VIe $rieöensftage in Oesterreich.
Dien. 3. Okt. (WTB.) Zu der Erörterung über die Friedens- fratj: sind sollende Anträge gestellt: Tie Südslawen, Tschechen und Allpolen verlangen in einem gemeinsamen Anträge eine lvahrheits- getreue Darstellung des Standes der Friedenssrage, insbesondere betreffs des Standpunktes der Regierung zum Selbitbestimmungs- recht der Nationen. Tie deutschen Sozialdemokraten verlangen in ihrem Anträge eitlen Frieden auf folgenden Grundlagen: Errichtung eines Völkerbundes, Wiederherstellung Serbiens, Montenegros und Belgiens, Vermeidung des Wirtschaftskrieges. keine Annexionen, keine Kontributionen, Neuregelung deif Ostfragen auf der Grundlage der Selbstbestimmung, Abänderung des Brester und Bukarester Friedensvertrages, Lösung der Polenfrage durch eine polnische Konstituante, Lösung der territorialen' Streitfragen im Sieden auf der Grundlage des Selbstbestimmnngs- rechtes des italienischen und südslawischen Volkes, Neugestaltung der Bezieli-ungen der Nationen Oesterreichs zum Reich auf der Grundlage der Freiheit llnd Selbstwegiernng aller Völker. Tie Ukrainer beanttagen, daß in Zukunft vom Minister des ^leußern geplante Friedensaktionen erst nach Anhörung des Neichs- '-ates bezw. der Delegationen mtternommen werden. In einem anderen Anträge protestieren die Ukrainer gegen die Auslieferimgl Ostgaliziens an das Königreich Polen. Tie Polen Taszynski Glombinski und Tertil verlangen in einem Anträge namens des polnischen Volkes die Wiederherstellung eines unabhängigen, aus »amtlichen polnischen Landesteilen zusammengesetzten polnischen. Staates, also mit einiger Meeresküste und aus vorwiegend von völkischer Bevölkerung bewohnten Gebieten, insbesondere Schlesiens, sowie Teilnahme der Vertreter des polnischen Volkes an dem ^Weltfriedenskongreß, der die polnische Frage zu lösen hat. Ter Wiener Abgeordnete Ofner verlangte, daß der Minister des! Aeußern gemeinsam mit den Vertretern des österreichisch-ungarischen 'Abgeordnetenhauses die Friedensbedingungen, insbesondere, die 14 Punkte Wilsons, auf ihre Erfüllbarkeit hin einer eingehenden Beratung unterziehe.
Der Ministerpräsident Freiherr von Hussarek führte aus: Heute vormittag durch dringende Beratung zu meinem lebhaften Bedauern an der Anwesenheit in diesem hohen Hause verhindert habe ich erst aus den stenographischen Aufzeichnungen ersehen, daß der erste Redner bei seinen Erörterungen in maßloser Weise Auffassungen vertreten bat, welche, wie ich selbst überzeugt bin, nicht die des ffchechischen Voltes sind. (Lebhafter Beifall links, Zurufe bei den Tsch:-chen.) Ter Kampf für nationale Ideale kann nicht durch Verherrlichung von Hochverrat und Felonie durch Beschimpiung jener Staaten geführt werden, deren Truppen an der Seite der unseren fechten. Das Deutsche Reich und sein Oberhaupt, der ungarische Staat (lebhafte Zurufe bei den Tschechen) und die ungarische Nation stehen zu hoch, um durch Beleidigungen dieser Art gekränkt zu werden. (Erneute, lebhafte Zurufe.) Aber als Chef der Regierung bin ich verpftichtet, solche Aeußerungon mit Empörung zurückzuweisen. lL-bhafte Zustimmung links. Gegenruse bei den Tschechen.) Ich wahre die Würde Oes^rveichs gegen solche Ausschreitungen des Chcmvffiis- nrus, der jeden inneren Halt und jedes Verständnis für^ die Wirklichkeit verloren hat. der auf den blanken Schild unserer Staatsehre und unserer unerschütterlichen Treue gegen den ruhmvollen Verbündeten keinen Schatten zu werfen vermag. (Lebhafter Beifall, Händeklatsck>en links. G^genrufe bei den Tschechen, der Ministerpräsident wird beglückwünscht.)
Ter tschechische Abgeordnete Stanek entwickelte das tschechoslowakische staatsrechtliche Programm und betonte die Solidarität zwischen den Tschechen. Polen und Südslawen. Er erklärte, der Frieden könne durch die Amrahme der 14 Punkte Wilsons erreicht lverden. Als der Redner im Lause feiltet Ausführungen unter heftigen Angriffen auf Deutschland die tschechoslowakischen Legionen verteidigte, kam es zu heftigen Lärnrszenen.
Gegen den Abgeordneten Teufel, der die Rede als Schurkerei bezeichnete, warf der tschechische Sr^ialdemokrat Soukup die Aktentcffche eines Ministers von der Minist er bank. Ein anderer tschechischer Abgeordneter warf ein Metallstück von der Schreib- gwrnitnr der Ministerbank gegen Teufel, ohne ihn zu treffen. Der Präsident sprach sein Bedauern über den Vorfall ans. Der Abgeordnete Stanäk wurde im Verlaufe der Rede vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Ter Abgeordnete wies die Rede Staneks als Verrat und schamloses Staatsverbrechen zurück und erklärte: Wir werden im gemeinsamen Verte idigungskampf im Bewußtsein der Gerechtigkeit unserer Sache mit voller Kraft ausharren, untrennbar vereint mit unseren Bundesge troffen, (lebhafter Beifall und Händeklatschen), im Kampfe für den Friedenswillen. auch für den Fritttensschluß. In der südslawischen Frage stimmen die Teutschen der kroatischen Lösung zu. verlangen jedoch materielle Gegenleistungen und Sickrerstellung der Interessen Oesterreichs. In der Polenfrage billigen sie die Lösung auf der Grundlage einer freien Entschließung des polnischen Volkes. Die Teutschen sffrd reit, der nationalen ^Autonomie zuzustimmen, durch krache allen Bolksstämmen xrne nationale Entwicklung ermöglicht wird, wobei jedoch der eigene nationale Besitzstand, insbesondere in Minderheitsgebieten, die Sebsnskraft des Staatsgranzen zuv Wahrung der gemeinsamen Interessen unangetastet bleibt.
T-ei Südslätve Dr. K r o s e c fuhrt aus, Freiherr von Hussarek komme mit der .rationalen Autonomie zu spät. Es gäbe keine ^Künste der Welt mehr, welche Kroaten und Serben von den Slowenien trennen könnten. Der christlich-soziale Abgeordnete .Hauser begrüßte den ,Friedensschritt des Außenministers und ectiarte, er bezweifle nicht, das'; tzar Minister diesen Schritt bet gegebener Gelegenheit erneuern pnd fottsetzen werde. Er hoffe, daß es möglich sein werde, im Einklang mit unseren treuen Verbündeten, Deutschland, das Friedensziel der BMonarchie vollständig zu klären und zu konkretisieren, sowie eine Klärung zwischen uns und den Feirüxn M schaffen. Besonders das deutsche Volk habe in diesem Kriege ungeheure Opfer gebracht und sei auch bereit, für das kostbare Gut des FrüHens große Opfer zu bringen. Das deutsche Voll habe in schoerer Lage große sittliche Kraft gezeigt, üo daß uns um die Zukunft des deutschen Volker nicht bange zu sein braucht. Wir alle, die wir das deutsche Volk hier vertreten, fühlen uns mit ihm untrennbar in Freud uitb Leid verbunden.
Ter Abgeordnete T u s a r (tschechischer Sozialist) führt in seiner Erörterung der -außenpolitischen Situation aus: Tie Deutschen! irren, wenn sie glauben, daß die Tschechen in den letzten Ta-gens übermütig wurden. Wir haben Interesse daran, mit dem deutschen Volk, das immer ein großes Volk bleiben wird, im guten Einver- vernehmen zu bleiben, da es ja der Nachbar des tschecho-slowakischen Staates sein wird. Wir werden im übrigen alles tun, schloß der Redner, damit die tschechische Frage mit den anderen Weltfragen auf dem internationalen Kongroß gelöst wird. 'Lebhafter Beifall bei den Tschechen.)
Ter Abgeordnete M a t a j a (christlich-sozial) erklärte, au, den. Wege der.obrigkeitlichen Zusammenfassungen der Natioiren zu Staatsgebilden gehe es nicht mehr. Wir müsset uns entschließen, sagte Mat ata. den Weg der Selbständigkeit und des Selbstbestimmungsrechts der Nationen anzuerkennen, und zwar nicht aus einem inneren Zwang, sondern aus der Erkenntnis der inneren Notwendigkeit des neuen Systems. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.
Tie nächste Sitzung findet morgen statt. Der Allpole Gl o m - binski überreichte am Schluffe der Sitzung einen Antrag betr. die Einberufung eines internationalen Friedenskongresses zur Lösung der polnischen Frage gemeinsam mit den internationalen
Fragen.
Wien, 3. Okt. (WTB.) Tie Deutsch-Böhmische Korrespondenz meldet: Tie Rede des Abgeordneten Stanekrief in den deutschen Abgeordneten kreisen großeErregung bertwr. Eine Abordnung begab sich zum Ministerpräsidenten, der während der Rede Staneks bei einer Konferenz im Auswärtigen Amt weilte, um von ihm die schärfste Zurückweisung der Ausfälle des Abgeordneten Stanek zu verlangen. Tie Erregung kam auch darin zum Ausdruck, daß der Leitungsausschuß des Verbandes der deutsch-nationalen Parteien seinen Obmann ermächtigte, mit den Ehrisllich-Sozialen, den deutschen Sozialdemokraten und den Wiener Freiheitlichen Fühlung zu nehmen. um ein gemeinsames Vorgehen sämtlicher deutschen Abgeordneten zu ermöglichen.
Wien, 3. Okt. Wie die „ReiichBPvst" meldet, wird heute nachmittag eine Znsanrmeirkunft der christlich-sozialen, der deutsch-nationalen und der deutsch-sozialdemokratischen Fülwer im ölbgeorwlelenlxruse stattfinden, um eine gemeinsame Richtlinie für die deutsche Bevölkerung zu sickiern. Es handle sich nicht um die Erneuerung, einer defensiven Gentein- bürgfchoft, sondern um eine einheitlich nationale Willensbildung in den Existenzfragen des Staates und zum Zivecke der Verständigung mit den anderen Nationen.
Budapest, 2. Okt. (WTB.) Wie die Blätter melden, unternahm der M i n i ste r p r ä f i d e n t Schiritte, damit die Führer aller größeren politischen Parteien vom König in Audienz empfangen werden, um diesen Gelegenheit zu geben, ihrer Auffassnng über die Lage Ausdruck zu geben. Tie Reise, die Graf Julius Andrafsy heute nach Wien angetreten hat, witt) hiermit in 'Verbindung Aebrach,t. Auch die Parteiführer Graf Albert Apponyi und Gras Stefan Tisza treffen heute morgen in Wien ein.
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Lord Lansdow'ieS Friedcnsvorschläge.
Basel, 3. Okt. „Daily Telegraph" ineldet aus London: Lord Lansdowne hat den ungewöhnlichen Schritt getan, dem Kabinett und dem König seine Ratschläge zur ehrenvollen Beendigung des Krieges anzntragen. Lloyd George ist bereit, Lord Lansdowne in den nächsten Tagen zu empfangen.
Telegramme an Hindenburg.
Dresden, 3. Okt. (WTB.) Ter König richtete an Hindenburg folgendes Telegramm: „Gestatten Sie mir, Herr Feldmarschall, Ihnen ineine wärncsten und aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche zu Ihrem Geburtstage auszup echen. Gott erhalte Sie in alter Kraft und Frische zum Heil und Segen unseres geliebten Vaterlandes in dieser schoeren Zeit. Mit unbegrenztem Vertrauen und der festen und imerschütterlichen Zuversicht, daß Gott unser Vaterland ans den jetzigen trüben Tagen zu neuer glänzender Machtstelllmg erheben wird, blicke ich heute als Bundesfürst und Soldat in Begeisterung zu Ihnen auf."
Essen, 3. Okt. (WTB. Nichtamtl.) Tie wirtschaftsfriedlichen nationalen Rüstungsarbeiter haben an Feldmarschall Hindenburg folgendes Telegramm gesandt: Zum Geburtstag Eurer Exzellenz erkläre ich im Namen von 15 000 Rüstungsarbeitern in Effen Stadt und Land: Nicht parlamentarische Redereien, sondern nur die Tatkraft Eurer Exzellenz und der unüberwindliche Siegeswille unseres tapferen Heeres verbürgen Deutschlands Sicherheit und Zukunft. Friedrich Hoos.
Die §ch'a't an der Maas.
Berlin, 3. Okt. Ein Berichterstatter schreibt über die Kämpfe in der Maasgegend:
Auf deni Schlackstselde links der Maas ist seit dem Morgen des 30. September eine Kampfpause eingetreten. Die ooraus- gegangenen beiden überaus schweren Kampftage, vornehmlich seine Tutzendanstürme am 39. September hatten für den Feind gnvaltige Menschenopfer zur Folge. Tie Haufen der toten Amerikaner im Vorgelände sind der beste Beweis dafür. Tie körperlichen und seeli- sckZen Strapazen unserer Truppen waren unerhört: traut sie im Stande waren, dem kolossalen ainerikanischm Einsatz an Menschen «und Material jeden Fußbreit Boden abzutrotzen oder nur nach schrecklichen Einbußen für den Gegner herzugeben, so ist dies nicht allein -in der deutschen Tifziplin zu suchen, sondern es liegen die Gründe viel tiefer. Ter Herzschlag innigster Heimatliebe, die Erkenntnis der Not, der Gedanke an die brutale Gewalt die mit roher Hand ihr schönes Vaterland zugrunderichten will, sie bergen das Geheimnis dieser Riesenenergie, aus der die selbst vom Feinde angestaunten zerschmetternden Kräfte geboren sind. Es ist ein beruhigendes Gefühl: verschenkt haben unsere Soldaten nichts. Und wenn inan aus die Kämpfe der letzten Woche vor Verdun zurückblickt, so kann man ohne weiteres chgen, daß die gräßlichen Blutopfer der Amerikaner zu ihren bisherigen Fortschritten in einem ganz ungesunden Verhältnis stehen. Dessenungeachtet ist es klar, daß die amerikanischen Divisionen in absehbarer Zeit von neuem das Ringen aufnehmen werden, zumal sie keines ihrer beabsichtigten Ziele erreicichen. Ihre Schlagwötter „Verfolgung", „Generalisierung" sind Traumausdrücke, die vlme Kenntnis der deutschen Soldatenseele geschmiedet worden sind. Wie sich die weitere ylbwehrschlacht auch gestalbm mag — Deutschland vertraut un geschwächt auf den guten Geist unserer Helden- kämpfer, für deren glänzende Halttmg jeder Tank zu gering ist.
Der erste Oktober eine Enttäuschung für den Feind.
Berlin, 3. Okt. Ein Berichterstatter nteldet: Ter 1. Oktober ist für die verbündeteln englisch-französisch- belgischen Truppen eine ^ r o ß e E n t t ä u f ch u n g gewesen. Wo sie angriffen, wurden sie unter schweren Verlusten abgewiesen. Anfänalichrr Geländegewinn wurde durch schuldigen Gegenstoß deutscher Bataillone sofort wieder wettgemacht. Wenn der Feind' auch noch nichts zu großem einheitlichen Angriff ansetzte, so waren die Einzelkämpfe doch sehr erbittert und die gegnerischen Angriffsziele weit gesteckt. So sollte z. B. ein belgischer Angriff nach Gefangenenaussagen Kortemark erreichen. Er kam nicht einen Schritt vorwärts und kostete die Angreifer außer blutigen Verlusten 5 Offiziere, 82 Mann als Gefangene. Dasselbe Mißgeschick hatten die Versüße der Belgier, aus Roffelare durchzustoßen. Trotz der starken Artjillerieunterstützung wurden drei Angriffe hintereinander) von den tapferen Badensern und Rheinländern abgewiesen. Glänzend bewährte sich dabei wieder die Artillerie, die unmittelbar hinter der Infanterie auffubr und durch Treffer inj geschloffene Kolonnen dem Feinde schwere Verluste zufügte. Beim letzten Angriff in diesem Abschnitt waren auch englische Tanks beteiligt, von denen einer durch Volltreffer zerstört, die anderes zur Umkehr gezwungen wurden. Es gelang dem Engländer in den Vormittagsstunden das Dorf Ledegem von Norden umfassend zu nehmen. Erst als der Feind auf 100 Meter heran war und das einzige Masckstnengewehr durch den Tod des wackeren Schützen ausfiel, wurden die Protzen herangerufen. Es gelang, ein Geschütz noch zurückzubringen, die anderen mußten zurückgelassen werden, da die Pferde fielen. Sie wurden aber bei Rückeroberung des Ortes Ledegem zurückgewonnen. Ter Gegenangriff wurde so-mr über den Ort hinaus vorgetragen. Weiter südlich hatte der Feind vorübergehend auf einer wichtigen 5)öhe Fuß faffen können. Ein säcküsisckies Regiment führte euren glänzenden OHgenstoß vurch und brachte die Höhe wieder voll in deutschen Besitz.
Bewußte Irreführung.
Berlin. 3. Okt. (WTB.« Ter Reuterfche Korrespondent bei der franzöffschm Arm« .Meldet nach einer Nachricht aus dem Haag daß die Franzosen am 1. Oktober mittags in St Quentin eingerückt such. Diese sttinmungsmachnrische Meldung, in der Haupts^,? wohl für das neittrale Ausland bestimmt, klingt so, als ob ein Sieger nach g-lvonnener Schlacht in Mcrrrchkolonne, wonröglich mit Musik, in eine befreite Stadt einzöge. ^ Tatsache ist. daß St. Quenttn effr von der feindlichen Artillerie^v « rw ü ste t e r Trümmerhaufen ist. der nun aus unserer Stellung östlich davon unter deutscknem Feuer liegt. Bis 1. Oktober standen noch deutsche Erkimdtmgsabteilungen in diesem Trümmerhaufen, die dem vorfühlenden Feinde unter Feuergefecht auswickmc. Wie sich in eimm solchen Kampfe das „Einrücken" der Franzosen in diese unter Feuer liegende Trümmerstätte gestaltet hat, kann man sich wohl vorstellen.
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Englischer Bericht ans Palästina.
London, 2. Okt. (WTB. Nichtamtlich) Renter. Pälästina- bertcht. Bei der Einnahme von Damaskus wurden 7000 Gefangene gemacht.
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Gesangenen-Austausch.
Berlin, 3.Okt. (WTB.) Ter Austausch der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten zwischen Deutschland und Frankreich wird, wie bereits angekünbigt wurde, demnächst wieder beginnen^ Vom 15. Oktober ab sollen
wieder von jeder Seite wöchentlich zwei Züge mir kriegsHefangenen! Mannsck,asten abgelassen werden. Ter nächste Offizierstvansporli würde SNitte November-sällig sein. Ein Zug init Ziviltttterniecten w-ird voraussichtlich am 7. Oktober effttreffen und u. a. auch Teulsch^ aus Marokko mitbringen, lleber die weitere Fort- setzuitg des Austausckres der Zivil internierten wird nock), verhandelt. Es ist zu hoffst, daß eine befried cgende Lösung erzielt werden kann.
Die Wehrpflicht der Ukraine.
Kiew, 3. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Einer Zeitungs^ Meldung zufolge hat die Beratung des Wehrpflichtgesetzes im Ministerrät begonnen. Nach längerer Beratung wurde die zweijährige Dienstzeit beschlossen und die Befreiung einziger Söhne vom Krregsdienst festgesetzt. Der Ministerrat bewilligte in der gestrigen Sitzung auf den Vorschlag des Ministers des Aeußern eine Million Mark für den Ankauf eines Gesandtschaftsgebäudes in Berlin.
Zeitungsmeldungen zufolge bereitet der Minister für Handel und Industrie 5^andelsverträge der Ukraine mit dem Dongebiet, Litauen, Polen, Finnland und Georgien vor.
Finnische Besucher in Deutschland.
Helsingfors, 3. Okt. (WTB.) Auf Einladung de^ Deutschen Regierung haben am 2. Oktober 14 finnische Herren eine Studienreise nach Deutschland zwecks Besichtigung landtvirtschaftlicher, industrieller und kulturell bedeutender Punkte angetreten. Die Reise wird ca. 15 Tage dauern. Außer Berlin werden die Städte Jena, Kassel, Düsseldorf, Köln, Bonn, Mannheim und Heidelberg besucht
Aus dem Reiche.
Der Reichstag.
Berlin, 3. Okt. (WTB.) Die nächste Plenarsitzung des Reichstags wird am 5. Oktober nachmittags 1 llhr stattfinden.
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Berlin, 3. Okt. (WTB.) In der Sitzung des Bu n- desrats wurde angenommen: Der Entwurf einer Verordnung zur Abänderung der Verordnung über zuckerhaltige Futtermittel, der Entwurf einer Bekanntmachung über Gewährung von Zulacjen zu den Verletztenrenten aus der Unsallfürsorge für Gefangene, der Entwurf einer Bekannt» machung betr. Prägung von Zehnpfennigstücken aus Zink.
Aus Stadt nnd Land.
Gießen, den 4.Okwber 1918.
Run erst recht!
Nim erst recht! — Tu weißt, was ich meine. .
Es gibt jetzt nur eine Pflicht, nur eine.
Ob drohend die Wollen .am Himmel sick, turnten
Hub die Heere der Feirlde rings gegen uns stürmen — -
Bleibe stark, halte aus, fcm deutsches Geschlecht!
Nun erst rvchjt?
Noch hält die lebendige Mauer smnd,
Und du hältst dein Schicksal fest in der Hand.
Mit dir ist Gott, dein FÄs, deine Burg.
Und dein gutes Schi.vert. Die Parole heißt: ..Durch!" —
Du weißt, wer du bist, keines Menschen Knecht.
Nim erst recht-!
Die .Zeit ist eisern, und hatt ist das Muß.
Je hättet Metall, desto befferer Guß.
Tu kannst, und — du hast. — Nun öffne die Hand
Und tu' das Deine fürs Baterlaird.
Was achtmal gut war, werd' jetzt nicht schlecht.
Nun erst recht!
L. Jj. Crumbach.
DaS Herbftwetter im BolkSmund.
Wir haben dieses Jahr einen frühen Herbst bekommen, der lang7 vor dem kalendernräßigen .Eintritt dieser ^Jahreszeit seine lmnten Züge der Statur ausprägte. Tas deutsche SprickZivott ist an diese Erscheiirung eines frühen Herbstes gewöhnt, nnd in den Bauernregeln rechnet man bereits im August tnit dem Einzug des Herbstes. Sck wird vers-chäedentlich der 10. August, der Lorenz tag, der erste Herbsttag geirannt: am 22. oder 24. Llugust rechnet man dann allgemein nrit dem Herbstanfang. So heißt eS z. B.: „Ter Herbst farrgt an St. Synrpkwriarr" (22. 9lugust) oder „Ter Herbst fcürgt um Bartholomäi (24. August) an." Dem Barth.'lomäustag wird überhaupt für das Herbsttvctter eine große Bedeutung ^zugesprrch.'n. „Wie sich das Wetter um Battholomäi stellt ein, so soll's den ganzen 5)erbstmonat sein", sagt trian m der Pfalz. In mrderea Gegnrden heißt eS: „Wie es an Battholomäi' wittett, soll es den ganzen Herbst durch wittern" oder „Wie St. Bartholomäus sich verhält, so ist dar ganze Herbst bestellt." In Hessen behauptet man im Gegensatz zu der Pfalz: „Wenn eS auf Battholomäi regnet, dann gibt es einen guten Herbsl" In anderen Bau«rnreg>eln setzt mau den Herbstanfang in die letzten Tage des August und die ersten des September. Die zwei letzten August? und die beibat ersten Septembertage sollen für das ganze Herbsttvetter bestimmend sein. Der St. Aegiditag (1. September) spielt da eine besondere Rolle: „Wie der St. Aeg'ditag, so der gatrze Mvnat rut mag" oder: „Ist zu Aegidi ein heller Tag, ich dir einen gutea Herbst Porsag." Der Herbst, der „den Svtnmer frißt", macht Deller und Scheuer voll, indem er „sein Hortr ansleert". ,^Jst der Herbst warm, hell und klar, so ist zu hoffen ein fruchtbares Jahr", sagt «in pfälzisches Sprichwott. Aus der Herbst Witterung zieht man auch Schlüsse auf das Wetter im folgenden Winter. So sagt man z. B.: „Biel Herbstnebel bringt Winterfchnce" oder „Sirch die Rosen spät im fflatteit, laßt der Winter lange auf sich watteittl Bleiben dagegen die Baumblätter twch spät im Herbst an den Bäunven, so soll das kein günstiges Jaka bedeuten. Unter den einzelnen Herbstnwnatcn ist nach dem deirtschen Sprichwott der September „der Ddai des Herbstes". Wichtig für das Herbstwettcr soll der 9. September sein: traut es an diesem Tag: regnet, „aibt's einen wahren Satans herbst". Um Mitte Oktober ernmrten die Bauernregeln aller Völker noch einmal eine warme, milde Witterung, die nmn vielfach nach den Heilt gm dieser Tage „Sommer der heiligen Theresa", „Brigittens fommettft „Dt. Wenzelsomm-er" oder ganz allgemein „Altweide r s o m in e r" norm. Vvm 16. Ottober heißt es: „Am St. Gallnstag den Nackisommer man erwarten mag." Ein letzter Aus^ klang des Herbstes wird dann im deutschen Volksmund am 1. November festgestellt. „Am ?lllerheiligm Sonnensch in, tritt der Nachsommer ein." Diese Windstille, heitere Witterutrg der ersten No» vembettage wird auch als die „Allerheiligatruhe" bezeichnet. Ties ist aber auch der letzte NachGmrg des Herbstes in den Bäuerin regstn: andere Spttchwötta^ behaupten bereits: „Aller-Hallgen sehen sich nach dem Winter um."
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** Genehmigui, gSf* ' Ü für Erfatzlebensmittrl. Am 1. Oktober 1918 ist die Genehmigimgspltchl für Ersatzlebats- mittel, die durch die Buttdesratsverordnung vom 7. März 1.918 eingefühtt worden ist. in vollem Umfange in Kraft getreten. Bon nun ab dürfen ratt noch Ersatz! ebensmittel her gestellt, ange- lwten tmd verkauft werden, die von der zuständigen Ersatzmülel- stelle genehmigt worden sind. Soweit die Ersatzlebensmittel nicht auf der Packung den Vermerk tragen, von lvelcher Stelle, ltxutn nnd unter welcher Nummer sie genehmigt sind und zu welchem Preise die Packung abMgcben ist. muß der Händler dttrch eine besondere Beschnnigutta oder aber" durch entsprechende Vermerke auf der Rechnung jtt>crzeit den enffprechenden Nachweis führen können. Znnnderhaudlungen sind der Polizei oder der nächsten Ersatzmittel stelle bekannt zu geben.


