Nr. 201 Swettes Blatt
Gleße ner Anzei g er (GenerabAnzeiger für Dderheffen) Mittwoch, 28. August \9\S
ALLS 5ioöt und
Gießen, den 28. August 1918.
Der -eldmäßige Anbau der Zwiebeln.
Die .'f&ktiatsnÄEbd ist letzt im Kriege sehr gesckMt und gesucht weil dee ZvTrebettunke uns jo manches fleischlose Bericht schmackhaft nmä. Der feldmäßigr yistfxtu der Zwiebeln wird in manchen Gegenden Dautsthllands seit Jahrzehnten in größerem Umfange betrieben. das Angebot jattu*ridii aber, be, anders in der jetzigen Kriegszeit, kvmeswvgs der Nacllsvage und dem Bedarf Obwohl bei den hohen 'Preisen der ZwiebeLn der 2linban recht lohnend ist hört man oft sagen, daß Klima und Boden irr dieser nnd ,ener Gegend für den Zwiebelbau rurgeeignet seien, und doch ist die Zwiebel recht genüg-sam in ffjrern Ansprnchi aus Boden und auch aus Düngung: sie «erlangt allerdings eine sorgfältige Bearbeitung des Bodens. Zur erfolg reich?n Kultur der Zwiebel muß der Acker bereits im Herbste gepflügt rverden. Aus keinen Fall soll die Zwiebel in irische Düngung gebracht tverden. Bor der Aussaat muß der Bvdsi bmrch Bearbeitung mit der Egge und der Walze zur Aufnahme des Santens bei tt-vckenem Wetter gut vor- beverbet werden 'Beim .Feldernebelbau geschieht die Aussaat im März oder April mit der Drillmasckmre ber 30—40 Zentimeter Nachen breite Wenn die jungen Pftanzen einige Zentimeter hoch 'ind, brerden sve behackt nrch später so vWdünnt, daß sie irr der Reihe einen Abstand von 5—6 Zentimeter erhalten Auf leere Stellen Pflanzt man ber feuchtem Wetter die Setzlinge. die sich beim Verziehen ergeben Rach dem Merten Belwcken. das bald baraut lmbedingt erforderlich ist, gibt man eine schwach? Gabe von Chili- lalpeter mrd schwefelsaurem Kalisalz. Diese Kovidnirgung ist aber nur rm ersten Stadium der Entwicklung in reichen Eine Beivässe- rung ist nicht erforderlich, ebenso auch' kein Knicken oder llm = treten ber <AeswtfL Man lasse ohne jede nwitere Operation die Zwiebeln völlig reifen, was dann der Fall ist, wenn das Kraul abgehoben ist Die Zwiebeln werden dann mit der Hand oder mit einLr -Hacke aus der Erde genommen und am Schwaden gelegt, wo
J9—14 Tage liegen bleiben, um gehörig abzutrocknen. Wegen !U befürchtenden Didbstahls ftnrn dies fetzt nicht auf dem freien Acker geschehen, sondern rm Hausgarten oder in einem emgefriediig- ten Teil des Hvfts. .Ein vorsichtiges Wenden mit dein Holz- rechen beschleunigt das Abtrocknen. Run kann inan die Zwiebeln mit dem Kraul zu Zöpfen fbeckOen oder mich das .Kraut abschneiden, bann hebt man sie in einem luftigen, frostfreien Raume in einer 9age von 15—20 Zentimettn Höhe ans. Bei stärkerem Froste !'* *?• db^ken mit Stroh nötig. Bei einiger Borsicht bringt man tte leicht durch den Winter, sie müssen nur öfters revidiert und etwas ange faulte entfernt werden. Die geeignetsten Sorten für die gooüetf Kultur send die Zittauer Riesen und die Branns-chiweiger. Zn den letzten 10 Jahren haben sich arch die südlichen Sorten bewährt und akklimatisiert Die „Portugiesische DeVateß" imd Queen frühe werße^" werden schon im Juli reif mft) sind sehr sem und angenehm Andere grcke Sorten sind: Mädaire, Tripoli. die Neavolitamsche. weiße Spmnsche: Mammuth ist eine der größten nrd zarleiten der plattrunden Zwiebeln. Im Interesse der Bersor- gima unserer Bevolkevung darf man wohl hoffen, daß auch in un'ever Gegmch die Landwirte in größerer Zahl und in größerem Maße sich den, Zwvebelban zu wenden oder dock wenigstes einen Versuch damit machen. Wir sind überzeugt, daß dann manche, für rmmer den feldmäßchen Anbau der Zwiebeln weiter fortsetzen wird; chkmw sollte man aber auch den Lauch wenigstens im Garten, in äußerer Menge zum Aeröaui anpflanMr, wie es setzt schon mit dem Sellerie geschieht. Gr
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** Ausgabe von Süßstoff (Saccharin). In der ;Zerr vvm 26 August bis 15. September 1918 wird in den Landgemerndcn des Kreises gegen die Lieferung sab-, schnitte 18 und 19 der Süßstoffkarten „H" iblmt) und gegen d,e L i e fe r u n g s ab schn i t te 3 und 4 der -Snßstoffkarten . Z" gelb) von den Sußstoffabgabestellen Süßstoff abgegeben. Es gelangen auf Abschnitt 18 urrd 19 je ein Briefchen bzw. 3 und 4 je e ine Schachtel zur Ausgabe. Mit dem 15. September verlieren die dlbschnitte 18 und 19 bzw. 3 und 4 ihre Gültigkeit Rach diesen, Zeitpimkt Trübt abgerufene Süßstoffmengen dürfen von den 2lbgabestellen frei verkauft werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
K P M ainz, 27. Aug Eine Frau ans Laubenheim wurde von ei^em Insekt am Arme gestochen. Die Frau beachtete die Wunde anfangs nicht. Nachdem aber der Arm sehr anschwoll, Prcbde die Frau das hiesige Krankenhaus aus, wo eine starke Blutvergiftung festgestellt wurde.
ch. Vom M i t t e l r h e i n , 26. Aug. Der Schiffahrtsbetrieb aus dem^Rhein war in -der letzten Zeit noch immer rege. Fortgesetzt fuhren Schleppzuge berg- und talwärts. Zwar niachte sich dep Rebe! als Hindernis in der vergangenen Woche stärker als sonst geltend und brachte Verspätungen von manchmal längerer Dauer für, die Schisse mit sich, doch) war der Vermehr an sich deshalb doch äutzerit bemerkenswert. Die Kähne loerden freilich entsprechen o dem zurückgehenden Wasserstand beladen.
Letzte Nachrichten.
Ser neneste Bericht der Heeresleitung.
(VTB.) Großes Hauptquartier. 28. August (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Generaloberst v. B o e h n.
Bei Langemark und nördlich der Lys wurden feindlich» Leilangriffe abgewiefen.
Die Armee des Generals von Below (Otto) stand gestern wiederum in schweren Karnpf Der Schwerpuntt der eng- l.fchen Angriffe lag südlich der Scarp?. Durch Massmeinsatz an Panzerwagen englischer und kanadischer Infanterie suchte der Feind beiderseits der Heeresstraßc Arras—Eambrai erneut den Durchbruch zu erzwingen.
Unsere in der ^inic Pelves östlich non Monchy- roiselles kämpscnden Truppen — pommersche, westpreußische, Hessen nassauische nnd elsässische Regimenter — haben den mit gewaltiger Uebcrmacht an Menschen und Material am frühen Morgen gesnhrten Stoß des Feindes in erbittertem Kampf bis östlich von Prlves bei Bic-en-Artios und Croisilles ausgesangen. Im Verein mit württembergischen Bataillonen brachten sie am Nachmittage mit erneuter Mast in tiefen Gliedern an der Heeresstraßk vargetragene feindliche Angriffe zum Scheitern. Auch mchrsach wiederholte Aifftürme des Gegners gegen Boiry—Norre-Dame uno nordöstlich von Croiselles brachen zusammen.
Der Feind hat gestern schwere Verluste erlitten. Viele Panzerwagen wurden durch Geschütze und Minenseuer aus vorderster Linie vernichtet. Batterien des Restrve-Feldar- tillerie-Rcgiments Nr. 26 feuerten bei Vic. offen vor unserer Infanterie anffastrend, aus nächster Entfernung in die dichten Liilikn des Feindes. Der Kampf griff gegen Mittag auch auf das Nordnfer der Scarpe und nach Süden bis Rtorp über. Mehrmalige Angriffe des Feindes wurden hier abgnviefen.
Beiderseits von Baparnne blieb die Kraft der feindlichen Angrfffe gegen die Vortage zurück. Der Engländer, der beiderseits der Stadt überraschend und mit Artillerievorberei- lung. aber ohne Einsatz von Panzerwagen mehrfach vorftieß, wurde überall zurückgeMagen.
Nördlich der Somme snhrte der Engländer heftige Angriffe gegen unsere neuen Linien zwischen Flers und Curlu. Wir wiesen sie ab nnd nahmen Flers nnd Longueval, wo der Feind vorübergehend eindrang, im Gegenangriff wieder. Südlich der Somme scheiterten Teilvorstößc des Gegners.
Zwisten Somnve und Oise haben wir unsere Linien vom Feinde abgesetzt, die Trümmerfelder Chaulnes und Roye ihm somit kampflos überlassen. Durch unsere erfolgreiche Abwehr war der Gegmr seit dem 20. August zum Einstelten seiner Angriffe in dieser Fvont geMmrgen worden. Dadurch wurde die reibungslose Durchführung unserer Bewegungen eruwg- licht, die sich in den setzten Nächten vom Feinde völlig ungestört vollzogen.
Zwischen Oise und Aisne blieb die Gesechtstätigkeit auf kleinere Jnfanteriekämpfe beschränkt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Beste brachten mecklenburgische Grenadiere dank hartnäckigem Eiaschrnten ihres Führers, Oberleutnants Boelcke vom Grenadier-Regiment Nr. 89. einen Angriff der Amerikaner gegen Bazevhes zum Scheitern. Badische Truppen erstürmtim Fisnatte im Beste-Tal. Bei beiden Unternehmungen erlitt der Amerikaner schwere Verluste und ließ mehr als 250 Gefangene in unserer Hand.
In den Argonnen wurden bei erfolgreichem Vorstoß Italiener gefangen.
Der Erste Geweralouarttermeister Ludendo rff.
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Neue U-Boot-Erfolge.
Berlin, 28 Aug (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet westlich Englands wurden durch unsere U-Boote 18 000 Brutto-Re- gister-Tonnen versenkt.
Der Ehef des Admiralsrabs der Warme.
Lenin über Deutschland.
Moskau, 28. $ 419 . „Prawda" veröffentlicht einen Brief Benins an die amerikanischen Älrbeittr, worin er sie auffordert, sich den Bestrebungen des mnerikanischen Imperialismus zu ividersctzen, uüd in dem er die PvWik ider Räcevegierung gegen den Vvrwurf verteidigt, sich in Mhängichkeft von Deutschlmid begeben zu haben.' In dem Briefe heißt es: Wjie auch .die anglo-ftanzösischen und amerikanischen Imperialisten uns verleumden mögen, so viele RdiUionen sie cutch auf die Preffe der rechten Soizialrevolutionäpej und der Menschewiki verwenden mögen, ich werde keine Seftmds schwanken, eine ebensolche Vereinbarung mit den Vertretern deZ deutschen Imperialismus einzugehen, für den Fall, daß das Vorgehen der anglo-sranzöffschen Truppen gegen Rußland dies verlangt. Und ich bin überzeugt, daß meine 'Taktik von dem' internationalen Proletariat grttgeheißen wird. Als Beispiel weist Lenin auf die Taktik der Amerikaner wahrend des Befreiungskrieges hin, wo sic bald die Engländer gegen die Franzosen und Spanier, bald mn- gekehrt ausspielten
Die Verluste der Kamidier.
Berlin, 28. Äug. Rach einer Meldung der „Deutschen :'eüung^' gibt die „Times" die GesanttverLuste der .Kanadier aus 100 000 Tot? und Invalide an.
Konferenzen in Wien über Polen.
Wien, 28. Aug. 'lauf Dem ,, 'icVuen Wiener Tag blot," iivrbat die Konferenzen über die polnisch Frage demnächst in Wien sorl- gesetzt werden. Außer den V.-r r. i n Pol^uo solle:, auch Reu1>-- kanzler Gras Hertliug u3,e.m-] fi' .av Hiutze ciatreffeit Dieser lwürde bei dieser Geleg-nrüt seinen An.rittsbesuck. in Wien machen.
Das Befinden der Kaiserin.
Schloß W i l h c l m s h ö h e bei Kas.-'i. 2: 'lug. WTB.
Mchtamtlich Aerztlicher Schlußberia,. Das Bejinden d^> üaiserür macht weitere, sehr erfreuliche Fortschritte. Die Krankhei:Erscheinungen sind zurüügcgangen. Es erübrigt nch daher die lerne re Herausgabe ärztlicher Berichte gej. Krauß. Förster.
Rücklehr des Reichskanzlers.
Berlin, 28. Aug Rcichslmizlc. Gras Hertling nnrd Don^ inerstag wieder nach der Reichs hau plstadi zurückkehren.^Herr von Payer löirfc seinerseits einen Eicholnngsurlaub nach Süddeutsch land antveten.
Berufung ChamberlaiuS im Prozeß gegen die Frankfurter
Zeitung.
Frankfurt a. M., 27. Aug. 'J.' 0 nuO Hiesigen Blättern zufolge hat im Prozeß der „Franffur r Zeit >ng" gegen Ehambev- lain Justiz rat 2r. Elaß. Mainz für fc;u Verurteilten Berufung gegen das schöffengerichtliche Urteil eingeletzt.
Amtlicher Teil«
Bekanntmachung.
Betr.s Die Ersparnis von Brennstoffen und^Belcuchtungsmitteln: hier: die Schilt,ßstunde in Gast-, Speise- und Schank- nnrtschaften. ^
Aus Grund der Bekanntmachung Stellvertreters des Reickiiskanzlers vom 11. Tezember 1916 sind gemäß Anordnung Großh-e^zoglichen Ri äffst eri ums deo Innern vom Mai^o. I. zu Nr. M. d. I. III. 12805 vom 1. September ab Gast-, Sveise- und Schankivirtschasten. Kaffees, Vereins- und Gesellschastsräum^ in denen Speisen oder Getränke verabreicht werden, in der Stadt Gießen um 1.1 Ulhr abends zu sMießen.
Wir machen die Interessenten daraus austnerksam, da;- Schutzmannschast beauftragt ist, diese Anordnung streng dutthzu-» führen.
Gießen, den 26. August 1918.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _ fpemnterbe. _
Bekanntmachung
über Erzeugerhöchstpreise tür Obst für das Großherzogtum Hessen.
Aus Grund des § 4 mrd 8 ^ der Verordnung über Gemüst, Obst mrd Südfrüchte vom 3. 9lpril 1917 >'Reichs-Gesetzbl. S. 307, wird bestimmt:
8 1. Der Preis je Pfund für die folgenden Obstsorten darf beim Verkauf durch den Erzeuger die nachstehenden Sätze nicht übersteigen:
1. Aepfel und Birueu.
Gruppe I: Tafelobst 1. Wahl 35 Ps.
Tafelobst sind alle gepflückten, nach ihrer Beschaffenheit tofort ober nach Ablagerung zum Rvhgenuß geeigneten Früchte unter Ausscheidung sämtlicher kleinen, verkrüppelten und beschädigten Früchte, mit Ausnahme von Edelobst
Gruppe II: Tafelobst 2. Wahl 25 Pf.
Tafelobst 2. Wahl ^gepflücktes Wirtschaftsobst) sind gepflückte, gut sortierte Aepfel, mittlerer Art und Güte. ^
Gruppe III: Wirtschaftsobst «Fall-, Most- und Schuttelobst 15 Pf.
WirtscdaftSobst ist alles Schüttel-, Most- und Fallobst, sowie das aus der Gruppe II ausgeschiedene Obst, soweit es iür die Herstellung von Marmelade, zum Kochen, Dörren und sonstige Zwecke geeignet ist.
2. Zwekschen.
Zwetschen, Hausprlaumen, Hauszwetschen, Musvslaumen, Bauernpflaumen, Thüringer Pflaumen, mit Ausnahme der Bremr- zwetfchen: 20 Pf.
Brennzwetfchen 10 Pf.
3. Speierlinge 50 Pf.
4. Quitten M Pf.
8 2. Für G-elobst (Aepfel und Birnen, wird kein Höchstvreis festgesetzt. Hierfür darf dem Erzeuger durch die Landesobsfftelle oder die von dieser bestimntten stellen ein nach der Güte unbZBer- werlbarkeft des Obstes zu bemessender höherer Preis als 35 Pf. bis zu 80 Pf., in besonderen AusTmhmefällen bis zu 100 Pf. gewährt werden.
Ms Edelobst kommt ausschließlich allerfeinstes, schon bisher in Srücksrüchtcn gchandelles Obst in Betracht, das vollkommen ausge- vildet, ohne Schönheitsfehler und ohne Beschädigungen, den anerkannt besten Sorten angehören, das für die betreffende Sorte gültige Mindestgewicht aufweisen und beim Versand so form alt i<* verpackt sein muß. daß emiegnte Einkunft gewährleistet ist.
8 3. Aus den Erzeugerpreis von Tafeläpfeln und Taselbirnen dürfen 2tufbewahrungSzuschlage berechnet ,verden, und zwar für röe Zeft
Ztr.
vom 16. Oktober bis 3ll Oktober 1918 3 Mk..
vom 1. November bis 15. November 1918 2 „
vom 16. November bis 30. November 1918 2 ,.
,rnd dann je Monat und Zentner 2 Mark mehr.
Für Wirtschaftsobst dürfen Aufbewahrungszuschläge nicht gewährt werden.
8 4. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Tarmstccht, den 22. August 1918. 6428D
Die Landesobststelle für das Großherzogtum Hessen Ter Vorsitzende: Dr. Wagner.
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Die neue französische Glaubensfahne.
Von unserem .Kriegs berichcherstatter.
Im Westen, August 1918.
In den letzten Kämpfen gegen die Franzosen sind mehrfach Fahnen erbeutet worden, die »uns früher nicht bekannt waren. Es find Heine, etwas über einen halben Meter im Geviert messende seidene Trikoloren, die aus der Vorderseite in Goldst.ick.erei ein Kreuz und die Uansichrift: „In hos frgno vrnoces" (In diesem Zs ich? n wirst Tn siegen-, -sowie die Angabe der .Kompanie zeigen. Aus der Rückseite ist da^ mit der Dornenkrone umwundene Herz ,Iesu eingestickt und die Umschrift: „Eveitt Sucre de Jesus - espoir :i lalut de la France/' Geheiligtes Herz Jesu, Hoffnung und Heit vou^Frankrcchch). Gefangene lstrbm ansgesagt, daß bei ihren eigenen Truppen und, soviel sie wüßten, auch bei den benach^- borten diese neue., .Kompaniefachncn überall eiugeführt worden seien. Au- dem Uinßande, daß w,r solche Fahnen in der Abwehrschlackst erbeutet haben, ist zu schließen, daß sie von .den betresseirden- Kompanien mit iit die vordne Lime genommen ivorden sind, was einigermaßen überrasch.. Denn der Krieg hat sich so entwickelt, daß die Erttfaltung obrer Fahne, außer bei einigen der wilden HllsS- röiker un'eri r seinde, längst außer Gebrauch gekommen ist. Unsere -. ■ uWru fuhren ihre RegimMtsfaluven im Felde wohl gar nicht nrchc mit. üiur im Anfänge des Krieges wurden bei einigen Ge- beim Sturme ,uich aller Sitte die Banner entrollt. §rwt?i ''ab man sic nur noch für feierliche Gelegenheiten hintep der Kflinpslinie bei den Generalkommmidos anfbetvahrt.
Mehr nock. überrascht die rein religiöse Ausstattung dieser n<u?n KompanicfohiV!, Sie sind auch nach den Gefangenen aus- sogen gut das Träng,m doi' Feldgeistlichen eingeiühtt worden, nnd das ist bezeichnend für die Wandlung der Geister, die der Krieg in Frankrci^d v--ran laßt hn. Im Miang? des Krieges somden lvir in ben - roterren sianzösisch.m 'lasernen und Stellungen noch überall anweiigiost Propagandaschriften und Syottlieder aus die Geist- Tann «ntipanm ,'ich e,n innerer 'Kamvs. Die GeMichen. von
denen viele nationalistisch gefilmt lsstnd, wurden beschuldigt, den Krieg mit verursacht zu haben. Sie drehten kampflustig deni Spieß um imd erklärten die schwere Heimsuchung Frankreichs als die Strafe Gottes für die Eombes'sche Kirchionschändung nnd den Klosterranb Damit macksten sie großen Eindruck. Ich- habe selbst einmal gehört, wie in (iambrai das Volk ries: „Das ist der Finger Gottes! Das ist die Sttase für den >divchenfrevel!" Druch feindliche Fliegerbomben war ein Hospital in Brand geraten, und deutsche Soldaten warfen die Bttten ans den Fenstern. Das Volk erinnerte sich/daß aus denselben Fenstern dieses ehemoligen Klosters die Gendarmen der Republik den Hausrat der vertriebeiren ddonnen geworfen hatten, ,md sah in dem seltsamen Zusanmienttessen den Finger Gottes. Diese Stimme wu-bs und wirrde so mächtig, daß die Regierung mit ihr rechnete und paktierte. Die Geistlichkeit erklärte dic MarnesckKicht für ein Wunder der Jungfrau von Orleans, und wenige Jahre, nachdem sie die Ordensle^ttc beraubt, in die Gefäugnissc geworfen und aus dem Lande vertrieben hatte, errichtete dieselbe dritte Republik der IungftM, von Orleans jenes Weihedcnkmäl, das sich aus die Waaiderschaft begeben mußte, als dncck, unseren neuen Vorstoß an die Marne der Zaubername des rettenden Flusses verblaßte. dLiemaks waren die Kirchen in Frankreich so besucht, wie seit dem Kriege. Ich den französischen Schützengräben fsind die religivnsfeindlrcheit Hetzschrift^ verschwunden. mrd an ihrer Stelle findet man in den Unterständen, das neue Testameitt so häitsig wie bei uns.
Langst hört mon <mcfj irichts mehr vom Kampfe der Regierung gegen die royalistifchv: Propaganda in der Armee, die mit der religiösen vielfach Hand in Hand geht, llnd doch arhefteir die Royalisten, die ihre Zeit für gekommen hatten und es nicht vergessen, daß die Republik mit nur einer Stimme Mehrheit eingeführt wurde, im Hsere sehr rege. Der Krieg inacht es nns schwer, die geistigen Sttömungen im frantzüsifichen Heer und Volk .zu erkennen, schwerer noch alS im Frieden, wo viLle bei uns 'Paris und seine Advokatenregierung für Frankreich» hielten, und bei der Beurteilung des anaebs-tzck körperlich dqflenerietten und geistig ver
fallenden französischen Volkes dessen starke altständche Kräfte über, sahen, ein Fehler, vor dem uns schon der alte Demokcitus-Weber und ncrck> ihm Theodor Fontane als .Kriegsberichterstatter 1870 eindringlich« gewarnt haben. Vielleicht erlebt die Welt an den Franzosen wieder einmal eine lleberraschuicg, nachdem der Krieg sie so gründliche ansgeritttelt hat. Die Tatsach.e, daß jetzt die Soldaten der kirch,enfeindlich.sten aller Republiken nrü der .üreuzes- und Glaubenssohne in den Krieg ziehen, ist jedenfalls schon eure lleberroschung, die man den Franzosen selbst vor 4 Jahren nicht hätte Voraussagen darren, ohne von ihnen laut ^nsgelach zu werden.
W. Sch e u e r m a n n, Kriegsberichterstatter.
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— Maler Friedrich Schwarting gefallen. In den Kämpfen im Westen ist.der bekannte .Archenmaler Friedrich Schwarting gefallen. Der Maler, an den sich große Erwartuna u knüpften, hat nur ein Alter von 35 Jahren erreich,. Aus dem Ol den burgischen gebürtig, kam er srüb zu Proseffor Hermann Schaper in .Hannover, der ihn als Schüler besonders schätzt? und zu seinen großen Mosaikarbeiten heranzog, u. a. in der Halle, der Kaiser-Wilhelni-Gedächtniskirche in Berlin. 'Rach Scbatvrs Tode 1914 übernahm Schnvarting nach-des Meisters Kartons nnd Farbenskizzen die Ausführung des 'IPandgeuMdes in der- St. 'Annenkapelle in Marienburg, iepes ergreifenden Gedächtnisbildes für die bei Dannenberg 1410 erschlagenen Ordensritter. Auch die Fertigstellung bev Bemalung in der Tentplerkapelle in Metz nach Schaperfchen Skizzen imd vor allenr die Mosaikeuossclnnückuna des mrteven Umgangs im Aachener Münster wurde Schwrirting übertragen. Er hat diese bedeittsamen Acbetten trefflich gelöst In der Folge fielen chm zahlreiche Aufträge zu, bei denen er. sein wachsendes Wmren bewies: dix 'Bemattmg der Kircke in Kadcnen, die Eirtmurfe für die Mofaikausschmückung der Ei ^n'er - kirche m Gerolstein, für den Ehorramn der (KnadeuSrche nnd ffir die neue evangelische Kirche in Rom.


