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die logische Enttvickkuny der Bicmblkuina im BW Ta%t nichts zu 'wün­schen ül'ttg. Ter Fllm schildert den Kampf zwischen Mr. Wu.dem Vertreter der alteitt^sessenen, nationalstolzen ersten chinesischen Kaste, und dem Haupte einer mächtigen englischen Handelsfirma. Im dem Kampf, der veranlagt wurde durch das Liebesverhältnis des Sohnes des englischen K>ruff?errn zu der Tochter des Chinesen, der selbst in seiner Jugend schwer durch eine Engländerin in seinerNattvnalehre getränkt wurde, unterliegt Mr. Bu nird.fällt seiner RaäMer zum Opfer. Ter Film will zeigen, wie kein Gefühl imstande ist, den Rasseminterschied auszugleich-en. Gleichzeitig zwingt rms dos Schauspiel, wenn auch« unter Schaudern, doch eine gewisse Achtung ab vor dem Stolz und der Bestimmthttt. mit welckwr der Angehörige einer WeltoiM)autrng, die uns ferne liegt, für seine verletzte Fmniliew- und Nattvnalehre eintritt. Ter Besuch des eindrucksvollen Fllnuverks Hann nur empfohlen werden. Nähe­res über Beginn der Vorstellungen ustp. im Anzeigenteil.

Kreis Büdingen.

A Sto ckheim, 10. Sept. .Hier fand unter dem Vorsitz des Gvoßh. .Kreisschulinspektovs Schulrat Baldauf eine Kreislehrer Konferenz statt. Die sehr umfangreiche Tagesordnung umfaßte die statistischen Erhcbuirgen über die im Kreise ausgenomwencn Stadt­kinder, die Vorbereitungen für ^die 9. Kriegsanleihe, Bücherbe- spvechungen und Schundliteratur, die >Einwirkung der Sommerzeit auf den Schul betrieb und das Sammekwesen der Schulen. Eine eingehende Aussprache über die Müßnahmon gegen die Verwahr­losung der Jugend und die lleberhandnahme der ungerechtfertigten Versäumnisse bildete den Schluß der zeitgemäßen Verhandlungen. Kreis Frledberg.

= Friedberg, 10. Sept. Obwohl die diesjährige Obsternte nur ein Viertel der vorjährigen erbringt, überstieg ihr Erlös bei! der jetzt erfolgten Versteigerung den 1917er ganz erheblich. Tie' Gesamteinnahmen betragen 23 000 Mark. Ter Zudrang des Publi kums zu den Versteigerrurgcn war außerordentlich stark: in ent sprechenden Höhen bewegten sich die Angebote. So erzielte ein Schafsnasenbaum mehr als 200 Mark.

Fc. N ie d e r -E rl enba ch, 10. Sept. Ein ehrlicher Dieb! Tiefer Tage kam auf der hiesigen Bürgermeisterei ein Brief an, der beim Oefsnen einen 20-Mark-Schein enthielt: beim näheren! Zusehen kam noch ein Fünfmarkschein zum Vorschein, außerdem ein Brief ohne Unterschrift, in dem der unbekannte Schreiber mit- tellte, daß er dieser Tage in Nieder-Erlenb ach gewesen sei, um Aepsel zu kaufen, aber keine erhalten habe. Auf dem Heimweg habet er sich Aepsel von den Bäumen gepflückt und im Rucksack heim- getragen. Beim Wiegen batten sich 40 Pfund ergeben. Für diese und zugleich als Strafe für den Felddiebstahl sende er 25 Mark, bie er dem Beschädigten auszuhändigen und den Rest für Ge- meindezwecke zu verwenden bitte.

Starkenburg und Meinhessen.

I T arm stad t, 10. Sept. Auf Einladung des Gustavt-Adolf- Vereins sprach gestern übend in der Atadtlirche Oberpfarrer Keller-Riga über das Ballenland, seine Leidenszeit rmd seine Erlösung. Ter Vertrag, der von dem Geiste einer durch die härtesten Prüfungen nicht .zu erschütternden Zuversicht getragen war, mochte auf die Zuhörer tiefsten Eindruck.

= Aus dem vorderen Odenwald, 8. Sept. Ein heil­sames Abschreckungsmittel gegen Felddiebe und solche, die es wer­den wollen, wenden zahlreiche Gemeinden des vorderen Odenwaldes an. Rücksichtslos wird der Name eines jeden ertappten Obst- bzw. Felddiebes durch die Ortsschelle der Einwohnerschaft bekannt-« gegeben, eine Methode, die sich bisher als durchaus brauchbar er­wiesen hat, zumal ein durch die Ortsschelle gebrandmarkter Torf­genossen mit Argusaugen bewacht wird, er mag seine Schritte lenken, wohin er will.

Hessen-Nassau.

KP. Frankfurt a. M., 10. Sept. Gestern mittag fand in der Trauettkavelle des Hauptfriedhofs die Trauertei er für Profes­sor Theobald Ziegler statt. Vom Magistrat waren Stadtrat Tr. Hitler und Professor Tr. Ziehen anwesend, außerdem war die Stadt noch durch Herrn Stadtschulrat Lungen vertreten. Außer­ordentlich groß war die Beteiligung der städtischen Schulen, zahl­reiche Direktoren und ReM-)ven, Abordnungen des Wöhler-Real- Gymnosiums, an welchier Anstalt Professor Ziegler nach Kriegsaus­bruch unterrichtet hatte, waren zur Trvuersner erschienen. Nachdem der Sängerchor des L^hrervereins die Feier eingeleitet, würdigte Professor Eicker von der llniversität Straßburg die Verdienste des Kosten Toten. Im Auftvag des WoUer-Real-Gymnasiums und des P rovienzial sichülkollegiums -sprach Direktor Dr. Liermann Stadtrat Tr. Hiller sprach den Dank der Stadt aus. Zahlreiche Kränze legten Vereine und Schulen weder. -

= H ö ch st a. M., 10. Sept. In der verflossenen Nicht wurde das Uhren-und Goldwarengeschäft-von K. Herber, Hauptstraß;, von Einbrechern ausgeplündert, die u. a. mehr als 200 goldene und silberne Herren- und Damenuhren, 220230 goldene Ringe, 112 Trauringe,und 90 Ketten erbeuteten. Der Wert der erbeuteten Waren, von denen die meisten Uhren die BezeichnungUnion"' tragen, beläuft sich auf mehr als 20 000 Märk. Der Einbruch geschah zwischen, 2 und 3 Uhr nachts. Auf die Ermittlung der Diebe lGv foie Wiedererlangung der gestohlenen Waren hat man eine hohe Belohnung ausgesetzt.

, H ö ch sta. M., 10. Sept. Mit gefälschten Papieren operierte

hier der Ingenieur Wilhelm Se y ffert h und fand damit eine Anzahl Opfer, die er um erhebliche Suntmen beschwindelte. Als er in Ludwigshafen ebenfalls mit gefälschten Papieren der Farb­werke Tarlehnsschwindeleien treiben wollte, kam ihm die Polizei! auf die Spur. Seyfferch wurde jetzt in Zuffenhausen verhaftet.

js Marburg, 10. Sept. In einem mitten in der Stadt ge­legenen Modewarenh.rus wurde in der Nack-.' p,m Sonnabend zum Sonstig ein großer Einbruchediebstahl verüb. D.r von auswärts gekommenen, aus fünf Personen bestehenden Tiebsgesellschaft fielers eine große Menge feiner und feinster Tamengarderoben, nament­lich seidene Kleider, Blusen, Röcke, Pelze, Hutfedern ufw. in die Hände. _ Der Polizei, hie sofort in .Kenntnis gesetzt wurde, gelang es in den Miorgenstmvden, zjivei der Einbrecher, die für mehrere 1000 Mk. Waren bei sich hatten, ststzu nehmen.

Kassel, 10'. Sept. Bei einer volizellichn Streife dnrch die non Wilderern stark heftngesuichitcm pr eußisch-lippischeu Grenzwäl- der stieß am Somrtag 9lbend der Polizttdiairer Giebe aus Schucken-

chck erneu WWever der chin sofort durch einen Schuß in den Hals tötete Ter Tater könnt-; m. der Dunkelhnt entkommen, ob­wohl die zahlrerckZm Berufs,genosien des Giebe sich sofort zu seiner Verso gung -aufmmhchen Am Tatort wurde ein Mllitärgewchr, Modell 88, gefunden. Montag abend verhaftete die Gendarm nie m Bexten ernen Monn, gegen den starke Bewachtst, ründe vor l regen.

Gerichtrfaal.

. l D«rmftadt. 10. Sept. Die.FettensttafkamNvr verurttllle

Sckuhmachergchrlfen G^rg Henrrrch Müller, Georg Ich. Ravensberger und Georg Mrl. Werner inoch jugendlich) vm ^reittckienhain wegen verschiedener Einbrüche den M' zu 1 Jahr 3 Monaten, den R. M 8 Monaten und den W. zu 3 Wochen^G'- sängnis. Ter 18jährige Arbeiter Peter Wilh. Schulz von Osfenbach stahl seiner früheren Hauslvirttn 1270 Mark in bar vowie 1 Paar Stiefel und verjubelte die Beute iir liederlicher 'Gesellschaft. Ms Strafe erhielt er 1 Jahr 6 Monate Gefängnis Drei l 8jährige Belgier in Kelsterbach erhielten wegen Dieb­stahls 2 Monate, ein vierter ,wegen Hehlerei 1 Monat Gefängnis Tie Beruffrng des Zahntechnikers Karl Bastian, der wegen Erpressungsversuchs gegen seinen Prinzipal zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden war, wurde verworfen.

Grinst ririd Wesse,ifcbaft.

** Darm sta dt, 9. Sept.Ritter Blaubart", die neüe Oper von E. N. von Reznicek (Textbuch von Herber^Enlenburg), ist von Großherzoglicher Hofbühne zur alleinigen Uraufführung erworben worden.

mr. Frankfurt a. M.. 10. Sept Fm' Schauspielhrus fand Montag abend ein Strindbergabend statt. Zur Erstaufführung gelangten die beiden EinakterMutterliebe" und^Das Baud" während man die KomödieMit dem Feuer spielen" neu ein- sttidiert hatte. Diese Einakter wirken nur durch ihren blendenden Aufbau und die verblüffende Technik. Im übrigen sind sie durch und durch vom Wesen des schwedischen Dichters getränkt. Voll von Pessimismus gegen alles, was mit dem Weibe, mit Liebe, Idealen und Ehrenmoral zusammenhängt, eine Weltverneinung, ja oft eine zynische Niedrigkeit macht sich in ihnen breit, die schier grotesk anmuten könnte, wenn es anscheinend dem Tichter nicht so bitter­ernst wäre. Besonders das zweite StückDas Band" stellt ein Ebe- bruchsdrama von scheußlicher Widerwärttgkeit und brutaler Offen­heit auf di; Bühne. Hier erstritten Carl Ebert und Maria Karsten in der Hauptsache den Erfolg. Im ersten Stück waren es die Tam<n Bvod, Einzig, Hartmann und Müller, die für den Beifall danken konnten. Tie Komödie wurde nur geteilt auf-^ genommen, es machte sich leblnftes Zischen bemerkbar, über­haupt blieben die Zuschauer merklich kühl.

Briefkasten Ser UeSaktkon.

m. h. noo. Wir weisen wiederholt darauf hin. daß wir nichE befngt sind, über militärische oder milüärärztliche Angelegen­heiten Auskunft zu erteilen.

vermischter.

ch. Von der Mosel, st0. Sept. Auf dem Bähnhof in Carden (Mosel) langte am 28. August ein Eisenbahnwagen vom westlichen Kriegssthauplatz an, der nach Ausweis des Frachtbriefes 1500 leere Weinflaschen enthalten sollte. Tatsächlich war der Inhalt ein anderer, denn er lvstaard aus 30 Kisten mit je 50 Flaschet deutschem Kognak, verschiedenen Kisten mit Fleischkonserven, neuen Säcken, Seife. Bindfaden lFriedensware) und anderen schönen Dingen. Ein Soldat Pommern a. d. Mosel sollte die Sachen erhalten. Tie mit der Entladung beschäfttgteftVettrauten" woll- tten ihre Arbeit nicht trocken ivotlziehen und führten sich eine Flasche Kognak zu Gemüte. ,Da sie dabei zwei Arbeiter des Bahnhofs mitgenießen ließen, kam! die Geschichte heraus, denn die >Eisanbahn-er waren nicht mehralkoholfest" und vermochten ihrem Dienst nicht Mehr nachzukomMen. Es erfolgte die Beschlag­nahme des schon entladenen 'Gutes. Uutersuchmrg ist eingeleitet.

* A scha f fe n b u r g, 10. Sept. 9luf dem Bahnhof Asck-affen- burg wurde am letzten Freitag ein Eisenbahwwaggon mit Gerste im Werte von.15 000 Mark beschlagnahmt, der für ein größeres industrielles Werk in Höchst a. M. bestimmt gewesen sein soll, als Deckmantel aber die Adresse eines Höchster Fuhrgeschästs trug. Ein Aschpffenburger Polizeibeamter reiste zur Feschelhing des Empfängers nach Höcknst, mußte hier aber erfahren, daß kein größeres Werk in HöckLt sich zu erinnern weiß, irgendwo im weiten Bayernlande jemals eine Ladung Gerste bestellt zu haben. Auch dem Fuhrgeschäft ist von der Gerstesenduarg nicht das Geringste be­kannt. Tie baprischm Behörden stehen vor einemRätsel" und wissen nun nicht, was sie mit derherrenlosen" Gerste an­fangen sollen.

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* Hamelner Ratten^ängergeld. Tie Stadt Hameln hat dieser Tage künstlerisch hochbedeutsames Kriegsgeld in den Berkshr gebracht, zu dem der Entwurf von dem Maler und Graphiker Ludwig Enders (München-Tarmstadt) stammt. Die Vorderseite des 50-Pfeümig-Schnnes zeigt drei Ovale, das mittlere mit der AufschriftGut für 50 Pfennig", die beiden äußeren von dem mittleren durch Sckiwerter gettennt, die Wertziffern und darauf als Symbol der Stadt ein Rattenvärchni. Tie Rückseite zeigt den Rattenfäugerzug und als Umschrift den Spruch:Anno 1284. Um Tage Johannis et Pauli war der 25. Iunii dvrch einen Piper mit allertey Farve bekledet Gewesen C XXX Kinder verladet binnen Hameln geboren to Kalvarie bi den Koppen verloren."

Letzte HadmcMctt.

Dev neueste Bericht der Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 11. Septemb. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauvlah.

Bei Abwelp- englischer Deilvorstöße südlich von Ypern und nördlich vom La Bassee-Kana! machten wir Gefangene.

SWlich der Straße PervnneEambrai führten er neute Angriffe der Englä:l)?r wiederum h'ittge., Kämpfen südlich von Gou'-aueonrt urrd Epchy. Ar. in-', nen Stellen erreichte der Feiunsere vorderen Linie.. In?. Gegenstoß schlugen mir ihn zurück-. 3W s^efangene blirüen m unserer Hand. Teilangrisi' der Franzosen beiderseits der Straße HamSt. Quentin, di> itöerrachend und durch . r ttllerrevorbereitung erfoßpeu, wurden abgewiesen. Oertlin^ Kämpfe tnördllch der Ailetle, Wi chen Ailette und Aicie steigerten sich nach Artillerieseucr am Nachmittage wiede'' y Swßer Heftigkeit; am Abend brach der Feind zu starkm An­griffen vor. Sie scheiterten vor unseren Linien.

Der Erste Generalguartiermeister Luden darf f.

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Eisenbahnunglück bei Schneidemühk.

Schneide mühl, 11. Sept. lWTB. Amtlich.) Gestern früh 4.55 Uhr dicht bei Blockstelle Blöttke kurz vor oem Bahnhöfe ^AIEidemühl cmi Kilometer 2,4 der Strecke BrombergSäureide- müln ist der Kinder-Sonderzug 2244 M.-Gladbach infolge' tle'^i * fahrens des Haltesignals auf den Schluß des Güterzuges 7522 au!- fahren. Der erste Wagen des Kinder-Sonderzug es wurde in dev Packwagen hineingeschoben und bis aus vier Abteile zerttümmeri Vom Guterzuge ünd^ acht Wagen beschädigt oder zertrümmert. Ö^e< ker Schlußschaffner des Güterzuges, ein Mann w.d

KlUdn. Verletzt sind eine Frau und 15 Kinder leicht und zwei Kruder schwer. Die Schuldfrage ist noch ungelöst.

Die Erfassung der Kartoffelernte.

Berlin, 10. Sept. Der soz-ialdemockratischc P a r t e t ö 0 t ft a n b und die Generalkommission der Ge­werkschaften Deutschlands haben an den Reichskanz­ler eine Den kschri f t über das Ernährungswesen gericü- tet, in der sie auf die steigenden Schwierigkeiten der Lebens­mittelversorgung und di^ dadurch hervorgerufenen O^esahren für die Volksgesundheit und die Stimmung der Bevölkerung Hinweisen und in der sie ferner eine Erhöhnrrg der Kartoffel- ration von 7 auf 10 Pfund als drirrgend beFeichrren. Schon rm vorigen Jahre sei die gleiche Fordernrrg gestellt, aber mit Rücksicht auf angebliche Transportschwierigkeiben abgelehnt worden. Jetzt werde der gleiche Einwand erhoben. Die Denb- schrrft führt dem gegenüber aus:

^ ',Jm Volke ruft diese Anküudigung neue Erregung hervor, zollte seine Erbttterung sich in Fornren entladen, die wir nicht münscheu, so trifft die ganze Schwere der Schrild allein die ver- antu>ortlickien Stellen des Meick^s. Tie Erfahrung hat gezeigt, daß rm verflossenen Jahr die Bevölkerung mit der Ratton von treben Pftrnd ^Kartoffeln nicht auskomMen konnte. Wer es eb«r konnte, hat sich darüber^ hinaus selbst mtt Kartoffeln verform Dre Tvanspottschwiettgkerten des Kriegsernährungsamtes schufen eine glänzende Konjunktur für 'den Schleichhandel, der die Schwie- ttgkeiten spielend übr-rivandt. ;So zlwangen organrsatottsche Un- fählgkeit oder mangelnder Wille das darbende Volk, 20 bis 30 Mark für den Zentner Kartoffeln zu zahlen. Die Eisenbahn be- förderte Tag für Tag Hunderttausende, die Kartoffeln in geringen Merrgen in die Stadt brachten. Die Folge also war gefdeici-n'tg Belastung der öffentlichen Transportnlittet mnd unwirtschaftliche Art der Zuführung^ von Lebensmitteln. Eine reichlichere Be­lieferung mit Kartoffeln wirkt idem Schleichhandel erfolgreich ent­gegen. Was drakonische Strafbestimmungen niemals erzielen können, würde durch sie errttcht. Die Beibttiattung der Kattoffefratiott von 7 Pfund inuß die Bwvlkernng als Begünstigung des Schleich« Handels enipffuden. Wir Müsseir daher Eure Erzellenz aufs dttn- gendstc ersuchen, zu veranlasseu, daß altes geschieht, damit die gesamte Kartoffelerute von der öffeutlicheu Bewirtschastuug er faßt, .durch geeignete^ Maßnahmen die vorharrdenen Transport " schwiettgkeiten betnälttgt mvd eine.wesentliche Erhöhung der Kar- tofselvatton befriedigend durchgeführt wird." -

Aus der Ukraine.

Kiew, 8. Sept. WTB. Nichtamtlich) NachKiewskaja Mysl" überreichte Senator S chel u chia dem Ministerpräsidenten eine Denkschrift über die Notwendigkeit der kategorischen Proklw mierung des Ukrainischen als Reichssprache. Keinerltt Abw-eichungen sollten im ukrainff'ch'n Staat zulässig sein. Auch das Haüptkomitee der 'svzialsöderalistischen Partei erklärt, daß in der Ukraine nur die Reich^sprache, das Ukrainische, existieren könne. ^

Finanzminister Ez-epetzki machte nach derNydrodAhrmja" den Pressevettvetern folgende Mitteilung aiber Finanzfragen:

Tie Wiederhorstellung des Baukapparates in Form von Recch - bank und Pttvatbanken werde ersttebt, um das Wirtschaftsleben regeln zu können. Das Budget sei noch nicht aufgesteltt. Ein T-efiztt sei nicht zu venneiden. Es müsse durch Anleihen gedeckt werden. Eine hohe Bewettung der Valuta im Anschlus

an die große WittschaftskrAft der Ukraine sei zu erwarten. Gegar Jahresende werde eine eiferte Valuta gel'chafsen sein. Tie Depo­siten der Pttvatbmiken feiw seit dem 1. 6. um .200 Vttllionen Karowanzen gestiegen.

Amtlicher Teil.

Betr.: Sammelwesen.

An bie Herren Leiter der Ortsfammelstellen.

Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Laub­heusammlung bis zum 15. September l. I. fvttgesetzt werden soll.

Das gesammelte Frauenhaar bitten wir bei Herrn Kaufmann Wilko-Gießen iSeltersweg 79) binnen 8 Tagen abzuliesern.

Ferner wird <^ebeten, .genaue Ttttteilungen über die gesammel­ten Mengeir an Teekräutern und ArzneipflanKen hierher gelangen zu lassen.

Gießen, den 4. -^pltember 1918.

Für den Kreissammelausschußtt Tr. Alles.

DieKose von 5tambul".

ImBerliner Tageblatt" perösfentlicht Exzellenz M. Mje- lal;cher um die Hebung des türkischen Unterrichtswesens und der türkisck)en Landwirtschaft so verdiente Staatsmann, der seit einigen L-aa^n in Berlin roeilt und kürzlich Gclegeu.heit hatte, einer Auf­führung der3it»se von Stambul" bieizuwohnen, seine Eindrücke recht lehrreicher launiger Weise. Er schreibt u .a.: f Tausende von Deutschen reifen Jahr für Jahr nach der Türkei und lernen sie in allen Teilen, mft allen ihren Rassen, Glauben ttnv -Lltlen kennen. Viel.' Deutsche lernen sogar Türkisch und Arobisct, und schreiben Artikel, Broschüren und dicke, gelehrte Bucker über meine Heinutt, luxe sie lvirklich ist. Und dennoch kennt daS große deutsche Volk in seiner Gesamtheft kerne andere Türkei, als die der lMI Nacht, wo der Schleier ewig hüllt, wo die Sklaveu zu deri tägticli-eu Gebrauchsgegenständeir gehören, wo die vollbusige Odallste üppig schlummert uud wo jeder Türke, der sich rekpekttert, seinen reichbevölkerten Harem hat. Ja, der Harens. . .

(Hewiß, eine derartige Türkei gibt es, und Hunderttcurscnde von deutschen haben ne auch schon ein oder mehrere Male gesehen, es nt bie Türkei derRose voic Stambul" Gott beioahre mich davor, hier irgend jemanden, dem KomvEistcu Dichter, Regisseur oder sonst jemandem zu nak-c zu treten, und' was die Berliner Darstellerin der lveiblrckieu Hauptrolle angeht, so hat sie mich Erttzückt. Aber denkoch darf ich wohl sagen, daß ich es komisch und ein wenig traurig zugleich finde, lvenn heute den großen Mengen in Deuttckstanu immer rwch eine derartige Karikatur meiner Heimat vorgeführt werden kann. Ein wenig trauttg, sage rm. denn meiner Meinung nach lernt die große Masse durch erne einzige Vorführung derRvfe von Stambul" mehr Unsinn, als durch die ganze Lebensart eines die echte Türkei schildernden'Ge lebrtm widerlegt werden könnte.

'iincr Unmut häuft sich in derRose von Stambul" in gzttxrlttgen Mengen, und uw man zupackt, hat man chu auch sauste duk. La fmd zunächst die Namen der Mädchen. Line von ihnen

heißt z. B.Midlli", was bei uns ein Säugetier ist, mit dem vev- glichen r'u werden sich! jede junge Dame schönstens perbeten möchte. Ferner gibt es bineGuzela" oder eineDurtane", und beide Namen sind^bei uns ebenso unbekannt. Achnlbches gllt von den Kostiürnen. Sie entstammen ^türkischen Moden, die es nie gab, und sind sic halölpegs ochtt, barm sind sie mit einer anachronischen Kühnheit konrponiert, vor der mir bange wurde. Diese Maskeraden, die ich eine Zigarettenschachtetkunst nennen möchte, müssen um so auffallender 'wirken, als der schöne Achmed Bei, der Held des Stückes, eine vollem men moderne türkisckL Uniform und euren Frack neuester, peftllichster Mode ttägt.

Ter Stadtteil Pera .in Konstanttnopel wird als Sommer­aufenthalt bezeichnet. In ganz Koustanttnopch ist es im Sommer heiß, ja brennend, nirgends aber brennender, als in Pera mit seinen viel stückigen Mietskasernen, seinen unbarmherzigen Stein- und Asphallp^aster, seinen engen, stickigen Gäßchen, und seinen staubigen, grau amen Plätzen. Wer nur kann, flüchtet im Sommer aus Pera auf die herrlichm Pttnzeninseln, an den Bosporus oder in die Umgebung von Theinpia, wo der Sommerpalast der deutschen BvtsckMft so smift 'und kW gebettet lie<ft.

Ich höre hier aus, nicht well ich mit dem abendfüllenden Un­sinn zu Ende bftr, sondern aus Rücksicht mif den Papiermangel. Tem^ Leser überlasse ich das Reck>erlei,-empel darüber, wieviele Teutfck-e dies durch dieRose von Stambul" hervorgezaubctte Märchen von der Türkei schon für Wahrheit gehaltm haben wer­den ; hoffentlich Unei&cn auch viele Deutsche diesen Artikel lesen.

x p. p.

ImParis Midi" lesen wir folgende kleine Geschichte: Ter Kommandant eines Rekrutendepots in Frankreich erhält ein Telegramm: Sofort Zahl der dott vorhandenen I. P. P. mit Na­men angeben. Ter Befehl wird an die einzelnen Kompagnie^ wellergegebeu, aber nienicuch weiß, was I. P. P. bedeuten soll. So legt schließlich der Feldwebel, der das Schreiben zu erledige«)

hat, die Akten beiseite. Als der Oberst nichts bekommt, erkundigt er sich:

Wo bleibt die Aufstellung der J.P. P. mit Namen?"

Ter Adjutant schilt auf die Landsamkeit der Kompagnieführer Sie werden ettnnett. Sie wenden sich an thre Feldwebel. Der Feldwebel wird immer nachdenklicher: irgend etwas muß doch geschehen. Er bespricht sich mit seinen Schreibern:

Was ist I. P. P. ? >^st einer von euch I. P. P. ?"

Keiirer wlll es sein, 'schließlich!, weil doch rrgendeftre Antwort gegeben werden muß, sckweibt der Feldwebel die lliameu eines Korperals und zweier Landsturmleute auf und meldet sie erb' I. P. P. T-er Hauptmann w^mdert sich, daß der kräftige Korporal Bl. ein I. P. P. ist, aber macht sich weiter keine Gedanken dar­über. Tie Feldwebel bespreckWu sich lintereimmber, und fcfjl feft- lich kommt von jeder Komfttnie die Meldung über einige I. P P wobei der Oberst sehr ernaimt ist. daß die aus den größten ^ttüp- peln zusammengesetzte Kompame am wenigfden I. P. P. melde: Aler der Bericht geht ab und die Sache scheint in Ordnung

Ta, nach einigen Tagen kommt wieder ein Telegramm -

Tie Aufstellung über I. P. P. ist unverständlich. D:e mit- geteilten Listen enthielten die Angabe von Soldaten, aus'att von tragenden Sttutcn (Jumertts presumöes pleines), die laut Reskript von: . . . sestgestellt weichen sollten."

T er Obers, gerät in größte Wirt. Der Zldjutant wird gerufen -

Was^haben Sie mir da zur- Untcrschttst hingelegt? Ich f 0 jj tragende Stuten melden und Sie lassen mich über Soldaten iw richten?

Ter Adjutant seinerseits hält sich an die Kvmpaniefübrer die Kompanieführer schnauzeu ihre Feldtvebel an:

Ihr seid mir schöne, die Jlrr noch nickZt mal einen Soldaten von einer trügenden Stute nnteincheiden könnt! Sosott wird mir das berichtigt!"

Ten nächsten Tag meldet dann auch jede KomplNrie vslicht- schuldigsl, daß keine tragenden Sttrten vorhanpy; sind, derur sie gehörtcir alle der Infanterie an . . .