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Nr. 2Z8

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Erster vlatt

lb8. Jahrgang

Dienstag, 26.

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Seneral-Anzeiger sür Oberhesjen

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November 5 <9J8

'innahme von Anzeige»

s. die Tagcsmmuner vis zuin Nachmittag vorher ohne jedeBerbindttchkeit Seilenpreise: sür örtliche -Anzeigen 25 Pf.. für auswärtige 30 Pf., sür Reklamen Mk.1.- nebst 20» oTeue- rungszusttilag: Platzvor« schrisi 20 % -Aufschlag. Hauptlchri'tleiter: ^lug. Goeg. Lerantivortlich sür Politik: Aug. (voetz: für den übrigen Teil: 1>r. Iieinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen.

Bekanntmachung.

Ein einstimmiger Beschluß des Arbeiter- und Soldatenrats ordnet hiermit cm, daß sämtliche öffentliche Gebäude mit rote, Fahnen. dem Wahrzeichen der Republik, zu schmücken sind. Sämt­liche Rccnerungs- und sonstigen öffentlichen Gebäude in Darmstadt und im übrigen Reich hißten ebenfalls die rote Fahne.

Da wir in letzter Zeit dauernd mit anonymen Zuschriften be­lästigt werden, weisen ivir darauf hin, daß derartige unterschrists-, lose Schreiben ohne weiteres dem Papierkorb Versalien.

Arbeiter- und Zoldatenrat Gießen.

I. A.: Schindtmeier.

Die bedrohte Einheit des Reiches.

Ist die Einheit des Reiches wirklich bedrolft? Scheidemann daanlwortet imVorwärts" diese Fragre init vielfachem Ja. Ans Stvaßbura sei ihm mibgetellt worden, daß dort Bespveck^ungen mit der Oberteil 5'eer^sleitmig der Franzosen süattgefundm haben sollen, deren Gegenstand die Schaffung einer Republik der süddeutschen Staaten und des Rhernlandes Evesen ist. Dre Gründung soll, so fttgt Scheidemann hinzu, beschleimigt werden, falls nicht schnell­stens di? Sicherheit der ^genftmtigen Regierung gewährleistet winden könne. ^ ^

Das ist sicher: je mMVrdneter dre Zustande urt INnern sind, je länger der Kompetenzsiueit in Berlin andauert, ^deito eifriger werden die Gegner auf neue Teilungspläne sinnen. selbst Wilson, der an solchen Plänen kein besonderes Interesse mehr l>at, toird sich ihnen schließlich fügen, sobald man ihm sagen kann, Deutschland sei ' ja selbst in sich zerfallen und könne die alte Ordnung und Reichseinhett nicht mehr Herstellen. Wir uns,'eit hei der mangelhaften Postverbindung bis zur Stunde noch nicht, wie die gestrige Konferenz der Einzelstaaten rn Berlin bis zum Schlüsse verlausen ist, hoffen jedoch, daß darüber wenig,tens Einheitlichkeit herrscht, daß bis zur schnellen Einberufung der Nationalversammlung eine feste einheitliche Reichsregierung be­stehen muß. Tie nicht ^-rade sehr zeitgemäße Veröffentlichung bayerischer Gesandtschaftsberichte über die Vorgänge vor hem Ausbruch des Krieges sollen hoffentlich nicht auf eine Wsicht Bm-erns hinauslausen, dem Zusammenhalt des Reickies neue Sckiwierigkeiten zu schaffen. Es wäre besser, weim alle Schuldsragen bis zu einer spateren Zeit aufgffchoteu würden. Machen unsere Gegner doch schon die dringlichste Frage, die der Versorgung Teutschlant's mit LebenSmitteln. davon an hängig, daß Mügermaßen. maßen Ruhe und Ordnung in Deutschland herrscht.

Die Nonferenz der deutschen Bundesstaaten.

Berlin. 25. Nov. (WTB.) Die Konferenz der deut­schen Bundesstaaten begann kurz nach 10 Uhr im Kdngreß- saale des Reichstnzzlerpalais. Es waren etwa 70 Vertreter der Freistaaten erschienen, neben einigen früheren diplomatischen Vertretern, sehr viele bekannte Abgeordnete, die in der engeren Heimat die Regierung übernommen haben, und daneben noch unbekannte Männer, zum Teil im Matrosen- oder Soldatenrock. Zwei lange Tisckie waren von den Vertretern besetzt, während am dritten die Staatssekretäre und Beigeordneten Platz nahmen.

Tie Verhandlungen wurden durch eine Rede des Vorsitzenden, ldeS Volksbeaustrag en Ebert eröffnet. Er führte aus: Tie Arbeit, kvelche uns hier vereint, ist von allergrößtem Interesse für unser Land und Volk. Als wir die politische Macht übernahmen, standen wir vor einem Trümmerhaufen. Nun ist an die Stelle der Monarchie die sr^ialisttsch-rcpubliöanische S'aaissorm gesetzt wor­den, in der die VolÄdeaustragten die Exikutive haben, während die polirische Macht in den Händen der Arbeiter und Soldaten liegt. Die nächsten Llusgaben sind schnellster Friede und Sicherung des Wirtschaftslebens. Wenn die Wassensti llstandsl.edrngungen nicht bald weg allen, hat dies die allerschlimmsten Folgen. Die Rettung heißt Präliminarfrieden. Jnzwisckien muß jeder Arbeiter und jeder Soldat seine ganze Kraft sür den Wieder­aufbau einsetzen, denn die Freiheit wäre wertlos ohne Brot und ohne Arbeit. Alle Transportmittel müssen rn den Dienst des Reiches gestellt werden. Tie Kohlenförderung muß auf der Höhe gehalten werden: die Solidarität muß sich überall geltend machen. Die Sozialisierung ist eingeleilet, aber ohne Experimente und erstreckt sich nicht auf einzelne »Fabriken, sondern auf ganz«, Gruppen nach genauen Studien unter Sicherung der wirtschaft­lichen Werte. Nun heißt es Arbeit schassen, wo^u die engste Ein­heit nötig ist. Die endgültige Regelung der Zusammenarbeit zwi­schen der Reick)slei1uwg und den Burchesstaaten muß der Na­tionalversammlung Vorbehalten werden, zu deren baldig­ster Einberufung wir entschlossen sind. Schon morgen wird d'as Kabinett das Wahlgesetz zur Nationalversammlung in Beratung nehmen. Vorerst muß ein Provisorium zwischen den Einzelstaatjen nsnd dem Reich gesärafsen werden, was die Aufgabe der heutigen Sitzung ist.

Mch kurzer Debatte zur Geschäftsordnung sprach Staatssekre­tär S o l t .über unsere Beziehungen zu den bisherigen Gegnern und den östtichen Nachbarn, wobei er die Lage des Reiches als aufs äußerste bedroht darstellte, sowohl durch den nackten Vernichtungswillen unserer Gegner, als auch durch die separatt,ti­schen Bestrebungen im Innern. Er setzt alle Hoffnung auf die heutige Versammlung, die der Reichsregierung die Vertretung nach außen ohne Einschränkung anvertrauen muß und die Nationalver­sammlung so schnell wie möglich einberuft.

Nach ihm sprach Staatssekretär Erzberger über die Waffen­stillstandsverhandlungen, woraus aus, Antrag des Präsidenten Eisner über beide Referate gemeinsam diskuttert wurde. Als erster sprach Eisner, der mit scharfem Protest gegen beide Staats­sekretäre als kompromittierte Vertreter der alten Zeit begann, deren Referate nickst im entferntesten merken ließen, daß in Deutsch­land inzwischen die Revolution ihre Arbeit getan hat. » r

In der Konferenz der deutsckvm Bundesstaaten äußerte nach dem Referat des Vorsitzenden Präsident Eisner schwere Bedenken (jogeox die Tagesordnung. Die Lage sei beürnnt, aber nickst, wie eine neue Lage zu schassen sei. Er schlage vor, die Diskussion in drei große Gruppen zu gliedern: 1. Wafsensttllstands- und Frrcdensbedingurvgen zugleich, mit der Vorfrage nach der Aktions­fähigkeit der Regierung. 2. Politisck>-nationaler ZnsanrmeNhang. 3. Wirtschaftliche Beziehungen, der Gliedstaaten zum Reich Das alles müsse nickst nur erörtert, sondern entschieden und abgeschlossen werden.

Vorsitzender Eberl dringt mit seinem Vorschlag durch, daß mit dem Referat zu beginnen und dann^die Gruppierung vorzu- nebmen sei. wie sie Eisner Vorschläge. Stattssekretär Tr. Sols: Ta die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege sich als ausschlaggebend ettviesen Itibe, hätten wir uns mit unserem Waffen­stillstands- und Friedensangebot auch an sie gewandt, dlußer- dem habe .Wilson als einziger ein el/rlick^s pttzisistisches Programm vertreten, wälstend alle andern Gegnern Jniperiaisten seien. In intferer Lage sei aber die einzige Rettung eine entschieden« pazifistische Politik und damit eine Eindärmnung des Imperialis­mus. Allerdings herrsche auch in Amerika Siegesstimmung urrd

daher Übereinstimmung mit den Wafsenstlllstmrdsbcdingimgen. Amerikas Forderung sei, daß in Deuts chl.rno die Ruhe und Ordnung ausrechterhalten werde, sonst drol-e cs nach) den Worten Tafts mit dem Einmarsch. (Äen jetzt sei die A n t w o r t W i l s o n s em gegangen, welch- die Versorgung in Aussicht stelle, wenn die öffentlich Ordmmg aufrocherhalten werde. B'N England h^abe die hochfahrende Siege s sti m mu n g gesiegt, ^lbst Lansdowne und Henderson seien verstummt. Lord Cerils Rücktritt könne man wohl ans seine Stellung zum Völkerbund zurückfuhren, die der unseren entspreche. Alich in England lr^rde von Deuts ckAvw» eine gesickerte Majori.älsregierung v-rlangt. Herrsch in «Ärgland Siegesjubel, so sei in Frankreich Siegesraumel an der Tages­ordnung. .

Ein.r Delcgrcrtenversgnrmlung der Arbeiter- und Soldaten- räte in Berlin.

Berlin, 23. Nov. (WTB. Nichtamtlich) Ter Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrats Groß-Berlin veröffentlich an die Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands einen Aufruf, in dem es heißt:

Jetzt gilt es, die Mackste der Gegenrevolution, die nach dem ersten Schecks ans ihren Winkeln heraus kriechen, mederzu'alten. Besttebimgcm sind im Gange, das Reichsgebiet zu zersch'agen und die unlieilvolle mittelalterlich Klecnstaaterr in ncuec Form wieder einzusühren. Tie Verwirklichung der großen demottatisck)en und sozialistischn Ziele verlangt aber die Erhaltung eines großen deut­schen Wirtschasts- und Sprachgebietes. Ter Vollzugsrat der Groß- Berlrner Arbeiter- und Soldatenräte will keine feindselige Tren­nung zwis d)en dLord und Süd. Er will, daß daS befreite Teuffch land der Schwierigkeiten, die mit dein Friedensschluß verbunden sind, Herr werde. Wir fordern Euch deshalb auf, so schnell wie möglich zu einer Delegiertenversammlung in Berlin zusäminenzutveten. Schnelle Handeln tttt not. Es ist daher nicht möglich, ein einheillichs, allgemein gütiges Wahlsystem vorzu­schlagen. Wir emp etzlen vielmehr, aus den zur Zeit hi-steh-enden Arbiter- und Soldatenräten Delegierte zu wählen und nach Berlin zu senden. Tie Delegiertenversammluwz dan im Höchstfall nur 500 Mitglieder umfassen. Unter Zugrundelegung der Volks- zählungsergebnisse vom Jahre 1910 würde ans rund 200000 Seelen ein Delegierter kommen. Für die noch besteh?ndm großen Heeresverbände ist aus je 100 000 Mann ein Delegierter zu wählen. Wir empfehlen, bei den Wahlen die Verhältniszahlen der in dem Bezirk vertretenen Arbeiter und Soldaten zu berücksichtigen. Wir schlagen Euch vor, die Telegiertenversammlung spätestes am Mon­tag den 16. Dezeinber dieioS Jahres im Sitzungssaal des preußi­schen Abgeordnetenhauses zu Berlin zusammentreten zu lassen. Ihre Aufgabe würde es sein, die Wahl eines provisorischen Zentralrates der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlcmds vorzunehmen, die Aüsarbeittcng eines für alle deutschen Arbeiter- und Soldatenräte maßgebenden Wahlsystems zu übernelMen. eine Entschließung über die künftige gesetzgebende Versammlung zu fassen und *u sonstigen politischen Fragen Sellung zu ueJjmen.

Bayerische verösfentlichungen über den ttriegsursprung.

Der bayerische Ministerpräsident und Minister des Aenßern hat vor kurzem bei der Reichsvegiermig den ATttrag gestellt, die Akten über den Kriossursprung zu veröffentlichen. Diese Anre­gung war durch die Einsicht verLnlaßt, daß nur durch die volle Wahrheit jenes Vertrauensverl-ältnis zwisckMi den Völkern her- ges'.etlt werden könnte, das Voraussetzung für einen Frieden der Völkerversohnupg ist. Ter bayerische Ministerpräsident wird seiner­seits bemüht sein, aus den diplomatischen Urkunden des bayeri­schen Dienstes ausklärende Beiträge zur Vorgeschichte des Well­krieges zu veröffentlichen. Vorerst seien aus den Berliner G-esandtschastsverichten des Grafen L^rchenfeld folgende Einzelheiten mitgeteüt:

In einem Bericht vonr 18. Juli 1914 hat der bayerische Ge­sandte in Berlin, Graf Lerckienfeld, die Beziehungen erörtert, die zwischen der Berliner Reg.ienmg und dem verhängnisvollen Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien bestehen. Es heißt in diesem Bericht:

Daß Serbien derarttge. mit seiner Würde als unabhängiger Staat unvereinbare Fordcrimgen nicht annehmen kann, liegt aut der Hand. Die Folge wäre also der Krieg. Hier ist man dur chaus einverstanden, daß Oesterreich die günstige -Stunde nützt, selbst auf die Gefahr weiterer Verwicklungen.hin. Ob man aber in Wien sich darauf aufraffen wird, erscheint Herrn Jagow wie Herrn Zimmermann noch immer zweifelhaft. Der, Unterstaalssekretär äußerte sich dahin, daß Oesterreich-Ungarn dank seiner Entschlußlosigkeit und Zerfahrenhert jetzt eigentlich der kranke Mann in Europa geworden sei, wie früher die Türkei, mis dessen Aufteilung Rußland, Italien, Rumänien, Serbien und Montenegro warten. Ein starkes und erfolgreiches Eirffchweiten gegen Serbien würde dazu führen, daß Oesterreickier fand Ungarn sich wieder als staatliche Macht fühlen würden. Das darniederliegende Wirtschaftsleben würde wieder mrsgerickyer und die fremden Aspirationen auf Jahre hinaus niedergehalteni werden.

Bei der Empörung, die heute in der ganzen Monarchie über die Bluttat in Sera je wo herrscht, könne man wohl auch der l Zwischen Truppen sicher sein. J>7 einigen Jahren sei dies bei der Fortentwicklung der flaivisck-en Propaganda, wie General v. Hötzeu- dorff selbst zugegeben habe, nicht mehr der Fall.

Man ist also hier der Ansicht, daß es sich für Oesterreich- Ungarn um eine Schicksalsfrage handelt und aus diesem Grund hat man hier auf eine Anfrage aus Wien ohne Zögern! erklärt, daß wir mit jedem Vorgehen, zu dem man sich dort entschließe, einverstanden sei, auch aus die Gefahr eines Krieges mit Rußland hin. Tie Blankovollmacht, die nran dem Kabinettschef des Grasen Berchtold, dem Grasen Hoyvs, gab, der zur Uebergabe eines allerhöchsten Handschreibens und Zeines ausführlichen Memorandums hierher- gekommen war, ging so weit, daß die österreichischamg.-rri'i'che Regierung ermächtigt wurde, mit Bulgarien wegen Aufnahme in den Dreibund zu verhandeln. '

In Wien scheint man ein so unbedingtes Eintreten Deutsch­lands für die Donaumonarchie nicht erwartet M haben und Herr Zimmermaun l)at den Eindruck, als ob es den immer ängst- lickxm und unerttsckKossenen Stellen Wiens fast unangenehm wäre, daß von deutscher Seite nicht zur Vorsicht und Zurückhaltung gemahnt worden sei. Wie sebr man in Wien mit seinen Entschlüssen schrvankte, beweist der Umftmid, daß Gras Berch4old drei Tage, nachdem er hier welwn des Bünd­nisses mit Bulgarien hatte ansragen lassen, telegraphiert habe, daß er rrocb Bedenken ttage. wit Bulgarien abzuschließen.

Man 'hätte es datier lieber gesellen, wenn mit der Mtion gegen Serbien nicht so lange gewartet würde und dec serbischen Regie­rung nickst Zeit gelassen würde, etwa nur unter französischem Truck von sich aus eine Genugtuung anzubieten."

Es Wird dann tu diesem Bericht des Grafen Lerchen selb an

den Grasen Hertling weiter über die diplomatische Aktion Deutschlands geplaudert, die Reichsleitung werde mit dem Hinweis darauf, daß der Kaiser sich auf der Nordlandsreise befinde mrd der Chef des Großen Generalstabs sowie der prercmsche Kriegs- minister beurlaubt sein, behaupten, durch die Aktion Oejterreic^ genau so überrascht zu sein wie die anderen Mächte.

Weiterhin werden über das vermutliche Verhalten der Mächte allerlei Betrachtungen airgestellt. Es heißt da:Herr Zimmermann nimmt an, daß sowohl England wie Frankrerch, denen ein Krieg zur Zeit kaum erwünscht wäre, anfRußland in friedlrchemSinne einwrrken iöfi> den. Außerdem baut er daraus, daß das Bluffen eines der obli­gatesten Requisiten der r>p fischen Politik bilde und daß Rußland zwar gern mit dem Schwert droh7, es aber im entscheidenden Mo­ment doch rricht gern für andere zieh?."

Ueber England wird gesagt, daß ihm der Kampf zwischm Zweibund und Dreibund in der jetzigerr Zeit schon mit Rücksicht ans die Lage in Irland wenig willkommen sei. Käme es freilich zum Krieg, so sei es die Auffassung in Berlin, die englischen Vettern würden wir mr der Seite unserer Gegner finden, da Eirg- land befürchte, daß es vielleicht im Falle einer Niederlage auf die Stufe einer Macht zweiten Ranges herabsinke und damit das eure*, päisibe Gleichgewicht gestört würde.

Berlin ,25. Nov (WTB.) Die bayerische Gesandtschan teilt bierbutrf) mit, daß der erste der gestern veröffentlichten baye-.isck)en Gesandtsck)aftsberichte nickst vom Grasen Lerchenseld, sondern von Dr. Hans v. Schoen abgesaßt ist.

Lansing über die Versorgung veutsch!ands.

Ber lin , 25. Nov. (WTB. Amtlich.) Die deutsche Regierung erhielt durch Vermlltlung der schweizerischen Regierung in der Frage der Versorgung Deutschlands mit Lebens­mitteln nachstehende Antwort des amerikanisck-en Staatielretärs Lansing:

In der gemeinsamen Sitzung der Mben Häuser des Kongresses vom 14. November erklärte der Präsident der Vereinigten Saaten, daß die Vertreter der verbundenen süegierungen in dem obersten Kricgsrat in Versailles in einem einsttmmig ge aßten Beschluß den Völkern der Mittelmäckste zugesagt hätten, daß alles unter den gegenwärttgen Umstäriden MöAick-e getan tverden solle, um sie mit Nahrungsmitteln zn versehen und um die traurige Not zu erleich­tern, die an einzelnen Orten jhr Leben bedroht, und daß sofort Schritte unternommen werden sollen, dieses Hilfswert in derselben Weise systematisch zu organi­sieren, wie dies im Falle Belgiens geschehen sei. Ter Präsident gab ferner der Ansicht Ausdruck, daß es sich durch die Verwendung der brachliegenden Tonnage der Mittelmächte alsdann ermöglichen lassen sollte, der bedrängten Bevölkerung der MittÄmäckste die Furckst vor äußerstem Elend zu nehmen intb ihr Gelegenheit geben, ihre Aufmerksamkeit und ihre Kräfte den großen gesahv« vollen Ausgaben des politisckion Neuaufbaues zu widmen, denen sie jetzt überall gegenübersteht. In diesem Sinne beau'tragt mich der Prmident zu erklären, daß er bereit ist, die Versorgung Deutsch­lands mit Nahrungsmitteln in günsttgem Sinne zu erwägen und diese Frage mit den verbündeten Regierungen sofort auszu^ nehmen ^vorausgesetzt, daß er die Berfick-erung erhält, daß iv Deutschland die össemliche Ordnung aufrecht erhalten nürd und auch weiterhin aufrecht erhalten bleibt, und daß eine ge­rechte Verteilung der Nahrungsmittel unzweifelhaft garantier wird.

*

Japanische Wünsche.

Washington, 24. Nov. (WTB.) In diplomatischen Kreisen in Waslstngton erklärt man. daß die japanischen Friedens­delegierten folgende siel>en grundlegende Friedensbe^ stimmungen Vorschlägen werden: 1. Uebereinstimnnmg mit England wegen der Freiheit der Meere, 2. Sympathie mit den; Plänen der Mliierten, die kleinen Nattonen zu schützen. 3. Aner» kennimg der Notivendigkeit für Japan, Ordnung in Sibirien zu beroaTvren, 4. Anerkennung der javanischen finanziellen, kommer­ziellen und industriellen Einflußsvhäre in China, 5. dauernde Be- setznng voiMaulsck>au, 6. japanisches Protektorat über dieMarscball- instln, Karolinepinseln und anderen deutschen Inseln im Stillen Ozean, 7. Auf Gegenseitigkeit beruhende rechllickie Gleichstellung (reeivrvcatory rMts) für die japarrischcn Bürger in der ganzem Welt, i f y

§ _r_

Aus dem Reiche.

Die Parteinkubiwungen.

Leipzig, 24. Nov. (WTB. Nickstaintlich.) Der geschäftSq führende Ausfckmß ^>es Nationalliberalen Landest vereinsfür Sachsen hat beschlossen, andie Berlinerde- mvkratischeParlei sowie an die deutscheBolks Partei die Bitte zu richten, sich zu vereinigen. Solange dies nicht gesckiehe, wird das liberale Bürgertum Sachsens aufgefordert, sich bbiden Parteien sernAUhallen, beim nur eine einheitliche groß- deutsche demokratische Partei, die auf den Organisationen der beiden bisherigen liberalen Parteien aufgebaut ist, könne die In­teressen des Bürgertums beim Aufbau des neuen Reiches lvahrent

Der Nückzng der Truppen über den Rhein.

Ludwigshasen, 25. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der Durchzug der vom Westen kommenden Truppen durch Ludwigs­hafen und der gleichz-eittge Uebergang über den Rhein nahm gestern seinen Anfang. Die Stadt hat reichen Flaggen- und Gir­landenschmuck augelegt. Eine überaus zahlreiche Menge durckstlutet die Straßen. Die Truppen werden beini Erscheinen lebhaft be. grüßt. Den ganzen Sonntagvormittag durchzogen österreichisckZe Truppen mit ihrer ganzen Bagage die Südstadt. Bei der l)errschen- d-en Kälte empsand'n es die Truppen angenehm, von der Einwohner­schaft mit Kaffee, Tee. Kognak und Rinchworen bttvir et zn werden. Gegen 1 Uhr mittags passierten deutsche Minenwerfeiaöttilnngen die Stadt. Alle Truppen nalyiien den Weg über die Rlwinbrücke durch die Nachbarstadt Mannheim, die gleichfalls zn Ehren der heimkehrenden tapferen .Krieger im Festlleide prangt, nach Heidel­berg, von wo aus sie teilweise mit der Bahn iveiterbefördert werden. Tie ganze lausende Woche werden vornrittags Truppendurchzü-ge durch die Stadt und über den Rhein stattsinden. Während dieser Zell ist der Straßenbahnverkehr vormittags in der inneren Stadt eingestellt.

i. Köln, 26. Nov. (Dvahtn0 Wie derKöln. Vol^chg" zusländigwsints gemeldet wird, werden die letzten lxmtschien Trup. pen morgen 27. Nov. ^lachen verlassen. Zur Ausrecksterliallung der Rul>e und Ordmmg bleiben W zum Mgrrng des letzten Zuges die sämtlichen Wachen mtt dorr sLmtlickxn, Reserven in Bereitschaft, so daß zimschen dem Mmarsch der deutscher Trntrpen und dem Einung der fremden Besatzung lerne ZivisckZenpausc ent­steht. Unterdessen wälzt sich der ungehc:ure Stwm luckslntrnder Truppen durck> die rhcinisckxn Städte und Eiseldörfer. überall! mustergültige Ordnung beivahvend.