.wie mebertradjfifrn: Heuchelei versichere England, daß die Jitter- Zeirtwn auf die innere Eww-iclluug in Rußland nicht emttrirfcni solle, aber wohin die Enteittetruppen Vorrücken, da seien Vertrauen mänuer der Arbeiter hinNerichtet worden. Tie Sowjet- Fvgierung habe einen flammenden Llppcll an die Arbeiter der Weltmächte gerichtet. Die unabhängige Arbeiterpartei in England habe auch schon protestiert, mvch die französische Sozialdemokratie: einer Hoffnung auf Erfolg dürste mstn sich aber nicht hingeben.
DaS Baltikum.
Berlin, 20. Aug. Der „L. A." erfährt von gutunterrichl- iteter Seite, daß die Sow-etregierung nunmehr ihr Desinteresse-' Nrcnt am früheren russischen Baltikum erklärt hat.
Dongebiet und Ukraine.
Kiew, 18. Aug. (WTB.) „Kiewskaja Mysl" teilt mit, daß der Handelsminister des Tongebietes Vertretern der Presse gegen- tüber die wichtigsten Bedingrmgen des Vertrages zwischen dein Dongebiet und der Ukraine dargelegt hat. Danach wird die Grenze durch die letzte Verroaltimgsgrenze zwischen dem Dongebiet und den Gouvernements Iekaterinoslaw, Öfttrjoto und Wvronesctz destimmt. U:mbhäng:gteit rnrd Souveränität und das Recht ans Errichtung von Zollämtern wird gegenseitig anerkannt. Tie Ukrainer genießen im Tongebiet alle Rechte der nichtkosakischen Bevölkerung. Dieselben vollen Rechte genießen die Angehörigen des Don- vcbiets in der Ukraine. In kürzester Fürst sollen Verträge geschlossen werden über den Warenaustausch, über Zollfragen, die 'finanziellen Beziehungen, den .Eisenbahn-, Post-- und Telegraphenverkehr und die Einsetzung gemischter Kommissionen in der. Donez-Frage. Das Dongebiet soll die Bergwerke mit Lebensmitteln und Schmierölen, die Ukraine soll sie mit Holz, Metallen sind Sprengstoffen versorgen. ,
Das Kubangebiet,
Kiew, 18. Aug. (MDB.) Laut Mitteilung der Ukrainischen Telegraphen-Agentur tritt die Regierung des Kubangebietes an die Wiederherstellung von Handelsbeziehungen nnt der Ukraine heran. Das Kubangebiet könne Pflanz-enfette, Fett, Butter und Viehfutter liefern und brauche Eisen, Maschinen, Kohlen und Gewebe.
Die sieben Stanizen der Halbinsel Taman (Kubangebiet) forderten ihre Angliederung an die Ukraine.
Rußland und Japan.
Berlin, 20. Mg. Im Moskauer jKreml, dem Sitz der Sowjet- regierung. finden unter dem Vorsitz Lenins dauernd Beratungen statt, die sich mit der durch die japanische Intervention geschissenen «Lage befassen. Lenin hilt, wie dem „Berl. Lottlauz/' gemeldet -wird, an seinem Eittjchchrß, keinen Krieg zu führen, fest. In unterrichteten Kreisen wird jedoch angenominen, daß die Regierung durch den Gang der Ereignisse gezwungen, sein wird, an Japan den Krieg zu erklären. Tie Bevölkerung steht den neuen kriegerischen Verwicklungen feindselig gegenüber.
Japa".
Tokio, 18. 2lug. (WTB.) Reuter. Tie Opposition wirst der Regierung vor, daß sie die gegenwärtige Lage überstürze, und bereitet einen Feldzug gegen die Regierung vor.
Ein neuex Führer der sibirischen Tschecho-Slowaken.
Bern, 18. Mg. tWTB.) Laut „Petit Journal" ist der !frühere Direktor des Observatoriums auf den Mont Blaue, der ^tschechische Astronom Professor Stesanitsch. der bei Krieg-ausbruch .als Flieger in die französische Armee einrrar, zum Führer der .'Tschecho-Slowaken in Sibirien ernannt worden. Stesanitsch -verde sich runden allernächsten Tagen zur Uebernahme seines Postens nach &tfrinen begeben.
Aufteilung des rumänischen Bodens.
* .. dukarest, 18. Aug. WTB.) Wie „Lumina" meldet, hat der bei Arabische Agrara-usschi.ß folgende Beschlüsse gefaßt: Der gesamte rn Privatbesitz befindliche anbaufähige Boden wird enteignet. um an d-re arbeitende Bevölkerung Bessarabiens verteilt -zu werden. Tie vorhandenen Weingärten und Obstgärten verbleiben ihren Besitzern. Bei der Uebergabe der Grundstücke an die -arbettende Bevölkerung wird den früheren Besitzern das 'Recht 'bewilligt, den Boitenanleck zu behalten, der die für den anbaw fähigen Boden festgesteltte Kornmenge nicht übersteigt. Bei der Enteignung des ssftvmd und Bckeus wird auch das tote Inventar des Grundbesitzers enteignet werden, um der arbeiteitem: Bevölkerung oder der autonomen Lokalbchörde übergeben zu werden.
Die Dttjeftergrenze.
Bukarest, 18. Aug. (WTB.) Anläßlich« der feierlichen Einweihung der Dnsestrgrenze und des Zollanttö in 'Bender- richtete ?5inanzmiNister Leulescu an den Ministerpräsidenten Marghcko- man folgendes Telegramm: „Bender wir im Laufe der Jahrhunderte dre offene Pforte des Ostens nach dem Westen. Die Vorsehung behielt Ihnen die -Aufgabe vor. für ewige Zeiten das Tor ..von Bender gegen den Einfall asiatischer Wildheit mch llawpche^ Barbarei zu schließen. -Tank Ihren errichteir :oir heute dre Dnrestrgrenze als Grenze des zivilisierten Europa."
Kars, Ardahan und Batum.
.... Konstantinopel, 19. Aug. (WTB.) Das Ttmtsblatt ver- ossentlM einen an die drei wieder ungegliederten kaukasischen! Bezirke Aerrchteren Erlaß, in dem zunäckrit darauf hingewieseni wird, Vast dre Festungen Kars, Ardahan und Batum und das umlegende Otebiet, die seit der Regierung der Sultane Selim und sulemcm Kam allmählich der Türlei angegliedert warm, infolge des Krieges von 1878 als Elrsatz für eine .Kriegsentschädigun,/ -M' dre Hand deA Feindes/übergingen. Seit dieser Zeit habe das Kalifat, der Beschützer des Islams, nie cmfgchört, an der traurigen Lage der Bevölkerung dieser Länder Anteil zu nehmen. Der Sultan danke dem Allmächtt^n, daß es möglich wurde, sie neuerlich An Reiche einzuverleiben. Er drückt die Genugtuung über das Ergebnis der Volks abstimmung aus, die gemäß dem von Ver-
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tretern der verbündeten Souveräne des TeiitsHen Reichs, Oestrtr- roich^cklngarns, Bulgariens und der Türkei mit Rußlcrnd abgeschlossenen Vertrage veranstaltet wurde, imd erklärt, den von der Bevölkerung bekundeten Wunsch nach Angliederung an die Türkei entgegenzunehmen.. Weiter heißt es in dem Erlaß, daß der Sultan dein Ministerrat den Befehl erteilt habe, diese Länder als integrierenden Bestandteil der Türkei zu betrachten und ihre Verwaltung entsprechend zu organisieren.
Außerordentliche Sitzung des polnischen Minifterrates.
Warschau, 19. Aug. >.(WTB.) Nach Warschauer Blättern fand gestern eine außerordentliche Sitzung des polnischen Ministerrates statt, in der Prinz Janus Radziw-itl über seine Reise ins H-auptguartier berichtete. Im Zus-anunenhcmg mit den dortigen fZerhandlungen wurde für heute eine Sitzung des Kwnrates an- iberaumt. Wie verlautet, (wird Radziwill zwecks politischer Konferenzen sich heute abend noch Wien begeben.
Keine Protestnote Spaniens an Deutschland.
. San Sebastian, 18. Aizg. (Reuter.) Dato stellt in einer Mitteilung in Abrede, daß^wie eurige Zeitungen behaupten, wegen/ Torpedierung spanischer Schiffe eine Note nach Deutschland gesandt worden sei. Eine solche Note existiere nicht. Das Kabinett sei einmütig entschlossen, die Neutralität aufrecht zu erhalten. Er fügte hinzu, daß der Cervantes nicht torpediert worden sei. Sein Verlust sei vollkonnnen dem Umstande zuzuschsveiben, daß die Ladung, Petroleum, Fkuer gefangen habe.
and.Sebastian, 18. Aug. (Reuter.) In .seiner Erklärung, in der er in Avttche stellte, daß eine Note an Deutschland gerichtet worden sei, protestiert Minister Tato gegen die wiederholte Mitte ilstng einiger Zeitungen über Spaniens internatimmle Beziehungen. Er sagt: Tiefe Mitteilungen sind darauf berechnet, die öffentliche Meinung unnötig zu erregen.und grundlose Beunruhigungen hervorzurufen. Das jetzige Kabinett wird sich von der Politik der Neutralität nicket abbringen lassen, die vom ganzen; Lande ausdrücklich gebilligt ivird. Es ist besvrrders verwerflich, gerade jetzt die öffentliche Meinung zu beunruhigen, wo eine Regierung gebildet worden ist, der Staatsmänner verschiedener politischer Richtungen voll politiscl-en Pflichtgefühls beigetreten sind. Wie groß astch ihre Gegensätze dein mögen, sie alle sind der .Ansicht, daß die Neutralität aufrecht erhalten werden muß. Tie Politik der Neutralität ist völlig in Uebereinsttmmung prit dem Schutz der nationalen Interessen und der Würde des Landes, um die Worte anzuwenden, die Maura in dem unter dem Vorsitz des Königs abgcholtenen Ministerrat ausgesprochten hat. Tie berühmte spanische Note, die an Deutschland gerichtet worden sein soll, kann schlechterdings nicht veröffentlicht tverdm, da sie nicht besteht. Es ist rächt die Gewohnheit der Regierung, der Presse den Text der Instruktionen mitzuteilen, die den Regierungsoertvetern im Auslands zu gehen. Ich bin der Ansicht, daß die Regierung ein Recht darauf hat. zu erwarten, daß das Pnblikirm in sie Vertrauen setzt und ich vertraue, daß die ernsteren Blätter gegenüber Mitteilungen, die die Ruhe des Landes bedrohen, Vorsicht walten lassen.
Der Seekrieg,
Neue A-Boot-Erfolge.
B e r l i n, 19. Aug. (WTB. Amtlich.) Neue Erfolge unserer Mittelmeer-U-Boote: vier Dampfer von zusammen etwa 16 000 Bruttoregistertonnen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Aus dem Reiche-
.... derlin, 19. Aug. (WTB.) Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht dre Verleihung des Eichenlaubs zum Orden Pour le mente an General der Artillerie z. D. v. Gwnau, die Uebertragung der neu geschaffenen Stelle eines hauptamtlichen Vorsitzenden des Reichsyusschusses für den Wiederaufbau der Handelsflotte unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Präsident" an den bisherigen Präsidenten des Kaiserlichen Kanalamts in Kiel, Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Dr. Georg Kautz, eine Verordnung zur Abänderung der Verordnung über die Preise für Heu aus der Ernte 1918, eine Verordnung über den Versand von Kohlrabi, eine Bekanntmachung über die Richtpreise für Obst und eine Bekanntmachung über Erfassungszuschläge für Gemüse und Obst. *
Arrs Stabt und Ennd.
Gießen, den 20. August 1918. Gegen die Berwikderureg der Fugend.
Ist sie wirklich Wimmer geworden, die Jugend von heute gegen die früheren Zeiten? Wir möchten diese Frage ohne weiteres bejahen. Auf Schritt und Tritt begegnen einem Unarten junger Barschen, die früher schlechterdings unmöglich waren. Ueberall wohin man kommt, merkt man, daß die Iügend mehr und mehr verwildert. Das mag ja wohl in der Hauptsache darauf zurückzuführen ?ein, daß jetzt wäh/oetnd der Kriegszeit, in den weitaus meisten Familien die Bät-ec fehlen und die Kinder der doch immerhin schvächeren Herrschaft der Mütter unterstellt sind. Tie Känminalität der Jugend hat in den letzt«: Jahren einen geradezu erschreckenden Umfang angenomrwen und sie wächst immer weiter, was jeder merkt der von Berusswegen öfter mit den Gerichten in Berühaumg kommt. Und wienn cnidf in der Jugendfürsorge schon allerkei geschehen ist immter deutlicher zeigt es sich, daß bisher das Wichtigste fehlt,' ein eigentlrcher Zusammenhang der verschiedenen Organisatio- nen, der ihre Arbeit erst richtig wirksam werden lassen könnte.
Diesen: Ndißstand soll nun abgehollen werben, . durch die
Schaffung sogenannter Jugendämter, eines Mittel»' Punktes, von dem alle Zweige praktischer Jugendfürsorge aus- gehcn. Das weite Gebiet folcfjn: Jugerwämter, wie sie in eüurr Anzahl von Städten schon errickstet, für andere geplant strü), umfaßt neben den genamilen Fürsorgebestrebiuigen , v>d) Säuglings- sülsorge, Einrichtung von Kinderheimen und Horten. Aufsicht über ine Haltekinder, Ferienkolonien, «Berschütung von Stadtkindern Miss Land, Schulspeisung, Fürsorgeerziehung Gesührd?ter. Be:nfsvo:onundschaft, Warsenpflege, Berufsberatung usw.
In den Städten wird es vielfach genügen, bereits bestehnld« Organisatiomn zusmnmenznschließen, um eu: Jugendamt zu schaffei:. Besondere Schwierigkeiten werden aber Gründungen imd Zu- sammenschluß aus den: Lande M überwinden l-ab-en.
Unsere gesamK Fürsorgctätigkeit beginnt indes jetzt an einen: Mangel zu kranken, der die rickchge Durchführung ihrer Arbeiten mehr und mehr erschwert, es seht: an helfenden Kräften. Mai: bedenke, welche Verschiebungen in: sozialen Leben der
Frauen vorgegaugen sind: Frauen und Töchter, die ohne die KricBnorivendigkeft nickst in Berufe eingetreten wären, sind heute außerhalb des Hauses tätig, die MWanderung der Frauen in die Jndusttie und, nickst zu vergessen, in die Etappe hat viele Krärtq ausgeiwmmen, die sonst entzveder ihrer Aufgabe als Hausfrmlenj und Mütter erhalten geblieben wären — alles dies macht vermehrte Fürsorge für die Kinder nötig. Dringend ergeht daher von alle:: Organisationen der Ruf nach fteiwilliger Hilfsarbeit und nicht dringend genug kann dieser Ruf zum Turchhatten mich auf diesem Gebiete ergehen. Es gilt heute viel tveniger, an sichtbarer Stelle Soldatenftirsorge zu tteiben, als am unschefttbckren Platz in der Fürsorge für die Tausende von Kindern zu sorg«:, die d:rrch die Lösung oder Lockerung des Familienlebens an Gesundheit und sittlichem Wachstum gefährdeter sind denn je. Keine Frau, kein Mädchen, das ohne materielle Sorge dahinlebt, darf seine Kraft dem Gemeinfvohl _ entziehen. Natürlich können ungeschulte oder zu junge Hilfskräfte rricht an verantwortliche Plätze gestellt werden, aber inoem sie die Kleinarbeit auf sich nahmen, machen sie andere Kväfte^ frei, die heute infolge der Uefrcrfaftimg oder an verhältnismäßig mrwichjttger Stelle sich erschöpfen, ohne recht eigentlich wirksam £u werden. *
So wie die Jugendfürsorge durch einheitliche Zusammenfassung neue Wege eirrzuschlagen sich anschickt, gcklt eÄ .für den Einzelnen, sich aufs neue aus'seine vaterländischen Pflichten zu besinnen und ihrem Ruf zu folgen.
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, ** Auszei chn ungen. Bantdirektor A. Heichelheim erhielt das Preußische BerdiO:stkreuz für Kriegshilfe. — Den: Pionier Otto Deibel vor: hier wurde das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen. — WercksÜhrer Wilheln: Grau wurde mit oem Der- dttnftkreutz für Kriegshilfe ausgezeichnet. >
Käse-Verteilung. Bon Mittwoch den 21. bis ein- schließlich Montag, den 26. d. M. gelangt in 15 Geschäfte:: Käse zur Verteilung. Siehe Mzeigenteil. >
** Stadttheater. Ter nächste So:mtag bringt eine Aufführung des hübscher: Lustspiels „Ter Schwur der Treue" mit Fräulein^ Emmy Abendroth in der weiblichen Hauptrolle. Ter Abend wird besondere Anziehungskraft erhalten durch Tanzeinlagen in den Zwischenakten, die durch vier Tan:en des Ballets des Kgl. Theaters in Wiesbaden ausgeführt werden.
** Schwa r z - Weiß-Lichtspi? l e, Seltersweg 81. Von heute ab bis ^einschließlich Freitag wird das Filmwerk „Im Banne der Pflicht" vm: Ludwig Anzengruber gegeben. Tic Tragödie spielt in den Schweizer Alpen. Außerdem steht das neueste Lustspiel der Serie 1918—19 „2luf Erholung" mit Hanfi Tege und Gerhard Dammann in den Hmchitvollen aus dem Spiel plan. Siehe Anzeige.
** Li cht spiel haus, Bahn Hofstraße. Das große Filmwcrl „Das Rätsel von Bangalor" g»?langt nur noch heute zur Aufführung. Wir haben bereits mehrmals auf den hervorragenden Filn: verwiesen und möchte:: ai:ch beute nur nochmals einen: jeden Kunstfreund!: raten, sich das „Rätsel von Bangalor" nicht entgehen zu lassen. Der Film ist nicht nur äußerst spamrend und glänzend ausgestattet, sondern er weist auch prachtvolle Naheausnahmen imb äußerst malerische Bilder auf.
** Weitere Ta ba ke r sa tzst v ffc. Der B:rndesrcrt hat Unterm 15. d. M. genehmigt, daß den Herstellern von T a b a k e r z e u g n ßs s e n auch die Verwendung von Birnen-, ÄLpfel-, Walnuß-, Haselnuß^ u. Topinambur blättern als Ersatzstoffe bei der Herstellunig von Tabakerzeugnissen und tobakähulichen Waren unter den bekannten Bedingungen gestattet 'werden darf. Hersteller von Tabakerzeugnisfen, die 'diese Ersatzstoffe zu den genanntes Zwecken verwenden wwllen, hoben vorher die Genehmigtmg des zuständigen Hauptamts cinzuholcn.
** Neues vom W i n t e r f a h r p l a n. Für den Winter- fahrplan vom 1. Oktober liegen jetzt weitere Eittwürse vor. Sie bringen ebenfalls keine wesentlich,en Änderungen. Von besonderem: Interesse f:nb aber die Mgaben über die Beibehaltung oder bei: Wegfall von fahrplanmäßigen Zügen. So rvird der D-Zicg 7.03 vm. von Berlin naüht Frankfurt a. M. bis auf weiteres verkehren und auch für den wirklichen Verkehr freigegeben Der bisherige T-Zug 8.15 vm. von Berlin stack) Kassel geh: sckx>n 8.05. In umgeMfrtxx Richtung verkehrt der Zug aus Frankfurt a. M. an Berlin 5.15 vm. bjs auf loeiteres, ebenso her Zug auö Frankfurt a. M. 10.40 nm. Ter D-Zug von Frankfurt an 10.32 nm. verkehrt dageglen bis auf weiteres nicht. Ter Zug aus München 3.06 nm. kommt künftig 8.10 :mch Berlin.
** Wichtig für Kriegshinterbliebene. Den Kriegshinterbliebenen wird erneut nahegelegt, beim Tode ihres Ernährers sich sofort an die örtliche Fürsorgestelle für Kriegshinterbliebene zu wenden. Diese Fürsorgestellen, die an f<Vt allen Orten, ans dem Lande vielfach bei den Land- ratsämtern, errickttet sind, stehen den Kriegshinterbliebenen unentgeltlich mit Rat und Tat bei, stellen die Anträge auf Gewährung der gesetzlichen und sonstigen Hinterbliebenen- bezüge auf und helfen den Kriegshinterbliebenen im Falle
Rudolf von Ihenng.
Vor hmrdert Jahren, .am 22. August 1818, ist Rud öon I h e r: n g, einer der bekanntesten mrd namhaftesten Lek des römischen Rechts, geboren. Das Studium der Rechte war in ;0()€nngicffcni Familie, die zu den ältesten und angesehensten No . 'westeeutschlands gehört, ei:w Axt Famllientraditio:: und so es denn nahe, daß auch Rudolf von Ihering sich einer Lausbc Mwandte, die sa»t alle seine umnittelbaren Vorfällen zu ih: - Lebensdnmf gewählt hatten. Er studierte in H idelberg, Mnnc mch GöttftlMm und folgte tnach kürzerer Lehrtätigkeit in Ba mojwck uns Kckel 1852 einem Ruf an d i e h e s s i s ch e L u d w i g Universität in Gießen, das ihm dilrch seine reizv« Lage, den Freundeskreis, der ihn hier umschloß die Mufte, es ihm für seine wissenschafüick)ten Arbeiten gewährte, bald :zweiten Heimat wurde. Mehr als es in ei:wm anderen Misch: 'ßnnes Lebens hat Jhering gerade währcnrd seines Gießener Anse Haltes in fernen Mußestunden die Musik gepstegt und am Mu leben der Stadt den regsten Anteil genomnre::. Oft verbra«- er ganze LonMagnachmittage .am Flügel, um die Etüden t Mosche!es, He Sonaten Beetliovens. die Werke Schumanns ! .ftroyer ^reude immer von neuem einzuüben. Dem Klaviert gab er vor allem andern musikalischen Zusammenspiel den Vorz und, une später in Wien, so hatte er auch in Gießen sein fej C-ttd. Lange Zeit hat Jhering im hiesigen K'on^erlvevein ^ leitet, und es 1-cgann unter ser'.ler Führung ein rre::er Aufsck)lw: rn dem Giet-euer Musikleben. Gießen, damals eine Stadt von ka 9000 Einwohnern, sah e alänz/mdsten Künstler und Kt'mstlerim in seinen Mauern, um- I->rii:g sorgte dafür, daß die Mn st Nch wvhlfüUteu. D:e ersten Familien nahmen sie gastfreund auf, und sie knncn alte gern. Der Darbietung dos Meffte folgte nc d-s Menh-lsohnichen „Paulus" imb 1859 die must harte Aut'ühnmg der .Matthäus-Passion" in der dichtgefüll Stadtkrrche. Auck) der Bildung eines guten Stadtorchesters
Jhering die Wege geebnet, so daß für die Orcktesterleistungeui en: tüchtiger Stamm vorhanden war und nun die Aufführung der großen Symphonien von MHart, Beethoven m:d Haydn: stattsirÄen konnte. Sä t u ch seiner Giießener Zett spukte bei Jhering die Idee.des „Kampfes um Recht". Er wohnte in einem Hause der Liebigstraße. gcge::über dem alten Laboratorinnr, und hatte, 5rrie das so kommlt, nrit seinem' Hausherrn verschiede:ul! aus dem Metsverhältnis sich ergebende Zwistigkeiten. Geiste 1 «nner Anschauungen brachte er die Sache vor das zuständige l rrrcht: doch 'hatte der große Gelehrte das Mißgeschick, alle ftinc, Prozesse — es '.varen deren drei —, zu verlieren. Wie I Drangs „Kampf ums Recht"', das in neulich: U ebersetz ungern erschienen ist, so hat namenllich seine Schrift über das „Trinkgeld" auch m Laienkreisen Iveiten Eingang gefunden. Das Hairpt- rnch Lebcnswerk Jherings ist der „Geist des römischen Rechts", das zu den bedeutendsten Arbeiten neuerer Zeit auf diesem GÄ-iete gehört und ins Französisch, Russisch und Italienisch übertragen ^vorbei: ist. Ajus seinen sonstigen Schriften sind noch die „Zivil- recktssälle", ,.T>ie Jurispriü>ei!z, des täglick-cn Lebens" und /,Ueber den Grund des Befitzessck-utzes" chrvorznhchn. Von Gies-en war Jhering 1868 nach W'ien gegangen, und auch die Jahre, die er dort verbrachte, waren für ich ganz besonders anregerte und 'genußreich. Von Wien folgte Jhering, dem Kaiser Franz, Joseph gleichsam als .Wschedsgruß den erblichen Adelsstand verliehen/ chtte, einem Ruse nach Götttngen, wo er den letzten Abschütt sjeines Lebens verbrachte. Bis in sein hohes Alter hinein hat fIherrng sich eine hohe geistige Frisch beivahrt; er chtte die 70 bereits überschritten, als der Vielseitige noch Sanskrit uitd» /arische Klulttr 'zu studieren begann. Er hatte, wie er selber erzählt das unabweisbare Ltedürftris, nack>dem er das Rocht des alten Rom bis in seine Msänge verfolgt hatte, es auch noch darüber hina:^ M erforsck>en, und so gelangte er in den Killturkveis der alten Arier. Am 17. September 1892 ist Rudolf von Ik-ermg, dev sich — nebenbei bemerkt — 1 nicht I'-ä-e-riirg, sondern Jhrings
Mnannt hat, in Göttingen gestorben. Wenn es ziemlich ivahr^ schernllch ist, daß die lAsufeinan/te.'rfolge' zahlreicher, musikalisch hochbegabter 'Geschlechter in der Frmllte Sebastian BackB nicht auf Zufall beruht, so scheint die Annahme zulässig, daß and) bte Ästige Schulung eii^c alten Juriftensamilie in Rudolf Jhering s:ch in besonders hohem Grade verkörpert.hat.
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— Litauische Ausstellung in Königsberg. Aus Königsberg toird dem ,^Beri. Tagebt." geschrieen: Im .Heimatmuseum bega:m eine umfassende litauische Acesstellung, deren Tauer auf drei Wochen bemessen ist. Der GoetlM-Bund im Verein mit der Lteb-esgabenabteitung dlis Stell vertier m den Generalkommandos des 1. Armoekorpss haben sich die Ausgabe' gesteilt, eiiren Ueberblick'über Litauen in deutscher Verwaltung zu gel.-cn. Tie gesantte Volkskunst der Litauer ist vertreten. Die farbig oft sehr reizvollen Decken si:rd in großer Zahl vorhanden. Juostm, diese eigenartigen Gürtelbänder der Litauer, die in kunstvoller Weise handgewebt werde::, sind reichhaltig zusammen gestellt. Tic charakteristsckM: Blusen der Frauen, wie überhaupt Webereien aller Art zeichnen sich durch eigentümliche Farbengebung aus. Tas Museum in Tilsitz dve Jn.sterburger Altertumsgesellschast. der litauische Dichter Storvst Widunas cn^ Tllsit, Pastor Geigalat aus Koadjitten, der Direktor des Kowiwer Museuuis Tawgirt' und der Direktor des Museums in Wilna Bassanolvicz haben sehr wertvolles Material eingesaicht. Neben den Hvlzschnitzercneu bcn Wiluaer Arbeitsstuben in großer Llusw-ahl suche:: sich litmiisck-e Bibeln und Gesangbücher. Sei>r iittcressant ist eine Sammlung vm: Schtlszenstäbei: aus Insterburg/ Die Technik des .HandwebeuS loird von bekannten litaui,cher: Weberinnen vorgeführt. Eine Reihe von Vorträgen, litmiische Tänze und ein K>rnllissä'n>gicrchor in abwechssuugsrmck-er Folge verstärken den Eindruck der Ausstellung. ^ Unter den .Bilde rausstellern ist der litauische Maler A. Zmuidzinadieilte l-ervorzuheben, •


