Nr. 265 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag. 8» November XQ|8
Aus Stadt «nd Land.
Gießen, den 8. November 1918.
— F a lf che Gerüchte über V o rko m mnisse crm Gießener Bahnhof. Um nnMtveffenden Gerüchten errt- gegenzAarbeiten, wirv mitgeteilt, daß eine Anzahl von Ma- rrnecrnaehöritzen am hiesigen Bahnhof heute ftfiih zur Prüfung ihrer Papiere kurze Zeit zurückgehalten wurden. Da sich sämtliche Mannschaften genügend auswiesen, Konnten sie ihre Reise alsbald fortsetzen.
** Amtliche Personal Nachrichten vom 6. November. Ter Großherzog empfing zum Vortrag: den Geh. Legationsrat Tr. Nei d hart und den Vorstand des Kabinetts Wirkt. Geh. Rat v. Römheld. — Uebertragen wurde am 31. Oktober dem Lehrer Friedrich Speck Hardt zu Seeheim eine! Lehrerstelle an der Volksschule zu Biebesheim, Kreis Groß-Gerau. — Der Großherzog hat am 9. Oktober dem Fvrstwart der Kommunal forstwartei Nieder-Beerbach Förster Georg Adam M a y zu Nieder-Beerbach aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 an erfolgten Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine ^renzeichen mit der Inschrift „Für treue Treuste" verliehen.
** Aus französischer Gefangenschaft geschrieben hat Gefreiter Heinrich Schuchardt von hier. Sohin des Dienstmannes G. Schuchardt, der seit 90. August als vermißt erklärt .würbe.
** Aus dem Militärwocheubla tt. Be fördert: Renner, Oberlt. der Landw. a. D. (Freibnrg), zuletzt Lt. des Londw.-Trains 2. Ausg. (I Tarmstadt), jetzt beim Ers.-Batl. des JUf.-Regt. 114. zum Rrttmckster: VizeselDw. Nodnagel (Friedberg) zum Lt. der Landw. 1. Aufg. der .Kraftf.-Tr.: Fähnrich Eggerß ini Feldart.-Regt. 25 zum Lt., vorläufig ohne Patent. Kunkler, Hermann, Lt. der Res. der Marine-J. (Bonn), aus der Marine aus geschieden und in der Armee unter Beförderung zum Oberst, im Leibg.-^Iinf.-Regt. 115 angestellt. Reiners, Oblt. a. D. <1 Köln), zuletzt Lt. im Jns.-Regt. Nr. 87, %wn Hauptnr. ; Schneider. Wilhelm (II Tarmstadth Stritder (Siegen), Vizewachtm. im Feldart.-Regt. 21 , zu Lts. der Res.; Hornberger, Off.-Stellv, im Feldart.-Regt. 27, zum FÄdW.-Lt.: zu Lts., vorl. ohne Patent: die Fähnr. Baal im Inf.-Regt. 87, Koeppe, Heitmann, Hohn, Walther, v. Mertens im Pion.-Batl. 21.
** Das Großb. Hess. Regierungsblatt Nr. 25, ausgegeben den 5. November 1918, hat folgenden Inhalt: 1. Be- kanntmafi-nng, Rechtsmittel und stieichssteuersacksien betreffend. (S. 223s. — 2. Bekanntmachung, Regelung des Fleischverbrauchs betreffend. (S. 2243 — 3. Bekanntmachung, Schlachtverbote betreffend. (S. 225.) — 4. Bekanntmachung über den Verkehr mit Zucker zur Verbesserung von Weißweim (S. 226.) — 5. Bekanntmachung, den Schutz der Mieter betreffeird. iS. 228.) ■— 6. Aus- fuhrungsbestimmungen zur Bundesratsverordirung über^ Saat- iartoffelu ans der Ernte 1918 vom 2 . September 1918. (S. 228.) — 7. Bekanntmachung über Weinreben. (S. 229.) — 8. Bekanntmachung, den 4. Nachtrag der Deutschen Arzneibaxe 1918 betreffend. (S. 230.)
** Uni versitätsgotteZdien ft. Tie Landesuniversität wird wegen der bestehenden Schwierigkeiten, die die Zeit mit sich bringt, in diesen: Winter die Zahl der U n iversitäts gottesdien st e beschränken. Ter erste des Semesters findet Sonntag den 10. November, 11V 4 Uhr. in der Neuen Aula /Eingang Ludwig straftet statt. Die Predigt hält Geheimer Kirchen- tart Pros. Dr. Eck.
** Getragene Schuhe. Nach der heutigen Bekannt- machung des Lebensmittelamtes kommen Mittwoch den 13. und Samstag den 16. ds. Mts. Schuhe, die wieder in gebrauchsfähigen Austand gesetzt worden sind, in der Brocken sammlung znm Verlauf. Um dkmjenigen Personen, die bisher ihre Bezugsscheine nicht einlösen konnten, Gelegenheit zum Erwerb eines Paares Schuhe zu geben, ist bestimmt, daß am ersten Verkaufstage nur solche Schuhbedarfsscheine beliefert werden, die vor dem 1. Juli 1918 von der Städtfichen Bekleidungsstelle ausgestellt worden sind. Am zwickten Verkaufstage Werder: die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1918 ausgestellten Schuhbedarfs scheine beliefert. Bei Mngang weiterer Schuhe wird weitere Abgabe erfolgen.
** Be l e h r un g de r S chu lj u g e n d ü b e r d i e Gr i p v e. Die Grippe ist zwar im Abnehmen. Trotzdem ist eine Belehrung von Wert, die einzelne Schulverwaltungen allen Schulkindern, besonders den bei landwirtschaftlichen Arbeiten, haben mitteilen lassen. Die wichtigsten Schutzmittel, hckßt es darin, sind folgende: Vermeide jeden Verkehr mit .Kranken: besuche sie nicht in ihren, Wohnungen und im Krankenhause. Wenn du einen an Grippe ierkvankten Angehörigen pflegst, stelle Waschgerät in die Nähe des Bettes und ivasche dir nach jeder 'Berührung des Kranken und seiner Gebrauchsgegenstände die Hände, besonders auch ^vor jeder Mahlzeit Lasse dich von dem Kranken nicht anhusten. Spüle dir so oft als möglich den Mund und Rachen. Reinige die Zähne nach jeder Mahlzeit. Salzwasscr genügt. Wasserstoffsuperoxydlösung ist besser kein Eßlöffel auf ein Glas Was,er). Lies keine geliehenen Bücher. Venneide jede gemeinsame Benutzung von Wäschestücken und Ehgeräten mit einem Kranken. Wenn du erkrankst, lege dich zu Bett, schicke nach bem Arzt uttb warte seinen Rat ab. Hüte dich vor Erkältungen.
** Hilfsdien st Pflicht und Handwerker. Tie letzte Vorstandssitzrmg der Handwerkskammer behandelte u. a. die Rohstoffversorgung des Handwerks, die Gründung einer gemeinnützi- gen Materialvermittlungsstelle für den Bezirk 18. A.-K., Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, Möbelbeschaffung für Minderbemittelte und sonstige Fragen, die für das Handwerk während der jetzigen Verhältnisse von besonderer Bedeutung sind. Insbesondere wurde die Frage der H i l f s d i e n st p f li ch t eingehend besprochen. Um die :wch rätigen Betriebe für die zu erwartenden! Schwierigkeiten des Wirtschaffslebens zu stärken, ist beschlossen worden, bei den maßgebenden Behörden zu beantragen, daß im Falle eines Waffenstillstandes von weiteren Einziehungen selbständiger Handwerksmeister und deren Hilfskräfte zum Hilfsdienst Abstand genommen wird.
** Zur Einschränkung des Personenverkehrs. Zur Einschränkung des Personenverkehrs hat auch das Reichs Postamt eine Verfügung an die Beamten seines Bereich gerichtet. Diese und die in privatrechtlichem Dienstverhältnis stehenden Personen werden darin von neuem daraus hingewiesen, bis zur Besserung der Lage die Eisenbahn nur in den allerdringendsten Fällen zu benutzen. Dte Vorgesetzten Dienststellen sollen bei Anträgen auf Genehmigung von Urlaubsrcksen, deren Notwendigkit in jedem Falle einer strengen Prüfung unterziehen. Dasselbe gilt für Dienstreisen. Tie Einschränkung kann nur dann wirken, wenn jeder einzelne es als Pflicht erachtet, in dieser ernsten und schweren Zeit ;ede nicht unbedingt nötige Reise zu unterlassen. Ties gilt ebenfalls für die Urlaubs- und Dienstreisen wie für Reisen zu amtlichen oder halbamtlichen Tagungen und zu Versammlungen, die in letzter Zeit wieder einen erheblichen Umfang angenommen haben. — Für die Benutzung der Schlafwagen ist, wie wir berichtet haben, eine Prüfung der Notwendigkeit und Tringlichke.it vorgesehen. Die Einführung dieser Einrichtung ist schon zum 10. November in Aussicht genommen. Bettkarten werden im allgemeinen für Reisen ausgegeben, die für die Kricgswirtschaff rwtwendig sind. Reisen zu Familienbesuchen und ähnlichen Zwecken werden nicht als dringend erachtet werden. Tie Prüfung geschieht bekanntlich aus den Stellen, die die Bettkarten ausgeben. Es soll dahei ein höherer Beamter Mitwirken, um eine sachgemäße Handhabung zu gewährlcksten.
** O esfent ticha B ücherhal l e. Im Oktober wurden 2120 Bände au« geliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1308, Zeitschriften 211, Iugendschriffen 188, Literaturge- schichte l I, Gedichte und Dramen 28, Länder- und Völkerkunde 56, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 63, Kunst- g^sch-ich! 10, Naturwissenschaff und Technologie 76, Heer- und
Seewesen 6, .Haus- urid Landwirtschaft 2 , Gesundhcktslehre 17, Religion und Philosoph^ 56, Staatswissenschaff 7, Sprachwissenschaft 13. ^fremdsprachliches 49 Bände. Nach auswärts kamen .30 Bänd.:. Von nächster Woche ab ist die Bücherhalle nur noch ;äajne,Lfljaü geöffnet. Siebe Aw«a>»
** Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34, findet morgen Samstag, di^ Erstaufführmrg des Filmwerkes „Das Hiuttnelsschiff" statt. Zu diesem Film, der ein Zukunftsroman ist geben .vir nachstehende Pressestimme wieder: In geschickter Weise löst dieses Filmwerk das Problem, philosopKsch-echis-clxm Ideen bildlich einen leicht faßlichen Ausdruck von weitester Wirkung zu geben. Um einen ausgesprochen männlichen Vorwurf spinnt sich ein romantisches Rankenwerk, das auch denen, die vom Lichtbild in erster Linie Befriedigung ihrer Schaulust und Genrütserre^ung verlangen, etwas gibt, ihnen zugleich aber, ohne sie aufdringlrch zu bemühen höchste Probleme der Menschheit näherbringt. Und weil er dies zn vereinen weiß: einen gedanklichen Inhalt, der auch den Anspruchsvolleren zu fesseln weiß und in guter Form und als technische Glanzleistung das, was dem Kinostammgast Kunstgenuß ist, darf der Füm, ohne daß man sich her Uebertrefl-ung schuldig miacht, als Muster bezeichnet werden, das der Lichtbildbühnc den möglichen Weg zur Vervollkommnung ihres Spielplans unter Umgehung des unangenehm Lehrhaften weist. Der Film, der etwa anderthalb Stunden rollt, bringt in bunter Folge Familienszenen, ein Observatorfirm, prächtige Landschaftsbilder, Naturstimntungen. darunter eine außerordentlich wirksame Gewitterszene, ein Luftschiff im Flug, Vvlksaufläufe, anmutige Tanzbilder, zarte Liebesszenen und noch marrches andere hübsche und interessante Bild. Besonders zu rühmen ist die hohe technische Vollkommenheit des Werks, die ihm eine besondere Zugkraft sichern dürfte, auch bei jenem Teil des Publikums, der sonst das Kino selten besucht.
vermochte».
Kreis Büdingen.
A Nidda, 6. Nov. Hier herrscht die Grippe immer noch sehr stark. Innerhalb 8 Tagen starben in einer Familie daran drei Personerr, zuerst der 18 Jahre alte Buchdrucker Erwin Fieser, nach zwei Tagen dessen Vater, der Schreiner und Polierer in der hiesigen Möbelfabrik Hefirrich Fieser, 50 Jahre alt, und heute wurde die 12 Jahre alte Tochter Klara Fieser zur letzten Ruhe bestattet. Täglich ertönen die Sterbeglocken. Manche Opfer der Grippe werden von außerhalb von den Angehörigen heimgeholl und in der heimatlichen Erde des Kirchspiels beerdigt. Nach ganz kurzer Krankheit starb gestern plötzlich Oberst z. D. August Weimer, der seine letzten Lebensjahre hier in seiner Vaterstadt verlebt hat.
c. Nidda, 6. Nw. Ter Pfarrer Theodor Wiegel in Bingenheim ist durch die Dekanats sh no de des Dekanats Nidda aus die Tauer von 10 Jahren zum Dekan gewählt worden. Pfarrer August Scriba zu Eichelsdorf wurde auf die Dauer von 5 Jahren zum Stellvertreter des Dekans bestimmt.
Kreis Alsfeld.
Up. Mücke, 6. Nov. Tie Flachsanlieferungen, welche jetzt auf hiesigem Bahn Hose verladen werden und aus der nächsten Umgebung des nordwestlichen. Vogelsbergs kommen, offenbaren sehr deutlich den Fortschritt des Flachsanbaues, den der Weltkrieg verursacht. Ter Flachs war aus unseren Feldern ver- schwu'tideu, jetzt bringen ihr: wieder reicher Erlös aus Faser und Lein zu Ehren. Mit dem Flachs verschwand auch die ganze Hausindustrie des Leinen und die dafür erforderlichen Geräte, wie Brechmaschine, Breche, Schwingstock, Hechel, Spinnrad, Haspel und Web- stuhl. In anderen Gegenden., wie im Odenwald und Spessart, ist die Leinen ge winnung im Haus bet rieb wieder eingesührt und damit die alte Spinnstube wieder auferstanden. Wann bei uns die Leinenbereitting wieder ausgenommen würde, so wie sie früher geblüht, würde es ein Segen für die Volkswirtschaft sein.
up. Von der Ohm, 6. Nov. Die letzten Früchte des Feldes, die Hackgewächse, sind eingebracht worden. Machte anfangs unaufhörliches Reaenwetter diese Ernte sehr schwer, so wurde sie zuletzt durch das schöne Spätherbstwetter erleichtert. Die Wurzelgewächse sind ganz vortrefflich geraten': sie helfen die Lücke verstopfen, welche der Futterausfall gebildet. Im Verein mit der guten Strohernte Helsen die Rübengewachse das Vieh durch den Winter bringen.
Kreis Lauterbach.
sb. Berns Hausen, 7. Nov. Wegen Ueberhandnehmens der Grippe, an der fast alle Schulkinder krank zu Bett liegen, mußte die hiesige Schule bis auf weiteres geschlossen .verden.
Kreis Schotten.
* Bu che cke r n wu r st. Das ist das neueste und wahrlich nicht das schlechteste Kriegserzeugnis. Das Rezepr lautet also: Fünf mittlere Pellkartoffeln, ein fingerdickes Stück Brot ohne Rinde, eine große Zwiebel und eine große Tasse voll geschälter Bucheckern treibe man durch die Fleischhackmaschine, menge Salz, Pfeffer und eine Messerspitze Majoran darunter, vielleicht mich ein Ei. Dann forme man die Masse in Pergamentpapier zu 2—3 Würsten, binde oben imb (unten zu, siede die Würste etwa 23 Minuten langsam, hänge sie zum Trocknen aus und lasse sie erkalten.
c. Freienseen, 6. Nov. Ter hiesige Pfarrer Otto Röschen fit durch die Tekanalssynode des Dekaimts Grünberg für 10 Jahre zum Dekan gewählt worden.
L Laubach, 6. Nov. Heute morgen gegen 5 llhr wurde die hiesige Feuerwehr alarmiert. Es tvar .im iliebengebäude des verstorbenen Kappenmachers Eduard Göbel Feuer aus gebrochen. Binnen wenigen Minuten war die Feuerwehr mit drei Spritzen, darunter die Gräfliche Schloßseuerfpritze. an der Brandstelle, und es gelang ihr, das Feuer aus seinen Herd zu beschränken. Wäre das Feuer auf die mit ungedwschvenem Getreide usw. gefüllte Scheune hos^angrenz enden Landwirts Moll gesprungen, so wäre ein großes Schadenfeuer entstanden. Verbrannt sind ein Kleiderschrank und eine Kommode nfit ihrem Inhalt an Kleidern und Wäsche, lleber die Entstehung des Brandes konnte bis jetzt nichts ermittelt werde::.
up. Aus dem Vogelsberg, 6. Nov. Wenn sich Stimmen hören lassen, die einen kalten Winter aus verschiedenen Anzeichen Voraussagen, so muß dem entgegengehalten werden, daß gerade nicht wenige Merkmale auf einen gelinden Winter hin- wcksen. Ter Blattabfall ist durchaus kaum später, sondern schon stark im Oktober aufgetreten. Tie Bienen haben ihre Wohnungen keinesfalls stärker „verharzt" wie gewöhnlich, und die Kraniche sind ganz ungewöhnlich spät zurückgezogen. Dazu haben wir eine! Novembertemperatur, die über der des Septembers steht.
Kreis Friedberg.
nt. Friedberg, 7. Nov. Heute :mcht wurde das Gasthaus zum Deutschen Haus (Ellermeyer) von Einbrechern heimgesucht. Es wurden Geld, Zigarren und Kleidungsstücke gestohlen.
Hessen-Nassau.
— Bad-Homburg v. d. H., 6. Nov. Die am 1. Oktober nach vierjähriger Ruhepause wieder eröffnetc Strecke der Bäderbahn von Homburg nach Höchst a. M>. durch vier Personenzüge täglich in jck>er Richtung ivird von Reisenden jo wenig benutzt, daß sich die Fahrten kaum lohnen. Die Frankfurter Eisenbahlv- dwektion will oeshalb, wenn die Benutzung dieser Züge nicht besser wird, die Fahrten wieder einstellen lassen.
ra. Biedenkopf, 6. Nov. Der auf Anregung unseres Dekans - Christian veranstaltet: Familienabend, bei welchem auch der hiesige Kirchenchor mitwirkle, loar über Erwarten stark^beiucht.
Bruchköbel, 7. Nov. Die 36iährig," Ehefrau Susanne Schröder 'hat am Mittwoch fi: einem Anfall geistiger Umnachtung ihrer vierjährigen Dochten und, dann sich den Hals mit einem Rasiermesser durchschnitten. Mutter- und Kind, die beide an der Grippe darnieder lagen, fand man später tot vor.
X. Hanau, 6. Nov. Im benachbarter: Dorfe Bruchköbel haben Diebe durch Einbruch aus den: Lager des^ Hink lsche : Manu fakturwareng:schäffs Waren im Werte vor: 25 000 Mk., sowie ranb 5000 Mk. Bargeld gestohlen.
Fc. Kassel. 6. Nov. Von den hiesigen Königlicher: Schlössern kommen zur Berwendun.^ als Lazarette in Frage das gesamte Schloß Willhelmshöhe mit Ausnahme der kaiserlicher: fistmächer, in denen die wertvollen Kunstgegenstände und Möbel des Schlosses aufbewahrt werden sollen, das Prinzenhaus, das mit dem benachbarten Friedrichs-Gymnasium zu einem Lazarett Verbünde:: werden soll, und das R-ote Palais an: Friedrichspl'atz.
— O be rla huste i n. 6. Nov. Beim leichtfertigen Hantieren m:t einem Revolver erschoß der Arbeiter Willrelln Zimmer schied seine junge Frau. Die Kugel drarn, d:mh- den Arm in das Herz und führte bei: sofortigen Tod herbei.
ra. Aus Nassau, 6. Nov. Das hundertjährige Bestehen des Vereins nassauischer Laich- und Forstwirte soll im Jahre 1920 gefeiert iverden. Tie Jubiläumsfeier soll mit der General Versammlung des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte ab- gehalten und damit glckchzeitig die Feier des hundertjährigen Bestehens der landivirtschastlichei: Wmlrrschstle zn Hof GejAberg verbunden werden.
Letzte Nachrichten.
Line Umwälzung in Bayern.
München, 6. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Im Anschluß au die gestrige Massenversammlung aus der Theresienwiese kam es in München zu ernsten Unruhen, die im meüemt Verlaufe zur AusrusungderRepublik Bayern führte. In der Nacht zum heuttgen Tage bildete sich ein Rat der Arbei- Soldaten u nd Bauern, zu dessen Vorsitzenden C urt
ter
Ein Ausruf des bayerischen KriegSministerS.
München, 5. Nov. iWTBO Der Kriegsmini ster erläßt folgenden Aufruf: Tie Wassenstillstands Bedingungen. die unseren bisherigen österreichischen Verbüiü)etei: auserlegt wurden, eröffnen dem Fnnd die Möglichkeit, unsere Süd- und Ostgrenze militärisch >u bedrohen. Tas Bayernvoll', das in diesem Kriege einen bewun - wrnswerten Opfermut zeigte, kann auch dieser Möglichkeit zuv^ sichtlich enigegensehen. Zur Beunruhigung liegt kein Anlaß vor. Vorkehrungen für den Schutz der Heimat sind gettoffen und im Gange. Tie Bevölkerung darf das höchste Bertvauen haben, dal: sie rechtzeittg unterrichtet wird, falls wider Erwarten eine mr- mittelbare Gefährdung des Landes eintreten sollte. Deshalb Ruhe l:nd Zuversicht! gez. v. Hellingrath, General der Kavallerie. Kriegsminister
Aus der französischen Kammer.
Bern. / 7. Nov. (WTB.) Die Sitzung der fvantzösischen Kammer vorn 5. November nahm einen sehr ervetzten Verlauf. Der Maueraifichlag, der Clemenceanschen Rede wurde unter lebhaftem Widerspruch der Sozialisten beschlossen. Ter Deputierte Matze ras beanttagte sodann eine Interpellation über den genauen Sinn, den die französische Regierung der Antwort Wilsons an Sols bermesse. Auch Renaudel verlangte eine Interpellation über die Erklärung der Regierung und rügte, daß das Parlament über die Bedingungen des Wassenstillstandes mit Oesterreich erst durch das „Journale de Genev^' unterrichtet lvurde, was Elemonoeau damit erklärte, daß gemäß einer ihm seitens der englischer: Regierung zrrgcgangenen Mitteilung des „Journal de Ge- neve" die Waffen still stau ü sbcdfi'. gun gen von österreichischer Seite erhielt. Mayeras verlangte fine Erklärung, ob die Regierung die 14 Purttte Wilsons annehme. Pichon rügte dies Verlangen, welches nur dazu m:getan sei, den Glauben zu erwecken, daß 'wischen der französischen Regierung und Pilfor: Unstimmigkeiten bestehen. Tic
Vtrm 'TT? 1 nV-u>i-rrrÄ ntih VnnrrlSpTt Kfrvrt’tFlvrn
Interpellationen von Mayeras und Renaudel wurden daraufhin mit 430 gegen 57 bzw. 410 gegen 62 Stimmen unter lebhaftesten: Protest der Sozialisten abgelehrtt.
Tie Regiernrig hatte die Vertrauensfrage gestellt, wogegen Renaudel protestierte unter dem Hinweis, daß es unzulässig sei, die.Volksvertreter im Unklaren zu lassen und die Vertrauensfrage zu stellen, wenn sie Auiklärung verlangten.
Eine neue Wendung in Polen.
Eisner ernannt wurde. Dieser Rat erließ an die Bevölkerung Münchens einen Ausruf, in dem es unter anderem heißt:
Ein provisorischer Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat hat sich in der Nacht zum 8. November im Landtag konstituiert. Bayern ist fortan ein Freistaat, eine Volksregrerung, die von dem BeL- ttaucm der Massen getragen wird, soll unverzüglich eingesetzt werden. Eine konstituierende Nationalversammlung, zu der alle mündigen Männer und Frauen das Wahlrecht haben, wird so schnell wie^ möglich einberusen iverden. Der Arbeiter-, Soldaten- und Bauern-- rat wird strengste Ordnung sichern. Ausschreitungen werden rücksichtslos unterdrückt. Tie Sichcrheff der Person und des Eigen«, tums wird verbürgt. Tie Soldaten in den Kasernen werden durch Soldatwräte sich selbst regieren rmd die Disziplin aufrecht erhalten. Offiziere, die sich den Anforderungen der veränderten Zeit nicht widersctzen, sollen unangetastet ihren Tienft versehen. Alle Beamten bleiben in ihren Stellungen. Grundlegende soziale und politische Reformen werden unverzüglich ins Werk gesetzt. Die Bauern verbürgen sich für die Versorgung der Städte mit Lebensmitteln. Ter Austausch der Lebensmittel wird rationell organisiert werden. In dieser Zeit des sinnlosen wilden Mordens verachten wir alles Blutvergießen, jedes Menschenleben soll heilig sein.
München, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Rat der Tlrbeiter, Soldaten und Bauern erließ ferrrer Bekanntmachung: Zur Au f rechter Haftung der Ordnung urch Srcher- heit arbeitet von heule an das gesamte Polizei- und Sicherheffs- persorral im Aufträge und unter Konttolle des Arbeiter- und Soldatenrats. Ten Anordnungen dieser Organe ist unbck>rngt Folge zu leisten.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Das Ersatz-Bataillon J.-R 116 beabsichtigt Mittwoch den
13 11. und Dounerstag den 14. 11. östlich von Annerod in der Richtung auf Burlhardsfelderr Gefechtsschießen mit scharfer Munition abzuhalten. An beiden Tagen darf das gefährdete Gelände von vorm. 8 bis nachm. 4 Uhr rücht betreten werden.
Als Gesahrzvne kommen fir Betracht: das Feld östnch Annerod mit dem dahinterliegeirden Waldkontplex zwischen Annerod, Stein- bach, Ällbach, BurShardSseldm, Opveirrod, löänsebrrch. Ter Ber- bindurprsweg Annerod-Steinbach durch den „Ferne-Wild" muß für jeder: Verkehr gesperrt bleiben. Für die Absperrung der nach dem Schießgelände führenden Wege sorgt das Bataillon.
Gießen, den 7. November 1918
Warschau, 6. Nov. (WTVfi Die Warschauer Morgenblätter berichten von einer neuen politischen Wendung in Polen. Mit dem Sitz in Krakau wurde gestern em Direktorium bet polnischen Volksrepublik gebildet, zu denr Vertreter der volnischen Sozialdemokraten, der Voltsparteien Polens und Galiziens gehören. Diese haben die Arrsgabe, baldmöglichst eine demokratische rurtw- uale Regierung in ? Leben zu rufen. Tie Warschauer „Nowaja Gazeta" ist heute zun: ersten Male nach ihrer Schließung wieder »erschiene:!. Tie gesamte Warscharrer Linke erklärt, daß sie sich den: Direktorium urtterstellt. Tie Linke nahm deshalb vor: jeglichen Unterhandlungen beim Regcnfi'chaftsrat Abstand. Alle Blätter enthalten die Vermutting desRücktrittesde s R egentschafts- r ates. Tie Nachrichten sind in dieser anscheinend abgeschlossenen Form, wie man an amtlicher Stelle versichert, noch als verfrüht zn betrachten. Ter Regentschaftsrat befaßt sich mit diesen Strömungen, welche durch seine Entschließungen in gesetzliche Bahnen gelenkt werter: dürften. , _ y«
Warf ch a u , 6. pcov. (WTB.) Die Nachrichten über die 'Bildung einen Direktorats bestätigen sich, wie auch, einzeln« Mt unter-, richtete Mütter melden, nicht. Vielmehr ist hier in Warschau die Bildung eines neuen Kabinetts im Gange, das eine Art Koalitionsministerium sein wird. Der Rücktritt des Regentschafts- rates steht unmittelbar bevor.
Großberzogliches Kreisamt Gießen.
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