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Hr. 285 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Montag. 2. VezembenM

Aus Ktadt und Land.

G i e h e n, den 2. Dezember 1918.

KreiSbauernrat Gieren.

Gießen, November 1918.

In Gießen hatte sich nm 13.. Notzember ein vvrläuffacw Kreisl'auernrat gebildet. NcrckHem nun in fcft allen Gcmemoen des Kreises Bauernrätc getvählt sind, mar die Möglichkeit gegeben, den Kreisdcmernrat endgülttg zu konstituieren. Zu diesem Zloeck fatte der Vorsitzende d s vviläuftqen Kversoanernrats. Landtagva^ieord- neter W. Fen chel, Ober-Hörgern, die OriSbauernrate des Kreises Gießen ;u einer Besprechiing nach Gießen geladen. Nahezu mutt- lickc Gemeinden des K'oeises waren lmrch B-rurrnra^ nrtrctm Der Borsiden.de und Sekretär Wagner, Gießen, gaben zunächst der Versammlung über die seither unternommenen schritteui- sclstuß. Bei der daraus solgeiiden Tiskuffton wurden lebhafte Mageii laut über das zur Zeit bestehende Wirtschaftssystem., Das twr- läusige Programm des Kreisbauernrats wurde mit emrgen Zu­sätzen (Punkt 79) gutgeheißen. Es lautet:

mit mniNtN Zusätzen l'rmiN 7-4, gutgehrwen. Es laut«:

1. SicherstelliMg der Ernährung der Bevolrerung.

2. NachdrücNiche Bekämpfung des Schleichhandels und der

E^Z^ÄHerstellung der Landwirtschaft gegen unberufene lieber-

^^4. Arbeitsvermittlung: a) menschliche Arbeitskräfte, b) tierische

Arbntsk^äste^^^ die abgelieferten Nahrungsmittel bei den zuständigen Verlanden durch Kommissionen mis Bauern, Burgern

und Arbeitern bestehend. ~ , m v

6. Engste Fühlungnahme mit den Arbeiter-, Soldaten- uno

Bürgerräten. , . . . ..

7. Eintritt ftrr eme gesunde Fnnrinwirff chaft. _

8 Alle seither drrrch Kommissionen ausgesührteii Rechte geyen «ruf den Bauern rat über (Viehkommisswnen usw.i.

9. Regulierung der Preise für die Lebensmittel.

Eine Erweiterung des Programms wird bei Bedarft späterer BrschlnßfLssung vmtbehÄten Darm,, wurde zur Bor- nähme der Wahlen ^schritten. Srrr FeuHe! fuhrt atts.d-h dre Geschäfte des Kreisbauernrats seither durch> ihn, Sekretär Wagtter, Fr. Nazarenus und die beiden Vertreter des Grestener Bauernr.it., Gottmmm mrd Winn, geführt wordeii seien. Dm,?^ammlnng wählte die drei erstgeiianulen Herren in den geschaftssuhrenden Ausschuß mrd ist damit einverstanden, daß dre beiden Greßener Herren nach wie vor dem geschäftsührenden -lnÄchiiß lMgehl.>ren Dem geschäftssührend<ii Ausschuß wurde das Recht zugesprochen bei Bedarf wintere Mitglieder lieranzuziehen. Tcm Krersbauernrat gehören als Mitglieder an: Wilhelm Weckmmm-Ebechadt Leyrer Jakvb-Ober-Bessiugen. Gg. Fr. Müller-Bel lersfarm, Krd Hamrack-- Steinberg, Karl Mel VI.-Grünberg,, Hch Meier 1-Großeil- Busest, Äemeindereckwer Berlin-Lottdorf, Hch. Mohn-Grimm gen und Haup'lehrer Bach-Givßen-Lindei'i. Außerdenr wurde noch ein Ernährungsausschiiß gebildet, dein folgeiide Mitglieder angehoren: Bürgernieistcr Schmidt-Trohe, Hch. Gg. -L>cheld-Hungen. L^rec Weiftl-Garbenteich, Ph. Schm^t-Albach Kid Seibert-Birkmr. Hch Zikann-Lindenstruth, Friedrich Deibel IV.-Wies<< Bürger­meister Knauß-Stangenröd, Wilhelm Becker-Bersrod. Karl ^ung- Holzheim und Landwirt Preiß-Gießen. .

Das Geschäftszimmer des Krcisbauernrats befindet sich m Gießen. Friedrichstraße 6 p. und ist Unter 166 telephonisch zu er-

^ 29. November tagte hier eine Versammlung der Kreisbauernräte der Provinz Oberhessen. Es wurde em vorläufiger gesck)ästsführender Ausschuß gewählt dem die 5)erren Landtagsabg. W. Fe n chel-Ober-Hörg-erm Sekretär W a gne r- Gießen mrd Landwirtschaftslehrer N o s - Düdelsheim angehoren. Das bekannte Programm des Provinz-Bauernrats wurde um 2 Punkte erweitert, und zwar: ^ ^ ^ , .

1 Msl)ebung der Fideikommisse und Verteilung alles tn later

Hand befindlichen Grundbesitzes zum Zwecke der Gründung klein­bäuerlicher Ansiedlrmgem t m .. ,

2 Beseitigung der Patronate und aller Vorrechte und Berech-

1-igungen der Stmidesherren. insbesondere auch der Jagd und Fischneiberechtigungen, die nicht aus emem tedem Burger zugäng­lichen Wege envorben sind. .

Nach der endgültigen Konstitmerung der KreiSbauernrate sollen diese je 2 Vertreter als Mitglieder für den Provinz bauernrat namhaft machen. Diese sollen in einer übernächste Woche stattsinden- den Versammlung über die endgültige Konstttuiernng des Provinz- Banernrates Beschluß fassen.

*

** Pserdev erstcigerung. Wie uns anitgeteilt wird, werden Mittwoch und Freitag M Gießen am Schlachtviehhof je 100 Pferde unter den bekannten Bedingungen ver,teigert. Dre Versteigerungen l>eginnen vormittags 9 Ufa. Bescheinigungen, daß Me Pferde im eigenen Betrieb benöttgt werden, sind mitzubringen. (Vergleiche Bekanntmachung.)

welche rechtlichen Folgerungen daraus entstehen können: verderblich für das gesamte Volkswohl ist aber eine Handlungsweise, dre mi Bntjnmft bet höchsten Gefahr btö S^ettanbö öaOQtnnttl*ü^ Udjcn Emrnnntz ohne Rücklicht -mi die baraus entstehrmben Folgen in den Mittelpunkt der ErwLglUNisNrrÜckt. h^r

Es soll nicht verkannt werben, boh bre Absntzmogluhkelten b« Waren, gleichviel wcttl-r Art in den letzten Tageil recht schwienä« aeivmden sind^ Tnrch die Einstellung der K-rregSrnbustrre smd vrcle Kreise ihrer lohnenden Beschästtgnng beraubt worden; das Ans­hören des vaterländischen Sihsbrenstes macht sich edcnfall-, in der ErwerbrmSglichk.it breiter Tofkstr.r e beme kbar. datzn tanwW Ueberangebote auf dem Arbeitsmarkt, dre leider auch sthm lohn- drückend wirken, ferner die .eingangs gcscknltnwten auheren Um­stände verkchrstechniicher Art. weM dre Großstädte vmr te em- kansenden Landbevölk.rnng abge^chlonen chibeii, In kr len Kchrser- kreisen ist man aber auch des Glaubens.,daß d«.Prerw der Waren durch einen baldigeii Friebensschlnß ramb zurückgelien ^nntm eine Dermntung. die von iedem Kenner unerer uberaüo prekären Rvhstosflag« unbedingt widerlegt tverdeii kcmn^ Mle bre.e Tat. sackmi sind aber mein oder mmder Angenblickserschnnnngen und dürsten besonders bei grrt geveg-lten Teinobtlniachungsverhaltnisien

rasch aus der Welt zu schassen sein. . ,

Es kann daher nicht hrrngend genug gewarnt werden .die jetzige Sage zum Maßstab für wettgchmde re.chast- lich« Dvrbrreittmgen zu machen. Ein Wciterarbmten nach dreier Richtung müßte unwiderruflich zu entet katastrophalen Atiflo.ung in unsMm Wirtsch/iftsleben fuhren und vulleicht sogar 3 « einer imgerechstfertigten Warrn-Entwerttmg, mit dem kcrnem eriisthaitm Bvlksgenossen gedimt sein kann. Selbst ine Unsicherheit rm Zah­lungsverkehr (auch hier wicder besonders in den Nnksrheinisch^n bietcni kami nicht von langer Tmi^^rw.^'Hich tst trotz aller Erschütterungen unseres deutichen Wirtschzrftsgebaudes so vrel Drill und Zusammengehörigkcitsge ühl vorhnnden. daß aum Meie neueste Panik ohne dauernden Scbaden überwunden »verd^ tonn.

jeder Kaufmann und 0^werbetrnbende hat es y'ute rn der Hand, auch erzieherisch <ruf diejenigen Kreise ru wirken, ove eben glauben, daß sie aus rücksichtslosem Egoismus^ heraus altes fordern können, um ihr Schäfchen ins Trockene zu brmqen._

pantt im Geschäftsleben?

Bon der Ortsgruppe des Hansabundes Gießen geht uns nach­stehende Zuschrift zn: ^ . _. . . ,^ ^

Es wird von vielen Seiten übereinstimmend lebhafte Klage ge führt, daß in der Abimcklung der GesckKfte seit etwa ackst Tagen eine panikartige Störung eingetreten ist, die in ihrem Um ang die bekannten Vorgänge bei Beginn des Krieges im August 1914 um ein Vielsack^es übertrifft. Unter den Einwirkuna^i der Revolution, der unübersichtlickieii Lage, welche die WaffenstiUs:andsbcbing,mgen vor allem im Weiten des Reichs geschaffen habest, welterhrn durch die emscl-neideiiüen Veckehrsstörungeu und die gegenwarttge Unter­brechung jeeglicher Verbindung mit den linksrheinischen höebreten Hai viele Kauffeute eine Nervosität befallen, die durch die momen­tane Kaufunlust des Publikums direkt gesteigert wird.

Es gibt eine geivisse K ä u f e r m o r a l, die man jetzr allen Teilnehmern an Industrie und Handel ins Gewissen rufen sollte. Wohin führt es, wenn nun jedermann seine eingcgangenen Ver­pflichtungen als hinfällig erklärt imd dem Bemiftragten tn gewisten- fa'er MÄfe zumutei, sich mit dieser Tatsache schlecht.und recht abzu- ssnden. Es fall an dieser Stelle grrc nicht davon gesprochen werden.

Letzt: riacL'r'iLbten.

Ebert über das lozialdemorratische Programm.

Berlin 1 Dez. In einer von mehreren tausend Personen besuchten Versammlung der S^ziafaemo'keattschen ^tter sprach gestern der Vollsbeauftragte Eberl über^ die Aufgaben der Nationalversammlung. Tre Dtktattir hat so führte er <nts. unser Land ins! tiefste Unglück hineingestürzt und Diktatur, mag sie von rech's oder links kommen ist für das deutsch, Volt nnerträglich Der Weg, den lmr beim Aufbau emzuschlggew haben, ist Sozialdemokraten durch das ^wrogramm k ar vorgezeichnet. Von diesen Anschammgen misgehMd, bekamvknt wir'nicht nur die Ausbeutung der Lohnarbeller sondern ieoe Aus­beutung und Unterdrückung. Mit dieser Parole zieht die SoMldemo- tratte in den Wahlkampf. Eine der wichffgsten Aufgaben wird snu

das drohende Auseinanderbröckeln der deutschen

Nation zu verhüten und das bculiche Volt mehr al.' zuvor »u einer einheitlichen schaffansträstigen Macht zusammenzufaisen Was soll aus den Arbeitern werden, deren Enstenzz aufgebaut ist auf der deutschen Metall-, Export- und Textilindustrie wenn wir in die mtttelalterliche Kleinstaateiei zurückgewvrfen werderi?/Auch tofcmt die kapitalisttsche Herrschaft weiter ^standen hatte, wäre es notwendig gewesen, Staatsmonopole zu schaffen. Aber, Wir sind entschlossen, eine Sozialisiermig der Produktion sobald wie möglich durchzuführen. Das eine will ich ab:v mrt allergrößtem^ Nachdruck sagen: Eine Sozialisierung unserer Industrie m größtem Um- fiange darf nicht das Experiment eni^elncr Vhantchteii scm lStü^ mffcher Beifall.) Wenn wir Me Existenz der deutschen Arbeicerschaft nicht sinnlos aufs Spiel setzen wollen, so kann Me Sozialiirerung nur das Werk ernster wissenschaftlicher Vorbereitungen und um­fassender Organisation sem. So ist es von uns immer gelehnt worden. Der Sozialismus ist noch nicht Selbstzwecks Von links wird behairptet, es sei Unsinn, was wir wollen. Erlt müsse mau foäiültftercn und dann wählen. Jetzt dmne man noch nicht wählen, denn unser Volk fai dazu noch Nicht reff (Stürmt [dje Pfuirufe.) Eine solche Geringschätzung steht einem Proletarier nicht Äu Gesicht. ES Mbt leider Proletarier, die glaubeii, nt dvffer Stunde sich den Junkern gleichstellen zu sollen. Es ist unmöglich, in die technische und kaufmamrische Leitung eines Betriebes hmeinzuareifen. Das muß jeder orgairisierte Arbeiter ernsehen, daß man nicht willkürlich Stücke herwisreißen kann. Wemt so einzelne Experimente gemacht werden, erleben wir, daß die Arbeiter m kürzester Zeit brotlos werden. Sozialismus bedeutet planmäßiges Organisieren der Wirtschaft durch die Gesamtheit des Volkes zum Nutzen des ganzen

Volkes. Ter Sozialisntus schließt jede Willkür aus. Aber wir lind entschlossen, dem kapital ist i sch", r Profit in der rückiichls.oiesten Weise zu Leibe zu gehen. (Beifall.) Wir roollen jedes arbeitslose Einkommen verhindern und die großen Bermögeii ^u fan Bosten des Staates in weitestem Maße hermtzieben. Wtr sind bereit, die Kriegsgennnne rücksichtslos einzuziehen. (Stürmischer Beifall.) Wir brauchen einen starÄm Ausbau der Erb, chaftS,teuer und des Erbrechts der Republik. Das ist iein Programm nrcht süc die ferne Zukunft, sondern ein Programm, das ungesäumt iu Angriff ge­nommen wird. Soll die Revolution und ihre Erfolge gesichert werden, so muß jede politische und wirtschaftliche Putschtaktik aufs erttf chiebenste bekämpft werden. Eberl fand bet den Ver­sammelten stürmischen Beifall.

Scherdemann über die Schuld am Krieg.

Berlin, 1. Dez. Vor einer großen Versammlung von Unter­offizieren sprach unter stürmischm Beffatl der Vollsboauftragte Scheide mann über die Schuld am Krieg. Er führte aus. er kömre nur sagen, daß die Grundursachen nicht bei den enrzelnen Personen, sondern am kapitalistischm System liege. Die Monarchie ist nun für Deutschland für alle Zeit erledigt und wir stehen auf vepublikanischem Boden. Damit haben sich auch die Besten des Heeres abg runden. Hindenburg. vor dem das ganze Volk nur die größte Ehrfurcht haben kann (stürmischer Beifall), hat erklärt, er stelle sich hinter die neue Regierimg. Das einzige. daS uns Me Möglickfkeit sck>afft, aus diesem Elend herauszuiommen., ist Me Natwiralversammlung. die uns die Mitarbeit und Me Mitverant­wortung des ganzen Volkes briiigen wirM_

£<(f(licrt<ntofl der Fwntsolvaten in EmS.

Bad-Ems 1. Tcz kW»/) Deute verlammeltcn >rch d«

F r o n t s o l b a t e n r i t e in Ems ju einer TaMNg Aimvesend waren etwa 300 Telegicrte. unter denen srch viele Ofsttziere b* fanden. In der Melirzahl gehörten die TeiinelMer M den Zntcllrtz. wellen. Kamerad Giebel sprach für die Regierung, Kanier^ Thiele gab eine kurze Zusainnrenstettung der Borgange, b* zur Revolution geführt haben und faßte ,eine Ausführungen unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden iahw zusammen daß che Revolution demokratisch und fozialrlttsch sem müsse^ In der ans- Üafsion wurdx allseitig der Mille d e$ Bo lksheeres !*>, kündet, hinter der Regierung zu stefan mrd etwaige feparatffttfchr Bestrebungen des Berliner Vollzugsaus,chiffses zu bekämpfen. Bet den Tellnehmern waren vielfach falschie Vorstellungen icber die Stärke und Bedeutung der Sparlakusgrrlppe und des Schlagwortes ,Bolsck)ewismus^' vorhanden. Tie Forffetzurrg der Tagmrg auf 3 Ufa nackMittagis ftstgesetzt. Inzwischen waren Barth und Molkenbuhr aus Berlin emgetrofftn.

Ausschreitungen in Kreuznach.

Kreuznach, 1. Dez. (WTB.) Zu e r n sten ge genrevo- lutivnären Ausschreitungen kam es m Kreuznach anläßlich der Tatsackie. daß der Arbeiter- und Soldatenrat am dorti­gen Stadthaus neben den Nationalfahiren auch eme rote fflaage gefaßt hatte. Nachdem diese vor eurigen Tagen durch einen Os ft- zier herabgeholt worden war, wurde sse anr Samstagnachmittagi auf Befehl eines Offiziers .von mefaeren MannsclMteii geivalM sam herabgeholt rmd vor dent Stadthaus in Anwesenheit des dem Durchmarsch zusehenden Pudlikiims verbrannt. Nachdem diese Fahne durch eine neue ersetzt worden war, kam es am Sonntagvormtttach zu crnslliaften Ausschreitungen. Einige un iugcnMufan Altfa stehende Unteroffiziere deS hier einguartterten 98. Jufanterte-N^ ments erschienen mit Revolvern bewaffnet auf dem Bureau des Arbeiter« und Soldatenrates, mackffen der anwesenden Leitmrg den Dorwiirf, daß die man^lfaste ErmälMMg der Truppe Schuld des Arbeiter- und Soldateurates sei, urcd verlangt die Entfernung der roten Fahne. Ohne eine ihnen angebotene Unterredung mrt dem Ortskommandanten abzuwarten, bahnten sich die Leute gewaltsam wrd unter T^hungen mtt Waffengebrauch, den Weg zu dem versckulossenen Raume, erbrachen ihn imü entfernten Me Fahne unter lautem Beifall des sogenann^4 besseren Ständen angehörigen Publikums. Alsdann faelt em be­rittener Haupt manu eine vatriotisckfe Arffprache und bchlfae em dreifackses Hurra aufSeine Majestät^ aus, in das die Menge krittklos einstimmte. Es erschien nuninehr bewaffnete Bürgecwefa, um auch den übrigen Fahnenschmuck des Rathauses zu enffernen. Das Publikum nahm dagegeii eine drohende Haltung etn. Eme LlLordnuiig bat darauf im krittsck)-en Augenblick den Arbeiter- mD Soldatenrat mit Rücksicht auf den Rilf und den Fremdenverkefa Kreuznacks, man möge nachgeben, um weitere Ausschreitungen und Blutvergießen zu verhindern. Aus diesem Grunde entsprach der Arbeiter- und Ärldatcnrat der Batte und beschloß, von der weitere»

g Hissung der roten Fahne vorläufig Wstand zu nehmen. Wie fest­stellt wurde, sind diese Ausschreitungen auf Veranlassung von ssiziereii durch radaiilustige jugendNck>e Militärs farvorgennen worden und können niäst als Stimmungsausdruck der Frvnttruppen betrachtet werden. Tie hierorts abgehalteiien Volks- und Loldatew Versammlungen haben deutlich bewiesen, daß die große Masse von Militär urrd Bürgerschaft auf demokratischem Boden steht Die Wahlen für eine konstituierende Versammlung in Polen.

Wien 1 Dez. (WB) Das Wiener Korr.-Bur. meldet .ruS Warschau: Ein Erlaß'Pilsudskis bestätigt die Wahlord- f.rung für die Konstituante. ,Die Mahlen smd für te* 26. Januar 1919 anberaumt. Für zehn Wahl kreise in den Ge bi e ten T eut s ch l an ds wird demnächst die Aiwrdnung nach mner Rücksprache mtt den Vertretern der dortigen Polen erfolgen.

Ein bolschewistischer Ncberfall auf die norwegische Gesandt- fthaft in Petersburg.

Kopenhagen, 1. Dez. (WTB.) Nach einer Meldung mrS Petersburg hoben die dortigen bolschewistischen Truppen einen Ueberfall ans die norwegische Gesandtschaft cmsgefüfat Die Tri'.ppen drangen in die Gesandtschaft ein und be- mää.ttgten sich des Arckstvs der Sckx-veizerisck-en Gesandsschaft. deren Interessen zur Zett von der nmwegischen Gesandtschaft wafa- oenommen werden.Afton Posten" erfuhr im norwegisckicn Mini­sterium des Aeußern, daß von dem norwegisclMi Staat gegen die,« Bruch des Völkerrechtes keine Schritte unternommen wurden.

Amtlicher Teil.

An die Vevstterung der Provinz Hessen-Naffau, von Gberheffen, des ttreises Wetzlar.

Die 3. Armee ist im Gebiet der Provinz Hessen-Nassau, von Obnhffsen un) des Kreises Wetzlar emgetroffen. Die zum Arnreegebiet tz h renreu Teile vorgenannter Provinze» sind damit Operationsgebiet.

Ich übernchme hiermit die militärische Kommando gewalt.

Sämtliche Militär- und Zivilbeh^rden mit den ihnen etwa angeg lederten Arbeiter- und Soldatenräten habe ich gemäß Erlaß der Volksrcgierung und Befehls der Obersten Heeresleitung vom 13.11. d. I. au gefordert, mich in der Aufrech'erhaltung der Ruhe und Ordnung zu unterstützen.

Ter Durchmarsch der Armee (etwa 270 900 Mann und 70 900 Pferde) erfordert, daß wn allen Seiten meine Be- fchle inch Anordnungen unbLckngt befolgt werden.

Die Unterbringung einer solchm Truprenmasft wirb große Anfo^ernn^'n an die Bevölkerung stellen. Ich wäre dankbar, neun die Bevölkerung nach den schweren Lasten des Krieges unseren braven Truppen jede mögliche Erleichterung gewätp en würde. Die Armee ist angewiesen, auf die Heimat un'erer immer bewährten tapferen hrssischm, hessen-nassau- ischen und rheinischen Truppen jede denkbare Rücksicht zu nehmen.

Armee-Haupt-Quartier, den 1. Dezember 1918.

Der Gberbeseh!;I?aber der 3. Armee.

_ v. Einem, Generaloberst.

DllZ tminDerfame SISfnffüfr des fwrn Kalahsd Joilts.

Roman von A. H. Adams.

(20

(Nachdruck, verboten )

(Fortsetzung.)

Es wccr Jahre her, seit Galahad sw geküß^ hatte. Fuhrst o, sie konnte bis zum heutigen Tage den Schauer, mit dem sie jener erste verwegene Krtß durchrieselt hatte, sich ins Gedächtnis zurück rufen. Während ihrer kurzen Drautt-eit hatte er sie mehrere Male am Tage gerußt, und sie hatte nichts dagegen gehabt. Als sie sich dann nach diesem kargen Zwischenspiel im Geschäfte des Lebens in das ernsthafte Unternehmeli des Ehestandes begeben hatten, vereinMchde ck noch lind nach seine Begrüßungen bis zu einem eiligem. Küßchem anr Morgen vor seiner Jagd nach dem Boot, und einem mrdern, das mtt mehr Muße bei seiner Heimkehr ant Abend verabfolgt wurde. Sie pflegte zum vordern Emgangc vorzugefan icnd dort auf ihn zu warten. Offen unD stolz hatte sie dort ihr Angesicht zu dem seinen erhoben. sich des beobachtenden, gehässigen Blickes der alten Jungfer gegenüber glückselig bewußt. Nachdem das erste Kind geboren war, hatte sie auch das Baby^mit hin- nntergenommen, um es seiuen Vater sehen zu lassen; und als oas Kind größer würde, ließ sie es ^ur Straßenecke hinablaufen. Und Vater pflegte es zu küssen, auf seine Lchiultec zu setzen und stolz nach Hanse zn marschieren, wo

Em an der Tür seiner harrte und er ihre Begrüßung eben­falls entgegennahm. Und die alte Jungfer mochte hinter ihren billigen Spitzenvorhängerl neiderfüllt dem allem zn- schauen. Mit ihrer mehrfachen Mutterwürde ivar Em jedoch zu geschäftig geworden, um an der Tür aufpassen zu können und auf ihn zu warten. Er kam dann fröhlich herein, um sie zu küssen, wo sie sich auch befand, im Eßzimnier, im Flur, in der Küche, oder in der Waschküche, zwischen den Töpfen.

Und dann hatte er gelegentlich vergessen, sie zu küssen. Dann, einige Monate später, vergaß er es, diese Unter­lassungssünde zu bemerken. Dann wurde ein flüchtiger Kuß vor (dem Frühstück daraus ein einzelner Punkt seines Fortgehens uno nicht sein Höhepunkt. Und dann ver­gaß er nach und rrach alles. Er unterließ die Begrüßung nicht, wenn er sich zufällig daran erinnerte, und Frau Jones schien es bei all ihrer Plackerei und Arbeit, daß es keineswegs viel zu bedeuten habe. So tvar denn mtt ver­längertet, Zwisck)-enräumen der Unterlassung jener .Kuß den Weg all der anderen kleinett Narrheiteti ihres ersten Ehe­lebens gegangen, uno es mußten nun Jahre her sein, seit er sie nicht mehr geküßt hatte. Aber was veranlaßte Gally dazu, es heute morgen zu tun? Es beunruhiate sie. Fühlte er sich nicht wohl? Hatte es irgendivelchen Aeraer auf der Bank gegeben? Hatte er gestern abend gezecht? Er war allerdings spät heimgekommen und hatte ihr nicht gesagt, wt er gewcjen war^ Sie e rb r ach sich de» ganzen Tag dar­

über den Kopf, währetid der Pausen beim Kochen und Saubermachen, beim Aufräumen und Ausbessern, beim Staubwischen und Putzen und beim Geflügelfüttern. Weshalb hatte Gally sie geküßt?

Wer dann, ^un späten Nachmittag, als das EssetH beinahe fertig und das Tischtuch aufgelegt war, ergriff sie ein schrecklicher Argwohn. Liebte er irgendeine andere? War er, ihr treuer, achtbarer Gally, ihr untreu gewordetr? War Gally ein Verräter? Hatte er irgendein freches Weibs­bild geküßt, mit dem er im Boote zusammenkam, und hatte er sre in einer Art von Geistesabwesenhett für jenesl Geschöpf gehalten? Zweifellos war er in diesen letzten beiden Nächten spät nach Hanse gekommen. Das sah ver­dächtig aus! Oder war vielleicht sein Kuß an diesem Morgen nur eine flüchtige Entschädiaung für irgettdeinen andern unerlaubten Kuß, oder vielleicht war er arglistigertveise nur dazu bestiinmt, sie abzulenken, sein schreckliches Trei­ben $u verhüllen?

Sie beunruhigte sich immer mehr. Und sie entwarf un­bestimmte phantastische Pläne, Galahad zu überwack>en, ihm aus die Spur zu kommen und ihn auf seine Missetat festzu­nageln. Sie wollte auf der Bank vorsprechen, mit dem Tffrektor reden und ihn ersuchen, auf ihren Ehemann acht zu geben. Sie wollte einen Detektiv beauftragen, diesen lustigen Betrüger ihren rechtlich Mrgetrauten Ehemann, zp beschcüden".

LÄvoreriMa faiau i