Kr. 261
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richten: Anzeiger Stehen.
Erstes Blatt
168. Jahrgang
Mittwoch. 6. November 1918
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5rankfvr1a.M.U686
General-Anzeiger Kr Odecheffm
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Die Abwehr der russischen VolfcheMSMW
Eer «SeudSericht.
Berlin, 5. Nvv., eSenLs. (WTB. Amtlich.)
An drr grftnsrn Schlachtfront zwischen Schelde und Oise ftrten wir uns vorn Gegner abgesetzi. Die Ve- wegungm sind plmnuüßig verlaufen. Heute fanden Mer nur Emzelkämpft statt.
Wir müssen uns iwmrtt ab fi nden, daß die nächste Zeit in ihren Dagrsnenigkeiben meistens schwarz uurflort erscl-einen wird. Auch heute stehen wir vor einigen schlimmen Ueder- raschiri'^g-xn. Die eine davon führt jedoch schon eine «gewisse Tröstung mit sich, nämlich daß das Forrwuckfern, der Krank- heiisba^illüs, in etrre erfvlgversprechende Bernichtangskur genommen morden ist. Unsere Bolksregierung hat der russischen Vertvettrrrg in Berlin die Pässe zngesteUt und jede weitere crntllche Bt^ietzung zu der Botschelvistcn^Nepubli? einstweilen ttbgelehnt, weil sich heransgestellt hat, daß durch die rrrssische Botschaft die Brandsackel gewaltsamer Revolution in unser Volk getragen werden sollte. Aushetzende Flugblätter in deutscher Sprache sind in den russischen Kossern gefinrden ivorden. Man verlangt von der Moskauer Regierung Zusicherungen und Garcntt'.en, daß diese eigenartige Agitation, die völ'kerrechtlich befremdend, voin allgemein menschlichen Standpuntte aus als geradezu unverschämt erscheint, fortan unterbleibt. Die Bolksregierung und mit ihr das deutsche Volk milt vom Bolschewis-mns in unseren Länden nichts wissen.
Wir w>oll«n nur hoffen, daß der Kampf gegen diese Ge- stchren gründlich und energisch meitergeführt werde. Es wird sich in den nächsten Tagen vielleicht 'schon zeigen, wie wett die sozialdemokratische Partei geneigt ist, diese Art von revolutionärer Agitation, nnter der sich alle Bande frommer SclZeu lösen im'rrden, unschädlich' zu machen. Es gibt dafür zwei Wege: entschieden davon abzurücken und sie offen zu bekämpfen, und zweitens, den Versuch zu machen., durch ein gewisses Entgegenkoni men der Unabhängigen Sozial- denrofeatre den Boden zu entziehen, sich also friedlich mit ihr ausettranderzufetzen, eine Einigmrg anzuüahnen. Dieser letzte Versuch ist nach einer Meldung der „Franks. Ztg." in Minrch«! bereits gerecht rvocden, wo angeblich beide sozia llenvokrattsche Richtungen sich auf folgender Basis geeinigt haben: Rüütrrtt des Kaisers, Vereidigung der Armee «us die Verfassung, Ablehnung der nattonalen Verteidigung rmd Ausschaltung der reaktionären Elemente bei der Ver- w-rltung. Man muß sich dabei jedoch sagen, daß damtt noch keine Einigung der auseinarrderstteberiden Elemente vollzogen ist, denn die nächste Zukunft wird vermutlich noch viele Zankäpfel wachsen lassen. Aller Voraussicht nach streben die Führer der sozia demokrattschen Partei danach, teils in Entgegenkommen, teils auf dem Wege der Agttatton die Gefahr der „unabhängigen" Rivalität in feste Grenzen zu bannen. Schwere Prüfungen des 'Zusammenhalts haben die Kieler Vorgänge geliefert, über die wir nachstehend berichten.
Aber auch in den bürgerlichen Parteien wächst die Mül-e uns Sorge, die volle Einigkeit aufrechitzuerHaltern Ob die „Kaiserfrage" nickst noch ein Anlaß zu Differenzen gibt? Man weiß noch nicht bestimmt, ob die sozialdenwkratischen Regierungsmilglieder darauf bestehen wollen, daß der Kaiser aüdanke. Blätter wie die „Germania" und die „Köln. Ztg." treten lebhaft dafür ein, daß der Kaiser vorläufig bleibe. So schreibt das Kölner Blatt:
„Wir fürchten, daß die Sozialisten es jetzt sind, die die Zeichen der Zeit verkennen, es sei denn, daß sie sich noch jetzt entschlössen, gegen die größte, jetzt dem deutschen Volke drohende Gefahr, gegeM das Bolschewlkentum, endlich unzweideutig Stellung zu nehmen. Noch kürzlich hat der Vorwärts an der Hand einer Schrift Kautskys aufs entschiedenste gegen den Mißbrauch Stellung genommen, den auch bei uns die bolschewikifch gefärbten Parteigänger der Unabhängigen mit der Marxschen Formel von der „Diktatur des Proletariats" tteiben nnd sich Kautskvs Meinutkg zu eigen gemacht, daß cs für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft kein größeres Hindernis gäbe ats den innern Krieg. Die Sozialdemokraten haben sich nrit Recht gegen das Bestreben aufgelehnt, ihnen die Sckstlld an der unglücklichen Liaui'Xttion des Ktneges aufzubm?den, weil sie zur Erhaltung des Vaterlandes und zum Sckmtze des Volkeä im letzten Augenblick in die Bresche getreten seien. Kein verslMidiger Aäensch könnte einen solchen Vorwurf begründen. Dagegen tragen sie zweifellos sin groß Teil der Verantwortung für den Verlauf, den die deutsche Revolution von jetzt an nehnren loird, und da die Beseitigung der Monarchie uns nach menschlich«:! Ernressen aufs schnellste und wirksanrste bol- schewikisch«! Zuständen und der auch von der SozialdcTnokratic verabscheut«! Diktatur des Proletariats zutreiben würde, so scheint uns ihre Stellungnahme zu der Frage, ob Monarchie oder Republik der Prüfstein zu sein, au dem die Geschichte diese ihre Verantwortung erkennen und beurteilen loird."
Wir fürchten, die Sozialdemokratie wird sich in der „Kaiserfrage" nicht mehr bekehren lassen! Dcrmr aber steht unsere Volksregiernng wieoer vor'schveren Eirtschlüssen — es sei denn, daß der Kaiser selbst die Konsequenzen ans der Lage zieht . . .
In Deutschland erngeschmnggclte bolschewistische Flugblätter ans Rußland.
Berlin, 5. dtod. (WTB. Amtlich.) Am <L yiovember abends traf von Moskau kommend eür Kurier der hiesig«: diplomati- scheir Vertretung der Sowjet-Regierung auf dem Bahnhof Fricdrichsttaße ein. Beim Hermttertvagen des Gepäcks vom Bahnsteig wurde eine der Kister: durch Anstößen beschädigt, so daß die darin befindlichen Papiere auf den Boden fielen. Diele Pavicre waren, lvic sich herausstcllte, in deutscher Sprache gedruckte F l u g- b l ä ttt e r, bi: die oeutfckiOn Arbeiter und 'Soldaten, zum sofortigen Uncsturz aufderben. Eins der Flugblätter, das von der Gruppe tdrr Smttaeusgruppe) illtterzeichnet lvar, ent
hält einen Aufruf zum R e v o l u t i o n s k a m p f, während ^ ein anderes Flugblatt die nesheren Anweisun.gen für diesen Kampf gibt, zum Rttuchelmorde urw zu^l Terror auffordett. Auf Ansuchen der Bahnbehörde wurde das gesamte Kuriergepäck, m euren geschLosseiren und bewachten Raum' s i ch e r g c st e l l t und das Auswärtige Amt benachrichtigt, um diesem die Untersuchung und weitere Ddhandlung der Angelegenheit zu ermöglichen.
Berlin, 5. Nov. (W'TB.) Tie deutfäre Regierung verlangte von der russischen Regierung Bürgschaften dafür, daß in Zukunft von ihrm Organen keinerlei revolrctionäre Agitation vimö Propaganda rpegcrt die stzratlichen Einrichtungen in TeutsÄ.iland bettieben werde, und daß der noch immer ustgesübirte M'ord -cm dem Gesandten»Grafen Mirbach eine ausreichende Sühne findet. Tie russische Regierung wurde ersucht, bis zur Erfüllung dieser Fordermrgeir ihre fänrtlichm amtlichen Vertreter aus Teictschiland zirrückAuziel^n. Ebeirfv wurden die deutschen amtlichen Vertreter in Rußland abberufen.
Die Krage des Daffenstilistandes.
Berlin, 5. Nov. (WTB. Amtl.) An d^nGerüchten, die feindlichen Waffenstillstandsbedingungen seien bereits an die deutsche Regierung gelangt, würden aber der Oefsentlichkeit noch vorenthalten, ist kein wahres Wort. Die Regierung hat bisher wader auf amtlichem nock> auf ariderem Wege von dem Inhalt dieser Bedingungen Kenntnis erhalten.
Haag, 5. Nov. Das Hvllarrdsche NieuNsbureau meldet aus London: Im lluterhause teilte hmte Lloyd George mit, daß die Alliiertein den Präsidenten Wilson erfuckst haben, er möge Deutschland mrtteilen, daß es sich, falls es die Waffen- stillstarrdsbedingungeil, iiber die sich die Alliierten geeinigt l:a- bm, hören wolle, in üblicher Weise an den Marfchall F o ch wenden müsse.
Lugano, ,5. Nov. Nach einer Meldung der Londvrrer „Times" aus Ncupovk hat Wilson besck)boffen, persönlich auf der Friedenskonferenz zu ersck-eiriLN.
vie Lage an -er Westfront.
Stockholm, 4. Nov. (WTB.) Ein schwedischer General schreibt in der „Nya PagiligW Allü-arÄ«^^ zur Kriegslage: „Bei dein unerhörten Svurmmbgriff schei^cen besonders die Amerikaner erugesehen zrc lZaben, daß es umstöglich ist, den Gegner zu r>erörängeri. Betrachten Nur die Lage, so ist offenbar, daß Marickall Fock) seit Ancfan> OÄober v 1 ' einem grnhart:gen Plan arbeitet, nämlich durch kräftige Angr fs? gegen beide Endpunkte die deutsche Stellung einzuschnürmr, dar Dmtschen, wenn möglich, ge- fangenzunehrn-m, ilZren also oiu Stt^an im großen^Stile zcu bereiten. Gleich-zeitig war er bestrebt, vre deutschen Stellungen an ihr-enr schnäckxslen Punkt zu durchbrechen, um durch Aufwllung voic beiden Seiten die Vernickä-mg, zic besehteirnigen. Keircer dieser Pläne ist ihm geglückt, oder besser gesagt, beide Pläne nriftglückteit ihm völlig. Tie DeiUschi«c wichen vor allem im Norden aus, sowett die Sichsert-eit es erforderlich machte, aber sie hielt«c zusammen und entblößten ihre Flügel nicht. Ihre Gegner ranirten sich ilne Köpfe an der neuen Stauer blutig und werben dies auch in Zukunft turi. Das Kräsceverltältnis scheint nahezu ausgeglick>en zu sein. Es kann, je weiter es zum Winter geht, sogar unrschlageu. Allem schein imck ist die Stellmrg TeutsckLands an der Westfront nickst mehr gefährdet, vielleicht sogar gimstig."
C li r i st i a n i a , 5. Novenrber. (WTB. Nichtmntlich.) Die hiesigen M i l it är kri t i ker, die hijsher die Lage der deutsches Heere an der Weftfvmrt im imgirnstigften Lichle gesehen haben, 'ben rter'le^r jetzt die Lage ivesentli ch besser. So schreibt „Tidenstegn" in ihrer militärischen UeErsicht u. a.: Während die Auslösung der Donaumonarchie sich infolge des geiualligen inner«! und äußeren Druckes vollziehe, stehe Deutschland jetzt allein auf der Schanze, aber immer noch auftecht. Me deutschen Heere kämpfen unter den denDar schwierigsten Verhältnissen in: Zeichen bes Rückzuges. Twtzdem -eige sich in ihren Iteihen keine .Auflösung oder Demoralisation. Auch im INnqrn sei angckstän-end, obwohl die Wogen deS Streites hoch gingen, eine neue Front zuirege gebracht, dae fundamentale. Umwälzungen, sdandzuhalten scheine. Bolschewistische Tendenz«! fänden offenbar keinen günstigen Boden in Deutsckstand.
Ebenso betont toer Militärkrrtiker vom Werdensgang, daß die iDeulschen wohl zurückgehen, aber ihre Linien seien noch unge- brockicn. Man merke nichts von der Anfköfimg, die bei Den übrigen Mittelmächten die völlige Anftöfung beschleunigt habe.
Englischer Bericht
Am Morgen des 4. November griffen die Truppen der vierten und drttten Armee zwischen dem Sambre-Kanal und Oisy und den: Scheldeftuß nördlich Valencienues an. Au dieser ganzes Front von 50 Meilen sind Truppen des Vereinigten Königsreichs und Neuseelands tief in die feindlichen Stellungen eingedrungen! und brachten nach vorliegenden Meldamgen bereits über 10 000 Gefangene und 200 Kanonen ein. Am rechten Flügel des Angriffs gingen die 1. und 32. Division in Verbiudmrc; mit den Franzosen, die südlich von ihnen operierten, zum Älngriff vor. Mit großem Mut erstürmten diese beiden Divisionen das furchtbare Hindernis, das ihnen die Linie des Sambre-Kanals bot. Trotz des starken Widerstandes des Feindes drangen sie über drei Meilen tief in östlicher gttchtung darüber hinaus vor. Bei dies«! Operationen nahni die Division unter General Sttickland die Stadt Catillon und Re zwei Meilen südlich davon gelegene Schleuse. Bei letzterem Punkt setzt«! .Hochländer, rmterstützt vM Pionieren, den Uebergang über d«! Kanal ftr seckis Minuten durch. Im Verlaufe des Vormarsches nahmen diese Divisionen Fesmy, Hant- reve, La Groise und !nachten 1500 Gescucgene. Llm link«! Flügel überschritt die 32. Division den Kanal bei Ors und nahm nach schwerem Kamps Rue de Haut (?). Nachdem sie die Linie des Kanals im Süden und Nord«! dieses Torfes gesäubert hatten, setzten sie ihren Vormarsch sott und vertrieb«! den Feind aus den Dörfenl Mexisros uiü) La Folie unb Sambrvton. Im Zentrum griff das 15. (General Morland), das 5. nnd 4. Korps (Herger) die Westseite des Waldes von Wermal au. Nach schwerem Kampf Vertriebe!! die Infanterie und die Tanks den Feind aus seinen Stellungen am Westrande des Waldes und nahmen die Dörfer Soveres (?), Preur aux Bvis, Heeg, Futoy (?) und Louvignics. Danach setzte unsere ^Infanterie d«i Vormarsch fort und überwand die groß«! imtürlichen Schwierigkeiten des stark betvaldeten Geländes^ und d«r Widerstand des Feindes. Die 25. Division erztvang den Uebergang Über d«! Sambre-Kanal bei Landrecies und nahm diese Stadt. Weiter nördlich drangen die 18. und 15. Mvision tief in den Wald selbst mw seLtcn ihr«! Vormanch noch jvtt. Me 32. DMwlk
erreichte Les Graudespartures, und die 13. Division nahm Loe^ guiuol im Mittelpunkt des Waldes. Sck^vere Kämpfe fmcden anr Morgen in der Gegend von Le Ouesnoy statt. )ov der «Feind starke Gegenangriffe unternahm, die von neuseeländischen^ Truppen mit großen Verlusten mr Toten und Gesang«!«! abgeschlagen wurden. Unsere Truppen ging«! im Nord«! und Süden über diese befestigte Stadt hinaus. Sie befinden sich jetzt einige Meilen östlich davon. Auf dem liuken Flügel folgten die englischen Truppe:! dem Feinde währ«rd seines Rückzuges am 3. November dicht auf. Sie griffen am Morgen des 4. November an und rrikb«! ihn ans seinen neuen Stellnngen am Aunelleflust. Oestlich dieses Flusses nahmen Gardedivisioneu Pven und^ Ansart. Die 24. Division nahm Wargnies le Petit und Wargnies le Grand. Tie 19. Mvision überschritt den Aunelle östlich Jenlain. Weiler nördlich halten unsere Truppen Sebourg und Sebauyg Tiaux(?). Am äußersten linken Flügel machten kanadische Truppen längs des rechten Scheldeufers Fortschritte und gingen über Etroux und Onnaing hin vor. Unser Vormarsch dauert auf der ganzen Schlacht- front an.
Die Rückkehr der Armee Mackensen.
B e r l i n , 5. Nov. Wie die „Post" hört, schweben gegenwärtig Verhandlungen zwischen der deutschen, rumänischen und ungarischen Regierung über den Abzug und Durchzug der Ä r nr e e Mackensen. Es besteht aller Grund zu der Annahnre, daß die Armee bald die Heimat erreichen wird.
Der deutsche Durchmarsch durch Ungarn.
Budapest, 4. Nov. (WTB. Nichtamllüh.) Ter Kviegs^ minister ordnet an, daß die durch Ungarn durch zieh enden de urschen Truppen nicht zu entwaffnen, sondern mit voller Ausrüstung und Bewaffnung migestött weiterzubefördern sind.
Die Lüge in Wien.
Wien, 4. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der heutige Tag verlief in ^ Wien im allgemein«! rulstg. Der Eiscnda^verkehr steht ganz im Zeickz«! des Rücktransportes der nationalen Truppen- teile und der aus den KriecOgesangenenlagern abgeleiteten. Transporte. Dies hat aus den Bahnhöfen große Ansammlung«! von Mannschaststrupps zur Folge, was heute auf dem Nordbahnhofe zu einen! bedauerlichen Zwischenfall führte. Ucker ihn nreldet die Korrespondenz Wilhelm: Wie bekamtt, werden
russische Kriegsgefangene zur Rückbeförderung in ilwe Heimat an die Grenze des tschecho-stowakrschen Staates gebracht. Ter sltordbcchnhof ist tagsüber von Russen umlagert. Heute gegen 12 Uhr mittags wurde ein Trupp von etwa 1000 ruffrsthen Kriegsgefangenen zum Nordbahnhof eskortiert. Eine Sicherheitswache begleitete dre Russen, und sie gingen ganz ruhig und in Ordnung zum Bahnhof.. Als die beiden Absperrposten eines Schütz«rregiinents die Russen heranziehen sah«!, bemerkten sie nicht, daß die Kricgsgcfangen«! eskortiert war«!, und glaubten, daß sie auch eine solche Horde vor sich hätten, die, wie ander- wärts, vielleicht einen Ncbersall auf den Balxrhvf plante. Angesichts der erdrückenden Uebermacht gaben die beiden Posten Alarmschüsse in die Luft ab. Tie militärische Bahnhofswache, die die Schüsse hörte, glaubte nun, daß es sich um einen Ueberfall meuternd«: Rufs«! hcri-dele und gab einige Schüsse gegen die Kriegsgesangen«! ab. Man hörte alsibald Hilferufe, und erst jetzt klärte sich der beklagenswerte Irrtum auf. Vom Bahnhof kam alsbald Hilfe. Die verwundet«! Russen wurd«! lvrbunden und ins AgornoHospital gebracht. Fünf Ruff«! erlitten schuiere Sckmß- nunchen. Zwei Rufs«! nmrden getötet. Ein Gerücht b«agt, daß vier Russen ums Leben gekonim«! sind. Eine strenge Untersuchung d-es Tatbestandes wurde eingeleitet. Unter den anderen Kriegsgefangenen verursachte der Vorfall große Aufregung. Doch gelang es bald, die erregten Gemüter zu beschtoichttgcn.
Die deutsch-österreichische VokkSwehr.
Wien, 4. Nov. (WTB.) Die Blätt«: mckden: Tie Anwer» Hungen zur neu errichteten Volks wehr nehmen ein«! guteni Verlauf. Es soll bereits die Aufstellung mehrerer Bataillone zu je 4.50 Manu gesichert sein. Auch die vom Unterstaatssekretär des Heerwes«ls Tr. Deutsch neben der Volkswehr zu ge lass «re Anwerbung für die Rote Garde findet, wie der „Abend" berichtet, lebhasten Zuspruch. Tie Bezeichnung des Kriegsministeriums am Sttcbenring ist, wie große Plakate beim Eingang des Gebäudes zeigen, in Staatsamt für Heerwesen umgeandert worden.
Ci»r jüdischer NaLronalrat sür Deutsch-Oesterreich.
Wien, 4. Nov. (WTB.) Meldung des Wiener Telegrapheu- Kvrrespoud«!zbureaus. .Heute bildet sich in Wien «n 50glicwriger jüdischer Nationalrat für T«itsch-Oestt'rrc'ich.
Ans Ungarn.
Budapest, 4. Nov. (WTB.) Meldung des Wiener Tele- grap'hen-Korrespondenzbureaus. Karolyi begibt sich mit mehreren Mttgliedern des Nationalrates, Llrbettsrates und Soldaten^- rates nach Padua, um mit (General Diaz die Friedensver- hcmdlungen zu beginn«!.
Budapest, 4. Nov. (WTB.) Meldung des Wiener Tele- graphen-Korrespondenzburcaus. D«: Ackmbauminister Barna- des Bu za erllätte, der Ha u Ptg rund s a tz der Besitz- refo r m werde darin bestehen, daß der Boden dcmjenigevj gehören solle, der ihn behaut. Ter Staat wird denj größten Teil des Grundbesitzes, welcher im Besitz der Kirche, Gemeinden und Finanzinstitute ist, geg«! einen entsvreck)endefi Kaufpreis ablöseu und daraus Bauern stell«! bilden. Die Fideikommisse werden aufgehoben. Ter Umfang der Bauernhöfe wird zehn Joch betragen.
Eine Eisenbahn- Nationalgarde in Ungarn.
Budapest, 4. 9Wv. (WTB.) Die Regierung beschloß behufs LhufrechterHaltung frer Ordnung und Sicherheit des Eifnibahn- und Schiffahrtsbetriebes die Errichtung einer Eisenbahn- Nativ n a l ga r de. Jeder Soldat dieser Garde erhält cinenj täglichen Solo von 25 Kronen und volle Verpflegung. Diefenigen, welck>e diesen Dienst g!!t verseh«! poerden überdies im Verhältnis zu ihrer Dienstzeit und ihren Verdienst«! Grund und Boden, eine staatliche oder eine sonstige Anstellung erhallen.
Die Vorgänge in lkiel.
Kiel, 5. Nov. 5fri Kiel haben am Svmrtng erheblich? IIrtrufen stattgiefrmden, iiber der«: Verlauf die „Sckstesw.-Holst. Volkbbg " folgendes fein ästet: Aus dein groß«! Exerzierplätze sind gcsttrrr afend 3000^ Person«!, vortviegend?Ratroseu, versanünelt ge,ocsen. Von vmckcksteden«! Rednern wntt>? dazu aufgefordert, die g« fLn^MW toväaifeu KU bcftLM. LiuLwivl damgen m t« KaiLlM


