bcn Rohstoffen abhängig ist Gewiß hat deutscher Erfindergeist es fast überall vermocht, au Stelle der Rohprodukte Knnsterzeugmfft M setzen. 2lher die Haltbarkeit z. B. der P^apftvanzüge und Kleider rst vorläufig noch ein Problem. Wir iovUen es dem obersten Kolo- nialbeaniten des. Reiches danken, das; er als Leitsatz künftiger Uvlonialpoliti? die Rückgabe des früheren Kolonialbesitzes vertritt. In dftsem nNmenhang ^ijt es zu begrüben, »oenn die anrtlich verlvöltete S- y. onial krieg er-Si c\xbc, deren Reinertrag den schuver geschädigten ^Zatschen in den Kolonien zuftießt, in der nächsten S&mlje jrrit einer Sanunlnng an zwei Opfertagen l>ervcnttri1t, deren Ergebnis die noch nnvernarlvten Wmiden t-eilen soll, die der Krieg allen Kolonialden! scheu geschlagen hat. Wir wenden uns an unsere Mitbürger mit der Bitte: Wenn Euch am 17. und 18 Augn ft die Sammelbüchsen entgegengestreckt iverden, Elter Scherf- lein aus den Mar des Vaterlandes zu opfern, dann spendet reichlich!
Kreis Büdingen.
Büdingen, 14. Aug. Der „Frankftcrter General-Anzeiger" mleldet:^ Einx eigenüümliche Angelegenheit, die noch nicht völlig laufgeklärt ist ämd zum Teil in Büdingen in Hehsen spielt, beschäftigt gegenwärtig die Strafbehörden. Bali) nach Beginn des Krieges tour de der Berliner verheiratet Hvchbahnschasfner W e s, e l aus Lichtenberg bei Berlin zum Militärdienst eingezogen^ Wessel wurde zum Feldwebel befördert und nach Büdingen zu einer besonderen Kommando stelle Kommandiert. Dort wobrrte er bei einem Landwirt Weber, zn dessen Frau er in Notare Beziehungen trat. Mitte Juni kam Wessel zum Besuch bei seigrer Frau nach Dichtenberg aus Urlaub. Meliere Tage darauf fuhr das Ehepaar Wassel nach der £'inmt der Frau, Gartz an der Oder. Hier nahm Wessel eines Abends mit seiner Frau ein gemeinsames Bad in der Oder. Er behmiptet, das; er dabei eine kurze Schwimm tour über die Oder geinacht habe w<> als er sich nach seiner Frau wrsähi, habe diese bis zu den Armen im Wjasser gestanden und sei gleich darauf venchwnnden. Am nächsten Tag wurde Frau Wes'el in der Nähe der von ihrem Mann angegebenen Stelle a ls Le i che aus dem Wasser gelandet. Wessel fuhr einige Tage später nach Berlin zurück. Am 2o. Juli wurde der Landwirt Weber in Büdingen 0 on unbekannter Hand meuchlings erschossen In Büdingen tauchte alsbald das Gerücht auf, das; Wessel die Tat begangen habe, um die Frau des Ermordeten später heiraten- zu Sonnen. Dieser Verdacht wurde durch den rätselhaften Tod der Frau Wessel verstärkt. Schwer belastend für Wessel ist ein inist- hungener Mbrbeweis für die Mt, in der Weber in Büdingen er- -chtossen wurde. Wessel hatte nämlich bel-auptet. er sei von Gartz immittelbar nach Berlin gefahren und l>abe an dem Tage, au dem Weber in Büdingen erschossen wurde, bei seinen Eltern ftr Char- lottenbnrg krank gelegen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß Wessel bie Unwahrl^tt gesagt hat. Tann behauptete er, iu seiner Wolhnmig in Lichtender^ getoesen zu sein, ist aber auch dort in der fraglichen Zeit nicht geiehen worden. Infolge dieser Widersprüche., sowie anderer schwerer Verdachtsnmstärrde, sind Wessel, sowie Frau Weber in Büdingen, die in die Angelegenheit verwickelt zu sein schnitt, verhaftet worden.
Dess n N ffsau.
= Frankfurt a. M., 13. Ang. In »z.i Tarräumen der Brauerei Henrich an der Neuen Zeit brach heute mittag Groß- teuer aus, das in den dort lagernden gewaltigen Vorräten von Laubheu reiche Nahrung fand. Beim Eintreffen der oetamten Feuerwehren standen bereits zwei große Gebäude in Hellen Flammen. Mit etwa 15 Schlanchlinien Sonnte man nach zweistündiger Arbeit den Brand auf seinen Herd beschränken und die Weiterverbrettnng auf die schwer gefährdeten Nachbar aebäudc verhindern.
Frankfurts- M., l3. A'ug. Tie Ho.eiränber, die Samstag einen Bad-Nauheimer Schnttder um 8000 Mart prelliear, wurden heute früh verhaftet. Es sind die 28- und 23jährigen „Arbeiter" Möller und Reitmeher. Ter dritte GeMe ist be- kannt, Vvmtte aber noch nicht nestgenommen werden. 4000 Mark stachen sich noch im Besitz der Burschen.
rnr. Frankfurt a. M., 13. Aug. Einer der angesehensten Furisnm und Rechtsanwälte Frankfurts, Tr. Albert Merzbach, der drei Jahre an der Westfront als Kompagnieführer gekämpft hat, kmn bei dem gestrigen Fliegerangriff auf Frankfurt a. M. ums Lccken.
ra. öaitenrob bei Gladenbach. 13. Aug. Die Zeit der Pilzerute ist da: fleißig wird jetzt wieder in hiesiger Gegend gesammelt. Im vorigen Jahre wunden von der hier errichteten Sammel stelle für 5000 Mark frische Pilze aufgekaust.
W. T. Wiesbaden, 14. Aug. Ein Einbruch in die Griechische Kapelle wurde in der Nacht auf Sonntag versucht. Die Täter sind Aoei in Uniform gekleidete Personen, von denen der eine ans den ^Achselklappen die Nuimner 117 trug, sowie ein Zivilist. Bon einem Wächter der -Wach- und Schließgesellschaft wurde zunächst einer der in .Uniform gekleideten Leute festge- üwmmen. Der in Zivil gekleidete Mann aber gab auf den Wächter einen Schuß ab, verletzte ihn am %rm, und der Festgenommene entkam.
«linst und rVrsssnscbast.
= Frankfurt a. M., 12 .Airg. (Eia monumentales Bil dw er k S te in h a u s ens.) Durch eine Stiftung vorr Frl. Rose Livingstone in Frankfurt im Betrage bis zu 150 000 Mark hat die vor fünf Jahren eingeweihte evangelische Lukaskirche in Sachsenhausen einen monumentalen Bildschmuck erhalten, den sein Schoper Pros. O. Wilhelm Steinhaufen jetzt nach mehrjähriger Arbeit der Vollendung entgegenreifen läßt. Die Vckdwerie. die außer ihrer religiösen Wirrung auch ästhetisch tiefen Eindruck auf den Beschauer hinterlassen, sind Meisterstücke Steinhaufens. Im Mittelpunkt des Zyklus wird hock) über der Kanzel im Chor ein Krnzisttns glänzen, den Steinhaufen ebenfalls modelliert l)at und der soeben im Atelier des Bildhauers Stock fertig gestellt wird. Ueber dem Altar befindet sich an der Decke das Blld des verklärten Christus, wie er, umleuchtet von der Himmelsglorie, in der offenen Himmelstür steht, um die Seelen einznladeu. Zu beiden Seiten des Chorraumes stehen, dem Christusbild zugewendet, die 7 Meter hohen und 3 Meter breiten
ffftmälde der beiden Schächer. Beide Gruppen stellen die von Gott abgewandte nnd die ihm im (Rauben Angewandte Mensch- bett dar. An den Längsivänden folgen Darstellungen aus dem Leben Jesu nach Berichten cuis dem Lnkasevangelinm: Die Darstellung im Tempel, Jesus weint ilber Jerusalem. Die Enrmäus- lunger, die Heilung der Dämonischen. Der Jüngling zu Rain, Die große Sünderin. Unter diesen Gemälden imd je drei Modellbilder mit Begebenheiten aus Abrahams und Moses Leben angebracht. Zwischen diesen alttestametlichen Bildern erblickt man noch je zivei Medaillons, die Personen aus der Apostelgeschichte des Lukas darstellen. Zu beiden Setten des Altarraums auf den sich an den Orgelranm anschließenden Fläck>cn ragen die Kolossalbilder von Aposteln aus. ^— Da- Monumentalbilderwerk, has in aller Kürze in einer schlichten Feßrc der Lukasgemeinde übergeben wird, stellt eine neue Frankfurter Sehenswürdigkeit ersten Ranges dar. nicht zum wenigsten aber auch ein einzig- artiges Zeugnis moderner religiöser Kunst
Vermischtem.
^ ch. Vom Rhein, 13. Aug. Mit dem Bau des rechiben Ltrvmpfcilers für die neue Eisenbahn brücke bei T-uisbnrg-Hechftld wird in der nächsten Zeit begonnen. Tie mittlere Durchfahcts- ösfnmm der bestehenden Brücke ivird während der Bauzeit für die Schiffahrt^vollstärrdig gesperrt. Der Oberpräsident der Rhein- Wnwinz als Chef dar Rheinsttomüauverwalttrng hat eine Reihe Beziimmuligeu, die von den Schiffenr zu beachten sind, sobald sre die in Frage kommende Strecke befahren, erlassen.
* Aus st erbende Indianer st am in c in Südamerika. In Chtte und Argentinien sollen Fndianerterritorierr eingerichtet werden, wie sie in den Bereinigt«: Staaten von Nordamerika zum Schutze der Indianer schon seit langem bestehen. Tie südamerikanischen Jndianerstämme sind, wie aus ettuun Bericht der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift hervorgeht, im höchsten. Maß-: vor: der Gefahr des Aussterbens bedroht. Für einige Stämme dürften die staartichen Schutzmaßregeln sogar bereits zu spät kom- j men. Besonders gefährdet sind nach den Erhebungen der Regierung die Tehuelchen von Santa Crnz, die Onas, die Pahans in Feuerland, die Tobas und andere Stämme des Gran Chaso. Tie Schafzüchter, die das Land nördlich vom Beagatekanal mit Beschlag belegten, haben einige Jndianervölker verdrängt und dem Aus- sterben nahegebrachr. Die Alascoufs zählten im Jahre 1880 noch 3000 Kopse: 1916 waren noch etwa 200 übrig. Von den Pah^ans, einem Fisckiervolk, das in der 60er Jahren iwch auf 3000 Köpfe geschätzt wurde, leben heute nur iwch weniger als 10. Vom Stamme der Haust siird gegenwärtig war noch zwei Ueberlebende bekannt.', Tie Onas, oie von der Guanarejagd in der Pampa Feuerlarchs. lebten, sind'in einem halben Jahrhundett von 3—4000 Köpfen aus 800, nach Angabe des argentinischen Ministeriums sogar ans nur 300 xurückgegangen. Tie Tehuelchen zählen heute noch' 600 bis 700 Köpfe. Ter Vorschlag, Schutzgebiete für die Indianer zu errichten. ist bereits vor 10 Jahren von Furlong gemacht worden, und für einige Stämme ist dies in den letzten Jahren bereits geschehen. Während des Krieges sind dem Tobaindianern am Rio Bermejv 53 000 Hektar und den Pilagas 83000 Hektar Mischen dem Bormejo und dem ssftloemaho zugewiesen worden.
Arvchlsche Nachrichten Üalhoiijche Gemeinde.
Mittwoch 14. Aug., nackün. 5 u. abds. 8: Gel. z. hl. Beicht. Donnerstag 15. Aug. (Mariäe Himmelfahrt). 6y 2 : Gek. z. U. Beiickft: 7: .Hl. MftsL, glln. Komm. d. IüngL: 8: Aust. d. hl. Kvmm. : 9: Hochamt m. Pred.: 11: Hl. Messe m. Pred., dNllttär- GottesL».: 2: Fest and.
Letzte Nachrichten.
&:v neueste Bericht der Heeresleitung.
(WW.) Großes Hauptquartier, 14. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Erfolgrrftfte Vorftldkämpfe Mischen Äser und Scarpe. Südlich non Merris und südlich der Lys sckftiterten Vorstöße des Feindes.
Heeresgruppe Generaloberst von Boehn. Teilkämyfe beiderseits der Somme und nördlich der Avre. Westlich und südmestlich Wn Las'iftny griff der Feind z vmr neuem an. Beiderseits von Canny brach der Angriff in j unserem Feuer zusammen. Weiter südlich schlugen wir den Feind im Gegenstoß ab.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Kleinere Jnfanteriegefechte an der Vesle und östlich von Reims.
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Leutnant Bolle errang ftinen 30., Oberleutnant Loerzer feinen 29. und Leutnant Raeth seinen 20. Lust sieg.
Der Erste Generalguartierrmiffer
Ludendorff.
* * *
Neue U-Boot-Erfolge.
Berlin, 14. Aug. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkte eines unserer U-Boote 18 000 Brt.
Der Chef des Admiralstabs der Marirve.
Die Sowjetregierung geflüchtet?
Rotterdam, 13. Aug. Das Hollandsch Niewusbursau meldet, die bolschewistische Regierung.sei nach den jüngsten Geschehnissen geflüchtet. Es herrsche in einem großen
Teile der arffischen Hauptstädte Anarchie. Starke Infanterie- abteilungen, Kavallerievatrouilttu. nnb Äaschinengewehäompaniat dnrchziehM die Straßen rmd verhaften zahlreiche Personen.
Die finnische Armee.
Kopenhagen, 13. Aug Aus Hel sing fo rs liegen Miv« teilungen vor. wonach ('General 'nnunchttm binnen kurzem wieoer an die Skpitze der finarländisichen Truppen treten nstrd. Ferrrer wir» t. daß die siuu <-!- 0 m fr 'Hu nutz
deutscher Seile sieh?. Besonders das ganze Offizlerskv«M sei der deutschen Sache unbedingt ergeben. Tie Entente fyit hie Hoffnung, die sie ans ihre Wühlerettm in Finnland gesetzt hift e, ans gegeben.
Italienische Fliegerauiriffc auf Sanitätsaastalten.
Wien, 12. Ang. (WTB. Ntthtamllrch.) Aus dem! St 5k. Kriegspresseguartier anrb gemeldet: Nach den im heutigen Heeresbericht gemeldeteri Ereignissen hat es dm Anfckchn, als sähe di» italienische Heeresleitung eine ihrer Haupkauf-Mben in öec shstö* mattschen Zerstörung unserer Senilätsanstalten. Vm 7. August wurde das deutlich als solches gekennzrchnetc Sottalschiff „Bavo« Call" erst mit FliegerbvmL^n l^rvorfen und dann, glücklick^ev" weift erfolglos, bilanziert. Heute wird eine Reitze nicht wenigoy ftnmenfcküicher, aber leider erfolgreicherer Angriffe am S'chtaler ttnd Santtätsan stallen des.ftsten Landes gemeldet. In der linker der Front liegenden Ortschaft Primolano wurde das Feldspitak mit schwersten .Kalibern beschossen und mehrfach getroffen, wobei Verluste unter den Krankenpflegern und den dort in Behmtdluna befindlichen Verwundeten entsunck-en. An demselben Toge griff ein italienisches Flugzenggeschwader mit Bomben mrd Maschine gewehvm ein anderes Spital an und erreiche mrch dort sein Ziel, i-ie Hinnwrdmrg von rmbeivaffnttem Pflegepersonal und von lckls- lösen Kranken. Ein zweites Flüggeschwader von 25 FtugAeuMiK oriif gestern früh das Feldspital Feltore an urrd tötete durch Bomlienabwurf außer einigen Kranken und Verwundettm auch tmehi'eoe Zivilisten, da neben deni Feldspital liegende Privat- tvohnhäuftr gleichfalls getvvfftn wurden. Alle von den Italienern angegriffenen Feldspitäler waren deutlich mehrfach mit denr Genfer .Kreuz gekennzeichnet, so daß der Feind keine Entschuldigung für diese, allem Völkerrecht Hohnsvrechende Kriegführung geltend machen kann.
Ein gefährlicher Untertan.
Genf, 13. Aug. Das ,Fzournal des Deöcrts" erfährt aus New* vork: Tie amerrkanischeu Behöcden beschlossen den Deutschen Gustav Sto 1)1 jals gefährlichen ftindlichen Untertanen zu intern nieren. Stahl war settrerzeir tvegen seiner Angabe im „Lusi> ranich'-Prozeß, wo er als Zeuge behauptete, auf der „Lusitania" zwei^ Kanonen gesehen m haben, zu 18 Diwnaten Gefängnis ver» furteilt worden und nach verbüßter Strafe vor kurzem wicLer frei?, gelassen worden.
Die Beerdigung meines lieben Mannes, des
Profeffors Di', med.
Anton Thies
Stabsarztes der Reserve
findet in Leipzig Samstag den 17. d. M., mittags 12»/, Uhr, §1 auf dem Südsriedhof von der Hauptballe auS statt.
6Ü61V Frau Tina Tbies geb. Lindemann.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
betreffend die Entrichtrm.g d?s WarMunfatzstempels.
Auf Grund des ß 161 der ..A^sührungsbestimmnngen zum Reichs iöempelgesetze ^ werden die zur Entrickitung der Abgabe vom Warenumsätze verpflickOeten g-Qverbctreibenden Personen und Go- sellfchaften der Fiuanzancksbezirke Gießen, Bntzbacb. Grünberg und Hungen anfgcsardett, den steuerpffichtigau Jahre -«trag ihre- Warenumsatzes sür die Zett vom 1. Januar 1918 bis 31. Juli 1918 bzw. btt Waren, für ivelche die Rücklagtp-tlicht nach orc Bekanntmachung des Reichskanzlers über die ^ickwrimg einer llmsatzsteuer auf Luxusgegensiände vom 2. Mai 1918 besteht, für tue' Zttt vom 1. Januar 1918 bis 5. Mar 1918 bis spätestens zum End> des Monats August 1918, den unterzeicharcten Fttranzärnterst schriftlich oder nründlich anKnmelden.
Als steuerpflichtiger Gewerbebetrieb gilt auch der Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, der Biehzu-ckst, der Fischerei und des Gartenbaues sowie der Bergwerksbetrieb.
Bekänft sich der Jahresumsatz auf nicht mehr als 3000 Mk., so besticht eine Berpslichtuug zur Annreümng und «ne Abgabe- Pflicht nicht.
Wer der chm obliegenden _Anmeldungsv>erpflichttrkkg zuwiderhandelt oder über die enrpftmgen-en Zalstungen oder Lieferungen wisftrttlüh imrickstige Angaben mack-t, hat eine Geldstraft verwirkt, welche dem zwanzigfachen Betrage der htttterzogenen Abgabe gleich- kommt. Kann der Betrag der hinterzoaenen Abgabe nicht fest»- gestellt iverden, so tritt Geldstrafe von 150 Mk. bis 30 000 Mk. ein
Zur Erstattung der .fchttfllichen Anmeldung find Vordrucke zu verwenden. Sie können bei den Unterzeichneten Finan-ftmternt sowie der zuständigen Bnrgernreistel'ei kostenlos entnommen werden.
S'dsuerpftichtige find zur Anmeldung chr.es Umsatzes verpflicht tat, auch wenn chren Anmeldmrgsvordrucke nicht zngega7ig«n sind
Tie Abgabe ist alsbald nach ihrer Festsetzung an die zu-> ständige Kasftilelle zu entrichten.
Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 6. August 1918.
Tie Grvßherzoglichen Finanzämter.
I. B.: Franz, Flath, Wenzel, Mai. 5879V
pleskau (Pskow).
Mit Rücksicht auf die mehr und mehr chaotisch sich gestaltenden Zustände in Moskau ist die deutsche diplomattsche Vertretung bei der russischen Republik nach Pftskan (Pskow) verlegt ivorden. Vor dem Kriege haben ivohl von dieser Stadt nicht viele gehört oder etwas gewußt. Und doch ist sie geschichtlich und kunstgeschichtlich eine ungewöhnlich merkwürdige und tttteressante Ansiedlnng. Hart vor den Toren ixs deutschen Ordens- und Kulturgebietes gelegen^ ist Pleskan doch eine ganz dinb gar russische Stnot. ja in mancher Beziehung eäiter imd ursprünglicher .russisch, als andere Orte, die weiter ostwärts auf russischem Gebiete gelegen sind. Zwar hat der Deutsche Orden seine Macht auch über Pleskan aus zu- dehn-en gesucht, und von 1240 bis 1242 residierte hier ein Ordens- Vogt. Aber der^Platz war auf die Tauer nicht zu halten. Die Vckeutung der Stadt erhellt aus einem Blicke auf ihre Lage. Ter Weg von Nordrußland zur Ostsee hat von alters her über Pleskan geführt, und dazu kam die natürliche feste Lage des Platzes. Zwei Fküsft begegnen einander hier, die Welikaja, die die Deuts ck-en Mnödau zu nennen pflegten, und die Pskowa. Im Mündungs- winket öft er beiden Flüsse erhebt sich eine spitz Mlauftnde Anhöhe', die gegen einen halben Kilometer lang ist und die den Fluß- Übergang und die Heerstraße beherrscht. Tieft Höhe bildet das eigentliche Herzstück von Pleskan, auf ihr entstanden die ältesten Bestsiignr.gen, und hier erhebt sich noch freut der Kreml, eirr eigene ^tast mit Befestigungen, Kirchon und Klöstern, deren inxfr tthalte. e Mauer aus dem Jahre 1266 stammt. Was Pleskaus Deoeulung dann rveiterhin noch erhöhte, ist der Umstand, daß m-rn von h er mrs einen kurzen irnd leichten Wasserweg znni Pleskauer ree hat. dec ja in unmittelbarer Beidindnng mit dem Pechus-Soe. devi groff.',' Scheidervasser zwisckxn dem Teuttckjordenslanoc und dem nSrdlrchnr Rußland. ,tcht.
der Gestatt der Stadt spiegelt sich auf intereffante Weift chre allmcchlrche Entstehung wieder. Stt- besteht in Wrrllich-fttt
aus drei verschiedenen Städten, deren jede ihre aus Mauern und Türmen bestehende Befestigung hat. Ten einen dieser Teste bildet der Kreml, den dem' Sllt-er nach zweiten die mittlere Stadt und dcnr füngsten, erst Ende des 15. Jahrhunderts entstandenen Stadt- tttl stellt die zu beiden Setten der Pskowa geleg«re große Stadt dar. Tie eigentümliche Entwicklung Pleskaus wurde dadurch gefördert, daß die Stadt sehr lange ihre politische Selbständigkett erhalten konnte. Ihre Gründung wird ins Jahr 925 verlegt; als Vermittlerin des deutsch-riissifchen Handels gelangte sie zur Blüte und bildete eine selbständige Republik, die ihre Unal^- häng-gifttt sogar währerid des großen DlonIvlensttirmes behaupten konnte. Ihre HanLelsbeziehnngen peraiitagten die Stadt in den Hansebnnd einzntteten: eine deutlche Hmidelstolmrie hatte hier ihren Sitz, und am linken llier der Welikaja lag der deutsch^ Kauihos, aber die Brücke, die zum anöern Ufer des Fllffses führte, durften die deutschien .Kansteute nicht überschreiten: hier lag dft Grenze zwischen Ost und' West. Erst im Jahre 1510 verlor die S-tadt ihre polttisckk Unabhängigöett. Es ivar Großfürst Wassili IV., der ihren Mdersrarch brach und der die Republik PlesLrn mtt seinein Reicks vereinigte.
Tie polittsch' Geschichte der Stadt trägt nun auch niel zur Er- ktchrung der Tatsache bei, daß die echt russische Kunst, vorab die Baukunst, die sich in Pleskan fteier und origineller entwickelt hat, als an den meisten anderen Orten des russischen Reiches. Da Pleskan vom Mungo!enfturme unberührt blieb, so konnte die alle bvzan- tinisch-russische Ueberlieserung sich hier ftei ausleben. Auf der an- dererc Seite aber trat diese UeberlftfernnF hier, an der Grenze des deutschen Kulturgebietes, auch zur dentscheir Kunst ttr Beziehung, von lder sie besonders aus dem Geb-itte der BacksteindeLoration lernte. Durch diese Mischimg sind in Pleskan Bauleistungen enti'tanden, die zu den bedeutendsten ans dem GMece der ganzen russischeil Bangeschichte gewählt werden müssen. Me man auch sonst über russische Baukunst urteilen möge — die be>wn unter den Pleskauer Kirchen sind jedenfalls Sä^pfungen, denen es an Größe und an weihevoller Wrkung nicht gebricht, «mal da ein entschtzckenes Be
streben der Architekten nach monumentaler Znsammenfaffung der Bauglieder erkennbar wird und damit eine der Hanptsch^äckiei, eusftscher Architektur, die spielerische Auslösung der Baumafft m viel zu viele Einzelglieber, in Wegfall kommt. Tie Hauptkirch- der Stadt ist die auf dem Kreml sich erhebende, weithin siststbavs fstttlheÄrale der HeiligM Dreifalttgkett, die auf eine um die tNttft des 10. Jahrhunderts hier errichtete Hvtzkirche zurücksehen soll ihre heutige Gestalt aber er)t am Ansgange des 17. Ja!n'h,LndertS erhallen hat. Auch geschichttich ein denkwürdiges Bauwerk, da der Litauer Fürst Dmvnwitt hier mit seinem Gecklge 1266 die Taufe erhalten hat. Jetzt ist er httlig gesprochen und die Kvcha->rale birgt sttn Grabmal von Eichenholz. Fünf .Kuppeln hat die Kirche, die im Innern das Mau des Himmels besät mtt goldenen Stervertz zeigen: ihre Mmessungen sind bedeutend und die hohen Gewülbe des 400 Quadratmeter großen Mittelraumes werden t*m vier kräftigen Pfeilern getragen. Unleugbar ist ine Raumwirkunp des hellen Mrchenranmes eine erhebende. In kostbaren VLetaiLcn und Steinen glänzt der Ikonostas, und anch sonst birgt die Kathedrale ft manchen l)eilig ge Hellenen und kostbaren Schatz.
Llkber die Kathedrale ist beileibe nicht etwa Pleskaus einzige Kirche. Deren zählt man vielmehr nicht weniger als 45- ein griechisch-katholiscl-er ErMckwf residiert hier, die Klöster beherbergen einen Schwarm von Mönchen, und so empfängt Pl"skm- vom kirchlichen Leben ein starkes Gepräge. In wunderlich • " ft '- a (^ r vermischt sich damit ein zweiter Zug; der einer sehr nreftli. e - Züoel- Hosistkett. Den Kirchen von Pleskan Hallen die Tanzivk.ile dag (^'lttchigewicht. Und iwch ein Trtttes darr nicht vergesv.-n ahnden tiX'vm man das ljeutige Pleskan kemizeickmen will: das ist dev Sckmnrtz, der alles durchdringende, alles beherrschende E dmud geigen den es keine M^r und ^eine Hilfe gibt. .Wer gug Estland ftrs nahe Pleskan hinüberkonmtt, der merkt und weiß alsbald, daß er eine Völker- und eine Kulturgveiye überschritten hat Orient Asien!


