Metzener Stadtthearer.
Gießen., den ^26. November 1918.
Der Kaufmann von Beruvig.
Dir Direktion des SbadltticttterS Mt, was sie versprach. Nach «Hkiglichen Bedeu-trrrvgslo sigleiten, zu denen die Umstände zwangen, wies der Syi lplan in letzter Zeit sehr achtbare Stücke aus, und auch die nächsten Ankündiginigeit sind verheißungsvoll.
Shakespeare mit kc-iegsbehelssrnäsrigen Mitteln zu geben, ist ein Wagnis, das nur durch Gelingen gerechtfertigt werden kann. Und es gelang. Ueber manchen nicht gerade^ illusionssördernden Notbehelf kann hintoeggesel)en werden. Mit starken Strichen, die obre dem Aufbau des Stückes keine Gewalt antaten, hatte der Bühnenleiter lvn Umfang auf die übliche Spieldauer, die Szenerie aus die Möglichkeiten unserer Bühne zirrechtgeschnitten.
So 'Knute man denn dies seltsame Kind des britischen Genius Shakespeare in einem würdigen Gewände begrüßen, wenn es auch nicht immer gelang, die merkwürdige Mischung von Tragödie, Lust
spiel, Berkleidungsstück und lyrischer Dichtung, deren Elemente lose durch einander fremde Motive verbunden sind, zu eurem harmonischen Ganzen zn verschmelzen.
Eine der wertvollsten Kräfte der Spielzeit, Adolf Tcleky. wurde als Shylock abermals überragend herausgestellt. Sein Zude war durchdacht und durchgAirbeitet. Es fehlte ihm nur an der letzten Größe, dem verbissenen Fanatismus, der ihn zum Symbol erhebt, znm Typus einer ausgcswßenen und gehetzüen Raffe, zu einem Wucherer, der für eiu Prinzip des Rechtes kämpft und der zum Schlüsse voller Verachtung mat über den Ehrenmännern steht, die, von dem Witz einer Frau gerettet, ihm Schlimmeres erpressen/ als ein Stück Fleisch, den Verrat ferner Religion, vevn Opfer Antonio, der aus Gnade diese Erpressung verübt, fte war wohl im Zeitgeschmack begrübt, wurde durch Karl Volck dargestellt, der den sonst ehrbaren und sympathrsä-ea Kaufmann ebenso sympa- tisch nnÄxngab. Os?arFeigel gab denBassanw. derrm Grunde eui vielleicht noch größerer Windbeutel ist, als es bei ihm zum AusdrE kam Rudolf Jelikofs war Lorenzo zugcteilt, dem er im lyrr-
scheu Schlnßbild lvnrme Jmrtgteit verl«h.^Arvrr Reppert durfte als Lanzelot Gobbo quecksilberiger fern. <yoxrSt war dre Szene mit seinem Vater (Rudolf Goll) sehr ansprechend ausgearbeitel Dans Dein; Heres versah lbrazicmv mitMngQiferrigem Tempera- ment. Von den Herren sind sonst noch zu ecwcchnen Carl ErM Schaum. Curt Lerch als F-veier. Wilhelm Koch und Ernst Samter als (Delleure. Porzia wurde von Else Allner ge gebsn. Es war redlick>es Bemühen und vielfachLickes Gelingen; als Nerissa stand ihr vermine Wossidlo zur "Leite, .die lnaiufriuil einen leicht possenhaften Zug hrnerntrug, der ÄleÄüngs t« kleidungsrollc nicht sehr fern steht. Als IessKa zeigte F^ede! Dverr mehr orientalinhes Phlegma, als Rassigst
Hofrat Hermann Steingoetter führte eine ve^iensckich. Spielleitung und hatte ansehnliche Bühnenbilder geschaneu. Man konnte sich vorstellen, was unter anderen Berchallnisten aus der Statisterie geworden wäre. Immerhin ist der Versu chs w ie schon anfangs gesagt, dem Erfolge nach durchaus anzuerkennen and dichf zu weiteren Versuchen aniegen. ^
Das siilnfiir Slürntrarr &c 3 Hcrr» ^alahad FM.
Roman von A. H. Adams
(16
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ich wage nicht, ohne Sie wiederzstvommen und sie zu enttäuschen," erwiderte Gcttahad. den diese Halsstarrigkeit ärgerte. Wenn ein so wundervolles Wesen wie Sibyl ihn zu sprechen gewüirscht hätte, lvürde er sich irgend etivas haben im Wege sein lassen? Er verspürte einen tollen, unver- nünfttgen Zornr gegen diesen makellosen, standhaften jungen Manu.' Auch fühlte er den Gegensatz der Kleidung — den bittersten und unversöhnlichsten aller Gegensätze. Zwischen einem Anzug zu sechs Guineen und einem solchen, der in den. Zeitungen angeboten wurde, gibt es keinen Waffen- sttllstand; ewige Feindschaft herrscht zwischen Bügelfalten und anderen Falten an den Hosen.
„Sicherlich Wunen Sie doch einen Brief von nnr an sie mitnehmen^ sagte Hvrace , ^ c .
Das war die Versuchung, und Galahad stell Einen Brief für sie mitnehmen? Warum sollte er das nicht? Er wollte sie nnr wieder allein sehen, noch einmal sehen, zum letzten Male sehen Denn wenn sie erst einmal mit ihrem Geliebten zusammen war, würde sie ihres Boten nicht weiter bedürfen Nock) keinen wundervollen Abend würde
es geben, noch eine Stunde der Veezauberung und Romantik, ehe er für den Rest seines Lebens zu den Kindern und zu Em zurückkehrte. c m J _ _
„Ja, natürlich könnte ich das," sagte er, das Entzücken seiner Seele sorgfältig zurückdämmend.
Der junge Mann war sichtlich erfreut über den zw friedenstell enden Abschluß einer unbequemen Angelegenhut. „Warten Sie, es dauert nur eine Minute, bis ich ein paar Zeilen an sie gekritzelt habe," sagte er hastig und verschwand hinter einer Querwano.
Galahad wartete, während H-orace seinen Liebesbrief schrieb. Und er fühlte kaum irgendwelche Eifersuchtsregung gegen den Schreiber. Seine Sache würde es sein, den Brief ihren Händen zu übergeben, in ihr Antlitz zu schauen während des Lesens, ihre Stimme zu hören und — vielleicht nneder jene weiche Schneeflocke von einer Hand küssen. Die Götter fvaren gütig und voller Großmut. Die Tore des Paradieses würden sich Wieder öffnen für eine weitere
Stunde. . . „ . „ „ _
Ein Adreßbuch auf dem Ladentisch zog fernen Blick jon; er griff danach und schliig die Straße auf. Ja — das war es, das mußte das Haus sein. Weston war der Name. Galahad entsann sich des Namens einer sehr bekannten An- waltsftrma — Weslvn, Wesüon & Skivp. Ihr Vater mußte dieser Färma angehören. Sie hieß also Weston . . . Sibyl Weston. . .
Der Jüngling erschien wieder, seinen Brief sorgfältig versteckt haltend. „Das wird alles erklären," sagte er eilfertig.
Galahad nahm das Schreiben ehrerbietig entgegen und blieb wartend stehen.
„Nun?" sagte Harare unaxduüfty ^ ^ w
„Mein Brief?" sagte Galahad, indem er die Hand aus streckte.
„Sie haben ihn doch beveits!"
„Ihren, ja. Ich wünsche meinen."
„Ach so !" sagte der Jüngling gleichgültig. Tr hatte ihn in die Dasck^ gestopft und zog ihn ziemlich zerknüllt wieder heraus. Galahad griff begierig danach, strich ihn andächttg glatt inti> legte ihn sorgfältig in seine Brieftasche zurück Dann ging er. ^
Als seine kleine Gestalt hinter den auf- und zufliegenden Türen verschwunden war, seußtte Honace Lothian in äugen jcheinlicher Erleichterung auf.
„Jones!" murmelte er. „Komisch, daß er JoneS heißt Aber Jones ist so ein gewöhnlicher Name. Es muß Hundert* von Jones in Stchney geben. War wohl nur ein zufälliges Zusammentreffen."
Und mit beruhigtem Gemüt kehrte er zu seinem Wntor schemei und seiner langweiligen Rechenarbeit zurück (Fortsetzung folgt.)
Der Plan über die Herstellung einer oberirdischen Telegraohenliute an der Ziegelgaffe in Lich liegt bei dem Postamt daselbst von heute ab 4 Wochen aus.
Darmstabt» den 27 November 1918.
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