1&99UK Ä ». Aus bn öfttichk-si Tschecho-Ulo-
55t e auf beiden Bahnlinien vor. An der
«chn ^ekaLerrnourg—-rlchttsabinsk sind die Sowjatttuppm am du: ^LaLmn MramersLaja zurückgegangen. An der Westuralftow WZen^oie bei Ar-oslanowv. Tie Bahnlinie ist
vielfa ch u nterbrochen, In der Rich^tung Rowvrinsk stehen die ^^ivieNnuppen am der Linie Station Luwwskaja—Olichowskoi— weroftn
Engländer haben in Archangelsk gewaltsam ihre Mission gelandet.
Die frühere Zarin ist aus Jekaterinbnrg fortgeschafft worden.
_ JSPJx* Uebersiedelung der Ententebotschafter ans Woloada
"mutz Archangelsk muß gerechnet werden.
Das Verbot de» italienischen Sozialiftentongrcsses
, , Bern, 23. Juli. Angesichts des Verbotes des italieni- Me« soKralistenkongresses fordert der römische Aus- tchuß der sozialistischen Varleileitung sin heutigen „Avanti" alle tParttrmitglitter auf, die Beteiligung an Körp^ftchaften und Handlungen, die die Mitarbeit der Sozialisten benötigen, als Protest gegen die diktatorische Regierungsmaßirahme abzulchnen Wae „Maarti" ferner aus Rom meldet, hat der soziallstischc Depu- tverte Gvazaadie dem Manisterpräsiderrten am 19 Juli brieflich Mflg^eilr, daß er du Mitarbeit in der Kommission für Uelvrgangs- wtrt>chaft, in die er von Orlando berufen worden war, verlöeigert Wenn der Entschluß Graziadies auch nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Aufforderung des römischen Ausschusses der ^ sozia ln laschen Parteileitung steht, so kann doch festgestellt loerden, das; nunmehr drei sozialistische Deputierte die Beteiligung an der sogenannten Kommission Mit der Begründung abgelehnt haben, daß sie als Mitglieder der sozialistischen Oppositionspartei - ix l.. E ö!0Tt Regierung ernannten Kommissionen Mitwirken koruren.
Eine Erklärung des belgischen Mirnsterpräfidentetr
Le Havre, 23. Juli. <WTB.) Bei dem von der belgischen Regit-^mg den belgischen Parlamentariern gegebenen Frühstück er- klE Ministerpräsident Cooreman: Belgie^i will keinen anderen Medien als euren Frieden der Ehre und des Rechts und weist die Nchne, kürzlich im Reichstag ausgesprochene Theorie zurück, aus Belgien ern Faustpfand in den .Händen seines Schuldners zu machen, der von Belgien Bürgschaften für sich, der es angegriffen hat, verlangt-, Belgien wird sich über die Reorganisation der Be- frvetjimgat -wischen den Staaten nur in vollem Einvernehmen mit den Machten cmsstwechen, welche mit ihm für die Sache des Rechts kampren.
Lichtlose Nächte in Amerika.
Bern 23. Jüli. (WTB.) Der ,Matin" berichtet aus Neu- »Ka'jfPOi - Regierung für eine bestimmte Zeitdauer vom **YÜr aif Tur 0Te ^kaateir New England, New Jersey, Neu- .27?* ^Dömrkhlvamen, Delalvcrre und Maryland sowie für den JitQtnu Eolumbia vier lichtlose Nächte und für die übrigen -Lvaaten zwei lichtlose Nächte in der Woche cmgeordnet habe.
Zum Rücktritt des Kabinetts Seidler.
o ^ l e n, 22. zzuli. ' W^B. Nichtamtlichst Die morgige „Wiener tsertung ' wrrd das nachstehende allerhöchste Han d s ch r e i b c n
veröffentlichen:
^ ^üter v. Seidler! Sie haben unter Berufung auf
me ^(m taltimg der parlamentarischen Lage mir die Bitte um ^mtbung mrm Amte unterbreitet, welcher Bitte sich die übrigen * r ^knnetts anschlossen. Zur Begründung dieses Ansuchens haben <ore darauf hingewiese^l, daß Sie sich für Ihre Bemühungen, rm Parlament eine Mehrheit für die Staatsnot ginnen -u sichern, keinen Erfolg mehr versprechen, daß rSELPf* '^lfldernrs^ lchrglich in Ihrer Person und Ihrem Ver- ir™? emet politiichen Partei gelegen sind, die gege:rüber den s^a tsnouoendrg ketten kerne ablehnende Haltung ein nimmt, vicl- inepr bereit wäre, em-e andere, nämlich eine die allgemeine Rich- tnng veriolgende Regierung zu unterstützen. Unter diesen Um- stmwen erblicken Sie selbst in Ihrem Micktritte die Vorbedingung ,nr «ue befriedigende Klärung der parlamentarischen Lage. So s chwer es mir fallt, auf Ihre fernere Tätigkeit an der van unter den schwierigsten Verhältnissen zu meiner vollsten ZMrie^nheck verschnven stelle zu verzichten, vermag ich mich y&SFfc* Erwägungen nicht zu verschiliesMi. Von der Avsrcht geleitet, die von Ihnen verfolgte Richtung unter Wach- ^ ^veür«ue nsvollen ^Verhältnisses zu jenen Gruppen, die mr_ die Bedürfnisse des Staates einzutreten gewillt sind im ZummmenwirSsr mit der VollSvertrellmg festgehalten zu sehen rch Mich daher bestimmt, den Rücktritt des GesmntkabiiE rn Gnaden anzünehinen, imd beauftrage dasselbe bis zur Mldung der neuen Regierung mit der Fortführung der Geschäfte gez Karl m. p. serdLer m. p. Eckartsau, den 22. Jälli 1918.
Der Nachfolger v. Seidlers.
. . Aien, 23. Juli. Freiher Hussarek konferierte im Laufe de- Nachmittags mtt Vertretern der Sozialdemtikvatcn, dem Präsi- p«rm, des tschechischen Verbandes, Vertretern der Südslaven v m 1 ? im * Rumänen. Abends werden Vertreter der Deutschen und Polen von Hussarek empfangen werden. Hussarek entwickelte den Parteivertretern ein Programm, das, wie verlautet, für den!
jetzigen Sessionsabfchnrtt sich aus die Verabschiedung des Budget-
provlsoriums^ unter Beibehaltung der gegenwärtigen Kabinetts- Untglleder beschrankt. Für den Herbst soll eine umfassende Reform der Verwaltung, eine Regelung der Ernährungs- und Finanz- tragen tu Angriff gewonrinen roerden. Hierfür soll das Kabinett bmen starren Pa rl amentarisfl-en Einschlag erhalten.
- i 2'- Juli. Ten Blättern zufolge erschien der desig
nierte Ministerpräsident H ussarek vormittags im Abgeordneten- hause und empfing zunäävst die Mitglieder des Verbandsaus- Ichlusses der deutsch-nationalen Parteien, wobei er die Richtlinien der Pvlittk entroickelte, die er im Falle seiner Ernennuiig zum Mimsterpi'asrdenten befolgen würde. Aus dieser 'Darlegiing geht heivor, daß er vorläuftg ein Beamtenkabinett unpoli- t 1 1 ch e nl C h a r o k t e r s zu bilden beabsickchigt; das er jedoch zu emem späteren Zeitpunkt durch Aufnachne von Pvrlamenta rierrf umzugestalten gedenkt. Unmittelbar darauf trat der Berbandsaus- schuß der deutsch^nationalen Parteien zusamnren, um zii Heu Er- rlarungen Hustareks Stellung zu nehmen. Nach den Vretvetern, o^^sichk^Eionalen 'Parteien mepftng Hufsavek den Vorstrnch der Ehrijckichüozr-alen^ Vereinigung Nachnrittags wird der Ventterer Der Tschechen, südslaven und Ukrainer empfangen.
Aus dem österreichischen Abgeorduetehauö.
Wien, 23. Juli. (WDB.) Das Abgeordneten- Zaus lehnte nach zweitägiger Behandlung in namentlickier Abstimmung mit 215 gegeri 162 Stimmen den Antrag der Tschechen auf Erhebung der M in i ste r anklag e gegen den Ministerpräsidenten v. Seidler und den gewesenen Minister des Innern Grasen Toggenburg wegen Erlassung der Kreisverordnung in Böh^nen ab.
Darauf begamr die Verhandluirg des von den Obmännern sämtlicher Parteien eingebrachten Antrages, in dem die Regierung aufgesiirdert wird, über die Vorkommnisse an der Süldwestsront und im Hinterlorrde gerrnue Ausschlüsse zu er teilen. Die Verhandlmrg erfolgte gemäß dem Beschluß des Hauses in geheimer Sitzung.
voraussichtlichen Rohstoffbedarfs in der lieber-, gangszeit haben vor einiger Zeit im Reichswirtschafts- anrt vorbereitende Besprechungen mit den beteiligten amtlichen Stellen stattgefunden. Es ergab sich, die Uel>ereinstim- mlung, daß KU Len für die Bedarsserrnittluag nötigen Erhebungen in erster Linie die H a n d w e r k s k a m m e r n als bemtfene Vertretimgen des 5)andtvenks herangez^gen werden sollen. Die Besprechungen über diese Frage werden fortgesetzt.
Weimar, 24. Juli. (B. T.) Hier winde die g^ründung einer Klei de rversorgungsgenossen schuft deschü sien. Dieser wird die Bennrtschaftung des seitens der Reichsbell chmagsstelle in Weimar zu errichtenden Reichslleiderlagers übertragen werden. Ihre Aufgabe wird zunächst der Absatz der für die K riegsarbeiter- schast gesammelteir Männeranzüge sein. Später wird auch der Absatz neuer von der Reichsbekleidungsstelle zu beschaffender Anzüge hinzu kommen.
Freiburg, 23 .Juli. (B. Tst Die sozialdemokratische Organisation des 9. sozialdemokratisches Reichs t a gswahlkreises Freiburg hat beschlossen, zu den unabhängigen Sozialdemokraten überzugehen.
Der Khedive von Aegypten tn Berlin.
Berlin. 23 . Juli. (WM.) Der Khedive v»n Aegypten ist heute früh 9 Uhr in Berlin etngetroffen.
Der Seekrieg.
Neue A-Boot-Erfolge.
Berlin, 23. Juli. (WTB. Amtliche) Einer unserer U-Kreuzer, Kommandant Korvettenkapitän von Nostiz und Jänkendorff, hat 15 Dampfer und 12 Segler mit zusammen rund 61 000 Bruttoregistertonnen versenkt. Unter den versenkten Dampfern befand sich der bewaffnete englische Truppentransportdampfer „Dwinsk" von 6173 Bruttoregiftertonnen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine. Das Juni-Ergebnis des K-Boot-KriegeS. Berlin, 23. Juli. (WTB. Amtlich.) Im Monat Juni sind insgesamt 521 000 B r u t to reg i sterlo n- nen des für unsere FeiuLe nutzbringenden Handelsschiffsraumes versenkt worden.
Der ihnen zur Verfügung stehende Welthandelsschiffs- raum ist somit allein durch kriegerische Maßnahmen seit Kriegsbeginn um rund 18 251 000 Brt. verringert worden. Hiervon sind rund 11 175 000 Brt. allein Verluste der englischen Handelsflotte. Nach den inzwischen gemachten Feststellungen sind im Monat Mai außer den seiner Zeit bekannt gegebenen Verlusten der feindlichen oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handelsschiffe noch weitere Schiffe von rund 48000 Brt. durch kriegerische Maßnahnren schwer beschädigt in feindliche Häfen eingebracl-t worden.
Der Chef des Adntiralstabs der Marine.
Aus dem Reiche.
Dr. Helfferich Botschafter in Moskau.
(WTB. Amtlich.) Ter frühere Stellvertreter .des Rerck>skanzlers, Staatsminister Tr. Helfferich ist zum diplomattschen Vertreter des Deutschen Reiches in M o s k a u ernannt worden.
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m Aerlin, 23. Jnli. (WTB.) In der am 23. Juli unter dem Vorsrtz des Stellvertreters des Reichskanzlers, Wirll. Geheimen Rates v. Payer abgehalteneir Plenariitznng des Bundesrates wurde der Entwurf von Ausführungsbestimmungen zum U m - satzsteuergesctz angenommen
Berlin, 23 Juli. (WTB.) Der Rohstoffbedarf des Handwerks rn der Uebergangszeit. Wegen Ermittlung des
Die Grippe in der dramatischen Dichtung.
Die eigentümliche Seuche, die als ,,Spanische Krankheit" gegenwär- trg m ganz Euwpa umheriMc kt, ist bekaruttlich imter vielerlei Na- men (Grtppe, Influenza, Tannenwetzel, sparrischer Pips, Le horion, Tondo, La Gvermde, La Coguette, Schmrrkirkel usw.) schon in imbtcen . a^hunderben des öfteren ausgetrewn. Etliche Komödien ge^en davcrn Kunde daß marr in der „grtten alten Zeit" mch diesem ^charüeu mrd gesahrlchm Gast, gsgeniiljcr den Humor nicht verlor. Als cm Jahr 1414 m Europa eine grippmarti^e Seuch? grassierte ^ ^ Deutschland Tannenwetzel (mundartlich TmrnenwatsckiLl, TanawasckMl-, geimnnt roitübe, machte man sich in einem in süd- dcullchen Städten pvn Handwarm dargestellten dramatischen -Wüe, emer ,,^tmMst-.Wm^i", über den ftechm Eindomaling weüLchlu lüg.Ter Name Tmramäschel wird von dem altdcutsckien Lchlüft) und Wetzet, Watsck-el, Wäschel l--Schlag oder Ltrpch hergelettet. Wce das fvanzosüche te horion (Schlag vor deri 5ivps- tennzechliet es treffend eine D-uche, die mit starker Emgenommenhüt des Kopses beginnt. Wie in den zur Zeit des „großen^ Lterbens" so pvpnlä'cen Dodentanzszene :\ der Gevatter )o erscheint in diesem Spiel die Seuche als Tana- waichÄ rn er.tes Liechen Gestalt vor den Schra,rken eines hohen ^rlckRshoies s hnc^r ihnc kommen in buntem Gefolge Ritter, fah.-eiwe Schüler, Kauynann, Bauer, Klosberchau und Jungfrau, die al^ vor dem Lanomarschrll und den vier Gerichtsbeisitzern
Tkmte Klage über Ine ihnen durch Tanawäschü widechahrene Unbill n. Dem fahrenden Schüler hat ec alle Lust an seinen ffGlicheit
cifyebth. tu-ut: un ,euren sroUlUpei?
«Ederunoen gerrommen, dem Rctter sein holdes Weib, der Jung.^ trau rhren ,ur,orglchen Vater geraubt; der Kanßnann muß auf '^^Sewmnbrmgenden Handel verachten und arbeitslmfähig m,f der Bank liegen. Auch che Nonne Jammert, schilt und Maat: ihr Orden .mußte Metten, Prim, Bert und None ganz und gar vergessen —
Bon huosten, nutzen und speiben Rtocht wir in der Kirchen nrt plcibcn /
Das Lmr vom Tanawchchel her."
^X* ltv T aHi c!iL Beronttoorttms aufgejdrbert, bestreitet che Sch-. - Alle lÄckranktemso chhauptet er, hätten sich ihr Leiden selbst Urg/zogen ■ ut herben rl^ersen hält er ihnen vor, wie sie duvck> Trunk Qxrtu .itfm, st'-ttNk>Lerd-ns<chw ww. ihre Ges.uwl-eit erschüttert^' ^.Am hat zue ml getnmKm/
Dar chm die Leber ist efftzunLn.
Der ander sftnk als ain as
Und ist von Natur ein rechter fräs.
Ter dritt minnt zue vil/
Des ich nit entzgellxm wil.
Dem vierten ist faul sein Hertz/
Das selb ist mir ml ain scherz.
Lv hat mancher der jar so vil /
^ . Da- bet tob nit langer peilen /warten) wilst Als rm Jahre 1732 wieder eine ähnlich: Seuche in toun hauste und namentlich in Paris heftig um sich ,chff benutzte ern Parijer LtlDvankdichter die damalige Angst und Auf- regmrg der Pariser zu einem sattrTffchen Theaterstück. Im Atittel- punkt der ftzosse steht ern Arzt, zu dem von überallher Leute vre rhre vernwuttlichen oder yürklichs-n Leideir sckftldern, ^cnd chn bttten, sre von der „neireir KraiEheü" zu heilen. Er nracht sich dre Lache zu Nutzen und verkauft als Heilmittel Mediziu- ^ emer harmlosen Flüssigkeü. Am Schlüsse tritt ein Kapellmeister aus, der als bestes Mittel ftrr die Eickrankten das Lttigen der^ von rhur k'.mrpmfferten Heil-Arierr empftehlt und denen, dr-e Llchmerzerr in den Beinen haben, zum Tanze uuffpielt - ^ ^ ^mischen Ballet endet das -Stück. Anläßlich einer mu^ Seuche erschien rm J.cchve 1775 unter dem Titel „La GckmV' Enm Pariser Tvamattker Nau verfaßtes rmd von sian- zosifchen und ttallenischm Komödianten .häuftg gespieltes Lust- sprel, das den Namen Grippe als jteu und sonderbar hervorliebt E>er handelnde Personen sagt darüber: „Tie Pest soll mich treffen, wemt ^ch diese Krankhüt mit deni seltsamen Namen Grippe" kenne Alles, was ick, von ihr weiß, ist, taß sie Sck^ ftn, Husten und andere Beschwerden verursacht und den Aerzteii Ehiriirgei^ und ApotheHrrn nid zu verdienen gibt." Das für dieselbe Leuch geltende Wort „Influenza" oder „Jnflnencck' zuefft nur für mne grippenarttge Erkrankung der Pferde gebraucht' erch«i erstmals m^dem französisihen Schoank „Matthieu L^ö- , der den erfolgreichn Lyoner Komödiendick-tar Elmwille zum Schisser ftit und im Pariser Ambiaittl-eater am 25. Dezember 1837 urausgeftthrt wunde. Dieses Stück enthält ern .Lchrzlredchn, an dem „das allgemeine ^Leiden, das inan In- fluenza liennt, zum erstenmal besungen wird. Zum Schlüsse sei SSoZ? 50 Jahve später, in dem kritischn Winter
1889/90, m Lustspiel „Influenza" cotf der polnischen Bühne in Posen zur Tarjlelümg gelangte.
Aus Stadt und Catid.
Gießen, den 24. Juli 1918.
Der neue Kleiderstoff.
Wie wir schon mitteilten, wird es möglich sein, auÄ Zellulose Ersatzstoffe Kur Herstellung von Kleidung zu gewinnen, und der Reichskommissar Geh.-Rat Dr. Beutler erklärte, daß in den letzten Wochen auf dem Gebiete der Ersatzstoffe gemachten Koctschritte die ausgedehnteste Verwendung von Webwarerr uird Strickwaren aus reiner Zellulosefaser ermöglichen werden.
Diese Zellulysefafer verdient die Aufmerff-amkeit aller, weil sie volfftändig in Tetitschland h«rgestellt werden kann und berufen sein dürfte, uns in bezug aus Baumlvolle, Wolle . und ähnliche Rohstoffe so gut wie vollständig unab- I hängig vom Auslaiide zu inachen. Die Zellulosefaser war schon vor dem Kriege als Abfallerzang-nis der Kunst- seideherstellirng in der Form von Garn im Handel. Sie wird jetzt als Faser -durch Fabriken he^estellt und liefert dann, von den Spinnereien weiter zu Garn versponnen, ernen i^achweislch vorzüglichen Liohstoff für alle Bekleb, dungszwecke. Die Faser eignet sich auch zum Mischen mit Baumlvolle, Wolle irnfe ähnlichen Rohstoffen sehr gut. Eiiie F-rmna in. Sachsen Hut schur vor dem Kriege das ZelluLff^ garn veredelt, also gefärbt und geZilvrrnt, und dann an Webereien für die sAerstellung von Herren- urrd Damow- llcid^erstoffen weitergeliefert. Daraus angeferttgte .Kleider- N»erden schion seit vier Jahren getragen, lvas scher mn Zech-eii dafür ist, daß solcher Stoff einen Vorzuglicheni Ersatz für Baumwolle und Wolle bildet. Die Waren aus Zellutoseaarn sind tatsächlch von solchen aus Baumwolh. und Wollgarn kaum zu unterscheiden. Jedenfalls wiirde der Laie den Unterschied liicht seststell-en können, sonOern der Meinung sein, einen Wollarttkel vor sich zu haben.
Dieses Zellulosegarii überwiegt an Solidität das Pa- pieMcrrn ganz beträchtlich. Deshalb ist es heute für unsere Volkswirtschaft von so großer Bedenttmg, daß sich dies durch die Feder beinahe gar nicht schildern läßt. Wir scnd demnach so weit^, daß wir dem befürchteten Versagen der Versorgung mit Bekleidung, selbst wenn der Krieg noch lahrelmrg dauern oder wir nach dem Kriege wirtschaftlich noch langer abgeschlossen bleiben sollten, durch das er- wahitte Erzeugnis begegnen rönnen. Dieses Rohzeug gibt. bte Gewähr, daß wir heute der ganzen deutschen Bürgerschaft wirklich gediegene und wohlfeile neire Meldung zu schaffen vermögen, nnd daß dann das Verfahren der fortgesetzten Kleiderabgabe, welches ja doch zürn schlimnien Ende führen müßte, verlassen werden könnte.
*
** Aus dem Militärwochenblatt. Befördert;
^u Obervetermären: die Beter, d. Res.: Tr. Keeper (I Darmstadt) mnm> 11. Garde-r)eldatt.-Regt., Dillmann (Gießen, früher Karlsruhe), -LiepHan, (Gießen), Tr. Hitz (Neumünstier, früher II TarnffMt), Buvchhard (Worms), Hohmann lFnedberg, früher rn Gießen); zum Leutnant, vort. o. Pat.: Henneps. Fähnrich m der Tram-Wt. Nr. 18; zu Lts. d. Res.: die Vizefcldw.: Bnn- gard (Worms) im Jnf.-Regt. Nr. 116, Marsteller, (Gießen), rm ^nf^-Regt. Nr. 117, Höhn, (Friedberg); zu Fähnr.: die Unter- ofnz.: Keßler rm Juf.-Mregt. Nr. 116, Lcheel im Jns.-Reqt. Nr.
11 ff Lrngner, Garnisonverwaltungs-Jnsp. a. Pr. in Tarmstadt, Kum Garnrsonverwalttmgs-'Jnsp. ernmrrtt.
^,?^eibank. Donnerstag den 25. Juli, 2—4 Uhr, Mit s Jcr. 1141—1240.
„/\?r an, j, Iien l or ^" n 9 und Kunstdarstellung. Ueoer die. es Thema sprach geitern abend im großen Hörsaale de« Umversitat Herr Geh. Med.-Rat Pros. Tr. So mm eA Der Red- ner legte zunächst dar, wie die Kunst in den Familien vererblich
mrd zerate an drei Beispielen (Bach, Deiker und Wille, bijd ferner Behauptung. Sodann ging er zur Erl oute rungl der Forschungsrmttel: Ahnerttafel, Ahnenreihe usw. über und wies mathematischer Weise die Ahnen reihe sich aufbauett latzt. Auch eine Tescendenztafel und die Elemente des '?li>"mver- lnstes erklärte der Redner. Die von ihm konstnuerte Ahnenuhr! zeigte, wie anch hier es möglich ist, die Ahnenreihe mit iast mathematischer Besttmmthftt festzulcgen. In zahlreichen Lichtbii ^ern zog zum Safluß die Entwicklung des Staminbaums u. der Wappentafcln mr mrs vorüber, wobei bcsorrders die drei Elemeiite, die in der föe- nealogre vorherrschend sind, Literatur, Malerei und Plastik, Er- läutermig fanden. Hochinteressant waren vor allem di,- Darlegungen des Redners über die einzelnen Stanimtafeln, wie z. B. bet Goethe, Bismarck, Mollke, Zeppelin, Mhn, Bülow u a m., wo llar zutage tvat; wie die geistigen Elemente sich aufl»auten o-be» welchen Einfluß die Vereinigung des Erbadels mit deni bür.-Erlichen Element ausübt. Nur an einem Beispiel sei eine Entwck- lung verfolgt; Goethe. Bettachtet man die Ahnentaiel des großest Dichters, so ergibt sich schon die Richttgkeü der Dchaissc, ch,- l^'h. Med.-Rat Prof. Tr. Sonimer zieht. In der männlichen Linie, also von Goethes Vater abwärts, ttefsen wir nur Handwerker an, wie Sämeider, Sännied usw., dagegen weist die Ahnenfolge der dNnIterH C. E. Textvr, das ausgesproch'n geisrige Elemeitt aicf, denn deren sämtliche Vorfahren stammtm ans einer alten Junstcnsamilie.
Erst bei Goethes Vater beginnt bex geistige Einschlag in tx-r männlichen Lime, während die weibliche Linie der Mutter ihn seit Generationen answeist. Somit erscheint llar, daß die geistige Uel,er- legenheit Wplfgang v. Goethes von der nrütterliä)en Linie herstammt und daß diese Blüte in Wolfgang v. Goctlie kaum erreicht worden wäre, wenn der Rat CasMr Goetl-e, der Vater Wolsgongs, Handwerrersanrilin eücgegangen ' hätte. Mit Wolfgang v. Goellie haben alw dre drei Erbmassen des Gonthe- sä>en Geschlechts, Handwerk, Justiz und t,kunst, den Hölrepunkt ev reicht und überschritten, denn nun begrünt der Abstieg.
** D"endlose Weg lautet der Titel des neuen Romans, nnt dessen Abdruck wir in der heutigen Ruinmer des zointtieilbkrttes b<igrnr«n. Dar Storno« scimdert in iKitttiib« Tragik ^dre ^Gicksa.1e einer Familie von Berbaim- ten. Die Berftptung eiiveE sibirischen Gouverneur-, daß "der JwlMer dieses -paffes, Avon Jline, zwar unbchrnds-t rersen, jedoch sich unter keinen Umstandden langer als zehn T«ge an irgeird- ernem Orte aufholten dürse", bildet den Sel>lüssel zu den Er. cramssen. die tn vollendet künstlerischer Darstellung nntt


