Nr. 179 Zweites Blatt _ Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) §reitag. 2. August (9(8
Die politischen Entscheidungen im Weltkrieg.
Von Eberhard Büchner.
xic politische Lage zu Beginn des Weltkrieges steht heute 2o.r vor aller klugen. Ter Koirslikt zwischen Öefterrcid;* Ungarn und Serbien rührte l efef au Rußlands Balkaninterejsen, uitb bamtt bot er^der vor ternem Verbrechen ztirückschreckendeu Kriegs- Hetze/cnes ^uchomlmoto und Janusächewitsch den willkommenen Anlaß, all ihre Künste sprelen *u lassen. >lrieg mit Rußland aber tzeß selbslverschändlich auch Krieg mit Frankreich. Aus die Anträge putschtands nach cheiirer Haltung im Falle eines deutsch- russtschien Krieges anttvortete Frankreich höchst eindeutig, „es werde tun. was seine Interessen chm geböten". Auch Englands Stellungnahme ivar für den Kundigen keine Ueberrasdmng, obschonl ire, wemt man so will, der intreren Oiotivrndigleit entbehrte. Tenn England stand dein eigentlichen Konflikt völlig fern, und übertrieben ivarnie Gefühle möchte inan ihm weder für Frankreich noch für Rußland zuttauen. Doch, es galt den Moment zu nutzen; kein besserer konnte kommen für die längst geplante und von! Eduard VII. sorglich vorbereitete Aln'eclMing mit dem gefürchteten Konkurrenten Deutschland. So stieß England zu gemeinsamenr Tun, aber mit höchst selbstischen Msidstcn nnd Jnteressm zu den Bundesgenossen.
Bis dahin kann man sagen, daß alles „so kain. lvic es
kommen mußte". Tie Entschüdung Japans dagegen löste Ber-
blüsfung aus. Auch heute, läßt sich das letzte Wort darüber noch nicht sprechen. Em Ersolg der englischen,Regie, soviel wissen wir. Aber das Einzelne bleibt iroch zu klären: die Form der Beziehen gm zwischen England nnd Japan, der Grad der Abhängigkeit Japans, der Umfang der englischen Veriprechlungm. die das dem, Kriege gegen Deutschland zunächst durchaus abholde javanische Volk ködern mußten.
Ter Entente gegenüber der Dreibund. Klar und durchsichtig lag iK>m ersten Tage an das Verhältnis zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland. Oesterreichs Kiieg lvar Deutschlands Krieg, Oesterreichs Interessen waren auch die
d eutse!>en.
Anders stand es um Italien. Es bat in Deutschlaird und noch mehr in Oesterreick>-Unganl stets Politiker gegeben, die an der Aufrichtigkeit uiid Zuverlässigkeit Italiens ernsthaft ge- haben, und sie hatten in der Tat ein ziemlich erhebliches Tatsachenmaterial für ihre Ansicht ins Treffen zu führen. An den Beitritt Italiens zum mglisch-frauzösischen Mittelmcerabkommen sei erinnert, an Mgeciras, an hie ohne Fühlungnahme mit den Bundcsgeiwssen vollzogene Kriegserklärung an die Türkei im Jahre 1911. Trotzdem wollte uni konnte die öffenklicl-e Meinung in Deutschland bei Kriegsausbruch an ein Versagen Italiens nicht denken. Mit Begeisterung sprach man &cm den Bundesbrüdern jenseits der Berge und von der Selbstverständlichkeit ihrer tatkräftigen Hilfeleistung.
Bis man, eines anderen belehrt sourde. Zunächst erfolgte — am 2. August — die Neutralitätserklärung, aber sie mutete in ihrer Begründung, so gewaltsam air nnd war im einzelnen so verklausuliert, daß man sie schon als Vorboten der offenen Parteinahme für die Entente betrachten muß. Zehn Monate währte der Zustand dieser quälenden Halbheit. Sie waren ausgefüllt durch endlose Verhandlungen. Die Zugeständnisse, die Oesterreich-Ungarn madjen wollte, roarcu dem sacro egoismo der Italiener jfu gering, nnd der Kriegswahnsinn trieb das betörte Volk mit unnnderstehlicher Geloalt in die Arme seiner Rassegenossen. Am 23. Mai 1915 war das Ziel erreicht. Diese sehr bedeutungsvolle Aenderung der politischen Konstellation erfolgte durch- einen unzweifelhaften Vertragsbruch. War bei der Neutralitätserklärung/ geltend gemacht worden, daß nach dem Dreibundverrrag der Bertragssall durch die Ereignisse nicht gegeben sei. so wurde nun, und zwar schon am 4. Mai, der Veittrag terminlos gekündigt, d. h. also glatt gebrodien.
In der Türkei hatten die Mittelmächte inzwischen einen wertvollen Ersatz für den verlorenen Wasfengefährten erhalten. Dieses Bündnis ist kein künstliches, sondern ein höchst natürliches Gebilde. Tenn Rußland, der Feind Deutschlands und Oesterreichs, ist auch der Erbfeind der Türkei. „Konstantinopel" ist sein Losungswort seit Peter dem Großen, und die Stunde schien nicht ungünstig, dieser Sehnsucht endlich die Erfüllung zu schassen. So würde die Niederlage der Mittelmächte unbedingt auch das Schicksal der Türkei besiegelt haben, und es tvar ein Akt nüchterner, gesunder Realpolitik, wenn ftrf> die türkischen Staatsmänner entschlossen, Seite an Seite mit ihnen in den Kamps einzutreten.
Es ist der während des Krieges wiederholt sehr scharf an-' gegriffenen Diplomatie der Mittelmächte entschieden als großer Erfolg zu buchen, daß der Türkei nach Jahresfrist ein zweiter Balkanstaat folgte: Bulgarien. Tenn zwischen der Türkei und Bulgarien bestanden Gegensätze, die zunächst schwer ausgleichbar scheinen wollten und auch dauernde Streitpunkte geblieben wären, wenn nicht die Türkei unter kluger Einschätzung der Gesamtlage bereit gewesen wäre, dem Nachbar ganz erhebliche territoriale Opfer zu bringen. Im Septeinber 1915 kam es zu einer Grenzregulierung, die jedem Mißtrauen von bulgarischer Seite für die Zukunft die Wurzel abgraben mußte. Im Oktober schloß sich dann Bulgarien den Mittelmächten an nnd bestellte den Bund alsbald in glorreichen Kämpfen auf serbischem Boden. Eine Fülle neuer Perspektiven eröffnet? sich Air uns mit dieser Wendung. Der Weg zum Orient lag frei vor uns.
Bulgarien gewannen wir, Rumänien aber ging uns verloren. Ein 30 Jahre altes Schutz- und Trutzbündnis verband uns mit Mnig Earols Land, und wir möchten glauben, daß es trotz 'aller Anstrengungen der Entente niemals zu einem Bruch der Verträge hätte kommen können, wenn nicht der Tod König Carol das Zepter aus den Händen genommen hätte.
Das war schon im Herbst des ersten Kriegsjahres. Seitdem tobte ein heißer Kampf um die Seele Rmnäniens. Mehr als einmal glaubte die Entente sich bereits am Ziel ihrer Wünsch', aber immer gab es neue Widerstände, mochten es nun rumänisch Handelsinteressen sein, die den offenen Bruch mit den Mittelmächten als unvorteilhaft erscheinen ließen, oder letzte Regungen des Friedenswillens. Luzk mußte fallen und Czernowitz, um die endgültige Entscheidung zu bringen, die Entscheid img, von der sich die Entente eine Kriegswende versprach und die ihr doch nur die Ouelle schwer- ster Enttäuschung und Verdrusses - werden sollte.
Blieb Griechenland. Es verzichtete aus das Schicksal Rumäniens und wählte die Neutralität. Dafür trafen es die Bann- strahlen der Enteitterach. Mit Heldenmut hat Land und Volk einer schier unabreißbaren Kette unerhörter Gewaltsamkeiten getrotzt: bis bin zur letzten, die ihm den König nahm. Wenn sich die Entente durch dieses Verhalten strategisch und sonstige^ Vorteile, die nicht gering anzuschlagen sein mögen, verschaffte, so stellte sie sich damit doch selbst vor aller Welt an den Pranger und es bleibt zmn mindesten recht fraglich, ob sie diese Heldentat auf der Seite des Soll oder auf der des Habens zu buchn hat.
Vom Eintritt Rumäniens in den .Krieg an bis zum Frühjahr 1917 schwieg die Polittk, sprach uur das Schwert. Tann aber traten kurz bintercmanbei- zwei Ereignisse ein, die der Weltlage, eine jede in ihrer Art. ein völlig neues Gesicht gab: die russisch Rcvolutton und die amerikanische stiegserklärung. Heute sehen wir diese Geschehnisse schon unter .icm Abstand, der uns einen leidlich klaren Ueberblick verbürgt. Als sie sich ereigneten, war es ungleich schwerer, zu ihnen Stellung zu nehmen.
So erklärt sich bas Shrriofum, daß die Rcvolutton in den Ententeländern, denen sie später so schweren Schmerz bereiten sollte, zunächst mit lautem Jubel begrüßt wurde. Ms eine Kriegsver- schärftrng wurde sie angesehen, während sie doch, freilich erst nach mannigfachen ^lbwondlungsprozessen, schließlich zur Kriegsbeend-i- gung im Osten führte. Der Friede von Brest-Litowsk und der durch ihn bedingte Friede von Bukarest lagen gewiß nicht aus der Linie der Wünsche jener Männer, die am 15. März die Geschicke Ri"'- lands in ihre Hände nahmen: aber dieselbe Welle, die sie fcu.,'t hochgehoben har: , trug aus ihrem Kamnl den Friedensgedaukeu> und ihm gehörte hie Zukunft.
Dagegen wissen wir alle, daß das Eingreifen Amerikas kriegs- verlangernd wirken mußte. Tenn der Entente erschlossen sich mü
ihm Hilfsquellen, die ihren Mut immer wieder aufsrischen, ihre Widerstandskraft immer von Treuem aufteizen konnten. Wir haben es ja seitdem schon oft gehört: bei jeder Niederlage heißt der Trost: Amerika, uird schon die Tatsache, daß der Feind der Volksstimmung gegenüber )'oItf> einen Trost ins Treffen führen kann, bedeutet für ihn eine moralische Stärkung, die gewiß nicht unterschätzt werden darf.
Jmmcrlstn ist cs fraglich, ob es den Ententemächten bei dieser Lage so red)t wohl geworden ist. Sie werden mehr nnd nichr zu dem Bewußtsein gekommen sein, daß dieses Amerika, das den letzten Hoffnungsanker für sie. die schon so ungeheure Opfer auf den. Schlachtfeldern des Weltkrieges brachten, darstellt — daß dieses! Amerika die Situation dod> leidst mißbrauchen und sich ein Uebcr- gcwicht sichern könnte, das zu höchst peinlichen Folgen führen! müßte. Es würde sich da so etwa wiederholen, was sich im Laufe, der vier Kriegsjahre zivischen Englaird und seinen Verbündeten abgespielt Ijat. Die Aussagen französischer Gefangener nnd auch der Landesbewolmer in den besetzten französischen Gebieten haben uns oft reinig über die Empfindungen aufgeklärt, die Frankreich dct englischen Tyramiei cntgegenbringt. Findet nun auch England» seinen Zwingherrn? Oder geht die Reife gar nod) weiter? Wartet Japan nur aus den rechten Moment, um seinerseits wieder Amerika die Zähne zu zeigen? Tas sind Probleme und Sorgen, die unseren Gegnern vielleicht nod) manches Kopfzerbrechen bereiten! werden.__
Aus Stadt und
Gießen, den 2. August 1918.
** Auszeichnung Dem Sanitäts-Unteroffizier Ludwig H a u b a ch wurde das Samtätskrenz verliehen. Das Eiserne Kreuz ist bereits in seinem Besitz.
** Die Königliche Gesellsch aft der Wissenschaften hat in i hi er Sitzung vom 20. Juli Herrn Prof. Dr. I. W. Speugcl zum korrespondierenden Mitglieds in ihrer matt'-ematisdpphysikalischcn Klasse gewählt.
** Teuerungszulagen f ü r Eisenbahner. Vom Reichsschatzsekrctar Graf Rödern wurde in der letzten Rcichstags- sitzung am 13. Juli eine wirksame Teuerungsmaßnahme für den Herbst in Aussicht gestellt. Ter Allgemeine Eisenbahner-Verband unter Leittmg des Reichstags ab geordneten Jckler hat daraufhin. Schritte unternommen, um and) ftir die Staatsarbeiterschast eine entsprechende Teuerungszulage zu erlangen. Tie diesbezüglichen Arbeiten sind, wie wir erfahren, von Ersolg gewesen, und hat der Eisenbahn minister unter dein 30. Juli verfügt, daß eine in der zweiten Halste des Migust zu zahlende außerordentliche Teuerungszulage in Höhe des sech'stachen Betrages der monatlichen Teuerungszulagen, im Höchstfall Mk. 500, zu zahlen sei.
** Richtpreise für Arznei u n d G e w ü r z p f l a n - zl.e n. .Auch in diesem Jckhre mad>e i sich bereits »nieder bei Gewürzen _ und Arzneipflanzen Preistreibereien gellen, weldfe in den Gestehzmgs- nnd HandlungsUnkosten keine genügende Rechtfertigung finden. Insbesondere soll dies bei Pfefferminze und Kümmel zutteffen. Um diesen Mißständen zu begegnen, ist in Au.ssidst gcuomnren. für die hauptsächlichsten garten- oder felümäßig angebauten Arznei- und Getrmrzpftanzen, nämlid) Pfefferininze, Fenchel, Baldrian und Eibisch, sowie Kümmel, Esttagon, Majoran «und Thymian Richtpreise fest zusetzen. Die. Ec-zeuger- und Aus- käuferrichtpreise »verden durch die Preisprüsungsstellen der Haupterzeugergebiete sestgestelll. RichtaNssdfläge für den Drogengroßhandel werden sodann, soweit Arzneft'!lanzen in Bettacht kommen, durchs die Rid)tt>reiskommission beim Kaiserlichen Gesundheitsamt sestgestelll werden. Die Borberettnngen zur Feststellung dieser Richtpreise sind bereits getroffen, wes hall Erzeuger und Händler ■auf das demnächstige Erscheinen dieser Preise aufmerksam gemadjt 'und vor Preistteibereien gewarnt werden.
Kreis Schotten.
Up. Aus dem Vogelsberg, 31. Juli. Die Raps- und Wintersamenerrtte ist, wie jetzt i»er Ausdrusch zeigt, nicht so ausgefallen, wie man nad) dem Stand im Frühjahr anzunehmen berechtigt »oar. Tie lange Trockenheit ließ eine volle Entlvicklnng der Körner nicht zu, so daß diese klein »vie beim Sommerraps geblieben sind. Dadurd) wird das Maß gettnger. Tann richtete der Rapskäfer, durch die Trockenheit begünstigt, starken Schaden an. Ter dünne Stand der Stengel sd)affte Platz für die Kamille. Wie üppig diese im Raps gedieh, zeigt der Betrag für Kamillen, den viele Landwirte bei der Rapserntc erzielteri.
Kreis Friedöerg.
H. Vilbel, 1. August. Dem Bud>druckereibesitzer und Schriftführer^ des hiesigen Kriegervereins I. Wagner wurde das Preußische Verdienstkreuz für Kriegshilft verliehen.
Starkcnbttrg und Rheinhessen.
ch. Bingen, 1. Aug. In einem hiesigen Gasthaus wurde von zwei Schutzleuten ein Gauner in der feldgrauen Uniform eines Vizefeldwebels fest genommen. Er hatte sd>on einmal unter einem andern Namen hier eine Weinbeftellung aufgegeben, den Wein sofort übernommen und die Begleidfuug dos Betrages von 500 Mk. seinem Regiment überlassen. Dieses Regiment besteht nicht. Eine andere hiesige Firma wurde von dem Gauner um 2000 Mk. betrogen.
Hessen-Nassau.
ch. Vom Hunsrück, 1. 9lug. In Liebshausen ist in der Sd-eune des Jakob Metzer II. Feuer cmsgebrod>en. Das ganze Anwesen, bestehend aus Wohnhaus, Stallung und Sd)eune, fiel dem Brande zum Opfer. Der Schaden ist bedeutend. — In Siin- mern wurde einem Jungen von einem andern Jungen ein Finger abgehackt.
Idstein, 1. Aug. Der Bürgermeister a. D. Hahn aus Dermbach hat irrt letzten Wirtschaftsjahr aus seiner Ernte im Wege des Schleichhandels, soweit ermittelt wurde, 4 Zentners Roggen und 96 Pfuird Hafer vertäust, uird 40 Zentner Getteide und Mehl, die beschlagnahmt »varen, beifeite zu fchaffen versucht. Ferner hat er Weizen an die Hühner veftüttert und große Mengeft Raps nicht angemeldet. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den Mann zu 1600 Mk. Geldsttafe.
Liochschulnachfiehten.
* Universität Dorpat. Die baltischen Blätter ver- ösfentlrden Auen warnihn-zigen Auftnf, in dem gebeten wird, dev Universität Dorpat Lehrmitiel jeglicher Art, Apparate, Gegenstände wissenschiaftliclier Sammlungen, Bücher, Zeitsdwiften, (Mb* spenden und endlich Hculseinttchttmgsgegenstände für die Uni- versitalslliniken --nwenden und ül dem balttschpn Städten Unterausschüsse znr Werbe- und Samlnellättgkeit bilden zu wollen. Wir geben diese Anregung im Interesse der guten Sache lvekter in der Hoffnung, daß auch aus Teutschlaud recht zahlreiche Spenden ein- gehen werden. In der Tat sind die akademischen Institute urtd Lamntlungen durch die „Evakuierung" settens der Russen stark mitgenommen. Insbesondere Hot die Bibliothek, vorl-er mll 420000 Bänden eine der reichsten Bibliotheken Rufstaiids, enorin gelitten. — Da die Vorlesungen am 16. Septeinber beginnen sollen, ist inöglickKle Beschleunigung geboten. Sendungen fiitö äin adressieren: „An die Universitätsverwaltung beim A. O. K in Dorpat z. H. des Herrn Proftssors Dr. F. v. Krüger." Die Sendungen gehen ftackxtfrei, wenn auf dem Frachtbttef vermerkt wird: „Prioatgut der Militärverwalttmg." Geldsendungen werden zweckmäßig ans das Koitto: „Hilfsfonds der Universftät Dorpat" für die Tvrpatcr Bank bei der Diskontogesellschaft Berlin ein- gezahlt.
Airchliehe Nachrichten«
Israelitische lleligionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge
(Süd-Anlage). Samstag den 3. Aug. Vorabd.: 8.30: morg.: 8.30 Predigt: abds.: 9.20 n. 10.00. — Israelitische Ueligionsgcsellschaft. Sabbatseier am 3. Aug. Freitag abd.: 8.00; Samstag vorm.: 8.30: nad)m.: 4.30; Sabbatausg.: 10.00. Wochengottesd.: morg. 7 00. abds.: 8.00. ,
Letzte Nachrichten.
Dcr neueste Bericht -er L-eeresleitnng.
(WTV.) Großes Hauptquartier, 2. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe KrouprinzRupprecht.
Die Artillerietätigkeit lebte am Abend vielfach auf. Rege ErkunduugStätigkeit während der Nacht.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Soissons und Före-en-Tardenois setzte der Feind gestern seine vergeblichen Angriffe fort. Nach ihrer Abwehr und nach Auftmlmen des gestrigen Schlachtfeldes hi den wir während der Nacht in der großen NachhulschlMt unsere Bewegungen plangemäß fortgesetzt. Stacker Artille- riekanrpf ging den feindlichen Angriffen voraus, die sich am Vormittage gegen unsere Front beiderseits von Hillemontoire richteten und sickj am Nachmittage südlich Hartenncs aus dehnten. Sie wurdm vor unseren Linien teilweise im Nahkampfe alTgttviescn. Ochne jeden Geländegewinn hat der Feind hier wiederum einen vollen Älißerfolg erlitten. Unter Einsatz starker Kräfte griffen englische und französische Divisionen am frühen Morgen auf der Linie nördlich von Grand Pozon —Ferc en-Tardonois an. Beiderseits von Beugneur konnten ihre Panzerwagen über mlsere vorderen Linien hinaus die Höhen nördlich des Ortes gewinnen. Hier schoß unsere Ar tillerie sic zusammen. Nad; erbittertem Kampfe wurden auch die Infanterie-Angriffe des Feiiwes an den Nordhängen der Höhen zum Scheitern gebracht. Auch am Nachnlittage erneuerte feindliche Angriffe wurden hier blutig abgewiesen.
Zwischen Eramaille uild Före-en-Tardenois brachen die ebenfalls sehr starken Jirfanterie- und Panzerwagen-Angriffe des Feindes vor unseren Linien zusammen. Starkes feindliches Feuer zwischen Förc^en-Tardenois und dem Menniere- Daldc folgten Jnfanterieangriffe nur nördlich von Eierges. Sie wurden abgewiescn.
An der übrigen Front herrschte Ruhe.
t u der Champagne erfolgreiche Vorfeldkämpfe südlich ichlelberge und östlich des Suippes. Mrdwestlich von Perthes drängten wir im örtlichen Vorstoß den Feind aus seinen vorderen Linien zurück und wiesen nördlich von Le MeSnil Teilangriffe des Feindes ab.
Heeresgruppen GallwitzundHerzog Alb recht.
Erfolgreiche Jnfanteriegefechle westlich der- Nlosel und an der Selle.
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Wir schossen gestcrit 14 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone ab. Hauptmann Berthold errang seinen 40. Luftsicg. Unsere Dombenflieger waren während der Oiacht sehr tätig und vernichteten u. a. ein großes französisches Munitionslager nördlich von Talon.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorfs
* * *
Berlin, 2 Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Me »vir hören, hat der Ehef de§ Admiralstabes Admiral von Holtzendorsf sich aus Gesundheitsrücksichten genöttgt gesehen, Se. Maj. den Kaiser um seinen Abschied zu bitten. Als OLachsolger ist der Chef der Hodffeestreitkräfte 'Admiral Scheer auserwählt. Die Lage im Westen.
Geni, 1. Aug. In der Victoire sd-reibl Gustav Herve unter der Ueberschrift: Vorsichtige Verfolgung, daß alle Welt über die gemächlid>e Ruhe und Langsamkeit erstaunt sei, mit der sicb die deutschen Truppen zurückziehen konnten und fragte woran es liege, daß Fvch nicht in der Lage gewesen sei. den Feind beim Rückzug zu bänmrgeir. Man muß, schreibt er, auch gegen seine Feinde gerecht sein; die deutsche Nachhut sd)lug sich nicht nur mit Tapferkeit, sondern sie manövrierte auch glänzend. Es sei befremdlich daß der ftanzösische Heeresberidit, der ein Vorrücken auf einer Frontbreite von 30 Kilometer ankündigtc, nur 400 Gefangene vermerkte. Noch auffallender sei die Tatsache, daß keine Kanone erobert wurde. Wenn der Feind seine ganze sd-werc Artillerie fort- räumen konnte, so sei dies ein schöites militärisches Meisterstück. Herve wirst schließlich die Frage auf, ob man nicht vor einer Falle stehe, ob der deuffche General stab die ftanzösischen Truppen nicht an Positionen hevaulocken wolle, wo schwere Arttllette unt starke Truppenmassen den Feind envarteten.
Fünf Dampfer versenkt.
Berlin, 1. Aug. (WTB. Äuttlid^.) Im Kanal unü an de» Westküste Frankrcichis wurden fünf Dampfer aus tcilwerse stark gesicherten Geleitzügen herausgefchossen, zusammen li> 000 BRT.
Der Eh es des Lldmiralstabes der Marine.
Die Verluste der feindlichen Flotte.
Im Verlause dieser vier Kttegssahrc haben die semdlicheti. Flotten verloren: 25 Linienschiffe, 26 Panzerkreuzer. 45 geschützte Kreuzer. 187 Zerstöver und Torpedoboote, 87 U-Boote, 23 Kanonenboote und Monitvre uird 75 Hilfskreuzer. Das sind iveir mehr Schiffseinheiten, als unsere Hochseeflotte bei Kriegsausbruch besessen hat. Sie bestand am 1. August 1914 aus: 33 Linienschiffen. 12 Panzerkreuzern, 33 geschützten Kreuzern, 10 Kilnonenbooten, Io6 Torpedobooten und 28 Id-Booten. Gegenüber den großen Ver- lüsten der Gegenseite braucht nur daraus hrngeiviescu zu werden, daß Delttschland seit Kriegsbeginn nur ein Linieiffchiff verloren hat. die in der Skagerakschladst gesunkene „Pommern". Des loeitereir ist die große Zahl verlorener fein dl sicher Hilfskreuzer. Zerstörer iund U>-Boote bemerkenswert. Bon ihnen ivurden allein im vierteil .Kriegsjahr von den Flotten der Mittelmächte oder durch andere Urfaäien versenkt: 63 Zerstörer, 25 U-Boote und 24 Hilft- ckreuzer. Dser Unterseebootkrieg macht sich also besonders in djesen Einheiten der uns gegenüberstehenden Flotten benrerkbar. Deutsches Abkommen mit der Donregierung.
Haag, 1. Aug. Tie „Times" meldet aus Stodhilm, baß binnen kurzem zwisicheu der deutscheir Regierrmg und der Regierung» des Donbeckens, dessen Vertreter General KraSzew sei, ein W- kommen über die Anerkennung der Illiabhänchgkeit des DongebieteL zustande komnten werde, da? Versprechen seiner absoluten Neutralität abgeben und im übrigen in wirtsdnftlicher Beziehung mit der Meistbegünsttgungsklaüfel mft Teuffdstaild eingehe.
Tie Tägliched Rundschau" bemerkt hierzu: An zuständi^ef Stelle ist von einem solch.'n Abkommen nichts bekannt. Amerikanische Giftgase.
Berlin, 1. Aug. 0tach SdMeizer Berichren der Deutschem Zeitung wird in den d-"milchen Fabriken ganz Amerikas Esiis in kolossalen Mengen hergestelll,' und die FaidZleute bemühen sich, noch wirksameres Gas als das der 'Deutschen zusammenzustellen. Der Erntestand.
Berlin, 2. Aug. Der „Berliner Lokalanzeiger" hat seinen Berichterstattern in den verschiedenen Teilen Deutsd)lands den Auftrag gegeben, ihm durch Erkundigungen nicht bei behördlichen Stellen, sondern bei landwirlsd>astlichen Sadiverstäudigen nnd Fachorganisationen einen Einblick in die Ernteaussichten ihrer Bezirke zu verschaffen. Danad) ist der allgemeine Stand ein überwiegend günstiger, so daß wir, ivcnn die Witterung uns sdcheßlich nicht m>ch gar zu schlimm mitspielt. eine gute Mitteleritte zu gewättigen haben. Roggen steht vielfach sehr gut. Gerste und Hafer erholt, Weizen meist befriedigend. Frühkartoffeln mäßig, Spätkartoffeln gut.


