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Nr. 28,

Der G,ebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen:

chiehener^omiiirnblätteri

Ktcistlctt

für den Kreis Siehe», vezi gspreir:

monntl.'I'if,1.35, viertel- ifibvlid) 4.05, durch Abhole- u. Zweigstellen mouall. Pik. 1.25. durch die Bost Dck. 4.05 oiertel« fährst ausschl. Beftellg. Ferniprech - Anschlüssen iürdie Sdirirtleihmqll2 Perlag,Weschäilss1elIe51 Anschrift für Drahtnach­richten. Anzeiger Sietzen.

,68. Jahrgang

Freitag. 29. November,9,8

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General-Anzeiger für Oberhesien

vankoerkehr: Gewerbebank Siehen

Zwillmgrrunddruck u.Verlag: vrühl'jche Unio.-Vuch- u.Steinörucferel R.Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchulstr.

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j. die Lagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohne jedeBorbmdlichkeit Seilenpreise: für örtliche Anzeigen 25 Ui..für auswärtige 30 Pi., für Reklamen SDif.l.-nebft 20° 0 leut- rungs-ns hlofl; Ploßvor- schriii 20 % Aufschlag. Haupt'chri'tleiter: Aug. Goeß. Verantwortlich für Politik: Aug. Goey: für den übrigen Teil: 1>r. Reinhold Zenz; für den Anzecgeuteck: y. Beck; sämtlich in (vießen.

Die Absichten der Hemde.

Noch immer dauert die Ungewißheit über das, was Misere Feinde öorbafcot, fort. Vielleicht suchen sie Vorwände zum Erw- uwrsch in Deutschland. Dem: die zu gleicher Zeit von den Eng­ländern mrd Franzosen erhobenen Nagen über den schlechten Zifftand ll>rer Gesungenen, die aus Dnttschland zurückkommen, verfolgen eine bestimmte Metliode. Unsere Waffenstillsbnrdsdelc- garion hält vergeblich entgegen, daß Tcutsäfimrd, das selbst die empfindlichsten Mängel leidet, nicht in der Lage ist, die von ihm entlassenen tzkiangenen besser zu nähren und zu kleiden. England will solche Erklärungen nicht annehmen, und in der französischen: Kammer wurden die anmaßendsten Forderungen laut. Aehnlich inacht man es bezüglich der von Deutschland auszuliesernden Massen, Geräte und Magen. Da ist nichts neu und gut genug. Teilungs- und Zerstückelungs pläne mögen bei denSiegern" im Westen immer weiter um sich greifen. Deute heißt es, der baye­rische Ministerpräsident Kurt Eisncr sei zu seinem Vorgehen gegeiz, Berlin von Bern aus beeinflußt worden, wo Clemenceau euren Vertreter für Sonderfricdensideen und Rheinbundspläne arbeiten lasse. Eisner begegnet in der gesamken^ deutschen ^ Presse, vor allen Dingen auch imVorwärts", schärfstem Widerspruch.

Ob es etwas rurtzt, nochmals die Hilfe und Einsicht Wilsons zu erlitten, wie es die neugegriurdete deutsche demottattsche Partei in einem nack) Amerika gerichteten Frmkspruch tut, ist sel-r zweifel­haft. Teils sind wir damft einverstanden, daß eine zielbewußte, offnttlidje Abwehr der cnglisch- sranzösischen Methoden cinsetzt, teils empfindet man es demütigend, daß wir bei Meister Wilson, dessen wahre Gesinnungen wir noch nicht kennen, wiederum als gefügsamc und reumütige Bittsteller auftreten.

Die grohe Seiegenheit.

Von Professor M e s^s e r.

Wir stehen vor einer Entscheidung von ungeheurer Tragweite: sollen die Kulturvölker und unser Volk mit ihnen einen mächtigen Schritt vonvärrs tun in eine neue weltgeschichtliche Epockn hin­ein, oder sollen sie jäh und hoffnungslos zurücksrnten in Zu­stände, aus denen sich die Besten, die wahren günstigen Führer, seit langem hinaussehnten? Soll aus der furchtbaren Katasttophe. des Weltkriegen ein neues Zeitalter erblühen, oder sollen alle die Ströme von Blut sinnlos vergossen, alle die unendlicher Opfer vergebens gebracht sein?

Wird die Periode des rücksichtslosen nationalen Egoismus, der die Moral verneffrsnden Politik, der beständigen Kriegsbereit­schaft überwunden iverden? Wird das militärische Zeitalter des Macktkampfes abgelöst werden durch eine Friedensperiode, in der die Bölkw zu jener Höbe der Selbstsuckch und Selbstbeschränkung sich auffckmftngcn, daß sie gewlllr sind, über widerstreftende Jn- reres'err nack- den Ideen der Gerechtigkeit und Billigkeit sich zu verständigen? Wird endliche die Riesensunrme von menschlcck>en Kräften, 'die bisher jahraus, zahrein beschäftigt war, .die Massen- rötung von Menschen voiAubereiten. frei werden zu wcrklülxr Kulttrvarbeit, die vor allem auch den 2lermsten menschenwürdige DaseinSbedingungen sichert? Wird man mehr Zeit und Kraft haben, gesunde Wohnungen zu bauen, als Panzerschiffe und Riesen­kanonen? ^ t . .

Die Sieger im Weltkrieg haben es in der Hand, alle diese fragen zu entscheiden. Mißbrauchen sie ihre Gewalt, lassen sie durchs bloßen Ri achttrieb oder gar durch Mchsucht sich, bestimmen, so wird ein furchtbarer Daß in den imterlegenen Völkern sich errrfressen. Ms verruchte^Deuck>- ler werden jene erscheinen, die unter dem Banner der Freiheit und Gerechtigkeit gegen uns zn Feld zogen, die feierlich erklärten, sie ivollten nicht das deutsche Volk unterdrücken, sondern es vom Militarismus erlösen. Die Ideale der Völkerversöhnung, des Manschlheftsbundes. des ewigen Friedens, die sett langem gerade- unter Deutschen so überzeugte Anhänger gefunden, würden dann als leere, ja gefährliche Träumereien allgemein verhöhnt werden. Gültig bleiben sie darum doch: deiru es ist vernünftig, d. h. objektiv irertvoll, daß menschlich^ Gemeinschaften ihre Jnteressen- kcmflikte durch Verständigung und nickü durch ONvalt zum Austtag bringen. Wird diesmal die große Gelegenlzeit verpaßt, ttotz all der furchtbarm Erstrhrungen über' Wesen und Folgen der Gewalt und des Krieges, so tvird die Menschheit durch) erneute, noch entsetzlichere Erfahrungen schließlich doch zur Verwirklichung lener Ideale getrieben werden.

Und ivie die Sieger im Weltkriog, so stehen die ^reger in der deutschen Revolution vor der Wahl, sich für die nackte Gewalt oder für die Gerechtigkeit zu entscheiden. Werden die, welck-e bisher über die Ungerechtigkeiten der bestel>enden Staats- und Gesellschaftsordnimo flammende Klage gefühtt lmd Gerechtigkeit verlangt haben, werden sie nunmehr die Gewaltherrschaft einer ein­zelnen Klasse aufrichten? Das würde die Entrechtung wertester Volksschichten bedeuten und Zustände schaffen, deren Ungerechte fett alles Bisherige weit überttäfe.

Oder werden sie die Ideale der Gerechtigkeit und Brüderlick)- keit. zu denen sie sich bekannt, ernst und ehrlich vettvirklichen? Das würde ihnen die Herzen von Hunderttausenden zufübren. die bisher aus Vorurteil oder Unglauben misstrauisch' oder ablehnend schien gegenüber standen. Ein neues Zeitalter könnte dann er­blühen, in dem alle den Staat nicht mehr als etwas Gleich­gültiges, Fremdes oder Dri'ickendes. sonderrr als ihre eigenste Sache, ihre wichtigste Aufgabe empfänden.

Vor ungeheurer Entsckreidung stellen die Machthaber der Welt und Deutschlands: werden sie sich ihrer vollen Verantwortung be^viisst sein? Werden sie rücttoärtsgewandt dem Rachetrieb nackrgeben oder sich entschlossen vorwärts wenden znm Aufbau eines Neuen, noch nie Verwirklichten. aber längst Ersehnten?!

Die kommende Friedenskonferenz.

London. 27. Nov. <WTB.) Reuter. Die Friedenskon­ferenz kann früher zusammentteten als arr genommen wurde, da viele Vorbereitungen beendet sind. Die englischen Friedens- deleaiertcn urrd ihre Stäbe werden zwischen 400 und 500 Mann stark sein. Unterkünfte für sie werden binnen vierzehn Tag>m w>r- bereitet sein. Gelegentlich des Besuchs Clemenceans in London wird er sich mit Lloyd George über den Termin dos Zusammen­tritts der FricdenÄdnferenz besprechen..

London, 26. Nov. fWTB.) Reuter.Evening Standard" erfährt cuis zuvertässiyec Qilrlle, daß ein Pirnkt der Tagesordnung der Fricdenskonfereu ^.die Erwäguag der Pvsit oi d's Ex­kaisers, des Exkronprillzen nno arrd-rer Per,önlichtei1cn bilden werde nnt der Absicht, sie wegen ihrer nährend deS Krieges gegen das Völkerrecht begangenen Vergehen gerichtlich zur Vcrant- worttrng zu ziehen.

27 d-nttsche U-Boote kamen heute in Darwich an. Damit erhöht sich di^ 6>esamtzal)l der abg-lieferten U-Boote auf 114.

i. Köln. 28. Nov. lTrahm.) DieKöln. Bolksztg." meldet mrs Genf: ..Progres" meldet aus Paris: Wälirercd bereits prnch- volle Hotels für die Bertteter einzelner Staaten bei d<m Prä- llluiliaLsriedensverhandlungeit. gansttet iverden, will die Ncpi-rrulü

die deutschen Delegierten nicht in Paris, son^rn rn der Näl)e einguarliererr. Das Losungswort sei eiskalte Korrekt- ' e i t. Auch die Okkupati-mrstruppen erhielten diesbezügLrchen rengsteir Befehl.

BoUzugHrat und auswärtiges Amt.

Berlin, 27. Nov. (WDB. Amtlich.) Ter Vollzugsrat ersrukitt den Rat der Volksbeauftragten: 1. schlemftgst zu veran­lassen, daß Herr Sols <vls seiner Stellung aus scheidet 2. lmtrr Zuziclinng von Mitgliedern des Vollzugsrates für die Bescblag.ual<me und Beroachung aller die austvärttgen Angelegen­heiten rmd aller das gestürzte Regierimgssystem betreffenden Akten unverzüglich Sorge zu tragen.

Ein Funkspr llÄ der denuikrati^chrn Partei an Wilson.

Berlin, 27. Nvv. (WTB.) Heute ist durch Funkspruch das nachstel-cnde Telegramm der demokratischen Partei an den Präsidenten der Vereinigten Staaten abgegangen: Herr Präsidem! In dieser für imser Volk unmrdlich schweren Zett lvenden wir, die Leiter und Begründer der deutschen demokrati­schen Partei, ims an Sie, den Vertreter der großen amerikanischen Demokratie. Tie deutsche demokratische Partei, der aus allm Teilen des Landes Anhänger Zuströmen, bekennt sich zur Republik Uiro will, oline aus dem Boden der Sozialdemokratie zu ftchcn, du junge Freiheit gegen die Reaktion mrd gcgeir den bolicheioiftifchen Terror verteidigen helfen. Zu uns gehören diejenigen, die, so wellt es bei der drückenden Zensur irgendwie möglich war, den Mittta- rismus rnid die Gewaltpolitik bekämpft haben. Es stel-en uns alle fern, die als Agitatoren des Nationalismus und der Eroberrmg-sgrer sowie als Anstifter des Unterseebootkrieges ausgetreten sind. Wir. wollen ein Deutschland und eriehnmr eine Welt, wo, wie Sie, Sver J Präsident, es vorgezcichnct haben^ Haß, Rachsucht, mittelalterlichc Machtaussassung und bolschewistische Anarchie keinen Platz haben sollen. Aber wir sehen die V e r w i r k l i ch u ng d i e s e r d e a l e aufs schwerste bedroht. Die unerhörte Rücksichtslosigkeit^ mit der besonders von französischer Seite die Durchführung dev olxnehin mnerträglichen Waffensttllsta.idsbediirgungen betrieben, wird, muß Deutschland öl die furchtbarste Verwirrung stürzen. Wenn man im Auslände den Erllärungen der deutschen Regierung und der deutschen Waffenstillstands Kommission vielleicht keinen Glauben geschenkt lsabeit sollte, bezeugen wir vor dem amerikanischen Volle die volle Wahrheit all dessen, was über die Not ^cntsch- lands gesagt worden ist. Aus dieser Not und ans Arbeitslosigkeit mid Dmiger muß die Anarchie der Straße hervorgehen. Die Anar­chie kcnin wiedr'rum zur militärischeii Reaktion führen. Der -trvimph der Haßprediger bei unseren Gegnern muß auch Haß in Deutsch- laiid erzeiigen. Die Herrschaft der Gerechtigkeit rrnd Versöhnung« und der demokratischen Grundsätze wird unmöglich gemacht, ^ede Nachricht über die entsetzlichen Verwüstungen, welche dre heim- gesuchteii Länder trafen, verstärkte unser (^«ouen vor dem K'riego und unsere Abneiguiig gegen die alten gewaltpvlitiichen Ideen. Wir haben den aufrichtigen Wunsch, gen-mnsam mit den Demokra ten aller Lärider das neue Merrschdestsgebäude imd den BölkerbunU auf der (Pr-undloge der i^erechttgkett zu errrchten^, aber dieses Be­streben wird heute, da die deutschen Machtpolitiker gestürzt sind, durch diesenigen unserer Gegner gestört, die niemals von einer Versöhnung etwas wissen wollten und den von uns immer be­kämpften Alldeutschen geistesverwandt sind. Wir protesllerciiE da­gegen, daß die; Vertreter dieses verderblick>en nationalistif cheii! Geistes über die Zukunft unseres Volkes und über die Zukunft der Welt entscheiden follen. Wir lieben unser an wunderbaren Eigen­schaften reiches Volk in seinen Leiden iwch invhr, als wir es in seinem Glück geliebt k-aben. Wir ersuchen Sie, Herr Präsidertt, nicht zu dulden, daß dieses Volk von den berauschten G.'gnern in imsagbares Elend gestoßen mrd die repicblikanische Freiheit im neuen Deuffchland unter Trünnnern begraben wird.

Das Bcrtzaltcn Kurt Ersrtcrs.

Berlin. 28. Nov. (WTB.) Gegenüber dem Berlnngen des dayrisck/ei: Pollsbeaustvagien Kurt Eisner, daß nur un- t o in p r o m i 1 t i e r t e M ä n n e r <m Ur Spitze des Staates stehen sollen, verö ffent1ick.it Echich Kluttner imVorwärts^ eine Erklärung, die besagt, d< Eisner selber in erster Linie zn diesen Kunpromit-- 1 irrten Leuten '.gehöre. Eisner habe dieEhainnitzer Volksstimme", deren Rcchakteur Kuttner damals ivar. zlvischen dem 28.30. Jüli wiederholt von München aus telephonisch angwufen und ver­sickert, er habe aus dem bayrischer KriegZministerium, in dem er ein- und ausgiivg, erfahren, daß der Krieg unvermeidlich sei. weil Rußland sich unter keftven Umständen von einem Eingreifeir in den 5sterreichisch-serbisck)en Konflikt Mrirckli»rlten lasse und bereits mobil maclpe. was die deutsck^ Kriegserckläramg zur Folge ^iben müsse. Kuttner schreibt: Eisner war ungefähr der einzige Sozialdeniokrat in ganz Tentsckjiand, der am 28. 7. 1014 mit abso- tttter Bestimmtheit ipußte, daß der Kri^ rruvermeidlich war, und zivar hielt Eisner den Krieg, für unvermeidlich mcgen des bevor- fH>cnt>en Eingreifen Rußlands. Mls dieser Ueberzengrmg hat Eisner auch di? volle Konsequenz gezogen. Er hat nickst nur die Meldung übermittl-lt. daß der .Krieg unvermeidlich sei. sondern in der dringlichsten Weise ims versichert, daß der Kriegsausbruch lediglich die Sckruld Rußlands sei. Es gälte deWalb mit aller Mackst innerl-alb der Partei dahin zn wirken, daß sich die Sozialdemo­kratie bei Ausbnich des Krieges hinter die Regierstelle und die Kriegskredite bewillige. Eisner bat uns ausdrücklich, auf alle Uns erreich baren dlbgevrdnelen in diesem Sinne einzuwirken.

Die Haltung der Frontsoldatenräte.

Berlin, 27. Nov. (WTB.) Ter Vollzugsaussckmß des Sol- datenrates bei der Obersten Heeresleitung richtete beule an den Vollzugsrat des Arbeiter- und SoldatenrateS Groß- Mwlin folgenden Fernspruch:Der Soldatenrat bei der Obersten Heeresl-fttung begrüßt freudig die Einberufung einer Delegierlen- versammlung aller Arbeiter- und .Soldatenräte Deutschlands auf den 16. Tezenldw nach Berlin. Er hofft aus Verstäudiginuz und geineiusanie Arbeit mit dem in Ems am 1. Dezember zu wählenden Vollzugsrat der Soldatenräte d-s Frontheeres und erwartet die Zulassung eirws Vertreters zu je 100 000 Feldsoldaten zur Tagung Die Soldatenräte der Front haben sich der Regierimg Ebert-Haase in übenviegnid-w Mehrz<lhl nicht eine gegenteilige Stimme liegt vor zur Verfügung gestellt un > wünschen b c baldmöglichst Ein­berufung einer versasftiuggelienleu Nationalversammlung. Alle T^ertteter d"r Front lehmm einmütig jachen Versuch ab, das Heer für monaichisch- Reaktion oder bolschtvistffchen Terror zu ge- bvauchm. Der Voflzugs-.russchuß des Soldat' nrates l'ei der Obersten HeeresÜfttung. Antesiöerger, 1. Vorsitzender, Weckerle, 2. Vor­sitzender."

Tie deutschen Befehlshaber an der Ostfront.

Kowno, 28. Nov. (WTB.) DerZürcher Anzmg^-r" brachte eine litauisch)e Meldung, nronach der ans den Friedi-nsverhand- limgen von Brest allgemein bekannte Gimeral H v f f m a n n in der Festtmg Kowno inid Prinz Leopold von Bayeni in einem Torfe ht der Nähe von Kdwno interniert sein sollten. Wie wir von zuftändigc-r Stelle höiun, ist die Meldung glatt crlundeu. .General Hojluiann steht nach wie vor auj seinem

verantwortunAsvollen Posten, undt Prinz Leopold von Bayern ist immer noch, und nicht nur dem Namen nach Oberbefehlshaber der Truppen <nt bet Ostfront.

Die deutschen Truppen in Ostasrika.

Berlin, 28. Nov. (WTB.) Ans eine Anfrage der deutschen Wafsenstillstant-söommission über die weitere Behandürng der deutschen Truppen in O stafrika, die gemäß Artikel 17 der Waffenstillstandsbedinmmgen das Schutzgebiet zu räumen haben, hat das englische Keiegsministerium gLantwottet, daß die deutschen Truppen in Stärke von 155 Europäern, 1165 Askarrs und etwa 3000 sonstigen Farbigen, darunter 282 Häuptlingen, die Waffen gestreckt hätten. Veranlassung hierzu ',ei bis Mitteilung des semdlichm Oberbefehlshabers an General v. LettMv Vorbeck über den Wschluß des Waffenstillstandes in Europa ge­wesen. Tie Truppen nmrden in Abecorn, an dem Südende des Tanganyika-Sees gesammelt. Den weiteren Abtransport ver­anlasse sodann die englische Regierung. Ob der Seetransport auf bentsckMi Schissen erfolgen werde, sei noch nicht entschieden. Die Namen der Europäer, die bei Lettow-Vorbeck bis zuletzt aus- gehcrrtt haben, ivären noch nicht bekannt. Ebenso ist die Frage der Postverbnidung mit ihnen noch nicht geklärt. Veröffentlichungen hierüber werben bcckdmöglichst erfolgen.

Die deutsch.' Wasfenstillstandskommission:

Der 'Vorsitzende: Staatssekretär ErzberMN.

General Fritz v. Belows-.

Berlin, 28. Nov. (Priv.-Tel.) Am 23. d. M. starb auf der Durckreise in Weimar der General der Infanterie Fritz von B e l o w, der, im Frieden zuletzt kommandierender General des 21. Armeekorps, wahrend des Krieges als siegreicher Führer einer Heeresgruppe im Westen mehrfach in den Hecoesberichten ruhmLnd erwähnt wurde.

Die Heimsendung der britischen Gefangenen.

Berlin 28. Nov. (WTB.) In der letzten Sitzung der Waffenstillstands kommi ssion in Spaa erhoben di? eng-! lffck>en Vertreter namens der britischen Regierung die ernste Be- schroerde daß die britischen Gefangenen an der We,ttwnt nicht ordnungsgemäß übergeben würden, sondern halb verhungert, krank und ohne genügende Kleidung in den Linien der Alliierten antangten. Tie Erklärung der deutschen Delegierten, daß die ord­nungsmäßige Uebergabe wegen der durch die Wassenstillstandsbe- dingungen ausgezwungenen überstürzten Räumung nicht glich sei, daß ferner viele Gefangene entlausen oder von revolutionären Elementen besreft wurden, wurde von den englischen Vertretern nick« anerkannt. Sie erklärten vielmehr, daß sie die deutschen Be- liördeir olme Rücksicht aus die inneren Verhältnisse voll veiantwort- tidi machen, und daß die britische Regierung mit Rücksicht aus die Erregung der öffentlichen Meinung in England, wem^ nicht Ab­hilfe geschaffen werde, die Feindseligkeiten wieder eröffne. Dem­gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß von deutsck)er Seite alles geschieht, um di^ ordnungsmäßige Heimsthafftrng der englischen und

übrigen Kriegsgefangenen herbeizuführen, und daß durch die daraufhin getroffenen Maßnahmen die Durchführung des geregel­ten Llbtrans Portes dieser Ge-'angenen sicher gestellt und bereits in erheblichem Umfange bewerkstelligt wurde.

Die konstituierende Nationalaersammlung für Dentsch-Qesterreich.

Wien, 27. Nov. (WTB.) Nickchrnttlich. In der heutigen Sitzung der Nationalverfammlung wurde ein Gesetzentwurf einge- brackt, durch den die konstituierende Nationalver­sammlung auf den 1. März 1919 nach Wien einbernfen wird. Die Wahl für die konstituierende Nationalverscnnmlung wird durch- den Staatsrat aus einen Sonntag Ende Januar oder Anfang Februar ausgeschrieben werden. Ter Entwurf beruht auf dem Prvporttonalsystrm mit gebundeirer Parteilistr. Insgesamt sind für alle Gebiete Deutsch--Oesterreul>s 38 Wahlkreise vvrgchehen mit 210 Mandaten, indem entsprechend der Bevölkernngszahl aus je 48 000 Einwohner ein Llbgeordneter entfällt. Llnßerdem sind fünf Mandate für die Brunner, Olmützer und Fglauer Sfnach- inseln vorgesehen, welche Bestimmung erst in Kraft treten soll- nackdem über die Wlage von nationalen Katastern in diesen G.'bftten «ine Dereinbarnng mtt dem tschecho-slowakisck-en Staat g-schlossen sein wird. Wahlbereckstigt ist jeder deutsch-österreichische Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts, der am Tage der Wahl großjährig ist oder während der Zähre 1914 bis 1918 Kriegs­dienste leistete. Wählbar ist.ohne Unterschied des Geschlechts jeder wahlbereck-tigtc deutsch>-österreichische Staatsbürger, der das 30. Lebensjahr zurückgelegt hat.

2ln$ dem Neiche.

Nnttrftichung »vegcffl der Br^indlung der Kriegsgefangene« in Deutschland.

Ber lin , 27. Nov. (WTB.) Ter Rat der Bolksbeauftragten beschloß die Einsetzung einer Immission zur Untersnchüngj der Anklagen wegen der völkerrechtswidrigen Behandlung der Kriegsgefangenen in Deutschland. Tie Kommission erhält das Recht, zur Vereidigung von Zeugen bk Gerichte in Anspruch zn nehmen und die Schuldigen, ohne An­seben ^der Person, vorbehaltlich etwaiger strasrechllicher^ Verfolgimg, ohne Pension aus ^>em Heere zu stoßen. Die Kvmmiüion nimmt ihre Arbeit sckwn in den nächsten Tagen auf.

Die deutsch^ Waffenstillstandskonrmission.

Staatssekretär Erzberger.

Aufhebung der geisttichen Schulaus,icht in Preußen.

Berlin, 28. Nov. Das Ministerium für Wissenschaft» Volksbildung verordnet:

1. Tie geisllick>e Ortsschulaufftcht in Preußen ist von heute ab aufgehoben.

2. Die bisherigen Inhaber bleiben solange im Amt, H5 ihre Befugnisse durch die Kreis, chulinspeklionen übernommen sein werden.

3. Die Uebernähme ist imoerzüglich nr die Wege zu leiten und muß am 31. Dezember 1918 al^'schloffen sein.

Die Dervrdmrng tritt mit dem Ta->? der Verkündung in Kraft.

Dir Pressofreihnl.

Berlin, 27. Nov. lWTB.) Ter Rat der VolkSboauftrasten hat sofort bei Uebernahme der Regierung vollkommenePreß- sreiheit verkündet. Es ist deshalb mrzulässig, daß von den Arbeiter- und Soldatcnräten oder irgend»veläien anderen Stellen in die Pressefteiheit cingc'mssen wird.

Die neuen Parteien.

Berlin 28. Nov. (WTB.) TXr Ausschuß des Dentsche« Bauernbundes beschloß ennnütig den Abschluß eines Wa hl - bündnisses mit der deutschen demokratischen Par­tei .da nur eine bürgerliche aPrtei, die entschieden de.iwkwtisch Knickstet sei, bei der heutiinw Volksströmung Aussicht I?abe. sovicke <ottumien auf sich zu vereinigen, daß lie von ausichlagM«U«t Bedcutturg im Parlameitt wird.