Nr. 258 Zweites Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 2. RovemverlM
Aus Stadt und Land.
G ie h-e n, den 2. November 1918.
^ic Kartoffclvcrsuch-stellc Siegelt.
. ^ 003 Mä laudwirtj ckMftlicl-e 'Studium in Metzen mit
. ft,, b ft" '. neu ern^rüiftel wurde, loar es notwendig, hierzu 1 ait <wir.u1 u criwrUm, um den Stubicvotfont etivas zeigen ' uno um il)‘M. ^ el-egienLÄt ziu eigenen Arbeiten geben zu können. Gieni ^ n , 1 $ )v i i i üe das Versuchsfeld der Förderung der hessischen prakttsc!.en Lanowirtt'.chaft dienschar gemacht.
Unter- Mrttvirkmig des Ob-erhesiischen Landlv. Provinzial- Vereins rourden 1904 Lortencuibauverfuckje zur Beseitigung des l>'rrscl)eiü>'m ^orteilt>n.rchemanbers ein geachtet. "Jftt Jtamtd.4 auf den ftjcrrfeu Kartoffelbau Hessens imirde sofort erne Hrs, ische Ka rtvsfe l kul turstu t i o n begründet, welche n dr.' corteirprilfung.. b> die Sorte nzüchtrurg, e) die Be- raniprun g der Müclofjclsck<idlüne. 6) die PrüMltg von Kultur- versahreu rn Angriff rnrhin. Die Ergebnisse der Metzener Vev- suae srnd regelnrätzrg veröffentlickst und auch ffr Vorträgen den
** Aus dem Stadllheater-Bureau Wegen neuerlicher Krankheitsfälle im Personal muß die Vorstellung am morgigen Sonntag nachmittag geordert werden, so daß die Kvmödie „Flachsittamr als Erzieher" statt das angekündigten Lustspiels „Anna Liese" gegeben werden muß. Durch einige Umbesetznngen wird cs möglich sein, die für Dienstag angekündigte Vorstellung Un „Frühlrngsopser" trotz der vorliegenden Schwierigkeiten aufrecht zu erl-alten.
Hessen-Nassau.
]\ Marbura 1. Nov. Tie Grippe hat hier sowohl wie in den nnüiogenden Ortschaften noch immer nicht nachgelassen.
'hr schnelles Bck.rirntwerdeu und ilxve l-entige wette Verbreitung im Wehen. Ebenso wurde die Verbreitung der Züchitungeit des hessischen Karwffalz.ürbters G. Fr. Böhm in 0>rvtzbieberan durch Gcetzcn energisch gefördert. Wenn de,' l-essische .iüartosfelbau ü> der KriegsZeic unsere Vvkkseruälwung sicherstellte, lxrtte dre hessische Kartosselkulturstation Metzen davttr ihrvr redlichen Anteil
Eine erwünschte Erweiternng. ersulw diese Gietzarer Ernrul). tung, als für Deutschland die Gesell schastzur Förderung ves Baues und der wirtschaftlich zweckmäßigen V e r w e n d u n g der Ka r t o f s e l n becpnmbet nmrde, die späterden einfacheren Namen Kartoffel bange sellsckxrst annahm. Diese Gesellschaft will einerseits die Technik des .Kartoffelbaus, andererseits die wirtsckiastliche Verwertung^ der Kartoffeln fördern. De Förderung der Technik des Kartoffclbans berrrht natnrgemätz aus der Wissenschaftlichen Bearbeitung einer Reihe von Fragen, z. B. der Sortensrage. der Frage der Methodik der Sortenzüchtung, sowie anderer „Kultursragen". NackHem die Zahl studierender Landwirte in Gießen von 4 ans fetzt über 150 gestiegen war. entstwach es der Bebeuttrirg des Metzener landwirtschaftlichen Umversitätsinstituts, ivenn es dem Wunsche der Gesellschaft nach Errichtung dentstber Kardosselverfuchsstellen Folge gab. Es ttat mit seiner inzwischen weiter ausgebauten Akademischen Dersuchsnnrtschaft der Kartoffel- baugesellschast bei und stellte ihr seine Kartoffeltulturstation als Kartoffclversuckrs stelle zur Verfügung. Damit wurde die als solche selbstverstäm lick l dfftehen bleibende le fische Ka.tofelku'turs ation zu einer Ka r to f f el vc r s u chs ft e l t e der deutschen Karts s f e l b a u g e s e l l s cha f t erweitert. Die Erweiterung lxffttfst zrrnächst darin, daß mehrere Bersuchsstellen in ganz Deutschland geineinsani größere Arbeiten in Angriff nehmen, wie sie txm einer einzelne allein nicht ausgerührt weffoen könnetn. Ferner ist die Vcr- fuck^stellc Metzen für das Gebiet ihrer weiteren Umgebung zu einer Zentralstelle geworden, au welckZe sich weitere Zweigvcrsnchsftetlen angliedern. Das landwirtschaftliche Universitätsinstitut Gießen erweitert damit auck auf dein nnchttgen Gebiete des Hackst nchtbaus seinen Einfluß auf die praktische Laich,oirffchaft.
Die ftül-eren Arbeiten des Instituts kommen der neuelA Dcrsnckrsstelle tabei zugute. So lomrte 1917 ein größerer Ver- suchsbericht durch die Klar los felbau gesel ls ck-as t veröfsentlickst werten. Fenier wurde 1917 eine schon loeitverbreitete Sortenliste herausgegcben. die genaue Angaben über mehr als! 1000 Kckr- tossclsorteil enthält.
Rach wie vor arbeitet das Institut Gießen mich aus diesem Gebiete in enger Fühlmrg mit der geschlichen Vertretung der
Praxis Wie es sich mit seinen Arbeiten in derer: Dienst stellt, so empfängt es von der Praxis immer neue dlirregung für seine eigene loissenschaftliche Tätigkeit und gewinnt das Vertrauen drr praktischen Landtoirte, wie die steigende Frequeirz es deutlich aäfft.
Letztc Haci}rict?tcn*
Bcr neueste Bericht der Heeveslertnng.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 2. November. (Amtlich.)
W e ft l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a h.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
An der LySfront ist, die .Lage unverändert. Bei den letzten Kärnpsen zeichnete sich lster das bayeriickre Jnsanterie-Regimant Nr. 11 und das Reserve-Fnsanterie-^Mmen t sttt. 13 besonders aus. Südlich von Deinze lachen ivir uns werterer feindlichen Angriffen durch Answeiclien hinter die Schelde entzogen.
Diese Befoegungen wurden während der Nacht vorn Gegner unbemerkt dnrckigesührt. Nach stärkstem Feuer gegen die geräumten Liinen folgte der Feind nrid stand am 2lbend östlich von Teinze und ivestlich der Sck^lde in Gefechtsfühlung mit unsren Vorposten. Stärkste Angriffe der Engländer südlich von Valenciennes. bei Aulnoy drang der Feind in unsere Linien ein und stieß bis an den Südrand von Valenciennes bei Saultain wrd Preseau hinaus vor. Die von eigenen Panzerwagen und Batterien des Artillerie-Regiments Nr. 71 besonders lmrksarn nnterstützten Gegenangriffe badischer Regimenter im Verein mit örtlichen Kainpsttlippen brachten ilns toieder in den Besitz der .Höhen südwestlich von Saultain und tes Ortes Preseau. Versuche des Feindes am Nachmittage in unr- sassendenl Ansttirni von Westen über die Schelde und von ^üden her Valenciennes zu nehmen, scheiterten.
In der Nacht l-aben wir die Stadt ungestört vom Gegner geräumt.
Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Heeresgruppe Gollwitz
Mwalnge Artilberlefchilacht leitle A-kgriffe .ein, die der Franzose und Anierikaner zur Oeffmurg der Aisuefront und zwischen t>eu Argomven nird der Maas führte. Aus den Höheor tvestlich der Aisne zwtsckLn La Selve und Hecpy such die Angriffe des Feindes gc'sck.eitert. Unsere Triwv^n haben hier wiederum in schwerem Kampfe einen vollen Erfolg über die Franzosen errungen. Oestlich von La Selve konnte der Gegeier irr dem wirlscnnen ^euer bayerischer TrM'e«r nirgends unsere Linien erreichen. Auch brandm- burgisckv Regimenter bei uird westlich von Klein-Quentin schugeir den Feind vor ihren Lürien ab. Bei Banvgne trug das Reserve- Insairlerie-Regiment Nr. 93 die Hauptlast das Karnpfes. In hartem Kwnpfe warf es auch gestern ivicher den Feiich zurück. Oestlich von Rianvranee schlugen pommersche. posenschc und schlesische Regiment er den Feind vor ihren Linien ab. Auf txr.i Höion nordtvestlichl von Cl-ateau-Porcien haben die bewährten Regunenttr der 17. Infanterie rind 50. Reserve-^Ti- vision auch gestern ihre Stellungen gegcu schwere Angriffe beliauvtet. Tatkräftiges 5)andeln des Oberleutnants v. Below vorn Grenaoier- Regirnent ^9 war für Iden Ausgang des Kampfes von entscheidendem Einfluß. Tic Höhen südwestlich von Fergeur lvechselten melw- fach den Besitzer. Nach erfolgreichen Gegenangriffen blieben sie in infferer .Hand. Beiderseits von Rethel stieß der Feind bei Nan- tenil und Aniblv vorübergehend auf das stLorduser der Aisne vor. Gegenstöße n»arsen ihn aus das südliche Flutzufer zurück.
Mit starten Kräften griff der Franzofe in breiter Front beiderseits von Bouzicrs sowie zwischen der Aisne und »vestlich^ von Grairdprc an. Bei Rilly nahnren wir unsere Vorposten curf das Nordufer der Aisne zurück. Bei Voneg stieß der Feind über die Aisne auf die Höhen des östlichen Flnßnfers vor. Versuche des
Gegners, den Turchbrrrch aus Le Chesne zu erzwingen, scheiterten. Wir brachten ihn bei Neuville et Day und Terron an der Atsne zum Stehen. . . , _ r
Die beiderseits von Vouziers wvchielnd wiederl-olten^ Anstürme des (tzegners scheiterten meist sckwu vor unseren Oestlich von Varldv wurde der Feirrd iin Gegenstoß wieder zurück- geworseu. In Falaise an der Aisne faßte er Fuß. Zwi eu der Aisne und Grandpoe w-iesen wir die^ feindlichen Angrige vor unseren Linien ab. Der Franzose hat somit a^f dieser Angrrffs- front unter stärkstem Kräfteeinsatz nur bei Voneg und Falaffe unbedeutend Geländegivitm erzwingen können. Auf dec 10 Kilometer breiten Angriffsfront zwischeic Peronw and ^Falaise warei! am Abend unsere Linien wieder voll in unserer Han>. An oer erfolgreick^cn Alnvehr des Feindes l-aben Württemb^rger uiid Bat>crn, RegirneiUer der Garde, aus Hannover und Westfalen, thüringische und lothringische Regimenter, sowie ^Masck-ineu- g.wchr -Scharff chützen - Abt ei l ungen gleickzen Altteil Tos Fnfan terie-Regirnent 9dr 127 unter Oberleutnaiit Sck-ivab zeichnetr sich bei»n<ers aus. Allch die seit Wochen angripaimt tätigen Kraftfahrer truppen trugen durch rechtzeitiges Heransühren der Reserven zu dem ersvlgreichen Augang der gestrigen Schi acht bei Znnscheii der Aire uiid d.n Maas gelang cs den in schmalen Angrisiskreisen angesctzten amerikanischen Divisionen,^ in unsere Stellung zwischen Ehampigneulle und Aincreville einzudrinclen mrd beiderseils von Bahonville über unsere Artillerielinien hinaus Boden zu gewinnen. Versuche des Gegners, von Bayou ville aus unserer Frorit in Richtung Thenorgvne und bei Stenay aufzurollen, wurden vereitelt. Mit Einbruch der Dunkelheit kam der Kamps in der Linie Champigawulle-Sivry — östlich von Buseney — südwestlich Villers-devont-Thour — nordölich Aincreville zum Stehen.
Der Erste Generalquartiermeister G r o e n e r.
Schridemann an Prinz Mar.
Berlin. 2. Nov. Es bestätigt sich, daß Scheidemann an den Kanzler einen Brief gerichtet hat, worin die W- dastkung des Kaisers als rroiwendig gefordert wird, uird^zwar sei dieser Schritt geschckl-cn ,tm Einverständnis mit den Vorständen der Partei imd der ReichstagZftäktion.
Die neuen sächsischen Staatsminifter.
Dresden, l. Nov. lWTB. Nichtamtlich.),Ter König ernannte die Landtagsabgeordneten Frätzdorf, Günther H e l d t und Nitzschke zuStaatsministern.
Die Lustungrisfe hinter den Fronten.
Berlin. 2 Nvv. Ueber einen deutschen Vorschlag zur Ernste Nu n g d er Lu ft a n gr i sfe hint e r de r F r o n t ^rtzt^es in der ..Norddeutschen Mlgemeinecn Zeitung" halbamtlich: we deutsche Regierung hat aus Gründen der Meiischlichkett, und uw wichtige Kulturgüter auf beiden Seiten zu erl-alten, den anderen Kriegsübcenden durch Vermittlung der sch.veizerisck-en Regierung vor'gffchlagen. Luftangriffs hinter^ dem Operationsgebiet künftighin gegonfettig zu unterlassen. Die deutschen Lnstitteit- kräfte haben schon Anfang Oktober entsprechenden Befehl erhatten. Trotzdem haben die Gegirer nvckü in jüngster Zeit gegen eine Anzahl deutscher Städte Bombenmrgciffe unternommen, die zahlreiche Opfer unter der bürgerlichen. Bevölk-crung gefordert haben.
Amtlicher Teil.
Berr.: Schließung der Schulen wegen Grippe-
An die Schulvorstände des Kreises.
Nach Mitteilung Gvotzh. Kleisgesundheitsamts Gietzen kann nunmehr vcni Montag den 4. November 1918. ab in allen Gemeinden des Kreises, ausgenommen Grotzen-Lindcn und Leilzgestern. der SckMlunterricht wieder beginneir. Wir einpsehlen. alsbald das Erforderliche an zu ordnen.
Gießen, den 31. Oktober 1918.
Großherzogliche Krcisschulkommission Gießen.
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