m. 235 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 4 . Oktober W 8
Au, Stadt und €<*n&.
Gießen, den 4. Oktober 1918.
Eine vaterländische Aufgabe.
Wir stehen im Zeichen der 9. Kriegsanleihe. Es ist Mahl anzu- nehlnen, daß in allen Schichten der Bevölkerung Verständnis genug vorhanden ist, um zu erkennen, daß es mlehr als je vaterländische Ajusgabe ist, deni Reich diejenigen Mittel zu bewilligen, deren es zur siegveiciien "Abwehr der Feinde bedarf. Da am Geldmarkt große lindeschästigte Kapitalien vorhanden sind, fehlt es durchaus nicht am guten Vorzeichen, um mit der 9. Kriegsanleihe wieder einen stattlichen Heimatsieg zu erringen.
Es ist osfen zuzugeben, daß nach dem Rückzug im Westen eine Schar Kleinmütiger und Verzagter vorhanden ist, die mit der Zeichnung zurückhalterch geworden sind. Nichts wäre jedach verkehrter, als deswegen der Zeichnung fernbleiben zu wollen, weil für eine krrrze Spanne Zeit das Kriegsglück nicht auf unserer Seite war. Jeder vernünftig Denkende Ivird nicht verlangen können, daß in einem mehrjährigen Ringen, an bcm sich fast alle Völker des Erdballs beteiligen, der Erfolg unablässig auf unserer Seite sein soll. Daß in einem solchen Riefenkamps einmal auf dieser, einmal aus jener Seite der Vorteil liegen wird, versteht sich von selbst. Aber wir dürfen nach dem ganzen Verlauf des Krieges die lieber zengung haben, daß einem weiteren ausschlaggebenden Vordringen der Feinde ein eherner Wall gezogen ist. Wenn aber dem Reich die weiteren Kampfmittel verweigert norden wirden, so müßte unter Umständen mit der Gefahr gerechnet wer »en. daß der Feind in unser Land eindränge und daß dann eine Vw io, istung unserer Hei-. ttrat vor sich ginge, über die man sich im Vereise jener Verzagtem noch keine rechte Vorstellung gemacht zu haben scheint. Deshalb mfuß immer wieder bewert werden, daß es nicht hoch genug zu veranschlagen ist, daß es unserem tapferen Heer bisher gelang, abgesehen von unbedeutenden Grenzstücken, den Feind von unseren Grenzen fernzuhalten Und den Krieg auf fremdem Boden anszufcchten. Bei der heutigen Kriegslage wird ein großer Finanz sieg i n hohem Grade von politischer Bedeutung sein, denn er wird der Welt bewei s en, daß Deutschland in seinem Innern fest geeknigL dasteht und in dieser Einheit unüberwindlich ist.
Die Ausbeute beim Bucheckeruöl.
Die deutsche landwirtschaftliche Presse teilt in ihrer Nummer vom 14. Setttember d. I. mit, daß aus 100 Kg. Bucheckern beim primitiven Kleinberrieb 12 Kg. Speiseöl gewonnen werden. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, daß die moderne Oeltcchnik ganz wesentlich höhere Ausbeuten erzielt. In der Großtechnik rechnet man aus 100 Kg. Bucheckern mit 92 Prozent Trockeir- substanz 60 Kg. enthülste Kerne, die etwa 35 Prozent, das sind 21 Kg. Oel enthalten. Durch eine viel bessere Vorbereitung zur Abpressung ist es möglich. 80 bis 85 Prozent des Oelgehaltes als Speiseöl zu erzielen. Dem hingegen bekommt der Kleinbetrieb nur etwa 50 Prozent des Oelgehaltes an Speiseöl heraus. 100 000 Zentner Bucheckern geben 60 000 Zentner enthülste Kerne, die 21000 Zentner Oel enthalten. Davon gewinnt der .Kleinbetrieb durch kalte Pressung höchstens 11 000 Zentner Speiseöl der Großbetrieb aber mehr als 17 000.
Das Bucheckernöl ist ein gutes Speiseöl, das schwer ranzig wird und sich lange ansbewahren läßt.
Da Deutschland viele und große Buchenwälder hat, die gegenwärtig eine außerordentlich reiche Tracht tragen, kann unsere Fettvation durch das Bucheckernöl erheblich aufgebessert werden.
Das Kilogramm waldsrischer Bucheckern wird dem Sammler mit 1,65 Mark bezahlt, wozu, iwch der Oelbezngschein oder der Oelschlagschein kommt, ersterer berechtigt aus das Kilogramm abgelieferter Bucheckern 60 Gramm Oel zurückzukaufen. Letzterer ermöglicht es, ein der abgelieferten Menge Bucheckern gleiches Gewicht in einer auf dem Schein angegebenen Mühle für den eigenen Bedarf schlagen zu lassen. Ter Oelbezugschein wird, für brn Sammler häufig schon aus dem Grunde, dem Schlagschein vorzuziehen sein, weil es ihm vielfach kaum möglich sein wird, bei der starken Beschäftigung der Oelmühlen die Bucheckern recht- zu lassen.
le O el mühten, die vom Kriegsernährungsamt zur Verarbeitung von Oelfrüchten zugelassen sind, können Bucheckern schlagen. Dieser Herbst bringt nun erfreulicher Weise eine ausnehmend große Bucheckern ernte und das dürste zur Folge haben, daß mehr Mühlen zur Oelgewinnnng heranzuziehen sind.
Tie Besitzer solcher Mühlen haben nur den entsprechenden Antrag an ihren Kvmmunalverband zu stellen, der ihn zur Begutachtung dem zuständigen Krieoswirtschaftsamt übergibt. Bon dort geht er an den Kriegsausschutz für Ocle und Fette, der letzter Hand darüber entscheidet. Ta die Bucheckernzeit bald vorüber ist, werden die Mühlenbesitzer gut tun, den Antrag möglichst rasch ein zu reichen.
Bei dieser Gelegenheit sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Bucheckern, welche zuerst zu Boden fallen, für die Oelgewinnung meist wertlos sind, da sie entweder taub, leer, von Insekten beschädigt oder noch nicht ausgereist sind. Tie gesunden Eckern bleiben ckwas länger in ihren Fruchtbechern hasten, kommen aber später bei sonnigem Herbstwetter oder schließlich nach den ersten Nachtfrösten in großen Mengen zu Boden.
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^ ** Auszeichnung. Leutnant d. Res. Otto Schäfer, Sohn des Rentners Schäfer, Wilhelmstr. hier, bei einer schweren Batterie im Westen, wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
** Fliegeralarm. Samstag den 5. Oktober, Nachmittags 4 Uhr, werden an verschiedenen Stellen der Stadt Versuche mit Signalbomben angestellt.
Winterkartofsel-Versorgung. Tie dlbholnng der Kartoffel-Bezugsscheine kann am Samstag den 5. d. M.; vormittags von 8—12 Uhr, und an den übrigen Tagen während der üblichen Geschäftsstunden in den Brotmarkenbezirken erfolgen.
** Ausgabe von Süßstoff (Saocharin). In der Zeit vont 1. bis 31. Oktober 1918 wird gegen die Lieserungsabschnitte 30 und 21 der Süßstofskarten „H" (blau) und gegen die Liefecungs- abschnittc 5 und 6 der Süßstoffkarten „0" (gelb) von den Süß- stofsabga bestellen Süßstoff abgegeben. Siehe Bekanntmachung.
** Hasendiebstähle. In der Nacht zum 28. v. M. wurden in der Lonystraße fünf Stallhasen, Belgische Riesen und Deutsche Riesenschecke, und in der Nacht zum 3. 0 . M. in der Mar- burger Straße vier Stallhasen, Deutsche Rieseirschecke, gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
** Bon der Verband -und Kranken erfrischungsstelle des Roten Kreuzes am Bahnhof Gießen wurden im Monat September 1918 937 ^durchreisende Soldaten und Verwundete mit Kaffee erfrischte, die Sanitätslvache hat 598 Transporte aus- geführt und in 238 sonstigen Fällen Hilfe geleistet.
Kreis Alsfeld.
8 Ruppertenrod, 3. Okt. Am letzter: Sonntag wurde in unserer dichtgefüllteü Kirche die Gedächtnisfeier für den Pionier Otto Bläser, der seinem Bruder Karl im Heldentod fürs Vaterland gefolgt, gehalten.
8 Ruppertenrod, 3. Okt. Tie langjährige Besitzerin des weitbekannten und eines guten Rufes sich erfreuenden (Gasthauses «ur „Krone" verließ heute unseren Ort, um nach Honrberg a. d. Ohm überzusicÄeln.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 4. Okt. Im nahen Hutzdors waren vor 3 Wochen einem Landwirt mehrere Tausende in Wertpapieren gestohlen wordene ^etzt wurde der Täter in der Person eines 18jährigen. Burschen ermittelt, der früher bei dem Bestohlenen als Knecht in Stellung, geioesen war. Das Geld wurde watf)} vollzählig vorgesunden. — In Hemmen brachen Zigeuner in einer Wirtschaft ein. raubten die gesamte nock. vorhandene Rauchen rare und ließen vbendrein noch 1200 Mark mit gehen. Auch in diesem Fall 'omtte die bestohlene Familie nx.> Ostens in beit Besitz des Geldes wroder kommen, da dre Verhütung der Zigeuner bald nach Ausführung des Einbruchs erhvlgen tonnte.
Kreis Friedberg.
Q Bad-Nauheim 3 Okt. Gestern nacht wurde in das m der Furstenstraße gelegene Manufaktur- und Modewarengeschäft von Wolf und im Kettelerheim eingcbrochen Im erstgenannten Geschäft erbeuteten die Einbrecher für mehr als 3000 Mark Waren und im Kettelerheim räumten sie Küche und Speisekammer vollständig auS. In beiden Fällen waren die Spitzbuben durch eingeschlagene Fenster in das Innere der Räumlichkeiten gelangt. A.
Hessen-Nassau.
Fc. Diebri ch, 2. Okt. Heute nacht sank das Thermometer hier auf Null Grad. Einzelne Gartenfrüchte, besonders die Bohnen, haben darunter gelitten.
— Frankfurt a. M., 3. Okt. Die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen finden am 21. November statt und sollen im Zeichen des Burgfriedens vollzogen werden.
^ Wiesbaden. 3. Okt. Im Hause Jahnstraße 16 geriet am.Mttttvach abend der Gelegenheitsarbeiter Steglitz mit der Ehefrau des Mllners Reitzen bahn, deren Verkehr er eifersüchtig überwachte, in Wortwechsel, in dessen Verlaus er die Frau durch zwei Schüsse lötete. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst und entleibte sich durch einen Schuß m die Schläfe. Die ermordete Frau war Mutter zweier .Müder; der Ehemann befindet sich in französischer Gefangenschaft.
K ein vertrag, kein Recht sichert uns gegen feindlichen Ueberfall. Hur die eigene Stärke verbürgt uns den Weltfrieden, wollen wir ihn erreichen, dann darf es kein schwaches veutfchianä geben, (rft die Zukunft wird den wert des völkischen Ringens für
DeuMülM Mtmigm öerWelt
offenbaren. Setzt alle Kraft ein für dieses Ringen, dem auch die Kriegsanleihe gilt.
fjocbfctmlitacforicfotett.
Ein Institut für das Deutschtum im Ausland.
]r Marburg, 1. Okt. An der hiesigen Universttät ist ein Institut für das Deutschtum im Auslaude gegründet worden, dessen Atbeitsziel darin besteht, die vielen Millionen Deutsche, die im fremdsprachigen Ausland angesiedelt sind und ihre Muttersprache bewahrt haben, in ihrem gesamten .Kulturleben, nach Wirtschaft, Handel und Verkehr, Schul-, Kirchen- und Nechtswesen, sowie Sitte drnd Ueberlieserung von Grund aus kennen zu lernen und diese Kenntnis von Marbürg aus als Mittelpunkt zu verbreiten. Unter vollster Würdigung des Umstandes, daß das neuartige, einzig in Deutschland dastehende Institut geeignet sein dürfte, Marburg und seine Universität in den weitesten Meisen im In- und Auslande bekanrtt zu machen, bewilligten die städtischen Körperschaften hierfür einen vorläufig aus zehn Jahre zu bemessenden jährlichen Zuschuß von 1000 Mk.
hl. Marburg, 3. Okt. Dem ordentlichen Honorar-Professor Geheimer Reg.-Rat Feußner ist der Krvnenorden 3. Klasse verliehen irorden. — Gehe imrat Feußner ist vom 1. Oktober) d. I. qI :n seinen akademischen Verpflichtungen irbundeii worden.
Dev neueste Bericht der Heeresleitung.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 4. Oktober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
In Flandern griff der Feind mit starken Kräften zwischen Hooglede und Roselaere an. Beiderseits der Straße Staden—Roselaere drang er in unsere Linien ein. Bayerische und rheinische Truppen warfen ihn im schneidigen Gegenstoß wieder zurück. Wir machten hierbei etwa 100 Gefangene. Vor Eambrai nichts Neues. Teilkümpse südlich von Außen- cheul und bei PiDville, in denen 70 Gefangene eingebracht wurden.
Heeresgruppe Boehn.
Auf breiter Front zwischen Le Catelet und nördlich von St. Quentin setzte der Engländer erneut zu einheitlichem Durchbruchsversuch an. Beim ersten Ansturm gelang es dem Gegner Le Catelet .zu nehmen, bis Beaurevoir und Mont- brchain vorznstoßen und in Segnehart einzndringen. Beiderseits von Le Catelet w-arftn wir den Feind wieder in und über seine Ausgangsstellungen .zurück. Teile der Reserve- Jnfanterie-Regimenter 90 und 27 unter Major Goder, Rittmeister Freist're von Wagenheym und Oberleutnant Sleuner, sowie Batterien des 2. Garde-Feldartillerie-dkegiments uud des Feldartillerie-Regiments 208 zeichneten sich hierbei be- sondei's aus. Beaurevoir imrrde wieder genonnnea. Umfassend angesetzte Angriffe säckzisischer, rheinischer und lothringischer Bataillone brachten uns wieder in den Besitz von Montbrchlnn. Segneliart blieb muty wechselvollem Kampfe in der Hand des Feindes. Am Abend folgten fttukein Feuer stidlich St. Quentin feindliche Angriffe, die vor unseren Linien scheiterten.
Hee r e s g r u ppe De u 1 sche r K r 0 np r i n 4 .
Aus dem Rücken und an den Hängen des Chcmin des Domes dauerten die bestigcn Vorposteukämpse auch gestern an Stärkere Angriffe der Italiener wurden abgewiescn. An der neuen AiSne- und an der Kanalsront nordwestlich von ReimS stehen wir überall in Gcsechtsberührung mit dem Feinde.
In der Champagne griff der Franzose mit teilweise frisch eingesetzten französischen und amerikanischen Divisionen auf breiter Front^zwischcn der Suippe und der Aisne an. Seit Beginn der Schlacht östlich der Suippe und bei St. Marie ä-Py im Kampfe stehende westfälische und Jägerregimenter schlugen qnch gestern wieder alle Angriffe des Feindes ab und machten hierbei mehr als 100 Gefangene.
Nördlich von Somme-Py gelang cs dem Gegner aus dem Höhenzuge -wischen St. Eticnue und Somme-Py, dem weißeu Berge und der Mcdcah-Höhe Fuß zu fassen. Im Gegenangriff warfen wir den Feind über die Höhen zurück. Kletue Franzosennester sind znriickgeblieben.
Auf der Front zwischen Orftuil und der Aisne sind me Angriffe des Feindes vor unseren Linien gescheitert. Südlich von Liry und südwestlich von Mon/hms kam es hierbei zu besonders heftigen Kämpfen. Regimenter der Garde und aus Pommern, Rheinländer und Bayern warfen den Feind hier völlig zurück. Im Verein mit bayerischen Pionieren wurde dem in Challerange eiugedrungenen Gegner der Ort wieder entrissen. Auch am Abend wiederholte Angriffe scheiterten. Heftige Teilangriffe des Feindes zwischen der Aisne uud dem Argonuenvaide wurden ab gewiesen.
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Wir schossen gestern 25 feindliche Flugzeuge und 7 Fesselballone ab. Leutnant Jacobs errang seinen 35., Vizeseld webel Dörr seinen 30. Lustsieg.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
Die neue Regiemng.
Berlin, 4. Okt. Das für die neue Regierung vereinbarte Programm geht, wie es setzt hnßt, in seinen Forderungen nicht so wett, wie die Sozialdemokraten es ursprünglich gefordert hatten. Von^der svsorttgeu Aufhebung des Art. 9 der Reichsverfassung hat man Abstand genommen. Tie Frage der Behandlung des O st f r i e d e n s ist wesentlich anders formuliert NOrden, und die Forderung, daß das gleiche Wahlrecht in a l len B u ndesstaaten durch Reichsgesetz herbeigeführt werden solle, ist fallen gelassen worden. Ucber das so ab geänd erte' Pro- tgramm,wird heute !unter den Vertretern der Mehrheitsparteien, einschließlich der Natioualliberalen, weiter beraten werden. Die nativnalliberaleReichstagsfraktionhat laut „Berl. Lok.-Anz." in ihrer Besprechung gestern abend zu dem von den Mehrheitsparteien ihr überreichteil Programm Stellung genommrn. Man ist zu der Uebel^eugung gekommen, daß die politischen An- stwten der Fraktion, die erst kürzlich in dem am Sonnabend ver- öisenllichten Beschluß ihren Ausdruck gefunden haben, sich wohl mtt dem Programm der Mehrheit vereinbaren lassen. Die end- yülttgen Verhandlungen, die den Eintritt der Nationalliberalen in den Regierungsblock zum Ziel haben, finden, wie wir hören, heute srüd statt. An einer Beteiligung der Nationalliberalen an den Regierungsblock wird kaum noch gezweifelt. In diesem Falle dürste «außer den bisher in der Rlegiening gewesenen Mitgliedern der ^atrcmalliberaten Partei, dem Staatssekretär des Reichsjuftizamts von Mause und dem Vizepräsidenten des preußischen Staatsmini- sterrums Dr. Friedberg, noch ein drittes Mitglied der nationallibe- ralen Partei in die Regierung eintreten.
Die irische Frage.
B e r n, 3. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Einer Dubliner Meldung der „Times "zufolge betrug bis zuin 29. September die Gesamtzahl der freiwilligen irischen Rekruten 7900. Da somtt keine Aussicht besteht, daß die von French angesetzte Quote von 50 000 Mlann bis zum 15. Oktober erreicht werten wird, tritt die Möglichkeit her Einführung der Zwangsdienstvslicht er- fnertt in den Vordergrund. Mit bezug hierauf erklärte der Abgeordnete Tevlin bei einer Versammlung der Nationalisten in Ardee, daß^ die Nationalistenpartei nach ivie vor eine entschlossene Geg- inerin der Militärpflicht sei. Er rvarne die englische Regierung davor, die irische Mttion durch ihre Einführung geflissentlich in das Stadium des Aufruhrs zu versetzen und denen, die Irland in seinen gerechten Bestrebungen zu betrügen wünschten. Gehör zu leihen. Irland, betonte er, sei der Prüfstestr für den gnrepj Glauben der Versicherungen der Alliierten, und bis' Irland wieder die Verfassung und hie Freiheit habe, iverde die irische Frage eine Gefahr für das brittschc Reich und die Sache der Alliiertenl bilden.
Briefkasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben nnberückfichtigt.)
A. v. Tie Frage der Bedürstigkett soll wohlwollend geprüft werden. Regelmäßig wird ein kleiner Besitz (Haus, Feld) die Bedürftigkeit nicht beseitigen, besonders wenn iwch eine Belastung, mit Schulden besteht. Bedürsttgkett dürfte aber wohl kaum vorliegen, wenn Ihre Ehefrau sich seit Ihrer Ettrbernfung bei Ihren Schwiegereltern auchält und diese Ihre Landwirtschaft mitversehen.. Ti
Ortl t frf'P t ITT Vtfw'T 1 Srtf vivt , > tttiS
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Entscheidung über die Bedürftigkeitsstage liegt einzig und allein den bei den Liefernngsvcrbänden bestehenden besonderen Kommissionen ob. Aus Beschiverde bei der Aufsichtsbehörde über den Liefern ngs verband (in Hessen; Großh. Ministerium des Innern) kann diese Anweisungen erlassen, insbesondere auch in geeigneten Fällen die Zahlung der Familieimnterstütznug anordnen. Tine gerichtlichs Austragung der Angelegenheit ist nicht möglich.
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betr.: Derortmung über Herbstgemüse und Herbstobst der Ernte 1918; hier Runkelrüben. ^
, Auf Grund des 8 9 der Verordnung der Reichsstelle für Gemüse und Obst über Herbstgenrüse und Herbsbobst der Ernte 1918, vom 19. Juli 1918 (Reichsarrzeiger Nr. 176 vom 29. Juli 1918), in Verbindung mit der Bekamcttnachung der Reichsstelle für (Gemüse und Obst über das Inkrafttreten dieser Verordnung vom 15. August 1918 (RrickTsanzeiger Nr. 193 vom 16. August 1918' mrd der Bekanntmachung der Reichs stelle für Geinüse mrd Obst vom 28. Septenrber 1918 bestimmen wir das Folgenve:
Im gmrzen Gebiet des GroMrzogtnms ist die gesamte Ernte an Ru n k e l r ü b e n an unsere 0)eschäftsabteilnng käuflich zu liefern uud auf Abrris an unsere Bezirkskonrmissionare zu verladen. Diese und ihre mit der (grünen) Ausweiskarte versehenen Aufkäufer sind allein zum Ankauf von Runkelrüben befugt.
Erzeuger, tvelche Runkelrüben an andere Personen als an unsere Bezirkskommissionare und ihre Aufkäufer verkaufen, desgl. Personen, tvelche, ohne hierzu befugt zu sein, Runkelrüben kaufen^ tverden mit Gefängnis «bis zu 1 Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark oder mit einer dieser lMden Strafen bestraf! Unabhängig von der Strafe werden die sttunkelrüben eingezogen werden, olme Unterschi'?d, ob sie dem Täter gehören oder itifu Mainz, den Oktober 1918.
Hessische Landes-Gem n sestelle VerwalttmgsabteilunF..^
.Der Borsitzetrde: Merner, RegiermrgSrat. 7466c


