Nr. 2Z7
Der tzuetzener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. — Beilaaen: Gietzeiier.sainillenhlatter;
Kreisblatt
für den Ureis Gießen.
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168. Jahrgang
Montag. 25. November l9s8
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General-Anzeiger sür Oberhessen
vankoerkehr:
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Bekanntmachung.
Es wird Harems Angewiesen, daß Heeresangehörige, welche Heercsgut, insbesondere Kraftwagen und Pferde, an Landeserw- wohner verkaufen, sich der Unterschlagung bzw. des L.iecktahls schuldig machen und nach den bestehenden Strafgesetzen streng bestaast werden. _ . . mc .
Wer He-ercSgut, insbesondere Kraftwagen und Pferde, von anderen als den zur Veräußerung befugten mckitarisck^n Stellen erwirkt erlaugt an den Gegenständen kein Eigentumsrecht, letzt sich aber der Gefahr aus. wegen Hehlerei bestraft zu werden.
Wer sich in verdächtiger Weise bei lagernden Bahn- und Postgütern zu schaffen macht, läuft Gefahr, erschossen zu werden
Die Wachen sind angewiesen, ohne Rück'.rcht von der Waffe Gebrauch zu machen. 905/15
Arbeiter- und Zoldatenrat Giehen.
Schindlmeier.
Betr.: Demobilmachung: hier Einquartierung. .
An die Bürgermeistereien der Lar.dgemernden des Zeises.
Das Garin-«niLnnmando erwartet von Ihnen täglich Äcrttei- lung, inwieweit Ihr Ort (nebst den dazu gclwrigot Geisten uftO mit Mannschaften und Pferden belegt i,t und wrev-rel Raum noch für Belegung von Mannschaften und Pferden frei. ist.
Gießen, den 24. November 1918 Krtisamt Gießen. Arbeiter- und Zoldatenrat.
I. V.: Langermann. I. A.: Kiel._
^^Lanntmachung.
Infolge der durch die jetzigen Verhältnisse eutstmchenen großen Dohlen- und Brennstoffknappheit lvird hiermit angeordnet:
Mle Ladengeschäft.'. Bureaus. Lehranstalten und dgl. sind um
5 Uhr abends zu schließen.
Ausgenommen sind , _
Lebensmittelgeschäfte und Fnseurgeschüste, velche um 6 Uhr zu schließen haben. ,
Nach 5 bzw. 6 Uhr darf kern Geschastspersonal mehr be- 'chäftigt und kein Schaufenster mehr erleuchtet werden.
Lohn- oder Gehaltsabzüge sind unzulässig.
Bureaus, welche im Heeres- sowie Temobiliiatronsrnterefte tätig sind, fallen nicht unter diese Verfügung: ebenso
Hotels. Kaffees. Theater, Kinos und Wirtschaften. Diese Maßnahme ist vorübergehend. ^ ^ _
Diese Verordnung tritt mit dem heutigen ^age in K^aft.
Ferner wird angeordmt, daß in allen gewerblichen Betrieben
'Fabriken und dgl.) die achtstündige Arbeitszeit umgehend ernzu-
^^Ein^Lohnausgleich ist für alle Arbeiter und Airgestellten herbei- euführen.
Gießen, den 25. November 1918.
Arbeiter- und Soldatenrat Gießen.
Kiel. 9062B
Die inneren Zustände Deutschlands.
, Es ist nicht verwunderlich, daß nach der Umstürzung destssli eiches und der Bundesstaaten in so wenigen Tagen so viele Dinge uird Bestrebungen noch ungeordnet uniherliegen. An der Spitze aller Wirren steht noch der Streit um die Kompetenzen, der besonders die Neichshauptstadt erfüllt. Am heutigen Montag wird dort die angelündigte Konferenz der Reichsregierung mit den Regierungen der Einzelstaaten ftatt- sinden. Die letzten Vorgänge und Kundgebungen aus dem Süden und Westen des Reiches lassen keinen Zweifel, daß die Auffassungen der Berliner Regierung durch diese Konferenz eine starke Stütze erhalten. Fraglich ist nur, ob Mittel und Wege gefunden werden können, die Einheitlichkeit mit fester Hand praktisch durchzusühren. Die Berliner Konferenz wird hoffentlich aber auch manche in den E i n z e l st a a t e n noch vielfach auseinanderfallenden Zustände beeittgen und eine straffere einheitliche Organisation und Disziplin schassen helfen. Die nach Deutschland zurückkehrenden Heere, die bunte Soldatenwelt im Reiche, verlangen selbst immer eindringlicher nach sicheren und geordneten Verhältnissen. Die Arbeiter- und Soldatenräte behalten vorläufig ihre wichtigen Aufgaben, zu ordnen und in näher begrenztem Nahmen auch zu regeln. Aber sie müssen einheitlich verfahren und dürfen über das Notwerwige nicht hinausgreifen. So erläßt Friedrich Stampfer im Vorwärts einen „o f fe neu B r i e f" an die Arbeiter- und Soldatenräte, dem wir einige wesentliche Sätze entnehmen wollen: ^ _ . . _ r ., . A
Xi" Revvlurion ist auch gtne Revolution m der Arbeiterbewegung selbst, sie schafft in il/r selbst meire Gegensätze. Auf der einen Seite swhen die alterfalw-wen 'Praktiker der Bewegung, die auf viele Hoffnmvgcn und Enttäuscku-lgen zurückülicken, die gesehen haben, wie schfver es ist, alle Probleme nrit eurem Schlage zu lösen die geduldige Arbeit und sckxrfttweries Bocdrmgen im Kampfe g^vohnt süid. Auf der anderen Sefte ftefea die Renan gckommenen, die H i m m e l st ü r m e r, die nur Ziele sehen und fein* Wege, und denen alles so Unendlich leicht vorkommt, wenn nur ein encraisck.er Wille dahinter steht. Aus ihnen werden sich die Kndres der Zukunft formieren. Wer dazimfchen gibt es mich mind'er inert volle Elemente, es sind nicht lauter edle Kräfte, du eure Sturmflut emipvrwirbclt. Hier besteht die Gefahr einer im= seligen Verbindung, denn der stmge, mensck^ngläubige Idealismus vertraut allzusckn-cll und leick-t. Seht Euch Eure Leute an und erblickt nicht ohne weiteres in dem den berufenen Menschheitsführer, der den Mmrd am wertesten qusteisst.
Erkennt Euch selbst! Viele von Euch haben noch vieles zu lernen ! Das Regieren an sich ist ja stnne besonders schvere Kunst, vber auch sie will gelernt sein. Ter Sieg, den Ihr errungen habt, war mrd soll sein ein Sieg des Rechts, nicht der Gewalt. Nicht für Euch, sondern für das ganze Volk habt Ihr ihn errungen. ^er Militarismus hat alle bürgerlichen Freiheiten erstickt, dem Versammlung leben Fesselst angelegt, die Presse geknebelt. Eure er»te Tat war die Wiederherstellung der Preßfreiheit, und dabei muß bleiben! Wer der staatsbürgerlichen Freiheit ein Haar krümmt, beschmutzt mrd entehrt diese gewaltige Bewegung!"
Der Berliner Vollzugsrat.
Berlin, 23. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Bekanntmachung. Der Dollzugsrat d etz Berliner Arbeiter- und Soldatenrats wird, loweit es sich um die Erledigung der ihm provisorisch für das ganze Gebiet der Republik zusdehenden Geschäfte handelt, durch Mftglieder aus dem Reich ergänzt, die von der Vertretung der Arbeiter- und Soldatenräte der nichtpreußw scheu Bundesstaaten zu wählen sind. Die näheren Bestimmungen tübcr die Wahl dieser Delegierten und denen Verteilung auf bi4
Einzelstaaten sind der einberufenen Delegiertenkonferenz der Bun-" desstaaten zu überlassen.
Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrats in Groß-Berlin, (gez.) Richard Mstlller. Molkenbuhr.
Tie Antwort EbertS an die hessische Regierung.
Berlin, 23. Nov. (WTB.) Auf das Telegramm des hessischen Staatsministers Ulrich erteilte der Volksbeaustragte E b e r t im Namen der Reichsrcgierung folgende Antwort:
..Durch ihre Eiiüadung der Einzelstaaten zu einer Konseren- in Berlin brachte die Reichsregierung zum Ausdruck, daß sie weit davon entfernt ist, die Einzelstaaten auszuschließen, viel inehr au^ engste Zusammenarbeit mit ihnen an der Wiederaufrichtung des Reiches Wert legt. Sie sieht in der Nationalversammlung ebeiifalls das vornehmste Mittel zur Erreick-ung dieses, Zieles. Sie strebt nicht nach der Diktatur einer Stadt oder eines Bundesstaates, sondern nach einer solidarischen Demokratie des einheftlichen Deutschland."
Feldheer u«»d Heimat.
Haag. 23. Nov. Holländische Blätter melden aus Aachen: D>er Obertomurandierende der imd)\ Aachen zurückgekehrten 4. deutschen Armee, Generalleutnant Graf Sirt v. Arnim, hat einen Befehl erlassen, daß alle roten Fahnen von den Däckxrn verschwinden müssen. Ter Arbeiter- und Soldatemat weigerte srch, dem Befehl Folge zu leisten. Ein deutsch,er Offizin: aus dem Gefolge des Geirerals erklärte in einer öffentlicher Rede, daß drc deutscke Heimat die im Felde kämpfarden Armeen verraten habe. Er sehe cs als die Ausgabe der bür-zerlickxm Parteien an, fick) nickst mit dcer Arbeiter- und Soldatenräten zu vereinigen. Ter Ofstzier wurde von dem Arbei.ter- und Soldatenrat verh.astet, später aber auf Intervention des Landdagsabgeord:ie,eei Kanfchvann. des Generalvikars der Xomk'rch/e in Aachm. wi^de,' igielcassen. Auch in anderen Städten der Rbebrlande feien ähnliche Re"- er öffentlich und geheim gehalten worden. Die Arbnter- und Soldatenräte seien bemüht, diese Belocgung niedereMlten.
-ln die Landbevölkerung.
Berlin, 23. Nov. (WTB. Nichtamtlich) Tie unterzeichnet^'. Verbände gelten nachstehmd Richtlinien für die Tätigkeit (><ckannt, die Ihr auszuüben berrr'en seid. Wir enoarten, daß im Interesse der ungehdrderten Durchführung der Volks raähruug 'M t'er ckeber- gangszeit von allen „P a u c r n - u n d L a n d"a r b e i t e r r ä t e n" dementsprechend gehandelt wird. Dieser Name soll auslstre-chen, daß im buptberus seK-ftändige Larrdwrrt" und Arbeiter in -stesen Räten gleichber-vchti^gt sind. Auch die Mftarbeit der nichtlandwrrts schaftlichen Landbevölkerung ist dringend ernmnscht. Ein „Bauern- und Landerbeirerrnt" ist in jeder selbständigen Mnneinde zu wählen. Die Amtsbezirke sind in der Regel der benachbarten 4^e- meinde anzugliedern. Jeder Rat muß aus mindestens sechs Personen bestehen und zu gleichen Testen mrs den Kreisen der >.m Hauptberuf selbständigen Landwirte urrd Arbeiter bzw. nichtland- urrtschafsticher Laudb-wölkernug gebildet tverden. Für den Bererch jeder unteren Verwaltungsbehörde ist an deren Sitz ein „Kreis- (Bezirks- u. dgl.) Bauern- urtb Landarbeiterrat" zu bilden. Tie Unterzeichneten Körperschaften bilten den Zentrist-Bauern- und Landrrbesterrat in Berlin, der Awoeisuugen und Ratschläge erteilt. Die Aufgabe der Bauern- und Landarlreiterräte ist die Unterstützung der zuständigen Behörden durch: 1. Mittvirkung und Beratung bei Erfassung und Schutz der vorhan.deneri Lebeasnittel. bei Regeluirg ihrer Ablieferung an die bezugsberechtigten Stellen und bei Bekämpfung des Schleichhandels: 2. Erhaltung der land- wirtschastlick>en Betriebe, Förderung der Erzeugung, insbesondere durch Sicherung von Saatgut und Steigerung des Anbaues, Wiedevculfbau der Viehzucht, Förderung des Gerwssensck>aftÄvesens: 3. Mitwirkung bei Ausnahme der entlassenen Kt egsteilnehnier und Beschafsung von Arbeit und Woherung für diese gemäß den Bestimmungen der Temobilmachungs.ehörde: 4 gegenseitige Hilfe bei Schutz von Personen und Eig'irtum. Volts genossen! Die Not der Zeit fordert die Zusammenfassung aller Kräfte zur Erhaltung t-er Volkswirtschaft. Alles^ Trennende hat zurückz-utreten. Angesichte der großen Aufgaben tue jeder seine Pflicht. Tie Stunde verlangt es gebieterisch. Reichsansschuß der deutschen Landwirtschaft. Deutscher Landwirtschaftsrat. Buud der Landwirte. Verciuigung der deutschen Bauenn^ereiue. Deutsche Landwirtsck)aftsgescllschaft. Reichsverband der deutschen landwirtschaftliche:! Genossenschaften. Generalverband der deutschen Raiffeisen-Genossenschai n. Te^ngs- veveinigung der deutschen Larrdwirce. Deutscher Bauerrwuuv. Deutscher Laudarbeiterverband. Zentral verband der Forst-, Land- unt. WeinbcrgSarbeiter Deutschlands. Allgemeiner Schloeizer-Bugrd sich Deutschland. Hauptverbaud der landwirtschaftlichen Güter- beamtenvereinigungen Deutschlands. Verband der preußischen Landkreise. — Tie Geschäftsstelle des Zentral-Bauern- und Landarbeiter- Rates befindet sich in Berlin W 9, Köuiggrätzer Straße 1211. Tahin sind alle Zuschriften zu richten.
Ein Fournalistenrat.
Berlin, 23. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Der am 17. November in Berlin von der allgemeinen Mitgliederversmnmlung des Neichsverbandes der deutschen Presse gewählte I o u r n a l i st e n - rat. der sich aus Paul Baecker. Robert Breuer, Hugo Franz. Helmut von Gerlach, Dr. Alfons Goldschmidt, Julüls Kaliski, Dr Paul Michaelis, Heinrich Nauinanu und Ludwig Sochaczcwar zusammensetzt, l>at sich konstituiert. Seine nächsum Aufgaben sollen j'ein- Gutacktlick)e Beratung der Regierungsstellen, Bermittluus, zwischen diesen imd den vorhandenen Presseorganisatioueu, Mitarbeit bei Unterbringung der aus dem Felde l-einikehrenden Be- rufsgerwssen, Vorberatimg der Anträge irrst Umbau des Reick>sver-i bandes auf gewerksck)aftlicher Grmudlage, Mitarbeit an der Bildung einer großen Jnteressengenieiistchaft aller geistigen Arbeit, des fteien Schrifttums, der Gelehrtenn>elt, der schaffenden Künstler, Anwälte, Acrzte usw. Boi Erfüllung aller dieser Ausgaben ist der Iournalistenrat das Organ des Reick)sverbendes. Ten journalistischen Organisationen im Reiche wird mstx'imgestellt, ähnlick)e Ausschüsse innerhalb der bisherigen Bezirksoerbckrde rns Leben zu rufen und mit tmstichster Beschleunigung zwecks gemeinsamer Arbeit mit dem Berliner Iournalilbenrat in Verbindung zu treten. Adresse Berlin W.35, Sch öneberger U ser 25.
Lin neuer deutscher Protest.
** Berlin, 23. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) An die gegnerischen Regierungen ist folgende Note gerichtet worden: Im Vertrauen auf die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten verkündeten jGrundsätze eines Rechtsfried-ens tvandte sich, das deutsche Volk um Vennitiluug eines Waffenstillstandes an Wstson. An Stelle des erwarteten, von Grundsätzen des Rechts und der Billigkeft und vom Wunsckie einer zukünfttgen Versöftmug der Völker beherrschten Waffenststlsdrndcs ist uns ein Waffenstillstand der Ver- geicaltitrung und Vernichtung geworden. Die Bechmmungeu dieses WaffensttUstandcs bedeuten in ihrer Durchführung nicht eine Brücke zruru Frieden, sondern einer Fortsetzung des Krieges mst andern;
Mitteln. Tie Forderungen des Waff-enstiUstandes werden der Welt den ersehnten Frieden nicht bringen, sie wollen die Wcederherstcllung ftiedlicher Ruhe in Dcmtsckstand und eine geordnete Demobilisierung unmöglich machen. Sie sollen das schwerqepstifte Land dein EhaoS 'und der Anarchie vrcisgeben. Unsere zierlichen Proteste gegen dieses der Rienschlichkeit hohnsprecheu»> Veistahren sind ungehürt verhallt. Mag die Harte der Wafftnrsttllstandsledingrmgen mit der Nvtn>endigkeit begründet sein, dein Deutschen Reiche den Wiederbeginn der Feindseligkeiten unnröglich machen, so i>t doch unfern Feinden in zwstchen llar geworden, daß diese Begründung nicht in ehr stichhält, denn das deutsche Volk will^ die Feindseligkeiten nicht wieder beginnen und kann es nicht. Die deutsche Regierung sieht in der Auftechterhaltung der harten Bestimmungen ein Attentat gegen die Grundsätze der Zivilisation und muß den Schluß ziehen, daß es den Regierungen der alliierten Länder aus nichts and: res» ^rnlommt, als ans Vergewalttgung und Vernichtung des deutschen Volkes.
Sofort Nach Abschluß der Waftenstillstandsverhandlungen wandte sich die deutsche Regierung wiederum an den Präsidenten der Vereinigten Staaten mft der Bitte, so schnell wie möglich Verhandlungen über einen Präliminarfrieden herbeizn- führen. Bis heute ist die deutsche Regierung ohne Nachricht darüber, wami endlich die Negierungen der alliierten Länder mit dem F-riedenswerk einen Anfang mrcheir wollen. Das deutsche Volk beginnt zu z'iveifeln, ob sich lstnter dieser Verzögerung des Friedens nicht die Absicht der Ferir)e verbirgt, die gehetzten und ermüdeten deutschem Truppen durch Nichterfüllung von uner» füllbaren WaffenstillswnQsbedinguugeii ins Un reckt zu setzen und damit für die .Alliierten einen Titel zu schaffen für die Fortsetzung des Krieges. Wenn der Friede als Rechitsftiede geschlossen wcrden soll, so darf den Entscheidungen in rechtlich strittigen Fragen nicht vorgegriffen werden. Tie deutsche Regierung muß dichnn, vom Präsidenten aufgchelltc'r Grundsätze gegenüber fest- stellen, daß die von der rranzösstckjen Regierung in Elsaß-Lothringen getroffenen Maßregeln, ebenso wie das Verfahren der Poletzj in den östlichen Grenzgebieten Deutschlands und einzelne Maßnahmen der nicktdeutschen Bestandteile des ehemalig n Oesterrstch- Ungarns gegen die Deutschen, nichts anderes sind, als Versuche, den Entscheidungen der FrsedensSonfereuz mft Gewalt vorzugrstfen.- Gegen alle diese Versuche wie gegen die Verzögermrg des Friedens^ schlusses legt die deutsche Regierung schärfsten Protest ein. Ans der Gesinnung, di: aus einem solchen Verfahren spstcht. kann ein Friede von Dauer nicht hervorgeheu. Das deutsche Volk kann vorübergehend verg-Ävaltigt werden, wird aber nicht aufhören, da^ Leben und sein Recht-zu fordern.
Berlin, 23. stkovember. gcz.: Solf, Staatssekretär.
Einö weitere Härte der Gegner.
Berlin, 22. Nov. (WTB.) Nach Akitteilung der deutschen Wafsensttllstmidstwimiswm in Spaa erklärten die Gegner, daß sie es ah lehn en ,.r uss.i sche und rumänische Kriegsgefangene im Westen außzu nehmen. Sie verlangen deren Abscknb noth dem Osten. Bei hem völligen Mangel an Beförderungsmitteln wird diese StellungnalMe von zahlreick^n Kriegsgefangenen als eine große Härte ihrer Verbündeten empfunden ioerden.
Gegenüber übertriebenen Gerückten über das Los unserer Feldgrauen in Polen kann zuchBeruhigung ihrer Angehörigen mitgeteilt werden, daß sich 'die Heimbeförderung zwar unter Sckwiierigkeiten und Entbehrungen, vollzie ht, daß aber ein 6>rund zu Befürchtungen ernsterer Art uzcht vorliegt.
Prinz Max von Baden über die Waffenstillstandsverhandrungett.
Karlsruhe. 23. Nov. (WAB.) Auf ein durch Bermitllung des Genfer Roten Kreuzes an den Prinzen Max von Baden gerichtetes Ersuchen des englischen Roten Kreuzes, seinen Einfluß für bessere Behandlung. und sofortige Heimreise der cuglstchen. (R-sangenen geltend zu macken, hat der Prinz folgendes Telegramm abgesandt: ,^Jch werde den Wunsch des englischen Roten Kreuzes an die zuständige Stelle weitergeben, getreu der Haltung, die ick seit Kriegsbegiun in der Gefangenen frage eingenommen l>ibe. Ich halte es aber für meine unabwstsliche Pflicht, es offen auszu- spreck^en und Sie zu bitten, es^ dem englischen Roten Kreuz rn: meinem Namen mitzuteilcn. daß die vom Geilte der llnvcr.öhw lichkcit erfüllten Wasfcnsttlls.andsbedingungeii, die drraur !>nwus- laufen, Hungersnot und Auftöfung, aller Ordnung und endlich den Einmarsch der Wliierten in Teulschland herbeizuführen, notwendigerweise auf die Berpftegung und den Abtransport aller, anch der englischen Gefangenen, zurückwirken müssen. Erhebt drö englische stdote Kreuz hiergegen Einsprilch, so crackve ich es weiuer- seits als einen Akt der Menschlichkeit für alle hochherftg denkenden» Engländer und ihre gleick-gesinnten Verbündeten hahftl zu wirken, daß sie sich selbst imd ihre Länder von dem Makel befreien, ein Werk zu dulden, das das Stigura unritterlicher Vergewaltigung und unchristlicher Gesinnung für alle Zeiten tragen wird.
(gez.) Prinz Max von Baden?
Das angebliche Lnre-.inviche Friedrnsan^cbot.
Berlin, 22. Nov. Zu den Meldrmgcn über ein angeb stches amerikariisches Friedensangebot im Herbst 1916 erfahren wir zuverlässig folgendes: Es wurden danials allerdings durch Herrn Jaffe gewisse Mitteilungen im Auswärtigen Amt gemacht, die auch sehr aufmerksam geprüft wurden. Es bandelt^ sich jedoch, wie die Prüfung ergab, um nickt genügend autor- .er.ß Mitteilungen, die Jaffe von einern Amerikaner in der Schuwiz erhalten l>atte Der betreffende Americkucr galt damals sür '.ftckft allzu zuverlässig. Als inan der Sache nachgivg, üellte cs »ich l>craus, daß die Beziehungen, die er angeblich zu W.lion haben: wollte, nicht so waren, wie er angab.
Tie .Kriegsschädcn Amerikas.
Washington, 23. Nov. (WTB.) Reuter. Das .Hendels- amt veröffentlicht den Verlust von 14 5 amerikanisches Passagier und H a n d e l s d a m p f e r n mit 354 !! 9 Tonnen Schiffsraum durch die feindliche Tättgkeft von Beginn des Krieges bis zur Einstellung^der Feindseligkeiten. 775 Atenschertz sind dabei umgekommen. 19 Schiffe rmd 67 Mensck>enleben gingen durch Torpedos, Minen und Geschützfeuer vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg verloren.
Die amerikanische Flotte.
Washington, 22. Nov. (WDB.) Der Marinekomnlission des Repräsententerrhauscs wurde mitgeteilt, daß die a m e r i k a - nische Flotte im Jahre 1920 doppelt so stark sein merke, wie im Jahre 1917. Sie wird dann aus 800 Schiffen bestehen.
Die Entente gegen das bolschewistifchc Rußland.
Moskau, 21. Nov. (WTB.) Die Ententemächte ver. öfsenllichcn einen Aufruf an die Bevölkerung Ruß-, lands, worin bekannt gemacht wird, daß sie dcn Einzug m


