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Nr. 250

§ Der fcitbtiitr Anzel-er j erscheint täglich, cuijsec I bonnlaqs. Beilaaen: | Sittzen«?Zamilienblätter; KreiSfclott

für den Kreis Gießen. Bezugspreis:

I monotl.vJlf.l.35,Dicrte(- j jährlich Mk. 4.05. durch 1 Abhole- u. Zweigstellen I monatl. Dik. 1.25; durch I die Post Mt. 4.05 viertel« I jährl. auSschl. Beitellg. I tzernsprech - Anschlüsse: I mrdieSchristleitung112 Verlag,Geschüitsstelle51 l AnschrlltfürDrabtnach- I richten: Anzeiger Giehen.

Erstes Blatt

lö8. Jahrgang

Donnerstag, 2 \. Oktober \ 9 \$

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ZDiMngsrunddruck ».Verlag: Brühl'sche Univ.-Such- u. Zteindruckerei R.Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Zchulstr. 7.

.i.agine von Anzeige»« s. die Lagesnnnnner dis zum Nnchmittaq vorher ohnejedeVerbindlichkeit SeUenpreise: für örtliche Anzeigen 25 Pf., für a u s w ä r t l q e 30 Pf., für Reklamen Mk.1. liebst 20^Teue- runaszus'plag.Platzvor- fctirifi 20 % Aufschlag. Hauptichri'lleiter: Ai»g. Goetz. Verantwortlich für Politik: Auq. Goetz: für den übrigen Teil: Or^, Ren,hold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen.

Der Vizekanzler v. Payer über die Ausgaben

der neuen Negierung.

MTB.) MroheS Hauptyuartier. 23. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die Kämpfe in der Lys-Niederung dauern an. Heftige Angriffe des Gegners beiderseits von Deinze. Nördlich der Stadt wurden sie abgewiesen, südlich der Stadt nach ansäng- lichem Gcläudegewinn durch Gegenstoß, westlich der Straße DeinzeOlsene zum Stehen gebracht. Ocstlich von Kortrii wurden wir vom Westrande von Bichte aus den Ostrand zurückgedrückt. Beiderseits des Ortes sind starke feindliche ? Angriffe gescheitert. In erbittertem Kampfe wurde die Höhe ; bei Keiberg vom schlesischen Reserve - Infanterie-Regiment Nr. 10 unter seinem Kommandant Major Grüner gegen vier- i fachen Ansturm des Gegners gehalten.

^eilkämpse in der Schelde - Niederung beiderseits von j Tonrnai und Valencieunes.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Südlich von Marlr räumten wir den vorübergehend ver­teidigten Brückenkopf an der Gerne mw Touche und nahmen unsere Linien hinter die Bachabschnittr zurück. An der Aisne wiesen wir heftige Angriffe des Gegners beiderseits von Nan- teuil ab.

Aus dem öftl. AiSne-Ufer, beiderseits von Vouziers und östlich von Olizy haben die Kämpfe größeren Umfang ange­nommen. Unter stärkstem Artillerieeinsatz griff der Feind

i am frühen Morgen zwischen Derron und Malaise, sowie zwi­schen Olizy und Bmurrpaire an. Auf den Hohen westlich von Ballay konnte der Angriff etwas Boden gewinnen, an der übrigen Front ist er vor unseren Linien gescheitert. Auch am ! Nachmittage brach der Feind nach erneuter stärkster Artille- rievorbernmng zum Angriff vor. Das 1. bayerische Infan­terie-Regiment unter Führung seines Kommandeurs Major Schmidtler hat in zäher Verteidigung die Höhen östlich von Chestres gegen mehrfachen Ansturm des überlegenen Geg­ners gehalten. Auch an der übrigen Front wurde der Feind unter schweren Verlusten für ihn angewiesen.

Heeresgruppe Gallwitz.

Zwischen ArMnnen und Maas und zwischen Maas und Dcosel rege nächtliche Feuertätigkeit. Teilangriffe westlich der Maas und westlich der Mosel ohne besonderes Ergebnis.

*

Leutnant Büchner errang seinen 40. Luftsieg.

Der Erste General quartiermeister Ludendorff

*

Der Reichskanzler Prinz Max hat viel Wert darauf gelegt, das deutsche Volk darauf vorzubereiten, daß die endgültige Antwort Amerikas ablehnend lauten wird. Er agte u. a.:Wer sich ehrlich auf den Boden des Rechts­friedens stellt, hat auch die Pflicht, sich nicht kampflos einem Gewaltfrieden zu beugen." Dazu meint dieBoss. Ztg.", die Regierung habe noch nicht genug getan, um die Einheit der Gesirrmrirg zur Reife zu bringen, die uns dann beseelen muß, wenn das bittere Muß des Luvkampfes vor uns tehit.Man kann," so heißt es in dem Blatte,nicht plötz­lich starke Töne im Volkschor erzeugen wollen, wenn die diplomatischen Roten, die doch jetzt van den Vertrauens­männern der Mehrheit des Volkes verfaßt werden, weiche Grundakkorde angeben." Zu den programmatischen Vor­bereitungen stellt dieBoss. Ztg." folgende Frage:

Warum wird mm noch immer die wichtigste Frage, das zwi- chen Deutschland und Frankreich schwebende elsaß-lothrin­gische Problem, so unklar angedeutot? Weshalb erkennt man nicht ehrlich und weithin bis in die französischen Lande hinein hörbar, daß Deutschland bereit ist, die Volksabstimmung in Elsaß-Lothringen unter' Formen durch zufülpen, die zwischen dein deutschen und dem französischen Volke vereinbart wer­den? Das französische Volk soll wissen, daß die

neue Volksregierimg bereit ist, die Wunde zur Hei­

lung zu bringen, die seit 1871 in der französischen Volksseele! brennt, und die immer wieder aufgebrvcknn ist, wenn es im Inter­esse kontinentalfemdlicher Mächte lag, ihr Blut öffentlich ausM- -eigen."

Dazu könnte man denn doch einwenden, daß wir uns davor hüten müssen, gar zu sehr nach außen den Eindruck zu wecken, als ob wir aus Schwäche handelten und vor dem Umfallen ständen. Man kann nicht wohl mit einem Gegner feilschen und verhandeln, wenn er überhaupt nicht den Willen verraten hat, auf irgend etwas einzugehen.Weithin hallende Proklamationen", wie sie dieVoss. Ztg." ver­langt, haben ihre zwei Seiten! Wir müssen uns mäßigen und uns gedulden. Am 5. November finden in den Vereinig­ten Staaten die Kvngreßwahlen statt. DieKöln. Bolksztg." meint, Präsident Wilson sei wohl kaum so unabhängig, wie es nach seinen großspurigen Reden den Anschein haben könnte. Er werde es vielleicht vermeiden wollen, einen ent­scheidenden Schritt zu tun, ehe das Ergebnis dieser Wahlen seftsteht, ehe ersichtlich ist, wer die Oberhand hat: die be­sonders kriegswütigen Republikaner oder die Demokraten. Bei allem, was sich aus der Betrachtung der Lage ergibt, haben wir Deutschen keine Zeit, unsere Pflichten zu versäu­men. Eine der obersten Pflichten ist jetzt, für den guten Aus­fall der neunten Kriegsanleihe zu sorgen, der die lautesten Proklamationen weit überschallen würde.

Mb- Deutscher Reichstag.

Berlin. den 23. Oktober.

Der Aöendbericht.

Berlin. 23. Okt., abends. MTB. Amtlich.)' Teilkämpft in Flandern.

Beiderseits von Solesmes und Le Eateau haben wir einen erneuten Durchbruchsversuch der Englän­der vereitelt. Heftige Kämpfe fanden in der Linie St.

I MartinNeuvilleBousiesOrsCatillon ihren Ab­schluß.

Auf dem nördlichen Serre-Ufer und beiderseits Vou­ziers westlich von Grand Pre sind Angriffe der Franzoftn, auf beiden Maas-Ufern sehr heftige Angriffe der Amerikaner gescheitert.

«*» *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W i e n, 23. Oktober. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:

Allgemeine feindliche Artillerie- und Fliegertätigkcit auf der ganzen Fvont.

Unsere albanischen Balkan-Kampstruppen nähern fi# der nwntenegi'inisch-albanisHen Grenze. An der westlichen AÄrava rnrd nördlich örrusevac dauern die Rnchihutkämpfe an. Ein feindlickM Uebergangsversuch bei Krajeva wurde ver­eitelt.

Der Chef des l^neralstabs.

Die Auseinandersetzung im Reichstag hat keine beson­deren Ueberraschungen mehr ergeben, und die Ovpositions- vede des Vertreters der UnadhänMenSozialdeniokrackon, des Abg. Hanse, hat keine größere Wirkung getan als diejenige des Grafen Westarp. Die Ereignisse und Tatsachen sirrd so groß, daß die schwachen Kräfte, die dem Rad der Entwick­lung in die Speichen greifen wollen, kaum noch in Betracht kommen. Was der Vizekanzler v. Payer den konservativen Einwerrdungen entgegen ge halten hat, war von der Absicht durchdrungen, die Unmöglichkeit eines Koalitionskabinetts unter Einschluß der Rechten darzutun, und wenn ans solchen Betrachtungen auch nicht viel herauskommt, so lag in dem Vorgehen Payers doch ein gewisses sachliches Entgegen­kommen, und Graf Westarp hat mit Unrecht gemeint, der Vizekanzler habe seine Partei tendenziös angegriffen.

Die allgemeine politische Debatte wird fortgesetzt.

Abg. .Haase (Unabh. Soz.): Ein völliger Umschwung der militärischen und politischen Lage ist eingetreten. Tie Weltrevv- lutivn hat stürmische Fortschritte gemacht. Reiche sind vergangen und neue entstanden. Der deutsche Imperialismus hat die denkbar schwerste Niederlage erlitten. Es gemährt keine Befriedigung, daß er ganze Länder dem fremdländischen Kapitalismus ausgeliefert Hai. Es wäre verbrecherisch, wenn man die Lage lveitrr verschleiern wollte. Wir haben am frühesten die wahre Sachlage erkannt, aber man hat es versäumt, die ersten Friedensfäden aufzmrehiinen, die sich im Frühjahr 1915 in Holland entwickelten. Ader Herr Scheide­mann lehnt, das ab und seine Partei hat auch- im Jahre. 1916 abseits gestanden. (Lärm links.) Mir rief man zu, daß ich die In­teressen des Auslandes vertrete. Es wäre zu wünschen, daß der neue Staatssekretär die Archive öffnete und Aufklärung gäbe über die Friedensbemühungen im Jahre 1916 wird 1917. Vom ver­schärften U-Boot-Krieg rücken die meisten Parteien jetzt ab. Aber alle Parteien dieses Hauses, mit Ausnahme meiner Partei, sind letzten Endes mitschuldig Das beweist die Haltung gegenüber der Resolution Westarp, ldre den U-Boot-Krieg als wirkungsvolle Waffe gelten ließ Die Viehrheitssozialisten sind auch mitschuldig, weil sie durch die Annahme der Kredite die Möglichkeit mitge­schaffen 'haben, den Krieg fortzusetzen. Die Friedeusresolution sollte man begraben sein lassen, denn sie steht im Widerspruch zu den Wilson scheu Grundsätzen. Was von ihr zu halben ist, das hat sich beim Frieden von Brest gezeigt, der ein Gewaltfriede und kein Rechtsfriede war. Die Resolution meiner Partei hat man damals medergeschrien Die gestrige Rede des Reichskanzlers hat ebenso enttäuscht, wie seine erste. In dieser Zeit bedarf es schneller Ent­schließung, aber wieviel Zeit hat die Regierung für ihre Antwort­note gebraucht! Diese Note ist trotzdem unklar. Es wäre eine nn- fühnbare Wutschuld, die alle die auf sich laden, die zur Fvrt- fetzung des Krieges auffordern. Die Krästeanspamrung kann nicht mehr überboten werden. Rings um uns herum werden sich Repu­bliken auftun, und da fall Teirtschland allein noch einen Kronen- träger haben? (Pfui-Rnfe rechts) oder viele Kronen träger. (Zu­ruf rechts: Wir sind wohl keine Monarchie?» Nun. man kann doch wohl seine Meinung in varlamentarischer Form aussprechen. Es sind puch bürgerliche Matter, die aussprechen, das selbstverständ­liche Erfordernis sei, daß der gegenwärtige Trä<-ier der Krone sein Amt uiederlege. Eine Reihe anderer BlLttw hat noch viel deut­licher gesprochen. Was die Regierung vorschlägt, ist nichts weiter alü eine Vermehrung d^s Bureaukralisnrns. Der Iiedner begründet dann die weiteren Anträge seiner Partei.

Vizekanzler v. Payer:

Auf die Ausernrrndersetznrrgen zwischen den Parteien mich em° zulcrssen, muß ich ablehrien, ebenso auch die Darstellung der

politischen Vorgänge der letzten Wochen und Monate, die der Vorredner soeben reichlich! einseitig gegeben hat. Tie anti- mon-arÄ! schien Extravaganzen, die ihm geläufig sind und die er auch heute ftrieber vorgotvagen hat. Muß ich au sich zrcrückweisen, nament­lich aber auch unter dem Gesichtspunkt, daß mir jetzt nicht die Stunde gekommen zu sein scheint, in der man, wo die Stärkung unserer Stellung nach außen in Frage kommt, derartige Probleme erörtert. (Zuruf bei den Unabhängigen.) Es ist kein Ausfluß des Kapitalismus .und keine Torheit, wenn heute das deutsche Volk sich rüsten will für den schlimmsten Falt, für den Fall, daß es mit Vernichtung bedroht wird. Ich glaube, es istf eine Lebe:rs- nctwendigkeit für das deutsche Vol( sich zur Wehr _ zu setzen, wenn seine Lebensinteressen gefährdet werden. Das entsprichit dem menschlichen und dem vaterländischen Emipftnden und ist gehaltear im Geiste der Männer, die das Deutsche Reich geschaffen und groß gemacht haben.

lieber die innere Politik haben sich die Herren von lin^ rmd, von rechts ausgesprochen. Das Ergebnis war ungefähr vorauszu- sehen. Bon rechts wurde der Vorwurf erhoben, daß die Regie­rung und die Mehrheitspartei durch überstürzte und weitgehende Reformen die Grundlagen des Staatswesens angegriffen Haberr, und daß wir jetzt dem Abgrund zutreiberr. Won links rvird behauptet, alles, tvas wir getan und in Aussicht gestellt haben, seien nur schvvack>e Versuche zu einer richtigen Reform. Vielleicht liegt auch hier die Wahrheit in per Mitte. Es sind Reformen von großer, grundsätzlicher Bedeutung, die wir jetzt durchgesühtt Wien und durchtzusühven im Begriffe sind und deren praktische Tragweite sich erst in ^Normten, vielleicht gar erst in Jahren zeigen wird. Hat es wohl je eine Zeit und ein Volk gegeben, in dem so zahl-< reiche und so einlchneidende Reformen pl so kurzer Zeit irichL bloß auf verfassungsmäßigem Wege itrtb ohne jede Erschütterung in besonnener ruhiger, fast könnte man sagen, geschäftsmäßiger Weise drwchgefühtt worden sind? ft^ann es einen besseren Beweis dafür geben, daß das deutsche Volk das Jetzige zu wahren weiß und über eine bedeutende politische Schulung heute schon ver­fügt ? Tas war allerdings, nehme ich cm, in diesem Zu­sammenhang nur deshalb möglich, weil es sich nicht um die Neueinführung staatsrechtlicher Bestimmungen gebandelt hat, sondern um die Erfüllurrg alter, seit Jahrzehnten aufgestAlter Forderungen der großen Mehrheit, deren Nichterfüllung ein Fehler war, der nur entschirldigt werden kann durch den leider so oft wahrgenommenen Mangel jeglichen Verständnisses für die Lebens­bedürfnisse und für den politischen Kredit unserer Natron. Die Früchte, die wir jetzt pflücken, und die jahrzehntelang gesät wvrden> sind von zielbewußten uw) aufopferungsvollen Männern, sie sind heute reis, fast überreif. Darum fallen sie leicht und schmerzlos. Vielfach handelt es sich bloß um die Sanktionierung von Ver­änderungen, die im Bcwußtsmn des Volkes tatsächlich sich so gut wie bereits vollzogen habeir. Wenn sie schon einmal gemacht werden mußten, so war mindestens jetzt der richtige Augenblick gekommen, schon im Hiirblick auf das, was das deutsche Volk in den vier Jahren dieses Krieges zu leiden und zu leisten gehabt hat) Es soll der Dank dafür sein, daß das deutsche Volk diese Opfer aui sich genommen hat und der Ansporn zu weiteren Lei »'tun gen ^ des deutschen Volkes, denn ein Volk tritt williger und erfolgreiches für ein freies und dankbares Vaterland ein, als für ein Vaterland, in dem es sich bloß als Bürger zweiter Gattung mrsieht. llrrfere Feinde begrürwen ihren Willen, uns zu vernichten, mit der Be- hauptung, das deutsche Volk sei politisch so entrechtet und unter­drückt, so von kleinen Kcei»'en abhängig, daß es um deswülen eine ständige Gefahr für den Frieden und die ganze Welt be­deutet hätte. Und dieser Glaube, der im Ausland verbreitet ist, ist eines der weseittlichsten H indernpse für das Zustandekommen des Friedens bisher gewesen.

Dieses ans der Welt zu räum n, war Aufgabe einer Rog'erung^ die sich ihrer Pflicht bewußt ist. Gs yat also auch hier au einem schwerwiegenden äußeren Anlaß rricht gefehlt. Man kann sagen, die Ncformperiode, und was in ihr geleistet wurde und geleistett werden soll, hat die Zustimmung fast des ganzen Deutschen Rei­ches und Volkes gefunden, und sie wird auch die Zustimmung der Weltgeschichte finden, wenn sie eirrmal von dieser gerichtet werdeir wird und wird vor ihr in Ehren bestehen.

Es ist leicht, mit Kühnheit und Schärfe die softrtige und restlose Durchführung auch derjenigen Reformen zu heischen, die zweifel­los heute nicht oder n o^ch nicht dem allgemeinen Begehren ent­sprechen. Wer aber verantwortlich ist, der nnrß sich die Reform an sich und ihre Wirkung aufs gewissenhafteste ansehen. Sicherlich will das deutsche Volk nicht bas, was nun geschieht und arrgekündigt ist, als Mschlag der Reformen hiTmehmeil, die es begehrt. Auch der Reichstag dentt nicht daran, jetzt das Werfassungsleben, weil einiges geschehen ist, in der Zukunft versteinern zu lassen. Zahl­reiche tiefgreifende Reformen sind noch in Aussicht und müssen teilweise rasch, teilweise später ihre Erledigung fin­den. Wer man darf nicht verlangen, daß man, was in lmigen Jahren versäumt wurde, über Nacht mtt einem Schlage nachholeir kann und daß man jetzt Hals Wer Kopf eine Entwicklung durch­setzen kann, die vielleicht irgendwo in einem anderer Land unten günstigeren Umstänben durchgeführt ober im Studierzimmer des Theoretikers ansgeheckt worden ist. Wir müssen die Dinge nüchtern betrachten, so lieb uns der Bau ist Jeder einzelne Steür muß erst seine ernte Stelle finden. Zu staatsrechllichen Experimenten und Kunststücken ist im fünften Kriegsjahr kein Anlaß. Gras Westarp hat ,ms zur Rede gestellt, warum »vir nicht eine Koalitions-< regierung gewählt und nijcht auch die Kvriservativen mit» hineingenommen haben. Auch wir sind nicht achtlos daran vor­übergegangen. Auch uns ist bekannt, daß es im Lel>en der Na­tion Augenblicke gibt, in denen es ein nützliches, oft das einzige Mittel ist die Kräfte der Nation zusammcnznfassen. Namentlich in letzter Zeit hat sich gezeigt, wie sehr eine solche Regierung einem Volke Macht und Kraft verleihen kann, um die äußerste Gefahr überstehen zu können. Aber alle diese Regierungen sind an eine Voraussetzimg gebunden. Sie müssen erfüllt sein von einem einheillichen, klaren und alles überragenden Ziele, dem alle anderen Meinungen und Bestrebungen sich unterzuordnear haben. Ist das nicht der Fall, verfolgen ircnerhalb einer Regrenmg verschiedene Richtungen verschiedene Ziele, dann bringt