nicht mehr be­kannt ist, als die Notiz-, die wir nach der Natl. Korresp. in unserem heutigen Nachrichterrteil veröffentlichen, kann man Über die künftige Lage der Dinge nicht viel Voraussagen. Es ist überraschend, daß die linksnationalliberaleKöln. Ztg." schon jetzt lebhafte Bedenken gegen den Zusammenschluß vor- b ringt, nrdem sic u. a. schreibt:

Wenn dieser Zusammenschluß aus taktischen Gründen auch erhebliche Bordelle verspricht, so wird ein solches Pcrtteigebilde sieb doch rnrr dann lebensfähig ettoeiscn, wenn es sich vom Liberalismus als dem ihr Richtung und Ziel gebenden Sauerteig durchdrungen Läßt und voenn die neue Partei entschieden und entschlösset gegen dce Sozialdemokratie Front macht. Eine bürgerlich-demokratische Partei müßte unter der Republik verNmmern und würde in kürzester Zeit von der Sozialdemokratie aufgesogen iverden. Das Programm, mit dem diese Demokraten vor der Verschmelzung mit den Nalivnalliberalen hervott raten, konnte, wenn erst in das Zwielicht der Revolutiousdämmerung kritisch Hineingeleuchtei wurde, auf das Bürgertum keine Anziehungskraft üben. Tie Grenze <?egen die Sr^iatdenrokratie Scheidemannscher Richtung, deren Würzburger Leitsätze von >1917 über die Sozialisierung im wesent­lichen übernomuien wurden, war so verwischt, daß alle die bürger­lichen Elemente, die bisher der Dunstkreis der Monarchie von der Sozialdemokratie fernhielt, sie setzt, ohne zu stutzen, überschreiten wwrLreu. Wer aber freien Wettbetverb auf Grund der kapitalistischen Wirtschaftsordnung für richtig Mt und der SReinung ist, daß man die wirtschaftliche Entwicklung lähmt, wenn man die Staats- bcdürftnsse abgesel'er von der durchaus berell>tigten sckmstn Dorm,ziehung der Kri ggewinne fast ausschließlich durch direkte Steuern aut den 23efo deckt, wird den Demokraten ebenßrlls ixn Rücken kehren und nach rechts abschwenken."

Wir meinen, man sollte über diesen Versuch, eine größere Einigung unter den bisherigenbür­gerlichen" Parteien herbeiz usühren, sich freuen und abwarten, was sich daraus entwickelt. DerVor­wärts" hat sich namens der Sozialdemokratie bereits sehr abfällig über die neueMischmaschpartei" aus­gesprochen. Der demokratischen Partei werden Kämpfe nicht erspart bleiben, aber es geht doch wohl zu weit, wenn die Köln. Ztg." meint, f/ bk Aufgabe der bürgerlichen Demo­kratie sei erfüllt; sie Wierde fortan vor der Sozialdemokratie als dem berufenen Träger und entschlossenen Bahnbrecher demokratischer Anschauungen in den Schatten treten müssen".

Berlin. 4. Dez. (WTB.) Der ZmammenschLuß der Deut- scken Volkspartei und der Deutschen demokratischen Pattei ist heute, wie die Nationalliberale Korrespondenz meldet, auf Grund der itacfc stehenden Vereinbarungen vollzogen worden: AngesickstS der nun auch terminmäßig festgÄegten Wall zur N^tiowalvenm^ull'-ng und unter dem Eindruck der loe tg Händen Bestvborgen im Lande, welcke sich iür eine Einiguny aller liberalen Elemente mtt wachse uDer Starte ausspvechen, sind auch die Patteileitungen der Deutsck>en denrokrati- scheu. Parier und dex Deutschen Volkspartei erneut zusarnmeN- ^rttelen, um den Weg für eine Bereinigung beider Parteieir zu stnbcn. In der Aussprache ergab sich eine völlige Uebereinstiul- nruug darüber, daß die für eine programmatische Einigrcng auSzu- <crbeiteuden Richtlinien den Gedanken der Reichs- und Volkseinlieit stark betont, daß ferner in der Frage der uotiveirdigen Nationali- sierung grundsätzliche Unterschiede nicht bestehen und daß die eigene wirtschaftliche und private Industrie unter Wcitcrführimg der sozialpolitischen Gedanken die Grundlage unseres Wirtschafts­lebens bleiben müssen. NackHem über diese Grundgedalcken sich eine völlige Einheitlichkeit der Auffassung heransgestellt hat, hat die Leitimg der Deutschen Volkspattei, welche die in den: demokrati­schen Aufruf vom 16. Nvvember niedergelegten Richtlinien billigt, es für ttchtig geheißen, eine einheitliche Front des liberalen und de7nokvatisck)en Bürgertums herzustellen und enipsiehtt allen Par­teien im Lande ein .Zusammenwirken mit der Deutschen deinokrati- schen Partei auf dieser Grundlage. Tie Mitwirkung fiihrender P.-riönlick/ie len der altcn natioralliberalen Pattei und der Deutschen. Volkspartci im Rah:u«r der Deutschien demokratischen Partei ist dadurch gesick-ert. daß der Herr Staatsminister Tr. Friedberg, der Reichstagsabgeordnete Jnstizrat Tr. Bollert. Landtagsabg. Dr. Blankenburg und Frau Klara Nende-Völker in die provisorischen Ausschüsse der Teutsck-en demokratischen Partei ein- weten. Nachdem Tr. Stresemann bestimmt erklärt hatte, mm möge von seiner PersöillichLell absehen. mußte die Pattelle itüng zu

ihvenr größten Bedauern von ihrem einmütigen Wunsch, rhu in diese Ausschüsse zu entsenden, Wstand nehmen. Ter Zeuttalvlorstand bet nationalliberalen Partei, der leider wegen der Berkehrsschwre- rigkelleu in dieser Zeit nicht einberufen werden konnte, wcrd, wenn es die Umstände irgmrdwie gestatten, zusammenberusen werden.

Düs Pwgrmnnr der 5kvnse-ttratipen.

Be r l i n, 5. Dez. (WTB.) DieDeutsche Tagesztg." sckweibt: Ter weitere Vorstand der deutsch - kon se r vati ve n P ar - tei nabm gestern einstimmig folgend? Entschließung an:Ter loeitere Vorscand des Hauptvereins der Deutsch-Konservativen Par­tei steht der in Bildung begrissttum deutsch-nationalett Bolkspartet ftem^lich gegenüber und hält sie für die geeig­nete Grundlage, um alle entf dem Boden von Recht und Ordnung! stehenden i^utschen Männer und Frauen zu vereinigen. Ter Vor­stand fordert die konservativen Organisationen und Parteimitglieder auf, sich der neuen Partei anzuschließen."

Zugleich veröffentlicht der Vorstand der deutsch-konservattven Pattei einen Aufruf, worin «3 heißt: Die konservative Partei ist entschlossen, in der neuen Staatssorm mitz u arbeit en imd wird ,llle Kriast daraus verwenden, daß dem Reicks so bald als möglich ein geordnetes Staatswesen gegeben werten möge, gcttagen voll der dNehrheit der Bürger, geleitet von der Hand einer starken, zillbewußten Regierung, die unser Volk mrS dem schvercn Drucke dieser Zeiten einem neuen Ansschvunge zufiihtt. Im verttauens- vollen Zusawme-urrbeiten nrit anderen Parteien, im.Rahmen inner parlamentarischm Regierungssornl hofft sie, dieses Ziel errera-en zn kölrnen. . _

Schließlich werden errce Reibe vo,r Program mpinlktetl seit- gelegt, ivie: ein starkes deutsck>es Volkstum, Schutz des Privat­eigentums, Erhaltung des Christentums.

Gardetruppen für die Regierung in Berlin.

Berlin, 4. D<^>. Wie wir hören, haben sich' gestern 2 0 B e r- l iner Garde-Regimlente r denen noch, weitere hinzutrtten! dürften, -usalnnr-engesck^losseu, um'der Regienrng Ebert-Haase ein en festen Rückhalts geben. Es sr \b habet folgende EntschiA)c gefaÄ worden: Die Verttetrr der Re-giruenter des Gardekorps wählen einen Treierausschjuß mit dnn Auftrag, der vom A.- und S.-Rat eingesetzten Regierung Ebett-Hoase ihr Vertrauen und die Versicherung anszusvoähen, daß die Ragimenter der Regierung rückhaltlos zur Verfügung stichen tverden, icm die Errungenschaften der sozialistischen Revolution und chren sachgemäßen Aglsbau gegen säiadigenden Einfluß, von welcher Seite er auch immer sei, mll allen Mitteln zu unterstützen.

Ferner verlcurttt, daß es nach neueren Feststellungen möglich sein wird, die Wahlen zur Nationalversammlung, schon am 15. Januar vor sich giehen yu lassen. Eine starke Bewegung zur Durchlfühttmg dieses Gedankens scheint rM .Gange zu sein.

Fronttruppen gegen Eisner.

M ünchen >4. Dez. Eisner Hai hTtcke einen neuen Demon - strationszug von heimgekehrten Fronttruppen er- haltcn. Ibtt-er F'lhrung rwn Offizieren, gefolgt von einer gewaltigen Menschenmenge, zogen die Soldaten bewaffntt unter Borantragung einer Tafel mit der Aufschrift:Wir fordern die Nationalversamm­lung!" zum Landtagsgebäude. Es ettöntM stürmische Rille:E i s- ner Hera ns!" Ter tief erschreckte Ministerpräsident hat in einer Llnsprache die Einberufung der provisorischen bayerischen Nationalversannnlurrg innerhalb zweier Tage versprochen. Der Finanz-Etat der Arbeiter- und Sokdatenräte.

Berlin, 4. Dez. (WTB.) Gegenüber der durchEin Korre­spondent" verbreiteteie Nachrich- d^ß der Finanz-Etat der Arbeiter- U7rd Soldapm'äte lisher 800 Millionen Mark bettagcnj habe, schreibt dieFreihcittE- Wir haben darauf hingewicsen, daß diese Angabe schon deslialb starken Zweifeln be-wgnen müsse, weil es ja bisher gar keine Möglichkeit geben konnte, halbwegs zuver­lässige Berechnungen der vorc den Arbeiter- mrd Soldatenräten in Anspruch gmomncenen Bettäge vorzunehwen. Die clllerverschie- densten Stellen, Dutzende, vielleicht sogar .Hunderte, wären da zu befragen. 800 Millionen sind eine völlig haltlose Behauptung. Erklärungen des früheren deutschen Kronprinzen.

A m ft e r d a m . 5. Dez. (WTB) Nach einer Reutermeldung crils Neichork hatte der hiesige Korrespondent der Associated^ Preß' am Aäontag eine Unterredung mll dem früheren deutschen! Kronprinzen auf der Insel Wierurgenr, in der der K^ron--» Prinz ui. a. sagte, er habe auf nichts verzichtet und kein Dokucnent unterzeichnet; aber wenn die deutsche Regierung errce Republik 7wch amettkanischem oder französischem Muster beschließen wolle, so würde er sich mit der Stellung eines emfachcar deutschen Bürgerss vollständig zufried«r geben und bereit sein, im Interesse senrer^ Landes alles zu tun.

Auf die Frage, was er für den Wendepunkt im Kriege be­trachte. sagte der Kronprinz, seine 11eberzeu.gung sei. daß Deutsch­land den Krieg Anfang Oktober 1914 verloren, habe. Er habe die Loge Deutschlands nach der Schlacht an dep Marne, die Deutschland nicht verloren lxrben würde, wenn die Generalstabschess rricht nervös gewesen wären, für hoffnungslos gehalten.^Er habe damals vettuchit. den Generalstab dazu zu bringen. Friedensvorschläge zu machen, selbst au.f Kosten großey Opfer, wobei er selbst soweit habe gehen wollen., Elsaß-Lothringen^ aufzugeben. Er habe aber zur Aniwatt erhalten, daß er sich mll seinen eigenen Angelegen heften beschäftigen mll> sich auf den Besetz über seine Armee beschränken solle.

Ueber den Beginn des Krieges sagte der Kronprirrz: Gegenüber allen bisher im Ausland verössenllichten Berichten­erkläre er. daß er den Krieg nieruals gelwünstlst habe. Von An­fang mr sei er sicher geweserr, daß England an dem Kampf teil­nehmen werde. Aber seine Ansicht sei vom Prinzen Heinrich und den anderen Mitgliedern der Familie Hohenzolleru nicht geteilt worden. Der Kronprinz sprach mit Erbitterung über die Ar­beit des Generalstabs, die, toie er sagte, für eine Anzah^ voll .Jrrtümern verwtttvvttlich seien, darunter für die große Märzoffensive dieses Jahres, an der im Widerspruch zu seiners eigenen Ueberzeugung er lxibe teilnehmen müssen. Er erllättie ferner, daß! Lüdendorff die H«aupttriebfeder der deutschem Kriegspolftik gewesen sei, .während Hindenburg nur dem Namen xuxdj der Leiter gelveseu sei. Ludcndorff und sein Stab lyabe die serndliche Truppenmacht fottivährend unterschätzt. Sie hätten Nie geglaubt, daß Amerika so chjele Soldaten sendet würde, wie es tatsächlich tat. Zlcm Schluß erklätte der Kronprinz, daß er Wilson bewundere, der dessen sei er sicher dein deutschen Volk einen gerech ten Frieden brftrgen wird.

Der Einmarsch der Geaner in die Pfalz.

L u d lv i g s h a f e n, 5. Dez. (WTB.) Eine interalliierte Kommission, bestellend aus vier französcsckMl, einem englischen und einenl amerikcnllschm Offizier, ist heute mittag, nrft Sonderzug von Trier konimcMd, ly er eilvgetrvffeu und hat sich sosott in das Eisenbahndirekttonsgebäude begeben, um mit deil maßgebender Stellen über einige teckmisck-e Fragen zrl verlZrndeln. .

Kg.iieLsla.ntern^5^T«j. WLB.) .Hgutc vormittas imd

hier mehrere Tausend Manu sranzösiftb'r Truppen cingerückt, dar­unter die marokkanische Division.

Speyer, 5. Dez. (WTB .) Nall-dem bereits heute vorniitta^

9 Uhr ein Vortrupp von etwa 1000 Mann eingerückt war, rückren um 12 Uhr weitere Besatzungslruppcn, und zwar das 51. In sattem Regiment und die 3. Geniekompaglne, zusammen etnxr 1500 M ann, ein. Sie zogen mit klingendem Spiel durch die Stadt. Vor dem Präsidialgebäude nahm der Divisionsgeneral die Parade ab, worcm- die Truppen unter Musik zur Kaserne marschierten, loo sie em- guartiett wurden.

Wilsons Europareise.

Washington. 4. Dez..(Reuter.) Wilson ist in Begleb, tlMg von Frau Wilson gestern abend von Washington abgerelft, um sich heute an Bord des DcnnpfersGeorge Washington" ztt begeben, der sofort absahren wird. Vor der Konürenz wird dlep Präsident mit Lloyd George, Clemenceau, Orlantto und wahr^ scheinlich auch Mit König Albert verhandeln. Er beabluhttgt^ während seines Aln'eilthaltes in Europa Frankreich eln:chlleßlrchi der Schlachffelder, England, Italien, möglicherweise auch BrrineL zu h'suchen. Eine amerikanische Flottille wird Wllson vor dett' französisch-ckn Kstst-e entgegenfahren und den Dampsier in denf Hafen begleiten. Lansing, Henry White,^Konteradmiral Greay,ons und der Vorsitzende der Kommission für Plublic Jnsvrnratimtz Crcel begleiten den Präsidenten.

Die LlrieaStoften Amerikas.

Ne wyo r k. 4. Dez. (Reuter.) Der Jahresbericht des srühercn Staatssekretärs des Schatzamtes Mc'Adoo schätze die Kriegs-^ kosten Amerikas für die 15 Nkonate bis zum 30. Jum.au? 13 322 Millionen Dollars.

Aufhebung der Poftsperrc mit den deutschen Schutzgebieten.

Berlin, 4. Dez. (WTB.) Nach Etlich-er Mitteilung ,der englischen Regierung ist der Po st verkehr mit den vor: Eng­land besetzten deutschen Schutzgebieten tvisder frerge^ geben worden. Wie bereits von der Wmfeultillslandskommissivn mitgeteilt wurde, sind Postsendungen für die Angehöriger der Schutztrrivpe in Deutsch-Ostafrika imd für andere in Deutsch--Oft- afrika befindliche Deutsche nach Dar-es-Salam zu HÄrden des englischen Oberkommcurdierenden zu senden.

Aus dem Reiche.

Schulexperimenle in Preußen.

Berlin, 4. T^. (WTB.) Das neue preußische Kultus Ministerium erläßt Aufrufe an die Lehrer- und Schüler­schaft der höHeren Schulen .in denen die Richtlinien für dieNeugestaltungdes gesamten Er ziehungssystems in freiheit­lichem Geiste ausgestellt sind. In dem Ausruf an die Lehrerschaft- von der wissenschaftliche Objektivität im Unterricht und Urrter- lassung jeglicher polittscher Verhetzung verlangt wird, heißt es: Haß amd Rache darf aus keinen Fall der Jugend gepredigt werdsr, auch dann nickst, wenn die Feinde uns offensichllich Unrecht hm 4 Mll dem Gedanken des Rachekriege^ darf nicht gespielt toerden. In dem Aufruf an die Schüsler wiv) erlitt da; sie in Anbetracht auch der von der Jugend gebrachten Opfer nicht nrehr als unreife und unuründige Atlasse behandelt, sondern vielmehr unter eigener Verantwortung an der Gestalturrg ihres Lebens Mit­wirken sollen. Dazu tverden folgende Einrichtungen bestimmt: Lln sämtlichen höheren Lehvanstalttn- llndet alle ztvei Wochen einmal eine Schulgemeinde, d. h. eine völlige freie Ausspvack-e von Lehreria und Schülern usw. statt. Die Leitung der Versammlung! hat ein von dw Schülerzahl in gel-ej.mer mih gleicher Wahl er- nmrnter Lehrer. 9ln der Schulgemeinde bat der Schullefter und das gmize Kollegium teilzunehineir, sowie alle Schüler von Obertertia crufloärts. Die Schichgemeinde kann ilrre Wünsche und Meinungen in Form von Entschließungen zum Ausdruck bringen, anordnerrdö oder gesetzgeberrde Befugnis hat sie jedoch zunächst nicht. In den: Schulgenreinde hat jeder Schüler und jeder Lehrer cine Stimme; sie beschließt mit einfacher Melwheit. Die Sch'.clgemeinde wählt aus der Schülerschaft einen Schul er rat, der ständig die Interessen der Schülerschaft zn vertteten und im Einvernehmen mit der Schul­leitung und der Lehrersäiaft für Ordnung zu sorgen hat. Den Schülern wird völlige Freiheit zur Bildimg unpolitischer Vereine im Nalnnen des geltenden Rechts gewähtt. Wir er­warten von der Jugend, so fähtt der Llüfrus fort,^ daß die npa Freiheit nie zur Euffesseluarg weder er Triebe mißbraucht wird/ insbesondere würde es einer edlen Jugend unwürdig sein, sie zu irgendeiner Ungehörigkeit oder gar Rache für ftüher erlittenes Un­recht zu benutzen. Ai'öge die Jugend durch Ernst und Treue das Vertrauen rechtfertigen, wie es ihr in der Geschichte bisher noch nie entgegengebracht worden ist.

Eine Abschi^sfeier in Köln.

Köln, 3. Dez.. (WB.) Das letzte Regiment zieht über den Rhein. Ueber eine Wollig sind die Heeressciillen von der West- front über Köln und Umgegend.nach« Osten zu inarschiert. t'llS letzte geschlossene Formation verließ heute mittag kurz irmf> 4 Uhr das Jnfanterie-Regiment Nr. 371 die Stadt und zog über i'ke Tombttlcke ins der gische Land. Aus diesem Aoilaß wurde eine A b s ch i e d s s e i e r vor dem Südpottal des Domes veranstaltet. Hier hatten die Schulen Aufstellung genommen uird eine ungemein große Meuschenmenge umsäumte den Platz, um den letzten sck-eiden^ den Truppen >ein Lebewohl nachzurufen. Die Militärkapelle spielte und Soldaten sangen Chöre. Ter Beigeordrnte Mbermann, als! Vertreter des Oberbürgermeisters, gab uonwns st>ser Stadt dem Regiment den letzten Schteidegrnß mit auf den Weg. Er gab den, scheuenden Truppen die Versicherung, daß. wie auch die Verhält^ uisse ftch gestalten rnögen, das lirrfe Rheinufer sich deutsch ftchlen, deuffch bleiben und ein untrennbarer Bestandteil des deutickMi; Reiches bleiben wett>e. Ter RegimentSkvmncarideur erwidctt? mit einer kurzen Dankesrede uttb mll einenc Hoch auf die Stadt Kölüst Tie erhebende Feier wurde geschloffen amt dem Vorträge des altniederländisll^n TankgebeteS durch die Musikkapelle vereint mit dem Schülergesang.

Plünderungen in Köln.

Köln. 4. Dez. Schon am Montag war ?e§ -zu Plünde^ r un gen im Hafen gekommen. Am Dieirstvg vormittag hatte einxj Rotte voar mehreren hundett Mann das Zeughaus gestürmt, um sich die Kleiderbestände anzueignatt so daß die tbertere Llusgabch vvn Anzügen an die entlassenen Acannschaften eingestellt werden, mußte. In der vergangenen Nacht verriet das Geknatter der Gc-, wehre, mit denen die Bürgerwehr ausgerüstet ist, daß sie wieder anj verschiedenen lPuuklen das Räuberaesindel abzuwehren batte. Dieses bestand aus etwa 300 Mannschaften unter Führung eines Matrosen. An den großen Lebensmittelbeständen im Haien und im Leihlpruse winden die Banden durch Gcivehrseuer vetttteben, ivvmuf sie ein städttsches Kühlhaus mit großen Postear Margarine, Butter und Fleischwaren plündetten. Z-ierner raubten sie ein! Manufaktur- und Pelzivarengeschäft mks und schließlich eine Filiale des Warenhauses Tiptz. Hier stahlen sie Konfektions- und Textilrvaren, Seid^mstofse und Damemväsch'. . im Wette von 180000 Mark. Bei der Abn»chr wurden vier .Räuber -«>4