Nr 22 1
Erstes Blatt
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Gietzener Amei
§reitag. 21 . September 1918
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General-Anzeiger sür Oberhessen
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f. die 'Tnqesnummer dis zum Nachmittag vorher ohnejcdeVerbindlichkeit
Ein neuer großer Vurchbruchsyersuch der Franzosen und Amerikaner vereiieli.
(WTD.) ^rvtzeS Hauplguartirr, 26. Septernb. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Vorfeldkampft an der Lys-Nredcrnng, nördlich vom La Bassee-Kanal und bei Moeuvres.
Heeresgruppe Generaloberst von Dochn.
Heftigem Neuer des Feindes südöstlich von Epchy und bei Dellivcvurt folgten Teilvorst-)tze, die abgewiesen wurden.
Zwistlien Omignon-Bach uw) Somme setzte der Feind seine Angriffe fort. Der erste Ansturm brach in dem ^l- sammengefatzten Feuer unserer Artillerie und Jnftmterie zusammen. Das Schwergewicht der am Vormittag mehrfach wi^terholten Angriffe richtete sich gegen die Höhe zwischen Pontrmtt und Griconrt. Vorübergehend faßte der Feind auf chr Fuß. Im Gestenstoß nahmen wir sie wieder. Am Nachmittag setzte der Feind zwischen Francilly uwd der Somme erneut zu starken Angriffen an, die bis auf kleine Einbruchs- stellen abgewiesen wurden. Wir machten hier in den beiden letzten Tagen mehr als 300 Gefangene.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Bei örtlicher Angriffsunternehmung nördlich von Alle- mant (zwischen Ailette und Aisne) machten wir Gefangene. Mrdlich von Vailly schlugen wir Deilmrgriffc des Gegners ab.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Ocstlich der Mosel wurde ein Terlaugriff des Feindes abgewiesen. Die dort kampfenden Truppen der 31. Landwehr- Brigade nahmen im Gegenstoß 50 Franzosen und Amerikaner gefangen.
Aus feindlichen Geschwadern, die Frankfurt Warn) und Kaiserslautern angriffen, wurden sieden Flugzeuge abgeschoffen.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
er Taler spricht:
Vin ich ein Wicht,
Des Mähens und Scharren- Und Wahrens nicht wcrci! Wer schmiedet aus mir Das deutsche Schwert V Da hat ihn die „Neunte" Schweigend genommen:
Er ist in die rechte Schmiede gekommen.
Der Abendbericht.
Berlin, 26. Sept., abends. (MTB. Amtlich.) tzn der Champagne und zwischen den Argonncn uud der Maas haben auf breiter Front französischamerikanische Angriffe nach elfstündiger Feuervor- bereitung begonnen. Der Durchbruch des Feindes ist vereitelt. Der Kampf um unsere Stellungen dauert an.
Der Ssterreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 26. Sept. (WTB.) Amtlich wird verlautbatt: Keine größeren Kampfhandlungen zu melden.
Der Chef des Generalstabs.
Die Berichte von der Westfront lauten ernst, aber tröstlich- imd zuversichtlich. Franzosen und Amerikaner haben aufs Neue begonnen, und zwar nach llstündiger Artillerievorbereitung, gegen die deutschen Stellungen anzurennen: der Durchbruch wurde vereitelt, und noch stehen unsere Feldgrauen im Kampf um die deutschen Stellungen. Welcher Gedanke könnte jetzt einen Deutschen schwerer drücken alS die Gefahr, die aus den einheitlichen Angriffen der Entente aus allen Kriegsschauplätzen droht! Auck) wenn man jetzt den gewichtigsten Staatsmann auf den Stuhl Hertlings setzen würde, könnte er Hindenburg und Ludendorff nickst besser unterstützen als durch straffe Zusammenfassung aller Kräfte auch im Jnneim. Die s o f o r t i g e Auflösung des preußischen Abgeordnetenhauses wäre wohl kein Mittel, die drohende äußere Gefahr zu mindern, und ein Treppchen aufwärts in der Parlanrentarisierung unserer Reichspolitik könnte auf die Feinde in noch größerem Maße aufmunternd wirken als auf unsere Truppen draußen. Wir wollen damit nicht etwa eine Warnung aufstecken vor dem Eintritt eines Sozialdemokra- tcm in die Regierung, sondern nur betonen, daß dies alles in dieser Stunde keine Wickstigkeit ersten Ranges sind. Wir
müssen jetzt im^nnern Festigkeit, Würde und Ruhe zeigen, denn die ganze Welt schaut darauf. Alles, was als Aengsv- lichkeit und Bitte ^nn gut Wetter ausgelegt werden könnte, muß unterbleibend
Unser Beispiel muß auch die Widerstandsstärke unserer Bundesgenossen neu beleben. Wir sehen das befreundete Bulgarien in einer ernsten Kriegslage. Daß der bulgarische Ministerpräsident, wie wir heute hören, ohne Wissen der anderen maßgebenden Instanzen^ den Gegnern ein Waffenstillstandsangebot gemacht hat, ist eine sehr bedenkliche Sache. Nach der Berliner Meldung, die uns vorliegt, sind alle Hebel in Bewegung, um diesen fatalen Schritt ungeschehen zu machen. Vielleicht hat Malinow nichts anderes bewirken wol- ^en., als.die Zuteilung. schleuniger Hilfe der verbündeten Mächte. Es wird uns gesagt, daß die erforderlichen Verstärkungen, um die bulgarische Front zu halten, unterwegs stien. In der Mittwoch-Nummer des Berner „Bundes" werden die Vorgänge an der mazedonischen Front wie folgt beurteilt:
„In Mazedonien waren offenbar von langer Hand, vermutlich NHch von General Guillaumat, Vorbereitungen zu einer Offensive getroffen^ worden, die nicht in den Begriff eines Entlastungs- oderFesselung sunt er nehmens gepreßt werden kann, sondern offensichtlich eigene Ziele verfolgt. Der Versuch, das bulgarische Zentrum zwischen der Eernaschleift und dem Wardar zu durchbrechen und Vrilep aus der Flanke zu bedrohen, ist als geglückt anzusehen. Tie Bulgaren wurden gezwungen, über die Brlasnica zurückzugehen und werden die Cernaschleise und die Ebene von Monastir räumen müssen, um ihre Front zu verkürzen mid ihren rechten Flügel nicht einer Katastrophe auszusetzen. Ter bei Dviwan angesetzte Nebenangriff brstischer und griechischer Divisionen ist zum Stehen gebracht worden, hat aber sicher ablenkend gewirkt. Die Linie Prilep—Kavadar—Nepotei kann als strategisch bedroht gelten, doch wird die Entwicklung davon abhängen, welcher von beidest Gegnern rascher Verstärkungen zu korrzentriercn vermag, um den Fortgang der Operationen entscheidend zu bestimmen. Bei so dünn! -netzten Gebirgsf wn te n ist ein Durchbruch an sich nicht von Belang.
Politisch betrachtet ist der Durchbruch der Mvglenafrmrt gleichbedeutend mit einem Einbruch in das von Bulgaren und Serben in Anspruch genommene Mazedonien."
Wenn man die Berichte über die Beratungen des Hauptausschusses unseres Reichstags liest, so kann man nicht sagen, daß der Reichskanzler uns die Sieges- oder Friedensaussichten irgendwie verschüttet habe. Also kann es in dieser Stunde wirklich nicht die Aufgabe des Volkes fein, ihn zu stürzen oder seinen Rücktritt zu wünschen — zumal es außerordentlich schwer wäre, einen geeigneten Kandidaten für den höchsten Posten namhaft zu machen. Hertling hat versprochen, die Mängel der Zensur abzustellen, und die Oberste Heeresleitung stimmt mit ihm, dessen sind wir gewiß, überein, datz fortan die maßgebenden militärischen -Organe mehr als bisher an die Erfordernisse eines. ungefährdeten politischen Lebens im Innern gebunden sind. Der Kluge gibt nach, und schließlich nimmt der große Kampf gegen die Stürme draußen gegenwärtig alle Kräfte des Militärs in Anspruch. Die Verantwortung für die inneren Zustünde müssen Regierung und Volk tragen.
Lin waffenstillstanösangebot öes bulgarischen Ministerpräsidenten.
Berlin, 26. Sept. ES liegen Nachrichten vor. wonach von dem bulgarischen Ministerpräsidenten Malinow an den Führer der gegen Bulgarien operierenden Ententetruppen das Angebot eines Waffenstillstandes gerichtet worden sei. Wie gemeldet wird, ist Herr Malinow mit diesem Angebot auf eigene Hand, ohne Zustimmung des Königs, des Parlaments und der bulgariA^en Heeresleitung vorgcgungen. In den bundestrerven Kreisen Bulgariens hat dieses Mrgehen Malinows große Erregung hervorgcruftn. Militärische Maß- nahnien zur kraftvollen Unterstützung der bulgarischen Front sind im Gange. Eine Gegenbervegung gegen den Ministerpräsidenten Malinow macht sich, nach den letzten Nachrichten aus Sofia zu urteilen, bereits geltend.
Der bulgarische Bericht.
Sofia, 26. Sept. (WTB.) Generalstabsbericht vom 24. Sep» tembcr. Mazedonische Front: Westlich des Ochrida-Sees war das beiderseitige Anilleriefeuer zeitweise ziemlich heftig. In der Gegend von Bitolia griffen feindliche Einheiten mehrmals erbittert unsere Stellungen an: sie wurden aber bluttg abgewiesen, zum Teil noch Handgemenge. Mehrere unverwundete französische Gefangene blieben in unserer Hand. Nördlich der Tscherna zogen sich unsere Einheiten ungestört vom Feinde planmäßig auf die Babunaberge z u r ü ck. Bei Kriwolak griff der Gegner mit starken Kräften an. Ter Kampf ist noch im Gange.
Englischer Bericht aus Palästina
vom 25. September. Oestlich des Jordans näbern sich Misere Truppen Aworan in der Verfolgung des Feindes, der sich in dieser Rickstun g zurückzieht. Nördlich dieser Station wurden durch arabische Streitkrastc bedeutende Zerstörungen an der Eisenbahn ausgeführt. Andere arabische Streitkräfte bedrängen den Feind.der sich nördlich von Wann tzurückzieht. Die Gesamtzahl der Gefangenen erhöhte sich auf über 40 0 00. sticht .veniger dg, 260 Geschütze wurden erbeutet.
Eine Kriegsrede PichonD.
Varis, 26. Sept. (Havas.) Im Laufe des vom Außenminister zu Ehren Gompers gegebenen Banketts erklärte! P i ch o n u. a.: Genau wie Wilson und wir erblickt auch Gompers nur in dem Triumph der Waffen die Möglichkeit, das Ziel zu erreichen, sür das Millionen von Menschen ihr Leben opfern. EP weilt leden Gedanken der Schwäche oder des Vergleichs mit best auchkratischen Regierungen zurück. Wie Wilson und wie wir, läßt 5 ^9en mit dem Feinde nur zu für den Tag, wo dieser sich als besiegt erklärt. Gompers hat seinen Platz an der Seite der r^uhrer dieser herrlichen Armee, die aus der neuen Welt gekommen ist mid die den Verbündeten Nationen das ausschlaggebeTide Ueoergewicht für de^ Sieg gegen die germanische Barbarei brachte, woran memand mehr zweifelt. Ich verbinde den Namen Gompers mit dem Wilsons, die in unfern wie in den amerikanischen Augen den Kampf bis zum Aeußersten für die Befreiung der Völker verkörpern.
Seuchen in Frankreich.
Bern, 26. Sept. (WTB.). Ein Abgeordneter befragte in der sranzosischen Devutiertenkammer den Marine- urrm^r über die Seuchen, die in den Marrnedepots von Brest rmd Rock^gort und namentlich in Loriertt ausgebwchen seien. Das letzt genannte Depot sei außerordentlich schmutzig gehalten. Wegen ^ brach e man junge Matrosen auf ein altes Schiff
2'00 Matrosen in zuvor nicht desinfizierte Räume, ^.as Wasser war so schmutzig, datz die Mannschaften vorzogen, sich nicht zu traschen. Tie Seuche in dem zweiten Devot von Brest, E von Lchnmtz starre, dauere seit langem an. In Räumen, < J 1 ^ i? • ^ann bestimmt waren, seien 4000 Mann unterge- vracht. Marineminister Leygues versuckKe die ErrLguna durch einen Hmwecs auf das Auftreten der Seuche in allen europäischen! Landern zu beschwichtigen. Tie Krrogshäfen seien übrigens nicht mehr betwsien als andere Mittelpunkte. Meidengs sei es richtig, daß der Msteckungsherd in Brest sehr bösartig sei. Die Seuche ,ei nnlangst infolge vorbeugender Maßnahmen in Brest zurück- gegangeu, dann aber nach der Einreihung der Jabresklasse IW aufgetreten. Darauf wurde die Einziehung der ^ahresklasse 1920 emgesollt. Er erkenne an. daß das Dep'ol von ^oraent den geftmdheitlichen Ansprüchen nicht genüge, doch könne man es wahrend des Krieges nicht neu bauen.
Die Kriegsmüdigkeit in Italien.
i. Von der Schweizer Grenze, 27. Sept. Die Genfer Zeitung ,,Feuille" verosgentlicht zwei Briefe aus Italien die sogar die ttaliemsckx Zensur passiert haben. Außerordentiiche ^ ^^ ö .ß UÖ eit gegen die wachsend e Kriegs- Müdigkeit werden demnach Vorgenvnrmen. Wenn sich Heeres- pNichng^ entfernt haben, werden ihre Ehefrauen kurzerhand ins! Gefängnis geNDrfen, bis ihre Männer sich wieder eingestellt haben.
Die Benutzung von Schrotftiuten durch amerikanische Soldaten.
R e r l i n , 27. Sept. Wie wir erfahren, hat die d e u t s ch e R e g i e r n n g der hiesigen schweizeiwchen Gesandtschaft eine Protestnote zur Uebermittelung an die Regierung der Vereinigten/ Staaten von Amerika überreicht, in der Verwahrung gegen die Benutzung von Schrotflinten durch amerikanische Soldaten eingelegt wird.
Der Eindruck von Hertlings Rede in England.
London, 25. Sept. (WB.) Reuter. Die Mendblätter besprechen die Reden Hertlings in einein ironischen Ton. Die „Westminster Gazette" sagt: Die deutschs Theorie vom Verteidigungskrieg ist offenbar jetzt wie immer die, daß die Deutschen und Oesterreicher durchaus berechtigt sind, jede beliebige Angriffshandlung gegen ihre NachWrit zu unternehmen, Serbien zu vernichten und in Belgien einzufallen, und daß jeder Dritte, der sich diesen Angriffe ent gegen stellt, sich einer Angriffshandlnng gegen Deutschland ichuldig macht. Hertling niöctze uns glauben machen, daß Deutschland ein aufrichtiger Kandidat für den Völkerbund sei. Wir wünschen nicht den glimmenden Funken auszutreten, aber wir müssen uns Sicherheit ver- schaffeu, daß der Gedanke des Völkerbundes nicht dadurch diskreditiett wird, daß er zu einem Zufluchtsort für in Not b e fin dlich e Militaristen oder zu einenr Vorwand für die Dialektik von verlegenen Politikern wird. „Pall Mall Gazette" schreibt: Hettling versucht, das Zugeständnis seines Vorgängers, daß an Belgien ein Ver-, brechen begangen wurde, dadurch wegzuredem daß er behauptet, man hätte befürchtet, Frankreich könnte Deutschland mit einem derartigen Verbrechen zuvorzukommen. Solche Wendungen können nur dazu dienen, die Alliierten von der völligen Wertlosigkeit jedes Wortes, das aus deutschem Munde kommt, zu überzeugen.
Die „Gesellschaft der Rationen".
Bern, 26. Sept. (WTB.) Ter „Figaro" warnt vor den Bestrebungen Deutschland-?, bk Grundlage zu der Gesellschaft d e r N a t i v n e n zu legen. Den Rahmen ftlr eine neue Welt dürfe man nicht vorschnell ft stiegen wollen. Die Grundlagen für die Kftftllschaft der ddrtionen ivürden e r st nach einer völligen Niederlage Deutschlands erkennbar sein.
Englische Einwendnnaen gegen den deutschen Kolonialbesitz.
London, 26. Sept. (W-TB.) Reuter. Tie Erhebungen, die an maßgebenden Stellen vorginromnierl warben sind, Mgen, daß diejenigen, die am ehejbm in der Lage sind, sich eine Meinung zu bilden, nicht im geringsten daran zwftfeln. daß Deutschland, wenn es seine Kolonien zurückbekänw. sie als Unterseebov,t>-Stationen verwenden würde, die eine Be- twolpurg für den Handel aller ^ättrvnen darstellen ivürden. In diesem Zusammenhang Nnrd daran «iimcrr, daß der deutsche.üviür beim Ausbruch de-? Sieges als Preis der englische:! Neutralität g«*


