Brief ans dem Vongebiet.
Der in unserer Nr. 165 genannte Bataillonsurzt schreibt in «nem wetteren Briest!:
Vier Wochen JDicgeit mir im Tagarmvg am Äsowschen Meere rmd hatten den Küstieitschtgtz .gegen etwaige Angriffe der Bolsä^e- wisten von der See. Doch, jixir eine grösteve U.nternehm.nng fmim zu fürchten, da dus Dieer ueckft seicht ist; 2 md hauptsächlich aua Tsn- wasser besteht. Bei unserer ^tts'ck^n Familie liest es sich schvn «ushalten. Ämtfig lknwn Kdhmisten aus den deutschen Ansied-. Lungen, unL Axn rmserem .'yau^wirt landlnirtschaftliche Via sch inen und Ersrchteile zu Vaustn. Er hatte ans feinem; Lager m»ch nmnche schöne deutsche Maschine und gute BenznVdove. tteberall zeigte ich bei den Kolnniswn ach!: deutsches ElNpftnöen und Wesen. Unteres ander sprechen sie fast alle plattdeutsch. Tie ntetitoi werden M>hl veichsdeutsch werden und später nach dem Baltenlande ziehen, Vieh' wollen, zurück nach Deutsch>!aind. Sie denlkn sehr pessimistisch scher die Zeit nach imserem Abzüge hier, fürchten die Rache der Russe;:, und Möchten sich um so eirger ans deutsche Vaterland anschliesten.
Bon Taganrvg rvuvden wir mit der Bahn naä)j Betts isk gebracht. Betsisk, ein Dorf pon 14 000 Eenwohnern gegenüber von der Koscheicha uchtstadt Rostow am Don, war ein Hauptstüpplmkt der Bolschewiki. Vor allen Dingen loarerr sie hier sehr sÄMr zu fassen, da der Don hier ein Delta Von 6 Kilometer Breche, biLet, sehr starke snnrpsige Flächten bespickt und nur von einem
TvmM übenpkert wird Noch vertzältniSnrätzig heftigen Kämpstn gelang es durch Umgeherng. die BolschLvif^zu verkeilen. Unsere
ArtiNerie mutzte feste eingreistn, zumal die Dolschewiki ihre c Kraft auf die Artillerie legen, die ganz nwdern ist. Bor a
ganze
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benutzen Zie gerne Panzerzüge, mit denen sie hin- und herftrhrvn., dtnn liegt unsere Front 4 Kilometer von hier erttstrnt. Es ist wohl der äntzerste Punkt, den wir besetzt halten. Tic Bolschewik schießen ivock> stste mit .Arttilleriie, richten aber nicht mehr viel ans. Mit uns zusammen, gejhni Teile der >Donkosaken., die auch hier im Orte liegen. Es sind kräftige Kierle mit chven roten Streifen an den Dosen und sehen gut aus, aber die ^Hauptarbeit überlassen sie doch lieber den Deutschem
Allmählich wird mm auch etwas Ordnung hereinkommen. Tie Eisenbapw-n werden vor aller: Dingen wieder ^hcrgeslellt und begmiren nun schon etwas regelmäßig zu gehen. Die Ltimmnngl der Bevölkerung gegen uns ist verschieden. Tie Intelligenz fühlt sich durch ims beschicht und ist einstweilen noch dankbar, das Proletariat und der kleine Baner hält uns für überflüssig hier. Bedauerliche Uebersälle aus einzelne Militärpersonen zählen nicht zu den Seltenheiten.
Ganz geivaltig sind die Preise. Hier in diesem großen Dorst kostet 1 Pstmd Butter 8 Väark, 1 Ei 40 Pseimig. Dabei kostet es Mühe, die Sachen zu erhalten. Ter Bauer hat ffv viel Geld, daß er gar nicht weist, wie er cs anwenden soll. Er .legt gar keinen Wert ans den Verkauf seiner Waren. Daher ist es auch so schwer,
die an einzelnen Stellen sicher riach zahlreich vorchaxbewen LL5o-r>
rate zu erfassen. Andererseits liefje sich durch Einfichr von allerlei Bedarfsartikeln hrustrvvuse Geld verdienen. Für Viesser, Uhren, Brieftaschen, Leder werden iabell>a^e Preise bezahlt. Diele ge- schäftsgewandte Soldaten haben sich manches verdient. Es ist keine Frage, daß Rußland in wirtschaftlicher Be^chnng eine Goldgrube für uns werden kann, vor gllem ein Niesemncrrkt süc unsere Industrie.
Das Klima hier entspricht im allgemeinen dem von TeupckZl«nd Es ist bisher noch kühl und regnerisch. Die Natur ist gegenüber
der Frankftirter und Fveib-urger Gegend sehr zurück
e Groß'
Rostow selbst ist eine ganz moderne Großstadt, ohne allen romantischen .\xmcf-,, wie man ihn bei dein MrttelpuE der Donkosaken zu finden glaubt. Nur phantastische Tftl/?rkessen und vielt Armenier deuten auf die Eintrittspstrte des ^baukasus hin. Im
übrigen ist das Strastenleben mit den modernen Mädchen und )as Bild einer westeuropäischen Gwststadt. Der
Damengestalten das .
Veikchr abends von 8 — 12 Uhr ist fast stärker als svie auf der
Friedrichstraste. Für 50 .Rubel kam: man auch in den ßemsteu
Rulssiimen.
Hotels zu Abeud speisen mit den säMsten und frischsten
Auf der einen. Seite rnodernes Grotzsladtleben, auf der anderen Seite Kanoneirdomver. Echt Rntzlano!
Men Verwandten sende kty pom Ton aus die herzlichste'' Grüße.
ANNA OTT
HEINRICH RASSNER, Vizewachtmeister VERLOBTE
Gießen
Juli 1918
z. Z. auf Urlaub.
03561
Bekanntmachung
Es wird bicrdnrch bekannt gegeben, daß die Haltestelle Marburger Straße bei Hausnummer 25 und die Haltestelle Kleines Tor an der neuen Kaserne vorübergehend aufgehoben sind.
Elektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen
Stolle. 5405
Betr: Anmelduua von beschlagnahmten Einrichtungs- gegenstäaden.
Bekanntmachung.
Die Frist für Anmeldung von beschlagnahmten Em- clchtungSgegenständen ist am 15. Juli abgelauten. Die- ienigcn Hausbesitzer. welche die Meldung bisher nickt ab- aegeben haben, können dies noch bis spätestens 25. d. M. nackholen, da dann die Ucberweisnng deS Pttldeergeb- nrfles nach Berlin und die Beuellung der Ersatzstücke für Türklinken und Fenstergriffe zu erfolgen har. DreMelde- vstichtigen sind gehalten, die nötigen Formulare zur Anmeldung bei der Metallsammelstelle: Slädt. Elektrizitäts- werke, Labnstraße 28, abzuholen oder abholen zu lassen.
Den Besitzern von Laden usw. werden nachfolgende Zugeständnisse gemacht:
a) Bis zum 31. August wird der Endtermin der Ablieferung für die erste Halire aller einfachen und abnehmbaren Gegenstände oder Teile derselben hinansgeschvben, für die eine Ersatzbeschaffung nicht in Frage kommt.
d) Bis zum 13. November 1918 wird der Endtermin der Ablieferung für die zweite Hälfte dieser Gegenstände Hinausgeichoben.
c» Bis zum 15. Februar 1919 wird der Endtermin der Ablieferung für alle übrigen Gegenstände verschoben, deren Ersatz mit Rücksicht auf die Fortführung des Geschäftsbetriebes wünschenswert ist, für die aber ein Ersatz nicht früher beschafft werden konnte Es kann sich hierbei nur um Gegen'tande besonderer Art handeln, wie kleine Konsolen und AuSlcgerarme von weniger als 10 Zentimeter Ausladung, Zackenarme, verstellbare Gelenttctle u. dgl.
Erst nach dem 15. Februar 1919 werden die mit Glasschränken und Vitrinen, Ansstellungskästen u. dgl., ferner mit Ladentischanfbauien aus Glas fest verbundenen Mefstng-, Bronze- oder Kupferkeile erfaßt. Die aus abnehmbaren Teilen bestehende Ausrüstung dieser Gegenstände fällt unter die Gruppe a. b und c und ist bis spätestens 15. Februar 101'.' abzuliesern.
Das städtische Eleltrizitätswerk als. Metallsammel- stelle nimmt bis auf weiieres noch jeden Dienstag, Mit- wock. Donnerstag und Freitag nachmittag von 3—7 Uhr beschlagnahmte, enteignete und freiwillig abzuliefernde Sparmetalle entgegen. 53958
Och Acher vsn-ag ^
des Herrn Leutnants Uriimmer von der lirregsamtstelle
Frankfurt a. M.
über
Die heststch zaftrstofff
mit Vorffchrung fertiger Gewebe aller Art
am Mitwoch, dem 24 . Juli 1918 , abends 8 ’A Uhr.
im Saale des Hotels Kirstenhsf.
Eintritt frei für jedermann. Um zahlreichen Besuch wird ßebeten.
Allgemeiner deutscher §rauenverein, Gietzener haussrauenverem
Ortsgruppe Eichen NürgeLverein Eichen
Alice-Srauenverein, Grtrgr. Gietzen GeiNerrjchastskartell Eichen.
Gießen, den 18. Juli 1918.
Ter Oberbürgermeister. I. V.: Krenzien. Beigeordneter.
6 önunfung gctcagener MMksbkrflnüung.
Im Anschluß an die Bekanntmachung vom 13. d. M. wird bekanntgegeben, daß die Zal lungsanweisungen für die abgelieser-en Kleider während der üblichen Geschäfts- stunden im Zimmer Nr. 10 des LebenSntinelanues wie folgt cu gegeben werden:
Für die Ausweise mit den Nummern:
1 bis 100 am Montag den 22. d. M. vormittags
101
201
301
401
801
<01
701
200
300
400
500
600
700
800
Dienstag
Mittwoch „ DoynerSlag
22 .
23.
23.
24.
24.
25.
OK
nachmittags
vormittags
nachiwtiägs
vormittags
nachmittags
vornrittags
nachmittags
Bom 26. d. M. ab werden die bis dahlir nicht ab- geholten Zahlungsat'wersuttgen im Zimmer Nr. 8 lBe- kleidnngsstelle), aus gegeben. Die Ausgabe der Zahlung-- anweisungen eriolgt nur gegen Rückgabe der mit Quittung versehenen Ausweise. Die Auszahlung des Geldbetrages erfolgt auf der Stadtkasse.
Gießen, den 18. Juli 1918.
5393B
Rer Oberbürgermeister (Lebensmittelamt).
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